Ein Bauernknecht zu Werbach wurde mehrere Nächte im Bett von etwas so

gedrückt und geplagt, daß er stets am Morgen ganz erschöpft war. Als er

es seinen Hausgenossen klagte, rieth ihm die Bäuerin: er solle in der

nächsten Nacht sich im Bett ein Messer mit der Spitze auf die Brust und

auf dasselbe einen hölzernen Teller setzen. Arglos wollte es der Bursche

so machen; allein auf das Zureden seines Mitknechts that er den Teller

unter das Messer und richtete des letztern Spitze in die Höhe. Gegen

Mitternacht warf sich wieder etwas auf ihn; es war, wie sich gleich

nachher zeigte, die Bäuerin selbst, welche sich dabei in das Messer

gestürzt und getödtet hatte. Nun erkannte er, daß sie, eine Hexe, ihn

seither so geplagt habe, und daß er jetzt, wenn er ihren Rath befolgt

hätte, statt ihrer todt gestochen wäre.

149.

Hexenstein.

Auf dem Berge _Lindhelle_ bei Gamburg versammeln sich in der

Walpurgisnacht die Hexen und tanzen auf einem Felsen, welcher davon der

_Hexenstein_ genannt wird.

150.

Hexe als Gans.

Vor mehreren Jahren sah der Nachtwächter zu Wertheim, Nachts um zwei,

neben sich eine Gans auf der Straße laufen. Er fing sie und nahm sie mit

in die Wachstube, wo er sie unter die Bank sperrte. Am Morgen lag, statt

der Gans, eine Wertheimer Frau da, die, wie sich nun zeigte, mit Recht

schon für eine Hexe gegolten hatte.

151.

Goldene Kugel.

Die elfjährige Angelika Brand in Freudenberg erzählte:

»Am dreizehnten August dieses Jahres[14], einem Sonntage, ging ich,

Nachmittags gegen drei Uhr, mit zwei Gespielinnen und einem kleineren

Buben auf das hiesige wüste Bergschloß. Beim viereckigen Thurme setzten

wir uns nieder, und auf einmal kam, etwa fünfzehn Schritte von uns, eine

glänzende Goldkugel aus dem Boden, die größer als eine Kegelkugel war.

Sie wälzte sich langsam her und blieb vor unsern Füßen liegen. Wir

Mädchen sahen sie deutlich; der Bube aber konnte sie nicht erschauen,

obgleich wir mit Fingern auf sie hinwiesen. Da wir aus Angst anfingen,

zu schreien, rollte die Kugel wieder langsam zurück und versank auf dem

Platze, wo sie hervorgekommen war.«

[14] 1854.

152.

Hexe als Löwe.

Als einst in Aschaffenburg die Leichenfrau um Mitternacht von einer

Verstorbenen heimging, sah sie, in einer engen Gasse, einen

fürchterlichen Löwen mit aufgesperrtem Rachen herankommen. Sie hielt das

geweihte Kreuz, welches sie Nachts mitzunehmen pflegte, ihm entgegen;

allein er sprang auf sie los, worauf sie ihm das Kreuz in den Rachen

stieß. Da verwandelte sich der Löwe in ein altes, nacktes Weibsbild, das

auf allen Vieren lief und hinten, statt des Schwanzes, einen Kochlöffel

hatte.

153.

Heiligenfrevel bestraft.

Im Jahre 1848 machten die Hammelburger in einer Scheuer einen Strohmann

mit einem Stabe in der Hand, trugen ihn unter dem Spottgeschrei: »Das

ist der Papst!« durch die Straßen und verbrannten ihn zuletzt vor dem

Thore. Fünf Jahre nachher verkündete eine durchziehende Zigeunerin:

zwischen Ostern und Pfingsten des folgenden Jahres werde die Stadt an

allen vier Ecken brennen. Deßwegen vor den Landrichter geführt, sagte

sie ihm: so gewiß werde ihre Vorhersagung wahr, als er sechsunddreißig

Kreuzer bei sich habe. Da er nachsah, hatte er auch gerade so viel Geld

in dem Beutel. In der bezeichneten Frist brach dann in derselben Scheuer

und am gleichen Tage, wo der Strohmann gemacht worden war, eine

Feuersbrunst aus, die fast ganz Hammelburg in Asche legte und so dessen

Heiligenfrevel schrecklich bestrafte.

154.

Wie Ochsenfurt sein Wappen erhielt.

Als einst ein vornehmer Herr in Ochsenfurt einfuhr, stand am Thore ein

Ochs, der gerade seinen Koth fallen ließ. Hierüber erzürnt, ließ der

Herr das Thier der Breite nach mitten entzwei hauen, und veranlaßte

dadurch, daß die Vorderhälfte eines Ochsen das Wappen der Stadt wurde.

155.

Der Radstein.

Ein Bamberger Wagner war die Wette eingegangen: er wolle vom Aufgange

bis zum Untergange der Sonne einen Baum fällen, daraus ein Rad ohne Reif

machen und es noch bis Würzburg rollen. Schon hatte er mit dem so

gefertigten Rade das Kloster Ebrach zurückgelegt, aber zwischen diesem

und Breitbach fiel er vor Erschöpfung nieder und starb, während das Rad

noch eine Strecke allein fortrollte und dann zersprang. An der Stelle,

wo der Wagner umgefallen, steht ein Stein mit einem ausgehauenen Rade,

welcher der _Radstein_ genannt wird.

Berichtigungen.

Hauptwerk.

Seite VI (im Inhaltsverzeichniß) Zeile 1 von unten lese man Sonnabends,

statt Sonntags.

S. 15 Z. 18 von oben lese man ruchtbar, statt ruchbar.

" 33 " 4 " " " " Kuchenacker, statt Kuchengarten.

" 74 " 8 " unt. " " d'Mauren, statt Mauren.

" 147 " 5 u. 6. v. u. " " Mariabild, statt Vesperbild.

" 155 " 12 von oben " " Schaubhut, statt (des provinziellen)

Schabhut.

" 174 " 12 u. 13 v. o. " " Burgstadel, statt Platz des Burgstadels.

" 193 " 6 von unt. " " Namen, statt Nachen.

" 229 " 7 " " " " Schaubhut, statt Schabhut.

" 241 " 6 " oben " " Beherbergung, statt Beherbung.

" 242 " 2 " unt. " " Gold, statt Geld.

" 351 " 1 " oben " " Leuten, statt Leute.

" 373 " 19 u. 20 v. o. " " das Michelskirchlein auf der Höhe,

das zuerst gebaut wurde, statt:

das Michelskirchlein, das auf der

Höhe zuerst gebaut wurde.

Wie man sieht, betreffen diese Berichtigungen weniger Druckversehen, als

Irrungen beim Sammeln und Schreiben der Sagen.

_Baader._

[Anmerkungen zur Transkription:

Im Original gesperrt gesetzter Text ist _so_ gekennzeichnet.

Im Original in Antiqua gesetzter Text ist =so= gekennzeichnet.

Die Umlaute Ae, Oe und Ue wurden durch Ä, Ö und Ü ersetzt.

Offensichtliche Druckfehler und Inkonsistenzen wurden korrigiert,

die Schreibweise aber sonst wie im Original belassen.]

Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden · 第 7 / 7 段