Beim Melken am Abend erhielt die Bäuerin von ihren sämmtlich

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Neugesammelte Volkssagen

aus dem Lande Baden

und den

angrenzenden Gegenden.

Von

Bernhard Baader.

Zugleich als Nachtrag zu des Verfassers Werke: Volkssagen aus dem

Lande Baden &c.

Karlsruhe.

A. Geßner'sche Buchhandlung.

1859.

Vorbericht.

Zu meinen »Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden«

(Karlsruhe 1851) erscheint hier ein Nachtrag. Darin gebe ich mit

gewissenhafter Treue wieder Sagen, die ich bis auf eine dem Volksmunde

entnommen habe, und füge mehrere im Hauptwerke vorzunehmende

Berichtigungen bei. Gerne hätte ich einen förmlichen zweiten Theil

geliefert, aber bei meinem vorgerückten Alter war ich dazu außer Stande,

und ich überlasse nun rüstigeren Kräften, aus unserem sagenreichen Lande

weitere Schätze zu Tage zu fördern.

Karlsruhe, den 15. September 1858.

_Bernhard Baader._

Inhaltsverzeichniß.

Seite

1. Die Eisschreiber 1

2. Poppele beschenkt Arme 1

3. Kirschen in Geld verwandelt 2

4. Teufelsritze 3

5. Das beschirmte Kruzifix 3

6. Spukgeist bei Ruchenschwand 3

7. Vorzeichen eines fruchtbaren Jahres 4

8. Mildthätiges Männlein 4

9. Schatz gehoben 5

10. Hostie vor Entheiligung bewahrt 6

11. Die Basler Silberglocke 7

12. Wie der Teufel in einen Mann kommt 7

13. Geist gebannt 7

14. Die Burg Rötteln 9

15. Die Häfnet-Jungfrau 9

16. Erdleute 10

17. Reiter mit Geisfüßen 12

18. Zigeuner 13

19. Zaubermelkerei 14

20. Fronfastenweiber 15

21. Brennende Männer 15

22. Goldtinktur 16

23. Geist unter der Hölzlesbrücke 16

24. Heiligkeit des Sonnabends 16

25. Scherben werden zu Goldstücken 17

26. Sitzenkirch 17

27. Die Sausenburg 17

28. Kraft des Wolfssegens 20

29. Kind von Gold 21

30. Kreuz zu St. Trutbert 22

31. Geld in Asche verwandelt 22

32. Brandkorn wird zu Gelde 22

33. Messen nachgeholt 23

34. Weiße Jungfrau 24

35. Geist nieset 25

36. Der Hunnenfürst mit dem goldenen Kalb 26

37. Geistige Nonne 26

38. Geld sonnt sich 27

39. Geldmännlein 27

40. Todter von Erde und Wasser ausgeworfen 28

41. Todtenvorschau 29

42. Hexe als Hase 29

43. Die Grüninger Kapelle 30

44. Der Schatz im Ambringer Grunde 31

45. Kirchenverhöhnung bestraft 32

46. Die Tafel bei Kirchhofen 32

47. Das Brunnenbecken zu St. Ulrich 33

48. Das Huttenweiblein 34

49. Der heilige Bernhard zu Freiburg 35

50. Pferde schauen zum Speicher hinaus 36

51. St. Martin bei Oberried 37

52. Schützen-Klaus 38

53. Teufel helfen am Bau der Eisenbahn 38

54. Des Schwarzenberger's Bekehrung 38

55. Forelle am Kandelfelsen 39

56. Die Namen Gutach's, Bleibach's und Simonswald's 40

57. Der Ahornbauer 41

58. Der Blindensee will ausbrechen 41

59. Zum todten Hund 42

60. Messen angelobt 42

61. Das Kruzifix zwischen Ettenheim und Altdorf 43

62. Spinne nicht in der Nacht vor Fronfasten 44

63. Mordthat offenbart 45

64. Wunderbarer Hirsch 46

65. Das Kruzifix auf dem Kirchhofe zu Oberweier 47

66. Das Grabenthier 47

67. Gespenstiges Thier 47

68. Feenweg 48

69. Schatz und Spuk auf dem alten Schlosse bei Durbach 49

70. Verwunschener Schüler 50

71. Geist erlöst 50

72. Die lange Ell 51

73. Der Teufel kommt um die Beute 51

74. Reden bringt um den Schatz 52

75. Feiertags-Entheiligung bestraft 52

76. Schatz und Spuk auf der Schauenburg 53

77. Teufelsstein 53

78. St. Antonius bei Oberachern 54

79. Hohinrot's Erbauung 55

80. Brigitte 55

81. Wunderquelle 57

82. Vergeltung 57

83. Gotteslästerung bestraft 58

84. Kröten in Geld verwandelt 58

85. Schatz versinkt beim Fluchen 58

86. Bestrafte Sakramentschänder 59

87. Stole schützt vor dem höllischen Feuer 59

88. Mariabild zu Steinbach 61

89. Meisterschuß 62

90. Bund mit dem Teufel 62

91. Geist vertragen 64

92. Lichtenthals Erbauung 65

93. Erdweiblein 66

94. Fordere den Teufel nicht heraus 67

95. Seefrauen 67

96. Forbachs ältestes Haus 69

97. Verwünschung 69

98. Der Wolfsstein 70

99. Knorr 70

100. Der Grafensprung 72

101. Erdweiblein 72

102. Schatz bei Gernsbach 73

103. Der Bildstock am Hördtelstein 74

104. Schätze bei Michelbach 75

105. Die Entstehung der Wallfahrt zu Moosbronn 76

106. Steine in Geld verwandelt 77

107. Der Rötterer Berg bei Rastatt 77

108. Steinbild in Sulzbach 78

109. Doppelmord wegen eines halben Kreuzers 79

110. Messe nachgeholt 79

111. Burgstadel 80

112. Spielleute beim Hexentanz 82

113. Der Jungfernsprung bei Dahn 83

114. Schatz gehoben 84

115. Die Schlorpengasse 84

116. Laß die Todten ruhen 85

117. Todesvorzeichen 85

118. Schuhwechsel 86

119. Todesvorzeichen 86

120. Der Thurmberg bei Durlach 87

121. Schatz ausgeliefert 89

122. Der Feuerschläger 90

123. Königsbach 90

124. Nachgeholte Wallfahrt 92

125. Geist zu Weingarten 93

126. Marienburg 93

127. Reden bringt um den Schatz 94

128. Wie Bruchsal um den Eichelberg kam 95

129. Muttergottesröslein 96

130. Hexenkuchen 96

131. Tochter dem Teufel verschrieben 97

132. Gespenstige Rathsversammlung 100

133. Meerweiblein 100

134. Zauberarbeit 102

135. Raubmörder geht um 102

136. Einem Todten gehört ein Licht 103

137. Ladung vor Gottes Gericht 104

138. Schatzhöhle bei Waldangelloch 104

139. Fahrsamenbesitzer und Banner 105

140. Schatz bei Sinsheim 108

141. Fußstapfe im Stein 108

142. Vorzeichen reicher Weinernte 108

143. Der wilde Jäger 109

144. Geisterlärm verhindert Waldfrevel 109

145. Die Schefflenzer erwerben im Waidach das Jagdrecht 110

146. Boxberg's Name 110

147. Dosten und Johanniskraut schützt vor dem Teufel 110

148. Hexe verunglückt 111

149. Hexenstein 111

150. Hexe als Gans 112

151. Goldene Kugel 112

152. Hexe als Löwe 113

153. Heiligenfrevel bestraft 113

154. Wie Ochsenfurt sein Wappen erhielt 114

155. Der Radstein 114

1.

Die Eisschreiber.

Als in einem kalten Winter der Bodensee zugefroren war, schrieben die

Konstanzer dies Ereigniß, um es der Nachwelt kund zu thun, in die

Eisdecke des Sees ein, die mit dem kommenden Frühjahr wieder zu Wasser

wurde.

2.

Poppele beschenkt Arme.

In der Gegend von Hohenkrähen kamen zwei wandernde Handwerksbursche zu

einer Kegelbahn, auf welcher der Spukgeist Poppele, der ihnen unbekannt

war, allein Kegel schob.

Er lud sie ein, um Geld mitzuspielen, was sie auch, trotz ihrer wenigen

Kreuzer, darum thaten, weil er lauter Goldstücke einsetzte. Nicht lange,

so hatten die Bursche ihre Baarschaft verspielt. Um sie darüber zu

trösten, schenkte er jedem einen Kegel. Der eine schnallte den seinigen

sich auf's Felleisen, der andere aber warf den ihm gehörenden in's Gras

weg, sobald sie dem Poppele aus dem Gesicht waren. Nach einer Weile

wurde dem erstern das Felleisen so schwer, daß er durch seinen Gefährten

nachsehen ließ, und siehe, der Kegel glänzte und war von gediegenem

Golde. Unverweilt lief nun der andere Bursche auf den Platz zurück, wo

er den Kegel hingeworfen, und sah ihn auch noch daliegen; aber als er

ihn aufheben wollte, erhielt er von Poppele, der plötzlich dastand, eine

tüchtige Ohrfeige, wobei derselbe sprach: »Den Kegel lässest Du liegen;

Du hast ihn gehabt, warum hast Du ihn nicht behalten!«

Eine hochschwangere Frau von Schlatt bedachte unterm Grasen, daß sie bei

ihrer Armuth und ihres Mannes Trunksucht im Wochenbett keine Labung

haben werde, und that den Wunsch: der Geist Poppele möge ihr helfen. Da

kam er, als Jäger, und fragte, was sie wolle. Nachdem sie ihm ihre Lage

geschildert hatte, bat sie ihn um ein Fäßlein guten Weines. Er ließ sie

gleich ein leeres von Haus herholen und füllte es dann aus einem andern,

indem er sagte: »Den Wein laß Dir schmecken, und Du brauchst nicht damit

zu sparen; aber Deinem Mann darfst Du keinen Tropfen geben!« Die Frau

machte es so und schenkte auch andern Armen von dem Weine, der im

Fäßlein kein Ende nahm. Nachdem sie den Bitten ihres Mannes, ihm auch

von dem Wein zu geben, lange widerstanden hatte, erlaubte sie ihm

endlich, sich ein Krüglein voll zu holen; allein als er den Hahn des

Fäßleins aufdrehen wollte, stand Poppele plötzlich da und gab ihm eine

derbe Ohrfeige, mit den Worten: »Der Wein ist nicht für Dich, Du

Verschwender! sondern für Deine Frau, die aber jetzt auch keinen mehr

hat.« Das Fäßlein war nun leer und auf immer versiegt.

3.

Kirschen in Geld verwandelt.

Im Gemeindewaschhaus zu Stühlingen sah einmal eine Frau einen Haufen

schöner Kirschen in einer Ecke liegen. Sie steckte davon ein Paar

Handvoll für ihre Kinder ein, aber als sie sie daheim herauszog, waren

sie in Dreibätzner verwandelt. Schnell begab sich die Frau in das

Waschhaus zurück; allein sie fand dort weder Kirschen mehr, noch

Geldstücke.

4.

Teufelsritze.

Am Vorabend von Nikolaus vermummten sich in Dittishausen zwölf Bursche

als Pelznikel und gingen umher in die Häuser. Als sie auf die Wohnung

eines gottseligen Mannes zukamen, bemerkte derselbe, daß es dreizehn

seyen; in seiner Stube waren es dann nur zwölf und nachher auf der

Straße abermals dreizehn. Dieses kam ihm so verdächtig vor, daß er sie

an's Haus zurück rief und alle mit Weihwasser besprengte. Da fuhr der

dreizehnte mit fürchterlichem Gebrülle davon in die Lüfte. Hierbei

kratzte er in den Giebel des Nachbarhauses mehrere zollbreite,

bogenförmige Ritze, welche durch den Verputz bis in den Stein gehen und

nicht mehr vertilgt werden können.

5.

Das beschirmte Kruzifix.

Über dem Haupteingang der St. Blasier Kirche steht ein ehernes Kreuz mit

vergoldetem Heiland. Dasselbe wollte die weltliche Regierung, als sie in

den Besitz des Klosters kam, herunter nehmen lassen; allein es war nicht

von der Stelle zu bringen, und der Arbeiter fiel herab und brach das

Bein. Auf dieses ist man von der Wegnahme des Kruzifixes abgestanden.

6.

Spukgeist bei Ruchenschwand.

Franz Oberst zu Ruchenschwand erzählte:

Wenn ich beim Heimgehen von Oberalpfen nach dem Abendgeläute auf den

Steg kam, fiel ich jedesmal hinunter in den Graben und hörte dabei einen

Unsichtbaren meinen Namen rufen. Dann sah ich eines Sonntags, wo ich

später als sonst zurückging, im Wald einen Schimmel allein umherlaufen.

Nachdem ich ihm lange nachgejagt, fing ich ihn und ritt auf ihm unserm

Orte zu, wohin er mir zu gehören schien. Aber in der Nähe des Grabens

warf mich das Pferd plötzlich ab, verwandelte sich in ein schwarzes,

zottiges Thier, und sprang in eine benachbarte Grube. Nun wußte ich, wer

am Stege so oft mich gefoppt, und hütete mich fortan, nach der

Abendglocke diesen Weg zu machen.

7.

Vorzeichen eines fruchtbaren Jahres.

Am Feste des heiligen Fridolin wird dessen Haupt zu Säckingen in

Prozession umhergetragen. Ist da diese Reliquie schwer, so wird das Jahr

ein fruchtbares.

8.

Mildthätiges Männlein.

Auf einem gewissen Berge der obern Rheingegend weidete ein Schäfer

seine Heerde, und eben wollte er sein kärgliches Mittagsmahl verzehren,

als er ein altes Männlein am Stabe auf sich zukommen sah. Dasselbe

grüßte ihn und nahm seine Einladung, mitzuessen, an. Während sie

beisammen saßen, erkundigte sich das Männlein nach des Schäfers

Verhältnissen, und als es gehört, daß er viele Kinder und kein Vermögen

habe, hieß es ihn, ihm folgen. Sie gingen nun auf dem Berge fort und

gelangten zu einer großen, glatten Felswand, in welcher eine steinerne

Thüre und über derselben ein rundes Loch war. Aus diesem holte das

Männlein einen Schlüssel hervor, schloß damit die Thüre auf und trat

nebst seinem Begleiter durch sie in eine Felsenkammer, worin zwei Kisten

und auf einem runden Steintische eine Flasche standen. Auf Geheiß seines

Führers schlug der Schäfer die Deckel der Kisten in die Höhe, deren eine

mit Silber-, die andere mit Goldmünzen angefüllt war. »Nimm Dir nur«,

sprach das Männlein, »von dem Gelde, so viel du willst; die Flasche aber

mußt du stehen lassen, denn sie enthält die Goldtinktur!« Ohne zu

säumen, pfropfte der Schäfer alle seine Taschen mit Goldstücken voll und

folgte dann dem Männlein wieder aus der Kammer, welches deren Thüre

zuschloß, den Schlüssel in das Loch legte und nach wenigen Schritten

verschwand. In großer Freude brachte der Schäfer das Geld nach Hause,

sparte es aber nicht, weil er dachte, sich leicht wieder anderes zu

verschaffen. Als er nun keines mehr hatte, trat er getrost den Weg nach

dem Felsen an, dessen Aussehen und Lage im Angesicht dreier Kirchthürme

er sich wohl gemerkt hatte. Trotz alles Umhersuchens auf dem Berge

konnte er aber weder den Felsen, noch die Stelle, von wo drei

Kirchthürme zu sehen, wieder auffinden.

9.

Schatz gehoben.

Im Walde bei Brugg zeigte sich öfters unter einer Weißhasel ein

nächtliches Lichtlein. Daraus schloß eine Frau, daß dort ein Schatz

vergraben sey, und nahm sich vor, ihn zu heben. In dieser Absicht ging

sie mit ihren beiden Söhnen nach verrichtetem Gebet um Mitternacht

dahin. Sie hatten brennende Kerzen, Palmen und eine Ruthe von einer

Weißhasel bei sich, was Alles geweiht war. Nachdem sie eine Weile dort

gegraben, stießen sie im Boden auf einen schwarzen Hund, welcher auf

einer eisernen Kiste saß. Er hatte feurige Augen und knurrte

unaufhörlich. Ohne sich hierdurch schrecken zu lassen, schlugen sie mit

der Ruthe so lange auf ihn, bis er sich in die Erde verkroch. Alsdann

hoben sie die Kiste ungestört heraus und brachten sie nach Hause, wo sie

dieselbe ganz mit altem Silbergelde gefüllt fanden.

10.

Hostie vor Entheiligung bewahrt.

Ein Mann in Brig, welcher für sehr fromm galt, verschied, nachdem er

von einem der dortigen Jesuiten die Sterbsakramente empfangen hatte. In

der Nacht nach seiner Beerdigung klopften um zwölf Uhr zwei schöne

Jünglinge an die Pforte des Kollegiums und verlangten den Jesuiten, der

die leere Hostienkapsel mitnehmen solle. Derselbe kam und wurde von

ihnen nach Glis, wohin Brig eingepfarrt ist, auf den Kirchhof geführt.

Dort öffneten sie das Grab und den Sarg des Mannes; letzterer richtete

sich in die Höhe und machte den Mund auf, worin die heilige Hostie noch

unversehrt auf der Zunge lag. Von dieser nahm der Pater, auf Geheiß

seiner Führer, die Hostie in die Kapsel, worauf der Todte mit verzerrtem

Gesicht in den Sarg zurücksank. Nachdem die Jünglinge das Grab wieder

zugescharrt hatten, geleiteten sie den Jesuiten bis an die Pforte des

Kollegiums, wo sie vor seinen Augen verschwanden. Da erkannte er, daß es

zwei Engel waren. Bald nachher stellte sich heraus, daß der Verstorbene

ein sündhaftes Leben geführt habe und seine Frömmigkeit nur Heuchelei

gewesen sey.

11.

Die Basler Silberglocke.

Zur ersten Zwinglischen Predigt im Münster zu Basel sollte mit der

alten, hochgeweihten Silberglocke geläutet werden; aber beim ersten Zuge

fiel sie aus dem Thurm in den Rhein hinab. Man weiß die Stelle, wo sie

liegt, und hat schon mehrmals versucht, sie herauszuziehen; es wird

jedoch erst dann gelingen, wenn das Münster wieder eine katholische

Kirche ist.

12.

Wie der Teufel in einen Mann kommt.

Auf dem Dinkelberg ward aus einer Besessenen der böse Geist getrieben,

wobei er um die Erlaubniß bat, in einen Grashalm zu fahren. Nachdem er

sie vom Priester erhalten hatte, sprach er: »So, nun wohne ich in

vierzehn Tagen wieder in einem Menschen«. »Wie so?« fragte der

Geistliche, und darauf antwortete der Teufel: »Der Grashalm, in welchen

ich fahre, wird einer Kuh zu fressen gegeben; dadurch komme ich in sie

und mit ihrer ungeseihten Milch in einen Mann, der von derselben aus dem

Melkkübel trinkt«. Wirklich war in vierzehn Tagen der Mann, welcher in

einer andern Gegend wohnte, vom bösen Geiste besessen.

13.

Geist gebannt.

In einem Haus auf dem Dinkelberg spukte der verstorbene Eigenthümer so

arg, daß die Bewohner beschlossen, ihn fortzuschaffen. Zu diesem Zweck

ließen sie nacheinander einige Geistliche kommen; aber keiner derselben

vermochte über das Gespenst Herr zu werden. Endlich ward ein Priester

von ausgezeichneter Frömmigkeit berufen, zu welchem der Geist gleich

sagte: »Was willst Du mit mir, hast Du nicht auch einmal, beim

Vorbeigehen an einem Rübenacker, eine Rübe herausgezogen?« »Ja, das habe

ich gethan,« antwortete der Geistliche, »aber weißt Du nicht, daß ich

nur die eine Hälfte aß und in die andere, welche ich zurückließ, einen

Groschen steckte und damit die ganze Rübe übergenug bezahlte?« Auf

dieses mußte das Gespenst schweigen und dann, auf des Priesters

Beschwörung, sich in eine Flasche begeben. Dieselbe wurde nun zugedeckt

und von einem rüstigen Mann in einem neuen Reff nach dem Feldberg, dem

Bestimmungsort des Geistes, getragen. Unterwegs durfte der Mann nicht

rückwärts sehen, keinen Schritt zurückgehen und das Reff nicht

abstellen, obgleich die Flasche von Schritt zu Schritt schwerer wurde.

Als er anfing, den Feldberg zu besteigen, rief hinter ihm eine Stimme:

»He, ihr geht ja fehl, wenn ihr auf den Feldberg wollt, so müßt ihr den

andern Weg einschlagen!« Betroffen schaute er um, und erblickte Niemand;

aber im Augenblick war die Flasche weg und wieder in dem Hause. Auf's

Neue mußte er sie von dort forttragen, diesmal jedoch machte er Alles

recht und gelangte, von seiner Last fast erdrückt, auf den Gipfel des

Feldbergs, wo das Gespenst zu bleiben gezwungen war. Auf diesen Berg

sind noch viele Geister gebannt, welche nach Kreuzerhöhung Nachts das

Vieh in den dortigen Ställen so arg plagen, daß die Hirten um diese Zeit

mit ihren Heerden den Berg verlassen müssen.

14.

Die Burg Rötteln.

Auf diesem verfallenen Bergschloß liegt viel Geld vergraben, bei dem ein

Fräulein in weißem Kleid und Schleier umgeht. Am Tage sitzt sie öfters

auf der Burgbrücke und spinnt, oder sie lustwandelt in der Umgebung des

Schlosses. Von da hat sie einmal Kindern vergebens gewinkt, zu ihr zu

kommen. Beim Mondschein wurde schon ein Unsichtbarer gehört, der, wie

unter einer Last keuchend, nach der Burg ging. In dieser erscheinen in

manchen Nächten gespenstige Lichter, auch schwebt zuweilen aus dem nahen

Wald eine einsame Flamme herbei und fährt an der steilen Mauer hinauf

und zu einem Erkerfenster hinein. Auf dem Burghof hat schon ein Mann

eine mannsdicke, baumlange Schlange in der Sonne liegen sehen, und in

früherer Zeit sind manchmal Nachts feurige Drachen von dem Schloß nach

der Chrischonakapelle oder von dieser nach jenem geflogen. Daselbst

befindet sich ein Kegelspiel, welches derjenige, der es fortnimmt, nicht

behalten kann, sondern wieder herbringen muß. Was man in den

Felsenkeller thut, wird in der Nacht von unbekannter Gewalt

herausgeworfen. Von der Burg geht ein unterirdischer Gang, unter dem

Wiesenfluß hinweg, in das Brombacher Schlößlein; er ist aber gegenwärtig

großen Theils verschüttet.

15.

Die Häfnet-Jungfrau.

In dem Schlößlein zu Steinen wohnten vor Zeiten die Zwingherren der

Gegend. Die Tochter eines von ihnen war so hoffärtig, daß sie nicht auf

der bloßen Erde in die Kirche gehen wollte und darum sich stets vom

Schlößlein bis zum Kirchhof, ja über denselben bis zum Gotteshaus einen

Dielenweg legen ließ, der mit Tuch oder Taffet bedeckt werden mußte. Als

sie gestorben und beerdigt war, stand der Sarg in der nächsten Frühe

außen an der Kirchhofmauer, und eben so die zwei folgenden Morgen,

nachdem er jedesmal wieder auf dem Gottesacker eingegraben worden war.

Auf dieses lud man den Sarg auf einen zweirädrigen Wagen, spannte an

letztern zwei junge, schwarze Stiere, welche noch kein Joch getragen,

und ließ sie laufen, wohin sie wollten. Stracks gingen sie auf den

Häfnetbuck, wo sie, im unwegsamen Wald, an einer Quelle stehen blieben.

Hier nun verscharrte man den Sarg, wo er auch im Boden blieb; das

Fräulein aber geht daselbst um, und die Quelle heißt wegen ihr der

_Jungfernbrunnen_. Bei Sonnenaufgang wäscht und kämmt sie sich daran;

aber auch Vorübergehende, die schmutzig und ungestrehlt waren, hat sie

schon in dem Brunnen gewaltsam gereinigt und mit derben Strichen

gekämmt. Beim Schlößlein zeigt sie sich ebenfalls und pflegt dort im

Bach ihr Weißzeug zu waschen[1].

[1] Wie man sieht, sind in Hebel's Gedicht »Die Häfnet-Jungfrau« die

Hauptzüge der Sage beibehalten.

16.

Erdleute.

Als in der Höhle bei Hasel noch Erdleute wohnten, kamen sie nicht

allein in dieses Dorf, sondern auch in die andern Orte der Umgegend. Die

Erdweiblein brachten den Leuten von ihrem frisch gebackenen Kuchen,

wiegten in Abwesenheit der Mütter die kleinen Kinder, fanden Abends mit

ihren Rädern sich in den Spinnstuben ein, blieben aber nie länger, als

bis zehn Uhr, weil sonst, wie sie sagten, ihr Herr sie zanke. Auch

halfen sie und die Erdmännlein Hanf schleißen, das Vieh pflegen (welches

dabei vorzüglich gedieh), die Frucht schneiden und in Garben binden.

Hierbei sprang einmal einem der Männlein ein Knebel so heftig an den

Kopf, daß es ein klägliches Geschrei erhob. Auf dieses liefen alle

Erdleute aus der Nähe herbei und fragten, was geschehen sey; aber als

sie es erfahren, gingen sie mit den Worten: »Selber than, selber han«

wieder auseinander. Bei Hausen hatten sie eine kleine Höhle, die das

_Erdmännleinsloch_ hieß, und in die dortige Hammerschmiede kamen oft

Nachts solche Männlein und arbeiteten wacker mit.

Ein anderes Erdmännlein pflegte bei Nacht in der Wehrer Mühle, wenn der

Müller schlief, für ihn zu mahlen. Weil es immer so schlecht gekleidet

war, ließ er ihm heimlich einen neuen Anzug machen, legte ihn Abends auf

den Mühlstein und dann sich oben an eine Speicheröffnung, um das

Männlein zu beobachten. Als dasselbe kam und die Kleider sah, zog es sie

sogleich an, ging darauf hinweg und betrat die Mühle niemals wieder.

Für ihre Dienstleistungen begehrten die Erdleute nur hie und da Obst

oder reinlich bereiteten Kuchen. Wo sie hinkamen, brachten sie Glück und

Segen; durch Fluchen aber wurden sie augenblicklich vertrieben.

In dem Thälchen zwischen Wehr und Hasel war ein Erdloch, worin ein Mann

einen Dachs vermuthete. Er ließ seinen Hund hinein und hielt einen

offenen Sack hart an dasselbe. Nicht lange, so sprang etwas in den Sack,

welchen der Mann sogleich zuband und, ihn auf den Rücken nehmend, davon

ging. Plötzlich rief in der Nähe ein Erdmännlein: »Krachöhrle! wo bist

du?« »Auf dem Buckel, im Sack!« antwortete aus diesem eine Stimme und

belehrte so den Mann, daß er, statt eines Dachses, ein Erdmännlein

gefangen habe, welches er dann ungesäumt in Freiheit setzte.

17.

Reiter mit Geisfüßen.

Ein Mann aus Zell erzählte. »Als ich in einer Winternacht auf dem

Heimwege in der Hausener Hammerschmiede eingesprochen hatte, hörte ich

nach 11 Uhr einen Reiter herankommen, in dem ich einen Begleiter zu

finden hoffte. Ich machte die Thüre auf und sah im Scheine des

Schmiedfeuers draußen einen Rappen vorbei schreiten, welcher seinen

jenseits neben ihm gehenden Reiter fast ganz verdeckte. Nur so viel

konnte ich wahrnehmen, daß derselbe Ziegenfüße habe. Neugierig folgte

ich ihm bald und war, da er sehr langsam ritt, in Kurzem nicht mehr weit

von ihm. Plötzlich stürzte er mit seinem Pferde links in den

Straßengraben.

Erschrocken rief ich ihm zu, ob ich ihm helfen solle, erhielt jedoch

keine Antwort, und im Graben war Alles mausstille. Da machte ich mich

weiter; aber bald hörte ich den Reiter mir nachsprengen. Um ihn im

Vorüberreiten zu betrachten, blieb ich stehen, allein da hielt auch er,

bis ich wieder fortging. Eben so machte er es, als ich bei der

Ziegelhütte ihn erwartete. An der Zeller Kapelle stellte ich mich zum

dritten Male auf, um ihn beschauen zu können; aber sobald er in ihre

Nähe kam, warf er schnell sein Pferd herum und jagte das Thal hinunter,

daß die Funken umher stoben. Jetzt wußte ich, daß der Reiter ein böser

Geist sey, welchen das Gotteshäuslein davon scheuchte.«

18.

Zigeuner.

Es mag hundert Jahre her seyn, daß im obern Wiesenthal eine Sippschaft

von fünf Zigeunern sich umher trieb. Sie besuchten besonders die

einsamen Höfe und ernährten sich mit Wahrsagen, Betteln und Stehlen.

Dies Letzte erleichterten sie sich dadurch, daß die Einen mit einem

Tonwerkzeug die Leute in die Stube lockten, und während sie ihren Marsch

spielten, welcher lautete:

»Tummelt euch drin,

Tummelt euch draus!«

konnten die Andern in Küche und Keller ungestört einpacken.

Eines Nachmittags begehrte das Zigeunerweib von einer Bäuerin Milch, und

als dieselbe antwortete, sie habe keine, sprach das Weib im Fortgehen:

»So sollt ihr auch keine haben!«

Beim Melken am Abend erhielt die Bäuerin von ihren sämmtlichen Kühen

keinen Tropfen Milch. Wegen all dieses Unfugs ließ endlich die Obrigkeit

die Zigeuner in Zell einsetzen und verurtheilte sie zum Tode.

Unter starker Bedeckung wurden sie aus dem Gefängniß geführt, um zum

Hochgericht zu gehen; allein kaum hatten sie die bloße Erde betreten, so

waren sie verschwunden. Durch eine weit verbreitete Streife fing man sie

zwar wieder ein; aber als man sie hinrichten wollte, ging es gerade wie

das vorige Mal. Hierdurch sicher gemacht, ließen die Zigeuner nach

einiger Zeit sich wieder in der Gegend sehen, und da sie ihr früheres

Unwesen fortsetzten, wurden sie von Neuem festgenommen. Damit sie jedoch

nicht auch diesmal der verdienten Strafe entgehen möchten, ließ man sie

nicht mehr die blose Erde betreten, sondern brachte sie über eine Brücke

aus dem Gefängniß auf den Sünderkarren, und ebenso von diesem auf das

Blutgerüst. Weil unter ihnen eine Jungfrau von außerordentlicher

Schönheit war, ließ die Obrigkeit ausrufen: Wenn Jemand das Mädchen

heirathen wolle, so solle er vortreten und sie in Empfang nehmen; es

würden ihr dann Leben und Freiheit geschenkt. Nicht ohne Hoffnung sah

die Jungfrau sich nach einem Retter um; aber aus Furcht vor ihrer

Heidenkunst meldete sich Keiner, und so ward sie, mit den vier andern

Zigeunern, enthauptet. Die Wiese, auf welcher dies geschehen, wird davon

noch heute die _Heidenmatte_ genannt.

19.

Zaubermelkerei.

Ein Steinhauer aus Zell erzählte: »Ehe ich Meister war, schaffte ich

eines Winters in einer Steingrube bei Rheinfelden. Neben mir arbeitete

ein Geselle, der, wenn er Durst hatte, seinen Spitzhammer in den

Gerüstbalken schlug, auf dem sein Arbeitsstein lag, sodann aus dem

Stiele des Hammers Milch in seinen Filzhut molk und daraus nach

Herzenslust trank. Als er mir auch einmal zu trinken anbot, dankte ich,

weil ich nicht wisse, was das für Milch sey, und darauf erwiderte er:

'Dies ist gewöhnliche Kuhmilch; der Bauer, welchem die Kuh gehört, weiß

aber nicht, warum sie ihm so wenig Milch gibt, und noch weniger, daß er

mich, einen Steinhauer, zum Melker hat.'«

20.

Fronfastenweiber.

In Zell hatte ein Adelsberger Mann für seine niedergekommene Frau ein

Fäßlein guten Weins gekauft, und wollte es in der Nacht heimtragen.

Unterwegs sah er aus der Ferne einige Frauen herbeikommen, die er an

ihren weißen Schleiern für Fronfastenweiber erkannte. Schnell verbarg er

das Fäßlein in den Weggraben und sich selbst eine Strecke davon hinter

eine Staude. Als die Weiber zu dem Fäßlein kamen, lagerten sie sich um

dasselbe, tranken lustig daraus und entfernten sich erst nach einer

guten Weile. Betrübt ging nun der Mann zu dem Fäßlein, welches er halb

ausgetrunken wähnte; allein beim Aufladen fand er es nur wenig leichter

geworden. Zu Hause zapfte er lange Zeit daraus, und als es gar nicht

leer werden wollte, schaute er endlich hinein: da war nichts mehr darin.

Ohne das Hineinsehen wäre aber das Fäßlein niemals leer geworden.

21.

Brennende Männer.

Auf den Matten und Äckern des Wiesenthales erscheinen in manchen

Nächten _brennende Mannen_, die bei ihren Lebzeiten durch Versetzung der

Marksteine ihre Grundstücke betrügerisch vergrößert haben. Mit

Blitzesschnelle fahren sie von einem Ort zum andern, springen den

Leuten, die etwas tragen, darauf, und lassen sich mit fortschleppen.

Einem Bauer von Freiatzenbach, welcher mit einem Sacke Mehl aus der

Zeller Mühle heimging, setzte sich ein solches Gespenst auf den Sack und

ließ sich, immer schwerer werdend, bis an dessen Hausthüre tragen. Als

dieselbe auf des Bauers Klopfen von seiner Frau geöffnet worden, rief

letztere aus: »Was Teufels hast du denn auf dem Sacke?« Da verließ das

Gespenst den Bauer, welcher wohl gemerkt hatte, daß er außer dem Mehle

noch einen brennenden Mann auf dem Rücken habe.

22.

Goldtinktur.

Vor sechszig Jahren lebte in Käsern ein Mann, welcher die Goldtinktur

aus Amerika mitgebracht hatte. Er arbeitete nichts, lag Tag und Nacht in

den Wirthshäusern und spielte um Goldstücke, die sein gewöhnliches Geld

waren. Wenn er solches bedurfte, kaufte er auf dem Werke zu Hausen

Eisenstäbchen, verwandelte sie durch Bestreichung mit der Tinktur in

Gold und ließ sich daraus in Basel Münzen schlagen.

23.

Geist unter der Hölzlesbrücke.

Unter dieser Brücke muß eine Vierthälerin als nächtlicher Geist waschen,

weil sie bei ihren Lebzeiten es oft Sonntag Vormittags gethan hat.

Leute, welche sie neckten, wurden schon von ihr in's Wasser getaucht und

tüchtig gewaschen und gestrehlt.

24.

Heiligkeit des Sonnabends.

Wenn früher die Bergleute Samstag Abends in den Gruben der Kanderner

Gegend arbeiteten, so kam stets das dortige Bergmännlein und verjagte

sie.

25.

Scherben werden zu Goldstücken.

Ein Holzhauer von Egerten, welcher unweit der versunkenen Stadt Nebenau

im Wald arbeitete, sah am Mittag ein Mädchen mit einem Korbe auf dem

Kopfe herbeikommen. In der Meinung, es sey eine Bekannte, die ihren in

der Nähe beschäftigten Leuten das Essen bringe, rief er ihr mit Namen,

und sogleich ließ sie den Korb fallen und lief von dannen. Voll

Verwunderung ging er zu dem Korbe, fand aber nichts, als zerbrochenes

Porzellangeschirr. Von diesem steckte er für seine Kinder viele

Stücklein ein, die, als er sie zu Hause herauszog, lauter Goldmünzen

waren. Sogleich eilte er in den Wald, um die übrigen Scherben zu holen;

allein dieselben waren nicht mehr vorhanden.

26.

Sitzenkirch.

Als die drei jungen Ritter von Kaltenbach in's Kloster gingen, fragte

sie ihre Schwester, was sie nun machen solle. »Sitz in d'Kirch und

bete!« erhielt sie von ihnen zur Antwort. Auf dieses stiftete das

Fräulein im benachbarten Thale ein Frauenkloster und nahm darin den

Schleier. Wegen der Rede ihrer Brüder gab sie dem Gotteshaus den Namen

_Sitzenkirch_, der auch auf das Dorf, welches später dort entstanden,

übergegangen ist.

27.

Die Sausenburg.

Diese Burg, gewöhnlich das Sausenharder Schloß genannt, liegt auf einem

waldigen Berge und ist nicht mehr bewohnbar. Von ihr haben unterirdische

Gänge nach Bürgeln und den Klöstern zu Sitzenkirch und in der Neuenbürg

sich gezogen. Bei Nacht schweben in ihr blaue Lichter umher, und da, wo

sie erlöschen, liegen Schätze vergraben. Auch eine weiße Jungfrau mit

einem Bund Schlüssel spukt daselbst, welche schön singt und an dem

Brünnlein unterhalb des Schlosses sich zu waschen und zu kämmen pflegt.

Manchmal geht sie nach der Neuenbürg und von da nach Bürgeln. Bei dem

Burggärtlein begegnete sie eines Tages einem Mann aus Sitzenkirch und

sagte ihm, seine Haare seyen nicht gekämmt, er solle heimgehen und

dieselben strehlen, was er auch eilig that.

Einem andern Mann, der Nachts zwischen elf und zwölf unterm Schloß

vorbeifuhr, rief sie dreimal: »Komm herauf!« und da er ihr nicht folgte,

jammerte sie: daß erst in hundert Jahren ein Kind geboren werde, welches

wieder sie erlösen könne.

Als sie einst in der Frühe von einem Kanderner Jungen, welcher bei der

Burg Vieh hütete, Brod begehrte, erhielt sie von ihm zur Antwort, er

habe keines. Hätte er »Helf Dir Gott« zu ihr gesagt, so hätte er ihre

Erlösung bewirkt.

Am Morgen des Charfreitags kam sie auf dem Schlosse zu einem Burschen

aus Vogelbach und bot ihm eine große Schachtel dar, mit den Worten:

»Nimm sie hin, dann machest Du mich und Dich glücklich!« Ohne die

Schachtel zu nehmen, ergriff der Bursche die Flucht, worauf er die

Jungfrau klagen hörte, daß sie nun noch lange, lange leiden müsse.

Ein anderes Mal sahen Vorübergehende, daß die weiße Jungfrau die

Schachtel aus einem Burgfenster heraushielt; aber als sie hingingen,

verschwanden Jungfrau und Schachtel. Andern Vorbeigehenden sind von ihr

kleinere Schachteln voll Geld zugeworfen worden. Buben, welche ihr den

Weg verunreinigten, hat sie ihren Bund Schlüssel um die Köpfe

geschlagen, und andere Knaben, die ihr Übles nachredeten, haben von

unsichtbaren Händen Ohrfeigen bekommen.

In einer Nacht gruben vier Männer auf einem Platze des Schlosses

stillschweigend nach einer Kiste voll Geld und es gelang ihnen, sie in

einiger Tiefe aufzufinden. Hierauf stiegen zwei hinab und banden an die

Kiste ein Seil, woran die beiden andern dieselbe heraufzuziehen

begannen. Plötzlich bemerkte der eine, daß über ihnen ein Mühlstein an

einem Bindfaden hing, und ein Männlein, das auf dem Steine saß, mit

einer Scheere nach dem Faden fuhr, um ihn zu durchschneiden. »Halt, der

Mühlstein fällt herunter!« rief der Mann im Schrecken, und sogleich

waren Kiste, Mühlstein und Männlein verschwunden.

An einer andern Stelle sah ein Knabe ein Häuflein glühender Kohlen,

worum auch schwarze lagen. Von den letztern steckte er mehrere ein und

fand sie zu Hause in Geld verwandelt.

Ebenso wurden Spreuer, die ein Vogelbacher Bube von einem Haufen in der

Burg wegnahm, in seiner Tasche zu Goldstücken.

Während ihre Ziegen unter dem Schlosse weideten, gingen einige Jungen

auf dasselbe, wo sie eine Menge schöner, bunter Schneckenhäuslein

umherliegen sahen. Als sie davon einsteckten, rief eine Stimme: »Jaget

die Geisen aus dem Haber!« Sogleich liefen die Knaben zu den Ziegen, die

aber ihren Weideplatz nicht verlassen hatten. Auch war weit und breit

Niemand, von dem der Ruf hätte herrühren können. Zu Hause fanden die

Buben die Schneckenhäuslein in Münzen verwandelt, auf der Burg aber,

wohin sie gleich wieder eilten, kein einziges mehr.

Vor neun Jahren kam am Engel zu Sitzenkirch ein Basler Herr mit seinen

erwachsenen Kindern, einem Sohn und einer Tochter, angefahren und fragte

unverweilt nach einem Knaben, der sie auf die Sausenburg führe. Mit

demselben gingen sie dann hinauf, wobei sie selbst eine Schachtel

trugen, die sie mitgebracht hatten. Oben angekommen, knieeten die Drei

von Basel zum Gebet nieder und ließen nachher aus der Schachtel ein

Eichhörnchen laufen. Hierauf begaben sie sich in den Engel zurück und

fuhren, nachdem sie eine Flasche Wein getrunken, wieder hinweg. Diese

Geschichte verursachte in der Gegend viel Gerede. Manche sagten, das

Eichhörnchen sey die weiße Jungfrau gewesen, die der Basler in seiner

Gewalt gehabt und wieder freigelassen habe; Andere dagegen erklärten

dasselbe für einen Hausgeist, welcher in diese Gestalt beschworen und

auf das Schloß gebannt worden sey.

28.

Kraft des Wolfssegens.

Als in den Waldungen der Sirnitz noch Wölfe hausten, pflegte ein

Schafhirt, welcher dort seine Heerde weidete, täglich beim Austreiben

unterm freien Himmel niederzuknieen und den Wolfssegen zu beten. In

Folge dessen ließen die Wölfe nicht allein die Schafe unangefochten,

sondern sie mischten sich sogar unter sie und thaten mit ihnen ganz

freundlich. Wenn der Hirt sie fort haben wollte, so durfte er nur mit

seiner Peitsche knallen: sie liefen dann ungesäumt weg und kamen an

demselben Tage nicht wieder. Für ihr gutes Verhalten mußte ihnen jedoch

aus der Heerde ein Opfer überlassen werden. Dazu bestimmte der Schäfer

eine junge Ziege, die er mit einer Schafglocke behängte und seiner

Heerde zugesellte. Als sie hübsch groß und fett geworden, sah eines

Tages ein Wolf, der neben ihr saß, bald sie mit gierigen, bald den

Hirten mit bittenden Augen an. »So nimm sie denn!« dachte dieser bei

sich, und im Augenblick faßte der Wolf die Ziege, erwürgte sie und,

nachdem er dreimal mit ihr im Kreis herumgesprungen, warf er sie auf

seinen Rücken und jagte dem Wald zu. Alle andern Wölfe rannten ihm nach,

und als sie tief im Gehölz waren, theilten sie getreulich unter sich ihr

Opfer.

29.

Kind von Gold.

Am Mittag wollte ein Bursch, der einsam auf dem Limberg Geißen hütete,

sich auf einen Steinhaufen zum Essen setzen, da sah er auf demselben ein

kleines Kind liegen, welches ganz von Gold war. Voll Freude hob er es

auf, wickelte es in seine Jacke und trieb dann sein Vieh heimwärts.

Nicht lange, so blieben einige Geißen zurück, er legte seinen Fund ab

und holte sie schleunig herbei. Nun wollte er das Kind wieder nehmen,

aber obgleich Niemand auf den Platz gekommen, war es verschwunden.

Nach der Aussage einer Münsterthaler Frau, die sich des Erdspiegels

bedient, liegt das goldene Kind jetzt im Limberg; es wird aber noch von

einem gefunden, welcher eine weiße Wolljacke anhat.

30.

Kreuz zu St. Trutbert.

In St. Trutbert ist ein silbernes Kreuz, beiläufig zwei Schuh hoch, das

auf der einen Seite den gekreuzigten, auf der andern den weltrichtenden

Heiland zeigt, und einen Kreuzpartikel einschließt. Dasselbe nahmen

einmal die Gläubiger des Klosters weg, um sich bezahlt zu machen; allein

sie konnten es nur bis Kropbach, durchaus nicht weiter, bringen. Auf

Dieses gaben sie es dem Kloster zurück und erließen demselben seine

ganze Schuld.

31.

Geld in Asche verwandelt.

Im Münsterthal stieß einst ein Mädchen beim Graben auf einen Hafen voll

Silbermünzen. Ungesäumt trug sie ihn heim, fand aber dort, statt des

Geldes, lauter Asche darin. Hätte sie, gleich bei Findung der Münzen,

etwas Geweihtes darauf gelegt, so würden sich dieselben nicht mehr haben

verwandeln können.

32.

Brandkorn wird zu Gelde.

In einem Hungerjahr kamen zwei arme Kinder, ein Mädchen und sein

Bruder, aus dem Münsterthal zu einem reichen Bauer und baten ihn um

Brod. Barsch abgewiesen, warteten sie vor dem Hause, bis das Tischtuch

zum Fenster hinaus ausgeschüttelt wurde, wo sie dann die Bröslein

auflasen und verzehrten. Hierauf gingen sie in die Scheuer, worin

gedroschen ward, und suchten die Brandkörner zusammen, um sie ihren

Eltern zu bringen. Auf dem Heimweg wurde dem Mädchen die Schürze und dem

Buben die Kappe, worin sie das Brandkorn trugen, sehr schwer, und als

sie sie zu Hause ausleerten, fiel zu ihrer und ihrer Eltern großen

Freude lauter Geld heraus. Nachdem der reiche Bauer dies erfahren hatte,

ließ er die übrigen Brandkörner auch sammeln und aufbewahren; allein

dieselben wollten sich nicht in Geldstücke verwandeln.

33.

Messen nachgeholt.

Zu Staufen schlief einmal ein Knabe unter dem Abendgottesdienst ein und

wurde beim Zuschließen der Kirche nicht bemerkt. Er erwachte erst in

Mitte der Nacht und sah am Altar einen Geistlichen im Meßgewand, der ihm

winkte, hinzukommen. Unerschrocken ging der Bube zu ihm und diente, auf

dessen Begehren, ihm Messe. Als sie zu Ende war, sagte der Priester dem

Knaben, er solle morgen um dieselbe Zeit sich wieder hier einfinden. In

der Frühe vom Küster aus der Kirche gelassen, offenbarte der Bube das

Geschehene alsbald dem Pfarrer, der ihm rieth, dem Begehren des Geistes

in Allem zu willfahren, demselben jedoch, wenn er sich bedanke, nicht

die Hand, sondern den rechten Rockflügel zu reichen. Diesem folgend,

diente der Knabe in der nächsten Nacht dem Priester abermals Messe und,

auf dessen Bestellung, auch in der dritten Nacht. Nachdem das letzte

Evangelium gelesen war, sprach der Geist zu dem Buben Folgendes: »Aus

meinem Leben her war ich noch schuldig, drei Messen zu lesen, und ich

konnte nicht zur ewigen Ruhe gelangen, bis ich sie abgehalten. Durch

Dich ist mir dieses nun möglich geworden; ich danke Dir dafür und gehe

jetzt ein in die Seligkeit, wohin Du mir bald folgen wirst.« Hierauf

legte er seine Hand auf den Rockflügel, welchen der Knabe ihm hinhielt,

und verschwand. In den Rock hatte sich die Hand schwarz eingebrannt,

weßhalb er, als Merkwürdigkeit, in der Kirche aufbewahrt wurde. Der Bube

war fortan stets in sich gekehrt und bereitete sich zu seinem Tode,

welcher auch in kurzer Zeit erfolgte.

34.

Weiße Jungfrau.

Vor sechszig Jahren sah ein Bube vom Rothenhof, als er zum ersten Male

mit dem Vieh in den dortigen Bergwald fuhr, auf dem Troge des

Tränkbrunnens eine weiße Jungfrau sitzen, die ihm hinwinkte. Erschrocken

eilte er auf den Weideplatz zu den andern Hirtenknaben und erzählte

ihnen, was ihm begegnet. Sie sagten ihm, die weiße Jungfrau sey schon

oft da gesehen worden, und wenn sie ihm wieder winke, solle er nur zu

ihr gehen. Am andern Tage that er dies und wurde von ihr mit folgenden

Worten angeredet. »Du kannst mich aus diesem Gebirge befreien, in

welchem ich schon zweihundert Jahre umgehe, und mir zum Himmel

verhelfen. Komm' heute Nacht um zwölf Uhr wieder hierher, dann wirst Du

von mir erfahren, was Du zu meiner Erlösung zu thun hast!« Nach diesem

war sie verschwunden. Zur bestimmten Zeit kam der Bube zu dem Brunnen,

auf dessen Trog der Geist wieder saß und sprach: »Geh' jetzt dort in den

Wald und hole mir den goldenen Kelch her, den Du unter einer großen

Tanne finden wirst. Es geschieht Dir kein Leid; Du darfst aber weder ein

Wort sprechen, noch Dich durch etwas irren oder schrecken lassen. Habe

ich den Kelch, dann fülle ich ihn hier am Brunnen, trinke ihn aus und

bin erlöst.« Gutes Muthes machte sich der Knabe auf den Weg und kam

richtig zur Tanne, worunter der Kelch sich befand. Da hörte er in der

Luft ein Gesause; er blickte empor und sah über sich einen großen

Mühlstein[2] an einem dünnen Faden hängen, welcher sich schnell

herumdrehte und auf ihn herabzustürzen drohte. Voll Schrecken stieß er

einen Schrei aus und floh über Hals und Kopf zum Brunnen zurück. »Nun

ist es um meine Erlösung geschehen!« klagte die Jungfrau, »und ich muß

wieder warten, bis die kleine Tanne hier zu einem Sägbaum geworden und

aus seinen frisch geschnittenen Brettern eine Wiege für ein neugeborenes

Kind gemacht ist. Wenn dasselbe dann Dein jetziges Alter erreicht hat,

so wird es mich von meinem Leiden befreien.« Hierauf verschwand die

Jungfrau, welche in der Folge wieder öfters am Brunnen gesehen worden

ist.

[2] Andere sagen: ein gewaltiges Schwert.

35.

Geist nieset.

Drei Männer aus Krotzingen gingen einst Nachts von Staufen nach Hause.

Im Hohlweg hörten sie zweimal stark niesen; »Helf' Gott!« sagte jedesmal

der eine, aber als es zum dritten Male nieste, sprach er: »Wenn Dir Gott

nicht hilft, so helfe Dir der Teufel!« Da rief eine klägliche Stimme:

»Hättest Du noch einmal 'helf' Gott' gesagt, so wäre ich jetzt erlöst,

nun aber bin ich ewig verdammt!« und verhallte dann in Jammertönen[3].

[3] Der Schluß dieser Sage ist eben so ungewöhnlich, als unkatholisch.

36.

Der Hunnenfürst mit dem goldenen Kalb.

Bei einem Einfall in Deutschland kamen die Hunnen nach Schlatt,

zerstörten das Frauenkloster bei dem Heilbrunnen und den größten Theil

des Dorfes. Zwischen diesem und dem Rheine trafen sie das Heer der

Deutschen und erlitten eine völlige Niederlage. Ihr Fürst fiel in der

Schlacht; er wurde von ihnen in einen goldenen Sarg gelegt, den ein

silberner und letzteren ein hölzerner umschloß, und mit seinen Schätzen

und einem lebensgroßen goldenen Götzenkalb drei Stunden von der

Hochstraße beerdigt. Über dem Grabe errichteten sie einen mächtigen

Hügel und rechts und links, in geringen Entfernungen, je einen kleinern,

damit die Feinde nicht wissen sollten, wo der Fürst begraben sey. Noch

immer ist dieser mit allen den Kostbarkeiten unaufgefunden. Auf dem

Schlachtfelde läßt in manchen Nächten Kampfgeschrei und Waffengetös

unsichtbarer Streiter sich hören[4].

[4] Diese Erzählung ist genauer, als die unter Nr. 41 des Hauptwerkes

mitgetheilte.

37.

Geistige Nonne.

Die Stifterin des ehemaligen Klosters der Lazaristinnen zu Schlatt

erscheint noch dort in manchen Nächten. In ihrer Ordenstracht, mit

goldglänzenden Schuhen, geht sie schweigend, die Hände übereinander

gelegt, von dem Platze des Klosters durch das Herrengäßlein in die

Herrenreben. Wer ihr über seine _rechte_ Schulter nachschaut, dem

verschwindet sie sogleich, wer es aber über die _linke_ thut, der sieht

sie bis in die erwähnten Reben.

38.

Geld sonnt sich.

Während der Mittagsruhe sahen einmal die Steinbrecher von Biengen auf

dem nahen Schlatter Rebberg einen schimmernden Haufen liegen. »Heute ist

der erste März, da sonnen sich die Schätze,« sprach einer von ihnen und

eilte nach dem Berge. Dort fand er nur thönerne Scherben und nahm einige

zu seinen Genossen mit. Diese zerschlugen sie in kleine Stücke, deren er

etliche einsteckte, um sie seinem Meister zu zeigen. Als er dies am

nächsten Morgen thun wollte, fand er statt ihrer zerschlagene

Silbermünzen, auf dem Berg aber, wohin er sogleich lief, keine Scherben

mehr und keine Geldstücke.

39.

Geldmännlein.

In Hausen an der Möhlin hatte eine Frau ein sogenanntes Geldmännlein.

Dies war eine lebende Kröte, welche sie in einer Schachtel aufbewahrte,

täglich in einem Glase Rothwein badete und dann dasselbe austrank. Jeden

Abend legte sie einen Thaler zu der Kröte in die Schachtel, und am

andern Morgen konnte sie stets zwei solcher Geldstücke herausnehmen.

Nachdem sie so sich genug Vermögen gesammelt, suchte sie das

Geldmännlein zu verschenken, allein sie brachte es nicht an und starb

endlich, ohne es los geworden zu seyn. Da füllte sich gleich das Haus

mit schwarzen Katzen, deren eine bei dem Leichnam sitzen blieb, bis er

begraben wurde. Auch nachdem dies geschehen war, tobten die Katzen in

dem Hause umher, und da sie auf keine Weise hinaus gebracht werden

konnten, ward es von seinen Bewohnern verlassen. Viele Jahre stand es

leer, endlich wurde es ganz neu hergestellt, und seitdem sind die Katzen

daraus verschwunden.

40.

Todter von Erde und Wasser ausgeworfen.

Ein Geizhals in Munzingen hatte viel Geld zusammengescharrt und der

Gemeinde Felder und Gerechtsamen wiederrechtlich entzogen. Nach seinem

Tode litt ihn die Erde nicht in sich, sondern stieß allnächtlich den

Sarg aus dem Grabe. Ebenso wenig duldete ihn das Wasser; denn als man

die Todtenlade durch den Bach in den Rhein flößen wollte, warf jener sie

alsbald an das Ufer.

Auf dieses wandte man sich an einen frommen Priester, welcher dann den

Geist des Verstorbenen herbei beschwur. Derselbe erschien in Gestalt

eines kleinen Schweines; er ward in einen Kasten gesperrt und auf einen

vierspännigen Wagen geladen. Mit diesem mußte nun so lange im Land

umhergefahren werden, bis ein dazu bestimmter namhafter Geldbetrag

verbraucht war. Nur Nachts durfte die Fahrt geschehen, wobei der Wagen

oft so schwer wurde, daß die Pferde ihn kaum fortbrachten. Bergab hatte

er Vorspann, bergauf den Hemmschuh nöthig. Seinen Führern war auferlegt,

daß Geld möglichst bald auszugeben. Zu dem Ende kehrten sie in jedem

Wirthshause ein, bezahlten die kleinste Dienstleistung, durften aber nie

mehr geben, als gefordert wurde. Dem Schweine ward täglich Fressen

vorgesetzt, und es auch stets von ihm verzehrt. Nachdem das Geld

verbraucht war, fuhr der Wagen wie jeder andere, und kehrte nach Hause

zurück. Daselbst ließ der Priester den Geist wieder frei und den Sarg

mit dem Leichnam in das Grab legen. In diesem konnte er nun bleiben, da

auch von des Verstorbenen Erben der Gemeinde ihr entzogenes Eigenthum

zurückgegeben worden war.

41.

Todtenvorschau.

Ein Nachtwächter in Ober-Rimsingen pflegte allnächtlich, wenn er beim

Ausrufen der Stunden an die Kirche kam, knieend ein Vaterunser zu beten.

Während dessen sah er stets diejenigen Ortsbewohner, welchen binnen

vierzehn Tagen der Tod bevorstand, auf den Plätzen des Kirchhofs knieen,

wo sie nachher begraben wurden.

42.

Hexe als Hase.

Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts war Joseph Klingler herrschaftlicher

Jäger in Ober-Rimsingen und als trefflicher Schütze bekannt. Eines Tages

sah er auf dem Felde einen Hasen sorglos in seine Nähe kommen, er schoß

auf ihn, bekam von seinem Gewehr einen heftigen Stoß, und der Hase

hüpfte unverletzt von dannen.

Nachdem ihm dies noch einige Mal begegnet, wandte er sich an die

Kapuziner in Staufen. Von denselben erhielt er eine kleine Ladung

geweihten Pulvers mit der Weisung, dazu nur solche Schrote zu nehmen,

die nicht tödten könnten. Er that es, und als bald nachher der Hase

wieder gegen ihn kam, schoß er auf ihn, ohne vom Gewehr gestoßen zu

werden. Da floh derselbe im schnellsten Laufe nach dem Dorfe, und als

der ihm nacheilende Jäger auch dahin kam, hörte er, daß der Arzt zu der

Frau des Vogtes geholt werde, die einen Schrotschuß empfangen habe.

Jetzt wußte er, wer der Hase gewesen, welchen er fortan nicht wieder zu

Gesicht bekam.

43.

Die Grüninger Kapelle.

Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden · 第 1 / 7 段