Mordhölzel

wartete.« »Freund, da mußt du schneller seyn als ein Hirsch!« erwiderte

ich, »denn jener lief ärger wie du; aber wohin denn so eilig?«

_Er._ »Noch Zell, s’ is holt Kietog, und do geiht’s luisti; a Fleisch,

wos z’ dringa und a guits Boacht, dos hom mir Hulzhokaknecht olzat s’

Johr oaml, und s’ Tonza nimmt gor schu _koa_ n’ End.«

_Ich._ Darum also! und wo ist denn das Mordhölzel, wo dich dein Gefährte

erwarten sollte, und warum nennst du es so?

_Er._ No des zombrochne Kaischl, wo i z’ dir kema bin, hoaßt so; s’ is

oaml a Rauba beim Stroafen vo Joagern zomgschoissen worn.

Fort eilte er, als wenn ihm die Sohlen brennten, um nach vier Stunden

den ermatteten Körper mit Tanz zu vergnügen, und nebenbei als

Leckerbissen ein Stück Bocksfleisch zu geniessen -- unglaublich! und

doch wahr!

Warum aber mag sich hier einst ein Räuber aufgehalten haben, wo keine

Menschen -- und keine Schätze sind? Wahrscheinlich ein unglücklicher

Raubschütze, der, um nicht zu verhungern, sich in diese Wildniß bannte,

bis ihn ein Schuß davon erlöste.

Noch das harte Loos mißhandelter Geschöpfe erwägend, kam ich auf eine

offene Berghöhe. Erhaben biethen sich daselbst die Gränzpunkte des

Alpenthales: der hohe Filzberg, wilde Kopf, die _Gerlos_-Spitzen etc.

Wald, Felsen, Wiesen, Klippen, Schneespitzen und Gießbäche sind eng in

schönster Unordnung durch einander geworfen, um den Eindruck zu höhen,

die Erinnerung daran reitzender zu erhalten. Am Abhange einer Wiese

links stehen 13 Sennhütten, wie ein Dörfchen vertraulich gereiht. Dieß

ist

die wilde Gerlos --

beinahe die reichste Alpenanpflanzung, gegenwärtig aber ihrer Bewohner

entblößt, welche in wärmerer Tiefe den Spätsommer zubringen.

Auf hölzerner Tafel, an einem Baume befestigt, erkennt man des Tirolers

Neigung; »Tanzen und Trinken« wie ihn das gut entworfene Bild zeigt, mit

der Unterschrift: »Weg ins Zillerthal.«

Zwei Sennhütten auf der Anhöhe zur Rechten, waren noch bewohnt; ich

genoß darin mein Frühstück an vortrefflicher Milch, jedoch das Brot war

für mich ungenießbar, aber staunenswerth! Es bestand aus gar nichts

andern als Hafer- und Gerstenkleie, in welche zum Zusammenkneten etwas

Türkenweizmehl gemischt wurde; Häckerling schien entweder geflissentlich

oder aus Nachlässigkeit darin zu seyn. Dieses Brot hatte eine längliche

Wurstform, und da es bereits sehr hart war, schlug der Alpler mit dem

Beile einige Stücke ab, um sie für mich in der Milch aufweichen zu

lassen. Ich verbat mir dankbarst diese Güte, und frug, ob dieses das

gewöhnliche Brot für die Bewohner sey?

_Er._ Jo mir soans schu gwohnt, dir moags epping z’ schper schmeka.

Ich konnte von schmecken gar nichts sagen, frug aber, warum sie denn das

Brot nicht aus Mehl bereiteten?

_Er._ S’Mehl is hoalt ollas z’gluik, und wernd draus d’Knödl gmoacht,

wochsa duit jo ollas z’wengi.

»So muß denn dieser schöne Landstrich gerade der ärmste seyn?« Ich

glaube die meisten Gebirgsgegenden des Erbkaiserthums besucht zu haben,

und fand wohl in den Karpathen Erdäpfelbrote, aber Kleien- und

Häckerling-Gebäck für Menschen! war mir das Neueste. Nun leitet der Weg

abwärts über Steingerölle, das die Bergbäche nach Gußregen zwischen den

Gebüschen zurücklassen, und wo sich zu solcher Zeit gewiß kein Wanderer

durchwagen kann. Im Thale schwindet das Nadelholz, Weiden und Erlen

tauschen mit selben und verengen den Pfad; die _Gerlos_ schäumt unten,

erbost, daß man sie nicht sieht; wo aber der Weg höher strebt zum Gürtel

der Berge, das Thal sich geduldig ergibt der rasenden Fluth: fühlt der

Felsen-sprengende Bach seine gewohnte Schnelle plötzlich gehemmt durch

menschlichen Willen. Eine Klause ists, ganz von Holz, aber kräftig

gedacht und erbaut, welche zwingt die zerstörende Gerlos, Nutzen zu

bringen, mit Hinabtragen zerstückelter Wälder. Wild streiten die

Gewaltigen mit einander, daß man begierig hinabeilt, den Sieger zu

loben. Diese kaiserliche Holzklause, erst unlängst erneuert, mißt 114

Schritte, sie ist die größte und schönste, welche ich je gesehen; die

Festigkeit muß dem Aeusseren gleichen, sonst würde im nächsten Frühjahre

der sich dabei bildende See, das herrliche Werk und Kapital

verschlingen.

Bewundernswerth fand ich die übergrossen Forellen, welche in

Schwemmwässern eine Seltenheit, nicht nur zahlreich die Klausenkanäle

umschwammen, sondern im kristallenen Elemente ohne alle Scheu die

hineingeworfenen Brotkörnchen augenblicklich naschten. Letzteres mag die

Folge des vernachlässigten Fischfanges seyn, weil die Umwohner gewohnt

sind, lieber bei Milch und Brot die hier häufigeren Fasttage zu

verkümmern, als mit geringer Mühe durch wohlschmeckende Fische den

Gaumen zu kitzeln. Die Schönheiten dieses Thales bis Zell, bleiben mir

ewig unvergeßlich; aus einer Situation in die andere fühlte ich mich

versetzt. Mit dem Steigen und Sinken des Weges, mit der Faunen und

Dryaden schnellem Wechsel, und mit des Plutus und Neptuns ernstern

Stellen, harmonirt das Gemüth des reisenden Fremdlings. Die 37 Häuschen

des

Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien,(#78026) · 第 3 / 52 题