Dabei war die Mutter immer stummer geworden. Sie konnte nich

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LUDWIG FUGELER

Roman

von

ANNA SCHIEBER

Erste bis vierzehnte Auflage

[Illustration: Verlags-Signet]

Verlegt bei Eugen Salzer in Heilbronn

1918

Copyright by Eugen Salzer, Heilbronn

Den Einband zeichnete Karl Sigrist

Ich muß dir etwas erzählen, liebste Frau, was mir gestern begegnet ist,

und was ich dir gerne mündlich sagte, wenn du nicht in weiter Ferne am

Meeresstrande säßest, du Ausreißerin.

Deine braunen Fensterläden sind geschlossen; der alte Nußbaum klopft mit

schwanken Zweigen daran und fragt, ob du bald kommest.

Und auch ich frage so. Du weißt, warum. Ich darf heute nichts davon sagen,

ich habe es dir versprochen. Du sollst Ruhe haben zu allem. Ruhe? Wenn ich

dir diese Blätter schicke?

Doch ich wollte dir ja etwas erzählen.

Ich ging mit meinem Freund Haller, den du den Tolpatsch nennst, gegen die

Wilhelmsburg hinauf. Er hatte das kaffeebraune Sommerröckchen an, das du

ihm längst wegsprechen wolltest, und ging, die eine Hand in der Tasche, mit

der andern lebhaft seine Rede begleitend, neben mir her. Er ist ein Kind

und ein Weiser zugleich. Du hättest ihn sehen und hören sollen. Er fand

einen aus dem Nest gefallenen jungen Finken und trug ihn im Taschentuch mit

sich, solang er mir seine Lieblingsidee, die er von Fichte aufgenommen hat,

auseinandersetzte: es gibt nur eine Tugend, sich selber vergessen, und nur

eine Sünde, sich selber zu wichtig nehmen. Dabei erdrückte er im Eifer des

Gesprächs den Finken und sah, als er es merkte, bestürzt das Vogelleichlein

an. Ich wollte es nicht, versicherte er, ich wollte es gewiß nicht tun.

Plötzlich sah ich einen in der Sonne schimmernden Faden, der an seiner

Schulter aufglänzte, und dessen anderes Ende in der himmlischen Bläue

verfestigt zu sein schien. Er mochte sich drehen oder wenden wie er wollte,

der Faden ging mit ihm, so zart er war, denn die unsichtbaren Spinnfrauen

hatten ihn fest und zäh gesponnen. Und mich ergriff eine heitere Rührung,

als ich das große Kind so lieblich an das All gekettet sah. Geh' du nur

hin, dachte ich, und stolpere deinen Gang. Es fliegt doch ein zartes

Seelchen hinter dir drein und leitet dich an einem Silberfaden.

Aber als ich nach Hause kam, fiel es mir ein: Kann nicht im Grunde auch ich

von einem solch festen und zarten Gespinst sagen, das mich, mir selbst zum

Trotz manchmal, auf Holper- und Stolperwegen begleitet hat, ohne zu

zerreißen? Ich achtete nicht darauf, denn ich war in mir selbst befangen

und haschte täppisch nach Scheindingen, die mir in der Hand zergingen,

indes ich das Beste am Wege stehen ließ. Ich machte weite Umwege und verlor

dabei Kostbares, das ich nicht mehr fand, und beinahe auch mich.

Und doch zerriß der Faden nicht, der mich mit dem lebendigen Leben verband.

Als ich erwachte und mich einsam sah, wurde ich seiner gewahr. Da merkte

ich, daß er von guten Händen fest gesponnen sein mußte, denen man nicht so

leicht hinauskommt, um ins Abgründige und Wesenlose zu fallen. Mit dir

werden sie leichtere Mühe haben, als mit mir.

Ich habe mich nun entschlossen, dir die Blätter zu schicken, die ich

eigentlich für mich selbst beschrieben habe. Es war vor deiner Zeit. Ich

wußte nicht, ob ich sie noch einmal in vertraute Hände legen würde, als

ich an vielen einsamen Abenden mein Leben vor mir ausbreitete, das zu

stocken schien. Bei manchem, das in der Erinnerung freudig und freundlich

zu mir trat, verweilte ich gern und ausführlich, manches aber

aufzuschreiben fiel mir schwer, wie es einem schwer wird, im Spiegel mit

Aufmerksamkeit sein Gesicht zu betrachten, wenn man inne wird, daß es von

vorzeitigen Runzeln durchfurcht oder von Flecken entstellt ist, und vor

manchem auch graute mir, daß es einmal gewesen sei. Da hieß ich meine Feder

eilen. Doch glaube ich, kann ich sagen, daß ich mich davor gehütet habe,

etwas an mir zu beschönigen, oder mich besser zu machen, als ich war,

wenngleich es mich manchesmal verlangte, daß ein lieber Mensch mir in die

Blätter sähe und zu mir sagte: Du seiest, wie du wollest, so bin ich

dennoch dein und liebe dich.

Ein solcher, der es sagen würde, war einmal.

Wird auch jetzt ein solcher zu mir kommen, wenn du sie gelesen hast?

Ich soll ja nicht fragen. Aber warten, das darf ich doch?

* * * * *

Es war einmal ein Tag, da machte ich die Augen auf in einem hohen, weiten

Raum. Das ist das erste von allem, dessen ich mich entsinnen kann, es ist

mir, als sei ich damals in die Welt herein geboren worden. Ich lag auf

einer Bank, die eine hohe, geschnitzte Lehne hatte, und sah mit blinzelnden

Augen um mich und über mich. Es ging hoch hinauf, fast schwindelnd hoch,

und ich spürte auf einmal, daß ich ein klein -- kleinwinziges Büblein und

nicht daheim in meiner Stube sei. Da waren viele steinerne Säulen, die alle

so unmenschlich hoch und groß waren und oben irgendwie zusammenstrebten.

Und da waren Fenster, durch deren buntfarbiges Glas Ströme von farbigem

Licht in die hohe, dämmerige Halle flossen. Das Licht floß an den

Steinsäulen hin und auf dem Fußboden weiter und traf auch mich, und auf

einmal fing es an, zu klingen, zuerst hoch und hell, und dann leise und

zart, und dann so mächtig, immer stärker und mächtiger, daß ich nicht

wußte, wo ich hinfliehen sollte, so mächtig dröhnte und tönte das Licht,

das ich noch nie gesehen hatte. Es tat mir etwas wohl, aber noch viel weher

tat es daneben, und ich tat, was alle Kinder in der Not ihres erschrockenen

Herzleins tun mögen, ich rief der Mutter.

Sie hörte es nicht, weil das Getöse so stark war, da rief ich lauter und

lauter und rutschte von der Bank herunter auf meine Füße und schrie:

Mutter, Mutter!

Da hörte ich unter das starke Tönen hinein eine Weiberstimme, die gehörte

einer breiten, dicken Gestalt, die einen Besen führte, und sie rief nach

einer Ecke hin: »Fugelerin, Ihr Bub ist aufgewacht, er schreit.«

Gleich darauf tauchte meine Mutter zwischen den Steinsäulen auf und kam

schnell auf mich zu. »Still, still, Ludwig,« sagte sie und wischte mir mit

einem trockenen Zipfel ihrer nassen Schürze die Tränen weg, die mir im

ersten Schreck über die Backen gesprungen waren. Und dann nahm sie mich an

der Hand und führte mich den langen Weg zwischen den Säulen hindurch bis an

einen großen steinernen Tisch, auf dem eine grüne Decke lag mit silbernen

Fransen, und hieß mich auf die Stufen niedersitzen, die zu dem Tisch

hinaufführten.

Ein Teppich lag darauf, den streichelte ich mit der Hand. Er war so weich

und dick, wie das graue Fell unserer Katze daheim, und ich bekam einen

halben Wecken, den die Mutter aus der Tasche zog. Ich solle jetzt ruhig

hinsitzen und auf das schöne Orgelspiel horchen, sagte die Mutter, und als

ich fragte, was das sei, Orgelspiel, hob sie den Finger in die Höhe und

sagte: »Horch, Büble, da droben kommt's herunter, dort wo es so silberig

glitzert an der Wand. Dort sitzt ein Mann und spielt, und morgen ist

Sonntag, da sitzt alles voller Leut' in der Kirche, und da muß er wieder

spielen«; dann ging sie, und ich sah sie dort drüben mit Eimer und

Schrubber hantieren, da konnte mich das Große, Fremde nicht mehr anfechten,

weil ich ihre lebendige Nähe spürte.

Aber das konnte ich noch nicht verstehen, daß das Tönen dort oben herunter

komme und das Scheinen zum Fenster herein. Es war beides da, der Raum war

voll davon, und mein Kinderherz war voll davon, und als ich mit der Mutter

heimkam, da rief ich den beiden Schwestern, die in dem schmalen Vorgärtlein

neben der Haustür saßen und strickten, entgegen: »Ihr müßt einmal mitgehen,

in dem großen Haus drin ist etwas ganz rot und blau und goldenes, das

schreit so arg.«

Da lachten sie und staunten, daß ich solche Sprüche tue, und erzählten es

am Abend unserem Mietsmann, dem Heinrich Kilian, der mit seinen sechzig

Jahren noch Ausläufer in einer Buchhandlung war, und der immer alles wissen

mußte, was ich den Tag über gesagt und getan hatte. Er hatte mich stark in

sein altes Herz geschlossen, die Freundschaft war aber gegenseitig.

Ich meine, mich zu entsinnen, daß ich an jenem Abend, als die Schwestern um

ihn herumstanden und ihm von meinem Ausflug in die Kirche, in der meine

Mutter zum Reinigen angestellt war, und von meinem Ausspruch erzählten, --

daß ich auf seinen Knien saß und die rote Nelke hinter seinem Ohr

hervorholte und sie hinter mein eigenes steckte. Er aber ließ mich reiten,

»nach Sachsen, wo die schönen Mädchen auf Bäumen wachsen,« und sagte

wohlgefällig: »Ja, ja, du kriegst sie, Herzkäfer, gescheiter,« und lachte

in seinen Stoppelbart hinein.

Wenn es nicht an diesem Abend war, so war es sicher an vielen andern so.

Denn alles, was schön, erfreulich und begehrenswert war in dem kleinen

Bereich, in dem ich lebte, das war mein. Ich streckte die Hand darnach aus

und es neigte sich zu mir. Das war eine lange Zeit hindurch so.

Die graue Katze gehörte mir, und die Mutter und die Schwestern und der alte

Heinrich Kilian samt allem, was er in seiner Kammer hatte, und Häuslein und

Garten und darüber hinaus. Das war die Zeit, da ich im Paradiese lebte, und

aß von allen Bäumen im Garten und wußte noch nichts vom verbotenen Baum der

Erkenntnis des Guten und Bösen. Es war nichts verboten, und so konnte ich

nicht sündigen.

Mein Vater starb, als ich noch kein Jahr alt war. Er hatte mich in seiner

Krankheit bei sich im Bett, wenn er genug Atem hatte, um mich auf seiner

Decke sitzen zu lassen, und ich zupfte mit meinen kleinen Händen an seinem

dichten Bart herum. Damals soll ich, geht die Sage, ein sehr schönes Kind

gewesen sein mit einem braunen Lockenbusch und dunkelblauen Augen, und er,

der sich immer einen Sohn gewünscht hatte und ihn nun, da er in so

erwünschter Weise vorhanden war, verlassen mußte, sagte mit seinem letzten

Atemzug: »Lasset mir meinem Büble nichts geschehen.«

Das war nun ein heiliges Vermächtnis für die Mutter und die beiden

Schwestern, die vier und sechs Jahre älter waren als ich, und denen die

Lust an einem hübschen, lebendigen Spielzeug noch ein stärkerer Antrieb

war, mich zu verwöhnen und zu hätscheln, als das letzte Wort des

verstorbenen Mannes, der an ihnen nie die große Besitzerfreude gehabt

hatte, wie an mir.

Wir wohnten damals in einem der kleinen Häuslein »am Graben«, die der

Stadt gehörten und von dieser samt den winzigen Vorgärtchen um ein Billiges

an Taglöhner, Waschfrauen, Flickschuster, Näherinnen und dergleichen kleine

Leute vermietet wurden.

Es ist mir, als habe dort immer die Sonne geschienen, und tatsächlich

blinkten auch die nach Südosten gelegenen kleinen Fenster der einstöckigen

Häuslein, die kein Gegenüber hatten, in jedem Morgenstrahl, der vom Himmel

kam; und in den schmalen Rabatten der Gärtchen hoben, vom ersten

Schneeglöckchen bis zur letzten Aster des Herbstes, den ganzen Sommer die

Blumen der armen Leute ihre Gesichter dem freundlichen Licht entgegen.

Salat und Suppenkräuter baute meine Mutter in ihrem Gärtchen; sie hatte

keine Zeit und auch nicht so recht die Gemütsart, die man braucht, um

Blumen zu ziehen; die Blumen pflegte dafür Heinrich Kilian; der hatte ein

Stücklein des Gartens in Pacht, nicht viel größer, als meines Vaters

schmales Bett auf dem Kirchhof drüben, und doch groß genug für eine Fülle

der rötesten Nelken. Rote Nelken, das waren seine Lieblingsblumen, von

denen hatte er immer, so lang sie blühten, eine zwischen den Zähnen oder

hinter dem Ohr, mit ihnen trieb er einen Luxus und eine Verschwendung, wie

sonst mit gar nichts.

»Kilian,« sagte meine Mutter manchmal, wenn sie ihm seine gewaschene und

geflickte Wäsche zurückgab, »Kilian, die Hemden halten nimmer. Ich setze

einen Fleck an den andern, aber was genug ist, ist genug.«

»Ja, ja,« sagte der Kilian, »sie tun's schon noch. Gut geflickt gibt auch

warm. Ich kauf' dann schon einmal neue, jetzt grad langt das Geld nicht

dazu.«

»Aber zu den teuren Nelkenstöcken, da langt's,« eiferte die praktische

Frau. Denn er hatte sich wieder einmal etwas ganz Wunderbares kommen

lassen, etwas ganz Märchenhaftes, nie Dagewesenes von roten Nelken, das in

der Zeitung ausgeschrieben gewesen war. Er fiel immer damit herein, es war

nie so etwas ganz Besonderes, es wurden eben immer gewöhnliche rote Nelken,

wie von jeher. Aber er hatte seine große Vorfreude daran, wenn sie Knospen

trieben und die Knospen sich rundeten. »Diesmal gibt's ganz dicke, ganz

große,« sagte er dann geheimnisvoll.

Das sagte er auch jetzt, als ihn die Mutter wegen der Hemden plagte.

»Ja, ja, und dann sind's wieder dünne, und das Geld ist draußen, und der

Winter kommt, und kein gutes Hemd ist im Kasten, und das Alter kommt auch.«

Aber er lächelte bloß und ließ mich auf den Knien reiten. Und ich schlug

mich auf seine Seite und sagte: »Jawohl gibt es dicke, gelt, Heinrich, es

ist in der Zeitung gestanden?«

Da seufzte die Mutter nur noch ein wenig und brummte: »Vier Kinder hab'

ich, nicht bloß drei.« Aber es hätte ihr eins gefehlt, wenn sie den

Heinrich Kilian nicht mehr zu bemuttern gehabt hätte. Sie war eine gute,

gute Frau. Sie gab alle ihre Kraft her für die, die sie liebte, sie wollte

nichts für sich. Sie schaffte im Taglohn in guten Bürgerhäusern, sie wusch

und putzte, sie hatte das Kirchenreinigen und das Schulhausfegen. Sie

gehörte einem Heer von Frauen an, die da mit Kübeln und Besen hantierten.

Sie brachte verschrumpelte Hände mit heim und in der Tasche das Geld, das

unser tägliches Brot kostete. Und sie saß bis in den späten Abend hinein

bei der Lampe, die einen grünen Blechschild hatte, und flickte alles, was

wir den Tag über zerrissen, und einmal brachte sie einen Samtrest mit heim,

der aus fünf bis sechs Stücken bestand, und machte mir ein Anzüglein

daraus. Das alles tat sie mit wenig Worten und mit einem ruhigen, ebenen

Gesicht. Ich glaube, wer nach ihren Augen gesehen hätte, der hätte viel

gefunden. Aber ich weiß jetzt nur noch von einem einzigenmal, daß ich ganz

weit hinein gesehen habe in diese Augen. Das war spät, das kommt jetzt noch

nicht.

Als sie das Samtanzüglein genäht hatte, nahm sie mich den Sonntag drauf an

der Hand und ging mit mir in ein schönes, vornehmes Haus, das war mitten

drin in der Altstadt. Es hatte eine breite, schwere Tür, daran war ein

großer eiserner Kopf von irgend einem Ungetüm, der hatte einen dicken Ring

im Maul.

Daneben hing ein Glockenzug, der hatte einen Griff von einer Schlange, die

eine lange Zunge herausstreckte. Und die Mutter hob mich auf und ließ mich

daran ziehen. Da ging die Tür von innen auf und wir traten in eine Halle,

darin war ein grünes Licht, das kam vom Garten herein, zu dem hin eine

Pforte offen stand, und wir stiegen eine breite, dunkle Treppe hinauf, die

ein geschnitztes Geländer hatte, und kamen in einen weiten Raum, an dem

viele Türen lagen, und von dessen Wänden gemalte Männer und Frauen auf uns

niedersahen. Ich hielt mich fest an der Hand der Mutter, denn unsere

Schritte hallten in dem hohen Raum, der mit einem buntfarbigen Steinmuster

gepflastert war, und es war kühl und groß und dämmerig da. Da ging eine

Tür auf, es fiel helles Sonnenlicht auf die Steine des Pflasters, und in

dem Sonnenlicht stand ein schöner alter Herr. Er hatte einen Sammetkittel

an, darauf fiel ein langer, silberiger Bart hinunter, und seine vollen

Locken schimmerten auch silberig, und er rief: »Aha, da haben wir ja das

Zaunköniglein! Grüß Sie Gott, Frau Fugeler. So, so, das ist recht, wollen

Sie nur gefälligst hereinspazieren!« Er hatte ein so lachendes, helles,

heiteres Gesicht, daß ich ihn immer ansehen mußte, auch als wir in dem Saal

waren, in den er uns führte, er war das Hellste von allem. Zwar die Sonne

fiel durch hohe Fenster herein, und auf dem Boden lag ein Teppich voll

glühender Blumen, und an den Wänden hingen Bilder: Äpfel und Birnen und

Trauben, die aussahen, als ob sie zum Essen wären, eine Wiese mit lauter

durchsonnten, roten und blauen Blumen, ein Blütenbaum mit weißschimmernden

Ästen. Aber der alte Herr war doch noch heller als das alles.

Ich starrte ihn unverwandt an. Da sagte er lachend: »Was ist, kleiner

Zaunkönig, was guckst du so?« Und ich wurde dunkelrot und sagte aus der

Mutter Schürze heraus, in die ich meinen Kopf gesteckt hatte, vor

plötzlicher Verlegenheit: »Das da ist so glänzig.« Ich deutete auf seinen

Kopf. Da brach er in ein helles Lachen aus und ließ mich kleinen Buben in

seinen Armen durch die Luft fliegen, ganz hoch hinauf gegen die Decke hin,

auf der in hoher Arbeit ein Walfisch war, der den Propheten Jonas ans Land

warf.

Und meine Mutter saß da und hatte noch nichts gesagt.

»Ja also, Frau Fugeler,« sagte der alte Herr, »ich brauche so ein paar

kleine Buben für mein großes Altarbild. Der da gibt schon so einen

Engelsbuben mit seinen Locken und seinem Gesichtlein. Ziehen Sie ihn nur

einmal aus, ich möchte ihn einmal in seiner ganzen Herrlichkeit durch die

Stube springen lassen.«

»Wieso denn ausziehen?« fragte meine Mutter. »Ich hab' ihm extra ein

besseres Gewändlein gemacht, daß er sich sehen lassen kann. Das Hemdlein,

das ist nicht mehr neu, ich muß ihm die alten anziehen, von den Mädchen

her.«

»Ja, daß wir einander recht verstehen, Frau Fugeler, der Bub soll ja gar

nichts anhaben. Das muß sein wie im Paradies, wie in seligen Welten, wo

niemand sich verhüllen und vor dem andern verstecken muß. Das muß sein, wie

wir alle wären, wenn wir geblieben wären, wie in der Kindheit: schön,

wahrhaftig, lachend, fromm und gesund.«

Die Mutter schüttelte den Kopf. »Ich bin ein einfaches Weib, Herr

Professor, es mag schon recht sein, wie Sie's meinen, aber ich versteh' das

nicht so. Mein Mann tät's nicht leiden, wenn er's wüßte, daß Sie den Buben

so nackend vor aller Welt hinstellen wollen, und ich leid's auch nicht.«

Der alte Herr trommelte mit den Fingern auf die Fensterscheiben und sah

eine Weile in den Garten hinaus. Dann rief er hinunter: »Maidi, komm einmal

herauf.« Und gleich darauf wurde ein leichter Tritt draußen hörbar, und ein

kleines Mädchen kam herein. Es hatte ein weiß und rotes Gesichtlein und

hatte ein blaues Kleid an, auf das zwei hellglänzende Zöpfe niederhingen,

und alles an ihm wippte und lachte. »Maidi, nimm einmal das Büblein eine

Weile mit dir in den Garten,« sagte der alte Herr, »du kannst ihm Kirschen

geben und mit ihm spielen.«

»Ja, Großpapa,« sagte Maidi, »er kann mein Bräutigam sein, wir spielen

Hochzeiterles.«

»Wer ist das: wir?«

»Ach,« sagte Maidi, »die andern, die hab' ich mir bloß so dazu gedacht, die

Brautfräulein und alle. Sie haben weiße Kleider mit Schleppen und tragen

Kränze und Lichter.«

»So, so, ja, dann tut das nur,« sagte der Großvater und schob uns zwei zur

Türe hinaus.

»So,« sagte Maidi, »jetzt mußt du der Bräutigam sein.« Wir waren in eine

grüne, blühende Welt eingetreten. Große, schattige Bäume wölbten sich über

unsern Häuptern, üppiges Buschwerk neigte sich über die Steige hin und

machte sie eng und schmal, Beete waren da voll dunkelblauer Iris und

flammender Feuerlilien, ein Rondell aus lauter Rosen; es schlug eine große,

schwere Welle von Duft und Farben und Schönheit über dem kleinen Buben

zusammen, der willenlos und wie im Traum tat, was das Mädchen ihn hieß.

»Du mußt mich jetzt am Arm führen,« sagte Maidi, »und mußt sehr aufpassen,

daß du mir meinen Schleier nicht zerdrückst. Und da vornen, an der Laube,

das Bänkchen, das muß die Kirche sein, da brennen Lichter, viele,« sie

sprang voraus und pflückte von dem Schutthaufen hinten in der Ecke einige

von den Samenkugeln des Löwenzahns, die dort standen, und steckte sie in

die Bretterspalten des Bänkchens. »So, jetzt -- nein, jetzt mußt du der

Pfarrer sein, ich kann schon eine Weile denken, daß der Bräutigam da

steht.«

Aber ich konnte nicht so spielen, ich war ein wenig steif und dumm und

stellte mich ungeschickt an, da schlug sie vor, daß wir nun essen müßten,

und dazu war ich vielleicht eher zu gebrauchen. Wir traten in die Laube

ein, da stand ein weißglänzendes, geflochtenes Körbchen voll großer brauner

Kirschen, und wir fingen an, zu schmausen. Aber Maidi hängte mir zuerst

noch Zwillingskirschen an die Ohren und steckte mir ein kleines Zweiglein

mit Laub und Kirschen dran in die schöne, steife Schleife, die mir meine

Mutter am Hals zugebunden hatte zum Schmuck des Samtanzügleins. Dann durfte

ich essen. Mir war so seltsam wohl, wie noch nie. Und in diesem Wohlsein,

in der grünen, farbigen Welt, die über uns beiden Kindern zusammenschlug,

kam mich das Reden an. Ich erzählte Maidi, daß wir auch einen Garten haben,

der gehöre mir, und er sei ganz voll roter Nelken, und daß ich eine Katze

habe, wenn man die vom Schwanz an aufwärts streichle, so schlage sie

Funken. Sie habe ganz grüne Augen, damit könne sie bei Nacht sehen, und im

Dunkeln seien sie wie glühende Kohlen. Da staunte Maidi und wollte brennend

gern das alles auch sehen. Und ich sagte, daß ich auch noch den Heinrich

Kilian habe, der gehöre mir ganz allein, und er könne wunderschön auf der

Mundharfe blasen, da kommen abends alle Leute vor ihre Türen und horchen,

und der Heinrich Kilian habe in der Stadt drinnen ein großes Haus ganz voll

mit Büchern.

So tat ich dem kleinen Mädchen, in dessen wundersamer Welt ich einen kurzen

Augenblick zu Gaste war, meine eigene Welt auf, die ihr vom Hörensagen

vorkam, wie ein Königreich und sie mit einem Verlangen füllte, das nicht

gestillt werden konnte, weil es alles im Tageslicht draußen anders aussah,

als hier in der grüngoldenen Dämmerung des Gartens und des Kinderherzens.

Aber das wußte ich jetzt selber nicht.

»Mama, Mama!« rief Maidi und flog auf eine Frau zu, die den gelben Sandweg

des Gartens herunterkam. Sie trug ein langes, dünnes, weißes Kleid und

hatte einen sonnigen Schein um den Kopf aus lauter krausen, blonden Haaren,

und trug auf den Armen ein kleines Kindlein.

»Mama, es ist noch viel schöner bei ihm. Sie haben rings herum alles ganz

voll roter Blumen, und eine Katze geht herum und gibt Funken und hat Augen

wie glühende Kohlen, und ein Mann ist dabei, der macht immerfort Musik. Und

alle Leute stehen außen am Garten herum und horchen.«

Die junge Frau lächelte gut und fein. Sie hatte den Auftrag, mich zu meiner

Mutter zu holen, die außen auf der Straße auf mich wartete. Sie kannte

unser armes Häuslein und Gärtchen und unsere kleine Welt wohl, aber sie

wollte nicht an unser beider Seligsein rühren. Sie sagte nur: »Das wirst du

alles einmal sehen, Maidi. Aber jetzt müssen wir bei dem kleinen Bruder

bleiben, das weißt du ja. Und der Ludwig muß jetzt zu seiner Mutter gehen,

komm, zeig' ihm den Weg durch das grüne Pförtchen. Er ist ihr Bub, und du

bist mein Maidi.« Da tat sich hinter mir die Pforte wieder zu. Auf der

Schwelle sah ich noch einmal den Weg hinunter und sah die schöne Frau mit

dem Kindlein im Grünen stehen, und sah Maidi wie einen Schmetterling auf

sie zufliegen und hörte ihren lachenden Ruf: »Mama, ich habe gesagt, wir

kommen dann einmal alle. Wenn der Bubi laufen kann, dann.«

Da stand ich auf der Straße und sah nur noch die grünen Baumkronen oben

über die hohen Gartenmauern herausgrüßen, und sah meine Mutter, die ein

Stück weiter unten vor der Haustür auf mich wartete. Sie nahm mich fest und

ein wenig hart bei der Hand und machte fast zu große Schritte für mich

kleinen Buben, als wir wieder unsrem Hause zugingen.

»Mutter, wer ist der schöne, alte Herr? Mutter, was hat er gesagt?« fing

ich an. Aber sie war nicht zum Reden aufgelegt. Der alte Herr war ärgerlich

geworden, als sie ihm ihren steifen, ungelenkigen Widerstand entgegenhielt.

Es waren Funken aus seinen gütevollen blauen Augen gefahren, und die junge

Frau war aus dem Nebenzimmer herein gekommen und hatte vermitteln müssen.

Er hatte geschimpft und gewettert, daß nirgends mehr Natur sei,

Einfachheit, Selbstverständlichkeit. So gottverlassen seien die Menschen,

daß sie sich der Glieder schämen, die ihre Kinder in ihrer unschuldigen

Pracht mit sich herumtragen.

Dabei war die Mutter immer stummer geworden. Sie konnte nicht dafür, es war

ihre Art so. Sie konnte nicht mehr umlenken, wenn sie sich irgendwo

festgefahren hatte, auch wenn sie wollte nicht. Sie blieb dabei: »Nackend

lass' ich den Buben auf kein Bild, und gar in einer Kirche. Ich versteh's

nicht besser, so kommt mir's recht vor.«

Damit ging sie, es half alles nichts.

Sie tat mir das Samtkittelchen aus, als wir daheim waren und ließ mich in

Hemdsärmeln auf die Gasse springen. Und ich hörte noch, wie sie zum

Heinrich Kilian sagte: »Die Vornehmen sollen mir vom Leib bleiben. Alles

drehen sie um und um in einem. Ich versteh's nicht; er ist sonst ein guter

Herr, der Herr Professor, und nicht unrecht. Aber im Himmel die seligen

Leut' haben doch auch Kleider an, steht in der Bibel. Brav soll er werden

und recht, der Bub, sonst nichts. Ich kann nicht draus hinaus, wir haben's

bei uns immer so gehabt.«

So ungefähr sagte die Mutter damals. Ich aber stand mitten auf der Gasse

und sah das Gärtchen an, das winzige, schmale, und das niedrige Häuslein,

dem das steile Dach so tief über den einzigen Wohnstock herunterhing, daß

es aussah, wie ein Mensch, dem der Hut in die Stirne gerutscht ist. Und

mich überkam ein kleines, dummes Leiden und ein Zorn, daß es alles nicht so

schön sei, wie ich es vorhin der Maidi beschrieben hatte, und wie es auch

in meinem kleinen Bubenherzen gewesen war. Da ging ich ins Haus zurück und

setzte mich auf die Schwelle, die von der Wohnstube in den Alkoven führte,

in dem ich mit der Mutter schlief, und fing an, laut hinauszubrüllen, denn

ich wußte mir nicht anders zu helfen. Und sie kamen alle zusammen, die

Schwestern, der Heinrich Kilian und die Mutter, und fragten, was mir sei.

Aber die Mutter sagte: »Lasset ihn nur, er hat's wie ich, er ist aus dem

Gleis gekommen.« Da fing sie sachte an, mich auszuziehen und wickelte mich

in den alten, grauen, wollenen Schal, der für alle Schäden gut war, und

legte mich in ihr großes Bett, und ich spürte ihre guten, hartgeschafften

Hände und roch den Duft von dem Strohblumenkranz, der um des Vaters Bild

gelegt war, gerade über meinem Kopf. Da hüllte mich das Heimatliche wieder

warm und gewohnt ein, und ich schlief in den andern Tag hinüber. Denn es

war noch ein Leiden, das man verschlafen konnte.

* * * * *

Aber nach dem alten Herrn hatte ich hie und da ein Verlangen. Nicht nach

Maidi und nicht nach ihrer feinen, weißen Mutter. Ja, ich hatte manchmal

eine plötzliche Angst, sie könnten kommen und sehen wollen, was ich Maidi

beschrieben hatte und was doch nicht so war, und ich müßte mich dann

verkriechen in hilfloser Scham. Dann vergaß ich sie nach und nach, und

eines Tages stand ich plötzlich vor dem alten Herrn. Es war in einer engen

Gasse zwischen hohen Häusern, die sich oben fast zusammenneigten.

Da schritt er fest und rasch daher und war wieder das Hellste von allem.

Ich trug ein neues Ränzlein auf dem Rücken, darin klapperte und rasselte es

von Tafel und Griffelrohr, die es bis jetzt noch allein bewohnten, und kam

in einem blauen Anzüglein, das mir die Mutter aus einer Arbeitsbluse vom

Vater gemacht hatte, gerade aus der Schule, in die ich erst seit Tagen

ging. Woher er gekommen war, wußte ich nicht. Vermutlich aus einem der

alten Häuser. Er trug den Hut in der Hand und sah beim Gehen links und

rechts an den Häusern hinauf, es war aber nichts zu sehen, als alte Giebel

und einige Blumenbretter und Taubenschläge und so altes Zeug; aber mich sah

er nicht und wollte grad an mir vorbeischreiten. Da griff ich, weil das

nicht sein durfte, schnell nach seinem Samtkittel und hielt ihn daran fest

und erschrak erst, als ich es getan hatte, über meine eigene Keckheit, denn

zuvor hatte ich nichts gedacht, nur gespürt, daß er mir nicht so

entschwinden durfte.

»Oho, du Stumper,« sagte der alte Herr, der solchergestalt mit seinen

Gedanken auf die Straße heruntergezogen worden war, und sah mir in das

Gesicht, das in großer Verlegenheit erglühte, »was gibt's?« Und ich freches

Mücklein hätte mich gern verkrochen, aber ich konnte nicht.

Da fiel ihm auf einmal ein, wo er mich schon gesehen hatte, und er sagte:

»Ja, ja, ja, das ist ja der Maidi ihr Bräutigam, den man nicht abmalen

durfte.« Und wie es ihm so gerade durch den Kopf ging, sagte er: »Weißt du

was? Willst du was sehen? Komm einmal mit mir. Sag einen schönen Gruß an

deine Mutter und ich hätte dir etwas gezeigt.«

Damit nahm er mich an der Hand und machte lange Schritte, und ich kleiner

Schulbub rasselte mit meinem Ränzlein neben ihm her und konnte es fast

nicht erschreiten, bis wir an ein großes, kahles Haus kamen und etliche

Treppen erstiegen. Da traten wir in einen hellen Raum ein und waren beide

ganz still. Denn was da drinnen war, das redete mit uns. Da saß die blonde

junge Frau, Maidis Mutter, auf einem kleinen Grashügelchen, ganz im Grünen,

aber sie hatte andere Kleider an, als man bei uns hatte, etwas wie einen

großen Mantel, der sie und das Kindlein, das sie auf dem Schoß hatte, ganz

einhüllte. Und irgendwo kam Sonne her, die war im Haar und im Mantel und in

den Gesichtern, da wurden sie ganz glänzend und ganz fremd und froh.

Aber von beiden Seiten her kamen kleine Buben mit lustigen kurzen Flügeln,

die ihnen am Rücken herauswuchsen, die trugen Blumensträuße und Kirschen,

und einer schleppte ein Vöglein herbei, das ihm davonfliegen wollte, und

einer ein schneeweißes Häschen. Das brachten sie alles der schönen, schönen

Frau und ihrem Kindlein. Sie hatten keine Kleider an, aber sie kamen mir

auch nicht vor, wie rechte Buben, solche, mit denen ich auf der Gasse

spielte, sie waren anders. Es war alles eine ganze Welt für sich auf einem

großen Bilde, das lebte und blühte und rührte sich doch nicht.

Da streifte mich eine große, fremde Schönheit und strich mir über die

Augen, daß sie wie in ein Wunder hineinsahen. Und ich stand ganz still und

rührte mich nicht und atmete kaum. Das weiß ich alles noch, als ob es erst

geschehen wäre. Auf einmal mußte ich aufsehen, es zwang mich etwas dazu. Da

sah ich, wie der alte Herr seine Augen auf mir liegen hatte, voller Güte

und wie in einer großen Bewegung, die mochte ihm mein stummes Andächtigsein

geschaffen haben. Und er hob mich ganz sachte mit seinen Händen empor und

küßte mich auf den Mund. Dann stellte er mich wieder auf den Boden und

sagte: »So, jetzt gehst du heim zu deiner Mutter. Grüß' sie. Findest du den

Weg? Behüt dich Gott.«

Ja, den Weg fand ich schon, meine Füße fanden ihn von selber, denn ich ging

wie in Träumen.

Da sah die Schönheit in mein Kinderleben herein und sagte: »Ich bin. Suche

mich, kenne mich, liebe mich. Ich bin Wahrheit und Güte, Farbe, Licht und

Glanz. Ich bin in allem und auch in dir.«

Aber ich konnte es nicht recht erzählen, als ich nach Hause kam.

Doch war es der Mutter recht, daß der Herr Professor scheint's nicht mehr

böse sei. »Denn sonst hätt' er dich nicht mitgenommen, denk ich,« sagte

sie.

Aber daß er mich geküßt hatte, das behielt ich für mich.

Bei uns daheim küßte man einander nicht. Auch mich nicht, so gut ich es

sonst hatte.

* * * * *

Eines Tags wurde Lotte Wolf unsere Nachbarin; ich konnte froh sein, daß sie

es wurde.

Sie war groß und dunkelhaarig; es dauerte nicht lange, bis sie auch zu

meinen Besitztümern gehörte. Als sie am ersten Abend nach ihrem Einzug eine

Weile unter der niedrigen Haustür stand und auf die grünen Bäume der Au

hinübersah, da wunderte ich mich, daß sie da drinnen in dem Häuschen Platz

haben sollte. Es schien mir niedriger zu sein als alle andern, weil sie so

groß und hoch war. Sie trug eine blaue Bluse und eine weiße Schürze und

hatte den Hals frei, daran hing ein dünnes Silberkettlein mit einem

Herzchen. Es zog mich mächtig zu ihr hin, aber ich wußte nicht, was ich

sagen sollte; ich beschrieb aber immer engere Kreise um sie her. Da sah sie

mich und lachte mich an und sagte: »Komm her, Kleiner, wie heißt du?« Ich

sagte, daß ich Ludwig Fugeler heiße, und daß das Haus da drüben mir gehöre,

und daß ich viele rote Nelken habe. Da sagte sie, ich solle ihr eine davon

holen, die wolle sie an ihre Bluse stecken und dafür wolle sie mir etwas

Schönes zeigen. Ich rannte hinüber und pflückte einen ganzen Strauß von den

Blumen, die mir seither nur zum Ansehen gehört hatten, und brachte sie

ihr, die mich zum Dank mit ihrer großen, festen Hand an meinem Lockenwald

packte und ein wenig zauste. Da wurde ich heiß und rot vor Glück und Stolz,

und sie nahm mich mit in ihr Häuslein hinein, daß, wie die andern alle,

eine Stube mit einem Alkoven und zwei Kammern hatte.

Das Schöne, das sie mir zeigen wollte, stand auf der glänzend polierten

Kommode und war ein ausgestopftes Eichhorn, das blanke Äuglein und spitze

weiße Zähne hatte. Es saß auf einem bemoosten Baumast und hatte eine Nuß

zwischen den Vorderpfötchen, und Lotte sagte, sie wolle mir einmal die

ganze Geschichte des Eichhorns erzählen, das Mux geheißen habe und fast

gescheiter als ein Mensch gewesen sei. Sie sei aber sehr traurig und ob ich

gerne traurige Geschichten höre? Das wußte ich aber nicht, denn bis jetzt

hatte mir niemand Geschichten erzählt, und ich entdeckte auch in diesem

Augenblick noch etwas anderes, das mich stark interessierte. Das war eine

alte Frau, die neben dem Ofen in einem mächtig hohen Lehnstuhl saß und

immerfort mit dem Kopf zitterte. Sie hatte eine breite weiße Binde um die

Stirn gelegt, und unter der Binde sahen ein paar dunkle Augen hervor und zu

mir herüber, und ich bekam auf einmal Angst vor diesem Menschenwesen und

wollte mich aus der Stube machen. Da nahm mich Lotte bei der Hand und

führte mich zu ihrer Mutter hin. Denn das sei ihre Mutter, sagte sie, und

sie müsse immer im Lehnstuhl sitzen, sie könne gar nicht von selber

aufstehen. Ja, nun sah ich es, sie zitterte mit den Händen und den Füßen

ganz ebenso, wie mit dem Kopf, sie zitterte am ganzen Körper, das sah

unheimlich aus. Aber als sie anfing zu sprechen, da war es gleich anders.

Da hatte sie einen so freundlichen Mund und so freundliche Augen, daß meine

ganze Angst verging. Sie sagte, wenn wir nun Nachbarsleute seien, so müsse

ich fleißig zu ihr kommen, und sie habe auch ein Buch mit Bildern, das

wolle sie mir zeigen, und ob ich keine Geschwister habe? Da sagte ich

zuerst nein, denn die Schwestern waren immer wie etwas anderes, wie

Kindermädchen oder Pflegemütter, und sie hatten auch eine jede ein Haus,

für das sie Ausgänge zu machen hatten und spielten fast nie auf der Straße

oder ums Haus herum. Aber dann besann ich mich und sagte, daß ich doch

Geschwister habe, zwei, es seien aber bloß große Schwestern. Und Frau Wolf

sagte, das müsse ich nie vergessen, daß ich große Schwestern habe. Auch

später nicht, wenn ich ein Mann sei, denn es gebe sonst fast niemand, die

Mütter ausgenommen, der so getreulich für die Brüder sei, wie ältere

Schwestern, die gehen durch dick und dünn mit ihnen.

»Mutter, das versteht er ja noch nicht,« sagte Lotte, und die alte Frau

wackelte mit dem Kopf und sah mich freundlich an, und schwieg. Und ich

erfuhr es erst später, daß sie einen einzigen Bruder habe, der ein großer

Herr geworden sei und nichts mehr von ihr wissen wolle. »Aber,« sagte

Lotte, als sie das meiner Mutter erzählte, »das mag er halten, wie er will.

Ich kann meine Mutter gut erhalten, und das tue ich auch.« Dabei streckte

sie den einen bloßen Arm mit dem heißen Bügelstahl, den sie in der Hand

hatte, wagrecht hinaus und ich dachte, sie sehe der Germania gleich, die

oben auf dem Kriegerdenkmal auf dem Friedhof stand, nur daß die Germania

einen Kranz ausstreckte und Lotte einen Bügelstahl. Aber für Lotte paßte

ein Bügelstahl besser, denn eben damit erhielt sie ihre Mutter.

Sie stand den ganzen Tag am Bügelbrett, und um sie herum häufte sich die

weißeste Wäsche; sie hatte immer eine schneeweiße Schürze an und eine Bluse

mit kurzen Ärmeln und regierte das heiße Eisen, daß es blitzend hin und her

fuhr und alles sich glättete, was sie unter die Hand bekam.

An schönen Sommertagen, wenn drinnen in der Küche der kleine Bügelofen

glühte und seine Hitze mit der zitternd warmen Sommerluft vermischte, stand

sie wohl draußen unter dem Vordach aus Sackleinwand, das sie sich selber

aufgespannt hatte. Dann hingen an den Latten des Zaunes gebügelte weiße

Unterröcke und rosenfarbige und blaue Kleider und führten, wenn ein

Lüftchen zwischen ihnen hinstrich, für sich selbst ein Tänzchen auf, als

wollten sie sich auf den Sonntag einüben, wo sie sich um junge, warme

Glieder schmiegen würden, drunten in der Au und wo ihre Falten und Spitzen

noch ganz anders hin und her geschwenkt werden würden als jetzt, nach den

Klängen einer guten Blechmusik und in den Armen der stattlichen Grenadiere

und Pioniere. Denn die schöne Lotte hatte zu ihrer Kundschaft nicht die

großen, feinen Häuser in der Stadt, die, wenn sie tanzgelüstig wurden, sich

selber aufspielen lassen konnten, sondern das hart verdienende, arbeitsame

Völkchen der Fabrikmädchen, der Verkäuferinnen in den Warenhäusern und was

so junges, lebenslustiges Geziefer mehr war. Es kamen auch ledige Herren zu

ihr, die ihre Wäschepäckchen selber unter dem Arm trugen und am

Samstagabend selber wieder abholten. Darunter waren solche, die ich leiden

konnte, und solche, die mir unausstehlich waren. Einige stellten sich zu

Lotte ans Bügelbrett und sahen zu, als ob sie demnächst ihre Hemden selber

bügeln wollten und ihnen nur noch die letzte Feile zu der Kunst fehlte, und

dann begannen sie allerlei Gespräche mit ihr. Aber manche machten dumme

Späße und versuchten Lotte in die bloßen Arme zu kneifen, da fuhr ich

wütend dazwischen, denn das durften sie nicht, da Lotte mir gehörte und ich

sie, wenn ich groß war, heiraten wollte. Lotte aber zupfte mich leise am

Haar, daß ich still sein sollte und sagte: »Laß nur, Ludwig, ich wehre mich

schon selber,« und holte sich einen frischen Bügelstahl, den schwenkte sie

ein paarmal hin und her, da sah sie wieder aus, wie die Germania, und ihr

Gesicht war ernst und schön, aber zu dem Kecken sagte sie gar nichts. Da

sah der meist ein bißchen dumm aus und machte, daß er fort kam. Das war mir

recht, denn es war mir am wohlsten, wenn wir drei allein waren. Bei mir

zuhause war oft den ganzen Nachmittag niemand daheim, da wurde das Häuschen

der beiden Frauen meine zweite Heimat, und ich dünkte mich König darin zu

sein. Aber eines Abends kam ich so gegen Dunkelwerden hinüber. Man hatte

mir heut bei Tag meine Locken abgeschnitten, weil ich nun doch zu groß

dafür wurde, und weil mich die Buben soviel damit neckten, und ich fühlte

mich erwachsener als je dadurch, aber es fror mich auch irgendwie, und ich

wollte mich bei meinen Freunden wärmen. Da sah ich, als ich in die Stube

trat, einen jungen Mann, den ich immer gern hatte leiden mögen, weil er so

still und bescheiden kam und ging und nie viel sagte. Der hatte seinen Arm

um die schöne Lotte geschlungen und sah sie leuchtend an, und sie wehrte

sich gar nicht, sondern stand ganz still und sah ihn auch so an, und das

Bügeleisen stand mitten auf einer Bluse, es roch auch schon verdächtig. Ich

blieb an der Türe stehen und wußte gar nicht, was beginnen, es ging ein

Schmerz und Zorn und ein Schrecken durch mich durch. Da sahen sie mich und

lächelten und winkten mir mit den Augen, daß ich näher treten solle, und

Lotte nahm das Bügeleisen und stellte es an seinen Platz. Aber ich rührte

mich nicht von der Stelle und wäre nur gern wieder draußen gewesen, weil

ich das nicht sehen konnte, daß sie der fremde Mensch umschlungen hielt.

Da sahen sie meine Not und Lotte machte sich los und kam zu mir her und

sagte: »Siehst du, Ludwig, das ist mein Bräutigam. Jetzt gerade vorhin habe

ich mich ihm versprochen. Gib ihm eine Hand, er heißt Friedrich Meister,

ihr müsset nun auch Freunde sein.« Aber ich gab ihm keine Hand. Wie konnte

ich ihm die Hand geben, wenn er nur so da herein kam und alles störte, was

bisher war und wenn er Lotte um den Hals faßte? Da sagte die alte Mutter

aus ihrem Lehnstuhl heraus: »Gehet ihr beiden nur ein bißchen spazieren,

das wird euch gut tun. Der Ludwig bleibt bei mir, gelt, Ludwig?«

Und ich setzte mich auf den niedrigen Schemel zu ihren Füßen und legte

meinen geschorenen Kopf an ihre Knie und spürte, wie sie fortwährend

zitterten. Das Brautpaar ging hinaus, und wir blieben allein, und die alte

Frau sagte, als ob sie mich durch und durch sehen könnte: »Ja, lieber Bub,

das kommt uns beiden sonderbar vor, daß uns der Friedrich unsere Lotte

nimmt, gelt? Aber weißt du, er nimmt sie nicht fort, er läßt sie da und

bleibt auch dabei, und so haben wir sie alle beide.«

Aber ich schüttelte meinen Kopf in ihre Zudecke hinein und sagte da heraus:

»Er soll sie nicht in den Arm nehmen, sie gehört mir. Sie hat es gesagt,

daß sie mir gehört.« Und dann sah ich auf, ob sie keinen Rat wisse.

Da lagen ihre alten Augen gut und warm auf mir, und sie sagte: »O Büblein,

wo will das hinaus mit deinem heißen Herzen? Sieh, wir können nicht alles

für uns allein haben, was gut ist und schön und was wir lieb haben. Du

verstehst es noch nicht, aber du mußt es noch lernen. Das kommt noch oft.

Komm, komm,« und sie streichelte mich mit ihren zittrigen Händen und sagte:

»Es wird schöner, als du denkst. Was meinst du, mir hat die Lotte auch

gehört, schon lang vor dir, schon als sie noch ganz klein war.« Da mußte

ich sie ansehen, wie sie so gut und so gelassen in ihrem Stuhl saß und ich

dachte, ich müsse sie lieb haben, weil sie so arm sei und packte sie

plötzlich mit beiden Händen an den Armen. Das tat weh, das durfte man

nicht. Sie zuckte zusammen und preßte die Lippen aufeinander, und ich

schämte mich, daß ich so ungestüm war. Aber sie lächelte mich an und sagte:

»Ich versteh's schon, Ludwig, du meinst es gut. Sei nur ruhig, sei nur

still. Komm, ich erzähl' dir was, weil wir grad so schön beisammen sind.«

Da erzählte sie mir die Geschichte von dem ausgestopften Eichhörnchen. Die

hieß etwa so:

»Es ist einmal gewesen, schon lang, als die Lotte noch nicht viel größer

war als du, da haben wir, mein Mann und das Kind und ich, droben an der

steilen Steige gewohnt in dem Bahnwärterhaus, denn mein Mann ist ein

Bahnwärter gewesen. Da haben wir eine gute Zeit gehabt, sag' ich dir. Da

bin ich noch grad gewesen und aufrecht und stark. Ja ja, guck nur, ich bin

erst seit der bösen Krankheit so, so elend. Der Mann, so gut und immer

vergnügt, es sei ein Wetter gewesen, was es für eins wolle. Eine Stimme wie

eine Amsel hat er gehabt und immer die Mundharfe in der Tasche. Wenn er die

Strecke abgeschritten ist, hat er immer geharft dabei, und am Abend daheim

gesungen auf dem Bänklein vor der Tür, und unsern Garten geschafft, es hat

kein fürwitziges Gräslein drin sein dürfen. Solche rosa Pfingstnelken,

dünkt mich, habe es sonst nirgends gegeben. Einen Nußbaum haben wir gehabt,

der hat ein ganzes Dach über unser Häuslein gebreitet, und gleich dahinter

hat der Wald angefangen.

Ja, lieber Bub.

Da sitzen wir einmal an einem Sonntagabend um den Tisch. Alle drei. Das

Fenster steht offen und die Lotte sagt: >Vater, blas' eins. Blas': Brüder,

Brüder, wir ziehen in den Krieg<. Denn er ist ein alter Soldat gewesen und

hätt' gern einen Buben gehabt, der auch einmal Soldat würde, und hat der

Lotte immer vom Militär erzählt. Das ist ihr Leben gewesen. Da zieht er die

Mundharfe heraus und bläst eins ums andere, und auf einmal legt Lotte ihre

Hand auf meinen Arm und sagt leise: >Da sieh' hin<. Da sitzt auf dem

Fenstersims ein Eichhörnchen und guckt mit seinen schwarzen Äuglein zu uns

her und horcht auf die Musik. Denn darauf sind sie aus, das lieben sie.

Wir sind ganz still gewesen, um es nicht zu verscheuchen, und es ist erst

wieder fortgesprungen, als mein Mann das Blasen einstellte und die

Mundharfe auf den Tisch legte. Von da an ist es oft gekommen, immer öfter.

Es ist noch ein ganz junges gewesen, und es ist nach und nach ganz zahm

geworden. Die Lotte hat ihm Haselnüsse auf den Sims gelegt und dann auf die

Bank am Fenster und auf den Tisch, und es ist bald aus- und eingegangen,

wie ein Eigenes. Dann, im Winter, ist es ganz dageblieben. Die Lotte hatte

ihm ein Bettchen gemacht in einem Korb, darin ist es gelegen, wie ein Kind.

Sie hat es immer selber hineingetan, es hat ihm sonst niemand etwas tun

dürfen. Wenn sie ganz leise gepfiffen hat, so ist es heraus und auf ihre

Achsel gesprungen und hat seinen schönen buschigen Schwanz um ihren Hals

gelegt. Die Lotte ist damals hergewachsen, wie ein junger Baum und hat zwei

lange dicke Zöpfe hinuntergehängt, aber mit dem Lernen, da ist's ihr nicht

so leicht gegangen. Sie hat sonst so vielerlei im Kopf gehabt. Jetzt hat

sie nur noch lernen können, wenn der Mux mit in das Buch hineingesehen hat.

Und dann hat sie ihn allemal gefragt: >Verstehst du das, Mux?< und hat ihm

ins Gesicht geblasen, da hat er sich geschüttelt und sie hat zu mir in die

Küche hinausgerufen: >Mutter, der Mux ist ein Gescheiter, der versteht's

auch nicht.<

Das ist drei Jahre lang so gegangen. Im Sommer hat der Mux seine Freiheit

gehabt. Bei Tag auf dem Nußbaum und im Wald und bei Nacht in seinem Korb.

Im Winter, da hat er ganz bei uns gelebt. Da, in einem Frühjahr, die Lotte

ist zwölf Jahre alt gewesen und ein großes Mädchen, geht eines Tages ein

schweres Gewitter herunter. Es donnert und blitzt und der Regen fällt nur

so kübelweis, und ich denke: Das ist schon gar nicht mehr geregnet, und

richte trockne Sachen für meinen Mann, denn er ist ja richtig weit draußen

auf der Strecke. Da sind auf einmal Tritte vor der Tür, und etwas schüttelt

sich und pustet, und ein Herr kommt herein, den hatte ich noch nie gesehen.

Es war der neue Forstassessor, und er wollte dableiben, bis der ärgste Guß

vorbei sei. Es war ein schöner Mensch, groß und breit und mit einem

Weltsschnurrbart, aber es hat mir gleich etwas nicht gefallen an ihm, so um

die Augen herum. Die Lotte ist dagesessen und hat an ihrem Federhalter

genagt, denn sie hat sollen einen Aufsatz machen, und der Mux sitzt an

seinem gewöhnlichen Platz auf ihrer Achsel und klopft mit dem Schwanz, wie

wenn er sich auch besinnen müßte. Da packt der Assessor die Lotte am Zopf

und sagt: Ein schönes Kind! Das dürfen Sie auch hüten, wenn ein paar Jahre

noch herum sind. Und ich sagte: Wir wollen es so erziehen, daß es sich

selber hütet, das wird noch besser sein.

Die Lotte funkelt ihn so an mit den Augen und zieht den Zopf wieder aus

seiner Hand, sagt aber nichts. Da bleibt ihm das Zopfband in der Hand und

er fragt: Schenkst du mir das? Und ich sage statt ihrer: sie ist noch ein

ganzes Kind, sie braucht ihre Zopfbänder selber, gelt, Lotte? Aber sie

macht nur ein trutziges Gesicht, und als der Assessor ihr auf die Achsel

klopfen will, rückt sie auf der Bank hinunter. Wie es aber geschah, weiß

ich nicht mehr zu sagen: Der Mux fährt blitzschnell nach seiner Hand und

schlägt ihm seine spitzen Zähne in den Zeigefinger. Er hatte vorher nie

jemand gebissen, es war das erstemal.

>Verfluchte Wildkatz,< sagt der Assessor und pfeift zwischen den Zähnen,

und seine Augen sehen aus, wie nichts Gutes. Da geht auf den leisen Pfiff

plötzlich die Tür auf, die nicht ganz fest zu war, und ein brauner Jagdhund

kommt herein, der draußen unter dem Vordach gelegen war. Und da geht eine

Jagd an, das ist nicht zu sagen. Der Hund fährt auf das Eichhorn los, und

das rennt an der Wand hinauf in sinnloser Angst. Alles Locken von der Lotte

und mir hilft nichts, und es hilft auch nichts, daß ich das Fenster

aufmache, damit es sich flüchten soll. Vielleicht, wenn der Assessor seinem

Hund gleich gepfiffen hätte, wäre es noch Zeit gewesen. Aber der besah

seinen gebissenen Finger und war still, und als er endlich sagte: Feldmann,

daher! da steht er auf dem Tisch und bellt wütend an dem Bücherbrett

hinauf, auf das sich das Tierchen geflüchtet hatte. Ich weiß nicht, wie es

zuging, aber als der Assessor endlich seinen Hund am Halsband hatte und ihn

zur Stube hinausführte, da tat der Mux plötzlich einen klagenden Schrei und

war tot. Mein Mann, der bald nachher heimkam, sagte: es sei an einem

Herzschlag gestorben, den habe ihm die große Angst angetan.

Ludwig Fugeler: Roman · 第 1 / 24 段