Wollt ihr, daß er in Norby bestellt,
was hier im Moorland vor sich geht?!
Rasch, holt ihn ein, bringt ihn zurück,
schlagt ihm die Fäuste ins Genick,
daß ihm bis morgen die Angst vergeht.
Ein Teil der Burschen ab.
=Jörgen=
zu =Holger=
Mich hat kein Spuk der Hölle gebracht,
mich führte Gottes barmherzige Macht,
ich such dich schon die halbe Nacht.
Sieh mich ermattet, von Sorgen verzehrt,
von Herzen dankbar, daß Gott mich erhört,
daß ich dich gefunden hab, eh' es zu spät.
=Naemi=
zu =Jörgen=
Für was denn, glaubst du, sei es noch Zeit?
=Jörgen=
Wie schändlich bist du deines Werks gewiß!
=Naemi=
In dir seh ich kein Hindernis.
Nenn immer schändlich, was du nicht verstehst.
Für dich ist klüger, daß du gehst.
=Jörgen=
Holger, lieber Herr, schau mich an!
Hab ich dir je ein Unrecht getan?
Und wenn es dem Knechte zu schweigen gebührt,
oh, höre dem Freund deines Vaters zu:
Du bist in Irrtum und Schuld verführt,
ins ewige Verderben taumelst du.
=Naemi=
zu =Holger=
Wend dich nicht ab, was fürchtest du?
Er sucht sein Recht an dich und an dein Leben,
er braucht sein Wort zu seiner Ruh.
Was Knechten zukommt, soll man ihnen geben.
Was kann sein Rat wohl unsrer Sache tun?
Macht eines Greises Plappern sie zu Schanden,
so möge sie in Gottes Namen ruhn.
Mein Schicksal knüpft die blutgeglühten Banden
um andre Werte als um guten Rat.
Wer wollte das Notwendige verführen?
Laß ihn. Er wird die lieben Flammen schüren,
wie guter Wind noch stets dem Feuer tat.
=Jörgen=
zu =Holger=
Wend dich nicht von mir, oh versteh mich recht.
Naemi sah, daß sie der Mann verschmähte,
dem sie mit Leib und Seele sich vertraut,
sah nicht den bittern Kampf, der ihn erhöhte,
in dem er nur sein fernes Ziel geschaut.
Mit seinem Tod wirst du ihr Klarheit bringen.
Er läßt sein Wesen nur mit seinem Leben.
Du kannst Naemi nie und nie erringen.
Du kannst sie nur dem Toten wiedergeben.
=Holger=
Schweig still. Verwirr mir nicht Herz und Sinn.
Vor müden Augen liegt die Erde grau.
Ich habe recht, weil ich in Flammen bin,
und weil ich ihrem heißen Sturm vertrau.
Wollt ich bedenken, was das Meer vermag,
ich ließe meinen Kahn bei Sturm am Strand.
Sahst du mich je in Zaudern abgewandt,
wenn uns ein Fahrzeug auf den Klippen lag?
Und heute glaubst du mich von Furcht erfüllt,
wo es mein Lebensschiff zu retten gilt?
Ich danke deinem Rat und glaube dir,
er war von Herzen gut und wohlgemeint.
Ich ehre den Berater und den Freund,
das Steuer aber läßt du heute mir.
Laß dir genug sein, daß dich mein Befehl
nicht zu den Helfern stellt, die ich mir wähl'!
=Jörgen=
Herr, Herr, dein Stolz. Oh, Oerlsunds alter Ruhm!
Sieh meine Tränen, der du mich nicht siehst.
Zur Knechtschaft sinkt dein freies Herrentum.
Oh, dunkles Schicksal, dem du nicht entfliehst.
Das Steuer brennt in eines Weibes Hand,
du bist ihr Knecht, in ihren Haß gebannt --
Oh, wer ist wert, daß dies um ihn geschieht?
=Holger=
Und wenn die Besten meiner Schwäche lachten,
ich habe nur auf mein Gefühl zu achten.
Mein Herz ist fest und einzig schuld daran,
daß ich mich solcher Knechtschaft rühmen kann.
Will es mein Schicksal, mag ich denn vergehn.
Ich will es fordern, will es ganz bestehn.
Ich möchte wissen, wessen Welt
zu Norbys Ehre recht behält.
=Jörgen=
Wie leicht verrät ein Herz sein bestes Teil,
wenn junge Hoffnung tief im Irrtum glüht,
und wenn die Seele das erflehte Heil
als fernen Trost für ihre Schmerzen sieht.
Ach, daß den Besten das erreichte Ziel
so wertvoll würde wie die ersten Schmerzen.