Der Krauthas rülpste und murmelte: »Recht habens eh.«

»Was treibst denn jetzt? Wo hältst du dich denn auf?«

»Wo soll ich mich aufhalten? Bei meiner Tochter in Löwenburg. Aber die

hat selber nix. Der bin ich schuldig, und wenn jetzt nit sechzig Kronen

da sind, so wird sie gepfändet. Dasmal hilf mir noch aus, Michelwirt.

Ich verdien mir nachher schon wieder was. Und zahl’s fleißig zurück.

Das Alte auch.«

»Krauthas, nit einen Heller,« antwortete der Wirt. »Nur die heutige

Zech ist bezahlt. Schlafen kannst in der Scheune auf dem Stroh, wenn du

keine Tabakpfeifen hast. Aber leihen, nit einen Heller mehr.«

»Nit?« sagte der Krauthas, »gut.« Ganz leise sagte er’s und hub an,

sich zusammenzupacken. Anscheinend mit großer Gleichgültigkeit tat

er’s. »Nit. -- Ist gut. Ist auch gut. Nachher hast vielleicht ein altes

Leinwandbandel? Ein Spagat tut’s auch ...«

»Geh, geh, Krauthas, auf dein Komödiespiel geb ich nix mehr. Du hast

das Aufhängen schon zu oft versprochen. Wer so viel davon redet, der

tut’s nit. Ist überhaupt alles erlogen, was du sagst. Mach, daß du

fortkommst. Der Hausknecht führt dich auf die Scheune.«

Als der Michel allein war, verfiel er wieder in seine Grübelei, der er

um so öfter nachhing, je tiefer der Zwiespalt wurde zwischen seiner

ursprünglichen Lebenslust und seinen trüben Vorstellungen. -- Daß

der Kerl, so dachte er dem Krauthasen nach, alleweil noch freiwillig

weiterlebt! Liegen wird’s darin, daß der Bauer nix ißt, was er nit

kennt, und daß der Jud die Katz nit im Sack mag kaufen. Schon wer in

der Früh aus festem Schlaf geweckt ist, kunnt eine Spur haben, wie gut

das liebe Nitsein ist. Das Nitsein -- das liebe Nitsein! -- Aber die

Leut haben keinen Glauben, sie können an das Nitsein nit glauben. Und

fürchten gar, es kunnt hinten drüben noch jämmerlicher hergehen als da

herüben. Kann man’s wissen? Es ist halt doch eine gewagte Sach. -- Und

schließlich kam es ihm wieder bei: In dem, was der Mensch ist, soll

er aushalten, so lang es an sich hält. Daß er wenigstens selber keine

Schuld hat. -- In Gottes Namen!

Fünf Minuten später war er wieder einmal im lieben Nichtsein auf

etliche Stunden.

Die Försterbuben: Ein Roman aus den steirischen Alpen · 第 22 / 55 题