Nach zwölfjähriger, immer wieder neu aufgenommener Arbeit läßt der
Uebersetzer diesen Diwan erscheinen. Die hier gebotenen Uebertragungen
sind ursprünglich mehr oder weniger freie Nachdichtungen gewesen. Erst
allmählich erwachte in dem Uebersetzer aus dem Interesse, sich von dem
mittelalterlichen Sänger Anregungen zu seinem eigenen Schaffen geben zu
lassen, das Interesse, diesem Sänger selbst zum Rechte zu verhelfen.
Dieses Interesse stieg mit der wachsenden Erkenntnis, daß alles bisher
an Uebersetzungen Gebotene ohne Ausnahme ungenügend war. Von den
Schwierigkeiten, die freilich solcher Uebersetzung von Versen aus einer
semitischen in eine indogermanische Sprache entgegenstehen, war bereits
am Ende der biographischen Darstellung die Rede. Es bleibt der
Oeffentlichkeit überlassen zu beurteilen, wieweit diesmal das
Erforderliche geleistet worden ist.
Neben der Uebersetzung hat der Uebersetzer sich vor allem die
sorgfältige Auswahl der Gedichte angelegen sein lassen. Sein Bestreben
war, den Dichter in seinem ganzen Können zu zeigen, aber alle
Wiederholung des nach der Sitte orientalischer Barden sich nur zu oft
Wiederholenden möglichst zu vermeiden. Die Auswahl, die wir bieten,
zeigt in Wirklichkeit den ganzen Dichter.
Das Nachwort macht zum ersten Male den Versuch, das uns fast gänzlich
unbekannte Leben Jehuda Halevis aus seinen Gedichten neu zu
konstruieren. Die Art der Veröffentlichung verbot dabei, den ganzen
wissenschaftlichen Apparat mit erscheinen zu lassen. Hier am Schluss nur
soll der Quellennachweis folgen: Die hauptsächlich von uns benutzte
Ausgabe ist die von Dr. H. Brody, Divân des Abû-l-Hasan Jehuda ha-Levi,
Berlin 1894, 1896-97, 1903 in zwei Bänden mit Anmerkungen und Kommentar.
Leider ist diese klassische Ausgabe noch immer nicht vollständig
erschienen. Wir mußten deshalb ergänzend noch folgende ältere Ausgaben
heranziehen: 1. Diwân des Rabbi Jehuda ha-Levi, herausgegeben von S. D.
Luzatto, Lyck 1864, eine ausgezeichnete, aber nur 86 Stücke lediglich
religiösen Inhalts umfassende Ausgabe. 2. Rabbi Jehuda ha-Levi von
Abraham Elia Harkavy, Warschau 1893, eine ganz unselbständige und
textlich unzureichende Arbeit.
Wir zitieren nach den Herausgebern.
1. _Gott_: Du Quell des wahren Lebens ... liqrath m.qor chajê emeth
arûçâ: Brody II, S. 296, Nr. 75 (in die 2. pers. sing. übertragen).
Wenn die Sterne sich entzünden ... j'îrûn kokhbhê nishpi: Luzatto Nr.
37, S. 15 a.
Du Seele willst ins Vaterhaus ... nêfesh l.bêth âw thikhs.fâ gam
kâl.thâ: Brody II, S. 306, Nr. 89 (in die 2. pers. sing. übertragen).
Mein Leib und Leben ... jiçrî wîçûrâj: Luzatto Nr. 71, S. 29 a.
Um sein Antlitz alle Frommen flehen ... jchallu pnê êl chaj chasîdâw
w.jishalu: Luzatto Nr. 24, S. 11 a.
Gottes Hand wird dich beschatten ... çêl j.dê êl j.hî lokh machase:
Luzatto Nr. 35, S. 14 b.
Zu dir steht all mein Sehnen ... 'adonaj negd.kha kol ta'awâthi: Luzatto
Nr. 52, S. 18 b.
Hin nach meines Lebens Quelle ... ligrath m.qôr chajaj 'etên m.ghamâthî:
Luzatto Nr. 56, S. 21 a.
Wenn du allein des Herren harrst ... 'im l'elohâjikh l.bhad tochîlî:
Brody II, S. 248, Nr. 27.
Halt, o Herz! Wer darf sich wagen ... libî 'amôd kî mî b.sôd: Brody II,
S. 218, Nr. 8.
Knechte der Zeit: -- Knechte der Knechte ... 'abhdê z.mân 'abhdê
'abhâdim hêm: Brody II, S. 300, Nr. 83.
Tag und Nacht will ich den Herren loben ... jômâm wâlailâ hallêl
la'adônay: Luzatto Nr. 34, S. 14 b.
Jugend ist wie leichte Flocken ... j.shênâth b.chêq jaldûth l.mâtay
tishkh.bhî: Luzatto Nr. 42, S. 16 a.
Mein Gott, ich will dich ehren ... joh shimkhâ: Luzatto Nr. 65, S. 24 a.
Bevor du mich geschaffen ... j.dâ'tânî b.terem tiçrênî: Luzatto Nr. 30,
S. 13 a.
Ruhig, ruhig, liebe Seele ... shûbhî j.chîdâ el m.nûchêkh: Brody II, S.
217, Nr. 5.
2. _Israel_: Wahrheit, ich liebe dich aus ganzer Kraft ... b.khol m.ôdî:
Brody II, S. 221, Nr. 10.
Sonn' und Mond im Wechsel der Geschlechter ... shemesh w.jarêach l'olâm
shêr.thû: Brody II, S. 307, Nr. 90.
Sei stark und harre deiner Zeit ... je'emaç l.bhabhêkh umô'adekh
jachali: Luzatto Nr. 27, S. 12 a.
Seit du das Heim der Liebe bist ... mê'âz m'ôn ha'âhabha hajîtha:
Luzatto Nr. 58, S. 21 b.
Entfessle deine rechte Hand ... j.mîn 'uzzkhâ êl w.jad ezrêkhâ: Luzatto
Nr. 17, S. 7 b.
In deinem Licht schläft aller Glanz ... jachad b.'orkhâ êl nâ'ôr nir'ê
'ôr: Luzatto Nr. 700, S. 28 b (mit Auslassung der letzten Strophe).
In deinem Haus zu ruhen ... jâfê w.tobh le'chôz b.bhêthâkh machanê:
Luzatto Nr. 31, S. 13 a.
Fauler, wirst du nicht erröten ... 'âçêl halô thebhôsh w.thikâlêm: Brody
II, S. 272, Nr. 50.
Es blieben die Wunder, die herrlichen, fort ... 'ôthôthênû hithmahmâhû:
Luzatto Nr. 80, S. 36 b.
3. _Liebe_: Ofra wäscht ihre Kleider ... Ofra th.khabês 'et b.gâdêhâ:
Brody II, S. 12, Nr. 7.
Ich wiegt auf dem Schoße ... jôm shishatihû 'alê bhirkhâj: Brody II, S.
16, Nr. 13.
Was drängt ihr mich also ... shô'alîm biglâlî mâ tish'alû: Brody II, S.
24, Nr. 22, Vers 11-18.
_Abschiedsverse_: mâ lokh çbhija timn.î çirâjikh: Brody II, S. 7 ff.
V. 5-8, 10-11, 13-16, 17-20, 21-24, 25-28, 29-32, 33-34, 49-52, 61-62,
63-64, 67-68 und 57-58.
Wach doch auf aus deiner Ruh' ... ûrâ j.dîdî mitnûmâthêkha: Brody II, S.
20, Nr. 19.
Wie die Sonne über Sphären schreitet ... hinnê kashemesh galgal
dôrêkheth: Brody II, S. 45, Nr. 45 (in die 2. pers. sing. übertragen).
_Zum Ruhme der Braut_: Jônâ âl 'afîqê mâjim: Brody II, S. 53, Nr. 53.