Wollt ihr Liebes mir vergelten,
Sendet meinem Herrn mich zu!
Eh' ich unter seinem Zelte
Glücklich nicht das meine stellte,
Find' ich Armer keine Ruh'.
Haltet mich nicht auf zu eilen,
Da mich schon die Angst erfaßt:
Unter seinem Flügel weilen
Und der Väter Ruhe teilen
Bleibt doch meine einz'ge Rast.
Dein Wunder geht durch alle Zeit
Und kündet uns, was Väter sahn:
Des Stromes Wasser wurde Blut,
Da war kein Spruch, kein Zauber gut,
Dein Name hat's getan!
Dein Name und der Wunderstab,
Den legtest du in Moses Hand:
O führ' auch meinen frommen Mut,
-- Das geht so schnell, das geht so gut --
In deiner Wunder Land.
JEHUDA HALEVI,
seine Zeit, sein Leben und sein Schaffen
von
Emil Bernhard
I
Das Land Spanien breitet nach Süden seine Arme aus. Durch die
Geradlinigkeit des Pyrenäenrückens von Europa getrennt, vermag es keinen
regeren Verkehr mit den Völkern nördlich des Gebirges zu erzeugen, zumal
die Stämme, welche am Fuße der bergigen Mauer wohnen, jenseits und
diesseits einander zu ähnlich sind, um durch gegenseitige Bekanntschaft
angeregt und bereichert zu werden. Darum wendet Spanien dem übrigen
Europa den Rücken zu. Wie es aber im Norden verriegelt ist, so hält es
im Süden die Tore offen. Während bis zum Guadalquivir hinab sich jenes
weite zusammenhängende Hochland der iberischen Meseta erstreckt, das ein
echt kontinentales Klima extremer Sommer- und Wintertemperaturen
aufweist, beginnt nach Osten, Süden und Südwesten hin ein ganz anderes
und wundervolles Bild. Ein Armausbreiten in der Tat: Als wenn das ganze
Land in Liebe sich ergösse, treibt es die volle Herrlichkeit des Südens
hervor. Es ist die Sonne der Mittelmeerländer, die hier scheint, ihre
Blume ist es, die hier blüht, ihr Regen, der hier rauscht. Hier haben
wir die wilden Gewitter, die im Nu kommen, und im Nu vergehen, den
feinen Sonnenregen zurücklassend über der perlenbesäten Flur. Hier
wandeln wir durch die lichten Wälder, die Maquidickichte, die Huertas
und Vegas, jene herrlichen Gartenoasen, von Bächen durchrauscht hierhin
und dorthin, wo die Granate flammt, und der Apfelbaum schimmert in der
lichten Pracht seiner Blüten. Hier rauschen die Morgen- und Abendwinde
über taubedeckte Täler und künden die Nacht an, die nirgends emporsteigt
wie hier, so träumerisch erhaben, so schlummernd wach, so einsam und so
beredt. Das ist das Land Andalusien, von dem der alte arabische Dichter
einst sang: »Da es emportauchte aus des Meeres Flut, ward es wie eine
Perle aus der Muschel gehoben. Da erbebten die Wogen vor Entzücken, als
sie sich legten wie eine Kette um seinen Hals. Darum lächeln noch immer
in ihm wonneerbebende Blüten, darum schmettern in ihm die Nachtigallen
auf lauschenden Zweigen. Hier ist die Heimat meiner Lust. Weh mir, wenn
ich je sie verlassen müßte! Hier nur ist ein Garten, die ganze Welt eine
Wüste.« Und als der unglückliche Emir von Sevilla, Al Motamid, im fernen
Marokko eingekerkert saß und seine wundervollen Elegien sang, da bebte
die Schönheit Andalusiens durch sein Lied: »O wie gerne möchte ich
wissen, ob ich meinen Garten und meinen See wiedersehen werde in jenem
stolzen Lande, wo die Oliven grünen, wo die Tauben girren, wo die Vögel
ihr liebliches Gezwitscher ertönen lassen.«