»Derselbige. Ist heute in die Stadt gegangen.«
»Was will er da?«
»Ich hab ihn fortgeschickt.«
»Des Mariele wegen?«
»Das hat mit dem Mariele nix zu tun. Das war lange ausgemacht. Er soll
sehen, wie's andre treiben.«
»Was geht das den Bauern an?«
Und der Hohlöfner in gemachtem Zorn: »Das ist's ja eben, daß jeder
tut, als ginge ihn der andre nix an. Guckt jeder bloß auf seinen
Misthaufen. Solche Leute kann die heutige Zeit nit brauchen. Schmeißt
einer immer dem anderen an den Kopf, wie gut es ~ihm~ ginge,
und weiß keiner wirklich vom anderen, wo den der Schuh drückt. So
kommen wir nit zusammen. Heute nit und niemals. Meinst du, es wäre
mir leicht gefallen, den Rudolf jetzt zu entbehren? Aber ich tu's. Er
soll hinaus unter fremde Leute. Gerade wem's der Herrgott so kommod
gemacht hat, der soll sehen, wie sauer es dem andern wird. Erben ist
kein Kunststück. Aber das ist ein Kunststück, das, was einer erbt, zu
begreifen. Hab mein Lebtag ~den~ Bauern nit gemocht, der großartig
Viere lang gefahren ist, und der auf dem Bocke gesessen hat, als müsse
selber der Herrgott den Hut vor ihm ziehen. Kann die Hanswürste nit
leiden. -- Ich bin der erste in Schönbach, mein Junge soll's wieder
werden, aber nit, weil er mich beerbt und weil er unser Einziger ist,
sondern weil er sich hat die Nase putzen lassen und nit beiseite guckt,
wenn ein armer Teufel mit dem Hundewagen daher kommt. Paßt gut, daß
ich grade dir das sagen kann, Ender. Nun weißt du Bescheid. Mach damit,
was du willst.«
»Mußt du mir gleich den Morgen verderben, Hohlöfner?«
»Hab ich nit gewollt und habe ich nit gemacht. Deinem Gesicht nach hast
du gar nix von dem schönen Morgen gesehen. Nun mach die Augen auf, guck
über dich, nit immer bloß auf die Steine im Wege. Hätt'st mich um ein
Haar nit gesehen, und ich bin lang und breit genug. -- Grade dir hab'
ich's sagen wollen, daß du siehst, daß der Hohlöfner ein Mensch ist,
der was verlangt und der auch -- was geben kann. Fahr zu, Nachbar.«
Die Kühe zogen an, Heinrich Korn schlenderte seines Weges weiter und
pfiff leise vor sich hin.
Daheim traf er seine Frau am Frühstückstische. Sie empfing ihn mit
ernstem Gesicht, er setzte sich mit ernstem Gesicht ihr gegenüber.
Schweigend tranken sie ihren Kaffee. Als sich die Bäuerin erheben
wollte, langte der Mann über den Tisch und nahm ihre Hand.
»So geht das nit, Mutter.«