Da seufzte die Bäuerin.
Nach dem Mittagessen schlug Rudolf der Mutter vor, in die Stadt zu
gehen. Die wehrte ab.
»Nit unter die vielen Menschen, Rudolf.«
»Gut. Dann gehen wir nach dem Parke.«
Grete Frieders ging in das Geschäft und nahm ihr Kindchen mit.
Und nun saßen sie auf der Bank am Teichrande, Rudolf Korn und seine
Mutter. Über ihnen breitete eine Blutbuche ihr dichtes Dach aus, vor
ihnen plätscherten die Wellen des Teiches leise an das Ufer.
»Nun erzähle von daheim,« bat Rudolf. »Wie weit sind sie mit der
Heuernte?«
»Fertig. Das Mariele hat alle Tage mitgeholfen.«
»Von der kannst du mir nachher erzählen. -- Sie sind fertig? Das Wetter
war gut, aber sie müssen sich doch tüchtig dazugehalten haben. -- Wie
steht das Korn?«
»Gut, Rudolf. Ich wüßte nit, daß es einmal besser gestanden hätte.«
Sie plauderten, und Mutter Korn mußte die ganze Heimatflur vor dem
lauschenden Sohne aufbauen. Das freute und beruhigte sie. Rudolf war
kein Stadtmensch, er war Bauer.
»Und wie ist es mit dem Vater?« fragte er.
»Du mein, wie soll es sein? Nit wie immer, das kann ich dir sagen. Wenn
er das Wort ungesagt machen könnte, er tät's lieber heute als morgen,
aber es geht halt nit.«
Dazu schwieg Rudolf und sah vor sich hin.
»Mit dem Mariele ist er wie sonst. Was er machen wird, weiß ich nit,
aber daß es gut wird, das weiß ich.«
»Ist bloß ein bissel teuer bezahlt,« grollte Rudolf.
Die tapfere Frau aber wußte es besser. »Das kommt auf dich an, Rudolf,
und für das, was du jetzt vorhast und machst, ist der Vater nit mehr
verantwortlich. Von ihm aus soll ich dir sagen, du möchtest heimkommen.«
»Kann ich jetzt nit.«
»Weil du nit willst. Das hast du von deinem Vater, bloß daß der's
herauspoltert, und du verbeißt es dir. Im übrigen ist einer wie der
andere.«
»Nein, Mutter. Es ist nit Dickköpfigkeit und, ich muß es dir sagen, es
ist auch nit, daß ich dem Vater böse wäre. Wenn er jetzt sagte: Das
Mariele hat das Geld beieinander, oder: Ich nehme mein Wort zurück, ich
käme doch nit heim. Unter einem Jahr nit. Mutter, die Zeit ist wahrlich
nit leicht. Was man auf dem Dorfe löffelweise kriegt, das kriegt man
hier mit dem Eimer -- -- --«
»Und verdirbt sich den Magen.«
Rudolf zuckte die Achseln. »Ein bissel vielleicht manchmal, aber ich
kann es vertragen.«
»Was willst du denn damit, daß du die Stadt kennenlernst? Du wirst
einmal der Hohlofenbauer, hast dein Gewisses, und das andere braucht
dich nit zu scheren.«
»Ich hab's nit gewollt, daß ich in ~dem~ Wasser schwimmen lernte,
der Vater hat's auch nit gewollt, es ist gekommen. Du bist es gewesen,
die zuerst von der Lehrzeit geredet hat und hast damit das richtige
gesagt. Ich werde kein schlechter Bauer sein, wenn ich heimkomme, aber
ich werde einer sein, der, wenn sie die Stadtleute schlecht machen,
hintreten und sagen kann: So ist's nit.«
»Soll das was nutzen, Rudolf?«
»Schaden tut's wenigstens nit. Es ist halt, wie's ist. -- Und -- was
macht das Mariele?«
»Das weißt du doch. Sie schreibt dir ja wohl jede Woche ein paar
Briefe,« sagte Korns Mutter lächelnd.
»So schlimm ist's nit, aber sie schreibt mehr als ich. Hat halt auch
mehr Zeit.«
»Umgekehrt wäre richtig. Du hast mehr Zeit, aber das Mariele ist besser
beieinander als du. -- Der junge Lehrer sieht recht krank aus.«
»Was willst du auf einmal mit dem?«
»Ach, nix weiter.«
»Hab schon manchmal gedacht, er hat die Schwindsucht.«
»Hat er, Rudolf, und wird nit mehr lange machen.«
»So böse ist's schon?«
»Wird wohl so sein. Nun paß auf: Er weiß, daß er sterben muß, und -- er
hat das Mariele gern. Wäre er gesund, müßtest du es mit ihm aufnehmen.«