KAPITEL XIII.

Der Mahakam in seinem Ober- Mittel- und Unterlauf--Bewohner

des Mahakamgebietes--Vorgeschichte der Stämme--Stellung

und Einfluss der Fremden--Ursprüngliche Bewohner am oberen

Mahakam--Vorherrschaft der Long-Glat--Kwing Irang und dessen

Stellung unter den übrigen Häuptlingen--Verkehr und Handel

unter den Stämmen--Selbständigkeit der Stämme--Verteilung der

Ländergebiete--Bestimmungen in bezug auf Feld- und Waldfrüchte,

Buschprodukte, Jagd und Fischfang--Industrie--Verkehr mit den

Nachbarländern--Handel und Handelswege.

Der Mahakam (im Malaiischen; Mekám im Busang) ist von den Strömen

Borneos, die sich an der Ostküste ins Meer ergiessen, der grösste. Er

entspringt unter dem Namen Selirong an der südwestlichen Seite des

Batu Tibang, eines wahrscheinlich vulkanischen Berges, der sich in der

Fortsetzung des Ober-Kapuas-Kettengebirges, das aus alten Schiefern

besteht, erhebt. Der Mahakam folgt anfangs einem Längstal dieses

Gebirges, aber bald nachdem sich der Selirong mit dem Seliku, einem

zweiten Quellflüsschen, das auf dem Lasan Tujan entspringt, auf 550

m Höhe vereinigt hat, bricht der Fluss in südwestlicher Richtung der

Reihe nach durch alle Ketten des Gebirges hindurch. Bis zur Mündung

des Howong, auf etwa 300 m Höhe, behält der Mahakam diese Richtung

bei, wendet sich hier, in gleicher Entfernung von dem Batu Lesong,

ungefähr gerade nach Osten und biegt dort, wo dieses Sandsteingebirge

sich unter dem Namen Batu Ajo nach Süden fortsetzt, ebenfalls nach

Süden. An der Biegung bei Long Tepai hat sich der Fluss durch die

weissen Hornsteinschichten, auf denen das Sandsteingebirge liegt,

nur ein schmales 15-40 m breites Bett erodieren können, während das

Flussbett oberhalb Long Tepai an einigen Stellen eine Breite von 200

m erreicht.

An der Verengung bildet der Mahakam eine lange Reihe von Wasserfällen,

die von oben nach unten folgende Namen tragen: Kiham (Wasserfall im

Busang) Ulu, Kiham Hida, Kiham Nub, Kiham Lobang Kubang, Kiham Binju,

Kiham Kenhè. Unterhalb dieser verengten Stelle verbreitert sich das

Flussbett über eine ausgedehnte Strecke, bis beim Kiham Udang der

Fluss wiederum nur 30 m breit wird, während noch weiter unten, beim

Kiham Halo auf 100 m Höhe, die Wassermassen sich über eine Entfernung

von über 2000 m durch eine Verengung, die zwischen 20-50 m breit und

zwischen Sandsteinbergen gelegen ist, hindurchzwängen. Obwohl noch eine

Strecke weit von Hügeln beengt, erreicht der Fluss doch bald wieder die

normale Breite und wird von Long Bagung an auch nicht mehr stark durch

Berge verengt. Während daher der oberhalb Long Bagung gelegene Teil

des Mahakam nur unter günstigen Verhältnissen für die eigenartigen

Böte der Eingeborenen schiffbar ist, können bis zu dieser Stelle,

ausser bei sehr niedrigem Wasserstande, kleine Dampfböte den Fluss

hinauffahren. Bereits bei der Mündung des Merah beträgt die Breite des

Flusses 300 m und nimmt nach unten hin immer mehr zu. Nur bei Uma Mehak

Teba, wo der Strom sich um eine Hügelreihe windet, wird er noch einmal

100 m breit, später jedoch nicht wieder. Erst dort, wo die südöstliche

Richtung in eine östliche übergeht, jenseits des Gunung Sindáwar,

wird das Land zu beiden Flussseiten zu einer alluvialen Tiefebene,

auch erhebt es sich nicht hoch über dem Meeresspiegel. Das Land

behält aber nicht den gleichen Charakter bis zur Mündung bei, denn

die ganze Ostküste von Borneo wird nach Süden, bis zum Pasirfluss,

durch eine Gebirgskette begrenzt. Durch diese Gebirgskette muss der

Fluss sich hindurcharbeiten, bevor er sich in zahlreichen Mündungen

ins Meer ergiessen kann.

Betrachten wir uns den Oberlauf des Mahakam näher, so zeigt es sich,

dass er so lange die südwestliche Richtung beibehält, als er sich in

der Fortsetzung des Ober-Kapuas-Kettengebirges befindet, beim Howong

jedoch wird er gezwungen, sich nach Osten zu wenden, da er dort

auf das vulkanische Gebiet stösst, dessen wichtigste Erhebungen der

Lekudjan, Penaneh und Menetokai sind, und auf die Sandsteinformation,

in welcher nach Osten hin der Batu Lesong die Hauptkette bildet.

Von der Vereinigung des Selirong und Seliku an bis zur Mündung des

Howong fällt der Fluss in seinem sehr geraden Lauf von 550 auf 300 m

über dem Meeresspiegel. Da das Quertal überall eng ist, behält der

Mahakam in diesem Gebiet ganz den Charakter eines Bergstromes, der

nur bei niedrigem Wasserstande befahrbar ist und in welchem grosse

Wasserfälle, wie der Kiham Matandow (Sonnenfall), die Reise sehr

gefahrvoll machen.

Die Ufer bestehen, ausser auf kurzen, ebeneren Strecken, aus steilen

Schieferwänden; im Flussbett selbst kommen nicht wie weiter unterhalb

grosse Geschiebeablagerungen vor, die an den Ufern oder in der Mitte

Geröllbänke bilden.

Da, wo der Fluss in der Richtung des Sandsteingebirges Batu Lesong

im Süden und des Batu Apap Kaju Hun und Ong Dia im Norden nach Osten

strömt, ändert sich sein Charakter. Bis Long Tepai kommen eigentliche

Wasserfälle nicht vor, obgleich der Höhenunterschied zwischen Long

Howong und Long Blu-u noch 100 m beträgt. Die grössten Hindernisse für

eine Bootfahrt bilden auf dieser Strecke die Stromschnellen und die

unterhalb der konvexen Uferseite gelegenen Geröllbänke. Der gewundene

Lauf des Flusses zwischen Long Blu-u und Pahngè lässt bereits andere

Verhältnisse vermuten. Von dem Gipfel des Batu Mili aus sieht man

denn auch, dass sich das Flusstal nach Osten verbreitert; nur einige

Hügel nähern sich den Ufern und am Horizont erscheinen die Berge

Batu Niaan, Batu Boh und Batu Ajo. Auch eine Fahrt auf dem Flusse

zeigt ein verändertes Bild; der Fluss hat hier sein Bett in seine

alten Ablagerungen, viele Meter dicke Geröll- und Sandschichten,

gegraben und zahlreiche kleine, bewachsene Geröllinseln erschweren

die Fahrt auf dem Flusse.

Diese Flussablagerungen enthalten zahlreiche Schichten mit

Pflanzenresten und haben ihr Entstehen dem Umstande zu danken,

dass der Fall zwischen Blu-u und Tepai nur 20 m beträgt, während die

grosse Enge des Bettes unterhalb Tepai durch Stauung bei Hochwasser

auf die Stosskraft des Flusses sicher einen schwächenden Einfluss

übt. Bei Lulu Njiwung ist die Anzahl kleiner Geröllinseln besonders

gross. Unterhalb Long Tepai stösst der Mahakam auf das Bergmassiv,

das nach Westen in den Pajang ausläuft; er windet sich hier durch

zwei enge Täler nach Süden und bildet dabei zwei Reihen grosser

Wasserfälle. Auf dieser Strecke ist der Fall des Flusses ein sehr

bedeutender, er beträgt zwischen Long Tepai und Kiham Halo 80 m.

Nach der ersten, westlichen Reihe Wasserfälle folgt ein breiterer

Teil des Flusses, an dem er den Bo aufnimmt, der, aus einem grossen

Stromgebiet kommend, dem Mahakam 1/3 seiner Wassermenge zuführt.

Den verhältnismässig ruhigen Charakter dieser Strecke behält der Fluss

bis Long Deho, wo bei Kiham Udang wiederum sehr enge Stellen folgen,

da der Fluss die mächtigen Konglomeratblöcke, die in seinem Bette

liegen, nicht hat entfernen können. Der Kiham Udang wird gänzlich

aus diesen Blöcken gebildet, welche von den Konglomeratschichten

aus rundem Griess abgebröckelt sind, die zu beiden Uferseiten

mit Sandsteinschichten abwechselnd eine Mächtigkeit von 10-30 m

erreichen. Der weiche Sandstein wurde vom Flusse weggeführt, während

die Konglomeratmassen liegen blieben. Dass derartige Verengungen auf

den Strom einen grossen Einfluss ausüben können, ersieht man daraus,

dass der Fluss bei Long Deho im Jahre 1897 in zwei Tagen 15 in stieg,

in 3 Tagen aber wieder seinen normalen Stand erreichte.

Unterhalb Long Bagun hat der Fluss für seinen gewundenen Lauf eine

breitere Ebene, die er sich selbst aus seinen Ablagerungen von Griess

und Sand geschaffen hat, zu seiner Verfügung. Zwischen der Mündung

des Mera und Ma Mehak Teba liegen besonders viele Inseln, die alle

durch abgesetztes Geschiebe entstanden sind. Da Ana nur noch 50 m

über dem Meeresspiegel liegt, ist der Fall des Flusses weiter unten

nicht mehr bedeutend.

Griessbänke kommen noch bis Ana vor, aber der Mahakam betritt erst

bei Gunung Sindáwar die ausgedehnte Tiefebene von Kutei und erhält

erst von hier an den Charakter eines Unterlaufs.

Das weite, gänzlich flache Gebiet nördlich und südlich vom Mahakam,

das den grössten Teil des Binnenlandes von Kutei ausmacht, scheint in

früherer Zeit ein grosses Wasserbecken gewesen zu sein, das durch den

Mahakam und seine Nebenflüsse allmählich angefüllt und dann durch die

Vegetation überwuchert worden ist. Als Überbleibsel dieses Beckens sind

zu beiden Seiten des Flusses eigenartige Seeen zurückgeblieben. Diese

tragen mit ihrer runden Form und grossen Oberfläche einen ganz anderen

Charakter als die länglichen, gewundenen, kleinen Seeen, die in der

"Wester-Afdeeling" zu beiden Seiten des Kapuas vorkommen und einen

Teil des früheren Flussbettes darstellen. Obwohl ein Teil des Mahakam,

vom Blu-u bis Long Pahngè, nach Auffassung von Professor _Molengraaff_,

der Art seiner Geschiebeablagerung wegen nicht als Oberlauf betrachtet

werden sollte, muss es doch aus praktischen Gründen zweckmässig genannt

werden, den Teil des Mahakam oberhalb Long Bagun als Oberlauf zu

bezeichnen. Die ausgedehnten Geröll- und Griessablagerungen unterhalb

dieses Ortes stempeln den folgenden Teil zum Mittellauf; während der

Lauf des Flusses durch die Alluvialebene unterhalb Gunung Sindawar

alle Eigentümlichkeiten eines Unterlaufs aufweist. Nur wird der Fluss

an der Küste durch eine Hügelkette gezwungen, erst durch sie hindurch

zu brechen, bevor er sein Delta bildet.

Dass die Bevölkerung am oberen Mahakam aus Bahaustämmen besteht,

die alle in den letzten zwei Jahrhunderten aus dem hoch gelegenen

Gebirgsland Apu Kajan ausgewandert sind, ist bereits an anderer Stelle

berichtet worden.

In dem Quellgebiet des Mahakam trifft man bis zum Kiham Matandow

nur unberührten Urwald, in dem einige kleine Gruppen von Bukat

umherschweifen. Sie gehören dem Bukatstamme an, der in den Gebieten

des oberen Kapuas, oberen Mahakam und Njangejan zu Hause ist. Da sie

in jedem Jahr und zu jeder Jahreszeit ihren Aufenthaltsort wechseln,

wissen selbst die ansässigen Bahau oft nicht genau, wo sie sich gerade

befinden. Sie stehen mit den übrigen Nomadenstämmen, die sich unter

dem gleichen Namen von Bukat oder Punan am Serata, Boh und am Kapuas

im Flussgebiet des Gung, Kréhau und Mendalam aufhalten, in Verbindung.

Vor dem Kriegszug der Dajak aus Serawak im Jahre 1885 wurde das

Flussgebiet des Mahakam, vom Kiham Matandow bis zum Sumwé, von

verschiedenen Niederlassungen des Pnihingstammes bewohnt. Diese

Niederlassungen wurden damals jedoch alle verwüstet mit dem Resultat,

dass sämmtliche Bewohner den Hauptstrom abwärts zogen und sich in den

ersten Jahren am Danum Parei östlich vom Kajangebiete niederliessen

und später, ungefähr 1893 und 1894, zwei Wohnplätze im Gebiete der

Kajan selbst gründeten, den einen an der Mündung des Sumwé unter

dem Häuptling _Belarè_, den anderen dicht daneben zu Long 'Kub,

unter den Häuptlingen _Erang Paren_ und _Tingang Kohi_. Nach dem Tode

des ersteren liess sich letzterer im Jahre 1901 wieder oberhalb der

Mündung des Kaso nieder.

Die Dörfer an den Nebenflüssen wurden von den Serawakischen Dajak

verschont, so z.B. dasjenige am Howong unter _Amun Lirung_ und das

am Penaneh unter Kaja, dem Bruder _Amun Lirungs_.

Die Bewohner des Hauses an der Mündung des Tjehan konnten noch, bevor

ihr Haus verbrannt wurde, flussaufwärts flüchten und setzten sich

weiter oben an der Mündung des Paketè fest, wo sie noch 1898 unter

dem Häuptling _Paren_ lebten. Seit der Zeit wohnen sie aber näher an

der Mündung des Tjehan, um Vorbereitungen für den Bau eines Hauses an

der Mündung selbst zu treffen. Am Serata, oberhalb der Wasserfälle,

die hinter dessen Mündung liegen, war die Pnihingniederlassung unter

_Njangun Diu_, in der auch viele Punan wohnten, von den Batang-Lupar

verschont geblieben.

Der Stamm der Seputan, der nicht zu den Pnihing zu gehören scheint,

sondern in seiner Lebensweise mehr Übereinstimmung mit den Bungan

Dajak zeigt, lebt im Gebiet des Kaso, teils hoch oben an diesem Flusse,

teils am Penaneh.

Fährt man den Mahakam weiter abwärts, so gelangt man in das Gebiet

der Kajan, die nach dem im Jahre 1901 erfolgten Tode ihres Häuptlings

_Kwing Irang_ unter dessen Neffen _Bang Lawing_ stehen.

Der Stamm der Kajan beherrscht den zwischen dem Sumwé und dem Dini

gelegenen Teil des Mahakamgebietes. Auch sein Haus, das sich früher

unterhalb des Blu-u befand, wurde durch die Serawakischen Dajak

niedergebrannt, worauf sich die Bewohner zerstreut auf ihren Feldern im

Gebiet des Blu-u niederliessen. Bei meiner Ankunft im Jahre 1898 bauten

sie sich bereits eine neue Niederlassung auf dem hohen Mahakamufer an

der Mündung des Blu-u. Im Lande der Kajan halten sich keine Punan auf.

Östlich vom Dini beginnt das Gebiet der Long-Glat, eines Stammes,

der sich gegenwärtig am Mahakam selbst festgesetzt hat und zwar in

Lulu Njiwung unter _Ding Ngow_, in Batu Sala unter _Paren Dalong_

und in Long Tepai unter _Bo Lea_, dessen Besitz an der Grenze des

Njian endet. Mit Ausnahme des Merasè, an dem die Ma-Suling leben,

gehört das ganze Flussgebiet den Long-Glat. Auch hier kommen keine

Punan oder Bukat vor.

Die Niederlassungen der Long-Glat unterscheiden sich insofern von denen

der Pnihing, Kajan und Ma-Suling, dass in jeder derselben mehrere

Stämme beieinander wohnen, die alle eigene Häuptlinge besitzen,

welche dem Long-Glat-Häuptling gehorchen müssen. Diese Verhältnisse

bestehen seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts, wo die Long-Glat am

oberen Mahakam eine grosse Macht entwickelten und unter den zwei

Häuptlingsbrüdern _Bo Ibau_ und _Bo Ledju Aja_ alle dort ansässigen

Stämme unterwarfen. Die kleineren Stämme, wie die Ma-Tuwan, Ma-Tepai,

Ma-Manok-Kwe und Batu-Pala wurden von ihnen gezwungen, mit ihnen

zusammen zu wohnen, um ihre Anzahl zu vergrössern. Seit der Zeit

teilten sich diese Stämme, sobald sich die Long-Glat teilten. Obwohl

sie viel von den Long-Glat übernommen und sich auch durch Heirat mit

diesen vermischt haben, hat sich doch noch vieles aus der Zeit ihrer

Selbständigkeit bei ihnen erhalten. Sie haben sich ihre Sprache,

ihren Häuserbau und ihren Gottesdienst ein Jahrhundert lang bewahrt,

auch besitzen einige Stämme eine eigene Art der Tätowierung. Jeder

dieser Stämme wohnt in seinem eigenen, langen Hause neben dem der

Long-Glat, so dass man in einem Dorfe, das vielleicht 1-2 Hektare

umfasst, 3-4 bisweilen sehr verschiedene Sprachen reden hört, beim

Ackerbau sehr verschiedene Zeremonien, Verbotszeiten und Vorzeichen

beobachten sieht und, besonders bei den Frauen, verschiedene Arten

der Tätowierung feststellen kann.

Allen Sprachen, die in einer Niederlassung gesprochen werden, die

allgemeine Umgangssprache, das Busang, mit einbegriffen, liegt der

gleiche Stamm zu Grunde. Dem Laute nach weichen diese Sprachen aber

sehr von einander ab; das Long-Glat z.B. ist den anderen Stämmen so

fremd, dass die Bahau etwas Unverständliches als "_dahaun_ Long-Glat" =

"Sprache der Long-Glat" bezeichnen. Im gegenseitigen Verkehr benützt

man das Busang.

In Lulu Njiwung wohnen die Long-Glat jetzt mit den Ma-Tuwan und drei

anderen, kleineren Stämmen zusammen; in Batu Sala leben die Long-Glat

mit den Ma-Tuwan und Uma-Tepai; in Long Tepai leben ausser den 3

letzten auch noch Manok-Kwe und Batu-Pala.

Die Ma-Suling und die Ma-Pagong haben sich im Merasègebiet in zwei

Dörfern gemeinsam niedergelassen, bei Napo Liu (oberhalb der Insel)

dicht bei der Flussmündung, und weiter oben in Lulu Sirang. Diese

beiden Dörfer waren früher Jahrzehnte lang vereinigt gewesen,

aber im Jahre 1896 trennten sie sich derart, dass jetzt in beiden

sowohl ein Haus der Ma-Suling als eines der Uma-Pagong steht. Die

Niederlassung von Napo Litt regiert der Häuptling _Ledju Li_ und die

von Lulu Sirang der Häuptling _Bo Ngow_. Am Mendalam und in den beiden

Niederlassungen am Merasè wohnen die Uma-Pagong mit den Ma-Suling

zwar gemeinschaftlich, aber, so viel mir bekannt, in gegenseitiger

Unabhängigkeit.

Nach ungefährer Schätzung beträgt die Seelenzahl bei den Seputan 500,

den Pnihing 1500, den Kajan 800, den Ma-Suling mit den Uma-Pagong 1300,

den Long-Glat 1600 und den Nomadenstämmen 400, so dass die Bevölkerung

am oberen Mahakam oberhalb der Wasserfälle ungefähr 6000 Seelen stark

sein muss.

Neben dieser eigentlichen Bevölkerung halten sich im Gebiet des

oberen Mahakam bei allen Stämmen, die ihnen Zuflucht gewähren,

d.h. bei allen ausser den Pnihing, zahlreiche Fremde auf.

Diese sind hauptsächlich Malaien oder, besser gesagt, Mohammedaner

verschiedener Blutmischung und Dajak aus anderen Gegenden, die sich

hier vor allem mit dem Sammeln von Buschprodukten befassen. Unter

den Malaien befinden sich viele, die ihr eigenes Land in der Nähe der

Küste Verbrechen oder Schulden wegen verlassen und bei den Bahau Schutz

gesucht haben. Die zahlreichen Arten Guttapercha und Rotang, die am

oberen Mahakam zu finden sind, lockten mit der Zeit immer mehr Fremde

heran. Besonders unter dein gutmütigen, rechtschaffenen Häuptling

_Kwing Irang_ erschienen viele malaiische Buschproduktensammler,

die aus dem Gebiet des oberen Murung gebürtig waren; ihr Häuptling

_Temenggung Itjot_, ein Nachkomme des von dem Krieg mit Bandjarmasin

her bekannten _Antassari_, erhielt jedoch von den Kajan kein

Niederlassungsrecht und durfte daher auch nicht mit einer Tochter aus

der Häuptlingsfamilie in die Ehe treten. _Itjot_, der sich mit den

Seinen verfeindet hatte, zog zu den Ma-Suling an den Merasè, heiratete

dort die Tochter eines vornehmen Häuptlings und lebte seit 1893 in der

neuen Heimat. Es sammelten sich um ihn die Buschproduktensucher, von

denen sich viele gleichfalls eine Frau unter den Ma-Suling wählten,

und beuteten die Wälder am Merasè aus, die sehr gross und reich

an Buschprodukten waren. Nachdem sie die Wälder erschöpft hatten,

zogen die meisten nach anderen Gegenden. Unter anderem suchten sie

bei den Long-Glat in Long Tepai, Batu Sala und Lulu Njiwung Einfluss

zu gewinnen, um sich in ihren Gebieten der Buschprodukte bemächtigen

zu können; sie konnten aber, hauptsächlich beim Häuptling _Bo Lea_,

ihre Raubpolitik nur mit grosser Vorsicht betreiben. Die meisten

durften nicht einmal in einem Dorfe längere Zeit wohnen bleiben. Der

energische Pnihinghäuptling _Belarè_ verstand diese für die Stämme

gefährlichen Gäste sogar fast gänzlich fernzuhalten.

Der Wunsch der Häuptlinge, den Stamm nach. Möglichkeit zu vergrössern

und das Ansehen, das sich die Fremden durch wirkliche oder vorgegebene

Talente als Medizinmänner und Handwerker zu geben wissen, erleichtern

den Fremden im allgemeinen die Aufnahme unter den Bahau.

Das Verhältnis zwischen Malaien und Dajak ist darin eigentümlich,

dass einige Häuptlinge die Malaien gänzlich abzuwehren trachten,

in dessen sie bei anderen zu hohem Ansehen gelangen. Von Einfluss

ist hierbei die grosse Bewunderung, die sie bei den jungen Mädchen

erregen. Viele Malaien sind daher auch mit den vornehmsten oder

schönsten Mädchen der Stämme, in denen sie sich gerade aufhalten,

verheiratet. In der Regel lassen diese Männer ihre Frauen, sobald

ihre Existenz mühsamer wird, einfach im Stich und ziehen zu anderen

Stämmen oder in andere Gebiete. Das geschah u.a. bei den Ma-Suling,

als der Guttapercha am Merasè sein Ende erreichte.

Zu den Bahau, die aus dem Apu Kajan gebürtig sind, gehören zweifellos

die Kajan, Ma-Suling und Long-Glat. Die Pnihing schreiben sich zwar

gern den gleichen Ursprung zu, wahrscheinlich aber mit Unrecht. Erstens

ist es gewiss, dass sie aus dem Gebiet des oberen Kapuas, wo noch

ein kleiner Teil Pnihing wohnt, in das Tal des Mahakam gezogen sind

und dass sie seit dieser Zeit ständig in dessen Quellgebiet gelebt

haben. Zweitens haben die Pnihing einen viel kräftigeren Körperbau

und andere Sitten als die übrigen Stämme am Mahakam. Sie können nicht,

wie die Bahau, Schwerter schmieden und in Holz und Knochen schnitzen;

ihre Männer und Frauen tätowieren sich nur wenig, unsystematisch,

augenscheinlich als Nachahmung anderer Stämme; Kriegstänze, die unter

den Bahau allgemein üblich sind, kennen sie nicht. Der Umstand, dass

sie das Fleisch der Horntiere essen, was andere Stämme nicht tun, macht

es mir besonders wahrscheinlich, dass sie eher zu den Kapuasstämmen als

zu den Bahau gerechnet werden müssen. Ihre Sprache ist mir unbekannt.

Die Pnihing gehören vielleicht zu der Bevölkerung, die im Gebiet des

Mahakam wohnte, bevor die Bahau hier eindrangen. Diese berichten,

dass sie das Land von Stämmen eroberten, die Pin-Metjai, Nè-Kiham,

Pin-Buwat, Pin-Kunjong, Ten-Nean, Pera-Téran, Nè-Berang und Pin-Bawan

hiessen.

Alle diese Stämme flohen durch das Kasotal, teils nach dem Kapuas,

teils nach dem Barito. Die Ot-Danum am Miri, einem Nebenfluss

des Kahajan, werden noch mit Sicherheit als Nachkommen dieser

Stämme bezeichnet. Zu ihnen begeben sich die Mahakambewohner auch

vorzugsweise, um Köpfe zu jagen. Man schreibt diesen Urbewohnern

alle Überreste aus früheren Zeiten zu, hauptsächlich die Steine mit

Figurenzeichnungen am oberen Mahakam. Den einen, im Tjehan, suchten

wir auf; ein zweiter liegt auf dem Abhang am Auer Kebalan unterhalb

Long 'Kup und ein dritter im Fluss vor der Mündung des Danum Parei;

letzterer kommt nur bei niedrigem Wasserstande zum Vorschein.

Auch die steinernen Gerätschaften und Tempajan, die beim Fällen der

mächtigen Wälder am Blu-u gefunden wurden, sind wahrscheinlich diesen

Stämmen zuzuschreiben. Als lebende Beweise ihres Bestehens können die

zahlreichen Sklaven der Mahakamstämme gelten, welche alle in den damals

geführten Kriegen erbeutet wurden. Die Überlieferung ihrer Herkunft ist

den Sklaven noch wohl bekannt und sie bleibt ihnen unter den Kajan auch

bewusst, da diese ihre Sklaven in grösserer Abgeschiedenheit halten

als die anderen Stämme. Sie fühlen sich grösstenteils noch fremd unter

den Kajan, obwohl sie, mit Ausnahme einiger später geraubter Sklaven,

alle im Stamme geboren sind, und folgen ihren eigenen Sitten, indem

sie z.B. noch Hirsche und wilde Rinder essen.

Unter den Long-Glat sind die meisten Sklaven durch Heirat in den Stamm

aufgenommen worden. Eine von dort gebürtige intelligente Sklavin,

Uniang Pon, die viel gereist war, erzählte mir, dass man die Sklaven,

ihrer grossen Anzahl wegen, unter die Stämme unterhalb der Wasserfälle

verteilt hatte, da sie sonst den Bahau hätten gefährlich werden können.

Wie gross der Einfluss der Sklaven bisweilen gewesen ist, erkennt

man daraus, dass die Kajan, die früher, nach eigener Angabe, Busang

sprachen, sich jetzt des _kehob_ Pin (Sprache der Pin) bedienen,

eines Dialektes des Busang, der durch die Sklaven verändert worden ist.

Die Bahau zogen auf verschiedenen Wegen und zu verschiedenen Zeiten

zum Mahakam, der sie, der Überlieferung nach, durch seinen grossen

Fischreichtum angelockt haben soll.

Die Ma-Suling und Ma-Pagong zogen mit denjenigen, die jetzt am

Mendalam wohnen, aus dem Apu Kajan zuerst zum Njangejan und teilten

sich erst dort. Sie zogen teils zum Mendalam, teils zum Mahakam,

wo ihnen das grosse Kalkgebirge, in dem sich der Batu Matjan, Batu

Ulu und Batu Brok erheben, lange Zeit zum Wohnplatz diente. Auch die

anderen Bahaustämme, die jetzt bei den Long-Glat leben, hielten sich

ursprünglich dort auf. Die Batu-Pala haben ihren Namen noch vom Batu

Pala, dem kleinen Kalkplateau am Merasè in der Nähe des Batu Situn,

von wo die Long-Glat sie zwangen, zum Mahakam herunterzuziehen.

Die Kajan dagegen kamen vom Apu Kajan längs dem Boh herab, unter

Anführung des Häuptlings _Kwing Irang_, der nach seinem Tode den

Beinamen _Singa Melön_ erhielt. Sie fuhren den Mahakam hinauf, bis

zu dem Lande, in dem sie jetzt noch wohnen. Seit der Zeit wurden sie

von sechs Häuptlingen regiert, also dauert ihr dortiger Aufenthalt

noch nicht länger als 150 Jahre. Gleichzeitig mit ihnen zogen noch

viele andere des gleichen Stammes aus dem Apu Kajan fort. Nach ihrer

Überlieferung hatten sie sich, um über einen Fluss zu gelangen, eine

Brücke gebaut. Als die Vordersten das andere Ufer erreicht hatten,

bemerkten sie einen Hirsch (_pajo_) und begannen: "_pajo, pajo_"

zurufen. Die Hinteren verstanden jedoch: "_ajo_ (Kopfjagd), _ajo_"

und erschraken darüber so sehr, dass sie die Rotangtaue, an denen

die Brücke befestigt war, durchschnitten, worauf diese in den Fluss

fiel. Darauf kehrten sie für immer nach dem Apu Kajan zurück und

liessen die anderen allein zum Mahakam ziehen.

Die Long-Glat wanderten aus dem Apu Kajan am Ende des 18. Jahrhunderts

unter dem Häuptling _Ding_ aus. Streitigkeiten mit anderen Stämmen

zwangen sie zum Auszug; wahrscheinlich liegen allen anderen

Auswanderungen die gleichen Ursachen zu Grunde.

Auch die Long-Glat folgten dem Boh, aber sie lebten längere Zeit

an der Mündung (_long_) des Glat, nach dem sie auch ihren Namen

tragen. Von hier aus zogen sie zum Mahakam hinunter und liessen sich

an der Mündung des Njian nieder, von wo sie durch eine Kriegsbande

unter dem Häuptling _Ding_ aus Long Howong, am mittleren Mahakam,

vertrieben wurden. Eine Frau hatte hierzu die Veranlassung gegeben.

Darauf zogen die Long-Glat, unter Anführung der beiden Brüder

_Ibau_ und _Ledju_ über die westlichen Wasserfälle bis dicht an

die Mündung des Merasè. Diese beiden Brüder waren als Söhne des

früheren Häuptlings _Ding_ noch im Apu Kajan geboren und spielten am

oberen Mahakam viele Jahre hindurch eine grosse Rolle. Noch einmal

mussten sie, wahrscheinlich infolge ihrer eigenen Übeltaten, bis zur

Mündung des Serata flüchten, wenigstens unternahm _Ledju_ vom Serata

aus den grossen Kriegszug gegen die Turi (Taman), die am oberen

Kapuas wohnten. Sämtliche Stämme mussten sich ihm ergeben. Er fuhr

selbst den Kapuas bis Semitau abwärts und verbrannte unterwegs alle

Niederlassungen. Auch unternahm er grosse Züge nach dem Barito und

oberen Kahájan, dem mittleren Mahakam und sogar nach dem Apu Kajan,

wo er jedoch in der Nähe der grossen Wasserfälle des Batu Plakau

geschlagen wurde. Für alle dies: Kriegszüge beanspruchte er die Hilfe

aller Stämme am oberen Mahakam, die ihm tributpflichtig waren oder die

er gezwungen hatte, aus ihren Bergfestungen am oberen Serata und oberen

Merasè hinunterzuziehen. Die Ma-Suling liessen sich damals am unteren

Merasè nieder, die Ma-Tuwan mussten mit den Long-Glat zusammenziehen,

ebenso die Batu-Pala, die ein Jahr lang belagert werden mussten, bevor

man ihr Haus verbrennen konnte. Dies war überhaupt die gebräuchliche

Weise, um die Bewohner zum Auszug zu zwingen; bisweilen trug man

ihnen vorher noch ihr Hab und Gut aus dem Hause.

So zwang z.B. _Ledju_ seinen Bruder _Ibau_, der sich mit einem Teil

des Stammes von ihm geschieden hatte und auf einem Kalkplateau bei

der Mündung des Sumwé lebte, sich wieder mit ihm zu vereinigen. Die

Kalkberge tragen noch jetzt den Namen Liang Totong (_totong_ =

brennen). _Ledju_ trieb die Untertanen seines Bruders mit ihrer Habe

aus dem Hause und verbrannte dieses. Seither wohnten sie gemeinsam

in Lirung Ban, einer Ebene am Mahakam, in der Nähe der Merasèmündung.

In damaliger Zeit waren auch die Kajan und Pnihing von den

Long-Glat unterworfen und ihnen tributpflichtig gemacht worden. Die

Tributpflichtigkeit muss darin bestanden haben, dass die Long-Glat

das Recht hatten, sich an Böten und Vieh einige beliebige Stücke

mitzunehmen. Wahrscheinlich stand aber dieses Recht nur den

Häuptlingen zu. Noch gegenwärtig herrscht die Sitte, dass ein junger

Pnihinghäuptling, sobald er zum ersten Mal eine Niederlassung der

Long-Glat betritt, dem betreffenden Häuptling ein Geschenk, ein Boot,

ein Fischnetz oder einen Gong mitbringt. Übrigens sind die Stämme,

die nicht mit den Long-Glat zusammenwohnen, unabhängig. Die Kajan

erkennen die Oberherrschaft der Long-Glat nicht mehr öffentlich

an, da ihr vor kurzem verstorbener Häuptling _Kwing Irang_ aus der

Häuptlingsfamilie der Long-Glat stammte.

Die Macht der Long-Glat hat sich einerseits vermindert, weil ihr

Charakter weniger kriegerisch geworden ist, anderseits, weil der

Stamm nicht mehr beieinander blieb. Bereits _Ledju_ zog, nachdem

der ganze Mahakam oberhalb der Wasserfälle unterworfen war, mit

der Hälfte des Stammes nach dem mittleren Mahakam, unterhalb der

Wasserfälle. Er führte einen Teil der Ma-Tuwan, Uma-Wak, Batu-Pala

und anderer Stämme mit sich und überliess _Ibau_ die Herrschaft über

den oberen Mahakam. Der Auszug war durch die Heirat veranlasst worden,

welche zwischen _Ledju_ und der Tochter eines dort lebenden vornehmen

Häuptlings, namens _Owat_, stattfand, und vielleicht auch durch Mangel

an gutem Ackerboden für die zahlreichen Bahau und durch die Nähe der

Küste, die ihnen Salz, Tabak und Leinwaren lieferte. Seine Nachkommen

herrschten über alle Bahaustämme am mittleren Mahakam.

Im Jahre 1825 traf _Georg Müller_ mit _Ledju_ zusammen und wurde

von ihm über die Wasserfälle geleitet und der Sorge seines Bruders

_Ibau_ anvertraut. In gleicher Weise verfuhr man später mit mir,

bei meinem Zuge in der umgekehrten Richtung. Da in damaliger Zeit

sowohl die Kajan als die Pnihing, die _Müllers_ Geleite bildeten und

ihn beim Gurung Bakang ermordeten, unter _Ibaus_ Herrschaft standen,

ist anzunehmen, dass der Mord auf dessen Befehl stattfand. Dass der

Sultan von Kutei an dem Mord die Schuld trägt, ist unwahrscheinlich,

weil die Bahau damals von Kutei gänzlich unabhängig waren.

Bemerkenswert ist, dass nur _Müller_ ermordet wurde. Zwei seiner

Soldaten erreichten den Kapuas, die übrigen wurden als Sklaven zum

Mahakam zurückgeführt; keiner von diesen sah Java wieder. Ich erfuhr

dies sowohl durch einen Augenzeugen, _Adjang_, den jüngsten Sohn von

_Ledju_, als auch noch durch andere. _Adjang_, mit dem ich in Long

Deho viel verkehrte, starb dort im Jahre 1900, im Alter von 90 Jahren.

_Ibau_ war eine friedsame Natur und hatte einen Ruf als

Schnitzkünstler. Er und sein Sohn _Bo Kulè_ verstanden, die Long-Glat

beisammen zu halten, aber nach des letzteren Tode war ein Teil des

Stammes mit seinem Nachfolger _Ngow Kulè_ unzufrieden und zog mit

_Bo Lea_, einem Häuptling von niederer Geburt aber hohem Ansehen,

weiter abwärts. Von den Manok-Kwe kamen sämtliche mit, weil _Bo Lea_

mit der Tochter ihres Häuptlings verheiratet war. Gegenwärtig leben

sie alle in Long Tepai. Auch _Ngow Kulè_ blieb nicht an dem alten Ort

Lirung Ban, wo der Stamm sich nach vielen Jahren wiederum ein Haus

gebaut hatte, sondern liess sich in Lulu Njiwung nieder. Sein Sohn

_Ding Ngow_, der sein Nachfolger geworden ist, lebt jetzt noch dort.

Trotzdem die Ma-Suling und Kajan jetzt von den Long-Glat unabhängig

sind, besteht doch noch zwischen ihnen ein Band, nämlich die

Häuptlinge, die alle entweder von der Häuptlingsfamilie der Long-Glat

abstammen oder mit Gliedern von ihr verheiratet sind. So heiratete

_Bo Edo_, die Schwester von _Bo Kulè_, einen Kajanhäuptling _Owat_,

dessen Söhne der Reihe nach über die Kajan regierten; der letzte war

_Kwing Irang_.

_Bo Edo_ hatte aus zweiter Ehe mit einem _panjin_ einen Sohn _Li_,

der mit der vornehmsten Ma-Suling Frau verheiratet war. Sein Sohn

_Ledju Li_ war in Napo Liu, einer der Niederlassungen der Ma-Suling

am Merasè, Häuptling. In Lulu Sirang wiederum ist ein anderer

Häuptling mit einer Schwester von _Bo Lea_ verheiratet. Auch unter

den Häuptlingen der Pnihing vom Tjehan, dem Serata und von Long

'Kup giebt es verschiedene, die aus dem Geschlechte von _Bo Kulè_

abstammen, so dass sich weitaus die meisten Häuptlinge am Mahakam

oberhalb Tepu von derselben Familie herleiten.

Diese Familienbeziehungen haben zur Folge, dass bei einigen grossen

Arbeiten, wie beim Bau von Häusern durch die Häuptlinge, alle Stämme

am oberen Mahakam Hilfe leisten, indem sie einen schweren Pfahl aus

Eisenholz liefern.

Dies geschah auch beim Bau des mächtigen Hauses von _Kwing

Irang_. Jede Niederlassung lieh ihre Hilfe, ausser Lulu Njiwung,

dessen junger Häuptling, _Ding Ngow_, sich zu hoch achtete, um

seine Hilfe anzubieten, weil er in direkter, männlicher Linie von

_Ibau_ abstammte. Wegen der Eigenart der Bahau, das Ansehen eines

Stammes auch von den persönlichen Eigenschaften und vom Alter seines

Häuptlings abhängen zu lassen, stand _Kwing Irang_, als Häuptling der

Kajan, höher als sein junger Neffe in Lulu Njiwung und alle übrigen

Häuptlinge. Vor diesen hatte er ausserdem voraus, dass sowohl sein

Vater als seine Mutter aus Häuptlingsfamilien abstammten, ferner

war er der älteste seines Geschlechtes und ein Mann nach dem Sinn

der Bahau. Im Vergleich mit seiner Umgebung zeichnete er sich durch

Friedensliebe aus, so dass unter seiner Regierung bei den Kajan nur

noch selten Kopfjägerei geübt wurde; jedem gegenüber war er gerecht

und selbstlos, nur war er ein Feind von energischen Massregeln. Obwohl

einige andere, wie _Belarè_ bei den Pnihing und _Bo Lea_ bei den

Long-Glat, viel mehr Energie zeigten, erkannten sie doch mit den

anderen Häuptlingen _Kwing Irang_ als den Höchststehenden oberhalb

der Wasserfälle an. Diese Oberherrschaft bezog sich tatsächlich aber

nur auf allgemeine Interessen, wie Unterhandlungen mit Serawak und

den benachbarten Ländern, auch genoss er das Vorrecht,für die hohen

Bussen aufkommen zu müssen, die von diesen Ländern aus wegen erbeuteter

Köpfe auferlegt wurden.

Stammbaum der hipui bei den Mahakam Kajan.

Bo Kwing Irang (Singa Melön)--Bo Uniang (Gattin von Lalau Anjè)

Bo Kwing (Mann)

Bo Tukau (Frau)

Ding Tukau

Bang Lawing (Nachfolger von Kwing Irang und Gatte von zwei

panjin der Kajan)

ein Sohn

Lirung (Gattin des Malaien Utas)

Bang

Uniang (Gattin von Tekwan, hipui der Ma-Suling)

Lasa

Quer Durch Borneo; Erster Teil · 第 52 / 66 题