W = (v + w) / (1 + vw/c²), (B)

welche dem Additionstheorem gleichgerichteter Geschwindigkeiten nach

der Relativitätstheorie entspricht. Die Frage ist nun, welches von

diesen beiden Theoremen der Erfahrung gegenüber standhält. Hierüber

belehrt uns ein höchst wichtiges Experiment, welches der geniale

Physiker +Fizeau+ vor mehr als einem halben Jahrhundert ausführte, und

das seitdem von einigen der besten Experimentalphysiker wiederholt

wurde, so daß das Resultat unbezweifelbar ist. Das Experiment behandelt

folgende Frage. In einer ruhenden Flüssigkeit pflanze sich das Licht

mit einer bestimmten Geschwindigkeit _w_ fort. Wie rasch pflanzt es

sich in der Röhre _R_ der Figur

[Illustration]

in der Pfeilrichtung fort, wenn diese von der vorhin genannten

Flüssigkeit mit der Geschwindigkeit _v_ durchströmt ist?

Wir werden im Sinne des Relativitätsprinzips jedenfalls vorauszusetzen

haben, daß +relativ zur Flüssigkeit+ die Lichtausbreitung immer mit

derselben Geschwindigkeit _w_ erfolgt, mag die Flüssigkeit relativ zu

anderen Körpern bewegt sein oder nicht. Es ist also die Geschwindigkeit

des Lichtes relativ zur Flüssigkeit und die Geschwindigkeit der

letzteren relativ zur Röhre bekannt, gesucht die Geschwindigkeit des

Lichtes relativ zur Röhre.

Es ist klar, daß hier wieder die Aufgabe des § 6 vorliegt. Die Röhre

spielt die Rolle des Bahndammes bzw. des Koordinatensystems _K_, die

Flüssigkeit die Rolle des Wagens bzw. des Koordinatensystems _K′_,

das Licht endlich die Rolle des im Wagen laufenden Mannes bzw. des

bewegten Punktes in diesem Paragraphen. Bezeichnet man also mit _W_ die

Geschwindigkeit des Lichtes relativ zur Röhre, so ist diese durch die

Gleichung (A) bzw. (B) gegeben, je nachdem die Galilei-Transformation

oder die Lorentz-Transformation der Wirklichkeit entspricht.

Das Experiment[9] entscheidet für die aus der Relativitätstheorie

abgeleitete Gleichung (B), und zwar sehr exakt. Der Einfluß der

Strömungsgeschwindigkeit _v_ auf die Lichtfortpflanzung wird nach den

letzten, ausgleichenden Messungen von +Zeemann+ durch die Formel (B)

genauer als auf 1 Proz. genau dargestellt.

Es ist nun allerdings hervorzuheben, daß eine Theorie dieses

Phänomens lange vor der Aufstellung der Relativitätstheorie auf rein

elektrodynamischem Wege unter Benutzung bestimmter Hypothesen über

die elektromagnetische Struktur der Materie von +H. A. Lorentz+

gegeben worden ist. Dieser Umstand vermindert aber die Beweiskraft des

Versuches als experimentum crucis zugunsten der Relativitätstheorie

keineswegs. Denn die +Maxwell-Lorentz+sche Elektrodynamik, auf welcher

die ursprüngliche Theorie beruhte, steht in keinerlei Gegensatz zur

Relativitätstheorie. Letztere ist vielmehr aus der Elektrodynamik

herausgewachsen als verblüffend einfache Zusammenfassung und

Verallgemeinerung der früher voneinander unabhängigen Hypothesen, auf

welchen die Elektrodynamik aufgebaut war.

§ 14. Der heuristische Wert der Relativitätstheorie.

Der bisher dargelegte Gedankengang läßt sich wie folgt kurz

zusammenfassen. Die Erfahrung hat zu der Überzeugung geführt, daß

einerseits das Relativitätsprinzip (im engeren Sinne) gelte und

daß andererseits die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichtes im

Vakuum gleich einer Konstanten _c_ zu setzen sei. Durch Vereinigung

dieser beiden Postulate ergab sich das Transformationsgesetz für

die rechtwinkeligen Koordinaten _x_, _y_, _z_ und die Zeit _t_ der

Ereignisse, welche das Naturgeschehen zusammensetzen, und zwar ergab

sich nicht die Galilei-Transformation, sondern (abweichend von der

klassischen Mechanik) die Lorentz-Transformation.

In diesem Gedankengange spielte das Ausbreitungsgesetz des Lichtes

eine wichtige Rolle, dessen Annahme sich aus unserem tatsächlichen

Wissen rechtfertigt. Wir können aber, nachdem wir einmal im Besitz

der Lorentz-Transformation sind, diese mit dem Relativitätsprinzip

vereinigen und die Theorie in die Aussage zusammenfassen:

Jedes allgemeine Naturgesetz muß so beschaffen sein, daß es in

ein Gesetz von genau gleicher Fassung übergeht, wenn man statt

der Raum-Zeit-Variabeln _x_, _y_, _z_, _t_ des ursprünglichen

Koordinatensystems _K_ neue Raum-Zeit-Variable _x′_, _y′_, _z′_,

_t′_ eines Koordinatensystems _K′_ einführt, wobei der mathematische

Zusammenhang zwischen den gestrichenen und ungestrichenen

Größen durch die Lorentz-Transformation gegeben ist. Kurz

formuliert: Die allgemeinen Naturgesetze sind kovariant bezüglich

Lorentz-Transformationen.

Es ist dies eine bestimmte mathematische Bedingung, welche die

Relativitätstheorie einem Naturgesetze vorschreibt; dadurch wird

sie zu einem wertvollen heuristischen Hilfsmittel beim Aufsuchen

der allgemeinen Naturgesetze. Würde ein allgemeines Naturgesetz

aufgefunden, welches jener Bedingung nicht entspricht, so wäre

mindestens eine der beiden Grundvoraussetzungen der Theorie widerlegt.

Sehen wir nun zu, was letztere an allgemeinen Ergebnissen bisher

gezeitigt hat.

§ 15. Allgemeine Ergebnisse der Theorie.

Aus den bisherigen Darlegungen ist ersichtlich, daß die (spezielle)

Relativitätstheorie aus der Elektrodynamik und Optik herausgewachsen

ist. Auf diesen Gebieten hat sie an den Aussagen der Theorie

nicht viel geändert, aber sie hat das theoretische Gebäude, d. h.

die Ableitung der Gesetze bedeutend vereinfacht und — was noch

ungleich wichtiger ist — die Zahl der voneinander unabhängigen

Hypothesen, auf welchen die Theorie beruht, erheblich vermindert.

Sie hat der +Maxwell-Lorentz+schen Theorie einen solchen Grad von

Evidenz verliehen, daß diese auch dann bei den Physikern allgemein

durchgedrungen wäre, wenn das Experiment weniger überzeugend zu ihren

Gunsten gesprochen hätte.

Die klassische Mechanik bedurfte erst einer Modifikation, um mit der

Forderung der speziellen Relativitätstheorie in Einklang zu kommen.

Diese Modifikation betrifft jedoch im wesentlichen nur die Gesetze

für rasche Bewegungen, bei welchen die Geschwindigkeiten _v_ der

Materie gegenüber der Lichtgeschwindigkeit nicht gar zu klein sind.

So rasche Bewegungen zeigt uns die Erfahrung nur an Elektronen und

Ionen; bei anderen Bewegungen sind die Abweichungen von den Gesetzen

der klassischen Mechanik zu gering, um sich praktisch bemerkbar zu

machen. Von der Bewegung der Gestirne wird erst bei der allgemeinen

Relativitätstheorie zu sprechen sein. Nach der Relativitätstheorie wird

die kinetische Energie eines materiellen Punktes von der Masse _m_

nicht mehr durch den bekannten Ausdruck

m v²/2

gegeben, sondern durch den Ausdruck:

mc² / sqrt(1 − v²/c²).

Dieser Ausdruck wird unendlich, wenn sich die Geschwindigkeit _v_

der Lichtgeschwindigkeit _c_ nähert. Es muß also die Geschwindigkeit

stets kleiner als _c_ bleiben, wie große Energien man auch auf die

Beschleunigung verwenden mag. Entwickelt man den Ausdruck für die

kinetische Theorie in eine Reihe, so erhält man:

mc² + m v²/2 + 3/8 m v⁴/c² + ...

Das dritte dieser Glieder ist gegenüber dem zweiten, in der klassischen

Mechanik allein berücksichtigten, stets klein, wenn v²/c² klein gegen

1 ist. Das erste Glied _mc²_ enthält die Geschwindigkeit nicht, kommt

also nicht in Betracht, wenn es sich nur um die Frage handelt, wie die

Energie eines Massenpunktes von der Geschwindigkeit abhängt. Über seine

prinzipielle Bedeutung wird nachher gesprochen werden.

Das wichtigste Ergebnis allgemeiner Art, zu dem die spezielle

Relativitätstheorie geführt hat, betrifft den Begriff der Masse. Die

vorrelativistische Physik kennt zwei Erhaltungssätze von grundlegender

Bedeutung, nämlich den Satz von der Erhaltung der Energie und den Satz

von der Erhaltung der Masse; diese beiden Fundamentalsätze erscheinen

als ganz unabhängig voneinander. Durch die Relativitätstheorie

werden sie zu einem Satze verschmolzen. Wie dies kam, und wie diese

Verschmelzung aufzufassen ist, soll nun kurz dargelegt werden.

Das Relativitätsprinzip fordert, daß der Satz von der Erhaltung der

Energie nicht nur bezüglich eines Koordinatensystems _K_ gelte, sondern

bezüglich eines jeden Koordinatensystems _K′_, das relativ zu _K_ sich

in gleichförmiger Translationsbewegung befindet (kurz gesagt, bezüglich

jedes „Galileischen“ Koordinatensystems). Für den Übergang zwischen

zwei solchen Systemen ist im Gegensatz zur klassischen Mechanik die

Lorentz-Transformation maßgebend.

Aus diesen Prämissen in Verbindung mit den Grundgleichungen der

+Maxwell+schen Elektrodynamik kann man mit zwingender Notwendigkeit

durch verhältnismäßig einfache Betrachtungen folgenden Schluß ziehen:

Ein mit der Geschwindigkeit _v_ fliegender Körper, der in Form von

Strahlung die Energie _E₀_ aufnimmt[10], ohne hierbei seine

Geschwindigkeit zu ändern, erfährt dabei eine Zunahme seiner Energie um

den Betrag:

E₀ / sqrt(1−v²/c²).

Die gesuchte Energie des Körpers ist also dann mit Rücksicht auf den

vorher angegebenen Ausdruck für die kinetische Energie gegeben durch:

(m + E₀ / c²) c² / sqrt((1−v²/c²).

Der Körper hat also dann dieselbe Energie wie ein mit der

Geschwindigkeit _v_ bewegter Körper von der Masse _m + E₀ / c²_. Man

kann also sagen: Nimmt ein Körper die Energie _E₀_ auf, so wächst

seine träge Masse um _E₀/c²_; die träge Masse eines Körpers ist keine

Konstante, sondern nach Maßgabe seiner Energieänderung veränderlich.

Die träge Masse eines Körpersystems kann geradezu als Maß für seine

Energie angesehen werden. Der Satz von der Erhaltung der Masse eines

Systems fällt mit dem Satze von der Erhaltung der Energie zusammen und

gilt nur insoweit, als das System keine Energie aufnimmt und abgibt.

Schreibt man den Ausdruck für eine kinetische Energie in der Form

mc² + E₀ / sqrt(1−v²/c²)

so sieht man, daß die Form _mc²_, die uns schon vorhin auffiel, nichts

anderes ist als die Energie, welche der Körper schon besaß[11], bevor

er die Energie _E₀_ aufgenommen hatte.

Der direkte Vergleich dieses Satzes mit der Erfahrung scheitert

vorläufig daran, daß die Energieänderungen _E₀_, welche wir einem

System erteilen können, nicht groß genug sind, um sich als Änderung

der trägen Masse des Systems bemerkbar zu machen. _E₀/c²_ ist zu klein

im Vergleich zu der Masse _m_, die vor der Energieänderung vorhanden

war. Auf diesem Umstande beruht es, daß ein Satz von der Erhaltung der

Masse von selbständiger Geltung mit Erfolg aufgestellt werden konnte.

Noch eine letzte Bemerkung prinzipieller Natur. Der Erfolg der

+Faraday-Maxwell+schen Deutung der elektromagnetischen Fernwirkung

durch intermediäre Vorgänge mit endlicher Ausbreitungsgeschwindigkeit

brachte es mit sich, daß bei den Physikern sich die Überzeugung

Bahn brach, daß es unvermittelte, momentane Fernwirkungen vom

Typus des +Newton+schen Gravitationsgesetzes nicht gebe. Nach der

Relativitätstheorie tritt an die Stelle der Momentanwirkung in die

Ferne bzw. der Fernwirkung mit unendlicher Ausbreitungsgeschwindigkeit

stets die Fernwirkung mit Lichtgeschwindigkeit. Es hängt dies zusammen

mit der prinzipiellen Rolle, welche die Geschwindigkeit _c_ in dieser

Theorie spielt. Im zweiten Teile wird sich zeigen, in welcher Weise

dies Ergebnis in der allgemeinen Relativitätstheorie modifiziert wird.

§ 16. Spezielle Relativitätstheorie und Erfahrung.

Die Beantwortung der Frage, inwieweit die spezielle Relativitätstheorie

durch die Erfahrung gestützt wird, ist nicht einfach zu beantworten aus

einem Grunde, der schon bei Gelegenheit des Fundamentalversuches von

+Fizeau+ erwähnt ist. Die spezielle Relativitätstheorie ist aus der

+Maxwell-Lorentz+schen Theorie der elektromagnetischen Erscheinungen

auskristallisiert. Somit stützen alle Erfahrungstatsachen die

Relativitätstheorie, welche jene elektromagnetische Theorie stützen.

Ich erwähne hier als besonders wichtig, daß die Relativitätstheorie

in überaus einfacher Weise in Übereinstimmung mit der Erfahrung die

Einflüsse abzuleiten gestattet, welche das von den Fixsternen zu uns

gesandte Licht durch die Relativbewegung der Erde gegen jene Fixsterne

erfährt. Es ist dies die jährliche Wanderung des scheinbaren Ortes der

Fixsterne infolge der Erdbewegung um die Sonne (Aberration) und der

Einfluß der Radialkomponente der Relativbewegungen der Fixsterne gegen

die Erde auf die Farbe des zu uns gelangenden Lichtes; der letztere

Einfluß äußert sich in einer kleinen Verschiebung der Spektrallinien

des von einem Fixstern zu uns gelangenden Lichtes gegenüber der

spektralen Lage der gleichen, mit einer irdischen Lichtquelle erzeugten

Spektrallinie (+Doppler+sches Prinzip). Die experimentellen Argumente

zugunsten der +Maxwell-Lorentz+schen Theorie, welche alle zugleich

Argumente zugunsten der Relativitätstheorie sind, sind zu zahlreich,

um hier dargelegt zu werden. Sie engen tatsächlich die theoretischen

Möglichkeiten derart ein, daß sich keine andere Theorie als die

+Maxwell-Lorentz+sche der Erfahrung gegenüber hat behaupten können.

Zwei Klassen von bisher ermittelten experimentellen Tatsachen aber gibt

es, welche die +Maxwell-Lorentz+sche Theorie nur durch Hinzuziehung

einer Hilfshypothese darstellen kann, die an sich — d. h. ohne

Benutzung der Relativitätstheorie — befremdlich erscheint.

Es ist bekannt, daß die Kathodenstrahlen und die von radioaktiven

Substanzen ausgesandten sogenannten β-Strahlen aus negativ elektrischen

Körperchen (Elektronen) von sehr geringer Trägheit und großer

Geschwindigkeit bestehen. Dadurch, daß man die Ablenkung dieser

Strahlungen unter dem Einfluß elektrischer und magnetischer Felder

untersucht, kann man das Bewegungsgesetz dieser Körperchen sehr genau

studieren.

Bei der theoretischen Behandlung dieser Elektronen hat man mit der

Schwierigkeit zu kämpfen, daß die Elektrodynamik allein von ihrer Natur

keine Rechenschaft zu geben vermag. Denn da elektrische Massen eines

Vorzeichens sich abstoßen, müßten die das Elektron konstituierenden

negativen elektrischen Massen unter dem Einfluß ihrer Wechselwirkung

auseinander getrieben werden, wenn nicht noch Kräfte anderer Art

zwischen ihnen wirksam wären, deren Natur uns bisher dunkel ist.

Nimmt man nun an, daß die relativen Abstände der das Elektron

konstituierenden elektrischen Massen bei den Bewegungen des Elektrons

ungeändert bleiben (starre Verbindung im Sinne der klassischen

Mechanik), so gelangt man zu einem Bewegungsgesetz des Elektrons,

welches mit der Erfahrung nicht übereinstimmt. +H. A. Lorentz+ hat

als Erster, geführt durch rein formale Gesichtspunkte, die Hypothese

eingeführt, daß der Körper des Elektrons durch die Bewegung eine

Kontraktion in der Bewegungsrichtung erfahre, proportional dem Ausdruck

sqrt(1−v²/c²). Diese Hypothese, welche sich elektrodynamisch durch

nichts rechtfertigen läßt, liefert dann dasjenige Bewegungsgesetz,

welches die Erfahrung mit großer Präzision in den letzten Jahren

bestätigt hat.

Die Relativitätstheorie liefert dasselbe Bewegungsgesetz, ohne daß

sie irgendeiner speziellen Hypothese über den Bau und das Verhalten

des Elektrons bedürfte. Analog liegen die Dinge, wie wir in §

13 gesehen haben, bei dem Versuch von +Fizeau+, dessen Ergebnis

die Relativitätstheorie lieferte, ohne daß Hypothesen über die

physikalische Natur der Flüssigkeit gemacht werden mußten.

Die zweite Klasse von Tatsachen, auf die hier hingewiesen ist, bezieht

sich auf die Frage, ob bei Versuchen auf der Erde deren Bewegung im

Weltenraume sich bemerkbar mache. Es wurde schon in § 5 bemerkt, daß

alle derartigen Bemühungen ein negatives Resultat lieferten. Vor der

Aufstellung der Relativitätstheorie hatte es die Wissenschaft schwer,

sich mit diesem negativen Befunde auseinanderzusetzen; die Sachlage

war nämlich folgende. Die überkommenen Vorurteile über Zeit und Raum

ließen keinen Zweifel darüber aufkommen, daß die Galilei-Transformation

für den Übergang von einem Bezugskörper zu einem anderen maßgebend

sei. Angenommen nun, die +Maxwell-Lorentz+schen Gleichungen gelten

für einen Bezugskörper _K_, so findet man, daß sie nicht gelten für

einen relativ zu _K_ gleichförmig bewegten Bezugskörper _K′_, wenn man

annimmt, daß zwischen den Koordinaten von _K_ und _K′_ die Beziehungen

der Galilei-Transformation bestehen. Dadurch scheint es, daß von

allen Galileischen Koordinatensystemen eines (_K_) von bestimmtem

Bewegungszustande physikalisch ausgezeichnet sei. Physikalisch

interpretierte man dies Ergebnis dahin, daß man _K_ als relativ zu

einem hypothetischen Lichtäther ruhend ansah. Dagegen sollten alle

gegen _K_ bewegten Koordinatensysteme _K′_ gegen den Äther bewegt

sein. Dieser Bewegung von _K′_ gegen den Äther („Ätherwind“ relativ

zu _K′_) schrieb man die komplizierteren Gesetze zu, welche relativ

zu _K′_ gelten sollten. Auch relativ zur Erde mußte folgerichtig ein

solcher Ätherwind angenommen werden, und das Bestreben der Physiker war

lange darauf gerichtet, diesen nachzuweisen.

Hierfür hatte +Michelson+ einen Weg gefunden, der nicht fehlschlagen

zu können schien. Man denke sich an einem starren Körper zwei Spiegel

angeordnet, welche einander die reflektierende Seite zukehren. Ein

Lichtstrahl braucht eine ganz bestimmte Zeit _T_, um von einem Spiegel

zum anderen und wieder zurück zu gelangen, falls dies ganze System

gegen den Lichtäther ruht. Man findet für diesen Vorgang aber eine

etwas andere Zeit _T′_, wenn der Körper nebst Spiegeln relativ zum

Äther bewegt ist. Ja noch mehr! Die Rechnung ergibt, daß diese Zeit

_T′_ bei gegebener Geschwindigkeit _v_ gegen den Äther eine andere

sei, wenn der Körper senkrecht zu den Spiegelebenen bewegt ist, als

wenn er parallel zu den Spiegelebenen bewegt ist. So winzig die so

berechnete Differenz zwischen diesen beiden Zeitdauern auch sich

ergab, +Michelson+ und +Morley+ führten ein Interferenzexperiment

aus, bei welchem die Differenz deutlich hätte in Erscheinung treten

müssen. Das Experiment fiel aber negativ aus, zur großen Verlegenheit

der Physiker. +Lorentz+ und +FitzGerald+ zogen die Theorie aus dieser

Verlegenheit, indem sie annahmen, daß die Bewegung des Körpers gegen

den Äther eine Kontraktion in der Bewegungsrichtung bewirke, welche das

Verschwinden der genannten Zeitdifferenz gerade bewirken sollte. Ein

Vergleich mit den Darlegungen des § 12 zeigt, daß dieser Ausweg auch

vom Standpunkt der Relativitätstheorie der richtige war. Die Auffassung

der Sachlage ist aber nach der Relativitätstheorie eine unvergleichlich

befriedigendere. Nach ihr gibt es kein bevorzugtes Koordinatensystem,

welches zur Einführung der Ätheridee Anlaß gibt, mithin auch keinen

Ätherwind und kein Experiment, um einen solchen in Evidenz zu setzen.

Die Kontraktion bewegter Körper folgt hier ohne besondere Hypothesen

aus den beiden Grundprinzipien der Theorie; und zwar ergibt sich

als maßgebend für diese Kontraktion nicht die Bewegung an sich,

welcher wir keinen Sinn beizulegen vermögen, sondern die Bewegung

gegen den jeweilen gewählten Bezugskörper. So ist also für ein mit

der Erde bewegtes Bezugssystem der Spiegelkörper von +Michelson+ und

+Morley+ nicht verkürzt, wohl aber für ein relativ zur Sonne ruhendes

Bezugssystem.

§ 17. +Minkowski+s vierdimensionaler Raum.

Ein mystischer Schauer ergreift den Nichtmathematiker, wenn er von

„vierdimensional“ hört, ein Gefühl, das dem vom Theatergespenst

erzeugten nicht unähnlich ist. Und doch ist keine Aussage banaler als

die, daß unsere gewohnte Welt ein vierdimensionales zeiträumliches

Kontinuum ist.

Der +Raum+ ist ein dreidimensionales Kontinuum. Dies will sagen, daß

es möglich ist, die Lage eines (ruhenden) Punktes durch drei Zahlen

(Koordinaten), _x_, _y_, _z_, zu beschreiben, und daß es zu jedem

Punkte beliebig „benachbarte“ Punkte gibt, deren Lage durch solche

Koordinatenwerte (Koordinaten) _x₁_, _y₁_, _z₁_ beschrieben werden

kann, die den Koordinaten _x_, _y_, _z_ des erstgenannten beliebig nahe

kommen. Wegen der letzteren Eigenschaft sprechen wir von „Kontinuum“,

wegen der Dreizahl der Koordinaten von „dreidimensional“.

Analog ist die Welt des physikalischen Geschehens, von +Minkowski+

kurz „Welt“ genannt, natürlich vierdimensional in zeiträumlichem

Sinne. Denn sie setzt sich aus Einzelereignissen zusammen, deren jedes

durch vier Zahlen, nämlich drei räumliche Koordinaten _x_, _y_, _z_

und eine zeitliche Koordinate, den Zeitwert _t_ beschrieben ist. Die

„Welt“ ist in diesem Sinne auch ein Kontinuum; denn es gibt zu jedem

Ereignis beliebig „benachbarte“ (realisierte oder doch denkbare)

Ereignisse, deren Koordinaten _x₁_, _y₁_, _z₁_, _t₁_ sich von denen des

ursprünglich betrachteten Ereignisses _x_, _y_, _z_, _t_ beliebig wenig

unterscheiden. Daß wir nicht daran gewöhnt sind, die Welt in diesem

Sinne als vierdimensionales Kontinuum aufzufassen, liegt darin, daß

die Zeit in der vorrelativistischen Physik gegenüber den räumlichen

Koordinaten eine verschiedene, mehr selbständige Rolle spielt.

Darum haben wir uns daran gewöhnt, die Zeit als ein selbständiges

Kontinuum zu behandeln. In der Tat ist die Zeit gemäß der klassischen

Physik absolut, d. h. von der Lage und dem +Bewegungszustande+ des

Bezugssystems unabhängig. Dies kommt in der letzten Gleichung der

Galilei-Transformation (_t′ = t_) zum Ausdruck.

Durch die Relativitätstheorie ist die vierdimensionale

Betrachtungsweise der „Welt“ geboten, da ja gemäß dieser Theorie die

Zeit ihrer Selbständigkeit beraubt wird, wie die vierte der Gleichungen

der Lorentz-Transformation

t′ = t − v/c² x / sqrt(1−v²/c²)

lehrt. Denn nach dieser Gleichung verschwindet die Zeitdifferenz

_Δt′_ zweier Ereignisse in bezug auf _K′_ auch dann im allgemeinen

nicht, wenn die Zeitdifferenz _Δt_ derselben in bezug auf _K_

verschwindet. Rein räumliche Distanz zweier Ereignisse in bezug auf

_K_ hat zeitliche Distanz derselben in bezug auf _K′_ zur Folge.

Auch hierin liegt nicht +Minkowski+s für die formale Entwicklung der

Relativitätstheorie wichtige Entdeckung. Diese liegt vielmehr in der

Erkenntnis, daß das vierdimensionale zeiträumliche Kontinuum der

Relativitätstheorie in seinen maßgebenden formalen Eigenschaften die

weitgehendste Verwandtschaft zeigt zu dem dreidimensionalen Kontinuum

des Euklidischen geometrischen Raumes. Um diese Verwandtschaft

ganz hervortreten zu lassen, muß man allerdings statt der üblichen

Zeitkoordinate _t_ die ihr proportionale imaginäre Größe sqrt(−1)

_ct_ einführen. Dann aber nehmen die den Forderungen der (speziellen)

Relativitätstheorie genügenden Naturgesetze mathematische Formen an,

in denen die Zeitkoordinate genau dieselbe Rolle spielt wie die drei

räumlichen Koordinaten. Diese vier Koordinaten entsprechen formal genau

den drei räumlichen Koordinaten der Euklidischen Geometrie. Es muß

auch dem Nichtmathematiker einleuchten, daß durch diese rein formale

Erkenntnis die Theorie außerordentlich an Übersichtlichkeit gewinnen

mußte.

Diese dürftigen Andeutungen geben dem Leser nur eine vage Idee von dem

wichtigen Gedanken +Minkowski+s, ohne den die im folgenden in ihren

Grundgedanken entwickelte allgemeine Relativitätstheorie vielleicht

in den Windeln stecken geblieben wäre. Da aber ein exakteres Erfassen

dieses für den mathematisch nichtgeübten Leser zweifellos schwer

zugänglichen Gegenstandes für das Verständnis der Grundgedanken weder

der speziellen noch der allgemeinen Relativitätstheorie nötig ist, so

will ich denselben hier verlassen, um erst in den letzten Darlegungen

dieses Büchleins wieder darauf zurückzukommen.

[2] Damit ist auch der geraden Linie ein Naturobjekt zugeordnet.

Drei Punkte eines starren Körpers _A_, _B_, _C_ liegen dann in

einer Geraden, wenn bei gegebenen Punkten _A_ und _C_ der Punkt

_B_ so gewählt ist, daß die Summe der Entfernungen _A͞B_ und

_B͞C_ möglichst gering wird. Diese lückenhafte Andeutung mag in

diesem Zusammenhange genügen.

[3] Dabei ist allerdings angenommen, daß die Messung aufgehe, d. h.

eine ganze Zahl ergebe. Von dieser Schwierigkeit befreit man

sich durch die Anwendung geteilter Maßstäbe, deren Einführung

keine prinzipiell neue Methode verlangt.

[4] Eine weitere Untersuchung darüber, was hier „räumliche

Koinzidenz“ bedeutet, ist hier nicht nötig; denn dieser

Begriff ist insofern klar, als im einzelnen realen Falle

Meinungsverschiedenheiten darüber, ob er zutreffe oder nicht,

kaum auftreten dürften.

[5] Erst durch die im zweiten Teil des Büchleins behandelte

allgemeine Relativitätstheorie wird eine Verfeinerung und

Änderung dieser Auffassungen nötig.

[6] Wir nehmen ferner an, daß, wenn drei Ereignisse _A_, _B_,

_C_ derartig an verschiedenen Orten stattfinden, daß, wenn

_A_ gleichzeitig mit _B_ und _B_ gleichzeitig mit _C_ ist

(gleichzeitig im Sinne obiger Definition), das Kriterium der

Gleichzeitigkeit auch für das Ereignispaar _A_—_C_ erfüllt

sei. Diese Annahme ist eine physikalische Hypothese über das

Ausbreitungsgesetz des Lichtes; sie muß unbedingt erfüllt sein,

wenn es möglich sein soll, an dem Gesetz von der Konstanz der

Vakuum-Lichtgeschwindigkeit festzuhalten.

[7] Vom Fahrdamm aus beurteilt!

[8] Etwa die Mitte des 1. und 100. Wagens.

[9] +Fizeau+ fand W = w + v(1−1/n²), wobei n = c/w der

Brechungsexponent der Flüssigkeit ist. Andererseits kann für

(B) wegen der Kleinheit von vw/c² gegenüber 1 zunächst

W = (w + v)(1−vw/c²), oder mit der gleichen Näherung

w + v(1−1/n²) gesetzt werden, was mit +Fizeau+s Resultat

übereinstimmt.

[10] _E₀_ ist die aufgenommene Energie, von einem mit dem Körper

bewegten Koordinatensystem aus beurteilt.

[11] Von einem mitbewegten Koordinatensystem aus beurteilt.

Zweiter Teil.

Über die allgemeine Relativitätstheorie.

§ 18. Spezielles und allgemeines Relativitätsprinzip.

Die Grundthese, um welche sich alle bisherigen Ausführungen drehten,

war das +spezielle+ Relativitätsprinzip, d. h. das Prinzip von der

physikalischen Relativität aller +gleichförmigen+ Bewegung. Analysieren

wir noch einmal genau seinen Inhalt!

Daß jegliche Bewegung ihrem Begriff nach nur als +relative+ Bewegung

gedacht werden muß, war zu allen Zeiten einleuchtend. Bei unserem viel

benutzten Beispiel vom Bahndamm und vom Eisenbahnwagen kann z. B. die

Tatsache der hier stattfindenden Bewegung mit gleichem Rechte in den

beiden Formen ausgesprochen werden:

a) Der Wagen bewegt sich relativ zum Bahndamm,

b) Der Bahndamm bewegt sich relativ zum Wagen.

Im Falle a) dient bei dieser Aussage der Bahndamm, im Falle b) der

Wagen als Bezugskörper. Bei der bloßen Feststellung bzw. Beschreibung

der Bewegung ist es prinzipiell gleichgültig, auf was für einen

Bezugskörper man die Bewegung bezieht. Dies ist, wie gesagt,

selbstverständlich und darf nicht mit der viel weitergehenden Aussage

verwechselt werden, welche wir „Relativitätsprinzip“ genannt und

unseren Untersuchungen zugrunde gelegt haben.

Das von uns benutzte Prinzip behauptet nicht nur, daß man für

die Beschreibung jeglichen Geschehens ebensowohl den Wagen wie

den Bahndamm als Bezugskörper wählen könne (denn auch dies ist

selbstverständlich). Unser Prinzip behauptet vielmehr: Formuliert man

die allgemeinen Naturgesetze, wie sie sich aus der Erfahrung ergeben,

indem man sich

a) des Bahndammes als Bezugskörpers bedient,

b) des Wagens als Bezugskörpers bedient,

so lauten diese allgemeinen Naturgesetze (z. B. die Gesetze der

Mechanik oder das Gesetz der Lichtausbreitung im Vakuum) genau

gleich in beiden Fällen. Man kann das auch so ausdrücken: Für die

+physikalische+ Beschreibung der Naturvorgänge ist keiner der

Bezugskörper _K_, _K′_ vor dem anderen ausgezeichnet. Diese letztere

Aussage muß nicht a priori notwendig zutreffen wie die erstere; sie ist

nicht in den Begriffen „Bewegung“ und „Bezugskörper“ enthalten und aus

ihnen ableitbar, sondern über ihre Richtigkeit oder Unrichtigkeit kann

nur die +Erfahrung+ entscheiden.

Wir haben nun aber bisher keineswegs die Gleichwertigkeit aller

Bezugskörper _K_ mit Bezug auf die Formulierung der Naturgesetze

behauptet. Unser Weg war vielmehr folgender. Wir gingen zunächst

von der Annahme aus, daß es einen Bezugskörper _K_ von solchem

Bewegungszustande gebe, daß relativ zu ihm der +Galilei+sche

Grundsatz gilt: Ein sich selbst überlassener, von allen übrigen

hinlänglich entfernter Massenpunkt bewegt sich gleichförmig und

geradlinig. Auf _K_ (+Galilei+scher Bezugskörper) bezogen sollten

die Naturgesetze möglichst einfache sein. Außer _K_ sollten aber

alle diejenigen Bezugskörper _K′_ in diesem Sinne bevorzugt und mit

_K_ für die Formulierung der Naturgesetze genau gleichwertig sein,

welche relativ zu _K_ eine +geradlinig gleichförmige, rotationsfreie

Bewegung+ ausführen; alle diese Bezugskörper werden als +Galilei+sche

Bezugskörper angesehen. Nur für diese Bezugskörper wurde die Gültigkeit

des Relativitätsprinzips angenommen, für andere (anders bewegte) nicht.

In diesem Sinne sprechen wir vom +speziellen+ Relativitätsprinzip bzw.

spezieller Relativitätstheorie.

Im Gegensatz hierzu wollen wir unter „allgemeinem Relativitätsprinzip“

die Behauptung verstehen: Alle Bezugskörper _K_, _K′_ usw. sind für

die Naturbeschreibung (Formulierung der allgemeinen Naturgesetze)

gleichwertig, welches auch deren Bewegungszustand sein mag. Es sei aber

gleich bemerkt, daß diese Formulierung später durch eine abstraktere

ersetzt werden muß aus Gründen, die erst später zutage treten werden.

Nachdem sich die Einführung des speziellen Relativitätsprinzips bewährt

hat, muß es jedem nach Verallgemeinerung strebenden Geiste verlockend

erscheinen, den Schritt zum allgemeinen Relativitätsprinzip zu wagen.

Aber eine einfache, scheinbar ganz zuverlässige Betrachtung läßt einen

solchen Versuch zunächst aussichtslos erscheinen. Der Leser denke sich

in den schon so oft betrachteten, gleichförmig fahrenden Eisenbahnwagen

versetzt. Solange der Wagen gleichförmig fährt, ist für den Insassen

nichts vom Fahren des Wagens zu merken. Daher kommt es auch, daß der

Insasse den Tatbestand ohne inneres Widerstreben dahin deuten kann, daß

der Wagen ruhe, der Bahndamm aber bewegt sei. Diese Interpretation ist

übrigens nach dem speziellen Relativitätsprinzip auch physikalisch ganz

berechtigt.

Wird nun aber die Bewegung des Wagens etwa dadurch in eine

ungleichförmige verwandelt, daß der Wagen kräftig gebremst wird, so

erhält der Insasse einen entsprechend kräftigen Ruck nach vorne. Die

beschleunigte Bewegung des Wagens äußert sich in dem mechanischen

Verhalten der Körper relativ zu ihm; das mechanische Verhalten ist ein

anderes als im vorhin betrachteten Falle, und es erscheint deshalb

ausgeschlossen zu sein, daß relativ zum ungleichförmig bewegten Wagen

die gleichen mechanischen Gesetze gelten, wie relativ zum ruhenden

bzw. gleichförmig bewegten Wagen. Jedenfalls ist klar, daß relativ

zum ungleichförmig bewegten Wagen der +Galilei+sche Grundsatz nicht

gilt. Wir fühlen uns daher zunächst genötigt, entgegen dem allgemeinen

Relativitätsprinzip der ungleichförmigen Bewegung eine Art absolute

physikalische Realität zuzusprechen. Im folgenden werden wir aber bald

sehen, daß dieser Schluß nicht stichhaltig ist.

§ 19. Das Gravitationsfeld.

Auf die Frage: „Warum fällt ein Stein, den wir emporheben und darauf

loslassen, zur Erde?“ antwortet man gewöhnlich: „Weil er von der Erde

angezogen wird.“ Die moderne Physik formuliert die Antwort etwas anders

aus folgendem Grunde. Durch genaueres Studium der elektromagnetischen

Erscheinungen ist man zu der Auffassung gekommen, daß es eine

unvermittelte Wirkung in die Ferne nicht gebe. Zieht z. B. ein Magnet

ein Stück Eisen an, so darf man sich nicht mit der Auffassung zufrieden

geben, daß der Magnet durch den leeren Zwischenraum hindurch auf das

Eisen direkt einwirke, sondern man stellt sich nach +Faraday+ vor,

daß der Magnet in dem ihn umgebenden Raume etwas physikalisch Reales

stets hervorrufe, was man als „magnetisches Feld“ bezeichnet. Dies

magnetische Feld wirkt seinerseits wieder auf das Eisenstück ein, so

daß es sich zum Magneten zu bewegen strebt. Die Berechtigung dieses an

sich willkürlichen Zwischenbegriffes wollen wir hier nicht erörtern.

Es sei nur bemerkt, daß man mit seiner Hilfe die elektromagnetischen

Erscheinungen, insbesondere die Ausbreitung der elektromagnetischen

Wellen, viel befriedigender theoretisch darstellen kann als ohne

denselben. Analog faßt man auch die Wirkungen der Gravitation auf.

Die Einwirkung der Erde auf den Stein kommt indirekt zustande. Die

Erde erzeugt in ihrer Umgebung ein Gravitationsfeld. Dieses wirkt auf

den Stein und veranlaßt seine Fallbewegung. Die Stärke der Einwirkung

auf einen Körper nimmt erfahrungsgemäß ab, wenn man sich mehr und

mehr von der Erde entfernt, nach einem ganz bestimmten Gesetze.

Dies heißt in unserer Auffassungsweise: Das Gesetz, welches die

räumlichen Eigenschaften des Gravitationsfeldes beherrscht, muß ein

ganz bestimmtes sein, um die Abnahme der Gravitationswirkung mit der

Entfernung vom wirksamen Körper richtig darzustellen. Man stellt sich

etwa vor, der Körper erzeuge direkt das Feld in seiner unmittelbaren

Nähe; Stärke und Richtung des Feldes in größerer Entfernung sind

dann hieraus durch das Gesetz bestimmt, welches die räumlichen

Eigenschaften der Gravitationsfelder selbst beherrscht.

Das Gravitationsfeld weist im Gegensatz zum elektrischen und

magnetischen Felde eine höchst merkwürdige Eigenschaft auf, welche

für das Folgende von fundamentaler Bedeutung ist. Körper, die

sich unter ausschließlicher Wirkung des Schwerefeldes bewegen,

erfahren eine Beschleunigung, +welche weder vom Material noch vom

physikalischen Zustande des Körpers im geringsten abhängt+. Ein Stück

Blei und ein Stück Holz fallen beispielsweise im Schwerefelde (im

luftleeren Raume) genau gleich, wenn man sie ohne bzw. mit gleicher

Anfangsgeschwindigkeit fallen läßt. Man kann dies äußerst genau gültige

Gesetz auch noch anders formulieren auf Grund folgender Erwägung.

Über die spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie · 第 7 / 8 题