Rosenheim

ergießt sich der bedeutende _Manguald_-Fluß in den Inn. Hier sah ich

zuerst Hopfengärten nächst dem freundlichen und netten Markte; immer

häufiger erscheinen sie späterhin angelegt an den Innufern; man bemerkt

von Ferne an ihnen Weingärten, dann junge Nadelwälder, und erst

schließlich Hopfenbau; er fordert guten Boden, und an dem leidet Baiern

nicht Mangel. Gleichwohl reicht der innländische Hopfen nicht hin zu der

sehr häufigen Biererzeugung, sondern muß größtentheils durch böhmischen

vermehrt werden.

Den Strom überspannt hier eine schöne, aus drei hölzernen Bogen

bestehende Brücke, worüber die Kommerzialstrasse von München nach

Traunstein und Salzburg reicht; am rechten Ufer, zwischen der Brücke und

dem beginnenden Hohlwege, steht ein artiges Wirthshaus, welches von den

Rosenheimern als gewöhnlicher Vergnügungsort besucht wird. Bei dem

vortrefflichen Biere, Fleisch und Brote, welches durch ganz Baiern einem

-- reisenden Magen! sich weit schmeichelhafter anempfiehlt, als das

magere Tirol oder Kärnthen, würde noch die Uebersicht der lebendigen

Strasse und des gesprächigen Inns zur Würze der Nahrung beitragen, wenn

der Baier nicht ohnedieß Appetit genug hätte.

Die dreistündige Fahrt von Rosenheim bis Wasserburg biethet noch weniger

Reitz, als die vorige Strecke; das linke Ufer ist abermal im Vergleiche

des rechten mehr bewohnt, aber beiderseitig gleich umwaldet und

umbüschet. Nur hie und da sieht man ein Häuschen der Dörfer Westerndorf,

Pfunzen und Pfaffenhofen, die hohe Kirche von Marienberg, und das kleine

Aettl, am Einbruche des tobenden Aettlbaches in das linke Innufer;

rechts schlummern im Grünen die Ortschaften Hechering, Zeisering,

Voktaret, Wambach und Dirnstein. Wahrlich! wenig genug Ansiedlungen auf

achtstündiger Gehlänge; desto häufiger hauset hier herum bis gegen

_Mühldorf_ hinab, Wildpret, vorzüglich Hirsche. Bei Tage sah ich sie

mehrere den Inn durchschwimmen; die Erlen, Weiden, jungen Holzbirnen,

Wasseralmen u. d. gl. mußten ihnen allenthalben ihre Rinden abgeben, und

standen deßhalb verdorrt an den Ufern. Ich hörte von Bauern darüber,

vorzüglich aber wegen Feldverwüstungen, Klage führen; es sey ihnen zwar

erlaubt, sagten sie, so viel und so lange Jungstämme aus den

_ärari_schen Wäldern zu holen, als sie nöthig hätten, ihre Gärten und

Gründe vor dem Eindringen der Springinfelder zu wahren, aber man müßte

nichts als ewig mit Umzäunungen sich befassen, da man heute eine Lücke

zumache, und morgen zwei dafür erbrochen seyen; das Vernünftigste wäre,

sie recht zu pelzen, wenn nur ein Schuß nicht so viel Lärmen und --

Schläge brächte! -- Herrliche Enthaltsamkeit! welche durch keine Schrift

bleibender eingreift, als der Stock dem trägen Rücken!

Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien,(#78026) · 第 33 / 52 题