»Marder schießen.«
Der Förster schwieg ein Weilchen. Dann schüttelte er den Kopf.
»Försterbuben. Und wissen nicht, wann man Marder schießt.«
»Ist der auch mitgewesen?« fragte er, den Studenten am Rockkragen
fassend und ihn dem Friedl vorschiebend.
»Wo hast denn das Gewehr?« fragte der Friedl den Bruder.
»Unter der Brücke ist’s.«
»Unter der Brücke? Will doch einmal sehen, ob’s wahr ist,« sagte der
Förster.
Da fand sich unter dem Brückenkopf das Schrotgewehr und nun sollte er
es wohl glauben. Und wie gerne! Gerade gescheit ist das nicht, in der
Nacht Marder schießen gehen! Aber schöner ist’s doch immer als das
andere, was er geargwohnt. Und jetzt tat’s ihm leid, daß er den Jungen
so wild beschimpft hatte. Er nahm den Studenten beiseite und stellte
ihn scharf zur Rede, weshalb er sich bei den Anschuldigungen nicht
verteidigt habe.
»Mir scheint, mit Absicht hast du mich ins Unrecht setzen wollen --
wie? So darfst du es nicht wieder machen. Ein Mann, wenn ihm unrecht
geschieht, muß sich rechtfertigen. Gut, ich fordere Respekt von meinen
Kindern, aber daß sie sich von mir unbegründet schmähen lassen sollen,
das mag ich nicht, das schon einmal gar nicht. Irren kann sich ja der
Mensch. Und da ist’s mir schon lieber, sie widersprechen mir, und
wenn’s auch grob wäre. Lieber wie die Muckerei, wo man sich nicht
auskennt. So -- Elias, jetzt geh zu deiner Suppe. Und merk dir’s!«
Mit diesem Sermon hatte der Alte sein ungeberdig gewordenes Herz
beruhigt. Anstatt sich selbst macht man die Vorwürfe denen, so man
unrecht getan hat.
Der Elias aber dann zum Bruder: »Marder schießen! Warum hast du den
Vater angelogen?«
»Warum hast du mich denn nit Lügen gestraft? Bist eh daneben gestanden.«
Dachte sich der Student: ’s ist wahr, ich bin selber nichts besser.