Bei dem kleinen Dorfe Eustachen, wo die steile Wand des Ringsteins
aufragt, zweigt quer ins Waldgebirge hinein ein Seitental.
Es ist ein Hochtal und heißt auch so. Anfangs ist es so breit, daß an
der Tauernach links und rechts schöne Wiesen liegen können zwischen den
steil ansteigenden Forsten. Dann engt sich das Tal zu einer Schlucht
und vor dieser Stelle steht das Forsthaus. Es ist ein behaglich sich
breitender Bau aus lichtgebräuntem Lärchenholz, mit großen, klaren
Fenstern, den unvermeidlichen Hirschkronen und Raubvögeln, die mit
ausgespreiteten Flügeln an die Giebelwand genagelt sind. Das halbflache
Hausdach schützt auch die lange Wandbank an der Hauswand vor Regen;
die Sonne, wenn sie über dem Bergrücken doch einmal niederscheint, tut
ohnehin nicht weh.
Von dem Sträßlein, das durchs Hochtal und weiter durch die Schlucht
geht, führt über die rauschende Ach eine Brücke hinüber zum Hause.
Und an dieser Brücke steht die alte Bretterkapelle, die gleichzeitig
ein Brunnen ist für Wanderer, so auf dem Wege andächtig oder durstig
geworden sind. Im Hochsommer und Herbst sind mitunter Wanderer zu
sehen, die übers Hochgebirge wollen oder von demselben herabkommen.
Just am Punkte neben der Kapelle kann man im Hintergrunde der
dunkelnden Waldschluchten ein schneeweißes Dreiecklein aufragen
sehen, das manchen Touristen aus weiten Fernen herbeizieht wie ein
gewalttätiger Magnet. Über dem Kapellentürchen steht der Spruch:
»Heiliger Eustachius, bitte für uns. In Ewigkeit Amen.« In der Kapelle
wo sonst der Altar zu sein pflegt, ragt aus der Wand ein lebensgroßer,
aus Holz geschnitzter Hirschkopf hervor, aus dessen Nasennüstern das
Wasser sprudelt. Zwischen den mächtigen Geweihen dieses Hirschkopfes,
die von einem Tiere stammen sollen, das der Fürst selbst erlegt hat,
ragt ein Kruzifix. Also die Legende kündend vom heiligen Hubertus. Nach
anderer Legende war es der heilige Eustachius gewesen, dem auf einem
Hirschkopf das Kruzifix erschienen. Die Leute meinen, das Wunder wäre
gerade in dieser Gegend geschehen, weshalb das Dorf St. Eustachen hieße.
Hinter dem Forsthause steigt steil der Lärchenwald an, der im Sommer
das helle zarte Grün hat, um unsere Jahreszeit aber wie ein Gewuste
fahler Besen regungslos dasteht. An der anderen Seite des Tales lehnt
eine weite, glatte Fläche sachte an, immer höher, bis zu Felsgruppen
im Hintergrund. Sie ist noch ganz mit Schnee bedeckt, der fast bis
zur Ach herniederreicht und mit unzähligen Tierspuren in kreuz und
krumm durchzogen ist. Es ist die Siebentaler-Leiten, die ihr einstiger
Besitzer, ein überkluger Bauer, bei einer Wette gegen sieben Taler
verspielt haben soll. Sie gehört längst auch dem Fürsten, der im
Laufe der Zeit des ganzen Waldgebirges Herr geworden ist, auch der
Almen weiter oben, mit Ausnahme von einigen Bauernservituten. Und
Herr geworden endlich der Felsenwelt, die belebt ist von Gemsen und
Habichten. Weit hinten in jenem wilden Gebirge, auf einer kahlen
felsigen Hochebene steht das Jagdschloß, in welches der Fürst
alljährlich einmal auf zwei oder drei Tage kommt, um ein paar Dutzend
Gemsen zu erlegen und das Fleisch dann an die Bevölkerung der Holzer
und Kleinhäusler abzulassen.
Die Besitzungen werden hauptsächlich von der Residenz aus verwaltet;
doch das Gebiet der Waldungen und der Almen gehört in das Bereich
des Forstamtes, das vom Förster und einem Kanzleischreiber versehen
wird. Jäger, die in früherer Zeit auch dagewesen, sind abgeschafft
worden. Etwaige Raubtiere erlegt der Förster. Das ist unser Paul
Rufmann. Einen vieljährigen Kampf hat es dem Rufmann gekostet, um die
waldkulturschädliche Wildhegung in den Forsten abzubringen. Um so
zufriedener ist Seine Hoheit jetzt mit dem Forstertrage; ein Umstand,
der dem Rufmann den Titel »Oberförster« eingebracht hat, den er aber
nicht ausnützt. Vielleicht, daß ihn der Friedl einmal annimmt!
Diesen Förster, der kein Jagdheger ist, mögen auch die Bauern leiden,
um so mehr, als er ihnen gelegentlich mit Holz, Waldstreu und Weide
auszuhelfen pflegt.
Nun ins Forsthaus tretend, sehen wir in der Vorhalle an der Wand noch
die alten Jägersprüche. Es sind verblaßte, tote Buchstaben geworden.
Über dem Eingangstore aber hat der Rufmann in großen Buchstaben die
Worte malen lassen: »Wer hat dich aufgebaut so hoch, du schöner Wald da
droben!«
Das Forsthaus hat mehrere geräumige Stuben. Anstatt der Hirschgeweihe
hängen hier Kupferstiche mit Darstellungen aus germanischer Sage, an
der Wand auch eine Laute. Der Förster ist zur Stunde in den Bergen.
In einer Kammer neben der Küche hockt auf der Truhe eine kleine alte
Person vor dem Wäschekorb. Sie bessert Hemden aus und Hosen und greint
ein wenig in die Leinwand hinein, daß diese Manner doch gar alles
zerreißen müssen. »Dem Alten halt’s kein Hinterer, dem Jungen kein
Knie -- aber nit etwa vom Beten!« -- Rechterseits am Halse hat sie ein
nußgroßes Kröpflein, das sachte auf und nieder wurlt, wenn sie greint.
Auf dem runden Näschen hat sie große Brillen mit beinener Einfassung
sitzen, die immer so weit herabrutschen, daß sie mehr über als durch
die Gläser hinausschaut. Auf die Ferne sieht sie ohne Brillen weit
besser; es ist nichts und es geschieht nichts im Forsthause, was sie
nicht sähe, ja sie sieht sogar manches, aber wohl freilich nicht alles,
was andere im tiefen Waldschatten verborgen glauben, oder auch, was
morgen und übermorgen sein wird, oder was unter den Brustleibeln ihres
Hausherrn und seiner Kinder vorgeht. Diese umsichtige Person ist seit
dem Tode der Förstersfrau hier die Haushälterin und heißt Sali. Sie hat
die Familie gleichsam ererbt, ein Vermächtnis der Sterbenden.
Als damals, bald nach der Geburt des zweiten Sohnes, der Frau Cäcilia
letzter Tag gekommen, hat sie die Magd an ihr Bett rufen lassen,
hat sie bei der Hand genommen und mit schon fast gelähmter Zunge so
gesprochen: »Sali, tu meine Leut nit verlassen. Schau, daß sie was zu
essen haben und was Ordentliches anzulegen. Tu sie nit verlassen!«
Und seither ist’s fünfzehn Jahre und die alte Person steht auf ihrem
Posten, wird nicht älter und nicht jünger, hat alleweil den gestreiften
Lodenkittel an, und beim Flicken oder Sonntags über dem Gebetbüchel
die großen Brillen auf, greint alleweil ein wenig und bleibt immer
gleich umsichtig und verläßlich. Sie für sich selber scheint nicht zu
existieren, nur für »ihre Leut«. Aber ein paarmal im Jahre hat sie »die
bösen Täg«. Da brummt und greint sie nicht, da ist sie stumm wie ein
Grab, aber nicht ganz so friedsam, da wirft sie die Holzscheiter hin
und her, daß es poltert, da schlägt sie die Türen zu, daß das ganze
Haus schüttert, da stößt sie Töpfe und Teller in Scherben -- um am
nächsten Sonntag dafür wieder neue anzuschaffen, in aller Demut von
ihrem eigenen Gelde.
Das also ist die Haushälterin Sali, die jetzt in der Kammer am
Wäschekorbe hockt, auf einmal aber das weißbehäubte Köpflein hebt
und horcht. In der Nebenstube hat sie etwas gehört. Und schreit mit
scharfer Stimme: »Wer ist denn da?« Und geht nachschauen, und tut einen
hellen Schrei, halb in Schrecken und halb in Freuden. Mitten in der
Stube steht der Elias. Das Studentel!
Er schmunzelt ein wenig und reicht ihr die Hand.
»Aber Jessas Mariassas Joselas!« ruft sie aus. »Bist denn _heut_ schon
da? Zum Samstag hat dich der Vater erwartet! Na, weil d’ nur da bist.
Aber g’spitzt ausschaun tust, Elerl! Ja was denn, was tut dir denn
fehlen?«
»Ah, nix weiter. Bissel mattschlachtig,« gibt der Junge zur Antwort.
»Mattschlachtig sagst! Werden wir schon machen. Will dich schon
aufpappeln, aber heimbleiben mußt, nit gleich wieder fortlaufen.
Das dumme Lernen da! Mag’s eh was nit ausstehn, das dumme Lernen.
Geistlinger kannst ja so auch einer wer’n, wenn d’ nur fromm bist. Mit
’m Lernen ist noch kein Mensch in den Himmel kommen. Aber, weil’s wahr
ist! -- Gib her den Zegger!« Sie nahm ihm die Seitentasche ab, »aber so
ein schweren Zegger schleppen!«
»Bücher hab’ ich drin.«
»Und hast die Kammertuchhemden mitbracht? Nit? Ja, du heiligs Kreuz,
was wirst denn anlegen daheim? Die rupfenen, die werden dem jungen
Stadtherrn wohl schon zu viel kratzen.«
»Ah na, das macht mir nix,« sagte der Junge, »wo ist denn der Vater?«
»Häst geschrieben, wann du kommst, wär er heimblieben. Wo wird er denn
sein? Bei den Holzknechten im Teschenschlag. Der Friedl auch. Na,
weil d’ nur wieder da bist. Dein’ Kaffee kriegst jetzt. Derweil wird
die Stuben warm. Nur nit gleich ungeduldig. Daß die jungen Leut schon
einmal gar keine Geduld haben!«
»Aber Sali, ich hab’ ja nichts gesagt, es eilt ja nicht.« Er mußte
lachen, wie sie ihm gleich wieder Fehler ansinnen wollte, um darüber
greinen zu können. Er warf das weiche Filzhütlein auf die Bank, legte
seinen lodernen Oberrock ab; nun stand das schlanke, dunkelgraue
Studentlein da. Das nußbraune Haar war schräms über die Stirn gelegt,
es war ein wenig feucht, so daß die Sali gleich ihren Schürzenzipf
hob, um ihn abzutrocknen. »Schwitzest ja wie nit gescheit! Mit dem
närrischen Laufen allemal! Wirst dir noch sauber die Lungen kaput
rennen!« -- Unter seiner breiten Stirn die braunen Augen blickten weder
krank noch traurig, aber gegen das Kinn herab wurde das blasse Gesicht
bedenklich schmal und spitzig. Trotzdem stand die schon leicht ins
Steirische biegende Nase und die kecklich aufgeschwungene Oberlippe
munter in die Welt, in die Welt seiner freien, goldenen Waldjugend.
Wieder daheim!
»Was macht denn der Waldl?« fragte er und eilte hinaus in den Hof zu
dem Hundekobel. Das schöne Tier mit dem glatten kästengrauen Fell
sprang ihn vor Freude so heftig an, daß er schier nach rückwärts
taumelte. Sie scherzten miteinander und der Junge ließ ihn sofort alle
Kunststücke treiben, die sie im vorigen Sommer miteinander eingelernt
hatten. Aber die Sali kam bald nach, packte ihn fest bei der Hand und
führte ihn aus der frostigen Märzluft in die Stube zum heißen Kaffee.
Abends das Wiedersehen mit Vater und Bruder war scheinbar gelassen. Sie
küßten sich nicht, sie reichten sich ruhig die Hand, und der Förster
fragte nur: »Ja, wo fehlt’s denn, Elias?«
Der zuckte rasch die Achseln. Er konnte es wirklich nicht sagen.
»Sie haben halt gesagt, ich sollt jetzt einmal heimgehen.«
»Beim Lernen -- hat’s doch nichts?«
»Hab’ eh das Zeugnis mit,« antwortete der Junge. Als der Förster
dasselbe durchlas, nickte er sehr wohlgefällig mit dem Kopf. »Friedl,«
sagte er zu dem andern Sohne, »da könnte sich jemand ein Beispiel
nehmen. Schau nur gerade einmal da her: Fleiß ausdauernd, Sitten
musterhaft.«
Der Friedl schritt, die Hände in den Hosentaschen, in der Stube auf
und ab. Das war er schon gewohnt, unter der Hand immer so ein bißchen
erzogen zu werden. Weil einen halt ’s Leben freut. Die paar Jahre
Realschule in Löwenburg bei den lustigen Kameraden, die haben doch
nichts verdorben, im Gegenteil, da sind wir erst inne worden, was es
auf der Welt für feine Sachen gibt! -- Mit einem gutmütigen Bedauern
blickte er auf seinen Musterbruder.
Dieser wieder betrachtete den leichtlebigen Friedl, der daheim so
stattlich und hübsch aufgewachsen war. Wie eine junge Tanne, so gerade
stand er da, im gebräunten Gesicht die schwarzen Augenbrauen, den
kleinen, dunklen, leicht gewirbelten Schnurrbart. Die Nase, deren
Entwicklung seit Jahren seine Sorge gewesen, war nun sein Stolz
geworden; so stattlich wächst sie sich aus, und es ist kein Zweifel
mehr an ihrem kühnen Adlernasenschwung. Besonders wenn man auch noch
ein bißchen nachhilft.
Zum Abendessen gab es des Heimkömmlings Lieblingsspeisen. Rahmsuppe
und Eier in Essig. Derlei war im Seminarium auch nicht ein einziges
Mal vorgekommen. Dort lebt man von Reis, Wurst, Kartoffeln, Latein und
Griechisch.
Nach dem kleinen und frohen Mahle, als der Friedl schon in die
Schlafstube vorausgegangen war, kramte Elias aus der Ledertasche
die Geschenke hervor, die er mitgebracht hatte. Für den Vater ein
Gummibecherlein, womit er an Waldquellen Wasser schöpfen und trinken
konnte. Für die Sali ein Muttergottesständel aus weißem Porzellan.
Dafür ward er ausgezankt. Das habe er sich gewiß wieder vom Mund
abgemagert. Ja, dann glaube sie’s freilich. Vom Sachenwegschenken
werde man nicht fett. Ob die Muttergottes auch schon ihre heilige
Weih’ hätte? Noch nicht? »Wird ein sauberer Geistlinger werden, der
ungeweihte Heiligenbilder verteilt! Aber g’freun tut’s mich wohl, du
Donnersbub du, daß d’ auf die alt Sali nit vergißt!«
Als Elias in die Schlafstube kam, die er mit dem Bruder von jeher
gemeinsam hatte, stand der Friedl vor dem kleinen Wandspiegel und tat
mit den Fingern an der Nase herum.
»Was machst denn, Friedl?«
»Nasen kneten. Weißt, daß sie einen schönen Schwung kriegt.«
Elias entgegnete weiter nichts, sondern brachte einen in Papier
gewickelten länglichen Gegenstand zum Vorschein.
»Ein bissel was mitgebracht habe ich dir, Bruder.«
»Was, Zigarren? O du goldener Kerl!«
»Nein, Zigarren sind das nicht. Die Zigarrenraucher werden lauter
Abbrandler, sagt unser Deutschprofessor, und können sich vorher nicht
einmal assekurieren lassen.«
»Raucht der Herr Professor nit?«
»Nur schnupfen.«
»Assekuriert?«
»Geh weiter! Schau her da! Du hast nie einen Schnitzger im Sack.«
Ein Taschenmesser wickelte er hervor, das hatte eine schimmernde
Perlmutterschale und mehrere Klingen.
»Und das gehört mein?« rief der Friedl, die große funkelnde Stahlklinge
gleich aufklappend. »Hat’s auch einen Stoppelzieher?«
»’s ist eine Kapfenberger Klinge. Aber nicht zum Verlieren! Zum
Behalten!«
»Und zum --,« der übermütige Bursche machte mit dem offenen Messer eine
Geste gegen den Hals des Studenten.
»Fahr ab!« verwies dieser. »Du bist alleweil der gleiche. Solche
Dummheiten mußt du dir abgewöhnen. Drei Tag Karzer bei uns, wenn einer
so was saget.«
»Was kostet das Lot Spaß bei euch im Seminar?«
»Ich versteh dich nicht.«
»Und den Spaß auch nit. Der Bär hat ihn gefressen, gelt? Aber das macht
nichts. Ihr braucht keinen, habt eh die Gescheitheit.«
»Pack ein mit der deinigen!«
»Gern haben muß man sie ja doch, die gescheiten Herren Studenten, weil
sie so schöne Taschenmesser mit heimbringen.«
Sich so zu necken, das war immer ihre Gewohnheit, und dem Elias tat
es ordentlich wohl, daß er hier einmal der moralisch überlegene sein
konnte. Im Seminar gab’s das nicht, dort war jeder überlegen, zwar nur
untereinander. Aber vor den Professoren gehorsame Diener.
Als sie schon in ihren Betten lagen und das Licht ausgelöscht war,
erhob Elias noch einmal seine Stimme, gedämpft sagte er: »In Ernst,
Friedl, deine Torheiten mußt du dir abgewöhnen. Nasen kneten! Laß
deine Nase wachsen, wie der Herrgott sie haben will. Bist ja doch kein
Frauenzimmer, daß du so eitel sein müßtest. Hast du bei unserem Vater
einmal eine solche Kinderei gesehen?«
»Ha, ha!« lachte der Friedl auf, »ich laß auch meine Söhne nit
zuschauen beim Nasenkneten.«
»Du bist frivol, Friedl, du bist einfach frivol! Deswegen habe ich den
Vater genannt, daß du dir an ihm ein Beispiel nimmst. Hörst! und jetzt
gute Nacht!«
Begann der Friedl in seinem Bette singend das Sprüchlein zu lallen:
»Die Predigt ist aus,
Der Pfaff geht zum Schmaus,
Die Katz zu der Maus.«
Ein paar Minuten später schnarchten beide.
Am nächsten Morgen beim Waschen und Anziehen wollte der Friedl gleich
wieder plaudern, aber der Elias war wortkarg. Er wird beten, dachte
der Friedl, er wird wahrscheinlich schon Brevier beten müssen. So
inwendig. Aber als der Student auch später in sich gekehrt blieb, wurde
der Friedl besorgt, er könnte den Bruder gestern beleidigt haben. Dann
mußte er ihn wieder gut machen. Und mußte bewiesen werden, daß auch
er ihm nichts nachtrage, obschon -- wie er fand -- das Stadtherrlein
eigentlich ein bißchen impertinent gewesen war, gestern bei dem
Schlafengehen. Unter allen Umständen Friedensschluß. Als Elias die
Sachen aus der Tasche in den Kasten einordnete, trat der Friedl vor,
legte ihm die Hand auf die Achsel und sprach recht weich und warm:
»Brüderl, du könntest mir einen Gefallen tun.«
»Warum denn nicht?«
»Du hast gewiß noch was. Ich hab nix mehr. Geh, sei so gut. Bis auf den
ersten April.«
»Aber viel habe ich nicht!«
»Wenn’s auch nur ein paar Zehnerln sind.«