Der Entwurf des ingenieurbautechnischen Teiles wurde im

Anmerkungen zur Transkription

Im Original gesperrter Text wird _so dargestellt_.

Im Original in Antiqua gesetzter Text wird +so dargestellt+.

Im Original fett gesetzter Text wird =so dargestellt=.

Die Zeichenkombination 0/00 steht für Promille, das Zeichen [dagger]

für ein Kreuz.

Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des

Buches.

Aus Natur und Geisteswelt

Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen

28. Band

Schöpfungen der

Ingenieurtechnik der Neuzeit

Von

Max Geitel

Ober- und Geh. Regierungsrat

im Reichs-Patentamt

_Zweite Auflage_

Mit 31 Abbildungen im Text

[Illustration]

Verlag und Druck von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin 1922

Schutzformel für die Vereinigten Staaten von Amerika:

+_Copyright_ 1922 _by B. G. Teubner in Leipzig_+

Alle Rechte, einschließlich des Übersetzungsrechts, vorbehalten

Vorwort zur zweiten Auflage.

Die Leistungen der Technik der Neuzeit reden eine so machtvolle und

überzeugende Sprache, daß -- im Gegensatz zu früheren Zeiten --

die Kenntnis der wesentlichsten Zweige der Technik zu dem Rüstzeug

des Gebildeten gehört. Die Schöpfungen der Ingenieurtechnik nehmen

insofern eine besondere und eigenartige Stellung ein, als sie sich der

Allgemeinheit am unmittelbarsten vor Augen führen und durch den Segen,

den sie bringen, am nachhaltigsten und verständlichsten den Ruhm der

Technik von heute predigen.

Überaus schwierig war es, die Auswahl aus der reichen Fülle des Stoffes

zu treffen. Wie in der gesamten Technik, so überbietet die Schöpfung

der Ingenieurtechnik von heute die von gestern. Was vor wenigen Monaten

noch als die Höchstleistung galt, ist oft schon dann veraltet, wenn es

aus dem Plan in die Wirklichkeit übertragen wurde. Was der Ingenieur zu

Beginn seiner Laufbahn bewunderte, wird häufig von ihm heute belächelt.

Der Weltkrieg, der zu einem erheblichen Teile mit _technischen Mitteln_

geführt wurde, hat dies in besonderem Maße bestätigt und Leistungen

gezeitigt, die bisher als unerfüllbar galten. Die Auswahl aus den

Schöpfungen der Ingenieurtechnik ist, wie in der ersten Auflage, auf

solche beschränkt, von denen nach menschlicher Voraussicht anzunehmen

ist, daß sie auf längere Zeit hinaus als Meisterwerke gelten werden.

_Berlin-Wilmersdorf_, im Dezember 1921.

=Max Geitel.=

Inhaltsverzeichnis.

Seite

Einleitung 5

=I. Eiserne Brücken und Hochbauten= 7

Die Forthbrücke 10

Die Zambesibrücke 13

Die Hohenzollernbrücke bei Köln 14

Die Hoanghobrücke 16

Die Brücke über den St. Lorenzstrom bei Quebec 18

Der Eiffelturm 19

Die 260 m-Türme der Großstation Nauen 19

Das Woolworth-Gebäude in New York 21

Eisenbetonbauten 22

=II. Tunnelbauten= 24

Der Simplontunnel 27

Der Lötschbergtunnel 30

=III. Kanalbauten= 31

Der Panamakanal 31

Der Kaiser-Wilhelm-Kanal (Nord-Ostsee-Kanal) 38

Der Großschiffahrtsweg Berlin--Stettin 41

=IV. Staudämme, Talsperren und elektrische

Überlandzentralen= 44

=V. Elektrische Fernbahnen= 54

Allgemeines 54

Magdeburg--Leipzig--Halle 57

Die Jungfrau-Bahn 58

Die Lötschberg-Bahn 61

Die Montblanc-Bahn 62

=VI. Hoch- und Untergrundbahnen= 63

Berlin 65

London 67

Paris 67

New York 68

Philadelphia 69

Chicago 70

=VII. Die drahtlose Telegraphie und Telephonie= 70

Allgemeines 70

Die Großstation Nauen 74

=VIII. Neuzeitliche Riesen-Dampfschiffe= 79

Allgemeines 79

»Lusitania« 82

»Mauretania« 82

»Olympic« 82

»Titanic« 82

»Aquitania« 83

»Kronprinzessin Cecilie« 84

»George Washington« 84

»Imperator« 84

»Vaterland« 84

=IX. Lenkbare Luftschiffe und Flugzeuge= 87

Starre Luftschiffe 88

Halbstarre Luftschiffe 88

Unstarre Luftschiffe 88

Das Luftschiff während des Weltkrieges 93

Eindecker 94

Zwei- und Mehrdecker 97

Das Flugzeug während des Weltkrieges 99

Die Opfer der Flugtechnik 100

=X. Technische Kriegsleistungen= 101

Allgemeines 101

Das deutsche Ferngeschütz 104

Das Handels-U-Boot »Deutschland« 105

Die Tanks 105

Die Gewinnung des Luftstickstoffes 106

Die Synthese des Ammoniaks 107

Einleitung.

Eine jede Technik ist merkwürdig, wenn

sie sich an vorzügliche Gegenstände, ja

wohl gar an solche heranwagt, die über

ihr Vermögen hinausreichen.

Goethe.

Wenn wir in den nachstehenden Abhandlungen eine Anzahl von Schöpfungen

der Ingenieurtechnik der Neuzeit in Wort und Bild vorführen, so

fassen wir hierbei das Gebiet der Ingenieurtechnik im weitesten Sinne

des Sprachgebrauches auf, nicht in dem engen Sinne der technischen

Wissenschaft und Sprachweise. Abraham a S. Clara, das Vorbild des

Schillerschen Wallenstein-Kapuziners, erteilt der Stadt Nürnberg

folgendes wohlverdiente Lob: »Weit mehr Künstler seynd von dieser

Stadt herkommen, als gewaffnete Soldaten gestiegen aus dem großen

Trojanischen Pferd, daß man also schier solle diese Stadt nicht mehr

_Nürnberg_, sondern _Hirnberg_ nennen, zumahlen so viel vernünftige

und zu allen Künsten capable Köpff anzutreffen«. Von jeher hat der

Stand der Ingenieure solche »capable Köpff« unter seinen Gliedern

gezählt. Ihnen verdankt die Menschheit von heute einen guten Teil

ihres Hochstandes. Zu den verständnisvollsten Kennern und Bewunderern

der Technik gehörte Goethe. Mit sicherem Blicke erkannte er dasjenige

in der Tätigkeit des Technikers, das diesem die Bewunderung der Mit-

und Nachwelt einträgt und das darin besteht, daß er sich an solche

Gegenstände heranwagt, die über sein Vermögen hinausgehen oder _doch

hinauszugehen scheinen_. Dieser Wagemut tritt uns in den nachstehend

behandelten Beispielen der Ingenieurtechnik in besonders hellem Glanze

entgegen. Hierbei werden wir uns, entsprechend der vorstehend gegebenen

weiteren Ausdehnung des Begriffes des Ingenieurs, nicht nur mit den

Leistungen des Bau- und des Maschinen-Ingenieurs befassen, sondern auch

dem Schiffbautechniker und dem Bezwinger der Lüfte und des Raumes sowie

dem Ingenieur-Chemiker und dem Kriegs-Ingenieur die verdiente Würdigung

widerfahren lassen.

Wir beginnen mit der Beschreibung einiger hervorragender _Eisenbauten_.

Hier sind es die _Brücken_, die als Überwinder der trennenden Macht

der Flüsse und Meeresarme schon seit den ältesten Zeiten bei der

Allgemeinheit das Gefühl der Bewunderung und der Dankbarkeit gegen die

Erbauer erweckten. Treffend bringt dies Schiller in dem Distichon »_Die

schöne Brücke_« zum Ausdruck:

Unter mir, über mir rennen die Wellen, die Wagen, und gütig

Gönnte der Meister mir selbst, auch mit hinüber zu gehn. --

Allerdings machen die neuzeitlichen Brückenbauten weniger Anspruch auf

Schönheit als auf Sicherheit und Zweckmäßigkeit. Aber unter Würdigung

ihrer hohen Bedeutung als Vermittler des Verkehrs, der Kultur, des

Austausches körperlicher und geistiger Güter, gewinnen ihre den

Gesetzen der zahlenmäßigen Berechnung unterworfenen Formen nicht minder

die Weihe der Schönheit als die formvollendetsten zu Stein gewordenen

Dichtungen der Architektur. Im Anschluß an die Brückenbauten führen

wir die Riesenbauten der _Wolkenkratzer_ vor und einige bemerkenswerte

Anwendungen des neuesten Baustoffes, des _Eisenbetons_. Sodann wenden

wir uns der Beschreibung der _Durchbohrung eines der größten Bergriesen

der Alpenwelt_ zu, um hierauf einige der hervorragendsten Beispiele aus

dem Gebiete des _Kanalbaues_, auf dem schon unsere Vorfahren Großes

leisteten, folgen zu lassen. Auch auf dem Gebiete der die Wasserkräfte

der Flüsse und Bäche aufspeichernden _Staudämme_, denen wir uns alsdann

widmen, haben unsre Väter bereits Hervorragendes geleistet. Um so

neuzeitlicher sind diejenigen Ingenieurleistungen, denen wir uns in

den folgenden Abschnitten widmen: die _elektrische Kraftverteilung_,

die _elektrischen Fernbahnen_, die _Hoch_- und _Untergrundbahnen

unsrer Riesenstädte_, die _den Ozean durchquerenden Riesenpaläste_,

die den Traum des Dädalus erfüllenden _Luftschiffe_ und _Flugzeuge_,

der jüngste Triumph in der Meisterung der Naturkräfte: die _drahtlose

Telegraphie_ und die hervorragendsten durch den Weltkrieg gezeitigten

Ingenieurleistungen.

Mehrere der von uns zu behandelnden Schöpfungen der Ingenieurtechnik

können füglich zu den _sieben Weltwundern der Neuzeit_ gerechnet

werden. Allerdings ist die Bemessung des Begriffes »Wunder« in hohem

Maße von der Auffassung des einzelnen abhängig. Eine amerikanische

technische Zeitschrift hat den Versuch gemacht, durch eine bei ihren

Lesern gehaltene Umfrage festzustellen, welche sieben Weltwunder der

Neuzeit an die Stelle der mit Ausnahme der Pyramiden vom Erdboden

verschwundenen sieben Weltwunder des Altertums zu setzen seien.

Die überwiegende Mehrzahl der abgegebenen Stimmen stellte die

_sieben Weltwunder der Neuzeit_ in der nachfolgend wiedergegebenen

Reihenfolge hin: 1. die drahtlose Telegraphie, 2. das Telephon,

3. der Flugapparat, 4. das Radium, 5. die Antiseptika, 6. die

Spektralanalyse, 7. die X-Strahlen. Eine große deutsche Tageszeitung

erließ die gleiche Umfrage. Die hier abgegebenen Stimmen vereinigten

sich in der nachstehenden Reihenfolge auf die drahtlose Telegraphie,

den Panamakanal, das lenkbare Luftschiff, die Flugmaschine, die

Radiumanwendung, den Kinematograph, den Riesendampfer »Imperator«.

I. Eiserne Brücken- und Hochbauten.

Die gewaltige Entwicklung, die der Brückenbau in den letzten

Jahrzehnten genommen hat, und die uns in der Überbrückung immer

größerer Spannweiten entgegentritt, hat zweierlei Quellen, die beide

aus der wissenschaftlichen Vertiefung entspringen, die die Technik

im allgemeinen und die Ingenieurtechnik im besonderen genommen hat.

Zunächst ist hier die Vervollkommnung der verschiedenen auf die

_Darstellung von Eisen und Stahl_ abzielenden Arbeitsverfahren zu

nennen. Sodann war es die _Ausgestaltung und Anwendung der Mathematik

und Mechanik_ durch Ritter, Culmann, Schwedler, Müller-Breslau u. a.

m., die in der sog. graphischen Statik dem Ingenieur das Mittel in

die Hand gab, um die in den einzelnen Teilen der Bauwerke auftretende

Inanspruchnahme nicht nur rechnerisch, sondern auch zeichnerisch

festzulegen und die einzelnen Bauteile mit dem _Aufwand geringsten

Materials und doch vollkommen sicher_ auszuführen.

Im Jahre 1778 wurde die erste noch heute in Benutzung befindliche

eiserne Brücke bei Iron-Bridge in England erbaut. Sie hat eine

Spannweite von 33 m. Im Laufe der Jahrzehnte erhöhten sich die

Spannweiten allmählich mit der Vervollkommnung der Eisendarstellung und

des wissenschaftlichen Rüstzeuges zu früher nicht geahnten Ausmaßen.

Nachstehend bringen wir eine kleine Auslese aus den größten eisernen

Brücken der Erde.

[Illustration: Abb. 1. Die Wupperbrücke bei Müngsten.]

Spannweite:

Zambesibrücke 152,4 m

Nordostsee-Kanal-Brücke bei Grünental 156,8 m

Hohenzollernbrücke bei Köln 159,92 m

Dourobrücke bei Oporto 160,00 m

Wupperbrücke bei Müngsten (Abb. 1) 160,00 m

Nordostsee-Kanal-Brücke bei Levensau 163,40 m

Garabit-Viadukt 165,00 m

Niagarabrücke 167,64 m

Viaur-Viadukt 220,00 m

Mississippibrücke bei Memphis 240,00 m

Höllentor-Brücke über den East River bei New York 298,00 m

Forth-Brücke (Abb. 2) 521,20 m

Brücke über d. St. Lorenzstrom bei Quebec 548,64 m

Besonders große Spannweiten weisen die neuzeitlichen Hängebrücken auf.

Wir nennen hier:

Spannweite:

Die Niagarabrücke mit 250,34 m

Die East-River-Brücke bei New York mit 487,60 m

Die projektierte Hudsonbrücke bei New York mit 987,55 m

[Illustration: Abb. 2. Die Brücke über den Firth of Forth.]

Aus der Zahl der großen Brückenbauten eine geeignete Auswahl zu

treffen, ist eine schwierige Aufgabe. Immerhin ist bezüglich der

nachstehend beschriebenen fünf großen Brückenbauten festzustellen, daß

jede derselben eine eigenartige Stellung einnimmt: die _Forthbrücke_

fordert unsre Bewunderung durch ihre gewaltigen Abmessungen heraus;

bei der _Zambesibrücke_ waren erhebliche örtliche Schwierigkeiten zu

überwinden; der Bau der _Hohenzollernbrücke bei Köln_ mußte sich unter

überaus schwierigen Verhältnissen vollziehen, da es sich hier um den

Ersatz einer einen außerordentlich regen Eisenbahnverkehr vermittelnden

Riesenbrücke handelte; die _Hoanghobrücke_ fesselt uns durch ihre

riesenhaften Abmessungen und die aus der entlegenen Lage des Bauplatzes

sich ergebenden Schwierigkeiten; der Bau der St. _Lorenzbrücke_ wurde

zweimal durch schwere Unfälle unterbrochen, die die Fertigstellung um

Jahre verzögerten.

Die Tatsache, daß der Bau der Forthbrücke überhaupt beabsichtigt

und ausgeführt wurde, bildet einen Beleg für die Richtigkeit des

Spruches: »_Zeit ist Geld_«, denn die durch den Bau der Brücke und

der erforderlichen Nebenanlagen verschlungene Summe beläuft sich auf

insgesamt _67400000_ Mk., während die erreichte Entfernungsverminderung

nur den sehr geringen Betrag von 40 km ausmacht, also eine Strecke,

für deren Bewältigung das Dampfroß noch nicht den Aufwand einer halben

Stunde gebraucht. Ein von Bouch, dem Erbauer der am 28. Dezember 1879

mit einem vollbesetzten Personenzuge durch einen Sturm in die Tiefe

gerissenen Tay-Brücke, herrührender Plan war abgelehnt worden. An

Stelle desselben entschied man sich für einen von den Ingenieuren

John Fowler und Benjamin Baker aufgestellten Entwurf. Dieser sah

eine Brücke nach dem von dem Deutsch-Amerikaner Gerber bereits bei

der Niagarabrücke mit Erfolg angewandten _Kantilever_-, _Ausleger_-,

_Krag_- oder _Konsol-System_ vor. Das Kennzeichen dieser Bauweise

besteht darin, daß die Brücke ohne Anwendung eines dieselbe stützenden

Baugerüstes von beiden Ufern aus konsolartig vorgebaut wird, bis sie in

der Mitte, hoch über den Fluten zum Schluß gebracht wird.

Die in Abb. 2 in einer Gesamtansicht dargestellte Brücke überspannt

mit zwei Öffnungen von je 521,20 m lichter Weite den Firth of Forth.

Um den den Meeresarm befahrenden Schiffen den Durchgang zu gestatten,

liegen die Eisenbahnschienen in einer Höhe von 47,7 m über dem

Wasserspiegel. Die die Konsolen oder Ausleger nach beiden Seiten hin

entsendenden Mittelpfeiler sind 107 m hoch. Die Gesamtlänge der Brücke

beträgt 2466,1 m. Die Anwendung der Kantilever- oder Konsol-Bauart

erschien im vorliegenden Falle um deswillen geboten, weil die Tiefe des

Meeresarmes an der zu überbrückenden Stelle 60 m beträgt, und daher

die Aufstellung eines Baugerüstes der Brücke unmöglich war. Demnach

begann man den Bau zunächst mit der Errichtung der beiden großen, aus

je 4 Eckpfeilern bestehenden Mittelpfeiler, von denen aus dann die

gewaltigen eigentlichen Träger, die Konsolen oder Ausleger, nach beiden

Seiten hin vorgebaut wurden. Diese zielbewußt und ohne erheblichen

Unfall ausgeführte Leistung ist in höchstem Maße bewunderungswürdig,

wenn man sie mit dem Bau des Eiffelturmes (Abb. 7) vergleicht, denn

jeder von den Mittelpfeilern ausladende Brückenarm entspricht einem

Eiffelturm. Ist schon der senkrechte Aufbau des letzteren als eine

Ingenieurleistung ersten Ranges zu bezeichnen, um wieviel mehr muß

dies von dem wagerecht in schwindelnder Höhe erfolgten gerüstlosen

Vortrieb dieses Riesenturmes gelten. Zwischen den Endpunkten der von

den Mittelpfeilern nach beiden Seiten hin ausladenden Konsolen wird der

noch zu überbrückende Teil der Spannweite durch einen mit Hilfe von

Gelenken eingeschalteten Fachwerksträger überspannt. Diese Bauart wird

als _Kantilever- oder Konsolbrücke mit freischwebenden Stützpunkten_

benannt und findet dort Anwendung, wo aus irgendwelchen Gründen die

Errichtung eines Baugerüstes zwischen den Stützpunkten nicht möglich,

und die Spannweite besonders groß ist. Abb. 3 zeigt ein lebendes

Modell der Forthbrücke: Die beiden auf Stühlen sitzenden Personen

entsprechen den beiden Hauptpfeilern, während der mittlere, gelenkige

Teil der Brücke durch den von der mittleren Person eingenommenen Sitz

dargestellt wird. Die Arme der beiden ersteren Personen sind als

Konsolen ausgebildet. Die über dem Wasser liegenden Konsolen tragen das

gelenkige Zwischenstück, während die dem Lande zugekehrten Konsolen

hier durch Fundamente gesichert sind.

[Illustration: Abb. 3. Lebendes Modell der Forthbrücke.]

Für jeden der 4 Eckpfeiler eines jeden Hauptpfeilers wurde ein

Mauerkörper von 15 m Durchmesser errichtet; die Verankerung der

Eckpfeiler auf diesen Mauerkörpern erfolgte durch 48 Stahlbolzen

von 65 mm Stärke. Der südliche Pfeiler ist auf eisernen Sinkkästen,

Caissons, ausgebaut, die unter Anwendung von Druckluft durch die

hier vorhandene starke Schlammschicht bis auf den festen Baugrund

hinabgesenkt wurden. Ein solcher Sinkkasten hatte einen Durchmesser von

21,3 m. Drei derselben wurden ohne Unfall an den Ort ihrer Bestimmung

gebracht. Bei der Verlegung des vierten Kastens aber ereignete sich

am Neujahrstage 1885 ein schwerer, den Bau stark verzögernder Unfall.

An diesem Tage ruhte die Arbeit. Der Kasten, der glücklich bis an die

Stelle gebracht war, wo er versenkt werden sollte, setzte sich so

tief im Schlamm fest, daß die Flut ihn nicht zu heben vermochte. Er

füllte sich mit Wasser, neigte sich zur Seite und wurde außerdem noch

4-1/2 m von der ihm bestimmten Stelle abgetrieben. Endlich, im Oktober,

wurde der Caisson an seinen richtigen Ort gebracht. Auch die beiden

südlichen Eckpfeiler des Mittelpfeilers ruhen auf Sinkkästen. Die

Lage des nördlichen Pfeilers ermöglichte es, daß dessen Fundamente

durchgehends unter Anwendung von Fangdämmen ausgeführt werden konnten.

Die Pfeiler und die Konsolen sind aus röhrenförmigen Säulen und Streben

zusammengefügt. Der Durchmesser dieser Röhren beträgt bis zu 3,66 m.

Überaus schwierig gestaltete sich die Ausführung der Knotenpunkte, das

sind die Verbindungen zwischen den einzelnen Röhren und Streben. Die

Brücke weist Stellen auf, wo zehn verschiedene Teile von ungewöhnlichen

Abmessungen und Formen zusammenstoßen und miteinander verbunden

werden mußten. Um diese Verbindungen zu erleichtern, ließ man den

kreisförmigen Querschnitt der Röhren in der Nähe der Knotenpunkte in

eine viereckige Form übergehen. Das Hinausbauen der Konsolen geschah in

der Weise, daß durch hydraulische Nietmaschinen die einzelnen Rohrteile

und Bleche voreinandergebracht wurden. Hierbei war dafür Sorge zu

tragen, daß die beiden nach verschiedenen entgegengesetzten Richtungen

ausladenden Konsolen gleichmäßig vorgetrieben wurden, damit der

Hauptpfeiler nicht einseitig belastet und zum Kippen gebracht wurde.

Beide Konsolen mußten sich also während des gesamten Bauvorganges das

Gleichgewicht halten. Die mit Hilfe der Nietmaschinen voreinander

gebrachten Teile mußten, bevor sie mit den bereits fertiggestellten

Teilen in feste Verbindung gebracht werden konnten, durch

Hilfskonstruktionen abgestützt werden. Der dem Fortgang des Vortriebes

der Konsolen entsprechende Vorschub der Nietmaschinen geschah auf

hydraulischem Wege. Besondere Sorgfalt erforderte auch die Innehaltung

der Richtung bei dem Vorbau der Konsolen. Das zwischen diesen liegende

bewegliche Schlußglied wurde zunächst in fester Verbindung mit jenen

ausgeführt und erst nach erfolgter Fertigstellung an seinen beiden

Enden auf Rollen gelegt. Die gewaltigen Abmessungen der Brücke spiegeln

sich u. a. in dem Einfluß wider, den die Erhöhung der Luftwärme auf das

Baumaterial ausübt. Die aus dem Temperaturunterschied entspringenden

Längsverschiebungen betragen fast 1 m; bescheint die Sonne die

Brücke einseitig, so hat dies eine Bewegung von 0,2 m senkrecht zur

Brückenachse zur Folge.

Am 4. März 1890 wurde die Brücke ihrer Bestimmung übergeben.

Die im Zuge der Kap-Kairo-Eisenbahn den Zambesifluß unterhalb der

Viktoriafälle überspannende Brücke ist in ihrem Hauptteile ebenfalls

nach dem Kantilever- oder Auslegersystem erbaut. Dieser den reißenden

Strom übersetzende Hauptteil ist gleich der Forthbrücke ohne Gerüst

von beiden Ufern aus vorgebaut und hat eine lichte Weite von 152,4 m;

die Pfeilhöhe des Bogens der Eisenkonstruktion beträgt 27,4 m. Die

Brücke liegt fast unmittelbar unterhalb der Fälle, die bei über 1600 m

Breite die Fluten des Zambesi in eine Tiefe von 140 m hinabstürzen

lassen. Die Gesamtlänge der Brücke beträgt 198 m, also ein keineswegs

ungewöhnliches Maß. Was aber den Bau, insbesondere dessen Vorarbeiten

überaus schwierig gestaltete, das waren außergewöhnliche örtliche

Verhältnisse. Diese ergaben sich aus der großen Höhe der steil aus

den Wirbeln des Stromes emporragenden Felsufer und hatten zur Folge,

daß die Brücke von beiden Ufern aus in der schwindelnden Höhe von

115 m über dem Wasserspiegel vorgebaut werden mußte. Um das Maß der

Entfernung der beiden Ufer festzustellen, wurde eine Rakete, an der ein

dünnes Seil befestigt war, über den Fluß geschleudert und mit Hilfe

dieses Seiles ein Telephondraht über den Fluß gespannt, und außerdem

ein Stahldraht zum Messen der Entfernung gezogen. Der Telephondraht

war erforderlich, weil, um von einem zum andern Ufer zu gelangen, ein

Umweg von 16 km zurückzulegen war. Der den Bau leitende Ingenieur

C. Beresford Fox begnügte sich aber nicht mit der telephonischen

Verständigung, sondern ließ an einem über den Fluß gespannten Drahtseil

ein Sitzbrett anbringen, auf dem er sich mittels eines endlosen Seiles

in schwindelnder Höhe von der einen zu der andern Baustelle ziehen

ließ. Um die während des Baues etwa abstürzenden Arbeiter vor dem

sichern Tode des Ertrinkens zu bewahren, wurde ein Schutznetz über den

Strom ausgespannt.

[Illustration: Abb. 4. Das Westportal der Hohenzollernbrücke bei Köln.]

Die am 5. Oktober 1859 nach 4-1/2jähriger Bauzeit eröffnete, von der

Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft mit einem Aufwand von 3927434

Talern gleich rund 11780000 Mk. erbaute Kölner Rheinbrücke (eine

Gitterbrücke mit 4 Öffnungen) genügte bereits seit geraumer Zeit

nicht mehr den erhöhten Anforderungen, die der zunehmende Verkehr

an sie stellte. Dieser war von 8--10 täglich die Brücke befahrenden

planmäßigen Zügen auf 380 gestiegen. Am 19. Juni 1907 wurde mit

dem Bau der an die Stelle dieser alten Rheinbrücke tretenden

Hohenzollernbrücke, Abb. 4, begonnen. Diese hat nur 3 Öffnungen, deren

mittlere 159,92 m und deren beiden seitlichen Öffnungen je 116 m

Lichtweite besitzen. Der Bau dieser neuen Brücke, einer Bogenbrücke

mit angehängter Fahrbahn, gestaltete sich um deswillen schwierig,

weil während der Bauzeit der Straßenverkehr und der Eisenbahnbetrieb

aufrecht zu erhalten waren, und außerdem schiffahrtspolizeiliche

Erschwernisse zu überwinden waren.

[Illustration: Abb. 5. Das Ausfahren der alten Rheinbrücke bei Köln.]

Der Entwurf des ingenieurbautechnischen Teiles wurde im

Ministerium der öffentlichen Arbeiten zu Berlin, nachdem er in der

Eisenbahndirektion Köln aufgestellt war, geprüft und festgestellt. Die

Berechnung und bauliche Durchbildung der eisernen Überbauten wurde der

Aktiengesellschaft Harkort zu Duisburg und der Maschinenbauanstalt

Nürnberg, Zweiganstalt Gustavsburg, übertragen. Die obere Leitung

lag bei der Eisenbahndirektion Köln. Von besonderer Eigenart sind

die die Beseitigung der alten Brücke bezweckenden Arbeiten. Hätte

man diese in der üblichen Weise abgebrochen, indem man Holzjoche

zu deren Unterfangung in den Strom einrammte und über diesen den

Überbau stückweise entfernte, so würde man 2--3 Monate an der Bauzeit

verloren haben. Infolgedessen entschloß man sich, die Brücke mit

Hilfe des Wasserstoff-Sauerstoff-Verfahrens zu zerschneiden, und die

so gewonnenen Einzelteile mittels schwimmender Gerüste zu entfernen

und ans Ufer zu setzen. Das Eisenwerk der alten Brücke bestand

aus zwei durchlaufenden, auf dem mittelsten der drei Strompfeiler

unterbrochenen Gitterträgern von 8,5 m Höhe. Jeder der Träger hatte

nach Beseitigung der Fahrbahn ein Gewicht von rund 840 t. Da jede der

vier Öffnungen getrennt entfernt werden mußte, wurden zunächst die

Träger auf den Zwischenpfeilern durchschnitten. Nunmehr wurde ein

entsprechend angeordnetes Gerüst (vgl. Abb. 5), das auf rechteckigen

Kähnen von entsprechender Tragkraft stand, durch Schleppdampfer unter

den auszufahrenden Träger gebracht und dort verankert. Die Kähne

waren mit Wasserballast gefüllt. Wurde dieser durch Pumpen aus den

Kähnen hinausgeschafft, so hoben sich jene und lüfteten hierbei den

auf dem Gerüst ruhenden Träger von seinen Stützpunkten nach oben.

Sobald der Träger frei schwebte, wurden die Anker gelichtet, und das

Schwimmgerüst mit dem auf ihm liegenden Träger durch Schleppdampfer in

ein seitlich gelegenes Abbruchgerüst übergeführt. Die Beseitigung der

mittleren Öffnungen vollzog sich in der kurzen Zeit von 40 Minuten.

Die Beseitigung der rechtsseitigen Öffnung dauerte eine Stunde, die

der linksseitigen Öffnung 2-1/2 Stunden. Bei dem Bau der neuen Brücke

sind rund 11500 cbm Werksteine und 46500 cbm Beton verbaut, 8600 cbm

Ziegelsteinmauerwerk, 610 t Profileisen für die Gründungsarbeiten und

160 t sonstiges im Mauerwerk vermauertes Eisen mit einem Kostenaufwand

von 3530000 Mk. Das Gesamtgewicht des eisernen Überbaues betrug 16560 t

bei einem Kostenaufwand von 4290000 Mk. Die Gesamtkosten betrugen,

ausschließlich der an den Portalen aufgestellten Reiterstandbilder und

der Verwaltungskosten, rund 13300000 Mk.

[Illustration: Abb. 6. Die Brücke über den Hoangho.]

Die den Hoangho im Zuge der Tientsin-Pukow-Bahn überbrückende in

Abb. 6 dargestellte gewaltige Brücke ist von der Maschinenfabrik

Augsburg-Nürnberg, Werk Gustavsburg, erbaut und im November 1912

eröffnet worden. Der Hoangho oder »gelbe Fluß« bildet seiner tückischen

Eigenschaften wegen von jeher den »gelben Kummer« Chinas. Im Laufe der

Jahrhunderte hat er unter Vernichtung von Tausenden von Menschenleben

die ihn umgebenden Deiche durchbrochen und seine Mündung verlegt.

Dieses geschah insgesamt neunmal, zuletzt im Jahre 1851, wo sich die

Mündung, die bisher südlich der Schantunghalbinsel lag, nach ihrem

jetzigen Orte verlegte. Dort, wo die Brücke den Fluß 200 km oberhalb

der Mündung überschreitet, hat dieser eine Breite von etwa 500 m.

Die Breite des hier zu überbrückenden Überschwemmungsgebiets beläuft

sich jedoch auf etwa 1300 m, woraus sich die ungewöhnliche Länge des

Bauwerks erklärt. Diese beträgt einschließlich der Pfeiler 1255,20 m.

Hiervon entfallen 834 m auf die Flutbrücken, während der Rest von

421,20 m auf den Hauptstrom entfällt. Die Überbrückung der 834 m weiten

Flutöffnungen erfolgt durch 9 selbständige Parallelträger von je

91,50 m Spannweite. Der Hauptstrom wird dagegen durch ein großartiges

zusammenhängendes Bauwerk überspannt. Die Hauptbrücke wird durch

zwei nebeneinander im Abstand von 9,40 m liegende Fachwerkträger von

421 m Länge gebildet, eingeteilt in zwei Seitenöffnungen von je 128 m

und eine Mittelöffnung von 164 m. Bei dem Bau der Brücke handelte es

sich darum, diese zunächst eingleisig auszuführen, jedoch derart, daß

sie jederzeit mit geringsten Kosten in eine zweigleisige umgebaut

werden kann. Demnach ist der Abstand der Hauptträger von Haus aus für

einen zweigleisigen Betrieb gewählt. Dagegen sind die Abmessungen

der Hauptträger nur so gewählt, daß sie für einen eingleisigen

Betrieb genügen; sie müssen also bei dem Übergange zu zweigleisigem

Betrieb verstärkt werden. Dies soll in der Weise geschehen, daß neben

jedem Hauptträger ein weiterer Hauptträger aufgestellt und an jeder

senkrechten Strebe mit dem bestehenden Hauptträger durch ein vom

Ober- bis zum Untergurt durchlaufendes Blech verbunden wird. Diese

Art der Verstärkung hat den Vorteil, daß in die zunächst ausgeführten

Brückenteile kein überflüssiger Baustoff hineingebaut wird, und daß

später lediglich eine Aufstellung der hinzukommenden Hauptträger, nicht

aber eine Abänderung der vorhandenen Träger erforderlich ist. Die

einzige zu erfüllende Aufgabe besteht darin, den neu hinzukommenden

Hauptträger mit dem bereits vorhandenen Hauptträger zu einem

einheitlichen Ganzen zu vereinigen. Erhebliche Schwierigkeiten boten

die Fundierungsarbeiten, da der Untergrund selbst in 50 m Tiefe noch

keinen tragfähigen Boden ergab. Infolgedessen mußte man sich dazu

entschließen, Sinkkästen unter Luftdruck zu versenken und von diesen

aus Rammpfähle zu schlagen. Jeder der Mittelstrompfeiler steht auf etwa

250 solcher Pfähle.

Die den Bau leitenden deutschen Ingenieure Borkowetz und Preis und

der Bauchef der Eisenbahn, Baurat Dorpmüller, hatten nicht nur mit

den Elementen, mit Hochwasser und Eis, sondern mit dem offenen und

versteckten Widerstand der Chinesen zu kämpfen. -- Das Eisengewicht

der Strombrücke beträgt gegen 3700 t, das Gesamtgewicht des Überbaus

4100 t, jeder Strompfeiler hat eine Last von 1600 t zu tragen.

Der Bau der bei Quebec den Lorenzstrom überschreitenden Brücke wurde

durch ein im Jahre 1887 erlassenes Gesetz genehmigt. Die Brücke

sollte eine Mittelöffnung von rund 549 m Spannweite besitzen, die

von je zwei 171,56 m langen Konsolen und einem 205,88 m langen

eingehängten Mittelträger überspannt wurde. Die Gesamtlänge der

Brücke sollte 988,2 m betragen; außer zwei Vollspurgleisen und zwei

Straßenbahngleisen waren zwei Fahrstraßen mit äußeren Fußwegen

vorgesehen. Am 29. August 1907 brach die Brücke während des Baues

zusammen. Der neue Entwurf setzte die Länge der Konsolen auf 176,9 m,

die des eingehängten Mittelträgers auf 195,2 m fest, so daß die

Mittelöffnung wieder die Spannweite von 549 m erhielt. Die Gesamtlänge

der Brücke blieb unverändert. Am 11. September 1916 stürzte der

Mittelträger, als er mittels hydraulischer Pressen und Schraubenwinden

emporgewunden und mit den Konsolen verbunden werden sollte, in die

Tiefe. Nun wurde ein neuer Mittelträger erbaut und am 24. September

1917 in die Brücke eingefügt. Die mit der St. Lawrence Bridge Company

in Montreal getroffene Abmachung schloß mit dem Betrage von 1750000

Pfund Sterling ab.

[Illustration: Abb. 7. Der Eiffelturm, einer der Nauener 260 m-Türme

und die Kölner Domtürme.]

Die großen Fortschritte, die sich in der Darstellung des Eisens

vollzogen, und die durch die wissenschaftliche Vertiefung der Technik

geschaffene Möglichkeit, die Beanspruchung der einzelnen Bauteile

zu verfolgen, hatten alsbald zur Folge, daß sich das Eisen auch als

Baustoff für Riesenhochbauten erfolgreich einführte. Die höchsten aus

Stein aufgeführten Bauwerke, das Washington-Denkmal (172 m), die Türme

des Kölner Doms (159 m) u. a. m. geben etwa die oberste Grenze an, bis

zu welcher man sich der Gesteine als Baustoff bedienen darf. Darüber

hinaus werden die unteren Mauerschichten durch das Gewicht der höheren

Schichten derart auf Druck beansprucht, daß sie zerbröckeln. Eine

derartige Gefahr liegt bei dem Eisen in weiter Ferne. Handelt es sich

um die Aufführung solcher Bauten, deren Wandungen nicht geschlossen

zu sein brauchen, dann hat das leichte und zierliche Maschengefüge der

Eisenbauten im Gegensatz zu den vollen Steinwänden noch den Vorzug, daß

es dem Winde eine erheblich geringere Angriffsfläche darbietet.

Als erster in Eisen errichteter Riesenhochbau ist der 300 m hohe

_Eiffelturm_ (Abb. 7) zu nennen, der eins der hervorragendsten

Schaustücke der Pariser Weltausstellung 1889 bildete und bis heute den

Ruhm in Anspruch nehmen kann, das höchste Bauwerk der Erde zu sein.

Ursprünglich lediglich dazu bestimmt, ein glänzendes Ausstellungsstück

zu bilden, hat der Eiffelturm sich immer mehr und mehr in den Dienst

der Wissenschaft und des Verkehrs gestellt, indem er ein Laboratorium

zur Untersuchung des Luftwiderstandes, eine meteorologische Station

und eine Großstation für drahtlose Telegraphie trägt, die während des

Weltkrieges sich für unsere Feinde als überaus wertvoll erwiesen hat.

Der Eiffelturm wird durch die beiden 260 m hohen _Riesentürme_ der

_Telefunken-Groß-Station Nauen_ an Höhe fast erreicht, an Kühnheit des

Aufbaues aber bei weitem übertroffen. Erbauer ist der Oberingenieur

_Bräckerbohm_ der Hein, Lehmann & Co., A.-G. zu Berlin. Bereits im

Jahre 1909 erhielt diese von der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie

(Telefunken) den Auftrag zum Bau eines 100 m hohen als Antennenträger

dienenden turmähnlichen, unten isolierten Mastes. Dieser erhielt einen

dreieckigen Querschnitt und wurde gegen Umkippen durch Spannseile

gesichert; die Aufstellung erforderte sechs Wochen. Im Jahre 1911 ergab

sich die Notwendigkeit, diesen 100 m hohen Mast auf das Doppelte zu

erhöhen, da ein Neubau aus verschiedenen Gründen unmöglich war. Gegen

Weihnachten 1911 war die Erhöhung fast vollständig erfolgt, als die

Arbeiten durch schwere Stürme überrascht wurden. Aus irgendwelchen

Ursachen war in etwa 150 m die Erhöhung eingeknickt, und es erfolgte

ein Zusammensturz des Turmes, glücklicherweise ohne Folgen für die

Arbeiter und die benachbarten Gebäude. Als Notbehelf wurden auf

Vorschlag der vorgenannten Firma zwei 120 m hohe Rohrmaste errichtet.

Diese wurden auf der Erde liegend zusammengebaut und in _einem_ Stück

mit Hilfe eines 40 m hohen Hilfsmastes aufgerichtet. Wenige Wochen nach

jenem Einsturz beschloß die Telefunken-Gesellschaft die Errichtung

eines Turmes von 260 m Höhe, der in seinen Grundprinzipien mit dem

eingestürzten Turme übereinstimmt, und dessen Verhältnisse zu dem

Eiffelturm und zu dem Kölner Dom die Abb. 7 zeigt. Bisher hatte die

Isolation derartig schwerer Türme große Schwierigkeiten bereitet.

Jetzt aber war es gelungen, die für die Isolation erforderlichen

großen massiven Porzellankörper herzustellen. Die Aufstellung

dieses Riesenturmes erforderte trotz der ungünstigen Jahreszeit

(Wintermonate 1912/13) im ganzen nur 5 Monate. Die den Turm sichernden

Spannvorrichtungen wirken derart zuverlässig, daß selbst bei den

stärksten Stürmen kaum eine Bewegung der Abspannseile bemerkbar ist.

Diese Bewegung wäre auch durchaus unschädlich, da der Mast sowohl an

der Erde wie in der Mitte mit einem Gelenk versehen ist, das etwaige

Schwingungen ausgleicht. Das Bauwerk stellt das Beste dar, was an

Ermöglichung des Ausbaus und an Standsicherheit zu erreichen ist. Dies

tritt besonders hervor, wenn man sich die Belastung vergegenwärtigt,

die dieser 260 m hohe Turm zu tragen hat. Auf diesem ruht ein

Drahtseil, das ihn an der Spitze mit 30000 kg senkrecht und mit 6000 kg

wagerecht belastet, eine _Beanspruchung, welcher der Eiffelturm trotz

der in ihn hineingebauten gewaltigen Eisenmassen nicht gewachsen wäre_.

Das Gewicht des 260 m hohen Turmes beträgt 360000 kg; der Druck auf

das Fundament beläuft sich bei Stürmen auf etwa 800000 kg. Dieser

260 m-Turm befindet sich in Nauen in zwei Ausführungen; außerdem sind

dort noch vorhanden: 2 Maste von je 150 m und 4 Maste von je 120 m

Höhe; ferner ein 134 m hoher Turm. Trotz des verblüffend leichten

Aufbaus sind alle diese Türme durchaus standsicher.

Große Leistungen ermöglicht das Eisen insbesondere im Hochbau bei der

Errichtung der »_Wolkenkratzer_« der amerikanischen Großstädte. Noch

im Jahre 1880 begnügte man sich in den Vereinigten Staaten mit 5--6

Stockwerken, bis man durch das Steigen der Bodenpreise gezwungen wurde,

»in den offenen Raum zu flüchten«.

In der baulichen Ausbildung der Wolkenkratzer sind zwei Zeitabschnitte

zu unterscheiden, deren erster bis zum Ende der achtziger Jahre

des vorigen Jahrhunderts, deren zweiter bis zur Gegenwart reicht.

In dem ersten Zeitabschnitt übertrug man die für ein gewöhnliches

Steingebäude üblichen Baugrundsätze auf Gebäude von doppelter und

dreifacher Höhe. Hierbei war das Mauerwerk der hauptsächlich tragende

Teil, während das Eisen nur zur gegenseitigen Versteifung der Wände,

der Balkenlagen und des Daches benutzt wurde. Bald aber stellte

sich heraus, daß diese Bauweise für die Errichtung höherer Gebäude

nicht benutzbar war, weil in den unteren Geschossen die Mauerstärke

ungebührlich vergrößert werden mußte, infolgedessen der verfügbare

Bebauungsraum in unerwünschtem Maße beengt wurde. Die Eigenlast der

Gebäude und damit deren Druck auf die Fundamente wurde ungemein groß.

Hierdurch gelangte man auf eine andere Bauweise, die sog. »Skelett-

und Furnierkonstruktion« (+skeleton and veneer construction+). Die

bisher benutzten schweren Mauerwerksmassen sind hierbei durch aus Eisen

hergestellte Gerippe ersetzt, die die sämtlichen Belastungen aufnehmen

und auf das Fundament übertragen. Die Verteilung der inneren Räume

läßt sich leicht in das Gerippe einbauen, während die feuerfesten

Verkleidungen in Stein, Ziegel, Terrakotta u. dgl. gleichsam wie ein

Furnier das ganze innere Eisengerippe umgeben. Diese Gerippebauart hat

gegenüber der früheren Bauweise noch den großen Vorzug des raschen

Aufbaus. Bauten, die früher ein Jahr und mehr beanspruchten, werden

jetzt in 5--6 Monaten errichtet. Die mit dieser Bauweise zu erreichende

größte Gebäudehöhe schätzt man auf 600 m.

Der höchste Wolkenkratzer ist das in Abb. 8 dargestellte

_Woolworth-Gebäude_ in New York, das mit einem Kostenaufwand von 80

Mill. Mk. errichtet wurde. Es liegt am Broadway mit einer Front von

47 m und auf dem Park Place und Barklay Street mit einer Fassadenlänge

von je 60 m. Der Turm erhebt sich vom Broadway mit 55 Stockwerken

und besitzt 26 m im Quadrat. Der übrige Teil des Gebäudes hat 29

Stockwerke. Die Höhe des Turms über dem Straßenpflaster beträgt

221 m. Da auch unter der Straße noch Geschosse von 37,50 m Tiefe

liegen, so ergibt sich eine Gesamthöhe vom Fundament bis zur Spitze

des Turms von 258,50 m. Wenn sämtliche Räume vermietet sind, faßt

der Bau 10000 Personen. Der ausführende Architekt Cass Gilbert

hat es verstanden, durch Anwendung des gotischen Stils und durch

eigenartige Farbenzusammenstellung des Mauerwerks einen durchaus

künstlerisch und harmonisch wirkenden Eindruck zu erwecken. Die von

der Otis-Gesellschaft gelieferten, den Innenverkehr vermittelnden

gewaltigen 26 elektrischen Fahrstühle besitzen eine Geschwindigkeit von

3,5 m in der Sekunde.

Angesichts der Wohnungsnot ist man auch in Deutschland dem Bau von

Wolkenkratzern nähergetreten, wegen der hohen Eisenpreise aber bisher

ohne tatsächlichen Erfolg. Da ist von Interesse, daß der Bau von

Häusern bis zu 22 Stockwerken möglich ist ohne Anwendung von Eisen.

Vorbedingung für derartige hohe Häuser ist, daß sie mit rundem oder

elliptischem Grundriß aufgeführt werden und hierdurch befähigt sind,

dem Winddruck besser zu widerstehen als Gebäude mit flachen Wänden und

rechteckigem Grundriß.

[Illustration: Abb. 8. Das Woolworth-Gebäude in New York.]

In der neuesten Zeit nimmt der _Eisenbeton_ in schnell steigendem

Maße an Bedeutung als Baustoff zu. Derselbe besteht aus einer innigen

Vereinigung von Eisen und Beton und verdankt seine hohe Festigkeit dem

Umstande, daß jeder der beiden Baustoffe, aus denen er zusammengesetzt

ist, diejenige Beanspruchung aufnimmt, wofür er besonders geeignet

ist. _Das Eisen nimmt die Zugspannungen, der Beton nimmt die

Druckbeanspruchungen auf._ Der Eisenbeton, der sich durch unbedingte

Feuersicherheit, schnelle und billige Ausführbarkeit, Dauerhaftigkeit

und leichtes Anpassungsvermögen auszeichnet, wird in der Weise

hergestellt, daß ein Netzwerk von Eisenstäben, das in seiner Gestalt

dem zu schaffenden Bauwerk entspricht, von einer Schalung umgeben wird

und in dieser Schalung mit flüssigem Beton umgossen wird, der bei

seiner Erstarrung eine unlösbare Verbindung mit dem eisernen Netzwerk

eingeht. Die weitestgehende Verwendung findet der Eisenbeton zunächst

im Hoch- und Brückenbau, sodann im Tiefbau und im Wasserbau. Die

weitest gespannte Eisenbetonbrücke überschreitet den Mississippi bei

Minneapolis mit einem Bogen von 121,92 m Weite und 26,82 m Pfeilhöhe.

Jenseits des Ozeans verwendet man den Eisenbeton auch als Baustoff für

Wolkenkratzer. Neuerdings hat der Eisenbeton eine zunehmende Bedeutung

als Schiffbaustoff gewonnen, und zwar sowohl für Binnen-, wie für

Seeschiffe. Als Vorzüge des Eisenbetonschiffbaus sind außer den bereits

genannten zu nennen: Wasserdichtheit, elastisches Verhalten gegen

Stoß, kurze Bauzeit, Möglichkeit der Reihenherstellung von Schiffen

gleicher Bauart, geringe Reibung im Wasser, hohe Widerstandskraft gegen

Seewasser, geringer Ansatz von Pflanzen und Muscheln am Schiffskörper.

Anfangs wurde die Einführung des Eisenbetons in den Schiffbau durch

den Umstand stark erschwert, daß sich das Eigengewicht der Schiffe im

Verhältnis zu deren Ladefähigkeit sehr ungünstig gestaltete. Dieses

Mißverhältnis scheint aber durch Schaffung eines sehr leichten Betons

beseitigt zu sein. Schließlich werden jetzt auch _Eisenbahnwagen_

in steigendem Maße aus Eisenbeton hergestellt. Der aus Eisenbeton

hergestellte Wagen hat gegenüber dem eisernen Wagen den großen, bei

den jetzigen hohen Eisenpreisen besonders wichtigen Vorzug, daß er

erheblich weniger Eisen in Anspruch nimmt; so stehen beispielsweise den

2200 kg Profileisen des eisernen offenen 20 t-Güterwagens nur 700 kg

Bandeisen und 200 kg Flach- und Quadrateisen des Eisenbetonwagens

gegenüber.

II. Tunnelbauten.

Von jeher hat der Riesenwall der Alpen den Wagemut der durch ihn

voneinander getrennten Völkerschaften erregt.

Die ersten großen über die Alpen führenden Verkehrsstraßen stammen

aus dem 18. Jahrhundert: Kaiserin Maria Theresia erbaute 1772 die

über den Brenner führende »Kaiserstraße«; Napoleon I. schuf die

Heerstraßen über den Mont Cenis und über den Simplon. Noch andre die

Alpen überschreitende Straßen folgten, und als die Eisenbahnen in die

Erscheinung traten, da gesellten sich zu diesen die das Gebirgsmassiv

durchbohrenden Tunnel, die höchsten Glanzleistungen neuzeitlicher

Ingenieurtechnik darstellend. Der erste größere Tunnelbau war der

2-1/2 km lange Hauensteintunnel bei Olten in der Schweiz. Derselbe hat

nebenbei eine traurige Berühmtheit dadurch erlangt, daß während seines

Baues am 28. Mai 1857 70 Arbeiter durch den Einsturz eines Schachtes

den Tod fanden. Die hier gesammelten Erfahrungen ermutigten im Jahre

1859 zum Bau des 12 km langen Mont Cenistunnels, der nach 11jähriger

Bauzeit zum Durchschlag und im 12. Jahre zur Vollendung gebracht wurde.

Der tägliche Vortrieb betrug, da man allein über Handbohrung verfügte,

auf jeder Seite nur 1,5 m täglich. Der im Jahre 1872 begonnene, am 29.

Februar 1880 zum Durchschlag gebrachte Gotthardtunnel hat eine Länge

von 14,984 km; hier erzielte man, da inzwischen die Tunnelbohrmaschine

ins Leben gerufen war, einen täglichen Fortschritt von 2,11 m auf jeder

Seite.

Der nächste in Angriff genommene große Alpentunnel war der den

_Simplon_ durchschneidende. Er ist ein unmittelbarer und scharfer

Nebenbuhler seiner beiden Vorgänger, denn ihm liegt, gleich jenen,

dieselbe große Aufgabe innerhalb des internationalen Verkehrs zwischen

dem Norden und Süden Europas ob. Diese Aufgabe zwang schon bei der

Festlegung der beiden Tunnelmündungen zu wichtigen Erwägungen. Ein

Tunnel ist um so billiger und schneller herzustellen, je kürzer er

ist, oder, mit anderen Worten, in je größerer Höhe er das Gebirge

durchbohrt. Hiermit wachsen aber die Schwierigkeiten, die sich der

Beförderung der Züge entgegenstellen. Diese müssen größere und

länger ausgedehnte Steigungen hinaufbefördert werden, und die im

Freien liegenden Eisenbahnstrecken können gegen Schneeverwehungen

und sonstige Naturereignisse nur unter erheblichem Aufwand von

Personal- und Unterhaltungskosten geschützt werden. Demnach hat man

dem Simplontunnel, um ihn zu einem stets betriebsbereiten Mittel des

internationalen Verkehrs zu machen, eine möglichst tiefe Lage gegeben

und ihn als einen sog. Basistunnel, der den Gebirgsstock an seiner

Wurzel durchfährt, ausgeführt. Der Simplontunnel liegt 450 m tiefer als

der Gotthardtunnel. Trotzdem aber konnte man ihn derart in das Gelände

einfügen, daß er nur 5 km länger ist als der Gotthardtunnel, nämlich

19,803 km. Die nördlich bei Brig gelegene Tunnelmündung liegt 686 m,

die südliche (Abb. 9), bei Iselle liegt 634 m über dem Meere.

[Illustration: Abb. 9. Die italienische Seite des Simplontunnels.]

Wie bei allen großen Gebirgstunneln stellte die trigonometrische

Festlegung der Tunnelachse die höchsten Anforderungen an deren Leiter,

Professor Rosenmund-Zürich, wie an dessen Gehilfen und an die zur

Anwendung gelangenden Meßgeräte. Die neuzeitlichen Tunnel werden von

beiden Seiten her gleichzeitig in das Gebirge vorgetrieben, und es muß

daher Vorsorge getroffen werden, daß die einander entgegenstrebenden

Arbeiterscharen sich im Innern des Berges treffen und nicht aneinander

vorbeigehen. Zu diesem Zwecke wird der betreffende Gebirgsabschnitt

mit einem sog. Triangulationsnetz überzogen. Die Ecken der dieses

Triangulationsnetz bildenden Dreiecke liegen auf Bergspitzen, und

es werden nun diejenigen Winkel, unter denen diese mit sichtbaren

Signalen ausgestatteten Bergspitzen zueinander stehen, gemessen und

festgestellt. Hat man den Gebirgsstock auf diese Weise gleichsam in

ein Netz von Dreiecken eingesponnen, so ist nur noch erforderlich, die

Winkel zwischen den Tunnelmundlöchern und den von diesen aus sichtbaren

Bergspitzen zu messen. Nunmehr kann die Mittelachse des Tunnels über

das Gebirge hinweg durch Signalstangen festgelegt werden. Um sicher zu

sein, daß sich die Arbeiten im Innern des Berges genau unterhalb dieser

über das Gebirge hin festgelegten Linie bewegen, wird letztere über

beide Tunnelmündungen hinaus verlängert, und in dieser Verlängerung der

Tunnelachse werden Beobachtungsposten aufgestellt, von denen aus man

mittels scharfer Fernrohre die im Berge fortschreitende Tunnelöffnung

und die über das Gebirge festgelegte Tunnelachse beobachten und

gegenseitig verfolgen kann. Um dies zu ermöglichen, werden in der

Mittellinie des fortschreitenden Tunnels scharf leuchtende Lichter

angebracht. Stellt man ein Fernrohr auf die über das Gebirge gelegte

Achse ein und dreht man dasselbe alsdann in senkrechter Richtung so

tief abwärts, daß man in das Innere des Tunnels hineinblickt, so müssen

die hier angebrachten Lichter in derselben senkrechten Ebene liegend

erscheinen wie jene Achse. Ist dies nicht der Fall, so muß der Vortrieb

des Tunnels entsprechend geändert werden. Die Arbeiten des Professor

Rosenmund wurden stark durch Luftspiegelungen gestört, die von

Temperaturunterschieden der Tunnelluft herrührten. Sie gelangten aber

zu einer so genauen Durchführung, daß die beiden Tunnelachsen, als sie

am 25. Februar 1905 sich begegneten, nur um 20,2 cm in der Wagerechten

und um 8,7 cm in der Senkrechten voneinander abwichen.

Schöpfungen der Ingenieurtechnik der Neuzeit · 第 1 / 9 段