Die beiden Herren, zu denen die Schwester Dorette der melanc

Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online

Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net

Zum wilden Mann.

Eine Erzählung

von

Wilhelm Raabe.

Mit dem Bildnis des Verfassers.

Leipzig

Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.

Erstes Kapitel.

Sie machten weit und breit ihre Bemerkungen über das Wetter, und es war

wirklich ein Wetter, über das jedermann seine Bemerkungen laut werden

lassen durfte, ohne Schaden an seiner Reputation zu leiden. Es war ein

dem Anscheine nach dem Menschen außergewöhnlich unfreundlicher Tag gegen

das Ende des Oktober, der eben in den Abend oder vielmehr die Nacht

überging. Weiter hinauf im Gebirge war schon am Morgen ein gewaltiger

Wolkenbruch niedergegangen, und die Vorberge hatten ebenfalls ihr Teil

bekommen, wenn auch nicht ganz so arg als Volk, Vieh, Wald, Fels, Berg

und Thal weiter oben. Sie waren unter den Vorbergen nordwärts vollkommen

zufrieden mit dem, was sie erhalten hatten, und hätten gern auf alles

weitere verzichtet, allein das Weitere und Übrige kam, und sie hatten es

hinzunehmen, wie es kam. Ihre Anmerkungen durften sie freilich darüber

machen; niemand hinderte sie.

Es regnete stoßweise in die nahende Dunkelheit hinein, und stoßweise

durchgellte ein scharfer, beißender Nordwind, ein geborener Isländer

oder gar Spitzbergener, aus der norddeutschen Tiefebene her die Lüfte,

die Schlöte und die Ohren und ärgerte sich sehr an dem Gebirge, das er,

wie es schien, ganz gegen seine Vermutung auf seinem Wege nach Süden

gefunden hatte. Er war aber mit der Nase darauf gestoßen oder vielleicht

auch darauf gestoßen worden und heulte gleich einem bösen Buben, der

gleichfalls mit dem erwähnten Glied auf irgend etwas aufmerksam gemacht

und hingewiesen wurde. Ohne alle Umschreibung: der Herbstabend kam

früh, war dunkel und recht stürmisch; -- wer noch auf der Landstraße

oder auf den durchweichten Wegen zwischen den nassen Feldern sich

befand, beeilte sich, das Wirtshaus oder das Haus zu erreichen; und wir,

das heißt der Erzähler und die Freunde, welche er aus dem deutschen Bund

in den norddeutschen und aus diesem in das neue Reich mit sich

hinübergenommen hat, -- wir beeilen uns ebenfalls, unter das schützende

Dach dieser neuen Geschichte zu gelangen.

Der Abend wird gemeiniglich eher Nacht, als man für möglich hielt; so

auch diesmal.

Es ist recht sehr Nacht geworden. Wieder und wieder fegt der Regen in

Strömen von rechts nach links über die mit kahlen Obstbäumen eingefaßte

Straße. Wir halten, kurz atmend, die Hand über die Augen, uns nach einem

Lichtschein in irgend einer Richtung vor uns umsehend. Es müssen da

langgestreckte, in ihrer Länge kaum zu berechnende Dörfer vor uns, dem

Gebirge zu, liegen, und der geringste Lampenschimmer südwärts würde uns

die tröstende Versicherung geben, daß wir uns einem dieser Dörfer

näherten. Vergeblich!

Pferdehufen, Rädergeroll, Menschentritte hinter uns? Wer weiß?

Wir eilen weiter, und plötzlich haben wir das, was wir so sehnlich

herbeiwünschen, zu unserer Linken dicht am Pfade. Da ist das Licht,

welches durch eine Menschenhand angezündet wurde. Eine plötzliche

Wendung des Weges um dunkles Gebüsch bringt es uns überraschend schnell

vor die Augen, und wir stehen vor der Apotheke »zum wilden Mann.«

Ein zweistöckiges, dem Anscheine nach recht solides Haus mit einer

Vortreppe liegt zur Seite der Straße vor uns, ringsum rauschende,

triefende Bäume -- gegenüber zur Rechten der Straße ein anderes Haus --

weiter hin, durch schwächeren Lichterschein sich kennzeichnend, wieder

andere Menschenwohnungen: der Anfang einer dreiviertel Stunde gegen die

Berge sich hinziehenden Dorfgasse. Das Dorf besteht übrigens nur aus

dieser einen Gasse; sie genügt aber dem, der sie zu durchwandern hat,

vollkommen; und wer sie durchwanderte, steht gewöhnlich am Ausgange

mehrere Augenblicke still, sieht sich um und vor allen Dingen zurück und

äußert seine Meinung in einer je nach dem Charakter, Alter und

Geschlecht vermiedenen Weise. Da wir den Ausgang oder Eingang jedoch

aber erst erreichen, sind wir noch nicht hierzu verpflichtet. Wir suchen

einfach, wie gesagt, vorerst unter Dach zu kommen und eilen rasch die

sechs Stufen der Vortreppe hinauf; der Erzähler mit aufgespanntem Schirm

von links, der Leser, gleichfalls mit aufgespanntem Schirm, von rechts.

Schon hat der Erzähler die Thür hastig geöffnet und zieht sich den

atemlosen Leser nach, und schon hat der Wind dem Erzähler den Thürgriff

wieder aus der Hand gerissen und hinter ihm und dem Leser die Thür

zugeschlagen, daß das ganze Haus widerhallt wir sind darin, in dem Hause

sowohl, wie in der Geschichte vom w i l d e n M a n n! -- -- Daß wir uns

in einer Apotheke befinden, merken wir auf der Stelle auch am Geruche.

Die erleuchteten zwei Fenster, welche wir von der durchweichten, regen-

und sturmwindgeschlagenen Landstraße aus erblickten, waren die der

Offizin, und die Lampe an der Decke darin warf ihr Licht durch die

breiten Schiebfenster auch auf die Hausflur. In der pharmaceutischen

Werkstätte herrschte außer dem bekannten Duft die gleichfalls

wohlbekannte Ordnung und Reinlichkeit der deutschen Apotheken. Die

weißen, mit blauen Buchstaben und hin und wieder mit schwarzen

Totenköpfen und den beiden Armknochen bezeichneten Büchsen und Gläser in

den Fächern an den Wänden, die blanken Mörser und grünschwarzen

Steinreibeschalen, die Wagschalen und alle übrigen Gerätschaften sahen

ordentlich angenehm und anlockend aus. Wäre die schreckliche Bank, auf

welcher die Meisten von uns schon einmal in fiebernder Angst und

Beklemmung saßen und warteten, nicht gewesen, das Werkzeug und Geräte

der hohen Kunst hätte jedermann das höchste Vertrauen einflößen müssen.

Aber die böse Bank! Der abgeriebene schlimme Stuhl! -- Wir saßen eben

schon darauf -- vielleicht wohl am hellen, frostklaren Winternachmittag,

oder noch viel schlimmer in der stillen, warmen, der entsetzlichen,

wenngleich noch so schönen Sommernacht; wir trauen den Büchsen und

Gläsern, den Flaschen, Wagschalen und Reibeschalen wenig, wir erinnern

uns nur, wie wir damals dem ruhiggemessenen, geheimnisvollen Wirken des

Mannes hinter dem Arbeitstische wild und dumm zusahen.

In der Offizin befand sich augenblicklich niemand; aber es fiel noch ein

Lichtschein aus einem anstoßenden Zimmerchen, dessen Thür halb geöffnet

stand. Und mit dem Scheine drang ein anderer Duft ein, der die

apothekarische Atmosphäre einer auffälligen Veränderung und Entmischung

unterwarf; _herba nicotiana_ gehört freilich ebenfalls zu den

offizinellen Gewächsen. Wir folgen d i e s e m Geruch und treten in das

Nebengemach.

Das Ding in dem engen Raume ließ sich ganz gemütlich an. Aus der einen

Ecke versendete ein eiserner Ofen eine behagliche Wärme, in der anderen

war gegen einen mächtigen gepolsterten Lehnstuhl, der leer stand und von

dem später noch die Rede sein wird, ein runder Tisch gezogen, an welchem

auf gleichfalls gepolsterten, hochlehnigen Stühlen sich die jedesmaligen

Gäste, mit der Pfeife im Munde und ein offizinelles oder nicht

offizinelles warmes oder kaltes Getränk vor sich, den Aufenthalt

sicherlich recht bequem und behaglich machen konnten. Gegenwärtig jedoch

hatte nur der Herr des Hauses, der Besitzer der Apotheke »zum wilden

Mann«, allein auf seinem Stuhle Posto gefaßt, und ob er an diesem

stürmischen Abend wirklich noch jemand zum Besuch erwartete, und ob

wirklich jemand der Erwartung entsprach, können wir augenblicklich noch

nicht angeben. Wir sind mit der Schilderung unserer Bühne noch nicht

zustande und fahren vorerst darin fort.

Das Kabinettchen hinter der Offizin war mit einer gelblichgrauen,

grauschwarz geblümten Tapete, soweit sich das überblicken ließ,

ausgeklebt. Auf der Fensterbank stand neben einigen Blumentöpfen ein

Käfig mit einem schlafenden Zeisig, der jedesmal, wenn ein Baumzweig im

Garten, vom Winde gepackt und geschleudert, schärfer an der Glasscheibe

herkratzte, oder wenn ein Regenstoß heftiger an der Scheibe trommelte,

fester und behaglicher im Gefühle seiner Sicherheit sich in eine

Federkugel zusammenzog.

Eine Eckschenke mit allerlei Tassen, bunten Töpfen und Gläsern und auf

ihr eine ausgestopfte Wildkatze in einem Glaskasten dürften in der

Inventaraufnahme nicht zu vergessen sein. Ein vordem recht blumiger,

aber nunmehr längst verblaßter und abgetretener Teppich bedeckte den

Boden; von der Decke hing eine künstlich geflochtene Graskrone, ein

Staub- und Fliegenfänger herab; und wenn wir nun noch den Bildern an den

Wänden einige Worte gewidmet haben werden, so hindert uns weiter nichts,

fürderzugehen und interessanter zu werden.

Die Bilder an den Wänden freilich waren schon an sich interessant. Ihre

Anzahl allein mußte jeden eintretenden Betrachter höchlichst in

Erstaunen setzen und für eine geraume Zeit in ein mundoffenes

Umherstarren an allen vier Wänden, nach allen vier Himmelsgegenden.

Hatte er sich von seiner Überraschung erholt, so konnte er anfangen zu

zählen oder die Zahl wenigstens annähernd zu schätzen. Beides aber war

schwer, denn die Bilder und Bildchen unter Glas und Rahmen bedeckten in

kaum zu berechnender Menge die Wände von oben bis unten, das heißt so

weit nach unten, als es nur irgend möglich war. Alle Arten und Formate

in Kupferstich, Stahlstich, Lithographie und Holzschnitt, alle

Gegenstände und Situationen im Himmel und in der Hölle, auf Erden, im

Wasser, im Feuer und in der Luft, schwarz oder koloriert.

Viele Ramberg'sche und Chodowiecki'sche Kunstschöpfungen, unzählige

Scenen aus dem Leben Friedrichs des Zweiten und Napoleons des Ersten,

die drei alliirten Monarchen in drei verschiedenen Auffassungen auf dem

Leipziger Schlachtfelde, die am Palmbaum hängende Riesenschlange, an

welcher der bekannte Neger hinaufklettert, um ihr die Haut abzuziehen,

Scenen aus dem Corsar, »ein Gedicht von Lord Byron«, Modebilder, ein

Porträt von Washington, ein Porträt der Königin Mathilde von Dänemark

und des Grafen Struensee und, verloren unter all der bunten, kuriosen

Nichtsnutzigkeit, zwischen zwei Straßenscenen aus dem Jahre 1848, ein

echter alter Dürer'scher Kupferstich: _Melancholia_!

Wir beendigen die Kalalogisierung. Dreißig Jahre hatte der während

dieser dreißig Jahre fest an seine Offizin gebundene Apotheker Philipp

Kristeller gebraucht, um seine Bildergalerie zusammenzubringen; es war

ihm also gar nicht zu verdenken, wenn er auf seine Galerie hielt, auf

seine Kunstliebhaberei und seinen Geschmack sich etwas zu gute that.

Sein Hinterstübchen war wohl geziert, und er hatte außerdem noch einiges

andere, worauf er sich etwas zu gute thun durfte.

Wenden wir jetzt unsere Aufmerksamkeit auf den Mann am Tische. Er mochte

ein Alter zwischen den fünfziger und sechziger Jahren erreicht haben,

war von Leibesbeschaffenheit mehr hager als dick, von Farbe mehr gelb

und grau als rot und braun und von Statur mittlerer Größe. Er trug einen

grauen Schlafrock, niedergetretene, dunkelrote Pantoffeln und auf dem

silbergrauen, schlichten Haar eine dunkelgrüne Hauskappe mit

abgegriffener Goldstickerei, einen Kranz von Eicheln und Eichenblättern

darstellend. Er rauchte aus einer langen Pfeife, auf deren Kopf ein

Maikäfer gemalt war, und stützte nachdenklich die Stirn mit der Hand,

den Blick auf den großen, leeren, bequemen Lehnstuhl ihm gegenüber

gerichtet.

Zum ersten Male blickte er empor, als die Thür, welche aus dem

Hinterzimmer nicht in die Offizin, sondern auf die Hausflur führte,

leise geöffnet wurde, und ein alter Frauenzimmerkopf sich hineinschob:

»Aber Bruder, welch ein Wetter!«

»Freilich ein bewegtes Wetter, liebe Schwester.«

Ob die alte Dame die Antwort noch vernommen hatte, muß zweifelhaft

bleiben, denn sie hatte die Thür eben so rasch und leise, wie sie

dieselbe geöffnet hatte, wieder zugezogen.

»Ein vernehmbar bewegtes Wetter, in der That,« murmelte der Apotheker

»zum wilden Mann« lächelnd und nach dem bestürmten Fenster horchend. In

demselben Moment klang die Glocke der Hausthür, und es wurde an das

Schiebfenster der Offizin gepocht. Herr Philipp Kristeller erhob sich,

stellte die Pfeife an den Stuhl und ging gebückt in seine Werkstatt.

Kopfschüttelnd kam er nach einer viertelstündigen Arbeit im Berufe

zurück; die Hausthürglocke erklang von neuem, und eiligen Laufes

entfernte sich jemand, durch die Wasserlachen der Landstraße dem Dorfe

zuplatschend, ohne im geringsten auf seinen Weg Obacht zu haben.

Kopfschüttelnd nahm der Alte seinen Sitz wieder ein, zündete seine

Pfeife von neuem an und sagte:

»Eine ungesunde Jahreszeit -- ein Apothekerherbst. -- Gute Kasse, aber

doch ein schlechtes Geschäft.«

Er seufzte dabei, und das Wort wie der Seufzer zeugten unstreitig von

einem guten Herzen.

Nun saß er wieder einige Minuten, bis er plötzlich zusammenschrak:

»Mein Gott -- ja aber -- ist es denn so?!«

Er erhob sich von neuem hastig, schritt diesmal eilig in die Offizin,

schloß ein Stehpult am Fenster auf, nahm ein Buch hervor und blätterte

darin. Seine Finger zitterten, seine Lippen zuckten, er sah sich mehrere

Male wie zweifelnd in dem aromatisch durchdufteten Raum um: es war kein

Zweifel, jede Büchse und jedes Glasgefäß, mit oder ohne Totenkopf,

befand sich noch auf seinem Platze. Der Apotheker Kristeller schloß das

Buch, legte die Hand darauf und rief:

»Es ist wahrhaftig so! Es ist richtig; heute ist der Tag oder vielmehr

der Abend. Es sind dreißig Jahre auf die Stunde -- ein Jubiläum -- und

ich hatte das vollständig, vollständig vergessen. Dorothea, Dorothea!«

»Lieber Bruder?« klang es draußen schrill.

Der Alte schritt in seiner Aufregung fünf Minuten lang auf und ab; dann

war seine Geduld zu Ende. Er öffnete die Thür:

»Dorette, Dorette!«

»Was giebt es denn, Philipp?« ertönte es aus der Ferne. »Ich höre den

Wind wohl; aber was kann man dagegen thun, -- Thür und Fenster sind

verwahrt, und das Übrige steht in Gottes Hand.«

»Ei, ei,« murmelte Herr Philipp und rief dann: »Es handelt sich nicht um

Wind und Wetter. Komm doch einmal einen Augenblick herein, Dorothea!«

Es dauerte noch verschiedene Augenblicke, ehe das möglich war; aber

zuletzt geschah es doch. Da war das Altjungfergesicht wieder und jetzt

die ganze übrige Figur und zwar mit einem über jeden höflichen Zweifel

erhabenen Buckel zwischen den Schultern.

»Wir haben es augenblicklich ziemlich eilig in der Küche, lieber

Philipp. Wünschest du etwas, bester Bruder?«

»Nein; aber heute vor dreißig Jahren um diese Stunde verkaufte ich in

diesem Hause für den ersten Groschen Wundspiritus. Den Altvater

Zimmermann -- Gott habe ihn selig! -- hatte der Gaul an die Hüfte

geschlagen. Ich habe es mir notirt vor dreißig Jahren, und ich hatte es

gänzlich vergessen -- dem Lehnstuhle dort zum Trotz!«

»O du meine Güte!« rief das alte Fräulein und verschwand nach einigem,

wie es schien, ratlosen Zögern, schlug dann aber die Thür um so heftiger

hinter sich zu. Schon auf dem Hausflur wußte Fräulein Dorette Kristeller

ganz genau, was sie zu thun habe, und man hatte für den ferneren Abend

es noch um ein Bedeutendes eiliger in der Küche der Apotheke »zum wilden

Mann«.

Zweites Kapitel.

Trotz aller geistigen Aufregung mußte der Apotheker Philipp Kristeller

einen erstaunten Blick für die Pforte, durch welche die Schwester so

plötzlich wieder verschwunden war, übrig haben.

»Herr Jesus!« sagte er; und dann versuchte er es von neuem, sich ruhig

zu setzen, allein es wollte nicht angehen. Das bedeutungsvolle Datum

brannte wie in feurigen Ziffern und Buchstaben vor seinen Augen, und so

schob er denn den Stuhl unter den Tisch und schlurfte, immerfort den

Kopf schüttelnd, in seiner Bildergalerie auf und ab; und immer klarer

und deutlicher stieg die Welt, welche vor dreißig Jahren, vor einem

Menschenalter, war, in seiner Seele empor. Ja, von seiner frühesten

Kindheit an lag mit einem Mal alles in den schärfsten Umrissen vor ihm,

und nur seine ihm allzu früh gestorbenen Eltern durchzogen schemenhaft

die helle Landschaft. Dagegen stand der Vormund in derber, ungemütlicher

Deutlichkeit in dem Zauberlicht und in der Mitte der Scenerie jener

kleinen Provinzialstadt jenseits des Gebirges, dem Thüringerlande zu,

mit dem Kyffhäuser in der Nähe und dem Kickelhahn in der blauen

magischen Ferne.

»Der allergewöhnlichste Mensch hat doch immer etwas erlebt, wenn er so

ein Menschenalter über ein Menschenalter hinaus zurückdenken kann,«

murmele der Alte. »Wie lebendig das nun alles ist, was eben tot und

vergessen in meiner Seele lag. Da ist ja der alte Biedermann, der

Grauwacker, mein Lehrherr, mit seinem ganzen Haus und Hauswesen. Welch

ein schnurriger, verbissener Patron er war; und dann die Patronin, ich

meine die Frau Prinzipalin. Herrgott, wie sorgst du in deiner Güte und

Weisheit dafür, daß denen, welchen du einen kleinen Löffel auf den

Lebensweg mitgiebst, auch der Brei nach dem richtigen Maße zugemessen

wird! Ist es mir doch, als verspürte ich heute noch das Magenknurren aus

jener guten, alten Zeit unter dem Zwerchfell. Und es war doch eine

glückliche, gesunde Zeit! Und gelernt hat man auch das Seinige bei dem

alten Grauwacker; man muß es ihm lassen, er verstand das Geschäft, die

Kunst, und er wußte uns darin zurecht zu schütteln. Alles, was nachher

kam --«

Die Glocke der Offizin klingelte von neuem; abermals ging der Apotheker

in seine Werkstatt zu seiner Arbeit, die diesmal etwas länger als vorhin

dauerte. Während er seinen Trank mischte und kochte, führte er im

landläufigen Dialekt eine Unterhaltung, die wir dem Leser nicht

vorenthalten wollen, die Mundart freilich abgerechnet.

»Ihr habt euch bei einem schlimmen Wetter auf den Weg machen müssen,

Gevatterin. Es steht wohl gar nicht gut zu Hause?«

»Wie mit dem Wetter draußen,« sagte das frische, sehr gesunde

Bauerweiblein verdrossen. »Man hat seine liebe Not, daß man sich darüber

selber gern vom Tage thun möchte. Er kann nicht leben und will nicht

sterben; -- ich glaube, er hält sich eben durch das Ärgernis, welches er

uns macht; -- recht machen kann man ihm gar nichts mehr, und von dem

Verdruß lebt er so hin von einem Tage zum andern.«

»Hm, hm,« brummte Herr Philipp.

»Ja, es ist doch so, und der Doktor zieht dann das Beste davon. Das Ding

hat er gestern Abend verschrieben, und es ist uns sehr eilig gemacht;

ich meine aber, Sie wissen es am besten, Herr Kristeller, daß kein Tag

vergeht, an welchem Sie mich nicht auf dieser Bank sitzen sehen. So

dachte ich denn, es hat wohl Zeit bis morgen, und weggeworfenes Geld ist

es doch.«

»Hm, hm,« brummte Herr Philipp, fügte aber diesmal hinzu: »Doktor- und

Apothekerrechnungen zahlt wohl niemand gern; -- aber wir machen es so

billig als möglich, Gevatterin.«

»Wie es sich schickt für eine arme, elende Witfrau,« schluchzte die

muntere Bäuerin hinter ihren Schürzenzipfeln.

»Na, na,« sagte der Apotheker, »zum Teufel, noch lebt er ja! Witfrau?

junge Frau! ei freilich! -- und meiner Meinung nach wird er es noch

manches lange, gute Jahr durchmachen. Der Doktor und ich wollen schon

das Unsrige thun.«

Die untröstliche Gattin auf der Bank stieß einen Ton hervor, der alles

bedeuten konnte: Dankbarkeit, Hoffnung, Freude, Schreck, Mißmut, Ärger

und Hohn. Der Apotheker hatte seine Mixtur fertig, reichte sie durch das

Fenster, und die jammergeschlagene junge Witwe _in spe_ ging ab und zwar

zu seinem innigsten Genügen gerade in ein erhöhtes Aufwüten und Lostosen

des Herbststurmes hinein.

»Die Canaille!« brummte der Alte, als er in seine Bildergalerie

zurückkam und sich unter dem Eindrucke der Unterhaltung wieder recht

fest niederließ, nachdem er mit merklicher Energie vorher frisches Holz

in den Ofen geworfen hatte. »Dies Frauenzimmer hätte mir beinahe meine

süßesten Erinnerungen für jetzt zu nichte gemacht,« murmelte er. »Eben

geriet ich in dieselben hinein, als das Weib die Glocke zog; aber das

ist freilich immer mein Los in der Welt gewesen, und anderen wird es

wohl nicht besser gehen. Und dann ist ja doch auch nichts daraus

geworden, Johanne! Zusammen sind wir nicht gekommen. Jeder hat seinen

eigenen Weg gehen müssen; ich unter so sonderbaren Umständen in diesen

verlorenen Weltwinkel, du, mein armes Kind und Herz, in dein Grab. _Nunc

cinis ante rosa_, einundzwanzig Jahre alt -- ach, Johanne, liebe, liebe

Johanne! -- Ja, ja, es wäre doch schön und gut gewesen, wenn wir

zusammengekommen wären und ich dich heute nach einem Menschenalter hier

bei mir hätte als alte, gute, schöne Frau!«

Es duldete den guten würdigen Herrn an diesem merkwürdigen Abend nimmer

lange auf seinem Sitze. Jetzt holte er ein Paket vergilbter Briefe aus

dem oben erwähnten Pult und löste den Bindfaden davon ab.

»Trockene Blumen und Blätter,« seufzte er. »Alles, was ich da in meinen

Büchsen und Schachteln habe, grünte und blühte auch einmal wie jedes

Wort auf diesem Papier. Apothekerwaren? Droguerien? Nein, nein, nein!

Jenes ist tot und bleibt so; aber dies hier ist noch lebendig und blüht

fort und kennt keine Zeit und keinen Jahreswechsel. Es hat seine Wurzeln

in meiner Seele geschlagen: wie könnte es da welken und zu nichte

werden? In der Sonne, im fliegenden Wolkenschatten, im Mondschein, im

Nebelziehen, im grauen Landregen, im lustigen Schneegestöber liegt das

Thal, liegen die Berge lebendig. Das ist die alte Stadt -- ja, da ist

sie, wie sie war, als wir jung waren; -- jedes Haus ein guter Bekannter.

Da ist das Eckfenster, an welchem ich stets vorbeigehe, wenn der Alte

mich auf die Pflanzenjagd schickt. Da sitzt das gute Kind mit seinem

Nähzeug, und es währt lange, sehr lange, ehe sie mich bemerkt, und noch

länger, ehe ich an die Thatsache glaube, daß sie mir wirklich

entgegenschaut und nachsieht. Es ist lange, lange eine Liebe ohne Worte,

bis der Himmel ein Einsehen hat und ein Regenschauer zur richtigen Zeit

auf einer Landpartie schickt, nachdem er mir vorher die glückselige,

heilbringende Idee eingegeben hat, beim schönsten Sonnenschein und

blauesten Himmel einen Schirm mitzunehmen. So lernten wir uns in der

Nähe kennen -- vom Herzen zum Herzen, von Seele zu Seele. Da ging das

beste Erdenleben an. -- Sie hatte wenig und ich gar nichts; aber der

liebe Gott hatte ungezählte Schätze für uns und gab eine kurze, kurze

Zeit alles mit vollen Händen. Erst im zweiten Sommer nach unserem

geheimen Verlöbnis, nachdem wir ein volles Jahr durch in unserem Glück

und unserer Hoffnung Millionäre gewesen waren, fiel uns ein, darüber

nachzudenken, was wohl weiter daraus werden möge und könne --«

Abermals klang die Glocke und unterbrach den erinnerungsvollen Traum. Es

waren aber diesmal keine Kunden, welche den Apotheker »zum wilden Mann«

störten. Die stets recht deutliche Stimme der Schwester Dorette ließ

sich draußen vernehmen:

»Da sind Sie, meine Herren! Gottlob, daß Sie gekommen sind. Das ist

schön, das ist sehr freundlich von Ihnen. Ich wußte es aber auch, daß

ich Sie nicht vergeblich bitten würde. Dem Bruder ist die große

Merkwürdigkeit eben erst eingefallen, und da hat es sich mir sogleich

schwer auf das Herz gelegt, und ich habe dann den Fritz losgejagt. Ich

kenne ihn ja nur zu gut, den Bruder; er würde sich ohne gute

Gesellschaft eine traurige Nacht zurecht gemacht haben, seine

melancholischen Einbildungen würden uns kläglich genug mitgespielt

haben. Aber nun ist es gut, denn an diesem Abend gehören wir ja doch

zusammen, und der Bruder wird sich nun recht sehr freuen, -- schönsten

guten Abend, meine Herren!«

Drittes Kapitel.

Die beiden Herren, zu denen die Schwester Dorette der melancholischen

Einbildungen ihres Bruders wegen sofort geschickt hatte, nachdem er ihr

die Bedeutung des heutigen Abends zugerufen, waren der Pastor des Ortes,

Herr Schönlank, und der Förster Ulebeule. Ersterer kam, dicht in den

Mantel gewickelt, mit seiner Laterne und seinem Regenschirm, letzterer,

jeglicher Witterung Trotz bietend, in kurzer, grünkragiger Flausjacke,

den derben, eisenbeschlagenen Hakenstock unterm Arme. Beide aber

schüttelten sich vor allen Dingen tüchtig auf der Hausflur und sagten

wie jedermann weit und breit:

»Brr, welch' ein Wetter!«

Und der Förster fügte noch hinzu:

»Das nennt man freilich auch, unterm Wind sich anschleichen; aber ein

Vergnügen war es gerade nicht. Na, Pastore, hier haben wir Überwind, und

für das Übrige wird Fräulein Dorette zu sorgen wissen.«

Der Alte im Hinterstübchen, welcher anfangs etwas betroffen gehorcht,

hatte sich schnell in die Situation gefunden. Ein Lächeln auf seinem

gutmütigen Gesichte wurde immer breiter und sonniger, und jetzt riß er

seinerseits die Thür auf, welche aus seinem Schlupfwinkel auf die

Hausflur führte, und rief in heiterster Laune:

»Herein, herein, und gelobt seien alle melancholischen Phantasien, wenn

sie einem so erwünschte Gesellschaft ins Haus führen. Das war ein

Gedanke -- das war eine That, Dorette! Herein, liebe Freunde, -- das ist

freilich ein Abend, um eine Nacht daraus zu machen, und letzteres wollen

wir und zwar, wie es sich gehört! Herein, und jeder an seinen Platz, und

ein Vivat für die alte Apotheke!«

»Davon nachher, wenn wir erst Chinesien auf dem Tische haben werden,«

sagte der Förster, seinen Stock in den Winkel stellend. »Fürs erste,

alter Bursch, ganz sedate unsere beste Gratulation zum glorwürdigen

Jubiläum. Wenn der Pastor das noch einmal und mit Salbung vorträgt, so

habe ich auch nichts dagegen; aber wenn wir den Hasenfuß, den Physikus

hier hätten, so würde der uns allen den Rang ablaufen; ein

hirschgerechterer Jäger für einen Glückwunsch und Trinkspruch soll noch

gefunden werden; aber er ist über Land geholt.«

»Und wird zu Hause meine Benachrichtigung vorfinden,« sagte Fräulein

Dorette Kristeller.

»Schön,« sprach der Förster, »unter den Umständen kriegen wir ihn

sicherlich noch zu Gesicht. Übrigens würde er es schon ganz aus

Naturanlage gewittert haben, daß wir uns hier rudelten. Bis Mitternacht

bleiben wir ja doch wohl vergnügt beisammen?«

»Natürlich! Hurra!« rief der Apotheker, und der Pastor brachte nun

wirklich in Erwartung Chinesiens, das heißt der Punschbowle, fein,

zierlich und schicklich seine Gratulation gleichfalls an.

Unterdessen hatte sich das ganze Haus mit eigentümlichen, anmutigen

Düften, die den Apothekendunst ihrerseits sieghaft bekämpften, gefüllt.

In des Hauses Küche hatte ein merkwürdig lebendiges Treiben begonnen;

allerlei Gerät rasselte und klirrte fröhlich durcheinander. Punkt neun

Uhr stand die erste dampfende Schale auf dem Tisch, und nicht sie

allein, sondern, was dazu gehörte, ebenfalls. Für fünf Minuten fand des

Apothekers Schwester nun auch Muße, sich zu den Männern zu setzen und

die ersten Belobungen derselben in Empfang zu nehmen.

Die Belobungen kamen zu rechter Zeit; aber dann trat für einige

Augenblicke das Stillschweigen ein, welches immer entsteht, wenn ein des

Nachdenkens würdiges Getränk auf den Tisch gesetzt wird. Daß dieses

Stillschweigen schnell überwunden wird und ein jeder sich merkwürdig

rasch mit der Feierlichkeit des Momentes abzufinden weiß, ist bekannt.

»Also wirklich bereits ein volles Menschenalter!« rief der geistliche

Herr. »Ich hielt es im Anfang fast für unmöglich; aber nun, da ich im

Stillen nachgerechnet habe, finde ich und gebe zu, daß es sich in der

That also verhält. Ich hatte mich in jenem Jahre gerade mit meiner guten

Friederike in den Stand der heiligen Ehe begeben, und mein ältester

Sohn, der Inspektor, ist wahrlich seitdem bereits achtundzwanzig Jahre

alt geworden.«

»Wahrhaftig, Pastore, und wenn ich daran denke, wie Ihr schlecht bei

Leibe hier ankamt, und Euch ansehe, wie Ihr jetzo da sitzt, so brauche

ich gar nicht an den Fingern abzuzählen, um an die dreißig Jahre zu

glauben. Übrigens empfing ich euch alle hier und machte euch die

Honneurs des Ortes. Zuerst rücktet Ihr ein, Pastore, und heiratetet

Eures Vorgängers Tochter; und nachher kam der gleichfalls noch anwesende

Jubilant, um die gesunde Gegend mit seinen Pillen und Mixturen noch

gesunder zu machen. Den Doktor rechne ich gar nicht; denn ein Mensch,

der erst ein Dutzend Jahre unter uns haust, ist eben gar nicht zu

rechnen.«

»Der liebe Gott hat Euch wirklich in Eurem Einzuge gesegnet, lieber,

alter Freund,« sagte der Pastor zum Hausherrn. »Eure zwei Vorgänger

hatten mit großer Schnelligkeit in diesem Hause Bankerott gemacht; Ihr

aber hattet Glück --«

»Und Verstand,« fiel der Förster Ulebeule ein, »den richtigen Verstand

von der Sache; denn in einer so gesunden Gegend, wie die hiesige zum

Exempel, legt sich der richtige Apotheker eben auf etwas anderes, zum

Beispiel auf einen neuen Magenbitter, wie der >Kristeller< einer ist,

auf die Fruchtsäfte im Großen, auf den Weinhandel und, nicht zu

vergessen, auf den Kräuterhandel durch ganz Deutschland ins

Unermeßliche. Heute Abend ist denn im natürlichen Verlaufe der Dinge

der Alte da in seinem Schlafrocke der allereinzige von uns, welcher es

zu etwas gebracht hat. Der Doktor wird es nie zu etwas bringen.«

Der geistliche Herr seufzte; aber der Apotheker »zum wilden Mann«, Herr

Philipp Kristeller, seufzte ebenfalls, und als gerade jetzt Wind und

Sturm stärker und böser mit Regen und Schloßen durchs Land fuhren, sah

er wie erschreckt von dem behaglichen Tisch auf das gepeitschte,

klirrende Fenster. Die alte, gute Schwester rückte dichter an ihn heran,

indem sie flüsterte:

»Liebe Herren, man muß niemandem sein Glück vorrücken, es nützt nichts

und hat schon häufig geschadet; das ist meine Meinung. Und ob meines

Bruders Glück gerade so groß gewesen ist, das steht wirklich noch dahin.

Wir haben unser Los und Leben genommen, wie es uns gegeben wurde, das

ist aber auch alles. Auf das Jubiläum aber trinke ich doch, und jetzt

will ich den Spruch ausbringen und sagen: Es lebe die Apotheke >zum

wilden Mann!<«

Sie hatte, während sie redete, die Gläser im Kreise gefüllt, und alle

stießen an, doch mit Nachdenken und Ernst, wie es sich gehörte. Herr

Philipp aber, unruhig auf seinem Stuhle hin- und herrückend, sprach

leise und mehr zu sich selber als zu den andern:

»Es ist eine Nacht dazu -- die rechte Nacht. Es ist mehr als ein

Menschenalter hingegangen, seit das, was ich mein Hauptglück nennen

sollte, an mich kam. Hört nur den Sturm da draußen, wie er sich unbändig

hat, ihr solltet kaum glauben, daß sich morgen vielleicht kein Lüftchen

regen wird, um das letzte Blatt vom Baume zu nehmen. Man sagt, es

verjähre alles; aber es ist nicht wahr. Es kommt alles wieder an einen,

der Sturmwind wie die alte Zeit. Ihr lieben Freunde, wollt ihr mich

anhören, so will ich euch eine Geschichte erzählen, eine kuriose, eine

recht, recht kuriose Geschichte. Ich will euch erzählen, wie ich vor

mehr als dreißig Jahren der Besitzer der Apotheke >zum wilden Mann<

wurde.«

Der Pastor sagte gar nichts; aber auch er rückte näher an Herrn Philipp

heran, berührte ermunternd seinen Ellbogen und bot ihm zu noch größerer

Ermunterung die blank abgegriffene silberne Dose.

»Geschichten höre ich für mein Leben gern, selbst Jagdgeschichten im

Notfall!« rief der Förster eifrig. »Endlich ist das Wild los! hin nach

der Fährt --«

»Einen Augenblick!« bat Fräulein Dorette, »jetzt muß ich noch für eine

Minute in die Küche, nachher bin ich wieder ganz und gar bei dir,

Philipp. Die beiden Nachbarn entschuldigen wohl.«

Sie entschuldigten gern und warteten und machten noch einige Bemerkungen

über die Jahreszeit und die Witterung. Nachdem aber die Schwester

zurückgekommen war, erzählte der Bruder wirklich seine Geschichte --

eine kuriose Geschichte!

Viertes Kapitel.

»Liebe, gute, treue Freunde und Nachbarn,« begann der Mann, der nach der

Meinung des Försters Ulebeule es zu etwas im Leben gebracht, d. h. etwas

vor sich gebracht hatte im Dorfe, »ich habe, ehe ihr kamet, von der

alten Zeit verlockt, schon zweimal meinen Archivkasten da in der Offizin

geöffnet und habe den Staub von der Vergangenheit geblasen; jetzt werde

ich wohl noch ein Dokument daraus hervorholen müssen. Trotz aller

wunderlichen Geheimnisse liegt mein Geschick vollständig klar auf dem

Papiere da; nicht etwa daß ich ein Tagebuch oder dergleichen geführt

hätte, sondern in wirklichen authentischen Schriftstücken, die ich euch

dann auch nachher zu eigener Begutachtung in die Hände geben werde.

»Mein Vater hatte mir einige Tausend Thaler hinterlassen; aber mein

Vormund, ein gutmütiger, wohlmeinender, doch höchst zerfahrener und

leichtsinniger Mann, hatte wenig auf dieselben Achtung gegeben. Als ich

das Geld gebrauchen konnte, war es bis auf ein Minimum verschwunden, und

der Vormund legte mir schluchzend das Bekenntnis ab: er wisse am

allerwenigsten, wo es geblieben sei. Übrigens fügte er zu meinem Troste

hinzu: mit seinem eigenen Vermögen sei es ihm gerade so ergangen. Er war

ein ältlicher Herr mit drei unverheirateten ältlichen Töchtern, und alle

waren meine besten Freunde; -- was blieb mir also übrig, als mit ihnen

zu weinen und so auch meinerseits das trockene Faktum in gegenseitiger

Liebe und Zuneigung feucht zu erhalten. Die drei guten Mädchen sorgten

für meine Wäsche und sonstige Ausstattung, packten mir meinen Koffer,

und so zog ich nach abgethaner Lehrzeit als voraussichtlich ewiges

Subjekt ins Laborantentum hinein und trieb mich fünf oder sechs Jahre

lang so umher durch Süß und Sauer, von einer Epidemie in die andere, von

einem nächtlichen Aufgeklingeltwerden zum andern, von einer Doktorpfote

zur andern, bis ich nach * * * kam, wo ich meine Johanne kennen lernte.

Da, Freund Ulebeule, habe ich wirklich etwas vor mich gebracht, nämlich

die einzigen guten, glücklichen Tage meines Lebens!«

»Gratuliere auch dazu,« brummte der Förster.

»Ja, in die glückliche Zeit meines Daseins war ich hineingeraten, und es

stimmte alles zusammen -- ein ganzes Jahr lang!

»Ich hatte es in jeder Beziehung gut. Mein damaliger Prinzipal war ein

drolliger alter Kauz, über den ich etwas mehr sagen muß; denn er

verdient das, meinet- wie seinethalben in jeder Beziehung. Er war

Apotheker mit Liebe; aber mit einem gewissen Wahnsinn ein Enthusiast für

die hohe Wissenschaft Botanik, und er war in der That ein bedeutender

Pflanzenkundiger. So lange es anging, hatte er seine Provisoren und

Gehilfen die Offizin versorgen lassen und war selber in Wald und Feld

seinem Lieblingsstudium nachgegangen. Als ich aber in sein Haus eintrat,

hatte sich das eben geändert. Er war über sechzig Jahre alt, seine Augen

waren allmählich schwach geworden, sein Rücken steif; und wenn er sich

zwischen Berg und Thal nach einem Gewächs bückte, so kam er nur mit

Stöhnen und einem verdrießlichen Griff nach dem Kreuz wieder in die

Höhe. Ich kam, und er stellte ein botanisches Examen mit mir an, das an

Schärfe nichts zu wünschen übrig ließ, gottlob aber ziemlich gut

ausfiel, und von dem all' mein späteres Wohlsein in seinem Hause den

Ausgang nahm. Nach dem Examen überreichte er mir als Zeichen seiner

Zufriedenheit ein Exemplar von Stöver's Leben des Ritters Karl von Linné

und hielt mir eine Rede über die Märtyrer unserer >Göttin<, und empfahl

mir vorzüglich zur Nachahmung das größte botanische Genie des

sechzehnten Jahrhunderts, den Meister Charles de l'Ecluse, -- Carolus

Clusius aus Arras in den Niederlanden, der im Dienste der Wissenschaft

im vierundzwanzigsten Jahre die Wassersucht bekam, im neununddreißigsten

Jahre in Spanien mit dem Pferde stürzte und den Arm brach und gleich

nach der Heilung den rechten Schenkel; -- der im fünfundfünfzigsten

Jahre in Wien den linken Fuß brach und acht Jahre später sich die rechte

Hüfte verrenkte, -- der fortan an Krücken gehen mußte, einen Bruch und

Steinschmerzen bekam und doch das wundervolle Buch: _Variarum plantarum

historia_ schrieb und für alle kommende Zeiten wie ein glorreich helles

Licht aus dem dunklen Jahrhundert, in welchem er lebte und wirkte,

herüberleuchtete. Darauf schickte er mich in _re herbaria_ auf die Jagd

und blieb selber seufzend zu Hause, versorgte die Praxis und

durchblätterte seine Kräuterbücher, die wirklich merkwürdig in ihrer Art

waren und nach seinem Tode sicherlich auf den Mist geworfen sind. Zu

jeder Jahreszeit fast hatte ich für ihn das Land abzulaufen, denn er

war auch in der Kenntnis der Moose bedeutend, und in den Monaten, wo die

übrige Flora in ihrer Pracht steht, ging ich fast täglich meilenweit ins

Land oder in die Berge, um irgend eine einzige Pflanze zu suchen, auf

deren Besitz und Studium er augenblicklich sein Herz gewendet hatte.

-- Das war eine schöne Zeit! das waren Tage, wie ich sie seit Jahren

nicht in so ununterbrochen glücklicher Folge durchlebt hatte, und da

ich, wie gesagt, auch bald den Namen und das Bild meiner Braut mit mir

auf die Höhen und sonnigen Halden und in die schattigen Thäler nehmen

konnte, so ist denn weiter nichts mit dem Scheine zu vergleichen, wie er

mir damals über der Erde und in der Seele lag. Daß ich Rad durch den

Sonnenglanz auf den Bergen geschlagen hätte, will ich aber nicht gesagt

haben. Im Gegenteil! in die Lust am Leben machte sich immer ein

bänglicher Zug. Kam ich aus meinen Wäldern zurück in die kleine,

winklige Stadt, wieder hinein in das Gewirr und zänkische Durcheinander

selbst dieser wenigen Menschen, so wurde mir oft sogar sehr bänglich zu

Mute.«

»Das geht allen Leuten so, die ihr Geschäft viel im Freien aufhält, mir

auch!« sagte der Förster Ulebeule.

»Aber noch lange,« fuhr der Erzähler, ohne auf die Unterbrechung weiter

zu achten, fort, »noch lange war und blieb im Freien alles für mich

Gegenwart, und erst nach und nach wurde drinnen im Städtchen alles

Zukunft, sorgenvolle, angstvolle, nebelige Zukunft:

»Was soll denn eigentlich zuletzt aus dir und deinem Mädchen werden?

»Ich habe es schon gesagt, daß die richtige Schwerblütigkeit mich erst

im zweiten Jahre meines dortigen Aufenthalts übermannte. Im Anfange

blieben die trüben sorglosen Gedanken bei jedem Ausmarsche innerhalb der

alten Mauern der Stadt eingeschlossen zurück; erst nach und nach

begleiteten sie mich über das Weichbild hinaus und folgten mir weiter

und weiter, bis im dritten Frühlinge der dunkle Finger mir überall auf

meinen Wegen drohte und der Prinzipal die Bemerkung machte, daß ich

anfange, bedeutend abzumagern, und mich wohlmeinend und besorgt an

verschiedene nerven- und magenstärkende Droguen unserer Materialkammer

verwies.

»Ach, kein Arzneistoff konnte mir wieder zu vollerer Leibesrundung

verhelfen! Zwischen Hypochondrie und gutem Lebensmut hin- und

hergeworfen, schweifte ich umher, bis ich den Mann fand, der mir half!

»Meine Herren und lieben Freunde, in eben diesem Sommer machte ich eine

Bekanntschaft, eine seltsame, geheimnisvolle und, wie Johanne sagte,

eigentlich unheimliche Bekanntschaft. Ihr habe ich es zu danken, daß ich

heute der Besitzer dieser Apotheke >zum wilden Mann< bin, und sie ist

bis heute, -- ja bis heute, und also länger als dreißig Jahre das

ungelöste Rätsel, das Mysterium in meinem Leben geblieben --«

»Erzählen Sie, o erzählen Sie!« rief der Pastor atemlos, den Erzähler in

der besten raschesten Mitteilung seines Berichtes aus übergroßer

Spannung unterbrechend, und Herr Philipp Kristeller benutzte die

Gelegenheit, um Atem zu schöpfen, ehe er fortfuhr.

Es schien ihm aber wirklich daran gelegen zu sein, das Geheimnis seines

Lebens von der Seele los zu werden, und so fuhr er fort:

»Ich fand einfach einen Weggenossen und so zu sagen Kollegen auf meinen

Gängen, einen jungen wohlgekleideten Mann, der sich gleichfalls mit der

Botanik beschäftigte, nur um ein Weniges jünger als ich zu sein schien

und sich als ein Naturfreund und Pflanzenkenner auswies, der selbst

meinen Prinzipal im verständnisvollen Eindringen in unsere hinreißende

Wissenschaft übertraf. Aus der Gegend war er nicht, seinen Namen haben

wir nie recht erfahren; wir nannten ihn Herr August und später auch

einfach August. Sein Familienname war das aber jedenfalls nicht.

»Der Zufall stieß uns an einem heißen Julinachmittage auf einer

abgeholzten, glühenden Berglehne unter den manneshohen Fingerhutbüschen

zwischen dem Gewirr der Granitblöcke die Köpfe zusammen und ließ uns

sofort höflich das Handwerk grüßen. Zuerst begrüßten wir jedoch

natürlich höflich uns selber und betrachteten einander. Was der Fremde

an mir sah, weiß ich nicht; mir steht er heute noch so klar und deutlich

wie damals vor den Augen. Es war ein junger Mann, wie gesagt, ungefähr

von meinem Alter, hochgewachsen, wohlgebaut, von schwarzem Haar und mit

einem ernsthaften, energischen Gesicht von etwas gelbweißer, jedoch

keineswegs krankhafter Farbe. Den Kopf trug er ein wenig gesenkt, und

seine Stimme war wohllautend, er gebrauchte sie aber nur zu selten.

Während unseres ganzen Verkehrs überließ er es mir vollständig allein,

die Unterhaltung zu führen; und wie ihr wißt, liebe Nachbarn, bin ich

stets für einen lebhaften mündlichen Verkehr gewesen -- vielleicht oft

nur zu sehr.«

An dieser Stelle hatte die Schwester etwas zu sagen, und etwas unmutig

rief sie:

»Bester Bruder, sie reden im Dorfe doch schon dumm genug von dir!«

Der geistliche Herr lächelte; aber der Förster lachte laut und rief:

»Ja, Fräulein Dorette, für den Anstand ist seine Natur freilich nicht

eingerichtet, das habe ich zweimal in Erfahrung gebracht und werde es

mit meiner Einwilligung nicht zum drittenmal erleben. Das ist so! er

hält jedem Fuchs, der herüberwechselt, eine Standrede, ehe er losbrennt

und vorbeipafft. Aber hingegen bei einem Treiben wäre er wohl an Ort und

Stelle, und eine Hasenklapper ist auch ein recht nützliches Ding.«

»Ich danke Ihnen für Ihre Bemerkung, Ulebeule!« sprach das alte

Fräulein spitz und kurz, und jetzt lächelte Herr Philipp Kristeller und

ließ sich nicht weiter auf seinem Wege aufhalten.

»Ich gab also, wie es nicht anders sein konnte, meiner Natur nach. Ich

erzählte dem neuen Bekannten so nach und nach von allem, was mir an mir,

meinem Leben und Zuständen wichtig dünkte. Um alles, von meiner Geburt

an, wußte er bald Bescheid; was ich von ihm dagegen erfuhr, war so wenig

als möglich, das heißt gar nichts! -- Aber ein guter Gesellschafter war

er doch, und wurde ein immer besserer, je häufiger wir uns trafen. Wir

fingen an, die Plätze miteinander zu verabreden, an welchen wir uns

finden wollten, und er, als der freiere Mann, war stets am Orte.

Manchmal begleitete er mich bis an den Hügelhang, an welchem die Stadt

liegt; allein so oft ich ihn auch einlud, nun auch mit mir in dieselbe

hinunterzusteigen, so lehnte er das stets bestimmt ab, ohne einen Grund

für die Weigerung anzugeben. Am Waldrande über dem Nordthore nahm er

stets Abschied, drückte mir die Hand und ging zurück. In der Stadt und

Umgegend kannte ihn keiner, so oft und viel ich auch die Leute nach ihm

ausfragte. Gesehen hatte ihn wohl mancher, und manchem war er auch in

seinem Wesen und Treiben aufgefallen; doch nähere Auskunft über ihn

wußte niemand zu geben. In einem Dorfe, mitten in den Bergen, hatte er

für ein Pferd und einen leichten Wagen ein Standquartier, doch auch da

nannte man ihn einfach nur Herr August und hielt ihn für einen Studiosen

aus der Universitätsstadt in der Ebene, der, >wie schon viele<, von dort

in die Berge komme, um >die Kräuter zu verstudieren<.«

»Scheint mir eine kalte Fährte gewesen zu sein,« meinte der Förster, und

der Pastor war derselben Meinung.

»Ich gab auch nichts darauf,« erzählte Herr Philipp weiter, »sondern

setzte den Verkehr fort, wie er sich eben machte, und nachdem ich mit

dem Herrn August ein halbdutzend Male zusammengetroffen war, fügte es

der Zufall, daß er auch meine Braut kennen lernte. Die hatte mit ihren

Verwandten und Bekannten an einem schönen Sonntage einen Ausflug in den

Wald gemacht, und da trafen wir, -- als Johanne und ich uns von der

lustigen Gesellschaft abseits geschlagen hatten und allein für uns

gingen, auf einem überwachsenen Pfade auf meinen geheimnisvollen Freund.

Wir gingen Arm in Arm, und er ging wieder einsam, und sein Gesicht war

ernster und trüber denn je. Als er uns erblickte, erhellten sich seine

Mienen zwar, aber nicht auf lange. Er wollte mit uns fröhlich und heiter

sein; aber es gelang ihm schlecht. Er sprach sehr gut und freundlich zu

meinem Schatz; doch je länger er mit uns ging und je munterer wir auf

ihn einplauderten, desto stiller wurde er. Und als nun gar die übrige

Gesellschaft singend, lachend und jubelnd zu uns stieß, da war er

plötzlich wieder verschwunden, und wir sahen ihn an jenem fröhlichen

Tage nicht mehr. >Du, Philipp, der hat ein großes Unglück erfahren oder

windet sich noch durch ein solches<, sagte mir Johanne nachher; >Philipp,

der Mensch thut mir unendlich leid; -- ist es dir denn noch niemals bange

und traurig in seiner Nähe zu Mute geworden?<

»Die Weiber haben in der Hinsicht einen feinen Blick und Sinn, und sie

verstehen es, uns Mannsvolk auf manches aufmerksam zu machen, was man

gefühlt hat, ohne daß es einem im Bewußtsein klar geworden ist. Ich

stutzte, und jetzt zuerst fiel es auch mir bei, daß mein schweigsamer

Freund auch mir schon einige Male sehr leid gethan habe. Bänglich war's

mir freilich noch nicht in seiner Gesellschaft zu Mute gewesen; doch

schon auf dem lustigen Heimwege nach der Stadt war es mir ganz klar, daß

von nun an auch das Bangen mich zu Zeiten wohl überkommen könne. Von

jenem Tage an achtete ich schärfer und schärfer auf meinen Freund

August, und dann einmal fragte ich ihn mit aller Aufbietung meiner

Beredsamkeit und Überredungskraft, was ihm eigentlich fehle und ob es

durchaus nicht möglich sei, daß ich ihm helfe? Ich beschwor ihn

inständigst, doch ein Herz zu fassen und alles, was ihn drücke, mir

mitzuteilen. Ich sagte ihm, daß ich mein Blut und meine Seele dran geben

würde, ihm zu helfen, und fügte auch sonst noch bei, was man bei einer

solchen zum Zittern aufgeregten Gelegenheit ernstlich und innig einem

geliebten, geschätzten und geachteten Menschen sagen kann. Natürlich

versuchte er zu lachen und versicherte mich, er befinde sich körperlich

wie geistig vollkommen wohl, sein Gewissen sei durchaus nicht durch

irgend eine unaussprechliche Schandthat belastet; aber für sein

Temperament könne er freilich nichts, und es sei in der That ein

ziemlich unbehagliches zu nennen und schon Mehreren aufgefallen. Er

sagte, er habe ein unglücklich Blut von seinen Vorfahren geerbt, und

wahr sei, daß er es stets kräftig und aufmerksam im Zaume halten müsse,

wenn nicht jeder Tag, den er lebe, zu einem jähzornigen bösen Ende

gelangen solle. Er dankte mir herzlich für meine Güte, wie er's nannte,

und es war mir fast, als sähe ich eine Thräne in seinen Augen, allein

das mochte doch wohl eine Täuschung sein, denn ein solches römisches

Münzengesicht, wie das seinige, war auf dergleichen Weichheiten hin

nicht in die gehörige Form gegossen.«

»Was für eine Art Visage hatte er, Kristeller?« fragte der Förster

Ulebeule.

»Ein Gesicht wie die Kaiser Nero, Caracalla oder Caligula auf ihren

Dukaten!« erläuterte der Pfarrherr, und der Apotheker »zum wilden Mann«

schüttelte den Kopf, glaubte sich aber jeder anderen Antwort überhoben

und ging in seiner Erzählung weiter:

»Meine Braut hatte ihm sehr gefallen. Er lobte ihr Äußeres und alles,

was sie während des kurzen Zusammenseins gesprochen hatte, ausnehmend.

Er nannte sie ein liebes, braves Mädchen -- was sie wirklich auch war

-- und er sprach mit tiefen Seufzern den Wunsch aus, eine ihr gleichende

Schwester zu haben. Da erkundigte ich mich denn selbstverständlich noch

einmal nach seinen Familienverhältnissen, er aber versicherte mich, daß

er ganz allein in der Welt stehe, Vater und Mutter durch den Tod

verloren und Geschwister nie gehabt habe; und wie um das Gespräch

schnell zu wenden, fragte er seinerseits, ob der Tag meiner Hochzeit

bereits festgesetzt sei.

»Als ich ihm nun gesagt hatte, wie es sich damit verhalte, seufzte er:

>O, könnte ich Ihnen helfen, Philipp, so würde es heute noch geschehen!<

-- -- Wie er mir half, und weshalb der Ehrensessel da seit dreißig

Jahren leer steht und auf ihn wartet, das will ich euch jetzt sagen.«

Fünftes Kapitel.

Zum wilden Mann · 第 1 / 7 段