12. Ein Stückchen Baumbast mit den ersten Exkrementen des Kindes.

13. Das _lawong tika akar_, das Kopfband, welches die Mutter während

des ersten Lebensjahres des Kindes trug.

14. Das Bambusgefäss, in welchem das erste Badewasser für das Kind

geholt wurde.

Aus allem, was im vorhergehenden über die religiösen Vorstellungen

der Bahau gesagt worden ist, ersieht der Leser, dass die Besorgnis um

die Ruhe ihrer Seelen ihr Tun und Lassen während ihres ganzen Lebens

beherrscht. Da die _bruwa_ durch alles, was dem Menschen selbst

fremd, unbegreiflich und gefahrvoll erscheint, erschreckt und zum

Fliehen gebracht werden kann, was Krankheit oder Tod zur Folge hat,

stösst derjenige, der mit Hilfe der Bewohner von Mittel-Borneo in

unerforschten Gegenden wissenschaftliche Untersuchungen vornehmen

will, auf bisweilen unüberwindliche Hindernisse. Das Betreten eines

unbekannten Gebietes, das Besteigen eines gefürchteten Berges, die

Photographie, die anthropologischen Messungen u.s.w. erschienen meinem

Geleite als gefährliche Experimente, die Wohlsein und Gesundheit aufs

ernsteste bedrohten.

Eine besondere Seelenunruhe veranlassten meine Nachforschungen

nach ihren Überlieferungen und ihrem Gottesdienst; die Hindernisse,

die man mir auf diesen Gebieten daher in den Weg legte, waren sehr

grosse. Zum Glück liessen sich die beängstigten Seelen der Baliau meist

mit allem, was diese selbst schön fanden, wie hübsches Zeug, Perlen

und Geld, beschwichtigen. In bezug auf Mitteilsamkeit in religiösen

Angelegenheiten machte sich übrigens, je nach Veranlagung und Höhe der

geistigen Entwicklung bei den einzelnen Personen, Verschiedenheiten

geltend. Während die einen sich völlig unzugänglich zeigten, konnte

ich von den anderen doch mit Hilfe von allerhand Mitteln einiges

erfahren. Indessen wären mir die religiösen Vorstellungen der Kajan am

Mendalam auch nach elfmonatlichem Aufenthalt in ihrer Mitte ein Buch

mit sieben Siegeln geblieben, wenn nicht gerade die Oberpriesterin

von Tandjong Karang, _Usun_, eine rühmliche Ausnahme gemacht und sich

in allem, was ihre heilige Wissenschaft betraf, zugänglicher gezeigt

hätte. Trotz mancher unangenehmen Eigenschaften meiner alten Freundin

kann ich nicht umhin, gerade an dieser Stelle mit Dankbarkeit ihrer

zu gedenken.

_Usun_ gehörte zu den wenigen Bewohnern des langen Hauses, die

den ganzen Schatz der Überlieferungen von der Geisterwelt und

der Stammesgeschichte kannten. Nach der Überzeugung der Kajan

war ihr Tun und Lassen daher für die Gesinnung der Geister,

somit für das Wohlergehen und den Gesundheitszustand des ganzes

Stammes, massgebend. Durch aussergewöhnliche Handlungen, wie es ihre

Unterhaltungen mit meiner profanen Person über Religionsangelegenheiten

waren, schadete Usus also nicht nur sich selbst, sondern ihrer

ganzen Umgebung; begreiflicher Weise sah man unseren Verkehr daher

nur sehr ungern. _Usun_ selbst stand ihren Stammesgenossen durchaus

nicht furchtlos gegenüber, auch spielte die Besorgnis um das Wohl

und Wehe ihrer eigenen Seele bei ihr eine grosse Rolle; ich musste

daher jedesmal, wenn sie mir etwas Besonderes erzählt oder gebracht

hatte, ihre _bruwa_ mit etwas Geld, Kattun oder Perlen besänftigen,

um bösen Träumen oder gar Krankheiten zuvorzukommen. Den Geldstücken

schien dabei eine besonders beruhigende Wirkung eigen zu sein, auch

wurden sie, um in innige Berührung mit ihrer Seele gebracht zu werden

von der Alten beim Abschied gebissen. Auch ihr Enkel, ein ungezogener

zwölfjähriger Knabe, beängstigte ihr Gemüt; denn er wollte, wie die

übrigen Kajan, nichts von ihrem gefährlichen Umgang mit mir wissen.

Gegen alle diese Schwierigkeiten kämpften in _Usuns_ Seele eine sehr

entwickelte Habgier und Eitelkeit auf ihre Wissenschaft und Stellung

und, wenn ich mir schmeicheln darf, eine grosse Eingenommenheit für

meine Person.

Unter diesen Verhältnissen entwickelte sich unser Verkehr derart,

dass _Usun_, um ihre Umgebung irre zu führen, abends, wenn alle

Hausbewohner schliefen, zu mir schlich. Dann packte sie ihre _pemali_,

die heiligen Gerätschaften, die sie für mich verfertigt hatte, aus

und steckte die erhaltene Belohnung ein. Wenn sie sich im Dunkeln hie

und da fürchtete, nahm sie den Enkel mit, der für die ausgestandene

Seelenangst stets auch etwas bekam.

In der Stille meiner Hütte, nur unterbrochen von einzelnen Lauten,

die von dem schlummernden Kajanhause herüberdrangen und von dem

Gezirp der ewig munteren Grillen, vernahm ich in einem entsetzlichen

Gemengsel von Kapuas-Malaiisch und Busang die Geschichte von _Usuns_

Geisterwelt. Das energische Gesicht der alten Dajakfrau gab dem Bilde

noch ein besonderes Gepräge. Wurden wir durch Neugierige gestört, so

hatte die Alte sogleich ein harmloses Thema bei der Hand und fand sie

bei ihrem Kommen meine Hütte besetzt, so schob sie das Mitgebrachte

von aussen durch die Mattenwand der Hütte auf meinen Schlafplatz--die

Rechnung blieb später nicht aus.

Tagsüber liess _Usun_ ihren Gefühlen freieren Lauf, sprach öfters

beim Doktor vor und liess sich zum Gaudium der ringsherum stehenden

Jugend bald hier bald da auf allerhand Leiden untersuchen.

Der pekuniäre Vorteil, den _Usun_ aus ihrem Handel mit ihrer

priesterlichen Wissenschaft zog, weckte den Neid und die Konkurrenz

ihrer Kolleginnen und diesem Umstande habe ich es zu verdanken, dass

mir auch von anderer Seite religiöse Gegenstände geliefert wurden,

von deren Existenz ich sonst nie etwas erfahren hätte.

Die Schöpfungsgeschichte der Mendalam Kajan, wie ich sie aus dein

Munde der alten _Usun_ vernommen, möge dieses Kapitel abschliessen.

_Die Schöpfung der Erde, Geister und Menschen_.

Eine Spinne liess sich einst vom Himmel an einem Faden herab. Diese

Spinne wob ein Netz, in welches ein Steinchen von der Grösse einer sehr

kleinen Perle fiel. Das Steinchen wurde grösser und grösser, erst wie

eine _ower ane_ (besondere Perlenart), dann wie eine _ketobong apo

parei_ (besondere Perlenart), dann wie eine kleine Muschel, wie ein

Nagel (_hulo_), wie eine aus einer Muschelschale geschnittene Scheibe

(_barang hulo_), wie ein Fussrücken, wie ein runder Teller (uwit),

wie eine Sitzmatte, wie ein Sieb, dann wie eine grosse Matte u.s.f.,

bis es den ganzen Raum unter dem Himmel einnahm.

Auf diesen Stein fiel eine Flechte (_oro napon_) vom Himmel, die

auf ihm kleben blieb; dann fiel ein Wurm (_halang_) hernieder, aus

dessen Exkrementen die ersten Erdteilchen entstanden. Auch diese Erde

nahm immer mehr zu, bis sie den ganzen Stein bedeckte. Da fiel der

grosse Baum, _kajo aja_ auch wohl _kajo nangei_ (beim Neujahrsfest

verwendet) genannt, vom Himmel; der Baum war anfangs nicht höher

als ein Messerchen (_nju_) dick ist, dann wurde er so gross, als

ein Beil (_ase_) dick ist, schliesslich erreichte er die Höhe eines

Bananenstammes u.s.f.

Darauf fiel eine Krabbe vom Himmel und begann mit ihren vielen

Gliedmassen in der Erde zu graben, wodurch Berge, Täler und Flussbetten

entstanden, unter anderen der Kajan, Pengian, Danum Pè (Flüsse im Apu

Kajan Gebiet beim Batu Tibang) und schliesslich alle übrigen Flüsse

von Borneo.

Aus dem Boden wuchsen jetzt allerhand Pflanzen hervor, zuerst die

verschiedenen Bambusarten: _bulu buring; bulu pusa; bula tengun_

und _bulu tan_; dann die Bäume, die das rote zähe Holz für Schilde

liefern und die Fruchtbäume. (Alle diese Baumarten werden beim

Neujahrsfest zum Bau der _dangei_-Hütte verwendet). Schliesslich

erschienen die Rotangarten: _uwe nga; uwe haring; -bohong; -hawon;

-kudjo; -ngelawáto; -peselilit; -selat; -seputan_ und _uwe maling_,

die alle im Haushalt ihre verschiedene Verwendung finden.

Der Rotang wand sich an dem grossen Baum _kajo aja_ hinauf und der

Wind trieb ihn derart, dass er in die vulva des Baumes gelangte,

wodurch dieser sehr gross wurde.

Zwei Geister, ein Mann, _Belare Adje Awe_, und eine Frau_, Ketot Era

Pode_, kamen jetzt vom Himmel herab und liessen sich auf dem grossen

Baum nieder; sie konnten sich aber als Geister nicht begatten. Als der

Mann einst einen Schwertgriff schnitzte und die Frau am Webstuhl sass,

fielen der Schwertgriff und das Weberschiffchen neben einander auf die

Erde und paarten sich. Aus ihrer Vereinigung ging ein menschenähnliches

Wesen, _Kelower Ga-aï_ (= schiebend sich vorwärts bewegen) hervor,

dem aber Arme und Beine fehlten.

Die Paarung und ihr Resultat erschreckten die beiden Geister jedoch

derart, dass sie eiligst in den Himmel zurückflogen.

Das gliederlose Monstrum bekam zwei Kinder verschiedenen Geschlechtes:

_Huwar Ane_ und _Uti_; deren beide Kinder: _Klobe Ange_ und _Klobe_

konnten sich auch noch kaum bewegen, sie hatten aber ebenfalls

zwei Nachkommen: _Ngujer Bawe_ und _Lahnde_, die beide nur sitzen

(_ngujer_) konnten. Diese jedoch zeugten richtige Menschen: einen

Mann _Paren Keliter Pulut Luwe_ und eine Frau _Udjung Malen Leke_.

Die Tochter dieser ersten Menschen, _Lahei Lalau_, hatte so lange

Arme und Beine, dass sie den Himmel berühren konnte. Sie bekam zwei

Kinder: _Amei Awi_ und _Buring Une_, die hauptsächlich die Erde und

ihre Erzeugnisse beherrschen und daher als die wichtigsten Götter

des Ackerbaus verehrt werden. Sie besitzen 2 × 8 Kinder, nämlich:

Frauen: Männer:

_Usun Keten Apui_ _Bang Alang Tui_

_Usun Keten Apui Lawan_ _Bang Alweg Lawar_

_Hanja Ata Tere_ _Bang A lang Nje_

_Hanja Ata Tujan_ ...

_Husun Djulu Djele_ _Jok Une_

... _Hang Pidang Le_

ferner noch vier Kinder, die als die wichtigsten Mondphasen am Himmel

stehen: _Kerebso_ = aufgehender Mond; _Kelo-ong Pajang_ = Halbmond;

_Kamat_ = Vollmond und _Penjeröm Döm_ = dunkler Mond.

_Amei Awi_ und _Buring Une_ liessen ihre Kinder, um darüber zu

entscheiden, wer von ihnen Häuptling, wer Freier und wer Sklave

werden sollte, einen Berg hinauflaufen. Die Stärksten, die die Spitze

zuerst erreichten, machten sie zu Sklaven, die minder Starken, welche

sich halbwegs befanden, machten sie zu Freien und einen Mann mit

einem kranken Bein und eine schwangere Frau, die am Fuss des Berges

zurückgeblieben waren, machten sie als die Schwächsten zu Häuptlingen.

Sämmtliche Kinder waren jedoch mit der Entscheidung ihrer Eltern

unzufrieden und gingen daher nach den verschiedensten Orten im

Weltall auseinander, wo sie jetzt als Monde und ähnliche Gebilde ein

glückliches Dasein geniessen.

Die Eltern dagegen, die einsam zurückblieben, nahmen ein weisses Tuch

und eine Matte und begaben sich zu dem grossen Baum _kajo aja. Amei

Awi_ kratzte von dein Baum eine grosse Menge Rinde ab und holte

aus dem Walde ein langes Stück Rotang. Nachdem er die beiden Enden

über dem Boden befestigt hatte, baute er darauf ein Haus und streute

mit seiner Gattin die Baumrinde auf den Fussboden, worauf Schweine,

Hühner, Hunde und Menschen aus den Rindenteilchen entstanden. Die

Menschen blieben jedoch stumm, obgleich sie ihnen Ohrringe (_isang)_,

Ruder (_bese)_, und andere Dinge gaben. Daher begab sich _Amei Awi_

auf den Fischfang, kochte die Fische und ass einen Teil mit _Buring

Une_. Als sie darauf auch den Menschen von den Fischen zu essen gaben,

begannen diese zu sprechen.

Von diesen echten Menschen stammen die Bahau ab, die krank werden

und sterben können, da sie, wie auch ihre Haustiere, eigentlich aus

vergänglicher Rinde (_kul kajo_) bestehen.

Quer Durch Borneo; Erster Teil · 第 45 / 66 题