Andreas Hofer

nach seines Vaters Joseph Tode, ebenfalls Sandwirth; bieder, worttreu

und fromm, war er nah und ferne geschätzt. Die Haltung seines

herkulischen Körperbaues vom vielen Bergsteigen etwas vorwärts gebogen,

entbehrte deßhalb nichts an Behendigkeit und Schnelle. Seine Kenntnisse

beschrenkten sich auf deutsch und italienisches Lesen, und dessen

unkorrektes Schreiben. Die einzige Schwachheit, seinen schönen

schwarzen, bis an den Gürtel reichenden Bart, (der bei einigen Wirthen

Tirols seit dem Mode geworden), um keinen Preis sich abnehmen zu lassen,

erhielt er bis zum Tode, und war zum Theile Ursache, daß er bei

allenfälliger Flucht aus Tirol, überall erkannt worden wäre. Bei

mehreren Gelegenheiten Volkssprecher, war er in früheren Epochen

Schützen-Anführer einzelner Kompagnien; vom April aber bis Dezember 1809

Volksanführer und Obergeneral der Landes-Vertheidigungstruppen in Tirol.

Nebst der höchsten Gewalt über Leben und Tod, (welche er jedoch nie

mißbrauchte,) brachte er die vom geliebten Monarchen ihm zugestandene

Erlaubniß eigener Silbermünz-Präge in Ausübung. Glück und Mißgeschick

wechselweise mit gleicher Grösse ertragend, sah er sich endlich

genöthigt, in einer vier Stunden von seiner Wohnung entlegenen

Alpenhütte, (Kellerlahn) Sicherheit zu suchen. Gegen zwei Monate lebte

er dort mit seiner Familie, allen Qualen der Kälte und Bedürfnisse

preisgestellt. Treue Gefährten brachten ihm zeitweilig dürftige Nahrung

auf verschiedenen Umwegen.

Schon schwand den sorgsamen Feinden die Idee, Hofern zu entdecken, da

entlarvte sich der schändliche Verräther Joseph Donay, welcher das ganze

Vertrauen des unglücklichen Sandwirths lange genoß!

Auf Anrathen des Bösewichts ließ der Obergeneral Baraguay d’ Hillers den

_Staffel_, (der, wie _Donay_ wußte, Hofern Nahrung brachte), zur Anzeige

von Hofers Schlupfwinkel zwingen. Fünfzehn hundert Franzosen folgten

Nachts dem geängstigten Führer zur entlegenen Alpenhütte, um den

gefürchteten Volksanführer, abgemagert, kränklich und der elenden Lage

überdrüssig, zu fangen. Entschlossen trat er den Häschern entgegen, und

ersuchte nur um gute Behandlung seiner Familie. Weib und Kinder

erhielten zu Botzen die Freiheit, Hofer aber wurde unter Millionen

Thränen seiner ihn liebenden Tiroler, ungefesselt, jedoch unter starker

Bedeckung über Mailand nach Mantua gebracht. Ein rührender Beweis seiner

Herzensgüte entsprang, als er auf diesem Zuge mehrere der braven

Mitkämpfer, welche sich an ihn drängten, wegen manchen Unbilden um

Vergebung bat, und seinen letzten Besitz, den Rosenkranz, die silberne

Tabaksdose und 500 fl. B. Z. armen Landsleuten bestimmte.

Nur 20 Tage verflossen von seiner Gefangennehmung, (den 30. Jänner 1810)

zur traurigen Hinrichtung. Man beeilte sich vergeblich, den Mann aus der

Menschen Angedenken zu schaffen, der nur für seinen Kaiser gelebt,

dessen letzter Gang auf die Bastion von Mantua keine Klagen, sondern das

_Vivat_ des geliebtesten Monarchen anstimmte. Ruhig, mit vollkommster

Selbstbeherrschung kommandirte er stehend, mit unverbundenen Augen, sich

selbst den wahrhaften Martertod; denn erst die vom Korporalen ihm durch

den Kopf gegebene dreizehnte Kugel, endigte sein 42 jähriges

Heldenleben. Hofers unerhörte Resignation möge die todtkundigen Soldaten

zitternd gemacht, und dessen schlechtes Treffen beursacht haben.

Donay aber, von _Napoleon_ begnädigt, mochte zu einem anderen Ende, als

sein verrathener Freund gefunden, zähnklappernd sich Glück wünschen.

Der grosse Waisenvater _Franz_ gab der ausgewanderten Hoferischen

Familie, Adel, reichliche Pension, und Kapitalien zur beliebigen

Ansiedelung, welch letztere jedoch nur den Sohn des Verblichenen zu

Fischament in Nieder-Oesterreich fesseln konnte, da die Gattin und

Töchter wieder nach der gesehnten Heimath zurückkehrten, um das

Wirthshaus zur goldenen Krone nicht veröden zu lassen.

Dieß die gedrängte Skizze des merkwürdigen Mannes, dessen einstige

Behausung ich nun betrat. Es war 1 Uhr Mittags, und die Tafel bereits

aufgehoben; doch durfte ich nicht über den Heißhunger der abgespeis’ten

Gäste klagen, denn mehr als ein Nachkömmling, hätten bescheidene Wünsche

erfüllt gefunden. Die Geräthschaften und Einrichtung des Hauses würden

mir so viel Aufmerksamkeit abgelockt haben, wüßte ich nicht, daß dieses

Haus der Feinde Plünderung und Verwüstung unterlag; nur Hofers

wohlgetroffenes Portrait zeigte mir dessen Witwe als werthvolles

Denkmal. Die grosse Stube war leer, Abends sollte ich sie erst mit

Gästen angefüllt sehen.

Der Wunsch, die merkwürdige Alpenhöhle zu sehen, worin sich _Hofer_ im

August 1809 nach Abzug des österreichischen Militärs verbarg,

scheiterte; Lavinen hatten sie seit Wochen zugeschüttet. Ich fühlte also

abermal Ursache, meine um einen Monat zu spät unternommene Wanderung zu

bereuen. Sicherer versprach man mir die ebenfalls schon umschneite

Sennhütte

Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien,(#78026) · 第 12 / 52 题