Darum, als zum vierten Male Weihnachten heranrückte, erhielt

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Neid

[Illustration]

Eine Erzählung

von

Ernst von Wildenbruch

Fünfzehntes Tausend

[Illustration]

Berlin

G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung

1903

Das Recht der Uebersetzung wird vorbehalten.

Druck von Fischer & Wittig in Leipzig.

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Neid

[Illustration]

An den Ufern der Lahn, oberhalb Ems, nicht weit davon, liegt ein Ort,

der sich Arnstein nennt. Ein Bach geht zwischen den Häusern entlang;

über den Häusern steigt ein Hügel auf, und auf dem Hügel, weit

sichtbar, erhebt sich eine prächtige Kirche.

Einmal, vor Jahren bin ich in der Kirche gewesen.

Ein Bild hängt darin, ich glaube, nur ein einziges; und dieses Bild hat

es bewirkt, daß ich die Kirche nie wieder vergessen habe, und den Tag,

an dem ich die Kirche besuchte.

Nicht, daß es ein besonderes Kunstwerk gewesen wäre -- im Gegentheil,

eine mittelmäßige Schilderei, vielleicht aus dem siebzehnten

Jahrhundert. Aber der Gegenstand! Ein Mann ist im Brustbilde

dargestellt. Der Mann ist unbekleidet; Flammen umlodern ihn, zur

Rechten und Linken, mit großen, rothen Zungen, so daß er mitten im

Feuer zu stehen scheint. Zwei Schlangen ringeln sich über die Schultern

des Mannes, zwei große, dicke Schlangen: die eine hat sich in seine

Brust verbissen, da, wo in der Brust das Herz schlägt; die andere

sperrt den Rachen auf, um gleichfalls hinein zu schlagen in das

unbeschützte Fleisch. Gerade weil man dem Bilde ansieht, daß es dem

Maler nicht auf die Malerei angekommen ist, sondern auf den Vorgang,

wirkt dieser Vorgang so gräßlich. Mit der einen Hand hat der Mann die

beißende Schlange gepackt, als wollte er sie von sich losreißen; aber

es hilft ihm nichts; das Unthier haftet fest. Und so muß er aushalten

in der Höllenqual. Denn daß es Höllenflammen sind, die ihn umlecken,

Höllenqualen, die ihn zerreißen, das sieht man seinem Gesichte an, dem

fahlen, aschgrauen, das in Verzerrung dem Beschauer in die Augen

blickt. Um den oberen Rand des Gemäldes läuft eine Inschrift, ein

Distichon in lateinischer Sprache. Ich kann mich des Wortlautes nicht

genau mehr erinnern, nur den Inhalt habe ich behalten: »Der Du mich

anschaust und fragst, was mich in diesen Höllenpfuhl gestoßen, wisse,

es war der Neid.« =Invidia= -- so lautet das lateinische Wort.

Wie tief mich der Anblick der unheimlichen Schilderei gefesselt, merkte

ich daran, daß ich die Beschließerin der Kirche ganz vergessen hatte,

die hinter mir stand und jetzt leise mit ihrem Schlüsselbund klapperte.

Ich drehte mich um. »Was hat es für eine Bewandtniß mit dem Bilde da?«

fragte ich. »Wie kommt es her? Wen stellt es dar?«

»Das ist das Bild,« erwiderte die Frau, »von dem Mann, der die Kirche

hier gestiftet hat und hat bauen lassen.«

Merkwürdige Art, den Stifter einer Kirche zu verewigen, indem man sein

Bild in solcher Gestalt in seine Kirche hängt!

»Wer hat das Bild von ihm malen lassen?« forschte ich weiter.

»Er selber hat sich so malen lassen und bestimmt, daß das Bild für alle

Zeit da hängen sollte.«

»Er selber -- wer war der Mann?«

Das wußte die Frau nicht.

»Was hatte er gethan?« Das wußte sie auch nicht.

Düsteres Geheimniß. Wir waren allein in der Kirche, ich, die

Beschließerin und der da auf dem Bilde. Und in meiner Vorstellung

erschien es mir, als stände hinter dem Bilde etwas auf, etwas Dunkles,

irgend ein grauenvolles Ereigniß, eine furchtbare That. Niemand wußte

mehr, was es gewesen. Die Zeit hatte alles in Schweigen begraben, die

That und das Opfer. Nur Einer war übrig geblieben, ein Zeuge, der das

Schreckliche aus nächster Nähe mit angesehen hatte, aus allernächster,

der Thäter selbst. Und der hatte dafür gesorgt, daß sein Andenken der

Nachwelt erhalten blieb in solcher Gestalt. Was für eine Art von Mensch

mußte das gewesen sein. Meine Gedanken tasteten an dem verzerrten

Gesichte herum, das auf mich herabblickte.

Ein Mensch, in dem ein furchtbares Blut furchtbare Leidenschaften

geheizt hatte, dem das wilde Blut keine Ruhe gelassen hatte, bis daß er

die That vollbrachte, und in dessen Seele, nachdem die That geschehen

war, mit der gleichen elementaren Gewalt des bösen Antriebs der

Rückschlag gekommen war, die Reue.

Ein Schauer überlief mich. Der Angehörige der modernen Zeit, der

nervenschwachen, willensschwachen und gefühlskranken Zeit beugte sich

unwillkürlich vor einer Vergangenheit, in der es keine Nervenleiden,

aber Seelenschmerzen gab, in der man so schrecklich zu thun und so

schrecklich zu bereuen vermochte.

Wie sie ihn gepackt haben mußte, die Reue! Wie sie ihn geschüttelt,

zerrissen und zerfleischt haben mußte!

Mir war, als sähe ich ihn, wie er zum Beichtiger in den Beichtstuhl

kniete, mit heulenden Thränen sein Bekenntniß stammelnd, mit

klappernden Zähnen sein: »Was soll ich thun? Was soll ich thun?«

herausfragend.

»Faste, bete, kasteie Dich,« kam die Antwort, »und baue eine Kirche.«

Und er fastete, betete, kasteiete sich und baute eine Kirche. Eine

große Kirche, eine mächtige; je mächtiger, desto besser, wie eine

Riesenlast, die er auf den Wurm wälzen wollte, der an seiner Seele

fraß, daß sie den Wurm erdrückte.

Und als die Kirche erbaut, war Alles umsonst; der Wurm war nicht

erdrückt, lebte immer noch und nagte und nagte.

Da, als er fühlte, daß sein Leben zum Ende ging, ließ er einen Maler an

das Bett rufen, auf dem er versiechend lag und hieß ihn sein Bild

malen. Nicht ein Bild, das ihn darstellte in Kraft und Gewandung seines

Lebens -- denn offenbar war es ein reicher und mächtiger Mann gewesen

-- sondern so, wie er sich in seinem Jammer fühlte, als armen Sünder,

in aller Naktheit der schuldbewußten Seele, von Flammen gebrannt, von

dem Schlangenrachen der Reue zerfleischt.

Er selber gab die Inschrift an, die man auf das Bild setzen sollte, und

bestimmte, daß es aufgehängt würde in der Kirche, die er selbst gebaut,

sein eigenes Ich im eigenen Werke eingesperrt, sein Schatten, den er

von Grabesruhe und vom Frieden des Vergessens ausschloß, damit es dort

hinge wie der graue Aschenrest einer schrecklichen Feuersbrunst, wie

der fahle Widerschein eines mit Blut gemalten Vorgangs, so lange die

Kirche stehen würde, Jahrhunderte lang, immer und für alle Zeit. Immer

wieder, so oft die Augen zukünftiger Menschen sich auf das Bild richten

würden, den Schauder erweckend, der mit tastenden Fühlfäden hinunter

langte in das Grab, wo der Verbrecher lag, und für immer, wenn kein

Besucher in der Kirche war, mit sich allein in der furchtbaren

Einsamkeit, Jahre lang, Jahrhunderte lang, mit sich allein und der

Erinnerung an das, was einstmals gewesen.

Ich riß mich los und wandte mich hinaus. Seinen Namen hatte er den

kommenden Menschen nicht genannt. Warum? Weil er gewollt hatte, daß

nichts übrig bleiben sollte als nur der Schatten des Vergangenen? Sein

körperloses Ich? Seine Seele? Oder vielleicht, weil, wenn man seinen

Namen nannte, er sein Geschlecht zugleich an den Bußpfahl gekettet

haben würde? Sein Geschlecht, seine Familie, die doch nicht schuldig

war an seiner That, die es ja eben gewesen war, gegen die seine That

sich gerichtet hatte. Denn ich weiß nicht, wie es kam, aber ich konnte

den Gedanken nicht los werden, daß es eine Frevelthat gewesen sein

mußte von Familienangehörigen gegen Familienangehörige, von Bruder

gegen Bruder.

Und indem meine Vorstellung hieran arbeitete und knetete, nahmen meine

Gedanken plötzlich ihren eigenen Gang, weit fort von der Stelle, wo ich

mich befand, aus dem Westen Deutschlands in den fernen Osten, und mit

einem Male wußte ich, warum es eine That von Bruder gegen Bruder

gewesen sein mußte. Eine Geschichte fiel mir ein, die ich dort einmal

gehört hatte, in der alten Stadt am breiten Strom, der schweigend durch

den Osten Deutschlands geht, wie die schweigende Lahn durch den Westen.

In der alten Stadt, von der ich spreche, wohnte ein alter Mann, ein

einsamer.

Einsam durchs Leben gegangen, ohne Frau und Kinder, war es jetzt

doppelt still um ihn geworden, seitdem er sein Amt niedergelegt, den

Abschied genommen, und seitdem hierdurch auch der Verkehr mit den

Kollegen aufgehört hatte, mit denen er, dienstlich wenigstens, in

Verbindung gehalten worden war.

Er war Regierungsrath gewesen, der alte Graumann; jetzt war er

pensionirter Regierungsrath außer Diensten.

Gleich in den ersten Tagen, als ich die Stadt bezogen, hatte ich seinen

Namen gehört. Er war ja gewissermaßen eine Sehenswürdigkeit des Ortes,

und als solche war er mir genannt worden. Damit aber hatte es sein

Bewenden gehabt; man wußte eigentlich nichts von ihm. Er selbst

erzählte nichts, er verkehrte ja beinahe mit Niemandem; vielleicht gab

es auch nicht viel zu erzählen. Er war eben Beamter gewesen wie hundert

Andere auch und auf der actenstaubigen Straße des preußischen

Beamtenthums zum Regierungsrath hinauf geklettert und dann, nach

Jahren, an die Thür gelangt, aus der es wieder hinaus geht aus dem

Beamtenthum, durch den Abschied in das Außer-Dienstthum.

»Jetzt fängt meine gute Zeit an,« so berichtete die Stadtchronik, hatte

er zu einem Kollegen gesagt, als er zum letzten Male vom Amte kam,

»jetzt falle ich dem Staate zur Last.«

Recht höhnisch, beinahe teuflisch sollte er gelacht haben, indem er das

sagte, wie die Leute denn überhaupt geneigt waren, in dem alten

Sonderling etwas Unheimliches zu sehen, Etwas, wovor man sich

eigentlich in Acht nehmen mußte. Schrecklich heftig konnte er werden,

so erzählte man sich, wenn irgend Etwas ihm in die Quere kam, und

fürchterlich grob, wenn Menschen sich berufen fühlten, ihn seiner

Einsamkeit zu entreißen, und die Menschen ihm nicht paßten. »Man

brauchte ihn ja nur anzusehen -- er sah ja so böse aus.«

Inwieweit dieses zutraf, hatte ich bald Gelegenheit festzustellen, denn

ich begegnete ihm oftmals auf dem Spaziergange. In dem hohen

Kiefernwald, der sich, stromaufwärts, auf sandigen Hügeln erhebt, sah

ich ihn zum ersten Male, dann, mit Unterbrechungen, gingen wir öfter

und öfter an einander vorüber.

Gingen an einander vorüber -- denn indem ich ihn daher kommen sah, die

Hände auf dem Rücken, den großen, schweren Kopf, den kurz geschorenes,

graues Haar einfaßte, vornüber hängend, den abgebrauchten, schwarzen

Cylinderhut in den Nacken gerückt, die Augen zur Erde gesenkt, nicht

rechts noch links blickend, fühlte ich, daß da ein Mann an mir vorüber

ging, der nicht angesprochen sein wollte, weil Ansprache Störung

gewesen wäre, Störung in dem, was ihn beschäftigte.

Denn er war immer beschäftigt, das sah man dem verwitterten Gesicht an,

in dessen derben, beinahe plumpen Zügen ein beständiges Regen und

Bewegen war -- beschäftigt mit seinen Gedanken, mit sich selbst.

Manchmal auch gewann das stumme Mienenspiel Laute und Töne; seine

Lippen zuckten, er sprach vor sich hin. Ich hörte es, indem mich mein

Weg an ihm vorüber führte. Meistens nur ein Murmeln und Flüstern, dann

und wann zusammenhängende laute Worte, die polternd und grollend heraus

kamen, und manchmal auch ein Lachen, »ein recht höhnisches, beinahe

teuflisches«, würden die Leute gesagt haben, das aus einem grimmig

lächelnden Munde herausbrach.

Als wäre er immer von Menschen umgeben gewesen, mit denen er sich

unterhielt, so sah es aus -- Menschen, die vielleicht noch jetzt

lebendig umher gingen wie er selbst, ohne daß er mit ihnen zusammen

kam; Menschen auch vielleicht, die einstmals gewesen und jetzt nicht

mehr da waren.

Jedenfalls ein Mann, der manches gesehen, erlebt und wohl auch gelitten

hat, dieser alte Graumann, so sagte ich zu mir; einer jener Menschen,

die man ja in Deutschland trifft, die unscheinbar, fast unsichtbar

durch die Welt gehen und in ihrem Innern eine solche Fülle des Lebens,

eine so reich bevölkerte Welt verschließen, daß sie davon zehren

können, wenn es Abend im Leben wird, daß sie sich mit ihren Gestalten

unterhalten können, ohne daß sie das Geplauder und Geschwätz der

umgebenden Gesellschaft brauchen. Vorausgesetzt freilich, daß sie die

Gabe besitzen, die das Entlegene nahe bringt, das Vergangene

gegenwärtig, Todte wieder lebendig macht, Phantasie.

Ob ihm diese Gabe innewohnte? Seitdem ich ihm in die Augen gesehen

hatte, glaubte ich es.

Einmal nämlich, nachdem wir schon manchmal an einander vorüber gegangen

waren, und als wir uns wieder begegneten, bemerkte ich, daß er auf mich

Acht gab. Der Unbekannte, der ebenso beharrlich und einsam wie er

selbst die Gegend durchstreifte, mochte ihm aufgefallen sein. Er kam

den Weg zurück, den ich hinaus ging: als wir nahe bei einander waren,

wandte er das Haupt zur Seite und sah mich an. Er that nichts weiter,

er grüßte nicht, sprach nicht, aber mir war, als hätte Jemand

gesprochen. Solch' ein redender Blick war in den Augen gewesen, die mit

dunkel glühendem Feuer unter buschigen Brauen hervor schauten. Wie das

Nachglühen eines innerlich bewegten Lebens, das nicht zur Ruhe kommen,

nicht im Vergessen einschlafen will, sondern im Erinnern weiter lebt

und weiter. Ich konnte den Blick nicht vergessen, und ungefähr zu

derselben Zeit, als unter Bekannten das Gespräch auf ihn kam, hörte ich

etwas, das meine Vermuthung bestätigte, das ihn mir als einen Menschen

erscheinen ließ, den mehr und Anderes bewegte als die wirkliche

Alltagswelt, die ihn umgab. Wundervolle Bilder, so hieß es, hätte er an

den Wänden seiner Wohnung hängen. Wer sie gesehen haben sollte, da

eigentlich Niemand zu ihm kam, war schwer zu sagen; aber die Kunde war

da und behauptete sich. In der Vorstadt, jenseits der Brücke, bewohnte

er eine Wohnung von einigen Zimmern; eine alte Wirthschafterin, die des

Morgens kam und des Abends ging, besorgte ihm die Wohnung.

Wahrscheinlich war sie es, von der die Nachricht ausging. Wundervolle

Bilder, und in seinem Schlafzimmer ein ganz besonderes, in Oel

gemaltes, während in den Vorderzimmern Kupferstiche hingen; ein Bild,

auf dem zwei Kinder dargestellt waren, zwei Knaben. Und der eine von

den beiden Knaben, so hieß es flüsternd weiter, das wäre er selbst, wie

er damals ausgesehen hätte, der jetzige Regierungsrath außer Diensten,

der alte Graumann.

So wurde erzählt, theils laut, theils flüsternd; und dann ganz leise

wurde noch etwas hinzugesetzt: in dem Schlafzimmer, wo das Bild mit den

zwei Knaben hing, da wäre an einer Wand, so hieß es, ein Vorhang und

unter dem Vorhang etwas, das Niemand kannte, Niemand gesehen hatte,

weil keine Hand den Vorhang lüften durfte. Auch die der Wirthschafterin

nicht.

»Bei Todesstrafe?« hatten einige Spötter gefragt. Nun -- vielleicht

nicht gerade bei Todesstrafe, aber beim Zorn des alten Graumann, und

der konnte bös sein; man wußte davon in der Stadt zu erzählen.

Also forschte man nicht weiter und ließ dem Vorhang sein Geheimniß.

Aber das mit dem Kinderbild? Ja, das war vorhanden, und »solch ein

schönes Bild« sollte es sein, hatte die Wirthschafterin erzählt. »Ein

schönes Kind müßte er einmal gewesen sein, der Herr Regierungsrath! Ein

paar Augen im Kopf! Eigentlich schon damals ganz die Augen, die er noch

jetzt hätte, nur viel freundlicher, und nicht solche Zotten und Borsten

von Augenbrauen darüber, wie er sie jetzt hätte.«

»Und der andere von den beiden Knaben?«

Ja -- von dem wußte die Wirthschafterin nichts zu sagen, hatte ihn nie

gesehen und gekannt. »Aber es sähe so aus, als müßte es wohl ein Bruder

von dem Herrn Regierungsrath gewesen sein, ein jüngerer; denn so eine

Art von Aehnlichkeit mit dem älteren, was der Herr Regierungsrath wäre,

könnte man schon darin finden. Nur viel zarter und magerer und

schwächlicher. Und so ein liebes Gesichtchen, aber so traurig; wie

solche Kinder eben aussehen, die nicht lange leben sollen.« Denn daß er

gestorben sein mußte, schon lange Zeit, das nahm die Wirthschafterin

für bestimmt an. »Er würde doch sonst wohl einmal von dem Bruder

gesprochen haben, der Herr Regierungsrath, und das that er nie.«

Das Alles kam mir so nach und nach und stückweise zu Ohren, und als von

dem Kinderbilde gesprochen wurde, ging das Gespräch weiter, zu den

Kindern überhaupt, und da erfuhr ich denn, daß er eigentlich ein

Kinderfreund sei, der alte Graumann. »Aber freilich in seiner Art,«

setzte der Erzähler lachend hinzu.

»Wieso, in seiner Art?«

»Je nun,« hieß es, »so, daß man ihn schließlich hat auffordern müssen,

seine Freundschaft für die Kinder lieber für sich zu behalten.«

In der Stadt nämlich, so wurde erzählt, bestand eine Anstalt, von ein

paar wohlthätigen alten Damen geleitet, in der alle Jahre zu

Weihnachten armen Kindern aufgebaut und beschert wurde. Gaben und

Geschenke wurden mit Dank entgegengenommen, und natürlich stand es den

Gebern frei, der Bescherung beizuwohnen. Zu diesen gehörte auch der

alte Graumann, der sich regelmäßig am heiligen Abend mit einem ganzen

Haufen von Paketen und Päckchen einzustellen pflegte. Eigentlich

hätten, der Hausordnung gemäß, die Geschenke schon vorher abgeliefert

sein müssen, um von den Damen nach bestem Ermessen vertheilt zu werden.

Aber der alte Graumann war nicht der Mann, sich irgend einer

Hausordnung zu fügen. Seitdem er den Regierungsfrack ausgezogen hatte,

wollte er die Ellenbogen frei haben nach allen Richtungen. Wollten die

Damen seine Geschenke haben, so mußten sie ihn gewähren lassen. Also

ließ man ihn gewähren.

Und nun eben kam das Verrückte:

Spät erst, wenn der Baum schon längst angezündet war, und die Kinder

ihre Tische und Gaben in Empfang genommen hatten, erschien als letzter

Geschenkgeber der alte Graumann. Wie der Knecht Ruprecht selber sah er

aus mit seinem alten, verwitterten Gesicht, und die Schätze, die er

sorgsam verhüllt unter den Armen trug, erweckten sogleich eine

athemlose Spannung, eine Spannung, die in hellen Jubel ausgebrochen

sein würde, wenn sich die Kinder nicht eigentlich ein wenig vor ihm

gefürchtet hätten. Denn wenn er nun so dastand im erleuchteten Raume,

zunächst die kleinen Köpfe stumm überzählend, ob er auch keinen

übergangen hätte, und dann, wenn er sah, daß Alles stimmte, in sich

hinein lächelnd, geheimnißvoll, beinahe listig, ohne ein Wort zu

sprechen, dann überkam nicht nur die Kinder ein seltsam schauerndes

Gefühl, sondern auch die Erwachsenen gestanden sich, daß er doch

wirklich anders sei als alle anderen vernünftigen Menschen.

Einen Stuhl rückte er sich dann heran; mitten unter seinen Päckchen und

Paketen, die er auf den Erdboden gelegt hatte, setzte er sich nieder,

ganz ernsthaft jetzt, beinahe feierlich, und nun, langsam, langsam

begann er eins der Pakete aufzuknüpfen und dann ein zweites. Lautlose

Stille begleitete sein Thun, und all' die jungen Augen hingen an ihm,

wie wenn sie auf einen alten Zauberer blickten. Noch einmal ein Blick

über die lauschende Schar, dann mit erhobenem Zeigefinger winkte er

zwei von den Kindern heran, zwei Knaben. Die letzte Hülle sank von dem

Paket -- und ein allgemeines »Ah!« des entzückten Erstaunens athmete

aus jungen Kehlen auf -- was war da für eine Herrlichkeit zu Tage

gekommen! Ein Schaukelpferd oder so etwas Aehnliches. Und das

glückselige Jauchzen dessen, der das schöne Geschenk in die Hände

bekam! Daß sich der andere von den beiden Jungen vor Ungeduld kaum zu

lassen wußte, begreift sich; das für ihn bestimmte zweite Paket war ja

freilich viel kleiner als das erste, aber der Inhalt würde schon nicht

schlechter sein, das verstand sich doch von selbst. Und langsam,

langsam schälte sich auch die zweite Gabe aus ihrer Papierhülse heraus,

und -- ein allgemeines Verstummen sprachloser Verblüfftheit -- ein ganz

minderwerthiger Gegenstand, der sich mit dem ersten gar nicht

vergleichen ließ, kam zum Vorschein. Die Augen dessen, der das zweite

Geschenk erhielt, schielten unwillkürlich über die eigenen Hände

hinweg, zu denen hinüber, in denen sich das Schaukelpferd befand, und

es fehlte nicht viel, so hätten sie sich mit Thränen gefüllt.

Und während sich dieses begab, saß der alte Graumann regungslos auf

seinem Stuhl; seine großen, runden, glühenden Augen ruhten unverwandt

auf dem enttäuschten Gesichte des Kindes, forschend, prüfend, mit einem

ganz sonderbaren, tief bekümmerten Ausdruck, und wenn er sah, wie das

kleine Gesicht unter verhaltenem Weinen zuckte, streckte er den Arm aus

und zog den Knaben an sich, beugte sich zu ihm, und leise, so leise,

daß Keiner von den Anwesenden es verstand, flüsterte er ihm ein Wort

ins Ohr. Und dann kam ein anderes Paar von den Kindern an die Reihe.

Jetzt waren es zwei kleine Mädchen, die er heranwinkte. Wieder, wie

vorhin, nestelten sich zwei Pakete auf; wieder erschien aus dem einen

eine prächtige Gabe, eine schön gekleidete Puppe oder so etwas

Aehnliches, und wieder aus dem anderen ein Gegenstand, der sich mit dem

ersten kaum vergleichen ließ. Abermals dann der Vorgang wie zuvor, die

kleine Enttäuschte wurde herangezogen, und so wie vorhin dem Knaben

flüsterte er dem kleinen Mädchen, indem er ihm traurig und zärtlich das

Köpfchen streichelte, ein Wort ins Ohr, das kein Anderer verstand.

Und so ging das weiter. Immerfort abwechselnd entzücktes Staunen und

schweigende Verdutztheit; stammelnde, jauchzende Freude bei den Einen,

betrübte Niedergeschlagenheit bei den Anderen. Und mitten in all' dem

Wechsel von Gefühlen, von Freude und Leid der alte Graumann, wie das

verkörperte Schicksal, seine Pakete auswickelnd, seine Gaben

vertheilend, bis daß die letzte verschenkt war. Die letzte war immer

die schönste, und merkwürdiger Weise, in jedem Jahre wiederkehrend,

dieselbe: ein blitzblanker Kürassierhelm, ein Küraß und ein Säbel mit

Säbelkoppel.

Die zappelnde Wonne, die ein solches Geschenk jedesmal hervorrief, läßt

sich denken, aber nicht beschreiben, und kaum beschreiben auch läßt

sich die Enttäuschung, die jedesmal die Gegengabe erweckte, eine

magere, kleine Blechtrompete, die wirklich erbärmlich gegen die

Kürassierausrüstung abstach. Das Merkwürdigste aber bei diesem

Vorgange, der gewissermaßen den Gipfel aller vorherigen

Absonderlichkeiten bildete, war immer der alte Graumann selbst, der

jedesmal, wenn die letzte Gabe heran kam, wie in einen Zustand der

Erstarrung, in einen Traum mit wachen Augen zu versinken schien. Seine

großen, runden Augen weiteten sich über ihr gewöhnliches Maß und

blickten starr vor sich hin, über die Köpfe der Kinder hinweg, in die

leere Luft, und es sah aus, als müßte er zu sich selbst zurückkommen,

bis er endlich den Kleinen heranzog und ihm, wie den Anderen vorher,

sein leises Wort ins Ohr raunte.

War dieses dann erledigt, so erhob er sich, griff nach seinem alten,

widerhaarigen Cylinderhut, verneigte sich schweigend vor den

Anstaltsdamen, und ohne ein Wort zu sagen, ging er hinaus. Den

Anstaltsdamen blieb es dann überlassen, die erregten Gemüther der

Kinder wieder zur Ruhe zu bringen, und leichte Arbeit war das natürlich

nicht.

»Was hat der Herr Regierungsrath Dir denn ins Ohr gesagt?« so wurde,

vom Ersten anfangend, gefragt. -- »Er hat mir gesagt,« hieß es: »>wer

neidisch ist, kommt in die Hölle; sei nicht neidisch, Du lieber,

kleiner Junge.<« -- »Und Dir? Was hat er Dir gesagt?« -- »Er hat

gesagt: >wer neidisch ist, kommt in die Hölle; sei nicht neidisch, Du

liebes, kleines Mädchen.<«

Beiden also wörtlich das Nämliche. Und als die übrigen Kinder, in

gleicher Weise befragt, ihre Lippen aufthaten und feierlich, wie wenn

sie als Zeugen vor Gericht ständen, aussagten, was ihnen der alte,

unheimliche Mann anvertraut hatte, da stellte es sich heraus, daß es

immer und jedesmal dasselbe geheimnißvolle Wort, dieselbe Mahnung

gewesen war, die jedes von ihm empfangen hatte. Das wiederholte sich,

wie gesagt, zwei oder drei Weihnachten, und dann hatten es die

Anstaltsdamen satt. Solch ein böser, alter Mann! Er machte ihnen ja die

Kinder geradezu aufsässig und zerstörte alle Weihnachtsfreude. Und das

absichtlich; denn daß er mit wohlüberlegter Absicht verfuhr, das war ja

klar; hätte er es sonst einmal wie das andere Mal gemacht?

Darum, als zum vierten Male Weihnachten heranrückte, erhielt der alte

Graumann eines schönen Tages von den Anstaltsdamen einen Brief, worin

ihm höflichst für die liebevolle Gesinnung gedankt wurde, die er ihren

Schützlingen bisher erwiesen hatte, in dem ihm aber zugleich zu erwägen

gegeben wurde, ob er in Zukunft seine Geschenke nicht lieber vor der

Bescherung einsenden wollte, damit sie von den Damen vertheilt würden.

Die ethisch-erzieherische Methode, nach der er seine Gaben vertheilte,

wäre ja den Erwachsenen durchaus einleuchtend und auch dankenswerth,

aber er würde sich ja wohl selbst sagen, daß Kinder noch nicht fähig

wären, eine Methode, die solche Selbstüberwindung forderte und so harte

Proben auferlegte, gebührend zu würdigen, und darum möchte es

vielleicht besser sein -- der alte Regierungsrath hatte verstanden;

seit dem Tage hat man ihn in der Anstalt nie wieder gesehen.

»Die Damen hätten es anders einrichten sollen,« hörte man später den

Weinhändler Kurzer sagen, »hätten den Herrn Regierungsrath nicht so zu

ärgern brauchen; denn geärgert hat er sich schmählich.«

Der Weinhändler Kurzer war nämlich der Mann, der einen Weinkeller

unweit des Marktes besaß, einen Keller mit schönen Spitzbogengewölben.

Und in dem Keller erschien an jedem Nachmittag, pünktlich wie nach der

Uhr, zu einer Zeit, wo sonst Niemand anwesend war, der alte Graumann,

um einen kräftigen Schluck zu trinken.

Ob es die Gesellschaft des Herrn Kurzer war, die ihn lockte? Oder das

Spitzbogengewölbe? Man erzählte sich, daß es noch etwas Anderes war,

und das war wieder einmal solch' eine Schrulle des tollen alten Mannes.

In dem Keller nämlich, in einer Ecke, von Staub bedeckt, stand eine aus

Thon geformte Figur, ein Weib auf einem Löwen reitend. Halb und halb

erinnerte das Ding an Dannecker's Ariadne; es war eine noch ganz

unfertige Arbeit, offenbar von Händen angefertigt, die sich zum ersten

Male an so etwas versucht hatten; noch unfrei in der Erfindung, noch

ungeschickt in der Gestaltung. Trotzdem -- wer es für der Mühe werth

gehalten hätte, das sonderbare Gebilde näher anzusehen, würde

vielleicht entdeckt haben, daß sich in all' dem Unfertigen etwas regte,

das dermaleinst hätte fertig werden können. Aber es hielt es Niemand

für der Mühe werth -- ausgenommen Einen -- den alten Graumann. Er, so

hieß es, war geradezu verliebt in die Stümperei. Es knüpfte sich auch

eine Legende an die Figur: in der alten Stadt war vor Jahren ein junger

Bursche gewesen, der Sohn armer, achtbarer Eltern. Sein Vater war

Actuar am Gericht gewesen, und durch Fleiß, der nicht einen Tag

aussetzte, durch darbende Sparsamkeit, die sich nicht einen guten Tag

gönnte, hatte er es durchgesetzt, daß sein Sohn so viel gelernt hatte,

daß er auch Unterbeamter werden konnte, Unterbeamter an der Regierung.

Und für das Alles hatte ihm der Schlingel übel gelohnt; er that als

Beamter nicht gut. Nicht, daß er getrunken hätte oder eigentlich

liederlich gewesen wäre, aber er hatte den Kopf voller Flausen. Zum

Künstler, hatte er behauptet, wäre er geboren; ein Bildhauer steckte in

ihm, das fühle er, und das sollte hervorkommen.

Natürlich war er fürchterlich ausgelacht worden, und der alte Vater

empfand schier tödtlich den Schimpf, den ihm der Sohn bereitete. Denn

boshaft, wie die Menschen nun einmal sind, versäumten sie nie, wenn sie

des alten Actuars ansichtig wurden, ihn zu fragen, wie es seinem Sohne,

»dem Bildhauer«, ginge, ob er Fortschritte machte, und was dergleichen

Scherze mehr waren. Und während alle anderen vernünftigen Leute der

Stadt es als ihre Pflicht erkannten, dem jungen Menschen zur Vernunft

zu reden, war Einer, der das Gegentheil that, der ihn in seinen

Abgeschmacktheiten durch Zureden bestärkte. Das war unrecht von dem

Einen, und dieser Eine war Niemand anders als der Herr Regierungsrath

Graumann. Man erzählte sich, daß er dem jungen Menschen die Erlaubniß

gegeben habe, ihn zu besuchen; daß dieser oft Stunden lang bei ihm

verweilte, daß der Regierungsrath ihm seine Bilder zeigte, sich mit ihm

über seine Pläne unterhielt, ihn sogar mit Geld unterstützte. Lauter

Dinge, die aller Vernunft und gesellschaftlichen Ordnung doch geradezu

ins Gesicht schlugen. Und natürlich hatte es denn auch zu keinem guten

Ende geführt. Eines schönen Tages war der »Bildhauer« verschwunden

gewesen, fort von der Regierung, aus der Stadt, und fort von seinen

Eltern. Einfach durchgebrannt; Niemand wußte, wohin. Niemand wußte es

und hat es je erfahren. Denn seit dem Tage blieb er verschollen, und

kein Mensch hatte je wieder von ihm gehört. Ob vielleicht der alte

Graumann? Möglich -- aber der sagte nichts.

Bei dem Weinhändler Kurzer nun hatte »der Michelangelo der Ukermark«,

wie ihn einer von den Regierungsreferendaren, ein junger, besonders

geistreicher Mann, betitelt hatte, eine Rechnung. Er hatte dort

manchmal ein Glas Wein, und mehr als eins, getrunken, aber keins

bezahlt. Wahrscheinlich war es auch wieder dieser alte Sünder, der alte

Graumann, gewesen, der den Herrn Kurzer zu so sträflicher Nachsicht

veranlaßt hatte. Wenige Tage dann, bevor er auf Nimmerwiedersehen

verschwand, hatte er dem Weinhändler seine Löwenreiterin gebracht,

gewissermaßen als Bezahlung. »Vielleicht würde er sie später einmal

verwerthen können,« hatte er gemeint. Bis jetzt war es freilich nicht

geschehen.

»Wird auch wohl so bald nicht kommen,« meinte mit resignirtem

Schmunzeln der Herr Kurzer, wenn das Gespräch darauf kam.

Am Nachmittag des besagten Weihnachtsabends war also der alte Graumann

im Weinkeller erschienen. Statt einer halben Flasche, die er für

gewöhnlich trank, hatte er sich sogleich eine ganze bestellt, eine

ganze Flasche schweren Burgunder. Ueberhaupt war er dem Herrn Kurzer

ganz besonders aufgeregt erschienen.

»Gehen Sie denn heute Abend nicht zur Bescherung ins Stift?« hatte Herr

Kurzer gefragt; darauf aber war der Herr Regierungsrath gleich

sacksiedegrob geworden.

»Soll ich in ein Haus gehen, wo man mich 'rausschmeißt?« Und dann hatte

er die Geschichte mit dem Briefe erzählt. Furchtbar schien ihn die

Geschichte aufgeregt zu haben. So wie an dem Tage hatte Herr Kurzer ihn

noch niemals gesehen. Eine ganze Weile hatte er sich schweigend mit

seinem Burgunder unterhalten, dann war er mit einem Mal aufgestanden,

hatte die Figur aus der Ecke geholt und sie, ohne ein Wort zu sagen,

mitten auf den Tisch gestellt.

»Ganz staubig ist das Ding gewesen,« berichtete Herr Kurzer, »so daß

ich es erst habe abklopfen müssen.«

Alsdann hatte der Alte davor gesessen und kein Wort gesprochen und

immerfort das Ding angeschaut -- immerfort, »eigentlich nicht anders

als wie ein Verrückter,« hatte Herr Kurzer gemeint. Und dann hatte es

angefangen, in seinem Gesicht zu arbeiten. »Sie wissen ja, wenn er so

mit sich Unterhaltung macht;« diesmal aber hatte es ausgesehen, als ob

er sich mit der Löwenreiterin unterhielte oder vielmehr mit dem, der

die Löwenreiterin gemacht hatte. Immerfort in die Luft hätte er vor

sich hin gesprochen; lauter sonderbares Zeug. Herr Kurzer, der mit ihm

am Tische saß, hatte Einiges davon verstehen können.

»Dir haben sie es auch nicht gegönnt! Darum bist Du um die Ecke

gegangen. Und nun bist Du zum Teufel. Daß so etwas hier hat geboren

werden können, in dem Nest! Wie sie ihm das Herz abgefressen haben,

immerfort, bis er nicht mehr gekonnt hat, nicht mehr ausgehalten

hat! Nun ist er zum Teufel. Sie haben ihn auf dem Gewissen. Haben

ihm das Herz abgefressen. Mit ihrem ewigen dummen Gelache und

Gehöhn. Mit dem sie sich so klug vorgekommen sind, die Dummköpfe,

die gottserbärmlichen, die Strohköpfe, die Banausen!«

Was er dann weiter sagte, hatte Herr Kurzer nicht verstehen können,

weil es ein dumpfes Murren gewesen war. Dann aber hatte er wieder ein

Glas hinunter getrunken, mit der flachen Hand, wie es seine Gewohnheit

war, sich den Mund gewischt und dann plötzlich mit der Faust auf den

Tisch geschlagen, daß Flasche und Gläser geklirrt hatten und die

thönerne Figur, als sei die Seele ihres Verfertigers für einen

Augenblick in sie zurückgekehrt, einen dumpfen Klang von sich gegeben

hatte. Zu Herrn Kurzer hatte er sich herum gewandt »mit ein paar Augen,

daß ich doch gleich denke, der Teufel selber guckt mich an.« -- »Nicht

gegönnt haben sie's ihm,« hatte er Herrn Kurzer angeschrieen, »das ist

der Kern von dem ganzen Pudel! Neid ist die ganze Geschichte gewesen.

Nicht vertragen haben sie's können, daß da mitten unter ihnen so Einer

gekommen ist, der was Anderes gewesen ist als sie, mehr gekonnt hat als

sie! Ist ein Liederjahn -- hat's geheißen; ist nicht wahr, er war kein

Liederjahn. Kartoffeln sind sie gewesen, Alle mit einander, und er war

eine -- eine -- was soll ich sagen -- mitten unter den Kartoffeln eine

Ananas.«

»Das ist sehr gut,« hatte Herr Kurzer rasch eingeschoben, indem er

einen verunglückten Versuch machte, der Sache eine scherzhafte Wendung

zu geben. Einen sehr verunglückten, denn der Herr Regierungsrath hatte

ihn angesehen -- noch schrecklicher als vorhin.

»Gut nennen Sie das?«

»Ich meinte nur, was Sie da eben gesagt haben, von den Kartoffeln und

der Ananas,« beeilte sich Herr Kurzer zu seiner Entschuldigung

anzubringen.

Darauf aber hatte der alte Graumann lange Zeit gar nichts gesagt,

sondern schweigend das Haupt in die Hand gestützt wie Jemand, der ganz

in sich und seine Gedanken hinein kriecht. Endlich war er wieder heraus

gekommen und hatte die Hand auf Herrn Kurzer's Arm gelegt.

»Herr Kurzer,« hatte er gesagt, »kennen Sie die Geschichte von dem

Apostel Johannes, der sich, als er ein alter Mann geworden war, immer

in die Kirche tragen ließ und immer nur ein Wort und nichts als das

sagte: >Kinder, liebt Euch unter einander?<«

Herr Kurzer glaubte sich zu erinnern, daß er so etwas einmal gehört

hätte.

»Mein lieber Herr Kurzer, sehen Sie, das war ein alter Mann, und ich

bin auch ein alter Mann. Der hatte das Leben erfahren, sehen Sie, und

wußte, was er sagte, und hatte recht. Einmal wird die Zeit kommen, da

werden auch Sie sagen: der alte Graumann hat doch recht gehabt. Sehen

Sie, mein lieber Herr Kurzer, da sind nun unsere Prediger. Alle

Sonntage, die Gott werden läßt, klettert das auf die Kanzel und sabbert

den Leuten eine Stunde lang was vor und nachher, wenn's zu Ende ist,

gehen die Leute hinaus und sind genau so klug wie vorher. Wissen Sie,

was sie thun sollten? Auf die Kanzel sollten sie steigen, ihre Bücher

zu Hause lassen und den Leuten ein einziges Wort sagen, aber so, daß

die Leute es hören: >Seid nicht neidisch!<«

Herr Kurzer hatte sich unwillkürlich umgesehen. So fürchterlich

gebrüllt hätte der Regierungsrath, als er das sagte, daß er doch

wirklich geglaubt hätte, die Vorübergehenden würden von der Straße

herunter kommen, zu fragen, was da unten los sei.

Den alten Graumann aber hatten solche Befürchtungen offenbar nicht

angefochten.

»So sollten sie sprechen, die Prediger,« hatte er fortgefahren; »>ich

kenne Euch,< sollten sie zu den Leuten sagen, >ich kenne Euch Alle, die

Ihr da vor mir sitzt; durch Eure andächtigen, scheinheiligen Gesichter

sehe ich hindurch, bis in Eure schwarzen Herzen. Ja, guckt mich nur an;

denn in Euren Herzen ist es finster, finster, schwarz. Ein Höllenhund

sitzt in Euren Herzen, in jedem einzigen, der Neid! der Neid! Der

verdammte, verfluchte Neid!<«

Bei diesen Worten, so erzählte Herr Kurzer später, war der Herr

Regierungsrath aufgesprungen und im Keller auf- und abgegangen, auf und

ab, so daß es ihm beinahe ungemüthlich zu Muthe geworden wäre und er

gar nicht mehr gewußt hätte, was er eigentlich machen sollte. Endlich

hatte er sich ermannt und noch einmal den Versuch gemacht, die

Geschichte von der humoristischen Seite zu nehmen.

»Da würden die Herren Prediger ihre Kirchen wohl bald schön leer

haben,« hatte er bemerkt.

Ein Geknurr war die Antwort gewesen. »Glaub' ich selber. Habe Ihnen ja

den Brief gezeigt; haben es gehört, wie's Einem geht, wenn man den

Menschen die Wahrheit sagt, daß sie Neidhämmel sind. Zum Hause

schmeißen sie Einen 'raus. Denn sie fühlen, daß man recht hat, und weil

sie's fühlen, wollen sie's nicht Wort haben. Natürlich. Wenn man unter

Kranken steckt, darf man von der Krankheit nicht sprechen; ist nicht

angenehm, wenn man daran erinnert wird. Denn krank sind die Menschen

allesammt, und ihre Krankheit, wissen Sie, wie die heißt? Der Neid.«

»Es wird doch aber Ausnahmen geben,« hatte Herr Kurzer einzuwenden

gewagt; aber ein Lachen -- »Sie wissen ja, so ein recht höhnisches,

beinahe teuflisches« -- war von dem alten Graumann gekommen.

»Ausnahmen« -- und damit hatte er sich wieder zu seinem Burgunder

gesetzt, »wie soll's denn Ausnahmen geben, wenn die ganze Welt

aufgebaut ist auf dem verfluchten Gesetz: Seid neidisch auf einander!

Was einem Andern gehört, gehört nicht mir; und daß es nicht mir gehört,

sondern einem Andern, das ist nicht recht, und darum ist der Andre mein

Feind. Das ist die Weltordnung, diese -- diese famose, von der die

Prediger von den Kanzeln erzählen. Haben Sie's einmal angesehen, wenn

man Spatzen füttert? Da werfen sie einen Brocken hin -- surr, ist ein

Sperling da. Noch einen Brocken -- rutsch, kommt ein zweiter. Was thut

der erste? Von seinem Brocken, an dem er herum pickt, läßt er los und

fährt über den zweiten her, warum? Bloß damit der andere Spatz nicht

auch etwas abbekommt. Die Canaille! Wenn die Menschen so etwas sehen,

lachen sie. Schämen sollten sich die Menschen, statt zu lachen, sollten

sich sagen, daß sie's genau so machen wie die Spatzen, aber ganz genau!

Sind Sie einmal durch einen Wald gegangen? Haben Sie's gesehen, wie das

Gestrüpp und das Unterholz aufwächst und sich breit macht zwischen den

hohen Bäumen? Sie denken: das macht sich so von selbst, das ist eben

die Natur. Jawohl ist's die Natur, aber in der Natur steckt der Teufel.

Neidisch ist das Unterholz auf die hohen Bäume und möchte sie am

liebsten ersticken. Würde sie auch ersticken, wenn der Mensch sich

nicht darüber hermachte und das Unterholz kappte. Ja, der Mensch -- dem

Gestrüpp gegenüber hat er ein Einsehen, aber wenn man ihm sagt: seht in

Euch selber hinein, rodet es aus, was da drinnen bei Euch wächst, das

Wucherzeug, die Wasserpest, dann schmeißen sie Einen zum Haus hinaus.

Herr Kurzer, ich bin Beamter gewesen, bin lange Zeit Beamter gewesen,

viel zu lange. Ich habe es zu nichts gebracht. Nicht einmal das haben

sie mir gegönnt, daß sie mir den >Geheimrath< gegeben haben. Warum?

Soll ich's Ihnen sagen? Weil ich ein Esel gewesen bin mein Leben lang,

ein Dummkopf; weil ich auf meinem Weg immer zur Seite gesehen habe, was

sich da neben mir begab, statt daß so ein tüchtiger Beamter, verstehen

Sie, so ein Streber, immer mit Scheuklappen seinen Weg gehen muß, immer

nur vorwärts sehen muß, vor sich hin und hinauf, damit er hübsch

vorwärts kommt. -- Aber ich will Ihnen etwas sagen, Herr Kurzer: wenn

sie so an mir vorbei avancirt sind, mit so einem halb mitleidigen

Lächeln, weil ich immer hinter ihnen geblieben bin, bewundert habe ich

sie nicht und beneidet um ihre Orden, mit denen sie klunkerten, auch

nicht. Denn in meiner Dummheit bin ich klüger gewesen als sie und habe

etwas gewußt, was sie Alle nicht gewußt haben, daß sie krank sind,

Einer wie der Andere, neidisch, der Eine auf den Anderen, und weil ich

nichts gewollt habe, bin ich nicht neidisch gewesen.«

Und nach diesen Worten war der Herr Regierungsrath wieder stumm

geworden, hatte vor sich hingesehen und dann mit einer Stimme, »gerade

als wenn er aus dem Grabe heraus spräche«, gesagt: »Ich habe es mir

abgewöhnt.«

Was er damit hatte sagen wollen, vermochte Herr Kurzer nicht anzugeben.

Es hatte so ausgesehen, als wenn sich der alte Mann an etwas erinnerte,

an etwas, das vor langer Zeit einmal geschehen war, vielleicht damals,

als er noch ein Kind war; denn plötzlich war er dann auf die Kinder

gekommen.

»Ja, die Kinder,« hatte er wieder angefangen, »wenn man solch ein Kind

ansieht -- es ist doch so etwas Schönes. Das glaubt noch an einen

>lieben Gott<, weiß noch nichts von all' dem Dreck, durch den man

patschen muß, wenn's nachher ins Leben geht, Streberei, Kriecherei,

Heuchelei, und wie die Teufelseier alle heißen. Und sehen Sie, Herr

Kurzer« -- und dabei hatte er den Arm des Herrn Kurzer zwischen seine

Finger gepreßt, als wenn er ihm den Knochen zerdrücken wollte -- »sehen

Sie, Herr Kurzer, neidisch ist das darum doch. So ist der Mensch!

Neidisch sind solche Würmer auf einander auch schon! Schenkt man Einem

was, so sieht's nicht auf das, was es bekommen hat, sondern nach dem,

was das Andere gekriegt hat; und wenn ihm das schöner erscheint und

besser gefällt, dann geht der Teufel in ihm los. Das, was ich nicht

habe, das gerade möchte ich bekommen haben. Und da sitzt man nun vor

solch einem kleinen Geschöpf, solch einem armen, kleinen Ding und

sieht, wie das Gift in ihm zu kochen anfängt, und wie das Pflänzchen

krank wird, weil es die Krankheit eingesogen hat und angeerbt, die aus

dem Boden kommt, aus dem es wächst, der Welt, die so schön eingerichtet

ist, der -- der schlechten, schändlichen, verfluchten Welt! Und über

das Alles sieht man in die Zukunft hinaus, wenn das Kinderpflänzchen

einmal ausgewachsen sein wird und ein Strunk geworden sein wird, ein

dicker, grober, knotiger Strunk. Dann wird es gerade sein wie all' die

Strünke, die vor ihm gewesen sind, so hart, daß man Andere damit

todtschlagen kann. Und das Alles muß man mit ansehen und kann nichts

thun, es zu ändern; denn wenn man es ändern will, dann kommen die

Erwachsenen und schmeißen Einen zum Hause hinaus. Sie haben den Brief

gehört, Herr Kurzer -- schmeißen Einen zum Hause hinaus!«

Ueber diesem Gespräch, berichtete Herr Kurzer, war es mittlerweile spät

geworden, der Weihnachtsabend angebrochen. Durch das Kellerfenster

hindurch sah man in dem gegenüberliegenden Hause bereits einen

flammenden Lichterbaum. Da hinüber hatte der Herr Regierungsrath

gesehen, mit einem Ausdruck im Gesicht, meinte Herr Kurzer, daß man

recht gefühlt hätte, was für ein einsamer alter Mann er eigentlich war.

Dann hatte er gesagt: »Sie werden nun wohl auch Ihren Keller

zuschließen und bei sich zu Hause aufbauen wollen, Herr Kurzer; darum

will ich nur gehen.« Und damit war er aufgestanden, und Herr Kurzer

hatte ihm geholfen, den Mantel anziehen. Und als er schon den Mantel

angezogen und den Hut in der Hand hatte, war er noch einmal stehen

geblieben und in Gedanken versunken.

»Weil ich jetzt also den Kindern nichts mehr schenken soll,« hatte er

gesagt, »will ich Ihnen etwas lassen, Herr Kurzer. Wenn Sie wollen,

können Sie's wegschmeißen: Erfahrung, Herr Kurzer! Darauf, daß der

Mensch Erfahrung macht, darauf kommt es an!« Und indem er so sagte,

hätte der Herr Regierungsrath die Hand, darin er den Hut hielt,

emporgehoben und ausgesehen -- »gradezu feierlich,« meinte Herr Kurzer.

»Man muß etwas erlebt haben, Herr Kurzer, und das, was man erlebt hat,

behalten. Aber nicht im Kopf, verstehen Sie, sondern da, da drinnen im

Herzen. Ein Herz muß man haben, das sich erinnern kann. Und daran eben

fehlt es bei den Menschen; denn wenn man etwas aufbewahren soll, dann

muß man einen Raum haben, wo man es hineinthun kann; wenn man sein

Leben mit sich tragen soll im Herzen, muß man ein Herz haben, wo Platz

dafür da ist. Und das eben haben die Menschen nicht, sondern ihre

Herzen sind wie flache Teiche, wo ihre Strebergedanken drin

herumschwimmen wie gierige Fische mit dummen Glotzaugen, die nichts

Anderes denken können, als daß sie danach umhersehen, ob nicht irgendwo

ein Brocken herunterfällt, den sie aufschnappen können. Nein, Herr

Kurzer, nicht wie ein Teich muß das Herz des Menschen sein, sondern wie

das Meer. Sind Sie schon einmal am Meere gewesen, Herr Kurzer? -- Da

werden Sie gesehen haben, daß das Meer nicht die Farbe annimmt von dem

Tage, der grade darüber scheint, sondern daß es seine Farbe für sich

hat, und daß die Farbe immer bleibt, einen Tag wie alle. Woher erklären

Sie sich denn, daß das kommt? Das will ich Ihnen sagen; es kommt daher,

daß das Meer immerfort den ganzen Himmel widerspiegelt, bei Tag und bei

Nacht, Sonne, Mond und Sterne, heute hell und morgen dunkel, und das

Alles, was da immer von oben hinuntersieht, bleibt aufbewahrt in dem

tiefen Meere, und davon bekommt das Meer seine gleichmäßige Farbe. Ist

der Himmel, der darüber liegt, wie das bei uns da oben im Norden zu

sein pflegt, meistens grau, so wird auch das Meer grau; ist er hell und

blau, wie da unten im Süden, wird auch das Meer blau. Und so wie mit

dem Meere, sehen Sie, so ist es mit den Herzen der Menschen. Denn was

der Himmel für das Meer, das ist das Leben für den Menschen, das immer

über ihm liegt mit seinen Erlebnissen und Erfahrungen und Schicksalen.

Nicht immer nur den heutigen Tag muß man in sich hineinschlucken,

sondern alle Tage müssen dem Menschen gegenwärtig sein, die er schon

gelebt hat. Und nicht immer zappeln und streben muß man nach dem, was

morgen etwa kommen wird, sondern erinnern muß man sich, erinnern,

erinnern! Aber damit man sich erinnern kann, dazu gehört, daß man eben

ein tiefes Herz hat, so tief wie das Meer. Und daran eben fehlt es bei

den Menschen. Und wenn sie solche Herzen hätten, dann stände es besser

um die Welt; dann würden sie eine Ahnung davon bekommen, was das

eigentlich sagen will, wenn es heißt, daß vor Gott hundert Jahre sind

wie ein Tag. Denn das ist ein merkwürdiges Wort, Herr Kurzer, viel

merkwürdiger, als die Menschen es sich träumen lassen, die es gar nicht

verstehen. Einer hat es einmal verstanden, und das ist der alte Apostel

Johannes gewesen, von dem ich Ihnen gesagt habe. Als der alt geworden

ist, sehen Sie, da hat Alles vor ihm gelegen, was er jemals erlebt

hatte, an sich und an Anderen. Und weil er ein alter Mann geworden war,

der sich tragen lassen mußte und wahrscheinlich auch nicht viel mehr

sprechen konnte, hat er bei sich überlegt, wie er Alles das, was er

gesehen und mitgemacht und erlebt hatte, in ein einziges Wort

zusammendrücken könnte, das sie alle verständen, und da hat er kein

besseres gefunden, als das, was ich Ihnen gesagt habe: >Kinder, liebet

einander<. Und er hätte auch kein besseres finden können; denn damit

hat er Alles gesagt, was den Menschen noth thut, und was sie heilen

kann von ihrer niederträchtigen Krankheit, und es ist wirklich ein

schönes Wort gewesen, ein schönes, schönes.«

Und damit hatte der Herr Regierungsrath den Hut auf den Kopf gesetzt

und war hinausgegangen, und es hätte ausgesehen, meinte Herr Kurzer,

als hätte er vergessen gehabt, daß Herr Kurzer oder sonst noch Jemand

auf der Welt gewesen wäre.

Möglicher Weise war es bald nach dieser Unterhaltung des alten Graumann

mit dem Weinhändler Kurzer, jedenfalls in einem Winter, als ich seine

nähere Bekanntschaft machte.

Eine sonderbare Begebenheit bot den Anlaß dazu:

Vom Nachmittagsspaziergang zurückkehrend, ging ich den hohen Damm

entlang, der die Straße der Vorstadt, in deren Zeile die Wohnung des

Regierungsraths lag von tief gelegenen Wiesen auf der anderen Seite

trennte. Der vorüberfließende Strom überfluthete das flache Gelände;

die Wiesen bildeten das Schlittschuhlaufgebiet der Stadt. An jenem Tage

lag tiefer Schnee; die Eisbahn aber war glatt gefegt und wimmelte von

fahrendem Volk.

Das Haus, in welchem der alte Graumann wohnte, lag etwas von der

Straßenflucht zurückgerückt; ein Vorgarten befand sich davor, und in

diesem Vorgarten sah ich, indem ich näherkam, zwei Kinder, einen Knaben

und ein Mädchen, damit beschäftigt, einen Schneemann zu bauen. Je

lauter von der Eisbahn her das Gewirr und Gelärm vergnügter Stimmen

ertönte, um so stiller ging es auf dieser Seite zu, wo die beiden

Kleinen, offenbar armer Leute Kinder, emsig und wortlos ihrem Werke

oblagen.

Neid · 第 1 / 8 段