»Und Lottchen,« fügte er dringend hinzu, indem er ihre Hand nahm, »wenn

ich Ihren Thränen eine Deutung geben darf, wenn auch Sie jener alten

Geschichte von der »Liebe auf den ersten Blick« seit gestern glauben

gelernt haben, dann lassen Sie mir als ersten Beweis davon Verzeihung

zutheil werden, oder lieber,« fügte er lächelnd hinzu, da sie ihn, wenn

auch noch durch Thränen, doch schon wieder freundlicher ansah, »seien

Sie so böse auf den »Kaufmann Schröter,« wie Sie nur irgend wollen,

aber haben Sie den Lieutenant Sterneck dafür umso lieber -- was meinen

Sie? Darf ich mich Ihren Eltern vorstellen, und ihnen sagen, daß Sie

mir diesen Besuch gestattet haben?«

Nun, Lottchen war nicht von Stein, sie sagte zwar nicht ja, aber sie

nickte mit dem Kopfe, und das that dieselben Dienste!

Näher kommende Schritte ließen unser Paar etwas bestürzt auffahren,

und Fritzens Schreck steigerte sich zu plötzlichem Entsetzen, als der

Störenfried sich in der sonst harmlosen Gestalt eines Briefträgers

präsentirte, der in geschäftsmäßigem Tritt, ohne rechts oder links zu

blicken, an ihnen vorüber nach der Stadt ging. »Glaubst du, dieser

Adler sei dir geschenkt?« schien mit feurigen Buchstaben um die Mütze

des ehrlichen Postbeamten geschrieben -- was für eine Pandorabüchse

konnte jene Ledertasche sein!

Fritz verbarg mit Mühe seine Verwirrung, und trennte sich von

seiner reizenden Braut, wo die Anlagen in die Stadt münden, mit dem

nochmaligen Versprechen, sobald es seine Zeit gestatte, sich bei ihren

Eltern einfinden zu wollen. Noch ein herzlicher Händedruck, und ihre

Wege führten auseinander. Lottchen trippelte mit der ihr eigenen,

anmuthigen Schnelligkeit von dannen, und Fritz wandte wohl noch

zehnmal den Kopf, um mit Freude und Gewissensangst der Verschwindenden

nachzusehen.

Als er einige Stunden später in stiller Beklommenheit auf seinem Sopha

saß, klopfte es, der Bursche brachte ihm einen Brief, Poststempel

Neu-Tessin! Nun also! Fritz hatte noch nie vor der Mündung einer

geladenen Pistole gestanden, er wußte demnach nicht aus Erfahrung,

wie einem dabei zu Muthe ist, ungefähr konnte er sich's aber nach

diesem Moment vorstellen. Es hilft doch nichts -- auf mit dem Brief! Er

lautete:

Mein verehrter, junger Freund!

Ihr Schreiben hat mich und die Meinigen geehrt und erfreut. Wir nehmen

Ihre Bewerbung um unsere Tochter gern an, und hoffen, in Ihnen einen

lieben Sohn zu finden. Meine Frau wollte schon bei unserem letzten

Zusammensein ganz klar die demnächstigen Ereignisse voraussehen, doch

hielt ich dies für eine Illusion, zu der das weibliche Geschlecht in

Betreff von Heirathsabsichten ja stets neigt. Nun hat sie doch Recht

behalten!

Wir erwarten Sie morgen Abend zum frohen Verlobungsmahl, und wollen

dann alles andere mündlich erörtern. Ein Gruß von Malchen wird Ihnen

wohl nicht unangenehm sein?

Ihr treu ergebner Schwiegervater _in spe_

Solgers, Amtsrath.

Der Brief trug das Datum des gestrigen Sonntags.

Das lähmende Entsetzen, welches sich unseres Fritz beim Durchlesen

dieses an sich ja sehr netten Schreibens bemächtigte, spottet jeder

Beschreibung. Er starrte den verhängnißvollen Zettel an, eigentlich

ohne Bewußtsein, er las ihn wieder, und noch einmal, aber auch nicht

ein Schimmer von Zweifel ließ sich daraus entnehmen!

»Bei unserem letzten Zusammensein will die Amtsräthin etwas gemerkt

haben,« murmelte er dumpf, »=ich= habe nichts gemerkt! Wann soll denn

das gewesen sein? Ich bin ja seit fast vier Wochen nicht in Tessin

gewesen -- nun, es wird doch am Ende etwas daran sein! Es muß wohl den

Tag =sehr= guten Punsch gegeben haben,« sagte er gedankenlos vor sich

hin.

Fritz sprang auf und schritt in wahrer Verzweiflung im Zimmer auf und

ab, sein Herz schlug so laut vor Angst, daß er es zu hören meinte.

War wohl je ein Mensch in solcher schrecklichen Lage, und solchen

verwickelten Familienverhältnissen! Nun hatte er zwei Bräute, zwei

Schwiegermütter und zwei Schwiegerväter, von denen der ihm bekannte ein

wahrer Bär von deutscher Grobheit war.

=Wessen= er sich versah, wenn er mit seiner Beichte in Tessin

herausrückte, war gar nicht auszudenken, und er durfte doch nicht

wieder grob werden; hatte er nicht frevelhaft den Hausfrieden und

Seelenfrieden einer glücklichen Familie gestört? Und Amalie schien ihn

nun doch zu lieben, der schalkhafte Schlußsatz des Briefes deutete auf

das Aergste!

Armer Fritz, zwei Mädchenherzen liegen zu deinen Füßen, =eines= mußt du

unfehlbar zertreten, magst du einen noch so künstlichen, moralischen

Eiertanz ausführen!

Aber alles jammern und sich abmartern nützte nichts, jetzt hieß es

handeln, rasch, klug und rechtlich, er hatte nie gedacht, daß dies so

schwer wäre!

In einer halben Stunde ging der letzte Zug an diesem Tage nach Tessin

ab, und man erwartete ihn »zum fröhlichen Verlobungsmahle!« Sollte er

schreiben? das war ihm unmöglich, er =konnte= sich nicht entschließen,

seine Schandthaten schriftlich in das Familienarchiv des Amtsraths

niederzulegen, nein, es mußte ausgebadet werden! Er schickte den

Burschen nach einer Droschke, und während dieser unterwegs war, schrieb

er eilig und innerlich zerfleischt von Höllenqualen einige Zeilen

an Lottchen, worin er ihr mittheilte, daß Familienangelegenheiten

unaufschiebbarer Natur ihn zwängen, die Stadt auf einige Stunden zu

verlassen. Sie möge ihm nur vertrauen, der nächste Tag finde ihn sicher

bei ihr und ihren Eltern.

Schweren Herzens sandte er den Brief an seinen Bestimmungsort ab, und

fuhr dann zur Bahn. Seine stille Hoffnung, er werde den Zug versäumen,

und sich auf diese Weise eine Galgenfrist schaffen, trog, er kam

rechtzeitig an, und die Stunde, welche die Stadt und Neu-Tessin trennt,

war bald auf Dampfesflügeln durcheilt.

Das von dem Amtsrath bewohnte Dominium Tessin, lag etwa zehn Minuten

von der Bahnstation Frankenberg. Als Fritz den Zug verließ, entdeckte

er bald die wohlbekannte, geschlossene Chaise seines Schwiegervaters

Nr. 1, wie er ihn in Gedanken nannte, denn nach dem alten Sprichwort:

»wer zuerst kommt, mahlt zuerst,« hatte Amalie entschieden den Vorrang

bei diesem seltsamsten aller Wettrennen.

Ein ihm fremder Kutscher lenkte das Gefährt, und blickte spähend in

die aussteigende Menschenmenge. Als Fritz sich ihm näherte, und zur

Sicherheit sich noch einmal erkundigte: »Herrn Amtsrath Solgers Wagen?«

nickte der Rosselenker, und frug, das trübselige Gesicht vor ihm mit

einigem Mißtrauen betrachtend: »sind Sie der Herr Bräutigam?«

Unwillig bejahte der gequälte Fritz, und bald rollte das Gefährt auf

der Landstraße dahin. Noch eine Biegung des Weges, da lag das Amtshaus,

von der untergehenden Sonne vergoldet, vor ihm.

Als Fritz sich dem Hofe näherte, welchen man zu passiren hat, ehe

man das Haus erreicht, begrüßten ihn zwar arg verstimmte, aber doch

wohlgemeinte, schmetternde Klänge, die Dorfkapelle blies einen Tusch.

Die durch diese Ovation etwas erregten Pferde ließen sich erst schwer

zum Stehen bringen, Fritzens verstörte Augen bemerkten über der

Hausthür eine dicke Guirlande, und als er, halb betäubt vor Verwirrung,

dem Wagen entstieg, strömte ihm der warme Duft von Punsch und Braten

festlich entgegen.

Vor der Thür stand der Amtsrath im schwarzen Leibrock, das

Ordensbändchen im Knopfloch, die Amtsräthin im Seidenkleide,

neugierige kleine Schwäger, Schwägerinnen und Dienstboten drängten

sich im Hausflur, Malchen schien sich in bräutlicher Verschämtheit im

Hintertreffen zu halten.

Fritz schwankte, wie ein Gerichteter, der das Schaffot besteigen soll.

Aber Unerwartetes begab sich.

Das dröhnende »Willkommen,« mit dem der Hausherr den Wagen bereits

anzuschreien begonnen hatte, verstummte plötzlich wie abgeschnitten,

als er unseren Fritz erblickte. Es wäre schwer zu sagen, wessen Züge

die größere Verlegenheit ausdrückten, die des Ankommenden, oder die

der Erwartenden.

Die Amtsräthin machte kurz kehrt, und zerstreute mit Wort und Geberde

die Neugierigen im Hausflur, dann ward sie nicht mehr gesehen.

Ihr Gatte erhob mechanisch die Hand, kratzte sich hinter dem Ohr, und

-- schwieg.

Fritz schwieg auch, ihm war fürchterlich zu Muthe. Er glaubte, er mußte

ja glauben, daß der Anblick seines bleichen, deprimirten Gesichts so

niederschmetternd auf die schwiegerelterlichen Nerven wirke, daß man

keine Worte fände, ihn fröhlich als fröhlichen Bräutigam zu grüßen.

Aber dies gegenseitige, schweigende Anstarren war zum Tollwerden! »Noch

zwei Sekunden so,« dachte Fritz, »und ich gebe Fersengeld, und laufe,

so weit mich meine Füße tragen.«

Er räusperte sich mehrmals, streckte etwas gezwungen die Hand aus, und

begann: »Sie waren so überaus gütig, Herr Amtsrath --«

Der alte Herr sah starr auf den Boden nieder, ergriff die dargebotene

Hand und schüttelte sie kräftig, dann sagte er mit bedrückter Stimme:

»Bitte, bitte, nicht Ursach', mein lieber Freund! Ich hatte freilich

nicht erwartet -- aber wollen Sie nicht einige Augenblicke näher

treten? Wir können unsere Besprechung ja in meinem Zimmer vornehmen.«

Er ließ dem Schwiegersohn höflich den Vortritt ins Haus und öffnete

die Thür seiner zu gleicher Erde belegenen Wohnstube, in die ihm Fritz

ungefähr mit den Gefühlen folgte, die man im Vorzimmer des Zahnarztes

durchzumachen pflegt.

»Darf ich Ihnen eine Cigarre anbieten?« unterbrach der Amtsrath die

Grabesstille.

»Sie sind sehr gütig!« und Fritz begann zu rauchen, und zwar mit einem

Eifer, als hinge sein Leben daran, daß er die Cigarre in zehn Minuten

bis auf die letzte Spur vertilgt habe.

Der Amtsrath paffte eben so krampfhaft in seiner Ecke.

Endlich erhob sich Fritz, und stellte sich, militärisch hoch

aufgerichtet, vor den alten Herrn.

»Ich weiß in der That nicht, Herr Amtsrath, was Sie von mir denken

werden, wenn ich Ihnen eine Erklärung meiner Handlungsweise gegeben

habe, die --«

»Aber ich bitte Sie, mein lieber, junger Freund,« erwiderte der Alte

ganz ängstlich, »wozu wollen Sie sich und mir eine solche unnöthige

Qual bereiten! Ich habe ja alles, was zu der Sache irgend zu sagen

war, in meinem Briefe auseinandergesetzt, und um Ihnen die Situation

zu erleichtern, wiederhole ich Ihnen noch einmal mündlich, was ich

schriftlich sagte, an meinem und meiner Tochter Entschluß ist nichts

mehr zu ändern, wenn Sie eine derartige Absicht herführt, so ist jedes

Wort unnöthig.«

Fritz rang mit dem Tode! Er sah die Zornader auf der Stirn des Alten

schon im Geiste anlaufen, aber es half nichts -- durch!

»Herr Amtsrath!« begann er von neuem, und fuhr sich mit dem Taschentuch

über die Stirn, »halten Sie mich für einen Elenden -- ich halte mich

selbst dafür, aber ich beschwöre Sie bei allem, was Ihnen heilig ist,

mein Gott, wie soll ich mich nur ausdrücken? ich flehe Sie an, nehmen

Sie Ihr Wort zurück!«

»Aber sagen Sie mir, Herr,« rief jetzt der Amtsrath, »was ficht Sie

denn eigentlich an? Allen Respekt vor Ihnen, aber Sie benehmen sich, um

mich ganz gelinde auszudrücken, wie ein Narr! Seien Sie ein Mann, fügen

Sie sich ins Unvermeidliche, was ich gesagt habe, habe ich gesagt! Ich

werde mich doch jetzt nicht zum Gespött der ganzen Gegend machen, als

ein alter Schwachkopf, der nicht weiß, was er will! Meine Tochter ist

Braut -- und damit basta.«

»Nun dann,« sagte Fritz mit der Ruhe eines Verzweifelten, »dann bleibt

mir nichts übrig, als mir eine Kugel vor den Kopf zu schießen! Ich habe

wie ein Ehrloser gehandelt, ich muß die Folgen tragen! Denken Sie von

mir, was Sie wollen, aber ich kann Ihre Tochter nicht heirathen!«

»Was!« schrie der Amtsrath und sprang auf, »=was= sagen Sie da?«

»Ich kann Ihre Tochter nicht heirathen,« wiederholte Fritz dumpf und

leichenblaß, »und nun machen Sie mit mir, was Sie wollen!«

»Meine Tochter nicht heirathen?« brüllte jetzt der Amtsrath, und

sprang auf Fritz zu, ihn bei den Schultern packend, »aber Mensch, wer

verlangt denn, daß Sie sie heirathen? Bin ich toll, oder sind Sie toll,

oder sind wir's alle beide?«

»Ich weiß nicht,« sagte Fritz ganz erschöpft, und sank in seinen Stuhl

zurück.

Der Alte trat zum Nebentisch, goß zwei Gläser Wasser aus einer Karaffe

ein, trank eins, und reichte das andere unserem Helden. »So, das

schlägt nieder,« sagte er dann etwas ruhiger, »und nun sagen Sie mir

einmal, =was= Sie eigentlich wollen! Sie halten um meine Tochter

an, ich schreibe Ihnen, umgehend, wie Sie es verlangten, eine ganz

vernehmliche, möglichst freundlich abgefaßte Antwort, und statt sich

dabei zu beruhigen, wie ein vernünftiger Mensch, kommen Sie hierher

wie ein Tollhäusler, und schreien, Sie können meine Tochter nicht

heirathen! Ich muß Ihnen gestehen, ich finde es, gelinde gesagt, sehr

dumm und albern, daß Sie heute überhaupt hierher kommen!«

»Aber mein Himmel,« rief Fritz, und durchwühlte seine Brieftasche mit

zitternden Händen, »Sie haben mich ja doch selbst eingeladen!«

»Ich -- Sie?« schrie der Amtsrath noch lauter, »i, so schlag doch --«

»Hier!« sagte Fritz lakonisch, und reichte dem alten Herrn seinen Brief

hin.

Der Amtsrath las -- verfärbte sich -- wiegte den Kopf hin und her --

plötzlich rief er: »Ach, du meines Lebens! Da habe ich eine schöne

Geschichte gemacht, lieber Sterneck, ich bin ja an allem schuld! Ich

habe den Absagebrief an Sie gleichzeitig mit dem Zusagebrief an meinen

Nachbar Rummler geschrieben -- der hielt zufällig vor zwei Tagen auch

um Amalie an, und wie ich nun Ihren Brief sofort beantworten mußte, da

habe ich in der Eile und Aufregung die Adressen verwechselt! Nein, das

ist ja schrecklich -- und nun sitzt mir der mit einem Korbe da! Er hat

auch Bahnstation in Frankenberg, und der Wagen sollte =ihn= holen und

nicht Sie! Ach, ich bin ein geschlagener Mann -- ich alter Esel! Nein,

ist denn das aber menschenmöglich?«

Während der Alte wie außer sich im Zimmer umherrannte, ergoß sich in

Fritzens umdüsterte Seele eine wahre Sonnenhelle. Er sollte Amalien

nicht heirathen -- die gute, die liebe Amalie wollte ihn nicht, hatte

sogar schon einen Ersatzmann gefunden -- ach, das hatte er nicht

verdient!

In überströmender Glückseligkeit sprang er auf und fiel dem erstaunten

Amtsrath um den Hals. »Lieber, alter Freund -- bester Herr Amtsrath --

meine innigsten Glückwünsche -- ach, so habe ich mich doch in meinem

ganzen Leben noch nicht gefreut!«

Es sprach eine so innige Ueberzeugtheit aus diesen Worten, daß dem

guten Amtsrath, was man ihm auch nicht verdenken kann, wieder ganz

unheimlich zu Muthe wurde. Er machte sich etwas unsanft los.

»Na, lassen Sie das nur gut sein,« sagte er, und schob Fritz

mißtrauisch zurück, »was =Sie= denken und ob Sie sich freuen, ist mir

im Augenblick ganz egal -- ich weiß nur nicht, wie =ich= meine Eseleien

wieder gut mache, ohne daß es meine Weibsleute merken, sonst haben die

eine Handhabe gegen mich bis ans Ende meiner Tage!«

»Ich will Ihnen einen Vorschlag machen,« nahm Fritz, dessen

Gefühlswogen sich zu legen begannen, jetzt das Wort, »Gefallen gegen

Gefallen! Borgen Sie mir Ihren Rappen bis morgen früh, dann reite ich

jetzt zu Herrn Rummler hinüber und besorge Ihnen einen Brief hin, den

Sie schnell schreiben, während ich mich anziehe -- und dann reite

ich zur Stadt und schicke Ihnen das Pferd morgen wieder heraus. Herr

Rummler kann in einer Stunde hier sein und niemand erfährt etwas!«

»Ach, das ist Unsinn,« sagte der Amtsrath, »ich will Ihnen etwas

anderes sagen -- mir wird das Briefschreiben sauer -- geben Sie mir

Ihren Brief, und ich schicke ihn zu Rummler, und schreibe nur, =das=

wäre der richtige, und der andere wäre für Sie bestimmt. Wenn ich das

schreiben kann, so ist die Sache abgemacht.«

»Meinetwegen,« rief der glückselige Fritz, »aber den Rappen geben Sie

mir mit. Ich =muß= nothwendig heute Abend nach Hause -- Sie sollen bald

erfahren, warum!«

»Ich bin nicht neugierig,« sagte der unliebenswürdige Alte, »aber

eins sagen Sie mir -- =warum= haben Sie denn eigentlich um die Amalie

angehalten, wenn Sie so froh sind, daß sie Sie nicht haben will?«

»Das ist eine lange Geschichte,« erwiderte Fritz, und wurde roth,

»wollte ich Ihnen die jetzt erzählen, so verbrennte der Braten, und der

Punsch, den das Brautpaar heute noch trinken soll, würde kalt. Lassen

Sie mich fort und schicken Sie den Wagen zu Ihrem Schwiegersohne. Und

nun leben Sie wohl, mein lieber, guter Herr Amtsrath -- sagen Sie Ihren

Damen -- -- was Sie wollen! Ich lasse mir den Rappen satteln!«

Im Hause des Amtsraths ging es den Abend noch sehr lustig her --

in manchen anderen Häusern gewiß auch -- es giebt ja, trotz aller

Pessimisten, noch immer eine ganze Menge vergnügter Leute auf der Welt

-- aber ein fröhlicherer Geselle, als unser Fritz, den sein tänzelnder

Rappe durch den schönen Sommerabend nach der Stadt hin trug, die sein

Glück barg, war an diesem Abend schwerlich zu finden! -- Wie er es

angefangen hat, seine reizende Braut mit dem zweiten Akt der Komödie zu

versöhnen, die er auf der Landpartie zu spielen begonnen -- das geht

uns nichts an. Er wird schon mit ihr fertig geworden sein!

W. =Moeser Hofbuchdruckerei=, Berlin, Stallschreiber-Straße 34. 35.

Inhalt.

Seite

Hausgenossen 1

Und doch! 59

Der tolle Junker 85

Finderlohn 161

Glück muß man haben! 193

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