Da schoß seinem Herrn das Blut zu Kopfe. Harte Worte quollen ihm im
Halse empor. Er schwankte einen Augenblick, und sein Gesicht veränderte
sich. Es war, als erwache er. Wortlos steckte er das Geld wieder in die
Tasche und trat in das Haus.
Am anderen Tage war er der kurzangebundene Mann, der er immer war.
Rudolf hatte wenig zu tun und war nun innerlich so weit mit sich fertig
geworden, daß er heim schreiben konnte. Er schrieb an die Eltern und an
das Mariele.
* * * * *
In Schönbach war die Heuernte in vollem Gange. Der Hohlöfner war am
Donnerstag früh mit dem Knechte und den beiden Mägden im Morgengrauen
nach der Bodenwiese gegangen und hatte schon von weitem hinübergesehen,
ob das Mariele da sei. Es hatte wie Spott um seine Mundwinkel gezuckt,
als die suchenden Augen das Mädchen nicht fanden. Aber siehe da, als er
auf die Erlen zuschritt, trat ihm das Mariele entgegen.
»Guten Morgen.«
»Guten Morgen. -- Dunnerlichting, das ist ja wie bei dem Hasen und dem
Swienegel.«
Das Mariele lachte lustig auf, und der Bauer fragte, was da zu lachen
sei.
»Ja,« entgegnete das Mädchen, »ich weiß doch nit, was ~ich~ nun
dabei bin.«
Der Hohlöfner nahm den Scherz nicht krumm. »Aufs Maul bist ~du~
nit gefallen.«
»O ja. Hab mir sogar als kleines Mädel einmal einen Zahn eingeschlagen.«
Darauf ging der Bauer nicht ein. Er lupfte seine Mütze. »Wollen wir
in Gottes Namen anfangen. Mariele, du mähst hinter mir.« Und der Mann
holte mit seinen langen Armen aus, als wolle er die ganze Wiese mit
ein paar Hieben herunter haben. Er federte in den Gelenken, stand
breitbeinig, stämmig wie ein Baum; der Tau sprühte, Gräser und Blumen
sanken. Als er etliche Schritte voran war, setzte das Mädchen ein.
Soweit auch der Hohlöfner ausholte, den Spaß, Marie Berteles klein
zu kriegen, erlebte er nicht. Die Entfernung zwischen ihr und ihm
vergrößerte und verringerte sich nicht. Breit lagen die Schwaden
auf dem Grunde. Stare kamen und lasen Regenwürmer und Käfer auf,
schwarzröckige Amseln äugten scheu aus gelbgeränderten Augen und
suchten mit den Staren um die Wette. Langsam stieg die Sonne über
den Tannenberg, und der Hohlöfner begann, mit dem Hemdärmel die
schweißnasse Stirn zu wischen.
Als die Turmuhr sieben schlug, kam die alte Henriette, die auf dem
Hohlofenhofe ab und zu ging, ohne da ständig zu arbeiten, mit dem
Kaffee. Unter den Weiden am Bache tranken die Mäher. Der Hohlöfner
aber machte ein grimmiges Gesicht, weil er nicht pfeifen wollte. Die
Kleinmagd schwatzte und kicherte.