Der Mahakam in seinem Ober- Mittel- und Unterlauf--Bewohner
des Mahakamgebietes--Vorgeschichte der Stämme--Stellung
und Einfluss der Fremden--Ursprüngliche Bewohner am oberen
Mahakam--Vorherrschaft der Long-Glat--Kwing Irang und dessen
Stellung unter den übrigen Häuptlingen--Verkehr und Handel
unter den Stämmen--Selbständigkeit der Stämme--Verteilung der
Ländergebiete--Bestimmungen in bezug auf Feld- und Waldfrüchte,
Buschprodukte, Jagd und Fischfang--Industrie--Verkehr mit den
Nachbarländern--Handel und Handelswege.
Der Mahakam (im Malaiischen; Mekám im Busang) ist von den Strömen
Borneos, die sich an der Ostküste ins Meer ergiessen, der grösste. Er
entspringt unter dem Namen Selirong an der südwestlichen Seite des
Batu Tibang, eines wahrscheinlich vulkanischen Berges, der sich in der
Fortsetzung des Ober-Kapuas-Kettengebirges, das aus alten Schiefern
besteht, erhebt. Der Mahakam folgt anfangs einem Längstal dieses
Gebirges, aber bald nachdem sich der Selirong mit dem Seliku, einem
zweiten Quellflüsschen, das auf dem Lasan Tujan entspringt, auf 550
m Höhe vereinigt hat, bricht der Fluss in südwestlicher Richtung der
Reihe nach durch alle Ketten des Gebirges hindurch. Bis zur Mündung
des Howong, auf etwa 300 m Höhe, behält der Mahakam diese Richtung
bei, wendet sich hier, in gleicher Entfernung von dem Batu Lesong,
ungefähr gerade nach Osten und biegt dort, wo dieses Sandsteingebirge
sich unter dem Namen Batu Ajo nach Süden fortsetzt, ebenfalls nach
Süden. An der Biegung bei Long Tepai hat sich der Fluss durch die
weissen Hornsteinschichten, auf denen das Sandsteingebirge liegt,
nur ein schmales 15-40 m breites Bett erodieren können, während das
Flussbett oberhalb Long Tepai an einigen Stellen eine Breite von 200
m erreicht.
An der Verengung bildet der Mahakam eine lange Reihe von Wasserfällen,
die von oben nach unten folgende Namen tragen: Kiham (Wasserfall im
Busang) Ulu, Kiham Hida, Kiham Nub, Kiham Lobang Kubang, Kiham Binju,
Kiham Kenhè. Unterhalb dieser verengten Stelle verbreitert sich das
Flussbett über eine ausgedehnte Strecke, bis beim Kiham Udang der
Fluss wiederum nur 30 m breit wird, während noch weiter unten, beim
Kiham Halo auf 100 m Höhe, die Wassermassen sich über eine Entfernung
von über 2000 m durch eine Verengung, die zwischen 20-50 m breit und
zwischen Sandsteinbergen gelegen ist, hindurchzwängen. Obwohl noch eine
Strecke weit von Hügeln beengt, erreicht der Fluss doch bald wieder die
normale Breite und wird von Long Bagung an auch nicht mehr stark durch
Berge verengt. Während daher der oberhalb Long Bagung gelegene Teil
des Mahakam nur unter günstigen Verhältnissen für die eigenartigen
Böte der Eingeborenen schiffbar ist, können bis zu dieser Stelle,
ausser bei sehr niedrigem Wasserstande, kleine Dampfböte den Fluss
hinauffahren. Bereits bei der Mündung des Merah beträgt die Breite des
Flusses 300 m und nimmt nach unten hin immer mehr zu. Nur bei Uma Mehak
Teba, wo der Strom sich um eine Hügelreihe windet, wird er noch einmal
100 m breit, später jedoch nicht wieder. Erst dort, wo die südöstliche
Richtung in eine östliche übergeht, jenseits des Gunung Sindáwar,
wird das Land zu beiden Flussseiten zu einer alluvialen Tiefebene,
auch erhebt es sich nicht hoch über dem Meeresspiegel. Das Land
behält aber nicht den gleichen Charakter bis zur Mündung bei, denn
die ganze Ostküste von Borneo wird nach Süden, bis zum Pasirfluss,
durch eine Gebirgskette begrenzt. Durch diese Gebirgskette muss der
Fluss sich hindurcharbeiten, bevor er sich in zahlreichen Mündungen
ins Meer ergiessen kann.
Betrachten wir uns den Oberlauf des Mahakam näher, so zeigt es sich,
dass er so lange die südwestliche Richtung beibehält, als er sich in
der Fortsetzung des Ober-Kapuas-Kettengebirges befindet, beim Howong
jedoch wird er gezwungen, sich nach Osten zu wenden, da er dort
auf das vulkanische Gebiet stösst, dessen wichtigste Erhebungen der
Lekudjan, Penaneh und Menetokai sind, und auf die Sandsteinformation,
in welcher nach Osten hin der Batu Lesong die Hauptkette bildet.
Von der Vereinigung des Selirong und Seliku an bis zur Mündung des
Howong fällt der Fluss in seinem sehr geraden Lauf von 550 auf 300 m
über dem Meeresspiegel. Da das Quertal überall eng ist, behält der
Mahakam in diesem Gebiet ganz den Charakter eines Bergstromes, der
nur bei niedrigem Wasserstande befahrbar ist und in welchem grosse
Wasserfälle, wie der Kiham Matandow (Sonnenfall), die Reise sehr
gefahrvoll machen.
Die Ufer bestehen, ausser auf kurzen, ebeneren Strecken, aus steilen
Schieferwänden; im Flussbett selbst kommen nicht wie weiter unterhalb
grosse Geschiebeablagerungen vor, die an den Ufern oder in der Mitte
Geröllbänke bilden.
Da, wo der Fluss in der Richtung des Sandsteingebirges Batu Lesong
im Süden und des Batu Apap Kaju Hun und Ong Dia im Norden nach Osten
strömt, ändert sich sein Charakter. Bis Long Tepai kommen eigentliche
Wasserfälle nicht vor, obgleich der Höhenunterschied zwischen Long
Howong und Long Blu-u noch 100 m beträgt. Die grössten Hindernisse für
eine Bootfahrt bilden auf dieser Strecke die Stromschnellen und die
unterhalb der konvexen Uferseite gelegenen Geröllbänke. Der gewundene
Lauf des Flusses zwischen Long Blu-u und Pahngè lässt bereits andere
Verhältnisse vermuten. Von dem Gipfel des Batu Mili aus sieht man
denn auch, dass sich das Flusstal nach Osten verbreitert; nur einige
Hügel nähern sich den Ufern und am Horizont erscheinen die Berge
Batu Niaan, Batu Boh und Batu Ajo. Auch eine Fahrt auf dem Flusse
zeigt ein verändertes Bild; der Fluss hat hier sein Bett in seine
alten Ablagerungen, viele Meter dicke Geröll- und Sandschichten,
gegraben und zahlreiche kleine, bewachsene Geröllinseln erschweren
die Fahrt auf dem Flusse.
Diese Flussablagerungen enthalten zahlreiche Schichten mit
Pflanzenresten und haben ihr Entstehen dem Umstande zu danken,
dass der Fall zwischen Blu-u und Tepai nur 20 m beträgt, während die
grosse Enge des Bettes unterhalb Tepai durch Stauung bei Hochwasser
auf die Stosskraft des Flusses sicher einen schwächenden Einfluss
übt. Bei Lulu Njiwung ist die Anzahl kleiner Geröllinseln besonders
gross. Unterhalb Long Tepai stösst der Mahakam auf das Bergmassiv,
das nach Westen in den Pajang ausläuft; er windet sich hier durch
zwei enge Täler nach Süden und bildet dabei zwei Reihen grosser
Wasserfälle. Auf dieser Strecke ist der Fall des Flusses ein sehr
bedeutender, er beträgt zwischen Long Tepai und Kiham Halo 80 m.
Nach der ersten, westlichen Reihe Wasserfälle folgt ein breiterer
Teil des Flusses, an dem er den Bo aufnimmt, der, aus einem grossen
Stromgebiet kommend, dem Mahakam 1/3 seiner Wassermenge zuführt.
Den verhältnismässig ruhigen Charakter dieser Strecke behält der Fluss
bis Long Deho, wo bei Kiham Udang wiederum sehr enge Stellen folgen,
da der Fluss die mächtigen Konglomeratblöcke, die in seinem Bette
liegen, nicht hat entfernen können. Der Kiham Udang wird gänzlich
aus diesen Blöcken gebildet, welche von den Konglomeratschichten
aus rundem Griess abgebröckelt sind, die zu beiden Uferseiten
mit Sandsteinschichten abwechselnd eine Mächtigkeit von 10-30 m
erreichen. Der weiche Sandstein wurde vom Flusse weggeführt, während
die Konglomeratmassen liegen blieben. Dass derartige Verengungen auf
den Strom einen grossen Einfluss ausüben können, ersieht man daraus,
dass der Fluss bei Long Deho im Jahre 1897 in zwei Tagen 15 in stieg,
in 3 Tagen aber wieder seinen normalen Stand erreichte.
Unterhalb Long Bagun hat der Fluss für seinen gewundenen Lauf eine
breitere Ebene, die er sich selbst aus seinen Ablagerungen von Griess
und Sand geschaffen hat, zu seiner Verfügung. Zwischen der Mündung
des Mera und Ma Mehak Teba liegen besonders viele Inseln, die alle
durch abgesetztes Geschiebe entstanden sind. Da Ana nur noch 50 m
über dem Meeresspiegel liegt, ist der Fall des Flusses weiter unten
nicht mehr bedeutend.
Griessbänke kommen noch bis Ana vor, aber der Mahakam betritt erst
bei Gunung Sindáwar die ausgedehnte Tiefebene von Kutei und erhält
erst von hier an den Charakter eines Unterlaufs.
Das weite, gänzlich flache Gebiet nördlich und südlich vom Mahakam,
das den grössten Teil des Binnenlandes von Kutei ausmacht, scheint in
früherer Zeit ein grosses Wasserbecken gewesen zu sein, das durch den
Mahakam und seine Nebenflüsse allmählich angefüllt und dann durch die
Vegetation überwuchert worden ist. Als Überbleibsel dieses Beckens sind
zu beiden Seiten des Flusses eigenartige Seeen zurückgeblieben. Diese
tragen mit ihrer runden Form und grossen Oberfläche einen ganz anderen
Charakter als die länglichen, gewundenen, kleinen Seeen, die in der
"Wester-Afdeeling" zu beiden Seiten des Kapuas vorkommen und einen
Teil des früheren Flussbettes darstellen. Obwohl ein Teil des Mahakam,
vom Blu-u bis Long Pahngè, nach Auffassung von Professor _Molengraaff_,
der Art seiner Geschiebeablagerung wegen nicht als Oberlauf betrachtet
werden sollte, muss es doch aus praktischen Gründen zweckmässig genannt
werden, den Teil des Mahakam oberhalb Long Bagun als Oberlauf zu
bezeichnen. Die ausgedehnten Geröll- und Griessablagerungen unterhalb
dieses Ortes stempeln den folgenden Teil zum Mittellauf; während der
Lauf des Flusses durch die Alluvialebene unterhalb Gunung Sindawar
alle Eigentümlichkeiten eines Unterlaufs aufweist. Nur wird der Fluss
an der Küste durch eine Hügelkette gezwungen, erst durch sie hindurch
zu brechen, bevor er sein Delta bildet.
Dass die Bevölkerung am oberen Mahakam aus Bahaustämmen besteht,
die alle in den letzten zwei Jahrhunderten aus dem hoch gelegenen
Gebirgsland Apu Kajan ausgewandert sind, ist bereits an anderer Stelle
berichtet worden.
In dem Quellgebiet des Mahakam trifft man bis zum Kiham Matandow
nur unberührten Urwald, in dem einige kleine Gruppen von Bukat
umherschweifen. Sie gehören dem Bukatstamme an, der in den Gebieten
des oberen Kapuas, oberen Mahakam und Njangejan zu Hause ist. Da sie
in jedem Jahr und zu jeder Jahreszeit ihren Aufenthaltsort wechseln,
wissen selbst die ansässigen Bahau oft nicht genau, wo sie sich gerade
befinden. Sie stehen mit den übrigen Nomadenstämmen, die sich unter
dem gleichen Namen von Bukat oder Punan am Serata, Boh und am Kapuas
im Flussgebiet des Gung, Kréhau und Mendalam aufhalten, in Verbindung.
Vor dem Kriegszug der Dajak aus Serawak im Jahre 1885 wurde das
Flussgebiet des Mahakam, vom Kiham Matandow bis zum Sumwé, von
verschiedenen Niederlassungen des Pnihingstammes bewohnt. Diese
Niederlassungen wurden damals jedoch alle verwüstet mit dem Resultat,
dass sämmtliche Bewohner den Hauptstrom abwärts zogen und sich in den
ersten Jahren am Danum Parei östlich vom Kajangebiete niederliessen
und später, ungefähr 1893 und 1894, zwei Wohnplätze im Gebiete der
Kajan selbst gründeten, den einen an der Mündung des Sumwé unter
dem Häuptling _Belarè_, den anderen dicht daneben zu Long 'Kub,
unter den Häuptlingen _Erang Paren_ und _Tingang Kohi_. Nach dem Tode
des ersteren liess sich letzterer im Jahre 1901 wieder oberhalb der
Mündung des Kaso nieder.
Die Dörfer an den Nebenflüssen wurden von den Serawakischen Dajak
verschont, so z.B. dasjenige am Howong unter _Amun Lirung_ und das
am Penaneh unter Kaja, dem Bruder _Amun Lirungs_.
Die Bewohner des Hauses an der Mündung des Tjehan konnten noch, bevor
ihr Haus verbrannt wurde, flussaufwärts flüchten und setzten sich
weiter oben an der Mündung des Paketè fest, wo sie noch 1898 unter
dem Häuptling _Paren_ lebten. Seit der Zeit wohnen sie aber näher an
der Mündung des Tjehan, um Vorbereitungen für den Bau eines Hauses an
der Mündung selbst zu treffen. Am Serata, oberhalb der Wasserfälle,
die hinter dessen Mündung liegen, war die Pnihingniederlassung unter
_Njangun Diu_, in der auch viele Punan wohnten, von den Batang-Lupar
verschont geblieben.
Der Stamm der Seputan, der nicht zu den Pnihing zu gehören scheint,
sondern in seiner Lebensweise mehr Übereinstimmung mit den Bungan
Dajak zeigt, lebt im Gebiet des Kaso, teils hoch oben an diesem Flusse,
teils am Penaneh.
Fährt man den Mahakam weiter abwärts, so gelangt man in das Gebiet
der Kajan, die nach dem im Jahre 1901 erfolgten Tode ihres Häuptlings
_Kwing Irang_ unter dessen Neffen _Bang Lawing_ stehen.
Der Stamm der Kajan beherrscht den zwischen dem Sumwé und dem Dini
gelegenen Teil des Mahakamgebietes. Auch sein Haus, das sich früher
unterhalb des Blu-u befand, wurde durch die Serawakischen Dajak
niedergebrannt, worauf sich die Bewohner zerstreut auf ihren Feldern im
Gebiet des Blu-u niederliessen. Bei meiner Ankunft im Jahre 1898 bauten
sie sich bereits eine neue Niederlassung auf dem hohen Mahakamufer an
der Mündung des Blu-u. Im Lande der Kajan halten sich keine Punan auf.
Östlich vom Dini beginnt das Gebiet der Long-Glat, eines Stammes,
der sich gegenwärtig am Mahakam selbst festgesetzt hat und zwar in
Lulu Njiwung unter _Ding Ngow_, in Batu Sala unter _Paren Dalong_
und in Long Tepai unter _Bo Lea_, dessen Besitz an der Grenze des
Njian endet. Mit Ausnahme des Merasè, an dem die Ma-Suling leben,
gehört das ganze Flussgebiet den Long-Glat. Auch hier kommen keine
Punan oder Bukat vor.
Die Niederlassungen der Long-Glat unterscheiden sich insofern von denen
der Pnihing, Kajan und Ma-Suling, dass in jeder derselben mehrere
Stämme beieinander wohnen, die alle eigene Häuptlinge besitzen,
welche dem Long-Glat-Häuptling gehorchen müssen. Diese Verhältnisse
bestehen seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts, wo die Long-Glat am
oberen Mahakam eine grosse Macht entwickelten und unter den zwei
Häuptlingsbrüdern _Bo Ibau_ und _Bo Ledju Aja_ alle dort ansässigen
Stämme unterwarfen. Die kleineren Stämme, wie die Ma-Tuwan, Ma-Tepai,
Ma-Manok-Kwe und Batu-Pala wurden von ihnen gezwungen, mit ihnen
zusammen zu wohnen, um ihre Anzahl zu vergrössern. Seit der Zeit
teilten sich diese Stämme, sobald sich die Long-Glat teilten. Obwohl
sie viel von den Long-Glat übernommen und sich auch durch Heirat mit
diesen vermischt haben, hat sich doch noch vieles aus der Zeit ihrer
Selbständigkeit bei ihnen erhalten. Sie haben sich ihre Sprache,
ihren Häuserbau und ihren Gottesdienst ein Jahrhundert lang bewahrt,
auch besitzen einige Stämme eine eigene Art der Tätowierung. Jeder
dieser Stämme wohnt in seinem eigenen, langen Hause neben dem der
Long-Glat, so dass man in einem Dorfe, das vielleicht 1-2 Hektare
umfasst, 3-4 bisweilen sehr verschiedene Sprachen reden hört, beim
Ackerbau sehr verschiedene Zeremonien, Verbotszeiten und Vorzeichen
beobachten sieht und, besonders bei den Frauen, verschiedene Arten
der Tätowierung feststellen kann.
Allen Sprachen, die in einer Niederlassung gesprochen werden, die
allgemeine Umgangssprache, das Busang, mit einbegriffen, liegt der
gleiche Stamm zu Grunde. Dem Laute nach weichen diese Sprachen aber
sehr von einander ab; das Long-Glat z.B. ist den anderen Stämmen so
fremd, dass die Bahau etwas Unverständliches als "_dahaun_ Long-Glat" =
"Sprache der Long-Glat" bezeichnen. Im gegenseitigen Verkehr benützt
man das Busang.
In Lulu Njiwung wohnen die Long-Glat jetzt mit den Ma-Tuwan und drei
anderen, kleineren Stämmen zusammen; in Batu Sala leben die Long-Glat
mit den Ma-Tuwan und Uma-Tepai; in Long Tepai leben ausser den 3
letzten auch noch Manok-Kwe und Batu-Pala.
Die Ma-Suling und die Ma-Pagong haben sich im Merasègebiet in zwei
Dörfern gemeinsam niedergelassen, bei Napo Liu (oberhalb der Insel)
dicht bei der Flussmündung, und weiter oben in Lulu Sirang. Diese
beiden Dörfer waren früher Jahrzehnte lang vereinigt gewesen,
aber im Jahre 1896 trennten sie sich derart, dass jetzt in beiden
sowohl ein Haus der Ma-Suling als eines der Uma-Pagong steht. Die
Niederlassung von Napo Litt regiert der Häuptling _Ledju Li_ und die
von Lulu Sirang der Häuptling _Bo Ngow_. Am Mendalam und in den beiden
Niederlassungen am Merasè wohnen die Uma-Pagong mit den Ma-Suling
zwar gemeinschaftlich, aber, so viel mir bekannt, in gegenseitiger
Unabhängigkeit.
Nach ungefährer Schätzung beträgt die Seelenzahl bei den Seputan 500,
den Pnihing 1500, den Kajan 800, den Ma-Suling mit den Uma-Pagong 1300,
den Long-Glat 1600 und den Nomadenstämmen 400, so dass die Bevölkerung
am oberen Mahakam oberhalb der Wasserfälle ungefähr 6000 Seelen stark
sein muss.
Neben dieser eigentlichen Bevölkerung halten sich im Gebiet des
oberen Mahakam bei allen Stämmen, die ihnen Zuflucht gewähren,
d.h. bei allen ausser den Pnihing, zahlreiche Fremde auf.
Diese sind hauptsächlich Malaien oder, besser gesagt, Mohammedaner
verschiedener Blutmischung und Dajak aus anderen Gegenden, die sich
hier vor allem mit dem Sammeln von Buschprodukten befassen. Unter
den Malaien befinden sich viele, die ihr eigenes Land in der Nähe der
Küste Verbrechen oder Schulden wegen verlassen und bei den Bahau Schutz
gesucht haben. Die zahlreichen Arten Guttapercha und Rotang, die am
oberen Mahakam zu finden sind, lockten mit der Zeit immer mehr Fremde
heran. Besonders unter dein gutmütigen, rechtschaffenen Häuptling
_Kwing Irang_ erschienen viele malaiische Buschproduktensammler,
die aus dem Gebiet des oberen Murung gebürtig waren; ihr Häuptling
_Temenggung Itjot_, ein Nachkomme des von dem Krieg mit Bandjarmasin
her bekannten _Antassari_, erhielt jedoch von den Kajan kein
Niederlassungsrecht und durfte daher auch nicht mit einer Tochter aus
der Häuptlingsfamilie in die Ehe treten. _Itjot_, der sich mit den
Seinen verfeindet hatte, zog zu den Ma-Suling an den Merasè, heiratete
dort die Tochter eines vornehmen Häuptlings und lebte seit 1893 in der
neuen Heimat. Es sammelten sich um ihn die Buschproduktensucher, von
denen sich viele gleichfalls eine Frau unter den Ma-Suling wählten,
und beuteten die Wälder am Merasè aus, die sehr gross und reich
an Buschprodukten waren. Nachdem sie die Wälder erschöpft hatten,
zogen die meisten nach anderen Gegenden. Unter anderem suchten sie
bei den Long-Glat in Long Tepai, Batu Sala und Lulu Njiwung Einfluss
zu gewinnen, um sich in ihren Gebieten der Buschprodukte bemächtigen
zu können; sie konnten aber, hauptsächlich beim Häuptling _Bo Lea_,
ihre Raubpolitik nur mit grosser Vorsicht betreiben. Die meisten
durften nicht einmal in einem Dorfe längere Zeit wohnen bleiben. Der
energische Pnihinghäuptling _Belarè_ verstand diese für die Stämme
gefährlichen Gäste sogar fast gänzlich fernzuhalten.
Der Wunsch der Häuptlinge, den Stamm nach. Möglichkeit zu vergrössern
und das Ansehen, das sich die Fremden durch wirkliche oder vorgegebene
Talente als Medizinmänner und Handwerker zu geben wissen, erleichtern
den Fremden im allgemeinen die Aufnahme unter den Bahau.
Das Verhältnis zwischen Malaien und Dajak ist darin eigentümlich,
dass einige Häuptlinge die Malaien gänzlich abzuwehren trachten,
in dessen sie bei anderen zu hohem Ansehen gelangen. Von Einfluss
ist hierbei die grosse Bewunderung, die sie bei den jungen Mädchen
erregen. Viele Malaien sind daher auch mit den vornehmsten oder
schönsten Mädchen der Stämme, in denen sie sich gerade aufhalten,
verheiratet. In der Regel lassen diese Männer ihre Frauen, sobald
ihre Existenz mühsamer wird, einfach im Stich und ziehen zu anderen
Stämmen oder in andere Gebiete. Das geschah u.a. bei den Ma-Suling,
als der Guttapercha am Merasè sein Ende erreichte.
Zu den Bahau, die aus dem Apu Kajan gebürtig sind, gehören zweifellos
die Kajan, Ma-Suling und Long-Glat. Die Pnihing schreiben sich zwar
gern den gleichen Ursprung zu, wahrscheinlich aber mit Unrecht. Erstens
ist es gewiss, dass sie aus dem Gebiet des oberen Kapuas, wo noch
ein kleiner Teil Pnihing wohnt, in das Tal des Mahakam gezogen sind
und dass sie seit dieser Zeit ständig in dessen Quellgebiet gelebt
haben. Zweitens haben die Pnihing einen viel kräftigeren Körperbau
und andere Sitten als die übrigen Stämme am Mahakam. Sie können nicht,
wie die Bahau, Schwerter schmieden und in Holz und Knochen schnitzen;
ihre Männer und Frauen tätowieren sich nur wenig, unsystematisch,
augenscheinlich als Nachahmung anderer Stämme; Kriegstänze, die unter
den Bahau allgemein üblich sind, kennen sie nicht. Der Umstand, dass
sie das Fleisch der Horntiere essen, was andere Stämme nicht tun, macht
es mir besonders wahrscheinlich, dass sie eher zu den Kapuasstämmen als
zu den Bahau gerechnet werden müssen. Ihre Sprache ist mir unbekannt.
Die Pnihing gehören vielleicht zu der Bevölkerung, die im Gebiet des
Mahakam wohnte, bevor die Bahau hier eindrangen. Diese berichten,
dass sie das Land von Stämmen eroberten, die Pin-Metjai, Nè-Kiham,
Pin-Buwat, Pin-Kunjong, Ten-Nean, Pera-Téran, Nè-Berang und Pin-Bawan
hiessen.
Alle diese Stämme flohen durch das Kasotal, teils nach dem Kapuas,
teils nach dem Barito. Die Ot-Danum am Miri, einem Nebenfluss
des Kahajan, werden noch mit Sicherheit als Nachkommen dieser
Stämme bezeichnet. Zu ihnen begeben sich die Mahakambewohner auch
vorzugsweise, um Köpfe zu jagen. Man schreibt diesen Urbewohnern
alle Überreste aus früheren Zeiten zu, hauptsächlich die Steine mit
Figurenzeichnungen am oberen Mahakam. Den einen, im Tjehan, suchten
wir auf; ein zweiter liegt auf dem Abhang am Auer Kebalan unterhalb
Long 'Kup und ein dritter im Fluss vor der Mündung des Danum Parei;
letzterer kommt nur bei niedrigem Wasserstande zum Vorschein.
Auch die steinernen Gerätschaften und Tempajan, die beim Fällen der
mächtigen Wälder am Blu-u gefunden wurden, sind wahrscheinlich diesen
Stämmen zuzuschreiben. Als lebende Beweise ihres Bestehens können die
zahlreichen Sklaven der Mahakamstämme gelten, welche alle in den damals
geführten Kriegen erbeutet wurden. Die Überlieferung ihrer Herkunft ist
den Sklaven noch wohl bekannt und sie bleibt ihnen unter den Kajan auch
bewusst, da diese ihre Sklaven in grösserer Abgeschiedenheit halten
als die anderen Stämme. Sie fühlen sich grösstenteils noch fremd unter
den Kajan, obwohl sie, mit Ausnahme einiger später geraubter Sklaven,
alle im Stamme geboren sind, und folgen ihren eigenen Sitten, indem
sie z.B. noch Hirsche und wilde Rinder essen.
Unter den Long-Glat sind die meisten Sklaven durch Heirat in den Stamm
aufgenommen worden. Eine von dort gebürtige intelligente Sklavin,
Uniang Pon, die viel gereist war, erzählte mir, dass man die Sklaven,
ihrer grossen Anzahl wegen, unter die Stämme unterhalb der Wasserfälle
verteilt hatte, da sie sonst den Bahau hätten gefährlich werden können.
Wie gross der Einfluss der Sklaven bisweilen gewesen ist, erkennt
man daraus, dass die Kajan, die früher, nach eigener Angabe, Busang
sprachen, sich jetzt des _kehob_ Pin (Sprache der Pin) bedienen,
eines Dialektes des Busang, der durch die Sklaven verändert worden ist.
Die Bahau zogen auf verschiedenen Wegen und zu verschiedenen Zeiten
zum Mahakam, der sie, der Überlieferung nach, durch seinen grossen
Fischreichtum angelockt haben soll.
Die Ma-Suling und Ma-Pagong zogen mit denjenigen, die jetzt am
Mendalam wohnen, aus dem Apu Kajan zuerst zum Njangejan und teilten
sich erst dort. Sie zogen teils zum Mendalam, teils zum Mahakam,
wo ihnen das grosse Kalkgebirge, in dem sich der Batu Matjan, Batu
Ulu und Batu Brok erheben, lange Zeit zum Wohnplatz diente. Auch die
anderen Bahaustämme, die jetzt bei den Long-Glat leben, hielten sich
ursprünglich dort auf. Die Batu-Pala haben ihren Namen noch vom Batu
Pala, dem kleinen Kalkplateau am Merasè in der Nähe des Batu Situn,
von wo die Long-Glat sie zwangen, zum Mahakam herunterzuziehen.
Die Kajan dagegen kamen vom Apu Kajan längs dem Boh herab, unter
Anführung des Häuptlings _Kwing Irang_, der nach seinem Tode den
Beinamen _Singa Melön_ erhielt. Sie fuhren den Mahakam hinauf, bis
zu dem Lande, in dem sie jetzt noch wohnen. Seit der Zeit wurden sie
von sechs Häuptlingen regiert, also dauert ihr dortiger Aufenthalt
noch nicht länger als 150 Jahre. Gleichzeitig mit ihnen zogen noch
viele andere des gleichen Stammes aus dem Apu Kajan fort. Nach ihrer
Überlieferung hatten sie sich, um über einen Fluss zu gelangen, eine
Brücke gebaut. Als die Vordersten das andere Ufer erreicht hatten,
bemerkten sie einen Hirsch (_pajo_) und begannen: "_pajo, pajo_"
zurufen. Die Hinteren verstanden jedoch: "_ajo_ (Kopfjagd), _ajo_"
und erschraken darüber so sehr, dass sie die Rotangtaue, an denen
die Brücke befestigt war, durchschnitten, worauf diese in den Fluss
fiel. Darauf kehrten sie für immer nach dem Apu Kajan zurück und
liessen die anderen allein zum Mahakam ziehen.
Die Long-Glat wanderten aus dem Apu Kajan am Ende des 18. Jahrhunderts
unter dem Häuptling _Ding_ aus. Streitigkeiten mit anderen Stämmen
zwangen sie zum Auszug; wahrscheinlich liegen allen anderen
Auswanderungen die gleichen Ursachen zu Grunde.
Auch die Long-Glat folgten dem Boh, aber sie lebten längere Zeit
an der Mündung (_long_) des Glat, nach dem sie auch ihren Namen
tragen. Von hier aus zogen sie zum Mahakam hinunter und liessen sich
an der Mündung des Njian nieder, von wo sie durch eine Kriegsbande
unter dem Häuptling _Ding_ aus Long Howong, am mittleren Mahakam,
vertrieben wurden. Eine Frau hatte hierzu die Veranlassung gegeben.
Darauf zogen die Long-Glat, unter Anführung der beiden Brüder
_Ibau_ und _Ledju_ über die westlichen Wasserfälle bis dicht an
die Mündung des Merasè. Diese beiden Brüder waren als Söhne des
früheren Häuptlings _Ding_ noch im Apu Kajan geboren und spielten am
oberen Mahakam viele Jahre hindurch eine grosse Rolle. Noch einmal
mussten sie, wahrscheinlich infolge ihrer eigenen Übeltaten, bis zur
Mündung des Serata flüchten, wenigstens unternahm _Ledju_ vom Serata
aus den grossen Kriegszug gegen die Turi (Taman), die am oberen
Kapuas wohnten. Sämtliche Stämme mussten sich ihm ergeben. Er fuhr
selbst den Kapuas bis Semitau abwärts und verbrannte unterwegs alle
Niederlassungen. Auch unternahm er grosse Züge nach dem Barito und
oberen Kahájan, dem mittleren Mahakam und sogar nach dem Apu Kajan,
wo er jedoch in der Nähe der grossen Wasserfälle des Batu Plakau
geschlagen wurde. Für alle dies: Kriegszüge beanspruchte er die Hilfe
aller Stämme am oberen Mahakam, die ihm tributpflichtig waren oder die
er gezwungen hatte, aus ihren Bergfestungen am oberen Serata und oberen
Merasè hinunterzuziehen. Die Ma-Suling liessen sich damals am unteren
Merasè nieder, die Ma-Tuwan mussten mit den Long-Glat zusammenziehen,
ebenso die Batu-Pala, die ein Jahr lang belagert werden mussten, bevor
man ihr Haus verbrennen konnte. Dies war überhaupt die gebräuchliche
Weise, um die Bewohner zum Auszug zu zwingen; bisweilen trug man
ihnen vorher noch ihr Hab und Gut aus dem Hause.
So zwang z.B. _Ledju_ seinen Bruder _Ibau_, der sich mit einem Teil
des Stammes von ihm geschieden hatte und auf einem Kalkplateau bei
der Mündung des Sumwé lebte, sich wieder mit ihm zu vereinigen. Die
Kalkberge tragen noch jetzt den Namen Liang Totong (_totong_ =
brennen). _Ledju_ trieb die Untertanen seines Bruders mit ihrer Habe
aus dem Hause und verbrannte dieses. Seither wohnten sie gemeinsam
in Lirung Ban, einer Ebene am Mahakam, in der Nähe der Merasèmündung.
In damaliger Zeit waren auch die Kajan und Pnihing von den
Long-Glat unterworfen und ihnen tributpflichtig gemacht worden. Die
Tributpflichtigkeit muss darin bestanden haben, dass die Long-Glat
das Recht hatten, sich an Böten und Vieh einige beliebige Stücke
mitzunehmen. Wahrscheinlich stand aber dieses Recht nur den
Häuptlingen zu. Noch gegenwärtig herrscht die Sitte, dass ein junger
Pnihinghäuptling, sobald er zum ersten Mal eine Niederlassung der
Long-Glat betritt, dem betreffenden Häuptling ein Geschenk, ein Boot,
ein Fischnetz oder einen Gong mitbringt. Übrigens sind die Stämme,
die nicht mit den Long-Glat zusammenwohnen, unabhängig. Die Kajan
erkennen die Oberherrschaft der Long-Glat nicht mehr öffentlich
an, da ihr vor kurzem verstorbener Häuptling _Kwing Irang_ aus der
Häuptlingsfamilie der Long-Glat stammte.
Die Macht der Long-Glat hat sich einerseits vermindert, weil ihr
Charakter weniger kriegerisch geworden ist, anderseits, weil der
Stamm nicht mehr beieinander blieb. Bereits _Ledju_ zog, nachdem
der ganze Mahakam oberhalb der Wasserfälle unterworfen war, mit
der Hälfte des Stammes nach dem mittleren Mahakam, unterhalb der
Wasserfälle. Er führte einen Teil der Ma-Tuwan, Uma-Wak, Batu-Pala
und anderer Stämme mit sich und überliess _Ibau_ die Herrschaft über
den oberen Mahakam. Der Auszug war durch die Heirat veranlasst worden,
welche zwischen _Ledju_ und der Tochter eines dort lebenden vornehmen
Häuptlings, namens _Owat_, stattfand, und vielleicht auch durch Mangel
an gutem Ackerboden für die zahlreichen Bahau und durch die Nähe der
Küste, die ihnen Salz, Tabak und Leinwaren lieferte. Seine Nachkommen
herrschten über alle Bahaustämme am mittleren Mahakam.
Im Jahre 1825 traf _Georg Müller_ mit _Ledju_ zusammen und wurde
von ihm über die Wasserfälle geleitet und der Sorge seines Bruders
_Ibau_ anvertraut. In gleicher Weise verfuhr man später mit mir,
bei meinem Zuge in der umgekehrten Richtung. Da in damaliger Zeit
sowohl die Kajan als die Pnihing, die _Müllers_ Geleite bildeten und
ihn beim Gurung Bakang ermordeten, unter _Ibaus_ Herrschaft standen,
ist anzunehmen, dass der Mord auf dessen Befehl stattfand. Dass der
Sultan von Kutei an dem Mord die Schuld trägt, ist unwahrscheinlich,
weil die Bahau damals von Kutei gänzlich unabhängig waren.
Bemerkenswert ist, dass nur _Müller_ ermordet wurde. Zwei seiner
Soldaten erreichten den Kapuas, die übrigen wurden als Sklaven zum
Mahakam zurückgeführt; keiner von diesen sah Java wieder. Ich erfuhr
dies sowohl durch einen Augenzeugen, _Adjang_, den jüngsten Sohn von
_Ledju_, als auch noch durch andere. _Adjang_, mit dem ich in Long
Deho viel verkehrte, starb dort im Jahre 1900, im Alter von 90 Jahren.
_Ibau_ war eine friedsame Natur und hatte einen Ruf als
Schnitzkünstler. Er und sein Sohn _Bo Kulè_ verstanden, die Long-Glat
beisammen zu halten, aber nach des letzteren Tode war ein Teil des
Stammes mit seinem Nachfolger _Ngow Kulè_ unzufrieden und zog mit
_Bo Lea_, einem Häuptling von niederer Geburt aber hohem Ansehen,
weiter abwärts. Von den Manok-Kwe kamen sämtliche mit, weil _Bo Lea_
mit der Tochter ihres Häuptlings verheiratet war. Gegenwärtig leben
sie alle in Long Tepai. Auch _Ngow Kulè_ blieb nicht an dem alten Ort
Lirung Ban, wo der Stamm sich nach vielen Jahren wiederum ein Haus
gebaut hatte, sondern liess sich in Lulu Njiwung nieder. Sein Sohn
_Ding Ngow_, der sein Nachfolger geworden ist, lebt jetzt noch dort.
Trotzdem die Ma-Suling und Kajan jetzt von den Long-Glat unabhängig
sind, besteht doch noch zwischen ihnen ein Band, nämlich die
Häuptlinge, die alle entweder von der Häuptlingsfamilie der Long-Glat
abstammen oder mit Gliedern von ihr verheiratet sind. So heiratete
_Bo Edo_, die Schwester von _Bo Kulè_, einen Kajanhäuptling _Owat_,
dessen Söhne der Reihe nach über die Kajan regierten; der letzte war
_Kwing Irang_.
_Bo Edo_ hatte aus zweiter Ehe mit einem _panjin_ einen Sohn _Li_,
der mit der vornehmsten Ma-Suling Frau verheiratet war. Sein Sohn
_Ledju Li_ war in Napo Liu, einer der Niederlassungen der Ma-Suling
am Merasè, Häuptling. In Lulu Sirang wiederum ist ein anderer
Häuptling mit einer Schwester von _Bo Lea_ verheiratet. Auch unter
den Häuptlingen der Pnihing vom Tjehan, dem Serata und von Long
'Kup giebt es verschiedene, die aus dem Geschlechte von _Bo Kulè_
abstammen, so dass sich weitaus die meisten Häuptlinge am Mahakam
oberhalb Tepu von derselben Familie herleiten.
Diese Familienbeziehungen haben zur Folge, dass bei einigen grossen
Arbeiten, wie beim Bau von Häusern durch die Häuptlinge, alle Stämme
am oberen Mahakam Hilfe leisten, indem sie einen schweren Pfahl aus
Eisenholz liefern.
Dies geschah auch beim Bau des mächtigen Hauses von _Kwing
Irang_. Jede Niederlassung lieh ihre Hilfe, ausser Lulu Njiwung,
dessen junger Häuptling, _Ding Ngow_, sich zu hoch achtete, um
seine Hilfe anzubieten, weil er in direkter, männlicher Linie von
_Ibau_ abstammte. Wegen der Eigenart der Bahau, das Ansehen eines
Stammes auch von den persönlichen Eigenschaften und vom Alter seines
Häuptlings abhängen zu lassen, stand _Kwing Irang_, als Häuptling der
Kajan, höher als sein junger Neffe in Lulu Njiwung und alle übrigen
Häuptlinge. Vor diesen hatte er ausserdem voraus, dass sowohl sein
Vater als seine Mutter aus Häuptlingsfamilien abstammten, ferner
war er der älteste seines Geschlechtes und ein Mann nach dem Sinn
der Bahau. Im Vergleich mit seiner Umgebung zeichnete er sich durch
Friedensliebe aus, so dass unter seiner Regierung bei den Kajan nur
noch selten Kopfjägerei geübt wurde; jedem gegenüber war er gerecht
und selbstlos, nur war er ein Feind von energischen Massregeln. Obwohl
einige andere, wie _Belarè_ bei den Pnihing und _Bo Lea_ bei den
Long-Glat, viel mehr Energie zeigten, erkannten sie doch mit den
anderen Häuptlingen _Kwing Irang_ als den Höchststehenden oberhalb
der Wasserfälle an. Diese Oberherrschaft bezog sich tatsächlich aber
nur auf allgemeine Interessen, wie Unterhandlungen mit Serawak und
den benachbarten Ländern, auch genoss er das Vorrecht,für die hohen
Bussen aufkommen zu müssen, die von diesen Ländern aus wegen erbeuteter
Köpfe auferlegt wurden.
Stammbaum der hipui bei den Mahakam Kajan.
Bo Kwing Irang (Singa Melön)--Bo Uniang (Gattin von Lalau Anjè)
Bo Kwing (Mann)
Bo Tukau (Frau)
Ding Tukau
Bang Lawing (Nachfolger von Kwing Irang und Gatte von zwei
panjin der Kajan)
ein Sohn
Lirung (Gattin des Malaien Utas)
Bang
Uniang (Gattin von Tekwan, hipui der Ma-Suling)
Lasa