Der Pachter seufzte, aber er erwiderte nichts darauf.

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Ein Parcerie-Vertrag.

Erzählung

zur Warnung und Belehrung für Auswanderer und ihre Freunde.

Volksbuch

von

Friedrich Gerstäcker.

Leipzig,

Verlag von Ernst Keil.

1869.

Inhalt

Seite

Vorwort III

1. Beim Schulmeister 1

2. Verschiedene Auskunft 17

3. Herrn Kollboeker's Comptoir 29

4. Die Abreise 42

5. Auf See und an Land 52

6. In Brasilien 64

7. Die Reise in's Innere 78

8. Der deutsche Consul 89

9. Die Folgen des Contracts 105

10. Der neue Besuch 117

11. Gerettet 133

12. In der Colonie Blumenau 141

Vorwort.

Ich habe versucht dem Leser in der nachstehenden Erzählung eine, wenn

auch peinliche, doch treue Schilderung einer Familie zu geben, die sich

verleiten ließ auf einen sogenannten Parcerie-[1]Vertrag hin ihr

Vaterland zu verlassen und ihr Glück in einem fernen Welttheil zu

suchen.

Das Land ist Brasilien, denn gerade mit den Pflanzern des heißen und

nördlichen Theils von Brasilien sind solche Verträge abgeschlossen

worden, weil sich die freiwillige Auswanderung nicht jenen, für den

Europäer ungesunden Distrikten zuwandte. Der Hauptstrom der

süd-amerikanischen Auswanderung ging nach dem Süden von Brasilien, wohin

die Regierung selber deutsche Auswanderer wünschte und sie in vielen

Stücken begünstigte. Dort befanden sich die Colonisten wohl und

schrieben nach Deutschland zurück, wie gut es ihnen ging.

Diese Briefe wurden häufig von gewissenlosen Agenten benutzt um arme

unwissende Menschen in Deutschland, die keine Mittel besaßen ihre

Passage zu bezahlen, zu täuschen, denn man versprach ihnen ja sie nach

Brasilien zu schaffen und von der ungeheueren Größe des Landes, und den

verschiedenen Klimaten und Bodenverhältnissen hatten die Unglücklichen,

mit ihren mangelhaften geographischen Kenntnissen keine Ahnung.

Sie sahen dann zu spät ein daß sie betrogen waren, aber eben so wie sie

sich außer dem Schutz der deutschen Regierungen befanden -- denn unser

Consulats-Wesen lag entsetzlich im Argen und liegt =noch= darin, wenn

nicht die Norddeutsche Bundesregierung eine gründliche Änderung

desselben vornimmt -- ebenso konnte auch die brasilianische Regierung

nur in solchen Fällen einschreiten, wo ihr Beweise gebracht wurden, daß

die Pflanzer ihre Arbeiter wirklich betrogen. Wie schwer das aber in

einem so ungeheueren Reiche und in den abgelegenen Provinzen war, läßt

sich denken.

Vor diesen und vielen ähnlichen Contracten möchte ich nun den

Auswanderer nicht allein warnen, sondern auch ihm sowohl, wie Allen

solchen die sich für fortziehende Familien interessiren oder von ihnen

um Rath gefragt werden, ein deutliches Bild vor Augen rücken, wie es,

leider in den meisten Fällen, mit derartigen Verträgen steht.

Ich gebe zu daß manche derselben ehrlich gemeint sind und ehrlich

gehalten wurden, und dadurch dem unbemittelten Auswanderer Vortheile

boten, die er auf eine andere Art nur schwer erreicht hätte. Aber

nirgends ist ihm dafür eine Gewähr gegeben. Von dem Augenblick an wo er

das fremde Land betritt, ja läßt er sich besonders mit englischen und

vorzüglich =belgischen= Agenten ein, von der Stunde an wo er die

heimische Grenze überschreitet, bleibt er der Willkür fremder Menschen

preisgegeben, und zwar =ohne= Hülfe, =ohne= Schutz.

Wer einmal auswandern will mag es thun, aber er soll sich vorher, um

seiner selbst und seiner Familie willen, nicht durch ein Blatt Papier

Hände und Füße binden lassen. Ein =freier= Mann findet überall in der

Fremde sein Brod, ein durch einen Contract gebundener ist dagegen der

Sclave seines Herrn und wer ihm hier in Deutschland vorredet, die Sache

wäre gar nicht so schlimm -- sein ärgster Feind.

In solchen Fällen aber, wo ein armer deutscher Familienvater gar =keine=

Mittel in Händen hat, um ein fremdes Land zu erreichen und er doch sein

Elend hier vor Augen sieht, ohne im Stand zu sein sich herauszuarbeiten,

wo es ihm also wie eine Hülfe in der Noth erscheint wenn er in ein

fremdes Land auf fremde Kosten übersiedeln kann, da gehe er nicht etwa

unter =jeder= Bedingung, denn er hat sich die für ihn und die Seinen

nachher vielleicht furchtbaren Folgen sonst selber zuzuschreiben,

sondern beobachte die folgenden Regeln.

Vor allen Dingen verlasse er sich nie und unter =keinen= Umständen

allein auf das Wort eines Auswanderungs-Agenten.

Alle diese Leute die eine Auswanderungs-Agentur errichten, sind mit nur

=sehr= wenigen Ausnahmen, heruntergekommene Kaufleute oder sonst

Menschen die ein solches Geschäft als =letzten= Erwerbszweig ergriffen

haben, und fast =ohne= Ausnahme nicht das Geringste von fremden

Welttheilen wissen oder verstehen.

Sie bleiben dabei einzig und allein auf den Gewinn des =Kopfgeldes=

angewiesen, das sie für Alle solche bekommen, die durch sie befördert

werden. Wohin! bleibt sich bei ihnen gleich, wenn sie ihre »Köpfe« nur

auf ein Schiff liefern, und was nachher aus den Unglücklichen wird,

kümmert sie wenig oder gar nicht.

Alle solche Contracte dabei, die auf Hälfte des Gewinns oder auch auf

einen Antheil lauten, sind fast =ohne= Ausnahme betrügerischer Art,

wenigstens ist der Auswanderer, der die fremde Sprache nicht versteht

und dem keine Einsicht in die Bücher seines Herrn zusteht (die ihm unter

solchen Umständen auch Nichts nützen würde) jedesmal demselben auf Gnade

und Ungnade übergeben, und wenn er wirklich auch einmal =nicht= betrogen

werden sollte, hält er sich doch sicher selber davon überzeugt.

Theilcontracte sind für ihn annehmbar, wenn sie auf umgekehrten

Grundsätzen beruhen, wie sie besonders in Süd-Australien von englischen

Grundeigenthümern zu ihrem eigenen, aber auch dem Nutzen der deutschen

Einwanderer, abgeschlossen wurden.

Nach diesen übernahm der Auswanderer eine Strecke Land, bekam von dem

Eigenthümer das nöthige Ackergeräth geliefert, und zahlte jährlich für

den Acker 4 £ also etwa 27 Thlr. Pacht, wobei er jedoch nach 14 Jahren

das =Vorkaufsrecht= auf das Land hatte.

Bei einem solchen Contract, obgleich in Amerika und auch in

Süd-Brasilien viel günstigere Bedingungen für den Einwanderer zu

erlangen sind, standen sich doch beide Parteien gut und der deutsche

Arbeiter blieb nicht allein sein eigener Herr, sondern sah auch selber

wie er langsam vorwärts rückte.

Es giebt aber auch Fälle hier, wo der arme Tagelöhner wirklich im alten

Vaterland im größten Elend lebt, und nur Gott dankt wenn er freie

Passage nach einem fremden Welttheil erhalten kann. Er ist also dann

gezwungen Verbindlichkeiten einzugehn, die aber nie einen solchen Grad

erreichen müssen, daß er sich, wie bei diesen schurkischen

Parcerie-Verträgen, fast bedingungslos einem Agenten und dessen

Helfershelfern verkauft.

Nur zwei Bedingungen =kann= er annehmen; er läuft wenigstens keine

unmittelbare Gefahr dabei, und wenn ihn auch beide zur Arbeit zwingen,

bleibt er doch dabei sein eigener Herr, oder wird es wieder sobald er

die für ihn wirklich ausgelegten Kosten bezahlt hat. Beide Arten habe

ich selber in Australien, in Brasilien und in Peru ausgeführt gesehn,

und bei beiden befanden sich die Einwanderer wohl.

Die eine ist, daß ihm ein bestimmter, den Preisen des Landes in das er

zieht angemessener Tagelohn bestimmt wird, für den er so lange arbeiten

muß, bis er seine Reisekosten bezahlt hat -- und nicht eine Stunde

länger. Dann ist er wieder sein eigener Herr, hat das Land in der Zeit

kennen lernen, und kann nun seinen Contract mit dem bisherigen Brotherrn

machen, um sich auch ein Stück Land als Eigenthum zu erwerben. Solche

Contracte sind viele nach Moreton-Bai in Australien und besonders nach

Süd-Brasilien abgeschlossen worden.

Die andere daß er das ihm überwiesene Land, wohin man ihn bringt

entweder nach Jahr und Tag, wie es seine Erndten erlauben, langsam

abbezahlt, oder es auch ganz vom Staat geschenkt bekommt, denn eine

Regierung (und mit Privatleuten soll man sich unter =keiner= Bedingung

einlassen; es ist wenigstens stets gefährlich) läßt ja doch nur dann

Einwanderer passagefrei in ihr Land schaffen, wenn ihr daran gelegen ist

dasselbe cultivirt zu bekommen. Das kleine Stück das sie ihm dann

anfangs als Geschenk giebt, hat noch keinen Werth für sie -- aber die

Nachbardistrikte =werden= werthvoll sobald sich fleißige Colonisten in

der Nähe niederlassen, denn nicht sie allein brauchen später mehr Land

und müssen es von der Regierung kaufen, sondern sie ziehen auch

Landsleute und andere Ansiedler dorthin und eröffnen damit in bis dahin

unbewohnten Distrikten Handel und Verkehr.

Aber selbst unter den anscheinend günstigen Umständen bleibt für den

Auswanderer große Vorsicht nöthig, ehe er einen so wichtigen Schritt

thut und sein Vaterland, mit Allem was er eigen nennt, verläßt.

Er soll sich auch um Gottes Willen nicht zu rasch dazu entschließen und

besonders =nie= vorher einem Agenten sein Gepäck übergeben bis er nicht

vollkommen mit sich im Reinen ist, Leute die etwas davon verstehn und

kein eigenes Interesse dabei haben, zu Rath gezogen und einen Contract

in Händen hat, der nicht allein =ihn= bindet, wie ein solcher

Parcerie-Wisch, der weiter Nichts erklärt als daß sich der Auswanderer

an den Agenten verkauft und zur Beglaubigung selber seinen Namen

darunter gesetzt hat -- nein, der auch dem für den er arbeiten soll,

Pflichten auferlegt, welche ihm selber den Lohn seiner Arbeit sichern.

Er bekommt und will ja Nichts geschenkt; für das was er erhält leistet

er wieder, und wie beide Theile einen Nutzen dabei erhoffen, müssen sich

auch Beide gleichberechtigt gegenüberstehn.

Außerdem muß er sich über die geographischen Verhältnisse sowohl wie

über die politischen des Landes, nach dem er befördert werden soll genau

bei Leuten erkundigen die ihm auch wirklich Auskunft darüber geben

können, denn gerade in neuster Zeit haben wir ein Beispiel wie dringend

nöthig das ist. Dorfschulmeister sind aber nicht die passenden Menschen

dazu, denn sie werden so erbärmlich besoldet, daß sie kaum das

Nothwendigste für ihren Lebensunterhalt erschwingen, vielweniger denn

größere und besonders fremde Zeitungen halten können. Die Agenten

dagegen, wenn sie wirklich etwas wissen, verheimlichen das dem

Auswanderer Bedenkliche, um ihn ja nicht von der Reise abzuhalten.

Der Fall worauf ich Bezug nehme, ist der folgende:

Die Chilenische Regierung (eine der besten und zuverlässigsten in ganz

Südamerika, wie sie sich wenigstens =bis jetzt= bewährt hatte) hat einen

Contract mit einem Hamburger Schiffsrheder gemacht, ihr im ersten Jahr

hundert, im zweiten zwei, im dritten dreihundert und sofort bis zum

vierten Jahr, Familien hinüber nach Chile zu schaffen, für welche sie,

für die Erwachsenen für den Kopf 40 Dollar Passage zahlt. Sie will den

Ansiedlern dort gutes Land geben, verlangt auch Nichts für ihre Auslagen

zurück, sondern wünscht allein ihr Land besiedelt zu bekommen.

Das =klingt= ausgezeichnet. Chile hat ein vortreffliches Klima, Tausende

unserer deutschen Landsleute leben dort glücklich und in guten

Verhältnissen, und die Regierung gilt überall als Vertrauen erweckend.

Ich selber würde auch meinen Landsleuten mit Freuden gerathen haben, so

günstige Anerbietungen zu benutzen. Aber sie sind eben =zu= günstig, und

die Sache hat einen Haken.

In dem Contract steht nämlich daß die Auswanderer nach Arauco geschickt

und in Lota ausgeschifft werden sollen -- Was sind das nun für Orte? --

Araukanien selber ist bekannter. Der Distrikt liegt von Chilenischen

Regierungsbezirken im Süden und Norden begrenzt, und war bis jetzt --

und ist eigentlich noch bis auf den heutigen Tag, freies Indianisches

Land, in dem die Weißen keine Macht haben, weil sie die Araukaner noch

nicht unterwerfen konnten.

Arauko ist ein kleiner Ort im Nordwesten des Staates -- Lota, nicht sehr

weit davon entfernt, an der Küste des stillen Meeres eine Chilenische

Kohlenstation, und bis jetzt der einzige Platz in Araukanien, auf dem

die Chilenen festen Fuß gefaßt.

Neuerdings sind sie nun wieder mit gewaffneter Macht in Araukanien

eingefallen, haben die Araukaner -- wilde kriegerische Indianer,

zurückgeworfen und sehen voraus daß sie das eroberte Terrain nicht

selber besetzt halten können. Dazu paßt ihnen aber eine deutsche

Einwanderung, die sie sich unter diesen Umständen auch gern etwas kosten

lassen wollen. Unsere deutschen Familien sollen da hineingeschoben

werden, und wenn die Indianer bei ihnen einbrechen, ihre jungen Leute

erschlagen, ihre Weiber und Töchter mit fortschleppen -- nun so läßt man

eben wieder Andere nachkommen.

Dem Contract selber sieht man das freilich nicht an, denn er lautet

unverfänglich genug. Wer aber die Verhältnisse jenes Landes kennt, muß

auch dem Auswanderer abrathen selbst diese scheinbaren Vortheile

anzunehmen, weil sie nur eben scheinbar sind. Im =günstigsten= Fall ist

er jeden Augenblick der Gefahr ausgesetzt daß die Indianer über sein

Land brechen, ihm sein Vieh wegtreiben und seine Erndten zerstören und

er darf dort weder für sein Eigenthum wie selbst für sein Leben

Sicherheit erwarten.

=Jeder= Contract ist deshalb für den Auswanderer gefährlich, wenn er

sich nicht vorher nach =Allem= erkundigt hat was das Land betrifft, und

zwar bei Leuten, wie gesagt, die nicht wie der Auswanderungsagent ein

specielles Interesse haben ihn nur auf ein Schiff zu packen, damit sie

für seinen Kopf ihr bestimmtes Geld bekommen.

Außerdem warn' ich aber meine deutschen Landsleute noch ganz besonders

vor dem =Antwerpener= Auswanderungs-Agenten, mit denen sie sich unter

=keiner= Bedingung einlassen dürfen, wenn sie sich nicht der größten

Gefahr aussetzen wollen.

Sind sie entschlossen auszuwandern, so bietet ihnen =Bremen= vor allen

anderen Städten reelle Schiffsgelegenheit nach =allen= Welttheilen und

neben Bremen Hamburg. Dort sind die Auswanderer noch auf deutschem

Boden, unter deutschem Schutz und deutschen Regierungen ist es möglich

ihre Einschiffung wie Beförderung zu überwachen, wie Betrügereien -- die

sie aber da wohl kaum zu fürchten haben -- entgegenzutreten; in einem

fremden Land dagegen, dessen Sprache sie nicht einmal verstehn -- und

sie sollen nicht etwa glauben daß in Antwerpen deutsch gesprochen wird

-- sind sie in den Händen der Agenten, und haben sich, =was= sie

betrifft, selber zuzuschreiben.

Zum Schluß will ich aber noch hinzusetzen daß diese Erzählung nicht etwa

den Zweck hat Auswanderer von einer Übersiedlung nach Brasilien selber

abzuhalten. Nur in die nördlichen Distrikte dürfen sie nicht gehen,

besonders nicht auf solche Theilcontracte hin. Süd-Brasilien dagegen,

und vorzüglich die Provinzen Rio Grande do Sul, Santa Catharina und zum

großen Theil auch Parana eignen sich ganz vortrefflich zur deutschen

Auswanderung. Die dort angelegten, schon sehr bedeutenden deutschen

Colonien befinden sich wohl, und die Deutschen selber ordnen sich dort

keineswegs der verdorbenen Portugiesischen Raçe unter, sondern =haben=

schon ein Übergewicht erlangt, das mit einer vermehrten Einwanderung

dahin auch nur zunehmen muß.

Außerdem befinden sie sich in einem gesunden Klima und -- für ihre

weitere Entwicklung besonders günstig -- am Atlantischen Ocean, der

ihnen einen leichten und raschen Verkehr mit dem Mutterlande bietet. Und

somit übergebe ich dem Leser diese Blätter und hoffe daß sie ihn in

Manchem aufklären, ihn auf Manches aufmerksam machen werden, was später

entweder ihm selber, oder Leuten die sich bei ihm einen Rath erholen,

von Nutzen sein mag.

Der Verfasser.

Erstes Capitel.

Beim Schulmeister.

Draußen im Land ackerten die Knechte und waren die Tagelöhner emsig

beschäftigt Kartoffeln zu legen, denn der Frühling hatte dieses Jahr

lang auf sich warten lassen und eine hohe Schneedecke die Feldarbeiten

bis zu einer ungewöhnlich späten Zeit hinausgeschoben. Jetzt endlich

schien der kalte, strenge Nordost-Wind, der Monate lang geweht, seine

Herrschaft verloren zu haben. Er sprang nach Südwesten um, warme Regen

setzten ein, und wie mit einem Zauberschlag warf die Natur ihre starre

Winterdecke ab, und kleidete sich in ein junges, frisches Grün.

Und wie die Lerchen jubelten, und die Bachstelzen, die bis jetzt

achselzuckend an dem gefrornen Bach umhergetrippelt waren, auf einmal so

geschäftig herüber und hinüber sprangen; was sich die Rothschwänzchen

Alles zu erzählen hatten, und wie eilig die Staare ihre alten Bauplätze

aufsuchten und herrichteten. -- Aber die Menschen nicht minder, denn es

galt sehr viel nachzuholen, und die Arbeit häufte sich so in der Zeit,

daß Arbeits=kräfte= kaum genügend zu beschaffen waren.

Um so mehr mußte es auffallen, daß gerade heute Einer der fleißigsten

und ordentlichsten Arbeiter, Behrens mit Namen, in seinem

=Sonntags=rock, den großen ausgeschnittenen Hut auf, langsam durch das

Dorf ging, und gar nicht die Absicht zu haben schien, in die allgemeine

Thätigkeit irgend wie mit einzugreifen.

Die Chaussee herunter, vom Feld herein, kam im Trab auf seinem alten

Apfelschimmel der Rittergutspachter geritten. Er hatte draußen nach den

Arbeitern gesehen, und war eben nur zurückgekommen, um noch auf dem Hofe

selber einige nöthige Anordnungen zu treffen. Als er aber einen seiner

Tagelöhner -- oder sogenannte Häusler, weil sie kleine, dem Gut gehörige

Häuser bewohnen, -- in einem so ungewohnten Aufzug und müßig sah,

zügelte er überrascht sein Pferd ein und rief ihn an.

»Hallo Behrens! -- wo wollt =Ihr= denn hin? Ich glaubte, Ihr wäret

krank, weil ich Euch nicht draußen bei den Knechten fand. Was soll denn

das heißen? Warum seid Ihr nicht bei der Arbeit?«

»Ich werde hier wohl nicht mehr arbeiten, Herr Frommann,« sagte der

Tagelöhner, indem er achtungsvoll den Hut zog und neben dem Reiter

stehen blieb.

»Nicht mehr arbeiten?« rief der Pachter erstaunt. »Habt Ihr eine

Erbschaft gemacht, Behrens, und seid Ihr ein reicher Mann geworden, daß

Ihr ohne Arbeit leben könnt?«

»Ohne Arbeit möcht' ich gar nicht leben, Herr Frommann,« sagte der Mann

freundlich, »wenn ich auch wirklich so viel Geld hätte, daß ich alle

Tage Braten essen könnte, aber -- da wir nicht einmal alle Tage satt

Kartoffeln haben, so muß ich doch sehen wie ich das ändern kann, denn

der Jammer daheim frißt mir das Herz ab.«

»Eure Frau ist noch krank?«

»Krank nicht mehr, Herr Frommann, Gott sei Dank, aber doch noch so

schwach, daß sie auf Wochen, ja vielleicht auf Monate lang, nicht daran

denken darf schwere Arbeit zu thun. Das Kleinste macht ihr ohnedies

genug zu schaffen.«

»Und da versäumt Ihr =auch= noch Euren Tagelohn?«

Der Mann schwieg einen Augenblick. Er hatte augenscheinlich etwas auf

den Lippen, was ihm schwer wurde auszusprechen, -- endlich sagte er mit

leiser Stimme: »Ich will nach Amerika, Herr Frommann.«

»Nach Amerika?« rief dieser erstaunt, »seid Ihr toll?«

»Nach Brasilien.«

»Nach Brasilien? Und mit Eurer ganzen Familie? Wo wollt Ihr das viele

Geld dazu hernehmen?«

»Da haben Sie Recht, Herr Frommann,« nickte traurig der Mann, »wenn

=ich= die Reise bezahlen müßte, käm' ich nicht einmal mit den Meinen in

die nächste Seestadt, viel weniger über das weite Meer hinüber, -- aber

vorige Woche war ein Herr aus der Stadt hier, der uns versprochen hat

daß wir frei hinübergeschafft werden sollen, und es nachher dort drüben

abverdienen können. Da will ich es denn in Gottes Namen einmal versuchen

-- und auf der Reise erholt sich auch vielleicht meine Frau wieder, denn

sie hat hier zu viel schaffen müssen und ist dadurch nur immer mehr

herunter gekommen.«

Der Pachter schüttelte mit dem Kopf und während sein Pferd langsam auf

der Straße hinging, schritt der Mann neben ihm her.

»Behrens, Behrens,« sagte er endlich, »ich fürchte, Ihr steht da im

Begriff, einen recht raschen und unüberlegten Schritt zu thun, denn hier

zu Lande hört man nicht viel Gutes über solche Verträge, und wenn Ihr da

drüben zwischen die Fremden kommt, deren Sprache Ihr nicht einmal kennt,

so seid Ihr so gut wie verrathen und verkauft, und müßt Alles mit Euch

geschehen lassen.«

»Wir haben aber einen Contract, Herr Frommann,« sagte der Arbeiter,

indem er in die Tasche griff und ein Papier herausholte, »da steht Alles

darauf und ich brauche ihn nur zu unterschreiben, und dann sollen wir

uns um gar nichts mehr bekümmern, sondern werden frei hinüber in das

Land geschafft, wo so herrlicher Boden ist, daß die kostbarsten Früchte

draußen frei im Walde wachsen. Auch haben wir dort immer Sommer und so

viel Holz, daß man sich holen kann was man mag, ohne einen rothen Heller

dafür zu bezahlen. Mein Bruder ist ja auch seit langer Zeit dort

hinübergegangen und hat mir schon vor zwei Jahren geschrieben ich sollte

nur hinüber kommen, denn es ginge ihnen =sehr= gut, und er wollte mich

dort schon einrichten. Ja, aber du lieber Gott, von unserem =Tagelohn=

hier hätt' ich ja im ganzen Leben nicht das Reisegeld erschwingen

können.«

»Und wo ist Euer Bruder?«

»In der Colonie Blumenau.«

»Und dorthin wollt Ihr auch?«

»Ja das weiß ich noch nicht,« erwiderte der Mann, »ich denke ja, denn so

weit werden die Plätze doch nicht von einander sein.«

»Zeigt einmal das Papier, Behrens,« sagte der Pachter und streckte die

Hand darnach aus.

Behrens reichte ihm den »Contract« aufs Pferd hinauf und der Pachter las

ihn langsam durch. Dabei schüttelte er aber den Kopf und sagte endlich:

»Ja, Behrens, das ist eigentlich gar kein Contract, denn ein solcher

bindet beide Theile zu verschiedenen Verpflichtungen; hier aber sehe ich

nichts darin, als wozu =Ihr= Euch, für Euch und Eure Familie

verpflichten sollt. Es steht auch weiter nichts drüber, als:

=Verpflichtung=, und wenn Ihr es dabei mit einem ehrlichen Mann zu thun

bekommt, so mag die Sache vielleicht gehen; fallt Ihr aber gewissenlosen

Menschen in die Hände, dann seid Ihr auch eben in ihre Hände gegeben,

und sie können mit Euch machen, was sie wollen.«

»Aber das =soll= ein ehrlicher Mann sein, Herr Frommann.«

»Wer hat Euch das gesagt?«

»Der Herr aus der Stadt.«

»Ein Auswanderungs-Agent wahrscheinlich,« nickte der Pachter, »der so

und so viel Kopfgeld für Jeden bekommt, den er hinüber schafft. Wollt

Ihr nicht erst einmal Jemanden fragen, der mit den Verhältnissen genau

bekannt ist, und kein eigenes Interesse dabei hat?«

»Ich wollte eben zum Schulmeister gehen, Herr Frommann; der muß es

wissen, denn er hat erst noch in voriger Woche den Kindern von Brasilien

erzählt und was es für ein herrliches Land wäre.«

»Ob =der= Euch gerade in einer so wichtigen Sache einen Rath geben kann,

Behrens, weiß ich nicht, und bezweifle es fast, denn was er darüber

sagen könnte, liest er doch nur aus seinen Büchern. In der Stadt findet

Ihr vielleicht Andere, die mehr Erfahrung darüber haben, -- aber ich muß

fort, denn sie brauchen draußen noch Saatkartoffeln. Das Auswandern kann

Euch natürlich kein Mensch verbieten, wenn Ihr einmal fest dazu

entschlossen seid, aber leid sollte es mir um Euch thun, Behrens, wenn

Ihr in schlechte Hände kämt. Brasilien mag ein schönes Land sein, aber

Ihr wißt nicht was Ihr dort findet. Bleibe im Lande und nähre Dich

redlich! ist ein altes, braves Sprüchwort.«

»Ja, Herr Frommann, das ist wohl wahr,« nickte Behrens, »wir wissen

nicht was wir in Brasilien finden, aber wir wissen leider was wir =hier

haben=: Jammer und Elend und schwere Arbeit, die nicht einmal so viel

abwirft, um uns bei Kräften zu erhalten.«

»Aber Euer Lohn ist erst kürzlich auf acht Groschen erhöht worden.«

»Ja,« seufzte der Mann, »und für einen ledigen Burschen mag es

ausreichen, wo aber =Einer= für =Fünf= verdienen soll, denn das Hannchen

kommt jetzt gar nicht von der kranken Mutter weg, was sind da acht

Groschen; sie reichen nicht einmal für's liebe Brod in den Wochentagen,

und am Sonntag, wo wir nichts verdienen =dürfen=, wollen wir doch auch

leben.«

»Aber es giebt doch immer hie und da zu thun.«

»Als ich neulich am Sonntag im Wirthsfeld grub,« sagte der Mann, »hat

mich der Herr Pfarrer angezeigt, und ich mußte fünf Groschen Strafe

bezahlen. Wir haben dafür den ganzen Montag gehungert.«

Der Pachter seufzte, aber er erwiderte nichts darauf.

»Na, Behrens,« sagte er nach einer Weile, »thut keinen unüberlegten

Schritt. -- Es sollte mir leid thun, Euch hier zu verlieren, denn Ihr

seid ein braver, ordentlicher Arbeiter gewesen, die ganze Zeit, ich

möchte Euch aber auch nicht abrathen, wenn ich wüßte daß es zu Eurem

Glück wäre, und Ihr Eure Lage dadurch wirklich verbessertet. Das Papier

da sichert Euch aber gar nichts, und ehe Ihr das unterschreibt, besinnt

Euch lieber noch einmal,« und seinem Pferd die Sporen gebend, trabte er

rasch in den Hof hinein, um dort die für die Feldarbeiten nöthigen

Anordnungen zu treffen.

Behrens aber faltete langsam das Papier zusammen, steckte es in die

Tasche und schritt ruhig dem Hause des Schulmeisters zu, der heute

Nachmittag, wo er keine Schule hatte, das warme Frühlingswetter

ebenfalls benutzte, und in seinem, freilich sehr kleinen Gärtchen hackte

und schaufelte.

Auch der Schulmeister war überrascht, den Tagelöhner Behrens in seinem

»Geh zur Kirche« Rock am Werktage bei sich zu sehen, und hörte erstaunt

mit arbeiten auf. Behrens ließ ihn aber nicht lange über die Absicht

seines Besuchs im Zweifel, und der kleine Mann, mager, wie eigentlich

nur ein Schulmeister sein kann (und mit der vollen Berechtigung dazu,

denn sein Gehalt stellte ihn nicht viel über den Tagelöhner, und dabei

hatte er eine Frau und sechs Kinder zu ernähren, und außerdem noch

sechszig zu unterrichten) wischte sich plötzlich die Hände an den

fettglänzenden, alten schwarzen Hosen ab, ehe er das ihm dargereichte

Papier nahm, und sagte nun, völlig aufgelöst in Bewunderung:

»Nach Brasilien? -- ja, freilich, Behrens, wenn Ihr =dahin= kommen

könntet. -- Du lieber Gott, da möchte ich gleich selber mit. Aber wie

wollt Ihr das möglich machen?«

»Das steht Alles in dem Papier da, Schulmeister,« sagte der Mann, »und

ich wollte Sie nur einmal bitten es durchzulesen und mir Ihre Meinung

darüber zu sagen.«

»Hm,« nickte der kleine Mann, indem er einen flüchtigen Blick über das

Blatt warf, »ich habe aber meine Brille drinnen. Kommt mit hinein,

Behrens, meine Alte hat mich doch eben zum Kaffee gerufen, und der

Rücken thut mir auch von dem vielen Schaufeln weh, -- kommt nur mit

hinein.«

»Ach, wenn Sie jetzt Kaffee trinken wollen,« sagte der Mann

zurückhaltend, »so komme ich lieber später wieder; stören wollte ich ja

nicht.«

»Ach, was,« nickte der Schulmeister, denn der Tagelöhner hatte durch das

eine Wort »Brasilien« einen ganz neuen Nimbus bekommen, »Ihr trinkt eine

Tasse mit, -- so viel wird schon da sein, und wenn Ihr erst in Brasilien

seid, schickt Ihr mir einmal gelegentlich einen Sack Kaffee herüber, --

da kommt er ja her, Behrens, und dort giebts ganze Wälder von lauter

Kaffeebäumen.«

»Wenn Sie's erlauben,« sagte der Mann, indem er etwas verlegen den Hut

zwischen den Händen drehte, denn es war das eine =Ehre=, die ihm

widerfuhr, und er nicht gewöhnt, von irgend einem Menschen eingeladen zu

werden.

Schulmeister Peters, nachdem er sich vorher erst ein paar Mal gestreckt

und gedehnt und dabei ein sehr schmerzhaftes Gesicht geschnitten, weil

ihm der Rücken noch vom langen Krummstehen weh that, konnte endlich

wieder aufrecht gehen, und das Papier noch immer in der Hand haltend,

schritt er seinem Gast voraus in das kleine Häuschen, wo ihn seine Frau

schon mit der dampfenden Kanne erwartete. Als sie freilich den

Tagelöhner Behrens mit ihrem Manne eintreten sah, wollte sie die Kanne

wieder zurück auf den Ofen stellen, weil sie glaubte der Arbeiter hätte

etwas mit Peters zu sprechen, und der Kaffee sollte indessen nicht kalt

werden.

Der Schulmeister aber, mit seinem Steckenpferd »Brasilien« im Kopf, rief

ihr lachend zu: »Laß stehen, Alte, und gieb uns noch eine Tasse für

Behrens her. Denk Dir einmal, der ist unterwegs nach Brasilien.«

»Nach Brasilien?« sagte die Frau, setzte die Kanne wieder auf den Tisch

und schlug die Hände zusammen, »es ist doch die Möglichkeit.«

»Und nun setzt Euch, Behrens, -- da drüben ist ein Stuhl, stellt Euren

Hut nur dort auf die Kommode, -- Alte, hast Du meine Brille nicht

gesehen? Ich habe sie doch vorhin hierher gelegt, -- ach, da ist sie, --

setzt Euch nur, und nun wollen wir einmal sehen was hier in dem Papier

steht. Das ist wohl der Überfahrts-Contract? -- aber, Behrens, das wird

schmähliches Geld kosten. Brasilien liegt in gerader Richtung etwa

tausend deutsche Meilen von uns entfernt, und was für einen Umweg müßt

Ihr da noch vorher machen. Seht einmal her, hier ist Deutschland,« sagte

er, auf eine kleine, an der Wand hängende Weltkarte zeigend, »hier, wo

ich den Finger halte, und da müßt Ihr nun erst nach Norden hinauf, damit

Ihr an die Nordsee kommt, und dann geht's hier hinaus, in gerader Linie

nach Westen, durch den britischen Canal -- La Manche heißt er -- hinaus

in das weite Weltmeer, und dann geht's hier quer hinüber, über all die

Striche weg, immer da hinunter, bis Ihr da ganz unten an Brasilien

anfahrt. Da liegt's und unterwegs ist's so heiß, daß Euch die Butter vom

Brod herunterschmilzt. So eine Reise kostet vieles Geld.«

»Bitte, lesen Sie nur einmal das Papier durch,« sagte Behrens, »da drin

steht Alles, und dann wollte ich Sie um Ihren Rath dabei fragen, was ich

thun und wie ich mich verhalten soll.«

Behrens täuschte dabei sich selber und den Schulmeister, denn im eigenen

Herzen war er schon fest entschlossen den Schritt, der über sein ganzes

künftiges Lebensglück entscheiden sollte, zu wagen, und eigentlich nur

zum Schulmeister gekommen, um sich von diesem in dem gefaßten Plan

bestärken -- nicht davon abrathen zu lassen, was er übrigens auch kaum

zu fürchten brauchte.

»Na,« meinte Peters, »dann wollen wir also erst einmal sehen was hier

geschrieben steht. Schenk derweil ein, Alte, und trinkt nur, Behrens,

genirt Euch nicht, es ist gern gegeben.«

Die Frau Schulmeisterin schenkte, noch immer den Kopf über das eben

Gehörte schüttelnd, dem Tagelöhner den Kaffee, der eine frappante

Farbenähnlichkeit mit schwachem Thee hatte, in eine henkellose Tasse,

denn eine von ihren »guten« Tassen konnte sie doch nicht dazu von der

Kommode nehmen, wo sie zur Schau ausstanden. Behrens nahm aber auch

selbst das auf das Dankbarste an, -- besseres Geschirr war er ja zu

Hause auch nicht gewöhnt, ja nicht einmal das, denn =seinen= Kaffee

trank er daheim aus einem kleinen Topf, und daß er etwas dünn war,

merkte er ebenfalls nicht; er wußte wahrscheinlich nicht einmal, wie

besserer Kaffee schmeckte.

Während er aber trank und der Schulmeister las, sah er sich ein wenig im

Zimmer um, wo ihm besonders die Bücher auffielen, von denen Peters wohl

zwölf bis vierzehn auf einem Regal zwischen den beiden Fenstern stehen

hatte. Auch die Landkarte an der Wand imponirte ihm. Darauf konnte der

Mann nur mit seinem Zeigefinger über die ganze Welt herum fahren und

dabei jeden Platz und Ort mit Namen nennen, und beschreiben wie es dort

aussah. Sonst freilich bot das Zimmer nicht viel Besonderes. Die Möbel

bestanden aus einfachem, weißtannenem Holz und waren nicht einmal

angestrichen; auf der Kommode stand noch eine kleine, blaugemalte

Glasvase mit einem Büschel Schilfblüthen und Strohblumen darin, und über

dem entsetzlich hart gepolsterten Sopha hing ein kleiner Spiegel, und

rechts und links davon die Bilder von Peters und seiner Frau, als Braut

und Bräutigam, mit einer wahren Verschwendung von bunten Farben und

rothen Backen gemalt. Wo aber waren jetzt die rothen Backen hingekommen?

wo der üppige Haarwuchs des kleinen Mannes und das frische, fröhliche

Gesicht? -- Nur die große Warze über dem linken Auge hatte er noch als

einzige Ähnlichkeit behalten, sonst war Alles verschwunden und

gebleicht.

Und auch die Frau Schulmeisterin.

»Lieber Gott,« seufzte Behrens in Gedanken vor sich hin, »wie sich der

Mensch doch verändern kann, man sollte es nicht für möglich halten.«

»Hm, Behrens,« sagte da Peters, der das Blatt erst einmal leise für sich

durchgelesen hatte, »nach dem Schreiben scheint es, als ob die ganze

Überfahrt für Euch bezahlt würde und Ihr den Betrag nur einfach

abzuarbeiten habt.«

»Ja wohl, Schulmeister, das sind die Bedingungen.«

»Hm -- und da könntet Ihr ohne einen Pfennig Geld und ganz umsonst nach

Brasilien herüberkommen?«

»Ja so umsonst doch nicht,« lächelte Behrens etwas verlegen. »Was die

Herren jetzt für uns bezahlen, müssen wir später Alles wieder bei Heller

und Pfennig abverdienen.«

»Na, das versteht sich von selbst,« sagte Peters, »schenken werden sie's

Euch nicht. Wer schenkt einem Anderen heut zu Tage auch wohl noch was;

aber Ihr seid doch einmal nachher an Ort und Stelle, und wenn Ihr Euch

da nichts verdient, verdient Ihr Euch auf der ganzen Welt nichts.«

»Also meinen Sie daß Alles in Ordnung wäre,« frug Behrens, dem die

Zustimmung doch fast ein wenig zu schnell kam.

»Ja, wenn Ihr gar nichts zu bezahlen braucht,« rief Peters »und frei

hinübergeschafft werdet, was wollt Ihr denn noch mehr? Wenn =ich= nur

könnte wie ich wollte, meiner Seel, ich ginge heutigen Tages mit, denn

=die= Schinderei hier soll der Böse holen. Aber ich bin schon zu alt,

-- arbeiten wird mir schwer und mein Rückgrat will nicht mehr so recht

mit fort.«

»Aber der Herr Pachter Frommann meinte,« fuhr Behrens fort, »es wäre

eigentlich kein rechter Contract und nur so eine Art Verpflichtung für

=mich=.«

»Hm -- ja,« sagte der Schulmeister, »ein Contract ist es auch eigentlich

nicht, -- Alte, schenk dem Behrens noch einmal ein, -- aber sonst steht

nichts davon drin, daß Ihr etwas zu bezahlen hättet.«

»Nein -- aber ich werde auch nicht so recht klug daraus,« fuhr Behrens

fort, »wie es einmal werden soll wenn ich meine Schulden abgearbeitet

habe.«

»Hm, -- nein,« nickte Peters, »na, ich will Euch einmal etwas sagen. Ich

werde Euch die Geschichte laut vorlesen, dann kommen wir besser

dahinter.«

»Das wäre recht.«

»Also -- =Verpflichtung!= das ist die Überschrift,« sagte Peters, und

las:

»»Verpflichtung[2] des Landarbeiters Carl Gottlieb Behrens aus

Groß-Emmen mit Familie, nämlich:

seine Frau Sophie, 38 Jahre alt,

seine Tochter Johanna Marie, 14 Jahre alt,

sein Sohn Fürchtegott Hans, 10 Jahre alt,

seine Tochter Lisbeth Anna, 8 Jahre alt,

sein Sohn Christian Leberecht, 5 Jahre alt,

ein Säugling,

gegen Herrn Franz Berthold Hoeker in Antwerpen.

Der Endes-Unterzeichnete, der die Passage für sich und obenstehende

Familienglieder nach untenstehenden Specificationen mit -- -- Thalern

vorgeschossen erhielt, verpflichtet sich nicht nur Herrn Franz Berthold

Hoeker in Antwerpen Vollmacht zu ertheilen vermittelst seines Hauses in

Porto Seguro, für sich und seine Familie, mit einem brasilianischen

Plantagenbesitzer Contract abzuschließen, zur Verdingung seiner und

seiner Familie Arbeitskräfte auf eine Colonie der Provinz Minas Geraes,

sondern macht sich auch, durch Unterzeichnung dieses Contracts, für sich

und seine sämmtlichen Familienglieder anheischig, durch den Theil-Ertrag

ihrer Arbeit die vorgeschossene Passage und sonstige Kostenvorschüsse

abzuverdienen, dergestalt, daß: da nach der Bestimmung derartiger

Arbeitsverträge der Ertrag der Arbeit zwischen Arbeiter und Brodherrn

getheilt wird, von der ihm als Arbeiter zufallenden Hälfte des Ertrags

der Arbeit in usancemäßiger Abtragung zu ersetzen.

Indem Carl Gottlieb Behrens durch seine Namensunterschrift solidarisch

mit seinen Familiengliedern zur getreuen Erfüllung der contractlich

eingegangenen Verpflichtung sich verbindlich macht, verpflichtet er sich

ferner für sich und seine Familienglieder, den gesetzlichen Befehlen

seiner Brodherren oder deren bevollmächtigten Vertreter getreulich

nachzukommen, und während der Dauer des Contractes seine ganze Zeit und

Aufmerksamkeit dem ihm übertragenen Dienst zu widmen.

Antwerpen, den --ten März 185--.

=Passagegeld bis Porto Seguro:=

Für drei Erwachsene à -- " -- "

Für drei Kinder unter zehn Jahren à -- " -- "

Ein Säugling frei.

-----------

Pr. Cour. -- " -- "

Hier bezahlt -- " -- "

-----------

Summa Pr. Cour. -- " -- "««

»Die Summe ist, wie ich sehe, noch nicht ausgefüllt.«

»Nein,« sagte Behrens, »das können sie auch noch nicht, weil sie noch

nicht wissen wie viel wir auf der Reise brauchen werden. Das wird

nachher gemacht.«

»Hm,« sagte der Schulmeister, »ja wohl, -- da steht aber freilich nichts

weiter drin, als daß Ihr das Geld, was Ihr vorgeschossen kriegt, wieder

abverdienen sollt. Das ist gerade wie bei uns.«

»Ja wohl, Schulmeister, und das wäre auch ganz in der Ordnung, aber es

steht gar nichts vom Tagelohn darin, und was sich ein Mann wohl in der

Woche verdienen kann, damit man doch im Stande wäre sich nur ein klein

wenig zu berechnen, wie lange man ungefähr für die Herren arbeiten muß.«

»Ja, das wäre freilich gut,« sagte der Schulmeister, der sich völlig

außer seiner Sphäre fand, sobald sich irgend etwas auf practisches Leben

erstreckte, »aber den Kaffee habt Ihr da umsonst, und der Zucker wächst

ebenfalls in Brasilien; ja, in der heißen Zone kommen sogar Milch- und

Butterbäume vor, und immer Sommer, -- nie einen Ofen heizen und die

Finger erfrieren -- und Hüte könnt Ihr Euch selber aus Palmblätter

flechten, und die Baumwolle wächst dort auch.«

»Ja,« sagte Behrens und sah still vor sich nieder, »das ist wohl Alles

recht gut, aber ob das Land auch wohl so gesund ist, daß mir Frau und

Kinder nicht krank werden. Es muß dort schmählich heiß sein.«

»Das können wir gleich sehen,« sagte Peters, stand auf und nahm eines

seiner alten Bücher vom Regal herunter, »wartet einmal, Brasilien --

Brake -- Brandis -- Brasilien, Seite 470 -- da haben wir die ganze

Geschichte: Dieser einzige monarchische Staat, -- nein, das ist's nicht:

hier kommts! »In Hinsicht der äußeren Bodenbeschaffenheit bestehen

vielleicht zwei Drittheile aus Hoch- und Gebirgsland,« -- seht Ihr wohl.

Halt, hier steht es: »Das Clima ist der vielen Gebirge und Wälder wegen

milder, als man es bei der Lage des Landes, welches mit seiner

Hauptmasse zwischen dem Äquator und dem südlichen Wendekreise liegt,

erwarten sollte.« Seht Ihr wohl? -- »In Rio Janeiro, ungefähr unter dem

Wendekreise des Steinbocks (nämlich unter 22° 56' S. Br.) wechselt die

Hitze zwischen 16 und 30° Reaumur« -- und so heiß wird es bei uns hier

manchmal auch, denn im letzten Sommer hatten wir ein paar Mal 29° im

Schatten. -- »An der Küste tragen überhaupt die täglichen Seewinde viel

zur Minderung der Hitze bei. Am heißesten sind die Ebenen im nördlichen

Theil des Landes,« -- aber dahin braucht man ja auch gar nicht zu gehen;

und was bauen sie da nicht Alles, hört einmal zu, Behrens: »Fernambuk

oder Brasilienholz, Campeche oder Mahagoniholz, ferner Palmen,

Tulpen-Rosenholz, Kampher-, Copal- und andere Bäume, sodann Zucker,

Kaffee, Baumwolle, =Tabak=, Indigo, Cacao, Vanille, Reis, Mais, Waizen,

Gerste, Maniok, Melonen, Yams, europäische Südfrüchte, Ananas,

Gewürzpfeffer,« -- das Wasser läuft Einem ordentlich im Munde zusammen.

Und dann hier die Beschreibung von dem Gold und den Diamanten, die dort

gefunden werden. Diamanten haben sie dort, von denen ein einziger so

viel werth ist, wie hier ein ganzes Königreich.«

»Also meinen Sie, ich soll hingehen, Schulmeister?«

»Ich wollte ich könnte mit,« seufzte dieser, »den Augenblick schnürte

ich meinen Bündel, packte meine paar Bücher zusammen und setzte mich auf

ein Schiff, aber -- der Knüppel ist an den Hund gebunden.«

»Peters, Du schämst Dich doch gar nicht,« sagte seine Frau.

»Ach, Alte, =so= war es ja nicht gemeint,« seufzte ihr Mann, »aber mein

verwünschtes Rückgrat.«

»Und daß gar nichts davon in dem Contract steht, wie es einmal werden

soll, wenn ich das Geld abverdient habe,« sagte Behrens, dessen Gedanken

nur allein auf diesem einen Punkt hafteten.

»Darüber macht Euch doch keine Sorge,« antwortete Peters, »schon das ist

ein Beweis, daß es dort viel zu verdienen giebt, daß man Euch so viel

hundert Thaler vorschießt, nur um Arbeiter hin zu bekommen. Hier könntet

Ihr hundert Jahre arbeiten ehe Ihr's fertig brächtet.«

»Ja, das ist wahr,« nickte Behrens, »zu verdienen muß es da geben, und

ich verstehe nur nicht was das heißen soll, -- hier, da unten

Schulmeister; lest doch den Satz noch einmal.«

»Den? -- »»daß: da nach der Bestimmung derartiger Arbeitsverträge der

Ertrag der Arbeit zwischen Arbeiter und Brodherren getheilt wird««, --

nun, das ist doch deutlich genug: Ihr bekommt die Hälfte von Allem, was

verdient wird.«

»Aber das ist doch gar nicht möglich.«

»Aber hier steht's ja noch einmal, gleich dahinter: von der ihm als

Arbeiter zufallenden Hälfte des Ertrags der Arbeit in usancemäßiger

Abtragung zu ersetzen.«

»Was ist denn das?«

»Usancemäßig? das ist, wie es dort gerade Gebrauch ist, mit der

Abzahlung nämlich, denn zum Leben müßt Ihr doch auch was haben, also

vielleicht die Hälfte oder das Viertheil von Eurem Verdienst. Begreift

Ihr?«

»Das wär Recht,« nickte Behrens, »aber da ist noch ein fremdes Wort, was

ich nicht verstehe -- solidarisch --.«

»Nun, das heißt weiter nichts, als daß Ihr für Eure Frau und Kinder

einsteht, damit die auch helfen die Schuld abzutragen.«

»Nun, das versteht sich ja doch von selbst,« sagte Behrens.

»Aber wißt Ihr was mir auffällt,« bemerkte der Schulmeister. »Erstlich

steht hier kein Wort davon, daß Ihr die Sonntage frei bekommt, und wenn

das auch bei uns Sitte ist, so weiß man doch nicht wie sie es drüben

machen, und jedenfalls gehört das mit in den Contract. Dann aber ist

auch noch das Wichtigste vergessen, und das könnte einen Haken haben.«

»Das Wichtigste, Schulmeister?«

»Jedenfalls eine Hauptsache, und die muß auch noch mit hinein, sonst

unterschriebe =ich= wenigstens den Contract nicht. Ein Haus werdet Ihr

natürlich kriegen, denn eine Wohnung gehört dazu, wenn man irgendwo

arbeiten soll; die erhält bei uns selbst ein Schulmeister, dem sie doch

alles Mögliche abzwacken, aber von einem =Garten= steht kein Wort darin.

Das vergeßt nicht, -- den macht Euch noch vorher aus, denn ein Garten

ist die Hauptsache -- und wenn er noch so klein wäre, wo Ihr Euch ein

paar Kaffeebäume und Palmen und Zuckerrohr, und ein bischen Indigo

vielleicht, pflanzen könnt. Den geben sie Euch auch. -- Und dann noch

eins, Behrens,« fuhr der Schulmeister fort, »schreibt mir einmal, wie es

Euch geht, und was Ihr treibt, hört Ihr wohl, das müßt Ihr mir

versprechen.«

»Recht gern, Schulmeister, recht von Herzen gern,« erwiderte Behrens,

»wenn's auch bei mir nicht gerade vom besten mit Schreiben geht, denn

Sie wissen wohl, in =unserer= Zeit wurde noch nicht viel darauf

gehalten, so kann mein Mädel, die Johanna Marie, doch prächtig damit

fertig werden, und die soll schon einen Brief schreiben.«

»Gut, Behrens, und vergeßt nur den Garten nicht; ein Stück Land müssen

sie Euch geben, das Ihr selber nur für Euch bauen könnt, -- wenn nicht

=so= viel übrig ist, wäre es auch nicht der Mühe werth daß Ihr hinüber

ginget.«

»Ich will's nicht vergessen, Schulmeister, und ich dank Ihnen auch

vielmals für den Wink. -- Ich wußte wohl, daß ich mich bei Ihnen an den

rechten Mann wandte. Nichts für ungut, Frau Peters, daß ich gestört

habe, -- ich wollt's eigentlich nicht.«

»Recht gern geschehen, Behrens,« sagte die Frau Schulmeisterin, die ganz

stolz darauf war was ihr Mann sagte. »Mein Schulmeister hilft ja recht

gern, wo er irgend kann, mit Rath und That.«

»Werd's ihm nicht vergessen, -- und nun leben Sie wohl; ich will jetzt

gleich nach der Stadt hinein, daß ich heute Abend noch was abmachen

kann, und im schlimmsten Fall bleib ich dort über Nacht bei dem Andres,

dem Steffen seinem Jungen, der Kutscher ist und mir die Wohnung

angegeben hat. Recht vergnügten Abend allerseits,« -- und damit nahm er

seinen Hut, griff seinen Stock auf und wanderte mit rüstigen Schritten,

das eben Gehörte dabei wieder und wieder überlegend, die Straße hinab,

die nach der Stadt zu führte. Drüben im Feld arbeiteten die Leute, um

ihn her flogen und zwitscherten die Lerchen, die vaterländische Sonne

schien hell und warm auf seinen Pfad, aber er sah und hörte weder

Kameraden, noch Sonnenschein, noch wirbelndes Lerchengeschmetter, denn

Auge und Ohr weilte bei anderen Bildern und sein Herz war in Brasilien.

Zweites Capitel.

Verschiedene Auskunft.

Die Stadt -- eine kleine Residenz in Thüringen -- lag ungefähr zwei

Stunden Wegs von Groß-Emmen entfernt, und Behrens, mit seinen Gedanken

beschäftigt, konnte sich nicht erinnern jemals so rasch hineingekommen

zu sein, wie heute. Er sah sich ordentlich erstaunt um, als er sich

zwischen den ersten Häusern fand, und doch erfaßte ihn auch wieder ein

ganz eigenes und beklemmendes Gefühl, das etwas Fremdes und

Unbehagliches für ihn hatte.

War er bis jetzt je gewohnt gewesen selbstständig zu handeln? Nicht seit

der Zeit wo er seine Frau genommen, und selbst damals hatte =sie=

eigentlich mehr bei der Sache gethan, als er selber. Außerdem war er,

seit er die Schule verlassen, nur Tagelöhner bei fremden Leuten gewesen,

der die Arbeit eben that, zu der er gestellt wurde, ohne die geringste

Verantwortlichkeit dafür. Morgens zur bestimmten Zeit begann er damit,

-- Abends eben so wurde Schicht gemacht und Sonntags gefeiert, -- weiter

kannte er keine Abwechselung in seinem Leben. Jetzt aber trat dieses

selber an ihn heran. Aus seiner gewohnten Beschäftigung herausgerissen

und dadurch von dem bisherigen und regelmäßigen Einkommen abgeschnitten,

sollte er auf einmal selbstständig einen Entschluß fassen, der ihn weit

hinweg vom Vaterland über das große Weltmeer führte, und einer

ungewissen Zukunft in die Arme warf. Allerdings erfüllten ihn dabei die

größten Hoffnungen, -- aber =wenn= es mißlang? wenn er dann mit Frau und

Kindern unter fremden Leuten im Elend saß, und nicht wieder zurück

konnte in die alten Verhältnisse? Wer trug nachher die Schuld an seinem

Unglück und dem der Seinen? Nur er selber, und welche Vorwürfe hätte er

sich nachher machen müssen.

Diese Gedanken quälten ihn unterwegs, aber sein Schritt zögerte deshalb

nicht. Es war, als ob er durch eine innere, unwiderstehliche Gewalt

vorwärts gedrängt würde. Wie von einem unbestimmten Etwas getrieben,

wanderte er die Straße hinab, und wollte eben in den Platz einbiegen,

auf welchem der Auswanderungsagent wohnte, als ihn eine Stimme von einem

Wagen herab anrief, daß er stehen blieb und sich überrascht umsah.

»Hallo, Gottlieb!« rief es, »wo kommt Ihr denn heute in die Stadt? und

wie gehts daheim?«

»Ei, Andres!« rief Behrens erfreut, wie er den Kutscher erkannte, der

jetzt neben ihm am Wege hielt. »Das ist mir lieb, mein Junge, daß ich

Dich finde. Wie gehts?«

»Oh, gut geht's; aber wo wollt Ihr hin, Behrens?«

»Nach Brasilien, Andres.«

»Nach wohin?«

»Nach Brasilien.«

»Alle Wetter,« sagte der junge Bursch erstaunt, »weiter nicht?«

»Ne, Andres; -- wie wär's, wenn Du mitgingst? -- Reise und Alles frei,

und die Schinderei hier zu End.«

»Hm, Behrens, kommt doch einmal mit vorn auf den Bock; ich schaffe nur

den Wagen nach Haus und versorge die Pferde, und habe dann weiter nichts

zu thun, daß wir noch ein Wort zusammen reden können, -- heute kommt Ihr

doch nicht mehr hin.«

»Nein, Andres,« sagte Behrens, »und morgen wahrscheinlich auch nicht,

aber ich fahr mit, denn es wär mir lieb, wenn Du mich nachher begleiten

könntest.«

»Und unterwegs erzählt Ihr mir die ganze Geschichte,« sagte Andres,

während Behrens zu ihm auf den Bock stieg.

So fuhren sie langsam der Wohnung des Doctor Maller, Andres' Brodherrn,

zu, und der Tagelöhner theilte jetzt dem Kameraden Alles mit, was seine

künftigen Pläne betraf, während dieser kein Wort dazu sagte, sondern nur

manchmal mit dem Kopf nickte oder schüttelte.

Endlich langten sie bei der Wohnung des Doctors an. Behrens half die

Pferde mit ausschirren und in den Stall führen, wo ihnen Andres ihr

Futter gab, während der Mann ein paar Eimer Wasser holte.

Wie sie fertig waren sagte Andres, der indessen in einem fort gepfiffen

hatte: »Hört einmal, Behrens, -- Ihr habt den Contract bei Euch, wie?«

»Ja, Andres.«

Ein Parcerie-Vertrag Erzählung zur Warnung und Belehrung für Auswanderer und ihre Freunde · 第 1 / 11 段