Dem ich mich nun erst ganz vertrau,
da ich es leiblich nicht mehr schau.
=Stimmen=, Lärm und stürmisches Pochen gegen die Tür der Kirche.
=Naemi=
Da kommt der Tod, den ich geweckt!
Sie stürmen die Kirche, wir sind entdeckt.
Ach, könntest du mich einmal noch erkennen,
daß mich ein letzter guter Blick versteht.
Dein Auge bricht, und deine Lippen brennen,
derweil dein Leib vor Durst vergeht.
Das Kirchentor kracht unter dem Ansturm der Burschen.
Dein Blick erlischt. Oh, sieh mich an.
Oh, sprich ein Wort. Beweg die Hand!
Sie entdeckt auf dem Altar den Kelch, hebt ihn herunter und setzt ihn
dem Sterbenden an die Lippen.
Das ist das Letzte, was ich geben kann.
=Die Stimme Holgers=
von draußen
Stoß zu! Verflucht sei jede Hand,
die nicht mit ganzem Willen schändet!
Stoß zu! Solang der Satan nicht verendet,
hält keiner unserm Ansturm stand.
=Eine schreiende Frauenstimme=
Errette deine Kirche, Jesus Christ!
=Eine zweite=
Die ganze Hölle ist zu Mord erwacht!
=Eine dritte=
Helft, helft, mein Sohn verblutet sich zu Tod!
=Eine Männerstimme=
dazwischen
Durch Blut wird mehr gereinigt als befleckt.
Hol ihn der Teufel, wenn dein Sohn verreckt!
Die Kirchentür kracht zusammen. =Holger= tritt auf, gefolgt von den
=Burschen=.
=Holger=
im Ansturm
Daß dein verfluchtes Leben endlich ende!
Er prallt entsetzt zurück, als er =Naemi= erblickt, den Kelch
in ihrer Hand und den sterbenden Pfarrer am Altar im Licht der
Morgensonne, das durch die zerschlagene Tür fällt. Hinter ihm sammeln
sich, gehemmt durch ihn, die verwilderten und blutenden Gestalten der
Burschen. Männer und Frauen drängen nach. Lärm und Rufe verstummen.
=Arne=
aufgerichtet
Ein neuer Morgen wird sein Licht
auf fernes Blühn der Berge tun
und über mein Gesicht ...
Herr Christ, laß dein lebendig Blut
auch über mein vergänglich Gut
hinfließen. Laß mich ruhn.
Er stirbt.
=Holger=
langsam vordringend, zu =Naemi=, die sich schützend vor die Leiche
des Pfarrers stellt
Ist das der Sinn, um den ich rang und litt?
Ist das der Lohn, um den ich redlich stritt?
So sei durch mich der Frevelmut gesühnt,
zu dem dein Schmerz der Liebe sich erkühnt.
War ich ein Tier, ein Narr, ein Ungeweihter,
daß du mein Glühn mit dieser Schmach bedankst?
So freß die Glut, an der du Dirne krankst,
in alle Ewigkeiten an dir weiter!
=Holger= ersticht =Naemi=.
=Naemi=
Was ich dir antat, mußt ich tun ...
Laßt mich an seinem Herzen ruhn.
Sie sinkt über die Leiche =Arnes= und stirbt.
Der =Amtmann=, der =Küster= treten auf, hinter den Säulen hervor.
=Der Amtmann=
zu den Burschen, auf =Holger= weisend
Er ist der Mörder. Haltet ihn!
Im Namen des Gesetzes bindet ihn.
=Der Küster=
Wagt ihr zu trotzen, wo der Herr gerichtet!?
=Der Amtmann=
Hier hat ein schändlich Dunkel sich gelichtet.
Gerecht und ernsthaft fügte das Geschick
zu grausem Zeichen, euch, den arg Betörten,
ein rasches Ende. Ungeweihtes Glück
und Schmach der Sünde fällten die Zerstörten.
=Holger=
Tu deine Pflicht, doch schweige, närrischer Held,
vor diesem Schauspiel unerhörter Leiden.
Vernichte mich, den Mörder dieser Beiden,
nach nützlicher Gerechtigkeit der Welt.
Doch schweigen, schweigen soll das arme Recht
der Lebenden, vor solcher Pflicht zum Sterben.
Nur das Erbarmen reicht an ihren Thron.
Erbarm auch meiner dich, o Gottes Sohn,
laß meine arme Seele nicht verderben.
=Der Amtmann=
Hinaus mit ihm, in Kerkerhaft und Ketten!
Die Burschen dringen auf =Holger= ein.
=Holger=
Tut, was euch hilft. Ich habe nichts zu retten.