Einem geizigen Wirthe machte es unaufhörlich Aerger und Kummer, daß
Knechte und Mägde nicht bei ihm aushielten. Obwohl er nicht mehr Arbeit
von ihnen verlangte als andere Wirthe, so fand doch _der_ Unterschied
statt, daß er seinen Dienstleuten nicht soviel zu essen gab, daß sie
satt werden konnten. Hatte einer das Hundeleben ein viertel oder halbes
Jahr ertragen, so zwang ihn Hunger, wieder davon zu laufen; und als es
endlich in der Runde umher bekannt geworden war, warum das Gesinde nicht
blieb, da wurde es dem knauserigen Wirthe ganz unmöglich, noch Bedienung
zu bekommen. Weit in Allentacken[1] lebte ein berühmter Weiser, zu dem
eilte der Wirth sich Raths zu erholen, brachte ihm einen Sack voll Geld
und andere Geschenke und fragte bei ihm an: ob es nicht möglich sei,
Knecht und Magd zu finden, die sich mit weniger Nahrung begnügten und
den Wirth nicht kapp und kahl fräßen. Der Weise erwiderte: »Möglich ist
das Ding wohl, allein es geht über meine Kraft, da mußt du zum alten[2]
Wirthe gehen, der dir allein helfen kann.« Darauf gab er weitere
Anleitung, wie der Mann an drei Donnerstagen Abends, kurz vor
Mitternacht, einen schwarzen Hasen im Sacke, auf den Kreuzweg gehen und
dort pfeifen müsse, damit der alte Wirth komme. »Versuche dann selbst,
wie ihr Handels eins werdet,« sagte der Weise, »ich kann hier nicht
weiter helfen. Aber laß dich nicht betrügen.« Als der Mann fragte, wo er
einen schwarzen Hasen her kriegen solle, hieß ihn der Weise eine
schwarze Katze mitnehmen.
Als nun der nächste Donnerstag gekommen war, steckte der Wirth die Katze
in den Sack und ging auf den Kreuzweg, obwohl ihm etwas bänglich zu
Muthe war. Er pfiff und wartete, aber es kam Niemand. Endlich pfiff er
noch einmal und dachte dabei: wenn er jetzt nicht kommt, so habe ich den
Weg umsonst gemacht. Da erhob sich in der Luft ein Geräusch, als ob ein
Blasebalg in der Schmiede getreten würde, dann sah er eine dunkle Masse
oben in der Luft schweben und eine Stimme fragte: »Was willst du,
Brüderchen?« -- »Ich habe einen schwarzen Hasen zu verkaufen,« erwiderte
der Mann. »Komm nächsten Donnerstag, ich habe heute keine Zeit, mit dir
einen Handel zu machen,« sagte die Stimme und damit entschwand auch die
dunkle Masse den Blicken des hinaufschauenden. Der Mann war wohl etwas
verdrießlich, daß er den Weg umsonst gemacht hatte, allein was half's,
Höheren gegenüber muss ein geringer Mann immer geduldig sein. Den
zweiten Donnerstag ging die Sache etwas besser von Statten. Gleich auf
sein erstes Pfeifen erschien ein altes Männchen mit einem Schultersack
und fragte: »Was willst du, Brüderchen?« Der Mann antwortete wieder:
»Ich habe einen schwarzen Hasen zu verkaufen.« »Was kostet er?« fragte
der fremde Alte. Der Mann erwiderte: »Ich verlange für den Hasen weiter
nichts als einen Knecht und eine Magd, die mir dienen, aber mich nicht
kapp und kahl fressen.« »Auf wie viele Jahre willst du den Vertrag
abschließen?« fragte der _alte_ Wirth. »Meinethalben auf die Zeit meines
Lebens,« gab der Bauer zur Antwort. Aber der Fremde bedeutete ihn, daß
dies durchaus nicht angehe und daß sie keinen andern Vertrag miteinander
abschließen könnten als auf sieben oder zweimal sieben Jahre. »So komme
nächsten Donnerstag, und bringe deinen schwarzen Hasen mit, ich werde
dir dann einen Knecht und eine Magd bringen, denen du weder Speise noch
Trank zu geben brauchst, nur mußt du sie bei der Hitze des Nachts zum
Weichen in's Wasser legen, sonst welken sie und sind nicht mehr im
Stande zu arbeiten.«
Der Mann war am Abend des dritten Donnerstags wieder am Kreuzwege und
pfiff, worauf der _alte_ Wirth sogleich erschien, aber allein, weder ein
Knecht noch eine Magd waren mitgekommen. »Du mußt mir von deinem
Ringfinger drei Tropfen Blut[3] zur Festmachung des Vertrages geben,
damit du nicht zurücktreten kannst,« sagte der Fremde. Der Mann fragte,
wo denn der Knecht und die Magd wären. »Im Sacke« erwiderte der _alte_
Wirth. Da nun der Schultersack nur klein war, fürchtete der Bauer einen
Betrug. Der Fremde, welcher dessen Gedanken zu errathen schien, sagte:
»Ich betrüge dich nicht!« Dann ergriff er den Sack und warf einen Quast
von der Größe einer Hedekunkel heraus, indem er sagte: »Hier ist dein
Knecht!« Ein langer breitschult'riger Mann stand sofort neben dem alten
Papa. Ein zweiter Quast flog aus dem Sacke und es war ein Mädchen daraus
geworden. »Deine Diener sind hier, sie werden nicht zu essen verlangen,
sagte der Fremde. »Jetzt gieb mir die Blutstropfen zur Besiegelung und
den schwarzen Hasen, dann kannst du nach Hause gehen.« Der Mann that wie
verlangt und fragte zuletzt, wie denn die neuen Diener wohl hießen. »Des
Knechtes Name ist _Baumling_ und der Magd Name ist _Borkling_,« sagte der
_alte_ Wirth, steckte den vermeintlichen Hasen in den Sack und ging seiner
Wege! Der Bauer aber ging mit seinem Gesinde heim.
Der Knecht und die Magd thaten Tag für Tag vom Morgen bis zum Abend ihre
Arbeit, ohne jemals Nahrung zu fordern, was den Wirth sehr erfreute, und
wenn sie manchmal an einem heißen Sommertage zu welken schienen, so
wurden sie zur Nacht eingeweicht und waren am andern Morgen so frisch
und stark wie zuvor. Der geizige Wirth scharrte nun jedes Jahr immer
mehr Geld zusammen, weil er seinem Gesinde weder Brot zu geben noch Lohn
zu zahlen brauchte. So waren endlich zwei mal sieben Jahre beinah
vorüber gegangen, nur noch einige Wochen fehlten. Dem Wirthe kam die
Sorge, daß er die Diener verlieren könnte, darum dachte er hin und her,
wie es wohl möglich wäre die Frist zu verlängern.
Eines Morgens war er aufgestanden und sah, daß Knecht und Magd noch
nicht bei der Arbeit waren. Er meinte, sie schliefen noch auf dem Boden
und kletterte auf der Leiter hinauf. Aber da war Niemand zu finden. Auf
der Stelle, wo sie geschlafen hatten, fand er einen verfaulten
Baumstumpf und ein Häuflein Birkenrinde. Da wurde es ihm plötzlich klar,
was die Namen des Knechts und der Magd bedeutet hatten; ohne Zweifel
waren die Beiden durch Zauber aus Holz und Bork gemacht. Eben wollte er
die Treppe wieder hinunter steigen, als eine Hand ihn an der Gurgel
packte und ihn auf dem Flecke erwürgte. Die Frau fand später auf dem
Rande des Bodens nichts weiter als drei Blutstropfen. Als sie in die
Klete (Vorrathskammer) ging, nahm sie wahr, daß die Kornkasten leer
waren und die Geldkiste nur mit welken Birkenblättern angefüllt. So war
mit einem Male alle Habe dahin und die verwittwete Frau starb vor
Kummer ebenfalls; doch erfuhr sie nichts davon, daß der alte Bursche den
Wirth, der ihm aus Geiz seine Seele verkauft, erdrosselt hatte. Diesen
Lohn hatte nun der geizige Mann davon, daß er seinen Reichthum
frevelnder Weise zusammengescharrt hatte.
[Fußnote 1: Die Bucht an der Ostsee westlich vom Lauf der Narowa. L.]
[Fußnote 2: Identisch mit dem in dem ersten Bande häufig vorkommenden
»alten Burschen« (dem Bösen). L.]
[Fußnote 3: Vgl. Bd. 1, S. 67. Anm. L.]