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[Illustration: _N. Weiß Ktn. Lith. de Hasler & Cie., =Basel=._]
DER DICHTER LENZ UND FRIEDERICKE VON SESENHEIM.
Aus Briefen und gleichzeitigen Quellen;
nebst Gedichten und Anderm von Lenz und Göthe.
Herausgegeben von
AUGUST STÖBER.
Basel,
Druck und Verlag der =Schweighauser=’schen Buchhandlung.
1842.
Vorwort.
Das Sesenheimer Idyll, =Göthe’s= und =Friedericke’s= Liebe, hat von
jeher die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich gezogen und bei
mancher empfindsamen Seele das tiefste Mitgefühl erregt. Die Schuld
oder Schuldlosigkeit, welche Göthe in dieser Geschichte hat, gab
namentlich in neuerer Zeit zu leidenschaftlichen Streitigkeiten
Anlaß, und je nachdem man sich auf die eine oder auf die andere Seite
schlug, fühlte man sich für oder wider den ganzen Menschen gestimmt.
Neben der Göthe-Literatur ist eine Friedericken-Literatur, sowohl in
einzelnen Werkchen, als in Zeitungsartikeln, und dieß besonders in
der Allgemeinen Leitung, entstanden. Auch den Namen des unglücklichen
Dichters =Lenz= hat man dabei genannt; aber von Friedericke’s
Vertheidigern ist mit Entschiedenheit jedes entehrende Verhältniß
zwischen Beiden abgewiesen worden. In allen Literaturgeschichten, wo
von Lenz die Rede ist, wird von dessen Wahnsinne gesprochen, allein
der wahren Quelle desselben nicht erwähnt. Nachfolgende Mittheilungen
geben darüber Aufschluß. Daß Lenz, nach Göthe’s Abreise aus dem Elsaße,
nach Sesenheim kam, berührt Göthe selbst; er sah Friedericke auf der
Rückreise aus der Schweiz wieder und sagt von diesem Wiedersehen:
„Ich finde Friedericke Brion wenig verändert, noch so gut, liebevoll,
zutraulich wie sonst, gefaßt und selbstständig. Der größte Theil der
Unterhaltung war über Lenzen. Dieser hatte sich nach meiner Abreise im
Hause introducirt, von mir was nur möglich war, zu erfahren gesucht,
bis sie endlich, da er sich die größte Mühe gab, meine Briefe zu
sehen und zu erhaschen, mißtrauisch geworden. Er hatte sich indessen
nach seiner gewöhnlichen Weise verliebt in sie gestellt, weil er
glaubte, das sei der einzige Weg hinter die Geheimnisse der Mädchen
zu kommen, und da sie nunmehr gewarnt, scheu seine Besuche ablehnt,
und sich mehr zurückzieht, so treibt er es bis zu den lächerlichsten
Demonstrationen des Selbstmords, da man ihn dann halbtoll erklären und
nach der Stadt schaffen kann. Sie klärt mich über die Absicht auf, die
er gehabt hat mir zu schaden, und mich in der öffentlichen Meinung
und sonst zu Grunde zu richten, weshalb er denn auch damals die Farce
gegen Wieland drucken lassen.“ -- Daß Lenz von Friedericke’s Liebe
überzeugt war, davon geben die Briefe an Salzmann genugsame Beweise;
daß er wegen ihrer wahnsinnig geworden, darüber berichtet Oberlin’s
Aufsatz. Ob Friedericke ihm ebenfalls geneigt war, oder ob er sich
selbst getäuscht und ihre Gegenliebe nur eine eingebildete war, das
möge der Leser entscheiden. Wie hoch Lenz Göthe als Mensch und Dichter
stellte, sagen seine Schriften. In Straßburg besaß ich ein Exemplar von
Shakspeare’s Othello, welches Göthe Lenz zum Geschenke gemacht hatte;
unter die hierauf bezüglichen Worte Göthe’s, die also lauten: „Seinem
und Shakspeare’s würdigem Freunde Lenz, Göthe“, hatte Lenz geschrieben:
„Ewig, ewig bleibt mein Herze dein, mein lieber Göthe!“ und bei Göthe’s
Abschied sang er:
Ihr stummen Bäume, meine Zeugen,
Ach! käm er ohngefähr
Hier, wo wir saßen, wieder her,
Könnt ihr von meinen Thränen schweigen?
Dieß Alles ward vor Lenz’s Erscheinen in Sesenheim geschrieben; nach
demselben nahm die Sache eine andere Wendung. Lenz beneidete nicht
nur Göthe’s Liebe, sondern auch seinen Ruhm, worüber sich Göthe, außer
der angeführten Stelle, sonst noch mehrere Male in seiner Dichtung und
Wahrheit ausspricht.
Die Briefe von Lenz an Salzmann habe ich schon 1831 im Morgenblatte
(Nr. 250 bis 295), jedoch nur stellenweise abdrucken lassen; hier
erscheinen sie vollständig, nebst einigen dort nicht vorkommenden, und
diplomatisch genau wiedergegeben, wie sie sich in Salzmann’s Nachlasse,
auf der Straßburger Stadtbibliothek, befinden. In derselben Schachtel,
in welcher sie liegen, sind auch Göthe’s Briefe an Salzmann aufbewahrt,
welche Moritz Engelhardt im Morgenblatt veröffentlicht hat.
Diese Briefe, nebst Oberlin’s Aufsatz über des armen Lenz Aufenthalt
im Steinthale, füllen die Lücke aus, welche sich in L. Tieck’s[1]
biographischen Notizen über Lenz vorfindet und geben über manche
Leistungen des Dichters Aufschluß. Die Mittheilungen über die
Straßburger gelehrte Gesellschaft, unter Salzmanns Vorsitze, habe
ich dem Protokoll der Gesellschaft selbst entnommen, von welchem mir
eine getreue Abschrift vorliegt. Als Zugabe folgen einige Gedichte
von Lenz, welche Tieck übergangen hat; so wie =Göthe’s= ursprüngliche
Uebersetzung von =Ossians= Gesang von =Selma=, im Werther, und Gedichte
an =Friedericke=.
=Mülhausen=, im Oberelsaß, Ende Jänner 1842.
Der Herausgeber.
Inhalt.
Seite.
=Vorwort= III-VII.
I. =Lenz= im Elsaß 1
II. =Briefe= von Lenz an den Aktuar =Salzmann= 48
III. =Gedichte= von Lenz 85
IV. =Göthe’s= ursprüngliche Uebersetzung der Ossianischen
Gesänge von Selma 95
V. =Gedichte= von Göthe an Friedericke 109
_Fac simile_ von Göthe.
Das =Titelbild= stellt das Sesenheimer Pfarrhaus vor, wie es zu Göthe’s
Zeit und noch bis vor wenigen Jahren stand; es ist von der Hofseite
genommen; das untere Zimmer links am Garten, war die Wohnstube; das
letzte obere, rechts, das Fremdenzimmer, von Göthe bewohnt. Das Bild
ist nach einem Oelgemälde gemacht, das ein Freund des Herausgebers
verfertigt; nach demselben ist auch der Holzschnitt in Lewald’s
=Europa= genommen.
D. H.
I. Lenz im Elsaß.
„Er stößt mich eben so sehr ab, als er mich anzieht;
so zart, rührend, kräftig, ja groß er zu Zeiten sein
kann, so klein, widerwärtig und roh erscheint er dann
wieder, und zwar aus Willkür, um mit dem Enthusiasmus
ein verhöhnendes Spiel, und mit dem Spiele selbst ein
anderes, ganz außer der Poesie liegendes zu treiben,
welches dieses und jede Poesie vernichtet.“
=L. Tieck=, Einleitung zu Lenz’s Schriften.
=Jakob Michael Reinhold Lenz= wurde zu Seßwigen in Liefland den 12.
Jänner 1750 geboren. Er studirte 1768 in Königsberg, und begab sich
von da aus nach Berlin, wo er mit Ramler und Nicolai verkehrte. Im
Jahr 1771 begleitete er einen jungen Edelmann, Herrn von Kleist,
nach der damals weit berühmten, alten Universität Straßburg. Hier
verband er sich auf’s Innigste mit seinem =guten Sokrates=, dem
freundlichen, gemüthreichen =Aktuarius Salzmann=[2], von welchem
Göthe und Jung-Stilling in ihren Selbstbiographien mit so vieler
Ehrfurcht sprechen. Salzmann hatte einen Kreis talentvoller Jünglinge
um sich her versammelt, deren literarische Arbeiten er leitete. Die
heiterste Lebensphilosophie, verbunden mit reichen, vielseitigen
Kenntnissen, einem richtigen Blick und feinem Geschmacke gewannen ihm
bald alle Herzen. Besonders Lenz, dessen Geist sich in diesem Zirkel
schwärmerisch allen Eindrücken des Schönen aufschloß, gewann ihn für
das Leben lieb. Auch Herder, Stilling und Lerse lernte er hier kennen,
und was für sein Dichten von bedeutenderm Einflusse war, Göthe. Es
gieng ihm eine neue, schönere Welt auf. Shakspeare namentlich übte auf
die jungen Gemüther einen mächtigen Zauber aus. Göthe äußert sich in
dieser Hinsicht also: „Will jemand unmittelbar erfahren, was damals
in dieser lebendigen Gesellschaft gedacht, gesprochen und verhandelt
worden, der lese den Aufsatz =Herder=’s über Shakspeare, in dem Heft
von deutscher Art und Kunst; ferner Lenzens Bemerkungen über das
Theater, denen eine Uebersetzung von _Lowe’s labours lost_ hinzugefügt
war. Herder dringt in das Tiefere von Shakspeare’s Wesen und stellt
es herrlich dar; =Lenz= beträgt sich mehr bilderstürmerisch gegen die
Herkömmlichkeit des Theaters, und will denn eben all und überall nach
Shakspeare’scher Weise gehandelt haben. Da ich diesen so talentvollen
als seltsamen Menschen hier zu erwähnen veranlaßt werde, so ist wohl
der Ort, versuchsweise, einiges über ihn zu sagen. Ich lernte ihn erst
gegen das Ende meines Straßburger Aufenthaltes kennen. Wir sahen
uns selten; seine Gesellschaft war nicht die meine, aber wir suchten
doch Gelegenheit uns zu treffen, und theilten uns einander gern mit,
weil wir, als gleichzeitige Jünglinge, ähnliche Gesinnungen hegten.
Klein, aber nett von Gestalt, ein allerliebstes Köpfchen, dessen
zierlicher Form etwas abgestumpfte Züge vollkommen entsprachen; blaue
Augen, blonde Haare, kurz ein Persönchen, wie mir unter nordischen
Jünglingen von Zeit zu Zeit eins begegnet ist; einen sanften, gleichsam
vorsichtigen Schritt, eine angenehme nicht ganz fließende Sprache,
und ein Betragen, das zwischen Zurückhaltung und Schüchternheit sich
bewegend, einem jungen Manne gar wohl anstand. Kleinere Gedichte,
besonders seine eigenen, las er sehr gut vor, und schrieb eine
fließende Hand. Für seine Sinnesart wüßte ich nur das englische
Wort _whimsical_, welches, wie das Wörterbuch ausweist, gar manche
Seltsamkeiten in Einem Begriff zusammenfaßt. Niemand war vielleicht
eben deßwegen fähiger als er, die Abschweifungen und Auswüchse des
Shakspear’schen Genies zu empfinden und nachzubilden. Die obengedachte
Uebersetzung giebt ein Zeugniß hievon. Er behandelt seinen Autor mit
großer Freiheit, ist nichts weniger als knapp und treu, aber er weiß
sich die Rüstung oder vielmehr die Possenjacke seines Vorgängers so gut
anzupassen, sich seinen Gebärden so humoristisch gleichzustellen, daß
er demjenigen, den solche Dinge anmutheten, gewiß Beifall abgewann.“
Im Sommer 1772 verließ Lenz Straßburg und zog mit Herrn von Kleist
nach Fort-Louis, einer jetzt zerstörten Inselfestung auf dem Rheine.
In der Nähe liegt =Sesenheim=; Lenz machte die Bekanntschaft des
Pfarrers =Brion=[3], und wurde von der patriarchalischen Familie auf’s
Freundschaftlichste aufgenommen. =Friedericke’s= liebliche Gestalt
trat ihm entgegen und fesselte ihn mit unauflöslichen Banden. Er trank
einen vollen Kelch der süßesten Wonne, die sich leider in der Folge in
den bittersten Schmerz verwandelte und seine Seele mit jenem tiefen
Gram erfüllte, der sie verzehrte. Der Gedanke an Sie absorbirte ihn
ganz; in ihm giengen alle andern Gedanken unter und nur das Studium
seiner beiden Lieblingsdichter Plautus und Shakspeare, die er mit
schwärmerischer Verehrung las, studirte und bearbeitete, brachte ihn
wieder, auf Augenblicke wenigstens, zu sich selbst zurück. Sein Sinnen
und Dichten, in Licht und Schatten, sind aus seinem Gemüthszustande in
jener Zeit erklärlich. Gegen das Spätjahr 1772 begab sich Lenz nach
Landau, und kehrte hierauf, wie es schien, mit erneuetem Lebensmuthe
nach Straßburg zurück, wo er, einige Zwischenreisen ausgenommen, bis in
den März 1776 blieb.
Salzmann hatte den 2. November 1775 eine neue Gesellschaft „zur
Ausbildung der deutschen Sprache“ gegründet. Das Protokoll der
Sitzungen beginnt also: „Den 2. November des Jahres 1775 ist unter
göttlichem Beistande zu der Eröffnung einer Gesellschaft deutscher
Sprache in dem Hause des Herrn Aktuarius Salzmann, gegenüber dem
Rathhause, Nachmittags um 3 Uhr, geschritten worden.“ Lenz hielt, als
Sekretär, eine Anrede an die Mitglieder „über die Vortheile einer
Verbindung dieser Art zu einer hoffentlich zu erwartenden allgemeinen
deutschen Sprache“, und hat darin zu zeigen gesucht, wie sehr eine
Provinz von ihren Rechten vergebe, wenn sie die Ausbildung des
sogenannten Hochdeutschen, einer einzigen Provinz oder einem einzigen
Kreise Deutschlands überließe. Tieck hat diese Anrede aufbewahrt
(Lenz, Schriften Th. II. S. 326 u. ff.). Lenz war das thätigste
Mitglied dieses Vereins, mit dem er auch =Michaelis= von Göttingen und
=Schlosser= von Emmendingen, in Verbindung brachte. Er gab folgende
Beiträge, von welchen sich die mit * bezeichneten in Tieck’s Ausgabe
seiner Schriften vorfinden:
1.* Anrede an die Gesellschaft (S. oben).
2.* Vorzüge der deutschen vor der französischen Sprache.
3.* Ueber die Bearbeitung der deutschen Sprache im Elsaß, Breisgau
und den benachbarten Gegenden.
4. Nachahmung von _Plautus Captirei_.
5.* Die beiden Alten, ein Familiengemälde (dramatisch), nach einer
Zeitungsanekdote.
6. Ballade aus Dodley’s Sammlung altenglischer Gedichte.
7.* Neujahrsgedicht.
8.* Etwas über die Veränderung des Theaters beim Shakspeare.
9. Etwas über den Charakter des Sokrates, aus dem Xenophon.
10. Briefe über die Moralität des jungen Werthers.
11. Koriolan von Shakspeare.
Die merkwürdigsten unter den übrigen Mitgliedern waren, außer Salzmann,
der das Präsidium führte, Magister =Leypold=[4] (1730 zu Straßburg
geboren, gestorben als Professor am Gymnasium daselbst 1792), ein
Schützling Schöpflin’s, auf dessen Veranlassung er gelehrte Reisen
nach Italien, der Schweiz und nach Holland machte; ein gründlicher
Philologe und geschmackvoller Dichter; als Republikaner eifrig und
seine Schüler für wahre Vaterlandsliebe begeisternd; übrigens ein
Original, von dem noch jetzt die drolligsten Anekdoten kreisen. Er
trug in der Gesellschaft eine Charakteristik von Sebastian Brant’s
Narrenschiff vor. -- Dr. =J. Lorenz Blessig=, Professor der Theologie
(gestorben 1816), als anregender Lehrer der akademischen Jugend und
geistlicher Redner ausgezeichnet. -- Der gelehrte, geistreiche Dr.
=Isaac Haffner= (gest. 1831), zuletzt Dekan der theologischen Fakultät
zu Straßburg, dessen Predigten, hinsichtlich der Form, als klassische
Muster anerkannt sind. -- =Johannes von Türkheim=, dessen Geschichte
von Hessen, in drei Theilen, berühmt geworden. -- =Otto=, ein Gehülfe
des Philologen Brunk, ein Mann von großem politischem Einflusse;
zuletzt französischer Gesandter in London. -- =Schönfeld=, ein
Komponist und launiger Knittelversemacher. -- =Leopold Wagner= (geb.
zu Straßburg 1747, gest. 1779), ein Kraftgenie, mit der Lenzischen
Muse verwandt. Göthe hat ihn im Faust verewigt, es ist der Famulus
Wagner. Er hat mehrere Dramen geschrieben, voller Excentrität und
gräulicher Scenen: „die Kindesmörderin“ (1776), deren Stoff er Göthe
weggenommen hat; „die Reue nach der That“ (1775); Gervinus hält
ihn auch für den Verfasser des kleinen Nachspiels „die frohe Frau“
(1775).[5] -- Graf =Ramond=, aus Kolmar, gestorben als Staatsrath und
Präfekt der obern Pyrenäen. Als Schriftsteller zeichnete er sich durch
sein (im Geiste von Shakspeare und von Göthe’s Götz von Berlichingen
geschriebenen) _guerre d’Alsace_, einem historischen Drama (_Bâle_
1780), und durch _les dernières aventures du jeune d’Olban, fragment
des amours alsaciennes_ (_Yverdun_ 1777) aus. Ramond kann als Vorläufer
der romantischen Schule Frankreichs gelten. Er schloß sich namentlich
an Lenz an, dem die letztere Schrift zugeeignet ist, und mit dem er
in seiner leidenschaftlichen Liebe zu Shakspeare sympathisirte. --
Als Mitglieder der Gesellschaft kommen noch vor: =Breu=, =Lobstein=,
=Meyer=, =Müller=, =Fries=, =Röderer= und =Corvinus=.[6]
Im Frühjahr 1776 verließ Lenz Straßburg und hielt sich in Weimar auf,
wo er mit Göthe umgieng und mit Herder und Wieland näher bekannt wurde.
Wie von einem unvermeidlichen Schicksale getrieben, kam er aber gegen
das Ende des folgenden Jahres wieder in das Elsaß. Nun brach sein oft
in dumpfes Hinbrüten, in bange Schwermuth versunkenes Gemüth in vollen
Wahnsinn aus, der zuweilen zur unbändigsten Raserei wurde. Er irrte im
tiefen Winter, in Schnee und Wind, durch die Vogesen und kam im Jänner
1778, in seinem Aeußern aufs Höchste vernachläßigt und die traurigsten
Spuren der Verirrung tragend, nach Waldbach, in’s Steinthal, wo
der würdige Pfarrer =Oberlin= ihn mit hingebender Liebe aufnahm.
Nachfolgender Aufsatz, der sich in Oberlin’s Papieren vorfand, mag dem
Leser die herzzerreißenden Scenen, die während Lenz’s Aufenthalt im
Steinthale vorfielen, schildern.[7]
„Den 20. Januar 1778 kam er hieher. Ich kannte ihn nicht. Im ersten
Blick sah ich ihn, den Haaren und hängenden Locken nach für einen
Schreinergesellen an; seine freimüthige Manier aber zeigte bald, daß
mich die Haare betrogen hatten. -- „Seien Sie willkommen, ob Sie mir
schon unbekannt.“ -- „ich bin ein Freund K...’s[8] und bringe ein
Compliment von ihm.“ -- „Der Name, wenn’s beliebt?“ -- „=Lenz.=“
-- „Ha, ha, ist er nicht gedruckt?“ (Ich erinnerte mich einige
Dramen gelesen zu haben, die einem Herrn dieses Namens zugeschrieben
wurden.) Er antwortete: „Ja; aber belieben sie mich nicht darnach zu
beurtheilen.“
Wir waren vergnügt unter einander; er zeichnete uns verschiedene
Kleidungen der Russen und Liefländer vor; wir sprachen von ihrer
Lebensart, u. s. w. Wir logirten ihn in das Besuchzimmer im Schulhause.
Die darauf folgende Nacht hörte ich eine Weile im Schlaf laut reden,
ohne daß ich mich ermuntern konnte. Endlich fuhr ich plötzlich
zusammen, horchte, sprang auf, horchte wieder. Da hörte ich mit
Schulmeisterstimme laut sagen: _Allez donc au lit -- qu’est-ce que
c’est que ça -- hé dans l’eau par un temps si froid! -- Allez, allez au
lit._
Eine Menge Gedanken durchdrangen sich in meinem Kopf. Vielleicht,
dachte ich, ist er ein Nachtwandler und hatte das Unglück in die
Brunnbütte zu stürzen; man muß ihm also Feuer, Thee machen, um ihn zu
erwärmen und zu trocknen. Ich warf meine Kleider um mich und hinunter
an das Schulhaus. Schulmeister und seine Frau, noch vor Schrecken blaß,
sagten mir: Herr Lenz hätte die ganze Nacht nicht geschlafen, wäre hin
und her gegangen, auf’s Feld hinter dem Hause, wieder herein, endlich
hinunter an den Brunnentrog, streckte die Hände ins Wasser, stieg auf
den Trog, stürzte sich hinein und plattscherte drin wie eine Ente;
sie, Schulmeister und seine Frau, hatten gefürchtet, er wolle sich
ertränken, riefen ihm zu -- er wieder aus dem Wasser, sagte, er wäre
gewohnt sich im kalten Wasser zu baden, und gieng wieder auf sein
Zimmer. -- Gottlob, sagte ich, daß es weiter nichts ist; Herr K...
liebt das kalte Bad auch, und Herr L... ist ein Freund von Herrn K...
Das war für uns Alle der erste Schreck; ich eilte zurück um meine Frau
auch zu beruhigen.
Von dem an verrichtete er, auf meine Bitten, sein Baden mit mehrerer
Stille.
Den 21sten ritt er mit mir nach Belmont, wo wir die allgemeine
Großmutter, die 176 Abstämmlinge erlebt, begruben. Daheim communicirte
er mir mit einer edeln Freimüthigkeit, was ihm an meinem Vortrag
u. s. w. mißfallen; wir waren vergnügt bei einander, es war mir wohl
bei ihm; er zeigte sich in allem als ein liebenswürdiger Jüngling.
Herr K... hatte mir sagen lassen: er würde, seiner Braut das Steinthal
zu zeigen, zu uns kommen und einen Theologen mitbringen, der gerne hier
predigen möchte.
Ich bin nun bald eilf Jahre hier; anfangs waren meine Predigten
vortrefflich, nach dem Geschmacke der Steinthaler. Seitdem ich aber
dieser guten Leute Fehler kenne und ihre äußerste Unwissenheit in
Allem, und besonders in der Sprache selbst, in der man ihnen predigt,
und ich mich daher so tief mir immer möglich herunterlassen und dem
mir nun bekannten Bedürfniß meiner Zuhörer gemäß zu predigen mich
bemühe, seitdem hat man beständig daran auszusetzen. Bald heißt es: ich
wäre zu scharf; bald: so könne es Jeder; bald: meine Mägde hätten mir
meine Predigt gemacht u. s. w. Ueberdieß macht mir das Predigen oft
mehr Mühe als alle andern Theile meines Amtes zusammengenommen. Ich bin
daher herzlich froh, wann bisweilen jemand anders für mich predigen
will.
Herr L..., nachdem er die Schulen der _Conductrices_ und Anderes
in Augenschein genommen, und er mir seine Gedanken freimüthig über
Alles mitgetheilt, äußerte mir seinen Wunsch für mich zu predigen.
Ich fragte ihn, ob er der Theolog wäre, von dem mir Herr K... hätte
sagen lassen? „Ja,“ sagte er, und ich ließ mir’s, um obiger Ursachen
willen, gefallen; es geschah den darauf folgenden Sonntag, den
25sten. Ich gieng vor den Altar, sprach die Absolution, und Herr L...
hielt auf der Kanzel eine schöne Predigt, nur mit etwas zu vieler
Erschrockenheit. Herr K... war mit seiner Braut auch in der Kirche.
Sobald er konnte, bat er mich, mit ihm besonders zu gehen, und fragte
mich mit bedeutender Miene, wie sich Herr L... seitdem betragen und
was wir mit einander gesprochen hätten. Ich sagte ihm, was ich noch
davon wußte; Herr K... sagte: es wäre gut. Bald darauf war er auch mit
Herrn L... allein. Es kam mir dieß alles etwas bedenklich vor, wollte
da nicht fragen, wo ich sah, daß man geheimnißvoll wäre, nahm mir aber
vor, meinen Unterricht weiter zu suchen.
Herr K... lud mich freundschaftlich ein, mit ihm zu seiner Hochzeit in
die Schweiz zu gehen. So gern ich längst die Schweiz gesehen, einen
Lavater, einen Pfenninger und andere Männer gekannt und gesprochen
hätte, so sehr meinem Leibe und Gemüthe (ich hatte einige harte Monate
gehabt), eine Aufmunterung und Stärkung durch eine Reise wünschbar war,
so unübersteigliche Hindernisse fand ich auf allzuvielen Seiten. Herr
K... räumte einen großen Theil durch Mittheilung seines Reiseplanes aus
dem Wege: ich überlegte den Rest und fand Möglichkeit.
Am Montag, den 26sten, nachdem ich meine letzten damaligen Patienten
begraben hatte, gieng ich den nächsten Weg über Rhein. Herr L...
sollte die Kanzel und mein Herr Amtsbruder die eigentlichen _Actus
pastorales_, die den damaligen Umständen nach sparsam oder gar nicht
vorkommen sollten, versehen.
Ich kam nicht weiter als bis nach Köndringen und Emmendingen, wo ich
Herrn Sander, und am zweiten Ort, Herrn Schlosser zum ersten Mal sah
und besprach; sodann über Breisach nach Kolmar, wo ich Herrn Pfeffel
und Lerse kennen lernte; und zurück ins Steinthal.
Ich hatte nun hinlänglichen Unterricht in Ansehung Herrn L... bekommen,
und übrigens so viel Satisfaction von meiner Reise, daß, so rar bei
einem Steinthaler Pfarrer das Geld ist, ich sie nicht um hundert Thaler
gebe.
Ueber meine unvermuthete Rückkunft war Herr L... betroffen und etwas
bestürzt, meine Frau aber entzückt, und bald darauf, nach einiger
Unterredung, auch Herr L...
Ich hörte, daß in meiner Abwesenheit Vieles, auf Herrn L...’s Umstände
Passendes und für ihn Nützliches, gesprochen worden, ohngeachtet meine
Frau die Umstände selbst, die ich erst auf meiner Reise erfuhr, nicht
wußte.
Ich erfuhr ferner, daß Herr L..., nach vorhergegangenen eintägigen
Fasten, Bestreichung des Gesichtes mit Asche, Begehrung eines alten
Sackes, den 3. Hornung ein zu Fouday so eben verstorbenes Kind, das
Friedericke hieß, aufwecken wollte, welches ihm aber fehlgeschlagen.
Er hatte eine Wunde am Fuß hieher gebracht, die ihn hinken machte und
ihn nöthigte hier zu bleiben. Meine Frau verband sie ihm täglich,
und man konnte baldige Heilung hoffen. Durch das unruhige Hin- und
Herlaufen aber, da er das Kind erwecken wollte, verschlimmerte sich
die Wunde so sehr, daß man die Entzündung mit erweichenden Aufschlägen
wahren mußte. Auf unsre und Herrn K...’s häufige Vorstellungen hatte
er sein Baden eingestellt, um die Heilung der Wunde zu befördern. In
der Nacht aber, zwischen dem 4. und 5. Hornung, sprang er wieder in den
Brunnentrog, mit heftiger Bewegung, um, wie er nachher gestand, die
Wunde auf’s Neue zu verschlimmern.
Seit Herrn K...’s Besuch logirte Herr L... nicht mehr im Schulhaus,
sondern bei uns in dem Zimmer über der Kindsstube. Den Tag hindurch
war er auf meiner Stube, wo er sich mit Zeichnen und Malen der
Schweizergegenden, mit Durchblättern und Lesen der Bibel, mit
Predigtschreiben, und Unterredung mit meiner Frau beschäftigte.
Den 5. Hornung kam ich von meiner Reise zurück; er war, wie ich oben
gesagt, anfangt darüber bestürzt, und bedauerte sehr, daß ich nicht in
der Schweiz gewesen. Ich erzählte ihm, daß Herr Hofrath Pfeffel die
Landgeistlichen so glücklich schätzt, und ihren Stand beneidenswerth
hält, weil er so unmittelbar zur Beglückung des Nächsten aufweckt. Es
machte Eindruck auf ihn. Ich bediente mich dieses Augenblicks, ihn zu
ermahnen, sich dem Wunsche seines Vaters zu unterwerfen, sich mit ihm
auszusöhnen u. s. w.
Da ich bei manchen Gelegenheiten wahrgenommen, daß sein Herz von
fürchterlicher Unruhe gemartert wurde, sagte ich ihm, er würde sodann
wieder zur Ruhe kommen, und schwerlich eher, denn Gott wüßte seinem
Worte: „Ehre Vater und Mutter,“ Nachdruck zu geben u. s. w.
Alles, was ich sagte, waren nur meistens Antworten auf abgebrochene,
oft schwer zu verstehende Worte, die er in großer Beklemmung seines
Herzens ausstieß. Ich merkte, daß er bei Erinnerung gethaner, mir
unbekannter, Sünde schauderte, an der Möglichkeit der Vergebung
verzweifelte; ich antwortete ihm darauf; er hob seinen niederhängenden
Kopf auf, blickte gen Himmel, rang die Hände, und sagte: „Ach! ach!
göttlicher Trost -- ach -- göttlich, o -- ich bete -- ich bete an!“ Er
sagte mir sodann ohne Verwirrung, daß er nun Gottes Regierung erkenne
und preise, die mich so bald, ihn zu trösten, wieder heimgeführt.
Ich gieng im Zimmer hin und her, packte aus, legte in Ordnung, stellte
mich zu ihm hin. Er sagte mit freundlicher Miene: „Bester Herr Pfarrer,
können Sie mir doch nicht sagen, was das Frauenzimmer macht, dessen
Schicksal mir so zentnerschwer auf dem Herzen liegt?“ Ich sagte ihm,
ich wisse von der ganzen Sache nichts, ich wolle ihm in allem, was
ihn wahrhaft beruhigen könne, aus allen Kräften dienen, er müßte
mir aber Ort und Personen nennen. Er antwortete nicht, stand in der
erbärmlichsten Stellung, redete gebrochene Worte: „Ach! ist sie todt?
Lebt sie noch? -- Der Engel, sie liebte mich -- ich liebte sie, sie
war’s würdig -- o, der Engel! -- Verfluchte Eifersucht! ich habe sie
aufgeopfert -- sie liebte noch einen Andern -- aber sie liebte mich
-- ja herzlich -- aufgeopfert -- die Ehe hatte ich ihr versprochen,
hernach verlassen -- o, verfluchte Eifersucht -- -- O, gute Mutter!
auch die liebte mich -- ich bin euer Mörder!“
Ich antwortete wie ich konnte, sagte ihm unter Anderm, vielleicht
lebten diese Personen alle noch, und vielleicht vergnügt; es mag sein
wie es wolle, so könnte und würde Gott, wenn er sich zu ihm bekehrt
haben würde, diesen Personen auf sein Gebet und Thränen, so viel Gutes
erweisen, daß der Nutzen, den sie sodann von ihm hätten, den Schaden,
so er ihnen zugefügt, leicht und vielleicht weit überwiegen würde. --
Er wurde jedoch nach und nach ruhiger und gieng an sein Malen.
Herr C... hatte mir zu Emmendingen einige in Papier gepackte Gerten
nebst einem Brief für ihn mitgegeben. Eines Males kam er zu mir; auf
der linken Schulter hatte er ein Stück Pelz, so ich, wenn ich mich
der Kälte lange aussetzen muß, auf den Leib zu legen gewohnt bin. In
der Hand hielt er die noch eingepackten Gerten; er gab sie mir, mit
Begehren, ich solle ihn damit herumschlagen. Ich nahm die Gerten aus
seiner Hand, drückte ihm einige Küsse auf den Mund und sagte: dieß
wären die Streiche, die ich ihm zu geben hätte, er möchte ruhig sein,
seine Sachen mit Gott allein ausmachen; alle möglichen Schläge würden
keine einzige seiner Sünden tilgen, dafür hätte Jesus gesorgt, zu dem
möchte er sich wenden. Er gieng.
Beim Nachtessen war er etwas tiefsinnig. Doch sprachen wir von
allerlei. Wir giengen endlich vergnügt von einander und zu Bette. --
Um Mitternacht erwachte ich plötzlich; er rannte durch den Hof, rief
mit harter, etwas hohler Stimme einige Sylben, die ich nicht verstand;
seitdem ich aber weiß, daß seine Geliebte =Friedericke=[9] hieß, kommt
es mir vor, als ob es dieser Name gewesen wäre, -- mit äußerster
Schnelle, Verwirrung und Verzweiflung ausgesprochen. Er stürzte sich,
wie gewöhnlich, in den Brunnentrog, patschte drin, wieder heraus und
hinauf in sein Zimmer, wieder hinunter in den Trog, und so einige Mal
-- endlich wurde er still. Meine Mägde, die in dem Kindsstübchen unter
ihm schliefen, sagten, sie hätten oft, insonderheit aber in selbiger
Nacht, ein Brummen gehört, das sie mit nichts als mit dem Ton einer
Habergeise zu vergleichen wüßten. Vielleicht war es sein Winseln mit
hohler, fürchterlicher, verzweifelnder Stimme.
Freitag den 6ten, den Tag nach meiner Zurückkunft, hatte ich
beschlossen, nach Rothau zu Herrn Pfarrer Schweighäuser zu reiten.
Meine Frau gieng mit. Sie war schon fort, und ich im Begriff auch
abzureisen. Aber welch ein Augenblick! Man klopft an meiner Thüre,
und Herr L... tritt herein mit vorwärts gebogenem Leibe, niederwärts
hängendem Haupt, das Gesicht über und über und das Kleid hier und da
mit Asche verschmiert, mit der rechten Hand an dem linken Arm haltend.
Er bat mich, ihm den Arm zu ziehen, er hätte ihn verrenkt, er hätte
sich vom Fenster heruntergestürzt; weil es aber Niemand gesehen, möcht’
ich’s auch Niemand sagen.
Ich that was er wollte, und schrieb eilends an Sebastian Scheidecker,
Schullehrer von Bellefosse, er solle herunter kommen, Herrn L...
hüten. Ich eilte fort. Sebastian kam und richtete seine Commission
unvergleichlich aus, stellte sich, als ob er mit uns hätte reden
wollen, sagte ihm, daß, wenn er wüßte, daß er ihm nicht überlästig
oder von etwas abhielte, wünschte er sehr, einige Stunden in seiner
Gesellschaft zu seyn. Herr L... nahm es mit besonderem Vergnügen an,
und schlug einen Spaziergang nach Fouday vor, -- gut. Er besuchte das
Grab des Kindes, das er hatte erwecken wollen, kniete zu verschiedenen
Malen nieder, küßte die Erde des Grabes, schien betend, doch mit
großer Verwirrung, riß etwas von der auf dem Grabe stehenden Krone
ab, als ein Andenken, gieng wieder zurück gen Waldersbach,[10] kehrte
wieder um, und Sebastian immer mit. Endlich mochte Herr L... die
Absicht seines Begleiters errathen; er suchte Mittel ihn zu entfernen.
Sebastian schien ihm nachzugeben, fand aber heimlich Mittel, seinen
Bruder Martin von der Gefahr zu benachrichtigen, und nun hatte Herr
L... zween Aufseher statt einen. Er zog sie wacker herum; endlich gieng
er nach Waldersbach zurück, und da sie nahe am Dorf waren, kehrte er
wie ein Blitz um, und sprang, ungeachtet seiner Wunde am Fuß, wie ein
Hirsch gen Fouday zurück. Sebastian kam zu uns, um das Vorgegangene zu
berichten, und sein Bruder setzte dem Kranken nach. Indem er ihn zu
Fouday suchte, kamen zwei Krämer und erzählten ihm, man hätte in einem
Hause einen Fremden gebunden, der sich für einen Mörder ausgäbe, und
der Justiz ausgeliefert sein wollte, der aber gewiß kein Mörder sein
könne. Martin lief in das Haus und fand es so; ein junger Mensch hatte
ihn, auf sein ungestümes Anhalten, in der Angst gebunden. Martin band
ihn los und brachte ihn glücklich nach Waldersbach. Er sah verwirrt
aus; da er aber sah, daß ich ihn wie immer freundschaftlich und
liebreich empfieng und behandelte, bekam er wieder Muth, sein Gesicht
veränderte sich vortheilhaftig, er dankte seinen beiden Begleitern
freundlich und zärtlich, und wir brachten den Abend vergnügt zu.
Ich bat ihn inständig nicht mehr zu baden, die Nacht ruhig im Bette
zu bleiben, und wann er nicht schlafen könnte, sich mit Gott zu
unterhalten u. s. w. Er versprach’s, und wirklich that er’s die
folgende Nacht; unsere Mägde hörten ihn fast die ganze Nacht hindurch
beten.
Den folgenden Morgen, Samstag den 7ten, kam er mit vergnügter Miene auf
mein Zimmer. Ich hoffte, wir würden bald am Ende unserer gegenseitigen
Qual seyn; aber leider der Erfolg zeigte was anders.
Nachdem wir Verschiedenes gesprochen hatten, sagte er mir mit
ausnehmender Freundlichkeit: „Liebster Herr Pfarrer, das Frauenzimmer,
von dem ich ihnen sagte, ist gestorben, ja gestorben -- o, der Engel!“
-- Woher wissen Sie das? -- „Hieroglyphen -- Hieroglyphen!“ -- und dann
gen Himmel geschaut und wieder: „Ja -- gestorben -- Hieroglyphen!“ --
Er schrieb einige Briefe, gab mir sie sodann zu, mit Bitte, ich möchte
noch selbst einige Zeilen darunter setzen.
Ich hatte mit einer Predigt zu thun und steckte die Briefe indessen in
meine Tasche. In dem einen an eine adelige Dame in W. schien er sich
mit Abadonna zu vergleichen; er redete von Abschied. -- Der Brief war
mir unverständlich, auch hatte ich nur einen Augenblick Zeit ihn zu
übersehen, eh ich ihn von mir gab. In dem andern an die Mutter seiner
Geliebten, sagt er, er könne ihr dießmal nicht mehr sagen, als daß ihre
Friedericke nun ein Engel sey und sie würde Satisfaktion bekommen.
Der Tag gieng vergnügt und gut hin. Gegen Abend wurde ich nach
Bellefosse zu einem Patienten geholt. Da ich zurückkam, kam mir Herr
L... entgegen. Es war gelind Wetter und Mondschein. Ich bat ihn, nicht
weit zu gehen und seines Fußes zu schonen. Er versprach’s.
Ich war nun auf meinem Zimmer und wollte ihm Jemand nachschicken, als
ich ihn die Stieg herauf in sein Zimmer gehen hörte. Einen Augenblick
nachher platzte etwas im Hof mit so starkem Schall, daß es mir
unmöglich von dem Fall eines Menschen herkommen zu können schien. Die
Kindsmagd kam todtblaß und am ganzen Leibe zitternd zu meiner Frau:
Herr L... hätte sich zum Fenster hinausgestürzt. Meine Frau rief mir
mit verwirrter Stimme -- ich sprang heraus, und da war Herr L... schon
wieder in seinem Zimmer.
Ich hatte nur einen Augenblick Gelegenheit einer Magd zu sagen: «_Vite,
chez l’homme juré, qu’il me donne deux hommes_,» und hierauf zu Herrn
Lenz.
Ich führte ihn mit freundlichen Worten auf mein Zimmer; er zitterte vor
Frost am ganzen Leibe. Am Oberleib hatte er nichts an als das Hemd,
welches zerrissen und sammt der Unterkleidung über und über kothig war.
Wir wärmten ihm ein Hemd und Schlafrock und trockneten die seinigen.
Wir fanden, daß er in der kurzen Zeit, die er ausgegangen war, wieder
mußte versucht haben sich zu ertränken, aber Gott hatte auch da wieder
gesorgt. Seine Kleidung war durch und durch naß.
Nun, dachte ich, hast du mich genug betrogen, nun mußt du betrogen, nun
ist’s aus, nun mußt du bewacht seyn. Ich wartete mit großer Ungeduld
auf die zwei begehrten Mann. Ich schrieb indessen an meiner Predigt
fort und hatte Herrn L... am Ofen, einen Schritt weit von mir sitzen.
Keinen Augenblick traute ich von ihm, ich mußte harren. Meine Frau, die
um mich besorgt war, blieb auch. Ich hätte so gerne wieder nach den
begehrten Männern geschickt, konnte aber durchaus nicht mit meiner Frau
oder sonst Jemand davon reden; laut, hätte er’s verstanden, heimlich,
das wollten wir nicht, weil die geringste Gelegenheit zu Argwohn auf
solche Personen allzu heftig Eindruck macht. Um halb neun giengen wir
zum Essen; es wurde, wie natürlich, wenig geredet; meine Frau zitterte
vor Schrecken und Herr L... vor Frost und Verwirrung.
Nach kaum viertelstündigem Beisammensitzen fragte er mich, ob er nicht
hinauf in mein Zimmer dürfte? -- Was wollen sie machen, mein Lieber? --
etwas lesen -- gehen Sie in Gottes Namen; -- er gieng, und ich, mich
stellend, als ob ich genug gegessen, folgte ihm.
Wir saßen; ich schrieb, er durchblätterte meine französische Bibel
mit furchtbarer Schnelle, und ward endlich stille. Ich gieng einen
Augenblick in die Stubkammer, ohne im allergeringsten mich aufzuhalten,
nur etwas zu nehmen, das in dem Pult lag. Meine Frau stand inwendig
in der Kammer an der Thür und beobachtete Herrn L...; ich faßte den
Schritt wieder herauszugehen, da schrie meine Frau mit gräßlicher,
hohler, gebrochener Stimme: „Herr Jesus, er will sich erstechen!“
In meinem Leben habe ich keinen solchen Ausdruck eines tödtlichen,
verzweifelten Schreckens gesehen, als in dem Augenblick, in den
verwilderten, gräßlich verzogenen Gesichtszügen meiner Frau.
Ich war haußen. -- Was wollen Sie doch immer machen, mein Lieber? --
Er legte die Scheere hin. -- Er hatte mit scheußlich starren Blicken
umher geschaut, und da er Niemand in der Verwirrung erblickte, die
Scheere still an sich gezogen, mit fest zusammengezogener Faust sie
gegen das Herz gesetzt, alles dieß so schnell, daß nur Gott den Stoß so
lange aufhalten konnte, bis das Geschrei meiner Frau ihn erschreckte
und etwas zu sich selber brachte. Nach einigen Augenblicken nahm ich
die Scheere, gleichsam als in Gedanken und wie ohne Absicht auf ihn,
hinweg; dann, da er mich feierlich versichern wollte, daß er sich nicht
damit umzubringen gedacht hätte, wollte ich nicht thun, als wenn ich
ihm gar nicht glaubte.
Weil alle vorigen Vorstellungen wider seine Entleibungssucht nichts bei
ihm gefruchtet hatten, versuchte ich’s auf eine andere Art. Ich sagte
ihm: Sie waren bei uns durchaus ganz fremd, wir kannten sie ganz und
gar nicht; ihren Namen haben wir ein einzigmal aussprechen hören, ehe
wir Sie gekannt; wir nahmen Sie mit Liebe auf, meine Frau pflegte Ihren
kranken Fuß mit so großer Geduld, und Sie erzeigen uns so viel Böses,
stürzen uns aus einem Schrecken in den andern. -- Er war gerührt,
sprang auf, wollte meine Frau um Verzeihung bitten; sie aber fürchtete
sich nun noch so viel vor ihm, sprang zur Thüre hinaus; er wollte nach,
sie aber hielt die Thüre zu. -- Nun jammerte er, er hätte meine Frau
umgebracht, das Kind umgebracht, so sie trage; Alles, Alles bring’ er
um, wo er hin käme. -- Nein, mein Freund, meine Frau lebt noch und Gott
kann die schädlichen Folgen des Schreckens wohl hemmen, auch würde
ihr Kind nicht davon sterben, noch Schaden leiden. -- Er wurde wieder
ruhiger. Es schlug bald zehn Uhr. Indessen hatte meine Frau in die
Nachbarschaft um schleunige Hülfe geschickt. Man war in den Betten;
doch kam der Schulmeister, that, als ob er mich etwas zu fragen hätte,
erzählte mir etwas aus dem Kalender, und Herr L..., der indessen wieder
munter wurde, nahm auch Theil am Discurs, wie wenn durchaus nichts
vorgefallen wäre.
Endlich winkte man mir, daß die zwei begehrten Männer angekommen -- o
wie war ich so froh! Es war Zeit. Eben begehrte Herr L... zu Bette zu
gehen. Ich sagte ihm: „Lieber Freund, wir lieben Sie, Sie sind davon
überzeugt, und Sie lieben uns, das wissen wir eben so gewiß. Durch Ihre
Entleibung würden Sie Ihren Zustand verschlimmern, nicht verbessern;
es muß uns also an Ihrer Erhaltung gelegen seyn. Nun aber sind Sie,
wenn Sie die Melancholie überfällt, Ihrer nicht Meister; ich habe daher
zwei Männer gebeten in Ihrem Zimmer zu schlafen (wachen dachte ich),
damit Sie Gesellschaft, und wo es nöthig, Hülfe hätten.“ Er ließ sich’s
gefallen.
Man wundere sich nicht, daß ich so sagte, und mit ihm umgieng; er
zeigte immer großen Verstand und ein ausnehmend theilnehmendes Herz;
wenn die Anfälle der Schwermuth vorüber waren, schien alles so sicher
und er selbst war so liebenswürdig, daß man sich fast ein Gewissen
daraus machte, ihn zu argwohnen oder zu geniren. Man setze noch das
zärtlichste Mitleiden hinzu, das seine unermeßliche Qual, deren Zeuge
wir nun so oft gewesen, uns einflößen mußte. Denn fürchterlich und
höllisch war es, was er ausstund, und es durchbohrte und zerschnitt
mir das Herz, wenn ich an seiner Seite die Folgen der Principien,
die so manche heutige Modebücher einflößen, die Folgen seines
Ungehorsams gegen seinen Vater, seiner herumschweifenden Lebensart,
seiner unzweckmäßigen Beschäftigungen, seines häufigen Umgangs mit
Frauenzimmern, durchempfinden mußte. Es war mir schrecklich und ich
empfand eigene, nie empfundene Marter, wenn er, auf den Knieen liegend,
seine Hand in meiner, seinen Kopf auf meinem Knie gestützt, sein
blasses, mit kaltem Schweiß bedecktes Gesicht in meinen Schlafrock
verhüllt, am ganzen Leibe bebend und zitternd; wenn er so, nicht
beichtete, aber die Ausflüsse seines gemarterten Gewissens und
unbefriedigten Sehnsucht nicht zurückhalten konnte. -- Er war mir um so
bedauerungswürdiger, je schwerer ihm zu seiner Beruhigung beizukommen
war, da unsere gegenseitigen Principien einander gewaltig zuwider,
wenigstens von einander verschieden schienen.
Nun wieder zur Sache: Ich sagte, er ließ sich’s gefallen, zwei Männer
auf seinem Zimmer zu haben. Ich begleitete ihn hinein. Der eine
seiner Wächter durchschaute ihn mit starren, erschrockenen Augen. Um
diesen etwas zu beruhigen, sagte ich dem Herrn L... nun vor den zwei
Wächtern auf Französisch, was ich ihm schon auf meinem Zimmer gesagt
hatte, nämlich, daß ich ihn liebte, so wie er mich; daß ich seine
Erhaltung wünschte und wünschen müßte, da er selbst sähe, daß ihm die
Anfälle seiner Melancholie fast keine Macht mehr über ihn ließen; ich
hätte daher diese zwei Bürger gebeten bei ihm zu schlafen, damit er
Gesellschaft und, im Fall der Noth, Hülfe hätte. Ich beschloß dieß mit
einigen Küssen, die ich dem unglücklichen Jüngling von ganzem Herzen
auf den Mund drückte, und gieng mit zerschlagenen, zitternden Gliedern
zur Ruhe.
Da er im Bett war, sagte er unter Anderm zu seinen Wächtern: «_Ecoutez,
nous ne voulons point faire de bruit, si vous avez un couteau,
donnez-le moi tranquillement et sans rien craindre._» Nachdem er oft
deßwegen in sie gesetzt und nichts zu erhalten war, so fieng er an
sich den Kopf an die Wand zu stoßen. Während dem Schlaf hörten wir ein
öfteres Poltern, das uns bald zu-, bald abzunehmen schien, und wovon
wir endlich erwachten. Wir glaubten, es wäre auf der Bühne, konnten
aber keine Ursache davon errathen. -- Es schlug drei, und das Poltern
währte fort; wir schellten, um ein Licht zu bekommen; unsere Leute
waren alle in fürchterlichen Träumen versenkt und hatten Mühe sich
zu ermuntern. Endlich erfuhren wir, daß das Poltern von Herrn L...
käme und zum Theil von den Wächtern, die, weil sie ihn nicht aus den
Händen lassen durften, durch Stampfen auf den Boden Hülfe begehrten.
Ich eilte auf sein Zimmer. So bald er mich sah, hörte er auf sich den
Wächtern aus den Händen ringen zu wollen. Die Wächter ließen dann auch
nach ihn festzuhalten. Ich winkte ihnen ihn frei zu lassen, saß auf
sein Bette, redete mit ihm, und auf sein Begehren, für ihn zu beten,
betete ich mit ihm. Er bewegte sich ein wenig, und einsmals schmiß er
seinen Kopf mit großer Gewalt an die Wand; die Wächter sprangen zu und
hielten ihn wieder.
Ich gieng und ließ einen dritten Wächter rufen. Da Herr L... den
dritten sah, spottete er ihrer, sie würden alle drei nicht stark genug
für ihn seyn.
Ich befahl nun in’s geheime mein Wäglein einzurichten, zu decken, noch
zwei Pferde zu suchen zu dem meinigen, beschickte Seb. Scheidecker,
Schullehrer von Bellefosse, und Johann David Bohy, Schullehrer von
Solb, zween verständige, entschlossene Männer und beide von Herrn L...
geliebt. Johann Georg Claude, Kirchenpfleger von Waldersbach, kam auch;
es wurde lebendig im Haus, ob es schon noch nicht Tag war. Herr L...
merkte was, und so sehr er bald List, bald Gewalt angewendet hatte los
zu kommen, den Kopf zu zerschmettern, ein Messer zu bekommen, so ruhig
schien er auf einmal.
Nachdem ich alles bestellt hatte, gieng ich zu Herrn L..., sagte ihm,
damit er bessere Verpflegung nach seinen Umständen haben könnte, hätte
ich einige Männer gebeten, ihn nach Straßburg zu begleiten, und mein
Wäglein stünde ihm dabei zu Diensten.
Er lag ruhig, hatte nur einen einzigen Wächter bei sich sitzen. Auf
meinen Vortrag jammerte er, bat mich nur noch acht Tage mit ihm Geduld
zu haben (man mußte weinen, wenn man ihn sah). -- Doch sprach er, er
wolle es überlegen. Eine Viertelstunde darauf ließ er mir sagen: Ja,
er wolle verreisen, stund auf, kleidete sich an, war ganz vernünftig,
packte zusammen, dankte Jedem in’s Besondere auf das Zärtlichste,
auch seinen Wächtern, suchte meine Frau und Mägde auf, die sich vor
ihm versteckt und stille hielten, weil kurz vorher noch, so bald er
nur eine Weiberstimme hörte oder zu hören glaubte, er in größere Wuth
gerieth. Nun fragte er nach Allen, dankte Allen, bat Alle um Vergebung,
kurz, nahm von Jedem so rührenden Abschied, daß Aller Augen in Thränen
gebadet stunden.
Und so reiste dieser bedauerungswürdige Jüngling von uns ab, mit drei
Begleitern und zwei Fuhrleuten. Auf der Reise wandte er nirgends keine
Gewalt an, da er sich übermannt sah; aber wohl List, besonders zu
Ensisheim, wo sie über Nacht blieben. Aber die beiden Schulmeister
erwiederten seine listige Höflichkeit mit der ihrigen, und Alles gieng
vortrefflich wohl aus.
So oft wir reden, wird von uns geurtheilt, will geschweigen, wenn wir
handeln. Hier schon fällt man verschiedene Urtheile von uns; die Einen
sagten: wir hätten ihn gar nicht aufnehmen sollen, -- die Andern: wir
hätten ihn nicht so lange behalten, -- und die Dritten: wir hätten ihn
noch nicht fortschicken sollen.
So wird es, denke ich, zu Straßburg auch sein. Jeder urtheilt nach
seinem besonderen Temperament (und anders kann er nicht) und nach der
Vorstellung, die er sich von der ganzen Sache macht; die aber unmöglich
getreu und richtig sein kann, wenigstens mußten unendlich viele
Kettengleiche darin fehlen, ohne die man kein richtig Urtheil fällen
kann, die aber außer uns nur Gott bekannt seyn und werden können; weil
es unmöglich wäre sie getreu zu beschreiben, und doch oft in einem Ton,
in einem Blick, der nicht beschrieben werden kann, etwas steckt, das
mehr bedeutet, als vorhergegangene erzählbare Handlungen.
Alles, was ich auf die nun, auch die zu erwartenden, einander
zuwiderlaufenden, sich selbst bestreitenden Urtheile antworten werde,
ist: Alles, was wir hierin gethan, haben wir vor Gott gethan, und so,
wie wir jedesmal allen Umständen nach glaubten, daß es das Beste wäre.
Ich empfehle den bedauerungswürdigen Patienten der Fürbitte meiner
Gemeinen und empfehle ihn in der nämlichen Absicht Jedem, der dieß
liest.[11]“
* * * * *
In Straßburg blieb Lenz einige Wochen und gieng sodann nach
Emmendingen, wo er den Tod von Schlosser’s Gattin, Göthe’s Schwester,
erfuhr, was seine reizbare Seele von Neuem heftig ergriff. „Lenz
ist bei mir,“ schreibt =Schlosser= an =Oberlin= (2. März 1778) „und
drückt mich erstaunlich. Ich habe gefunden, daß seine Krankheit eine
wahre Hypochondrie ist. Ich habe ihm heut eine Proposition gethan,
wodurch ich ihn gewiß curiren würde. Aber er ist wie ein Kind, keines
Entschlusses fähig; ungläubig gegen Gott und Menschen. Zweimal hat er
mir große Angst eingejagt; sonst ist er zwischen der Zeit ruhig. Ich
würde Euch mit mehr Freiheit schreiben, wenn er nicht da wäre, aber er
schlägt mich mit Fäusten und verengt mein armes Herz.“ Wie dankbar Lenz
Schlosser’s freundschaftliche Bemühungen anerkannte, sagen folgende
Verse, die aus jener Zeit herrühren:
Wie freundlich trägst du mich auf deinem grünen Rücken,
Uralter Rhein,
Wie suchest du mein Aug’ empfindlich zu erquicken
Durch Ufer voller Wein,
Und hab ich doch die tausend Lustgestalten
Tief im Gedächtniß zu behalten.
Nun weder Dinte noch Papier,
Nur dieses Herz, das sich empfindet hier!
Es scheinet fast, du liebest, Allzugroßer,
Nicht mehr der Maler Prunk, der Dichter Klang,
Es scheint, du willst, wie =Schlosser=,
Nur stummen Dank.