~Riga~, im Oktober 1908.
A
=Ackermann=, .... Bildhauer. Von 1684 bis 1696 in Reval nachweisbar.
Beim Dombrande 1684 verlor er seine gesamte Habe. 1689 lieferte er die
Kanzel für die Kirche zu Merjama. 1690 verkaufte er eine für die Kirche
zu Karusen bestimmte Kanzel nach Wesenberg. 1695/96 lieferte er den
Altar für die Domkirche zu Reval, 1696 die Kanzel für die Kirche zu
Karusen.
Nottbeck und Neumann, Gesch. und Kunstdenkmäler der Stadt Reval.
II. S. 42. -- Akten des estländ. Gouv.-Arch. 165a, 161b, 168, 349.
=Adamson=, ~Amandus Heinrich~. Bildhauer. Geb. 31. Oktober 1855 zu
Hunkas bei Baltischport als Sohn eines Schiffskapitäns schwedischer
Abstammung, fand 1872, nachdem er in Reval die Kreisschule besucht
und hier bereits durch kleine in Holz geschnitzte Figuren die
Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hatte, durch die Vermittlung des Grafen
Lütke Aufnahme in die Petersburger Kunstakademie, die er als Schüler
des Professors von Bock bis 1879 besuchte. Mehrere Aufträge, die ihm
nach seinem Abgange von der Akademie zuflossen und das Honorar für
ein wohlgelungenes Porträt des Kaisers Alexander III. ermöglichten
ihm einen längeren Studienaufenthalt in Paris, von dem er 1891 nach
Petersburg zurückkehrte. Zu seinen hervorragendsten Arbeiten gehören:
der Tod des Hyazinth, die Leukothea, die Wellen, Meeresrauschen, das
Erwachen der Erde im Frühling, der befreite Genius und der Sieg der
Wahrheit, von denen er die beiden letztgenannten im Auftrage des
Finanzministeriums für die Ausstellung in Nishni-Nowgorod 1895 schuf.
Von seinen Porträtreliefs werden gerühmt die des Malers Köler-Viliandi,
des Generaladjutanten v. Richter und des Papstes Leo XIII. Einzelne
seiner kleineren Arbeiten sind von der Kaiserl. Porzellan-Manufaktur
in Petersburg in Bisquitmasse ausgeführt, wie der letzte Seufzer eines
untergehenden Schiffes, der Wellenkuss, Damon. In Reval von ihm das
Russalka-Denkmal. Von ihm auch eine Anzahl Holzschnitzereien.
W. Neumann. Baltische Maler u. Bildhauer des 19. Jahrh., S. 93-95.
=Aken=, ~Johann~. Historienmaler. Er führte im Jahre 1667 die acht
Lünettenbilder (biblische Darstellungen) im Ratssaale zu Reval
aus, zum Teil unter Benutzung Rembrandtscher Radierungen und von
Stichen nach Rubensschen Werken. Ueber den Maler ist nichts Näheres
bekannt, obgleich die Familie Aken, oder v. Aken, seit 1552 in Reval
nachgewiesen werden kann.
Nottbeck und Neumann, Gesch. und Kunstdenkmäler Revals II. S. 189
ff.
=Andre=, ~Dietrich Ernst~ (er selbst bezeichnete sich auch lat. Theod.
Ernst Andreae Curonus). Porträt- und Historienmaler. Geb. um 1680 in
Mitau als Sohn eines wohlhabenden Pächters, ging, nachdem er eine
gute Vorbildung erhalten hatte, zu wissenschaftlichem Studium nach
Königsberg, wurde hier aber Schüler des Malers und Kunsthändlers Justus
van Bentum († 1727). Mit diesem kam er nach Braunschweig und hier durch
die Vermittlung eines Kunstliebhabers, namens Richter, in die Dienste
des Herzogs August Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel. Nach den
Daten auf seinen im Museum zu Braunschweig erhaltenen Zeichnungen ist
er dort in den Jahren 1717-1719 tätig gewesen. Der Herzog gewährte
ihm die Mittel zu weiterer Ausbildung in Italien. Andre ging zunächst
nach Holland, dann nach England, wo er sich verheiratete, und zog 1724
nach Paris, wo er in dürftigen Verhältnissen nach 1730 gestorben sein
soll. Die Galerie zu Braunschweig besitzt sein Selbstbildnis, eine
Anbetung der Weisen und eine grosse Anzahl seiner Handzeichnungen. In
der Galerie des Schlosses Salzdahlum befanden sich: eine Anbetung der
Hirten, eine sterbende Kleopatra und das Bildnis des Galerieinspektors
Busch. Im „grauen Hof“ zu Braunschweig malte er vier Plafonds und für
die Andreaskirche daselbst eine Kreuzigung Christi. Ein Bild, „das neue
Jerusalem“, von ihm für den ihm befreundeten Pfarrer der Andreaskirche,
Michaelis, gemalt, kam später nach Berlin. Im Mus. zu Mitau von ihm
eine allegorische Darstellung (opfernde Muse).
C. H. v. Heineken, Nachrichten von Künstlern und Kunstsachen.
Leipzig 1769. II. S. 15. -- Allgem. deutsche Biographie III. S.
641. -- Lessings Werke, herausg. von Boxberger in Kürschners
Nat. Lit. Bd. 14. S. 51. Sitzungsberichte d. Kurl. Ges. f. Lit.
u. Kunst. 1830, 3. Sept. -- E. Flechsig im Allg. Lex. d. bild.
Künstler von Thieme und Becker. I. S. 444. Kunstbeilage des Rigaer
Tageblatts, 1908 Nº 3, mit Portr.
=Aschenkampf=, ~Alfred Emil~. Architekt in Riga. Geb. 18. März 1858
in Libau; Absolvent des Rigaschen Polytechnikums, liess sich 1892
in Riga nieder. Von ihm: Haus Jaunsem, Suworowstr. 21 (1896); Haus
Hanskinewitsch, Zaunstrasse auf Hagensberg (1897); Villa Junker,
Kalnezeemsche Str. (1898); Haus Kolpakow, Taubenstr. (1898); Haus
Chomse, Kaufstrasse (1899); Haus Matwejeff, Alexanderstr. 151 (1900);
Haus Grosset, Weberstr. in Gemeinschaft mit M. Scherwinsky (1900).
B
=Baar=, ~Oskar Alexander Johann~. Architekt in Riga. Geb. 4. Oktober
1848 zu Doblen in Kurland, besuchte das Polytechnikum in Riga und
1873/74 die Bauakademie in Berlin. Von 1875 bis 1878 Stadtarchitekt
in Mitau, 1878-1885 Baurevident in Riga. Von ihm die neue Synagoge
und das Haus Lacroix in Mitau, die russische Votivkapelle auf der
Zementfabrik zu Poderaa bei Riga und mehrere Privathäuser in Riga.
=Baehr=, ~Johann Karl~. Porträt- und Historienmaler. Geb. 18. August
1801 in Riga; gest. in Dresden 29. September 1869. Sohn des Kaufmanns
Johann Ulrich B. in Riga und Enkel des Erbauers der Frauenkirche
in Dresden Georg B., war zum Kaufmannsstande bestimmt, konnte aber
1823 seinem Wunsche Maler zu werden folgen. Er bezog die Akademie
in Dresden, wurde aber später Schüler des Prof. Matthäi. Nach einem
Besuch Italiens, wo er in lebhaftem Verkehr mit Thorwaldsen und J.
A. Koch lebte, kehrte er 1829 nach Riga zurück, siedelte aber 1832
wieder nach Dresden über. Nach einem zweiten Besuche Italiens, wurde
er 1843 als Lehrer an die Akademie berufen und 1846 zum Professor
ernannt. Neben der Kunst beschäftigte sich Baehr in seinen letzten
Lebensjahren auch mit wissenschaftlichen Arbeiten. Er gab heraus:
Mitteilungen aus dem magnetischen Schlafleben der Somnambule Auguste
K. in Dresden (1843); die Gräber der Liven, ein Beitrag zur nordischen
Altertumskunde und Geschichte mit 21 von ihm gezeichneten, von Willard
lithograph. Tafeln (1850); der animalische Magnetismus und die
experimentierenden Naturwissenschaften (1850); Vorträge über Dantes
göttliche Komödie in ihrer Anordnung nach Raum und Zeit etc. (1852);
die natürliche Reihenfolge der Elemente und zusammengesetzten Körper
als Resultat der Beobachtung ihrer dynamischen Wirkung 1862, (auch
in französischer Uebersetzung erschienen); Vorträge über Newtons
und Goethes Farbenlehre. Zu seinen Hauptwerken gehören: Das Porträt
des Malers C. D. Friedrich 1836, Iwan dem Schrecklichen verkünden
finnische Zauberer den nahen Tod 1850, beide in der Dresdner Gal. Das
Porträt Ludwig Richters; Virgil und Dante vor der Stadt des Dis, beide
im Besitze der Nachkommen in Dresden; die Wiedertäufer in Münster,
Besitzer Geh. Finanzrat v. Berlepsch in Dresden; eine Wiederholung des
Bildes in der Kunsthütte zu Chemnitz (lith. von Fr. Hanfstängl qu.
Fol. 1840); Christus am Kreuz mit den beiden Marien, Maria Magdalene,
Petrus und Johannes in der Kirche zu Zschoppau in Sachsen; eine
kleinere Wiederholung in der Frauenkirche zu Dresden. In baltischem
Bes. befinden sich: Christus predigend am See Genezareth 1833, in der
Domkirche zu Riga; alte Römerin im Mus. zu Riga; Olevano 1834, im Mus.
zu Mitau; Porträt des javaschen Prinzen Rahden Saleh ben Jagya im Mus.
zu Riga (Gal. Brederlo); der barmherzige Samariter 1855, Grablegung
Christi, Bes. Familie Stauwe, Riga; der Tod des Franz v. Sikkingen
1865, Bes. v. Kyber, Riga. Ausser mehreren Bildnissen in Rigaschem
Privatbes. schuf er einen segnenden Christus als Altarbild für die
Kirche zu Niederbartau in Kurland; den ungläubigen Thomas, Altarbild
in der Kirche zu Dubena.
Raczynsky, Gesch. d. modern. Kunst III. -- Schorns Kunstblatt 1837
S. 332. -- Meyer, Künstlerlex. -- Nagler, Monogr. I. Nº 2286. --
Bötticher, Malerwerke des 19. Jahrh. Nachträge zu Bd. 1. -- W. Neumann,
Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 53-55. -- Kat. der Ausstellung
Dresdener Maler 1800-1850, Dresden 1908.
=Baltzer=, ~Johann Joachim~. Maler. Geb. 1776 in Riga, gest. daselbst
1. Januar 1814, besuchte das Lyceum in Riga und wandte sich der
Malerei zu, doch lässt sich nicht nachweisen, wo er seine Studien
gemacht hat. Bekannt von ihm sind die folgenden Arbeiten: Bildnis
eines in Riga lebenden, damals 106 Jahre alten Persers, der zu Räscht
in Westpersien geboren, als fünfjähriger Knabe nach Riga gebracht und
hier nach russischem Ritus Fedor Gawrilow getauft worden war; gem. 1812
(damals im Bes. des Pastors prim. am Dom M. Thiel). -- Engelskopf,
wahrscheinlich der seinen Pfeil schärfende Amor nach R. Mengs, dat.
1791, im 2. Sammelbande des J. J. Voss im Museum zu Riga. -- Porträt
des Malers W. Baron Budberg; gest. v. Rosmäsler, Leipzig. -- Die Ruinen
des Sommergartens in Riga, Zeichnung, gest. von J. H. Klockow 1813
(auch farbig). -- Brand der rigaschen Vorstädte 1812, Aquar. (aus dem
Besitz des Mannrichters v. Gersdorf 1892 von der Pernauschen hist.
Gesellschaft erworben).
=Bantelmann=, ~Johann David~. Architekt. Geb. 23. März 1769 zu Linden
bei Hannover; gest. 5. Oktober 1833 in Reval, bekleidete in Reval das
Amt des Gouvernementsarchitekten und baute als solcher einzelne Teile
des Schlosses um. Auch der Umbau der aus dem Mittelalter stammenden
ehemaligen Kirche des Cisterzienser-Nonnenklosters in Reval zur
russischen Kirche ist von ihm.
=Baranoff=, ~Nikolai v.~ Porträt- und Historienmaler. Geb. 1. Mai
1808 zu Wätz, Kirchspiel Turgel in Estland, als jüngster Sohn des
Oberstleutnants Joachim v. B., gest. zu Weissenstein in Estland 6.
August 1863. Wurde seit seinem zehnten Lebensjahre, da er taubstumm
war, in der Wach’schen Taubstummenanstalt in Berlin erzogen und fand
hier schon Förderung seines keimenden Talents. Er studierte in München
und Wien. Nach längerem Aufenthalt in Rom liess er sich in Petersburg
nieder und lebte später in Weissenstein. Seit 1859 freier Künstler der
Petersburger Akad. Von ihm viele Bildnisse russischer Schauspieler
und Schauspielerinnen, mehrere Heiligenbilder für katholische und
orthodoxe Kirchen in Petersburg. Das Altargemälde für die luth. Kirche
in Weissenstein. Ein Selbstporträt und Porträts seiner beiden Söhne
(Familienbesitz). Mehrere Genrebilder. Ein bärtiger Greisenkopf im
städt. Museum zu Riga.
Raczynski, Gesch. d. neueren deutschen Kunst III, 27. -- Mitteilg.
von Frau M. v. Baranoff, Weissenstein.
=Barisien= (Parisien), ~Friedrich Hartmann~. Porträtmaler. Geb. 13.
Februar 1724 zu Koburg; gest. 19. August 1796 in Mitau. War der
Sohn eines Schmiedemeisters, dessen Vater angeblich als königlicher
Architekt in Paris tätig war, von dort aber eines Vergehens wegen
flüchtig wurde und sich als französischer Emigrant unter dem Namen
Parisius oder Parisien in Koburg niederliess. B. anfangs zum Handwerk
bestimmt, empfing seine künstlerische Ausbildung in Dresden und folgte
1750 der Aufforderung eines russischen Grossen nach Astrachan. Ende
1767 kam er nach Riga und trat 1770 als Hofmaler in die Dienste des
Herzogs Peter von Kurland. 1786 erteilte ihm die Akademie in Petersburg
den Rang eines akademischen Künstlers. Eine Jugendarbeit, das Porträt
des Grafen Johann Christian v. Hennicke in der Kirche zu Wiederau bei
Pegau in Sachsen. Seine Söhne Hartmann Johann, geb. 1770 zu Mitau,
† 20. Dezember 1845, und Friedr. Gottlieb, geb. 7. Dezember 1776, †
13. Dezember 1848 zu Grösen in Kurland, haben sich in Kurland als
Zeichenlehrer, mehr aber als geschickte Musiker (Orgel) Anerkennung
erworben. -- Zu seinen bedeutendsten Arbeiten zählen: Portr. der
Frau Katharina v. Bismarck, Stifterin des Katharinenstifts in Mitau,
1775 gem. (Bes. Katharinenstift, Mitau). -- Portr. des Kronprinzen
Friedrich Wilhelm v. Preussen, 1780. (Dem Prinzen gelegentlich eines
am 20. Oktober 1780 im Schlosse zu Mitau stattgefundenen Festspiels
überreicht.) -- Portr. des Herzogs Peter v. Kurland. 1781 gem. (Bes.
Gymnasium zu Mitau.) -- Portr. des herzogl. kurl. Landhofmeisters Ernst
Johann v. Kloppmann, 1784 gem. -- Port. der 102 Jahre alten Christine
Link (Frau eines rigaschen Brandmeisters, geb. 1684 zu Stockholm, †
1792 in Riga) mit einem dem Erlöschen nahen Licht in der Hand. (Kam in
den Bes. der Akad. in Petersburg, die dem Künstler dafür den Rang eines
akad. Künstlers erteilte. Eine Wiederholung von B.’s Hand soll sich in
der Sammlung des Oberpastors Dr. v. Bergmann in Riga befunden haben.)
-- Portr. des Rechtsanwalts Georg Peter Dreiling und dessen Gattin,
1786 gem. (Bes. Dommus. Riga.) -- Portr. des Hofrats Christian Anton
v. Tottien, um 1787 gem. (Bes. Mus. Mitau.) -- Portr. des Generals
Johann von der Recke, 1791 gem. gest. von J. F. Martin in Stockholm,
1792. -- Portr. des Generalsuperintendenten Christ. David Lenz, gem.
1770 gest. von J. F. Martin, 1793. 4^o. -- Portr. des Professors der
Beredsamkeit an der Dorpater Universität Johann Nikolaus Tiling, gem.
1793 gest. von J. F. Martin 1794. -- Portr. des Generalgouverneurs
Peter von der Pahlen, gem. 1794 gest. von J. F. Martin, 1794. -- Portr.
des Grafen Peter Ludwig von der Pahlen, gem. 1794 gest. von J. F.
Martin, Stockholm, 1794. (Bes. Dommus. Riga, in zwei Exemplaren). --
Portr. des Justizrats Chr. Ludwig Tetsch. -- Portr. des Landhofmeisters
Ernst Johann Taube. -- Portr. des Arztes Dr. Joh. Wilhelm Lieb.
(Bes. Mus. Mitau.) -- Portr. einer unbekannten Dame. -- Portr. des
Rigaschen Packhausinspektors Nikolaus Wurm. -- Portr. des Hofrats
Balthasar v. Bergmann. (Bes. Dommus. Riga.) -- Portr. des Oberpastors
Liborius v. Bergmann (Bes. Generalarzt Dr. v. Bergmann, † Berlin.)
-- Portr. des Mitauer Ratsherrn (?) Tesch und dessen Gattin (Bes.
Stadtbibliothekar Dr. A. Buchholtz, Berlin.) -- Deckengemälde in
drei Zimmern des herzoglichen Schlosses in Mitau, (1859 bei einer
„Restaurierung“ beseitigt.) -- Deckengemälde in zehn Zimmern des ehem.
herzogl. Schlosses zu Ruhenthal und im Schlosse Friedrichslust werden
B. zugeschrieben.
Sitzgsber. der Kurl. Gesellsch. f. Lit. und Kunst 1866, S. 34, II.
Abdruck S. 111. -- Rigasche Stadtblätter 1820, S. 20. -- Rigasche
Anzeigen 1768, XXXIV St. -- Kirchenbuch der Trinitatiskirche zu
Mitau.
=Barnickel=, (Parnickel), ~Johann Christoph~. Architekt. Gest. 1746 in
Mitau und vor 1740 schon als „Hochfürstlich Kurländischer Baudirektor“
nachweisbar. Auf einer Karte von Kurland, die im Jahre 1747 von Homanns
Erben herausgegeben wurde, nennt er sich „Premier architecte de
Courlande“.
Jul. Döring.
=Barth=, ~Wilhelm~. Landschaftsmaler. Hielt sich, aus Berlin kommend,
zwischen 1809 und 1815 in Riga und an verschiedenen Orten der
Ostseeprovinzen auf mit dem Malen von Landschaften in Öl und Gouache
beschäftigt. Am 19. Dezember 1810 bietet er durch eine Anzeige in den
Rigaschen Stadtblättern 45 Landschaften in drei verschiedenen Grössen
zum Kauf an: 7 Ansichten aus Riga, (darunter eine Ansicht von Riga und
der Dünabrücke im Schmucke der Jubiläumsfeier von 1810), 10 Ansichten
von Kremon, Treiden, Segewold und Wenden; 7 Ansichten aus Ronneburg, 4
aus Karlsruhe, 4 aus Drobbusch und 7 vom Gute Plönen in Kurland. Sieben
dieser Bilder sind aus dem ehemaligen Himselschen Mus. in das Dommus.
zu Riga übergegangen. Eine Ansicht von Ronneburg von der Nordseite,
und eine Ansicht von Plönen in Kurland, 1810 gem. im Bes. des Mus. der
gelehrten estnischen Ges. in Dorpat.
Rigasche Stadtbl. 1816, S. 195.
=Baumann=, ~Alexander Johann Friedrich~. Architekt. Geb. 29. April
1835 in Wilkenhof bei Lemsal als Sohn eines Lotsen lettischer
Nationalität; gest. 19. März 1891 zu Riga. Er machte seine Studien auf
der Petersburger Akademie und liess sich in Riga als Architekt nieder.
Zu seinen grösseren Arbeiten gehören: Das Schützenhaus in Riga; das
Haus des Gewerbevereins, 1870 vollendet; das Alexandergymnasium; das
Bezirksgerichtsgebäude; die Häuser Kerkovius an der Esplanade und
Hammer am Thronfolgerboulevard.
Ztg. f. Stadt und Land, 1872 Nº 157; 1876 Nº 150. -- Rigasche
Stadtbl. 1864. S. 146. -- Rigaer Almanach 1866, 1870 und 1871. --
Rigasche Ztg. 1869 Nº 105; 1877 Nº 72.
=Baumann=, ~Alexander~. Bildhauer. Geb. 12. April 1850 in Reval. Trat
1864 in die Dresdner Kunstakademie und im Wintersemester 1868/69 in das
Atelier des Prof. Schilling. 1872 kehrte er nach Petersburg zurück, wo
er z. Z. als Lehrer an der Stieglitzschen Kunstschule wirkt. Von ihm:
Hirtenknabe mit Hund, nach Uhlands Sonntagslied, 1870. (Kl. silb. Med.
der Dresdner Akad. Bes. Mus. zu Reval); Tancred segnet die sterbende
Chlorinde, 1871. (Kl. gold. Med. der Dresdner Akad. Ein Gypsabguss war
1873 in der Petersburger Akad. ausgestellt, die ihn dafür zum akad.
Künstler I. Grades ernannte). Prunkschild. 1872. (Gr. gold. Med. der
Dresdner Akad.). Die Porträts des A. J. Krusenstiern und des Prof. C.
E. v. Baer, Reliefs in Medaillonform. (Bes. Mus. zu Reval.) Die Büste
eines Knaben (Gahlenbeck) in Marmor. Wandbrunnen. (Städtisches Mus.
Riga.)
=Baumann=, ~Johann Heinrich~. Tiermaler. Geb. 29. Januar, (9. Febr.)
1753 in Mitau als Sohn des kurl. Generalsuperintendenten Joachim B.,
gest. 7. Juli 1832 auf dem Rigaschen Stadtgute Klein-Jungfernhof;
begraben auf dem Kirchhofe zu Kattlekaln bei Riga. Er besuchte von
1773-1776 die Universität zu Erfurt, gab aber das Studium auf und wurde
Schüler des Tiermalers Jakob Samuel Beck (1715-1778). In die Heimat
zurückgekehrt übte er berufsmässig die Tiermalerei und ein von ihm
erhaltenes Einnahmebuch ergibt, dass er 1713 Bilder gemalt hat, die er
für 4-12 Taler das Stück verkaufte. Er hat sich häufig wiederholt und
wurde nicht müde seine gelungensten Bilder immer wieder zu kopieren.
Zugleich war er leidenschaftlicher Jäger und fand neben seiner
Jagdliebhaberei und seiner Kunstausübung doch noch die Zeit sich auch
literärisch zu beschäftigen. Er gab eine Sammlung von Jagdanekdoten und
auch mehrere Erzählungen in lettischer Sprache heraus. Sein Porträt von
Baron Korff gemalt, von ihm für seine Freunde häufig kopiert, wurde
von Ferd. Schäfer 1820 in Petersburg lithographiert. Es trägt die
Unterschrift: vir carus amicis, arte peritus.
Allgem. Schriftsteller- u. Gelehrten-Lexikon der Provinzen Liv-,
Est- und Kurland. I S. 80. -- Jul. Eckardt: die baltischen
Provinzen Russlands S. 238-244. -- Rigasche Ztg. 1864 Nº 95; 1866
Nº 266; 1877 Nº 11 Beilage, Bechreibung der Baumann-Ausstellung,
1877 v. Rigaschen K. V. arrangiert. -- Rigasche Stadtbl. 1821. S.
150.
=Baumgarten=, ~Gottfried Christoph~. Porträtmaler und Zeichner. Geb.
7. Nov. 1777. Bildete sich in Dresden und hörte Vortrage über Malerei
in Jena. Er kam um 1802 als Miniaturmaler nach Riga, wurde 1803 in
Bauske getraut und 1804 als Zeichenlehrer an die Domschule berufen.
24. Oktober 1812 nahm er seinen Abschied. Von ihm: Füchse in einen
Hühnerhof einbrechend, bez. Baumgarten... 1807, in Privatbes. in
Mitau; 43 in Aquar. ausgeführte Porträts von Mitgliedern der Rig.
„Horngesellschaft“ im Jahre 1811, (in einem Sammelbande im Bes. der
Ges. „Hüon“ in Riga).
Zur Gesch. d. Domschule in Riga. 1841 S. 19. -- L. Arbusow, Auszüge
aus den Bauskeschen Kirchenbüchern, abgedr. in den Sitzungsber. der
Gesellsch. f. Lit. u. Kunst. 1888 S. 28. -- Rigasche Nachrichten.
1802.
=Becker=, ~Johann Gottlieb~. Porträtmaler aus Königsberg i. Pr. lebte
in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und ist vorübergehend in
Kurland und Livland tätig gewesen. Von ihm: Portr. der Frau J. v. d.
Howen, geb. v. Witten. (ehemals im Bes. des Generals v. Witten († 1889)
in Mitau.) -- Portr. des Oberpastors zu S. Petri in Riga Immanuel
Justus v. Essen, gem. 1756, gest. von J. C. G. Fritsch 1763 vor Göz’s
Kanzelreden Teil X. Auf diesem Bilde unterzeichnet er sich als pictor
ad academ. Regiomonti Prussiae. -- Portr. des Hofrats Schwander in
Mitau. (Bes. Mus. Mitau). Reproduktion in Lichtdruck in „Elise v. der
Recke“, herausgeg. v. P. Rachel.
J. Bernoulli, Reisen durch Brandenburg, Preussen usw. T. III, S. 73
u. 251.
=Beggrow=, ~Alexander~. Marinemaler. Geb. 17. Dezember 1841 in
Petersburg als Sohn des Malers Karl B. wurde im Petersburger
Marine-Ingenieurkorps erzogen und beschäftigte sich schon während
seiner Dienstzeit in der Flotte mit Zeichnen und Malen. 1866-1868
begleitete er den Grossfürsten Alexei Alexandrowitsch auf dessen Reise
um die Welt, die ihm vielfach Gelegenheit gab seine Kunst zu üben. 1870
trat er als freier Zuhörer in die Petersburger Akademie und arbeitete
1871-1874 bei Prof. Bogoljubow und im Atelier Bonnat’s in Paris. 1883
verliess er den Flottendienst und wurde Maler des Marineministeriums.
Seit 1898 Akademiker. Die Mehrzahl seiner Arbeiten befindet sich in
Petersburg.
W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 150-152.
=Beggrow=, ~Johann~. Kupferstecher und Lithograph. Geb. 2. Dezember
1793 in Riga; gest. 1877 in Petersburg. Machte seine Studien in
Petersburg, wo er Schüler des Kupferstechers Cardelli war. Er ist
der Begründer der ersten lithographischen Anstalt in Petersburg. --
Zu seinen bedeutenderen Arbeiten gehören: Einnahme von Polotzk. --
Schlacht bei Klein-Jaroslaw. -- Flucht der Franzosen aus Moskau.
-- Einnahme von Wjäsma. -- Sieg über Marschall Victor; gest. unter
Aufsicht von Cardelli nach Domenico Scotti. 1812. -- Zwei Stiche zu
dem Werke: Reise in Persien 1812-1813 von Drouville, 1819. -- Das
Porträt Potemkins. Er gab von 1845-1850 eine Zeichenlehre heraus mit
lithographischen Beilagen.
D. A. Rowinsky, Подробный словарь русских граверовъ XVI-XIX вв.
Petersburg 1895.
=Beggrow=, ~Karl Johann~. Maler und Lithograph. Geb. 15. Februar 1799
in Riga; gest. 12. Februar 1875 in Petersburg. Bruder des vorigen und
Vater des Alexander B. Er besuchte die Akademie in Petersburg und
war Schüler von M. Worobjew. Nach Beendigung seiner Studien diente er
als „gelehrter Lithograph“ im Generalstabe und wurde 1832 für eine
perspektivische Ansicht des Michaelpalais zum Akademiker ernannt. Seine
auf den Stein gezeichneten Arbeiten wurden grösstenteils von seinem
Bruder Johann vervielfältigt. 1828 zeichnete er die von Desarnod nach
der Natur aufgenommenen „Erinnerungen aus dem Türkenkriege“ auf den
Stein. Es sind die Blätter: Ansicht von Varna, aufgenommen aus der
Position des Generals Biström. Erstürmung der Bastion von Varna. --
Ansicht von Varna, aufgenommen aus dem Lager der Garde. -- Te-Deum,
gesungen im Lager des Grafen Woronzow, nach der Uebergabe von Varna.
(Die Blätter, 0,44 br. und 0,31 hoch, wurden bei Hellbach gedruckt.)
Von seinen anderen Arbeiten sind zu nennen: Das Porträt des Kaisers
Nikolaus zu Pferde auf der Insel Jelagin, 1832. -- Ein aus einem Torweg
hervorstürzender Hund fällt ein Pferd an; bez. Beggrow; lithogr. de
Beggrow. Persp. Nevs. Nr. 25. -- Album Littographique pour l’année 1820
offrant des Etudes progressives pour apprendre à dessiner les paysages
par C. Beggrow. 3 Lieferungen von je 6 Blättern, zum Teil bez. C.
Beggrow. -- Ansichten von Petersburg und Umgegend, 1822. Herausgegeben
von der Gesellschaft zur Förderung der Künste. Fol. 44 Blätter dieser
Sammlung lithogr. von C. B. -- Ansicht des Generalstabsgebäudes mit dem
Porträt der Kaiserin Maria Fedorowna. -- Drei Seeschlachten. Lithogr.
-- Volksbilder zwischen dem Kaspischen und dem Schwarzen Meer. 30
lithogr. und aquarell. Tafeln in 3 Bänden mit Text in russischer und
grusinischer Sprache. 4^o. -- Ansicht von Tiflis. Grosses Blatt in
Lithogr. -- Kaiser Alexander II. als Kind in Husarenuniform. -- Porträt
des J. A. Dmitrewsky. Brustb. Februar 1822; bez. Charl. Beggrow. --
Eine Ansicht von Reval. -- Vues de St. Petersbourg et environs. Auf den
Stein gez. von Beggrow. Herausgegeben von H. Prevost. -- Porträt des K.
N. Batuschew, 1824.
A. Rowinsky. Подробный словарь usw. -- Revalsche wöchentliche
Nachrichten 1829. S. 362, 391.
=Behrends=, ~Gottfried Christoph~. Maler. Geb. 4. Oktober 1778 zu
Göttingen; gest. 15. Dezember 1839 in Riga. Lebte seit dem Jahre
1809 in Riga als Porträtmaler, wurde 1810 Zeichenlehrer an der
Navigationsschule und 1812 als Nachfolger von Baumgarten (s. d.) an
die Domschule berufen. Er lieferte u. a. die Illustrationen zu dem
Drümpelmannschen Werke „Flora und Tierreich“.
Rigasche Stadtbl. 1824 S. 15, 1825 S. 283, 1839 S. 448.
=Benson= (~Bendzon~, ~Bentzsohn~), ~Andreas~ (sein eigentlicher Name
scheint „Linde“ gewesen zu sein) war herzoglicher „Hoff-Mahler“ in
Mitau; gest. Anfang Januar 1731.
Kirchenbuch der Trinitatiskirche zu Mitau (J. Döring).
=Bentzien= (~Benzin~), ~Johann Heinr.~, d. Ä. Maler. Geb. zwischen 1650
und 1660 in Mitau (?), lebte in Mitau als „Conterfeier“, wo er noch um
1704 nachgewiesen werden kann. Er trieb zugleich einen Gewürzhandel.
Sein Schwiegersohn war der Maler Johann Andreas Leuttner. Auch sein
Sohn Johann Heinrich wird als Maler genannt.
Merkbuch des Malers J. A. Leuttner. Mspt. im Museum zu Mitau (J.
Döring).
=Berckholtz=, ~Alexandra v.~ Malerin. Geb. 14./26. August 1821 als
Tochter des Rigaschen Grosskaufmannes Gabriel Leonhard v. B.; gest.
4./16. März 1899 in München. Sie verliess mit ihren Eltern 1825
Riga und erhielt die ersten Anregungen zum Kunststudium auf Reisen
in Italien und Frankreich. Unter der Anleitung von R. Lauchert,
Winterhalter, Descoudres und Canon in Karlsruhe bildete sie sich
zur Porträtmalerin aus und lebte seit 1865 in München, wo besonders
Liezenmayer, Therese Hegg und der Stillebenmaler Adam Kunz auf sie
einwirkten. Die meisten ihrer Porträts finden sich in Privatbesitz;
erst in den letzten Jahren ihres Lebens wandte sie sich dem Stilleben
zu.
Rigasche Stadtbl. 1844. S. 372 ff. -- Rigaer Tageblatt 1899 Nº 62
(Nekrolog, Nachdruck aus der Münchener Allg. Ztg.).
=Berendhoff=, ~Rudolf~. Genre- und Porträtmaler. Geb. 4. August
1827 in der Nähe von Reval. Von ihm: Der Weg zum Leben. Biblische
Szenen. Lith. mit estnischem Text. Druck von C. Dines. 1862. Fol. --
Die Alexandersäule in Petersburg mit estnischem Text für die Ztg.
Postimees. 1865. Lith. von Th. Stellkowsky. -- Die estnische Braut
(Bes. Mus. Reval).
=Berg=, ~Alois~. Architekt. Geb. 11. Januar 1842 in Mitau; gest.
daselbst 1. November 1885. Besuchte von 1855-1862 die Bauschule
in Petersburg und wurde als Architektgehilfe der Kurländischen
Baukommission beigeordnet. Von 1864-1875 Architekt des Dörptschen
Lehrbezirks; 1875 jüngerer Architekt der Bauabteilung der Kurl.
Gouvernementsregierung; seit 1879 Gouvernementsarchitekt. Von
ihm der Umbau des Alexandergymnasiums in Reval, der Ausbau des
Dörptschen Elementarlehrer-Seminars und der Ausbau des ehemaligen
Deutsch-Ordenschlosses zu Windau 1875/76.