»Ja, Vater, das war unser Junge, so ehrlich und so gut, wie er ist. --
Und nun, Vater, tu mir die Liebe und rede dich aus. Was ist gewesen?«
»Was soll gewesen sein? -- Nix ist gewesen.« Und langsam wieder der
Alte werdend: »Soll ich mir Vorschriften machen lassen? Nehme ich
den Hof mit? Ist es zu viel verlangt, daß die künftige Hohlöfnerin
fünftausend Taler mitbringen soll?«
»Vater, warum hast du ~mich~ geheiratet? Soll ich jetzt, nach
siebenundzwanzig Jahren, hören, daß du mich bloß genommen hast, weil
ich Geld hatte?«
»Mutter, red kein dummes Zeug.«
»Ich laß nit nach, Vater, ich will wissen, warum du ~mich~ gefreit
hast. Hättest du mich auch genommen, wenn ich so arm gewesen wäre wie
das Mariele?«
»Himmel, Herrgott!«
»Laß das Fluchen! Ich kenn dich besser, als du denkst. Mir machst
du nix vor. Ich werde auch noch hinter das kommen, was dich heute
kopfscheu macht. -- Also du hast das Geld geheiratet, nit mich?«
Der Bauer sprang auf, rannte hin und her, tobte, fluchte, wütete
gegen sich selber, bis es ihm herausfuhr: »Der Hund! Das will ich ihm
gedenken!«
Minna Korn nickte, lächelte ein ganz klein wenig bitter, aber sie blieb
beharrlich. »Keine Antwort ist auch eine Antwort.« Und, auch ein wenig
schauspielernd: »Ist bitter, das nach beinahe dreißig Jahren zu hören,
wo ich dich doch so -- --«
»Hör auf, Mutter! Siehst du denn nit, daß ich nit anders kann?
Ich sitze doch fest wie der Fuchs im Eisen. Ich kann nit anders!
Fünftausend Taler! Das Mariele -- --« Er knallte die Tür hinter sich
zu, nach dem Garten zu gehen, traf im Hausflur den Sohn, der, zum
Ausgehen gerüstet, die Treppe herabkam.
»Wohin willst du jetzt?«
»Ich geh zum Mariele.«
»Willst du dich und mich dem ganzen Dorfe zum Spott machen?«