nach seines Vaters Joseph Tode, ebenfalls Sandwirth; bieder, worttreu
und fromm, war er nah und ferne geschätzt. Die Haltung seines
herkulischen Körperbaues vom vielen Bergsteigen etwas vorwärts gebogen,
entbehrte deßhalb nichts an Behendigkeit und Schnelle. Seine Kenntnisse
beschrenkten sich auf deutsch und italienisches Lesen, und dessen
unkorrektes Schreiben. Die einzige Schwachheit, seinen schönen
schwarzen, bis an den Gürtel reichenden Bart, (der bei einigen Wirthen
Tirols seit dem Mode geworden), um keinen Preis sich abnehmen zu lassen,
erhielt er bis zum Tode, und war zum Theile Ursache, daß er bei
allenfälliger Flucht aus Tirol, überall erkannt worden wäre. Bei
mehreren Gelegenheiten Volkssprecher, war er in früheren Epochen
Schützen-Anführer einzelner Kompagnien; vom April aber bis Dezember 1809
Volksanführer und Obergeneral der Landes-Vertheidigungstruppen in Tirol.
Nebst der höchsten Gewalt über Leben und Tod, (welche er jedoch nie
mißbrauchte,) brachte er die vom geliebten Monarchen ihm zugestandene
Erlaubniß eigener Silbermünz-Präge in Ausübung. Glück und Mißgeschick
wechselweise mit gleicher Grösse ertragend, sah er sich endlich
genöthigt, in einer vier Stunden von seiner Wohnung entlegenen
Alpenhütte, (Kellerlahn) Sicherheit zu suchen. Gegen zwei Monate lebte
er dort mit seiner Familie, allen Qualen der Kälte und Bedürfnisse
preisgestellt. Treue Gefährten brachten ihm zeitweilig dürftige Nahrung
auf verschiedenen Umwegen.
Schon schwand den sorgsamen Feinden die Idee, Hofern zu entdecken, da
entlarvte sich der schändliche Verräther Joseph Donay, welcher das ganze
Vertrauen des unglücklichen Sandwirths lange genoß!
Auf Anrathen des Bösewichts ließ der Obergeneral Baraguay d’ Hillers den
_Staffel_, (der, wie _Donay_ wußte, Hofern Nahrung brachte), zur Anzeige
von Hofers Schlupfwinkel zwingen. Fünfzehn hundert Franzosen folgten
Nachts dem geängstigten Führer zur entlegenen Alpenhütte, um den
gefürchteten Volksanführer, abgemagert, kränklich und der elenden Lage
überdrüssig, zu fangen. Entschlossen trat er den Häschern entgegen, und
ersuchte nur um gute Behandlung seiner Familie. Weib und Kinder
erhielten zu Botzen die Freiheit, Hofer aber wurde unter Millionen
Thränen seiner ihn liebenden Tiroler, ungefesselt, jedoch unter starker
Bedeckung über Mailand nach Mantua gebracht. Ein rührender Beweis seiner
Herzensgüte entsprang, als er auf diesem Zuge mehrere der braven
Mitkämpfer, welche sich an ihn drängten, wegen manchen Unbilden um
Vergebung bat, und seinen letzten Besitz, den Rosenkranz, die silberne
Tabaksdose und 500 fl. B. Z. armen Landsleuten bestimmte.
Nur 20 Tage verflossen von seiner Gefangennehmung, (den 30. Jänner 1810)
zur traurigen Hinrichtung. Man beeilte sich vergeblich, den Mann aus der
Menschen Angedenken zu schaffen, der nur für seinen Kaiser gelebt,
dessen letzter Gang auf die Bastion von Mantua keine Klagen, sondern das
_Vivat_ des geliebtesten Monarchen anstimmte. Ruhig, mit vollkommster
Selbstbeherrschung kommandirte er stehend, mit unverbundenen Augen, sich
selbst den wahrhaften Martertod; denn erst die vom Korporalen ihm durch
den Kopf gegebene dreizehnte Kugel, endigte sein 42 jähriges
Heldenleben. Hofers unerhörte Resignation möge die todtkundigen Soldaten
zitternd gemacht, und dessen schlechtes Treffen beursacht haben.
Donay aber, von _Napoleon_ begnädigt, mochte zu einem anderen Ende, als
sein verrathener Freund gefunden, zähnklappernd sich Glück wünschen.
Der grosse Waisenvater _Franz_ gab der ausgewanderten Hoferischen
Familie, Adel, reichliche Pension, und Kapitalien zur beliebigen
Ansiedelung, welch letztere jedoch nur den Sohn des Verblichenen zu
Fischament in Nieder-Oesterreich fesseln konnte, da die Gattin und
Töchter wieder nach der gesehnten Heimath zurückkehrten, um das
Wirthshaus zur goldenen Krone nicht veröden zu lassen.
Dieß die gedrängte Skizze des merkwürdigen Mannes, dessen einstige
Behausung ich nun betrat. Es war 1 Uhr Mittags, und die Tafel bereits
aufgehoben; doch durfte ich nicht über den Heißhunger der abgespeis’ten
Gäste klagen, denn mehr als ein Nachkömmling, hätten bescheidene Wünsche
erfüllt gefunden. Die Geräthschaften und Einrichtung des Hauses würden
mir so viel Aufmerksamkeit abgelockt haben, wüßte ich nicht, daß dieses
Haus der Feinde Plünderung und Verwüstung unterlag; nur Hofers
wohlgetroffenes Portrait zeigte mir dessen Witwe als werthvolles
Denkmal. Die grosse Stube war leer, Abends sollte ich sie erst mit
Gästen angefüllt sehen.
Der Wunsch, die merkwürdige Alpenhöhle zu sehen, worin sich _Hofer_ im
August 1809 nach Abzug des österreichischen Militärs verbarg,
scheiterte; Lavinen hatten sie seit Wochen zugeschüttet. Ich fühlte also
abermal Ursache, meine um einen Monat zu spät unternommene Wanderung zu
bereuen. Sicherer versprach man mir die ebenfalls schon umschneite
Sennhütte