Sudarschana und Surangama am Fenster.
_Sudarschana_
Muß ich also in die Versammlung der Fürsten gehn? Gibt es kein anderes
Mittel, meines Vaters Leben zu retten?
_Surangama_
Der König von Kantschi hat es gesagt.
_Sudarschana_
Sind das Worte, die eines Königs würdig sind? Sagte er das mit seinem
eigenen Munde?
_Surangama_
Nein, sein Bote, Suvarna, brachte die Nachricht.
_Sudarschana_
Weh, weh über mich!
_Surangama_
Und er zog ein paar verwelkte Blumen hervor und sagte: »Sag deiner
Königin, daß diese Andenken an das Frühlingsfest, je trockener und
verwelkter sie werden, um so frischer und blühender in meinem Herzen
wachsen.«
_Sudarschana_
Halt ein! Sag mir nichts mehr. Foltre mich nicht länger.
_Surangama_
Sieh! Da sitzen die Fürsten alle in der großen Versammlung. Der keinen
Schmuck an sich hat, außer dem einzigen Blumenkranz um seine Krone --
das ist der König von Kantschi. Und der den Schirm über sein Haupt hält
und hinter ihm steht -- das ist Suvarna.
_Sudarschana_
Ist das Suvarna? Bist du ganz sicher?
_Surangama_
Ja, ich kenne ihn gut.
_Sudarschana_
Ist es möglich, daß das der Mann ist, den ich damals sah? Nein, nein --
ich sah etwas, das war gemischt aus Licht und Dunkel, aus Windhauch und
Duft -- nein, nein, er kann es nicht sein; das ist er nicht.
_Surangama_
Aber alle geben zu, daß er ausnehmend schön ist.
_Sudarschana_
Wie konnte _diese_ Schönheit mich bezaubern? Oh, was soll ich tun, um
meine Augen von der Befleckung zu reinigen?
_Surangama_
Du wirst sie in jenem unergründlichen Dunkel baden müssen.
_Sudarschana_
Aber sage mir, Surangama, warum begeht man solche Fehler?
_Surangama_
Fehler sind nur die Vorspiele zu ihrer eigenen Vernichtung.
_Bote_ (eintretend)
Prinzessin, die Könige warten in der Halle auf Euch.
Ab.
_Sudarschana_
Surangama, bring mir den Schleier. (Surangama geht hinaus.) O König,
mein einziger König! Du hast mich allein gelassen, und du hast ganz
recht daran getan. Aber willst du nicht die innerste Wahrheit meiner
Seele erfahren?
Sie holt einen Dolch aus ihrem Busen hervor.
Dieser mein Leib hat einen Flecken bekommen -- ich werde ihn heute im
Staub der Halle, vor all diesen Fürsten, zum Opfer bringen! Aber werde
ich dir nie sagen können, daß die geheime Kammer meines Herzens durch
keine Treulosigkeit befleckt ist? Die dunkle Kammer, wo du mich zu
besuchen pflegtest, liegt heute kalt und leer in meinem Busen -- doch, o
mein Herr! keiner hat ihre Tore geöffnet, keiner ist in sie eingegangen
als du, o König! Wirst du nie mehr kommen, um diese Tore zu öffnen? Dann
laß den Tod kommen, denn er ist dunkel wie du, und seine Züge sind schön
wie deine. Er ist du -- du bist es selbst, o König!