Die Benzon entsetzte sich über den tiefern Sinn, der in den Worten des

Prinzen lag, und den sie nach dem, was sich gestern in ihrem Hause

begeben, leicht erraten konnte. Zugleich mußte sie aber die feine

Wendung bewundern, die der Prinz ersonnen, um ohne weitern Anstoß aus

seinem Versteck hervortreten zu dürfen. Weit entfernt, sich auch nur

leise darüber gegen den Fürsten zu äußern, mühte sie sich aber aus der

Lage der Dinge so viel Vorteil zu ziehen als nur möglich. Kreisler und

Meister Abraham, das waren die Personen, von denen sie Verwirrungen

ihrer geheimen Pläne befürchtete, und gegen diese glaubte sie jede Waffe

brauchen zu müssen, die ihr der Zufall in die Hand spielte. Sie

erinnerte den Fürsten daran, was sie ihm über die Leidenschaft gesagt

hatte, die in der Prinzessin Brust empor gelodert. Dem Scharfblick des

Prinzen, führte sie ferner an, könne die Stimmung der Prinzessin

ebensowenig entgangen sein, als Kreislers seltsames überspanntes

Betragen ihm Anlaß genug gegeben haben müsse, irgendein wahnsinniges

Verhältnis zwischen beiden zu vermuten. So sei hinlänglich erklärt,

warum der Prinz den Kreisler auf den Tod verfolgt, warum er, da er den

Kreisler getötet zu haben geglaubt, dem Schmerz, der Verzweiflung der

Prinzessin aus dem Wege gegangen, dann aber, als er von Kreislers Leben

unterrichtet, von Liebe und Sehnsucht getrieben zurückgekehrt sei und

die Prinzessin heimlich beobachtet habe. Niemanden anders als Kreislern

habe daher die Eifersucht gegolten, von der die Verse des Prinzen

sprächen, und es sei um so nötiger und ratsamer, dem Kreisler forthin

keinen Aufenthalt in Sieghartshof zu gestatten, als er mit dem Meister

Abraham ein gegen alle Verhältnisse des Hofes gerichtetes Komplott

geschmiedet zu haben scheine.

Benzon, sprach der Fürst sehr ernsthaft, ich habe darüber nachgedacht,

was Sie mir über die unwürdige Neigung der Prinzessin gesagt haben, und

glaube jetzt von allem auch nicht ein Wort. Fürstliches Blut wallt in

den Adern der Prinzessin. --

Glauben Sie, gnädigster Herr, fuhr die Benzon heftig auf, indem sie bis

unter die Augen errötete, daß das fürstliche Weib über den Pulsschlag,

über die innere Ader des Lebens gebieten könne wie kein anderes?

Sie sind heute in sehr seltsamer Stimmung, Rätin! sprach der Fürst

verdrießlich. -- Ich wiederhole es, entstand in dem Herzen der

Prinzessin irgendeine abgeschmackte Leidenschaft, so war das nur ein

krankhafter Zufall -- ein Krampf sozusagen -- sie leidet ja an Spasmen

-- von dem sie sich sehr bald ganz erholt haben würde. Was aber den

Kreisler betrifft, so ist das ein ganz amüsanter Mensch, dem nur

gehörige Kultur fehlt. Ich kann ihm gar nicht solche übermütige Keckheit

zutrauen, sich der Prinzessin annähern zu wollen. Keck ist er, aber auf

ganz andere Weise. Glauben Sie wohl, Benzon, daß nach seiner

wunderlichen Art gerade eine Prinzessin bei ihm gar kein Glück machen

würde, sollt' es denkbar sein, daß eine dergleichen hohe Person sich

herablassen könnte, in ihn verliebt zu werden. Denn -- Benzon, _entre

nous soit dit_ -- er macht sich gar nicht sonderlich viel aus uns hohen

Häuptern, und das ist eben die lächerliche abgeschmackte Torheit, die

ihn unfähig macht am Hofe zu verweilen. Mag er daher entfernt bleiben:

kehrt er aber zurück, so sei er mir herzlich willkommen. Denn nicht

genug, daß er denn doch, wie ich vom Meister Abraham -- ja den Meister

Abraham, den lassen Sie mir aus dem Spiele, Benzon, die Komplotte, die

er geschmiedet, haben immer zum Wohl des fürstlichen Hauses gereicht.

-- Wie ich doch sagen wollte! Ja! -- -- Nicht genug, daß der

Kapellmeister, wie mir Meister Abraham gesagt, fliehen müssen auf

ungebührliche Weise, unerachtet er von mir freundlich aufgenommen, so

ist und bleibt er ein ganz gescheiter Mensch, der mich amüsiert trotz

seines närrischen Wesens, _et cela suffit!_

Die Rätin erstarrte vor innerer Wut, sich so kalt abgefertigt zu sehen.

Ohne es zu ahnen war sie, als sie fröhlich den Strom hinabschwimmen

wollte, auf eine verborgene Klippe gestoßen. --

Es entstand auf dem Schloßhofe ein großes Geräusch. Eine lange Reihe

Wagen rasselte heran, begleitet von einem starken Kommando

großherzoglicher Husaren. Der Oberhofmarschall, der Präsident, die Räte

des Fürsten, mehrere von der vornehmen Welt aus Sieghartsweiler stiegen

aus. Dorthin war die Nachricht gekommen, daß in Sieghartshof eine wider

das Leben des Fürsten gerichtete Revolution ausgebrochen, und nun kamen

die Getreuen nebst andern Verehrern des Hofes, sich um die Person des

Fürsten zu stellen, und brachten die Verteidiger des Vaterlandes mit,

die sie sich vom Gouverneur mit vieler Mühe erbeten.

Vor lauter Beteurungen der Versammelten, daß sie Leib und Leben für den

gnädigsten Herrn zu opfern bereit seien, kam der Fürst gar nicht zu

Worte. Eben wollt' er endlich beginnen, als der Offizier, der das

Kommando führte, hineintrat und den Fürsten nach dem Operationsplan

fragte.

Es liegt in der menschlichen Natur, daß, wenn die Gefahr, die uns Furcht

einjagte, sich vor unsern Augen auflöst in einen eitlen nichtigen

Popanz, uns dies immer mit großem Unmut erfüllt. Der Gedanke der

wirklichen Gefahr glücklich entgangen zu sein, nicht, daß gar keine

vorhanden, erregt uns Freude.

So geschah es denn auch, daß der Fürst seinen Unmut, seinen Verdruß über

den unnötigen Tumult kaum unterdrücken konnte.

Daß der ganze Lärm über ein Stelldichein eines Kammerdieners mit einer

Zofe, über die romanhafte Eifersüchtelei eines verliebten Prinzen

entstanden, sollte, konnte er das sagen? Er sann hin und her, die

ahnungsvolle Stille im Saal, nur unterbrochen von dem mutigen Sieg

versprechenden Wiehern der Husarenpferde, die draußen hielten, drückte

ihn bleiern nieder.

Endlich räusperte er sich und begann sehr pathetisch: Meine Herren! Die

wunderbare Fügung des Himmels ... -- Was wollen Sie _mon ami?_

Mit dieser an den Hofmarschall gerichteten Frage unterbrach der Fürst

sich selbst. Wirklich hatte der Hofmarschall sich mehrmals gebückt und

durch Blicke zu verstehen gegeben, daß er was Wichtiges zu

hinterbringen. Es kam heraus, daß soeben sich Prinz Hektor melden

lassen.

Des Fürsten Gesicht heiterte sich auf, er sah, daß er über die

vermeintliche Gefahr, in der sein Thron geschwebt, sehr kurz sein und

die ehrwürdige Versammlung wie mit einem Zauberschlage in eine

Bewillkommnungs-Cour umsetzen könne. Er tat dies! --

Nicht lange dauerte es so trat Prinz Hektor herein, in Gala-Uniform

glänzend gekleidet, schön, kräftig, stolz wie der fernhintreffende

Götter-Jüngling. Der Fürst machte ein paar Schritte vorwärts ihm

entgegen, fuhr aber auch gleich zurück, als träfe ihn der Blitz. Dicht

hinter dem Prinzen Hektor her sprang Prinz Ignatius in den Saal. Der

fürstliche Herr wurde leider mit jedem Tage dämischer und

abgeschmackter. Die Husaren auf dem Schloßhofe mußten ihm ganz

ausnehmend gefallen haben, denn er hatte einen Husaren vermocht ihm

Säbel, Tasche und Tschako zu geben, und sich in diese Herrlichkeiten

geputzt. -- So kurbettierte er, als säße er zu Pferde, in kurzen

Sprüngen, mit dem blanken Säbel in der Faust im Saal umher, indem er die

eiserne Scheide tüchtig auf dem Boden nachklirren ließ, und lachte und

kicherte dabei ganz ungemein anmutig. _Partez -- décampez! Allez vous en

-- tout de suite._ So rief der Fürst mit glühenden Augen und donnernder

Stimme dem erschrockenen Ignaz entgegen, der sich ganz geschwind davon

machte.

Keiner von den Anwesenden hatte so wenig Takt, den Prinzen Ignaz, die

ganze Szene zu bemerken. --

Der Fürst, im vollsten Sonnenglanz der vorigen Milde und Freundlichkeit,

sprach nun mit dem Prinzen einige Worte und dann gingen beide, der Fürst

und der Prinz, im Kreise der Versammelten umher und redeten mit diesem,

jenem ein paar Worte. Die Cour war beendigt, d. h. die geistreichen,

tiefsinnigen Redensarten, deren man sich bei solcher Gelegenheit zu

bedienen pflegt, waren gehörig verspendet, und der Fürst begab sich mit

dem Prinzen in die Gemächer der Fürstin, dann aber, da der Prinz darauf

bestand die geliebte Braut zu überraschen, in das Gemach der Prinzessin.

Sie fanden Julia bei ihr.

Mit der Hast des feurigsten Liebhabers flog der Prinz hin zur

Prinzessin, drückte ihre Hand hundertmal zärtlich an die Lippen, schwur,

daß er nur in dem Gedanken an sie gelebt, daß ein unglückliches

Mißverständnis ihm die Qualen der Hölle bereitet, daß er die Trennung

von der, die er anbete, nicht länger ertrage könne, daß nun ihm alle

Seligkeit des Himmels aufgegangen. --

Hedwiga empfing den Prinzen mit unbefangener Heiterkeit, die ihr sonst

eben nicht eigen. Sie begegnete den zärtlichen Liebkosungen des Prinzen

geradeso, wie es eine Braut wohl tun mag, ohne sich im voraus zu viel zu

vergeben; ja sie verschmähte es nicht, den Prinzen mit seinem Versteck

ein wenig aufzuziehn und zu versichern, daß sie keine Verwandlung

hübscher und anmutiger sich denken könne, als die eines Haubenstocks in

einen Prinzenkopf. Denn für einen Haubenstock habe sie den Kopf

gehalten, der sich in dem Giebelfenster des Pavillons blicken lassen.

Dies gab Anlaß zu allerlei artigen Neckereien des glücklichen Paars, die

selbst den Fürsten zu ergötzen schienen. Nun glaubte er den großen

Irrtum der Benzon rücksichts des Kreisler erst recht einzusehen, da nach

seiner Meinung Hedwiga's Liebe zu dem schönsten der Männer sich deutlich

genug aussprach. Geist und Körper der Prinzessin schienen in der

seltenen hohen Blüte zu stehen, wie sie glücklichen Bräuten ganz

besonders eigen. -- Gerade entgegengesetzt verhielt es sich mit Julien.

Sowie sie den Prinzen erblickte, bebte sie zusammen von innerm Schauer

erfaßt. Blaß wie der Tod stand sie da mit tief zu Boden gesenkten Augen,

keiner Bewegung mächtig, kaum fähig, sich aufrecht zu erhalten. --

Nach einer guten Weile wandte sich der Prinz zu Julien mit den

Worten: Fräulein Benzon, wenn ich nicht irre?

Eine Freundin der Prinzessin von der frühsten Kindheit her, gleichsam

ein Schwesternpaar. Während der Fürst diese Worte sprach, hatte der

Prinz Julia's Hand gefaßt und ihr leise, leise zugehaucht: Nur du

bist's, die ich meine! -- Julia schwankte, Tränen der bittersten Angst

drängten sich unter den Wimpern hervor; sie wäre niedergestürzt, hätte

die Prinzessin nicht schnell einen Sessel herbeigeschoben.

Julia, sprach die Prinzessin leise, indem sie sich über die Ärmste

hinüberbeugte, Julia, fasse Dich doch nur! -- Ahnest Du denn nicht den

harten Kampf, den ich kämpfe. -- Der Fürst öffnete die Türe und rief

nach Eau de Luce. Solches führe ich nicht bei mir, sprach der ihm

entgegentretende Meister Abraham, aber guten Äther. Ist jemand

ohnmächtig geworden? -- Äther hilft auch! --

So kommt schnell herein, Meister Abraham, erwiderte der Fürst, und helft

Fräulein Julien.

Doch sowie Meister Abraham in den Saal trat, sollte sich das Unerwartete

begeben.

Geisterbleich starrte Prinz Hektor den Meister an, sein Haar schien

sich zu sträuben, kalter Angstschweiß ihm auf der Stirne zu stehen.

Einen Schritt vorwärts, den Leib zurückgebogen, die Arme dem Meister

entgegengestreckt, war er dem Macbeth zu vergleichen, wenn plötzlich

Banko's entsetzliches blutiges Gespenst den leeren Platz der Tafel

füllt. -- Ruhig holte der Meister sein Fläschchen hervor und wollte sich

Julien nahen.

Da war es, als ermanne sich der Prinz wieder zum Leben. Severino, seid

Ihr's selbst? So rief der Prinz mit dem dumpfen Ton des tiefsten

Entsetzens. Allerdings, erwiderte Meister Abraham, ohne im mindesten aus

seiner Ruhe zu kommen, ohne nur die Miene zu verändern, allerdings. Es

ist mir sehr lieb, daß Ihr Euch meiner erinnert, gnädigster Herr; ich

hatte die Ehre Euch vor etlichen Jahren in Neapel einen kleinen Dienst

zu erzeigen.

Der Meister trat noch einen Schritt vorwärts da faßte ihn der Prinz beim

Arm, zog ihn mit Gewalt auf die Seite, und nun erfolgte ein kurzes

Gespräch, von dem niemand der im Saal Befindlichen etwas verstand, da es

zu schnell und im neapolitanischen Dialekt geführt wurde.

Severino! -- wie kam der Mensch zu dem Bildnis?

Ich gab es ihm zur Schutzwehr gegen Euch.

Weiß er?

Nein!

Werdet Ihr schweigen?

Zur Zeit -- ja!

Severino! -- alle Teufel sind mir auf den Hals gehetzt! Was nennt Ihr

zur Zeit?

Solange Ihr artig seid und den Kreisler in Ruhe laßt und auch jene da!

-- Nun ließ der Prinz den Meister los und trat an ein Fenster. -- Julia

hatte sich indessen erholt. Mit dem unbeschreiblichen Ausdruck

herzzerreißender Wehmut den Meister Abraham anschauend, lispelte sie

mehr als daß sie sprach: O mein guter, lieber Meister, Ihr könnt mich

wohl retten! -- Nicht wahr, Ihr gebietet über so manches? -- Eure

Wissenschaft kann noch alles zum Guten lenken! -- Der Meister gewahrte

in Julia's Worten den wunderbarsten Zusammenhang mit jenem Gespräch, als

habe sie in der höhern Erkenntnis des Traums alles verstanden und wisse

um das ganze Geheimnis!

Du bist ein frommer Engel, sprach der Meister Julien leise ins Ohr, und

darum hat der finstre Höllengeist der Sünde keine Macht über Dich.

Vertraue Dich mir ganz; fürchte nichts und fasse Dich mit aller Kraft

des Geistes. -- Denke auch an unsern Johannes.

Ach, rief Julia schmerzlich, ach Johannes! -- er kehrt zurück, nicht

wahr, Meister? ich werde ihn wiedersehen!

Gewiß, erwiderte der Meister und legte den Finger auf den Mund; Julia

verstand ihn. --

Der Prinz mühte sich, unbefangen zu scheinen; er erzählte, daß der Mann,

den man hier, wie er vernehme, Meister Abraham nenne, vor mehreren

Jahren in Neapel Zeuge einer sehr tragischen Begebenheit gewesen sei, in

die er, der Prinz, selbst verflochten, wie er gestehen müsse. -- Diese

Begebenheit zu erzählen sei jetzt nicht an der Zeit, doch wolle er

künftig nicht damit zurückhalten. --

Der Sturm im Innern war zu heftig, als daß sein Tosen nicht auf der

Oberfläche hätte sichtbar sein sollen, und so stimmte des Prinzen

verstörtes Antlitz, dem jeder Blutstropfen entschwunden schien, sehr

schlecht überein mit dem gleichgültigen Gespräch, zu dem er sich nun

zwang, um nur über den kritischen Moment hinwegzukommen. Besser als dem

Prinzen gelang es der Prinzessin, die Spannung des Augenblicks zu

besiegen. Mit der Ironie, die selbst den Argwohn, die Verbittrung

verflüchtigt zum feinsten Hohn, neckte Hedwiga den Prinzen umher in dem

Labyrinth seiner eignen Gedanken. Er, der gewandteste Weltmann, noch

mehr, ausgerüstet mit allen Waffen einer Ruchlosigkeit, die alles

Wahrhafte, jede Gestaltung des Lebens vernichtet, vermochte nicht diesem

seltsamen Wesen zu widerstehen. Je lebhafter Hedwiga sprach, je feuriger

und zündender die Blitze des geistreichen Spottes einschlugen, desto

verwirrter, beängstigter schien sich der Prinz zu fühlen, bis dies

Gefühl zum Unerträglichen stieg und er sich schnell entfernte.

Dem Fürsten geschah das, was ihm bei solchen Anstößen jedesmal zu

geschehen pflegte; er wußte gar nicht, was er von dem allen denken

sollte. Er begnügte sich mit einigen französischen Brocken ohne

sonderliche Bedeutung, die er dem Prinzen zuwarf und die dieser mit

ebensolchen erwiderte.

Der Prinz war schon zur Türe heraus, als Hedwiga plötzlich, im ganzen

Wesen verändert zum Fußboden niederstarrte und mit einem seltsamen das

Herz durchschneidenden Ton laut rief: Ich sehe die blutige Spur des

Mörders! -- Dann schien sie aus dem Traum zu erwachen, drückte Julien

stürmisch an ihre Brust und lispelte ihr zu: Kind, mein armes Kind, laß

Dich nicht betören!

Geheimnisse, Einbildungen, Albernheiten, Romanenstreiche, sprach der

Fürst verdrießlich. _Ma foi,_ ich kenne meinen Hof nicht mehr! Meister

Abraham! Ihr bringt meine Uhren in Ordnung, wenn sie nicht richtig

gehen; ich wollt', Ihr könntet hier nachsehen, was für Schaden das

Räderwerk genommen, das sonst niemals stockte. -- Doch was ist das mit

dem Severino?

Unter diesem Namen, erwiderte der Meister, ließ ich in Neapel meine

optische und mechanische Kunststücke sehen.

So -- so, sprach der Fürst, sah den Meister starr an, als schwebe ihm

eine Frage auf den Lippen, drehte sich aber dann schnell um und verließ

schweigend das Zimmer. --

Man hatte geglaubt, die Benzon befinde sich bei der Fürstin, dem war

aber nicht so; sie hatte sich in ihre Wohnung begeben.

Julia sehnte sich nach der freien Luft; der Meister führte sie in den

Park und lustwandelnd durch die halbentlaubten Gänge sprachen sie von

Kreisler und seinem Aufenthalt in der Abtei. Sie waren an das

Fischerhäuschen gekommen. Julia trat hinein, um sich zu erholen;

Kreislers Brief lag auf dem Tisch; der Meister meinte, es sei gar nichts

darin, das Julia Scheu tragen dürfe zu erfahren.

Während Julia den Brief gelesen, hatten sich ihre Wangen höher gefärbt,

und sanftes Feuer, Abglanz des erheiterten Gemüts, strahlte aus ihren

Augen.

Siehst du wohl, mein liebes Kind, sprach der Meister freundlich, wie der

gute Geist meines Johannes auch aus der Ferne tröstend zu Dir spricht?

Was hast Du von bedrohlichen Anschlägen zu fürchten, wenn

Standhaftigkeit, Liebe und Mut Dich schützen vor den Bösen, die Dir

nachstellen.

Barmherziger Himmel, rief Julia mit emporgerichtetem Blick, schütze mich

nur vor mir selber! Sie erbebte wie im jähen Schreck über die Worte, die

sie willenlos ausgestoßen. Halb ohnmächtig sank sie in den Sessel und

bedeckte mit beiden Händen ihr glühendes Antlitz.

Ich verstehe dich nicht Mädchen, sprach der Meister, du verstehst Dich

vielleicht selbst nicht und darum magst Du Dein eignes Inneres recht auf

den Grund erforschen und Dir nichts etwa verschweigen aus weichlicher

Schonung. --

Der Meister überließ Julien dem tiefen Nachsinnen, in das sie versunken,

und schaute mit übereinander geschlagenen Armen zu der geheimnisvollen

Glaskugel. Da schwoll ihm die Brust vor Sehnsucht und wunderbarer

Ahnung.

Dich muß ich ja fragen, sprach er, mit dir muß ich mich ja beraten, mit

dir, du meines Lebens schönes, herrliches Geheimnis! Schweige nicht, laß

deine Stimme hören! -- Du weißt es ja, niemals war ich ein gemeiner

Mensch, unerachtet mich manche dafür hielten. Denn in mir glühte alle

Liebe, die der ewige Weltgeist selbst ist und der Funke glimmte in

meiner Brust, den der Hauch deines Wesens anfachte zur hellen fröhlichen

Flamme! -- Glaube nicht, Chiara, daß dies Herz darum, weil es älter

worden, vereiset ist und nicht mehr so rasch zu schlagen vermag als

damals, da ich dich dem unmenschlichen Severino entriß; glaube nicht,

daß ich jetzt weniger deiner wert geworden, als ich es damals war, da du

selbst mich aufsuchtest! -- Ja! -- laß nur deine Stimme hören, und ich

will mit der Hast des Jünglings dem Ton so lange nachrennen, bis ich

dich gefunden, und dann wohnen wir wieder zusammen und treiben in

zauberischer Gemeinschaft die höhere Magie, welche alle Menschen, selbst

die allgemeinsten, notgedrungen erkennen ohne daran zu glauben. -- Und

wandelst du nicht mehr leiblich hier auf Erden, spricht deine Stimme aus

der Geisterwelt zu mir herab, so bin ich auch damit zufrieden und werde

auch dann wohl noch ein tüchtigerer Kerl, als ich jemals gewesen. -- Doch

nein nein! Wie lauteten die tröstenden Worte, die du zu mir sprachst?

Nicht erfaßt der bleiche Tod,

Die im Herzen Liebe tragen;

Dem glänzt noch das Abendrot,

Der am Morgen wollt' verzagen!

Meister, rief Julia, die sich aus dem Sessel erhoben und dem Alten in

tiefstem Erstaunen zugehorcht hatte, Meister! mit wem redet Ihr? was

wollt Ihr beginnen? -- Ihr nanntet den Namen: Severino, güt'ger Himmel!

redete der Prinz, als er sich von seinem Entsetzen erholt hatte, Euch

nicht selbst an mit diesem Namen? Welches furchtbare Geheimnis liegt

hier verborgen?

Der Alte kam bei diesen Worten Julia's augenblicklich aus dem erhöhten

Zustande zurück, und auf seinem Gesicht verbreitete sich, wie es schon

lange nicht mehr geschehen, jene seltsame beinahe grinsende

Freundlichkeit, die mit seinem übrigens treuherzigen Wesen in dem

wunderlichsten Zwiespalt stand und seiner ganzen Erscheinung den

Anstrich einer etwas unheimlichen Karikatur gab.

Mein schönes Fräulein, sprach er mit dem grellen Ton, in dem

aufschneiderische Geheimniskrämer gewöhnlich ihre Wunder anzupreisen

pflegen, mein schönes Fräulein, nur ein wenig Geduld, ich werde bald die

Ehre haben Ihnen hier im Fischerhäuschen die allerwunderbarsten Dinge zu

zeigen. -- Diese tanzenden Männlein, dieser kleine Türke, welcher weiß,

wie alt jeder in der Gesellschaft ist, diese Automate, diese

Palingenesien, diese deformierten Bilder, diese optischen Spiegel

-- alles hübsches magisches Spielzeug, aber das Beste fehlt mir noch.

Mein unsichtbares Mädchen ist da! -- Bemerken Sie, dort oben sitzt sie

bereits in der Glaskugel. Sie spricht aber noch nicht, sie ist noch müde

von der weiten Reise, denn sie kommt gerades Weges aus dem fernen

Indien. -- In einigen Tagen, mein schönes Fräulein, kommt meine

Unsichtbare und dann wollen wir sie befragen wegen des Prinzen Hektor,

wegen Severino und anderer Begebnisse der Vergangenheit und Zukunft!

-- Für jetzt nur etwas weniges schlichtes Amüsement.

Damit sprang der Meister mit der Schnelle und Lebendigkeit eines

Jünglings im Zimmer umher, zog die Maschine an, ordnete die magischen

Spiegel. Und in allen Winkeln wurde es rege und lebendig; die Automaten

schritten daher und drehten die Köpfe, und ein künstlicher Hahn

schlug mit den Flügeln und krähte, während Papageien gellend

dazwischenkreischten, und Julia selbst und der Meister standen draußen

so gut wie im Zimmer. Julien wollte, unerachtet sie an dergleichen

Possen genugsam gewöhnt, dennoch bei der seltsamen Stimmung des Meisters

ein Grauen anwandeln. Meister, sprach sie ganz erschrocken, was ist Euch

widerfahren?

Kind, erwiderte der Meister in seiner ernsten Manier, Kind etwas Schönes

und Wunderbares, aber es taugt nicht recht, daß Du es erfährst. Doch!

-- laß die lebendigtoten Dinger hier ihre Faxen ausspielen, während ich

Dir von manchem so viel vertraue, als Dir zu wissen nötig und nützlich.

-- Meine liebe Julia, Deine eigne Mutter hat Dir ihr mütterliches Herz

verschlossen, ich will es Dir öffnen, daß Du hinein zu blicken, daß Du

die Gefahr, in der Du schwebst, zu erkennen und Dich ihr zu entziehen

vermagst. -- Erfahre also fürs erste ohne weitere Umschweife, daß Deine

Mutter nichts Geringeres fest in ihrem Sinn beschlossen hat, als

Dich ----

=(M. f. f.)= -- es indessen lieber bleiben lassen. -- Katerjüngling, sei

bescheiden wie ich, und nicht gleich überall bei der Hand mit deinen

Versen, wenn die schlichte, ehrliche Prosa hinreicht, deine Gedanken

auszuspinnen. -- Verse sollen in dem in Prosa geschriebenen Buche das

leisten was der Speck in der Wurst, nämlich hin und wieder in kleinen

Stückchen eingestreut, dem ganzen Gemengsel mehr Glanz der Fettigkeit,

mehr süße Anmut des Geschmacks verleihen. Ich fürchte nicht, daß

dichterische Kollegen dies Gleichnis zu gemein und unedel finden werden,

da es von unsrer Lieblingsspeise entnommen und in der Tat manchmal ein

guter Vers einem mittelmäßigen Roman ebenso dienlich sein kann, als ein

fetter Speck einer magern Wurst. Ich sage das als ein Kater von

ästhetischer Bildung und Erfahrung. So sehr es nach meinen bisherigen

philosophischen und moralischen Grundsätzen Ponto's ganzes Verhältnis,

seine Lebensweise, seine Art sich in der Gunst des Herrn zu erhalten mir

unwürdig, ja ein wenig miserabel vorkommen mochte, doch hatte mich sein

ungezwungener Anstand, seine Eleganz, seine anmutige Leichtigkeit im

sozialen Umgange gar sehr bestochen. Mit aller Gewalt wollte ich mich

selbst überreden, daß ich bei meiner wissenschaftlichen Bildung, bei

meinem Ernst in allem Tun und Treiben auf einer viel höheren Stufe stehe

als der unwissende Ponto, der nur hier und da etwas von den

Wissenschaften aufgeschnappt. Ein gewisses gar nicht zu unterdrückendes

Gefühl sagte mir aber ganz unverhohlen, daß Ponto überall mich in den

Schatten stellen würde; ich fühlte mich gedrungen, einen vornehmern

Stand anzuerkennen und den Pudel Ponto zu diesem Stande zu rechnen. --

Ein genialer Kopf wie der meinige hat bei jedem Anlaß, bei jeder

Lebenserfahrung immer seine besonderen eigentümlichen Gedanken, und so

geriet ich auch, meine innere Seelenstimmung, mein ganzes Verhältnis mit

Ponto wohl überlegend, in allerlei sehr artige Betrachtungen, die der

ferneren Mitteilung wohl wert sind. -- Wie kommt es, sprach ich zu mir

selbst, indem ich sinnig die Pfote an die Stirn legte, wie kommt es, daß

große Dichter, große Philosophen, sonst geistreich, sich im sozialen

Verhältnis mit der sogenannten vornehmeren Welt so unbehilflich zeigen?

Sie stehen jederzeit da, wo sie eben in dem Augenblick nicht hingehören,

sie sprechen wenn sie gerade schweigen sollten, und schweigen umgekehrt

da, wo gerade Worte nötig, sie stoßen in -- der Form der Gesellschaft,

wie sie sich nun eben gestaltet hat, entgegengesetztem -- Streben

überall an und verletzen sich selbst und andere; genug sie gleichen dem,

der, wenn eben eine ganze Reihe muntrer Spaziergänger einträchtig

hinauswandelt, sich allein zum Tore hineindrängt und nun, mit Ungestüm

seinen Weg verfolgend, diese ganze Reihe verstört. Man schreibt, ich

weiß es, dies dem Mangel gesellschaftlicher Kultur zu, die am

Schreibtische nicht zu erlangen, ich meine indessen, daß diese Kultur

gar leicht zu erlangen sei, und daß jene unbesiegbare Unbehülflichkeit

wohl noch einen andern Grund haben müsse. -- Der große Dichter oder

Philosoph müßte es nicht sein, wenn er seine geistige Überlegenheit

nicht fühlen sollte; aber ebenso müßte er nicht das jedem geistreichen

Menschen eigne tiefe Gefühl besitzen, um nicht einzusehen, daß jene

Überlegenheit deshalb nicht anerkannt werden darf, weil sie das

Gleichgewicht aufhebt, das stets zu erhalten die Haupttendenz der

sogenannten vornehmeren Gesellschaft ist. Jede Stimme darf nur

eingreifen in den vollkommenen Akkord des Ganzen, aber des Dichters Ton

dissoniert, und ist, kann er unter Umständen auch ein sehr guter sein,

dennoch in dem Augenblick ein schlechter Ton, weil er nicht zum Ganzen

paßt. -- Der gute Ton besteht aber so wie der gute Geschmack in der

Unterlassung alles Ungehörigen. Nun meine ich ferner, daß der Unmut, der

sich aus dem widersprechenden Gefühl der Überlegenheit und der

ungehörigen Erscheinung bildet, den in dieser sozialen Welt unerfahrnen

Dichter oder Philosophen hindert, das Ganze zu erkennen und darüber zu

schweben. Es ist nötig, daß er in dem Augenblick seine innere geistige

Überlegenheit nicht zu hoch anschlage und unterläßt er dies, so wird er

auch die sogenannte höhere gesellschaftliche Kultur, die auf nichts

anders hinausläuft als auf das Bemühen, alle Ecken, Spitzen wegzuhobeln,

alle Physiognomien zu einer einzigen zu gestalten, die eben deshalb

aufhört eine zu sein, nicht zu hoch anschlagen. Dann wird er, verlassen

von jenem Unmut, unbefangen, das innerste Wesen dieser Kultur und die

armseligen Prämissen, worauf sie beruhet, leicht erkennen und schon

durch die Erkenntnis sich einbürgern in die seltsame Welt, welche eben

diese Kultur als unerläßlich fordert. -- Auf eigne Weise verhält es sich

mit den Künstlern, die, so wie Dichter, Schriftsteller, der Vornehme hie

und da in seine Zirkel ladet, um der guten Sitte nach auf eine Art von

Mäzenat Anspruch machen zu können. Diesen Künstlern klebt leider

gewöhnlich etwas vom Handwerk an, und deshalb sind sie entweder demütig

bis zur Kriecherei oder ungezogen bis zur Bengelhaftigkeit.

(=Anmerk. des Herausgeb.:= -- Murr, es tut mir leid, daß du dich so

oft mit fremden Federn schmückst. Du wirst, wie ich mit Recht

befürchten muß, dadurch bei den geneigten Lesern merklich

verlieren. -- Kommen alle diese Betrachtungen, mit denen du dich so

brüstest, nicht geradehin aus dem Munde des Kapellmeisters Johannes

Kreisler, und ist es überhaupt möglich, daß du solche

Lebensweisheit sammeln konntest, um eines menschlichen

Schriftstellers Gemüt, das wunderlichste Ding auf Erden, so tief zu

durchschauen!)

Warum, dachte ich ferner, sollt' es aber einem geistreichen Kater, ist

er auch Dichter, Schriftsteller, Künstler, nicht gelingen können, sich

zu jener Erkenntnis der höhern Kultur in ihrer ganzen Bedeutsamkeit

hinaufzuschwingen und sie selbst zu üben mit aller Schönheit und Anmut

der äußern Erscheinung? -- Hat denn die Natur dem Geschlecht der Hunde

allein den Vorzug jener Kultur gegönnt? Sind wir Kater, was Tracht,

Lebensweise, Art und Gewohnheit betrifft, auch etwas von dem stolzen

Geschlecht verschieden, so haben wir doch ebensogut Fleisch und Blut,

Körper und Geist, und am Ende können es die Hunde auch gar nicht anders

anfangen als wir, ihr Leben fortzusetzen. Auch Hunde müssen essen,

trinken, schlafen u. s. w. und es tut ihnen weh, wenn sie geprügelt

werden. -- Was weiter! -- ich beschloß mich dem Unterricht meines jungen

vornehmen Freundes, des Pudels Ponto hinzugeben, und ganz mit mir einig,

begab ich mich zurück in meines Meisters Zimmer; ein Blick in den

Spiegel überzeugte mich, daß der bloße ernste Wille nach höherer Kultur

zu streben schon vorteilhaft auf meine äußere Haltung gewirkt. -- Ich

betrachtete mich mit dem innigsten Wohlgefallen. -- Gibt es einen

behaglichern Zustand, als wenn man mit sich selbst ganz zufrieden ist?

-- Ich spann! --

Andern Tages begnügte ich mich nicht damit, vor der Türe zu sitzen, ich

lustwandelte die Straße herab, da erblickte ich in der Ferne den Herrn

Baron Alcibiades von Wipp, und hinter ihm her sprang mein munterer

Freund Ponto. Gelegeners konnte mir nichts kommen; ich nahm mich soviel

wie möglich in Anstand und Würde zusammen und näherte mich dem Freunde

mit jener unnachahmlichen Grazie, die, unschätzbares Geschenk der

gütigen Natur, keine Kunst zu lehren vermag. -- Doch! -- entsetzlich!

Was mußte geschehen! -- Sowie mich der Baron gewahrte, blieb er stehen

und betrachtete mich sehr aufmerksam durch die Lorgnette, dann rief er

aber: Allons -- Ponto! Huß -- Huß! -- Katz! Katz! -- Und Ponto, der

falsche Freund sprang in voller Furie auf mich los! -- Entsetzt, aus

aller Fassung gebracht durch den schändlichen Verrat, war ich keines

Widerstandes fähig, sondern duckte mich so tief nieder als ich konnte,

um Pontos scharfen Zähnen zu entgehen, die er mir knurrend zeigte. Ponto

sprang aber mehrmals über mich hinweg ohne mich zu fassen, und flüsterte

mir in die Ohren: Murr! Sei doch kein Tor und fürchte dich etwa! -- du

siehst ja, daß es kein Ernst ist, ich tue das nur meinem Herrn zu

Gefallen! Nun wiederholte Ponto seine Sprünge und tat sogar, als packe

er mich bei den Ohren, ohne mir indessen im mindesten wehe zu tun.

Jetzt, raunte mir Ponto endlich zu, jetzt trolle dich ab, Freund Murr!

dort hinein ins Kellerloch! -- Ich ließ mir das nicht zweimal sagen

sondern fuhr schnell davon, wie der Blitz. -- Unerachtet der

Versicherung Ponto's, mir keinen Schaden zuzufügen, war mir doch nicht

wenig bange, denn wissen kann man in solchen kritischen Fällen immer

nicht recht, ob die Freundschaft stark genug sein wird, das angeborne

Naturell zu besiegen. --

Als ich hinein gehuscht war in den Keller, spielte Ponto die Komödie,

die er seinem Herrn zu Ehren begonnen, weiter fort. Er knurrte und

bellte nämlich vor dem Kellerfenster, steckte die Schnauze durch das

Gitter, tat, als sei er ganz außer sich darüber, daß ich ihm entwischt

sei und er mich nun nicht verfolgen könne. Siehst du, sprach aber Ponto

zu mir in den Keller hinein, siehst du, erkennst du nun aufs neue die

ersprießlichen Folgen der höhern Kultur? -- In dem Augenblick habe ich

mich gegen meinen Herrn artig, folgsam bewiesen, ohne mir deine

Feindschaft zuzuziehen, guter Murr. So macht es der wahre Weltmann, den

das Schicksal bestimmt hat, Werkzeug in der Hand eines Mächtigeren zu

sein. Angehetzt muß er losfahren aber dabei so viel Geschick beweisen,

daß er nur dann wirklich beißt, wenn es gerade auch in seinen eignen

Kram taugt. -- In aller Schnelle eröffnete ich meinem jungen Freunde

Ponto, wie ich gesonnen sei etwas von seiner höhern Kultur zu

profitieren und fragte, ob und auf welche Weise er mich vielleicht in

die Lehre nehmen könne. -- Ponto sann einige Minuten nach und meinte

dann, am besten sei es, wenn mir gleich anfangs ein lebendiges

deutliches Bild der höheren Welt aufgehe, in der er jetzt zu leben das

Vergnügen habe, und dies könne nicht besser geschehen, als wenn ich ihn

heute abend zur niedlichen Badine begleite, die gerade während der

Theaterzeit Gesellschaft bei sich sähe. -- Badine war aber Windspiel in

Diensten der fürstlichen Oberhofmeisterin. --

Ich putzte mich heraus so gut ich es vermochte, las noch etwas im

Knigge und durchlief auch ein paar ganz neue Lustspiele von Picard, um

nötigenfalls mich auch im Französischen geübt zu zeigen, und ging dann

hinab vor die Türe. Ponto ließ nicht lange auf sich warten. Wir

wandelten einträchtig die Straße hinab und gelangten bald in Badinens

hell erleuchtetes Zimmer, wo ich eine bunte Versammlung von Pudeln,

Spitzen, Möpsen, Bolognesern, Windspielen vorfand, teils im Kreise

sitzend, teils gruppenweise in die Winkel verteilt. --

Das Herz klopfte mir nicht wenig in dieser fremdartigen Gesellschaft mir

feindlicher Naturen. Mancher Pudel blickte mich an mit einer gewissen

verächtlichen Verwunderung, als wolle er sagen: Was will ein gemeiner

Kater unter uns sublimen Leuten. Hin und wieder fletschte auch wohl ein

eleganter Spitz die Zähne, so daß ich merken konnte, wie gern er mir in

die Haare gefahren wäre, hätte der Anstand, die Würde, die sittige

Bildung der Gäste nicht jede Prügelei als unschicklich verboten. -- Ponto

riß mich aus der Verlegenheit, indem er mich der schönen Wirtin

vorstellte, die mit anmutiger Herablassung versicherte, wie sehr sie

sich freue einen Kater von meinem Ruf bei sich zu sehen. -- Nun erst,

als Badine einige Worte mit mir gesprochen, schenkte mir dieser, jener

mit wahrhaft hündischer Bonhommie mehr Aufmerksamkeit, redete mich auch

wohl an und gedachte meiner Schriftstellerei, meiner Werke, die ihm

zuweilen ordentlichen Spaß gemacht. Das schmeichelte meiner Eitelkeit

und ich gewahrte kaum, daß man mich fragte ohne meine Antworten zu

beachten, daß man mein Talent lobte, ohne es zu kennen, daß man meine

Werke pries, ohne sie zu verstehen. -- Ein natürlicher Instinkt lehrte

mich antworten, wie ich gefragt wurde, nämlich ohne Rücksicht auf diese

Fragen überall kurz absprechen in solch' allgemeinem Ausdrücken, daß sie

auf alles nur mögliche bezogen werden konnten, durchaus keiner Meinung

sein und nie das Gespräch von der glatten Oberfläche hinunterziehen

wollen in die Tiefe. -- Ponto versicherte mir im Vorbeistreifen, daß ein

alter Spitz ihm versichert, wie ich für einen Kater amüsant genug sei

und Anlagen zur guten Konversation zeige. -- So etwas erfreut auch den

Mißmütigen! --

-- Jean Jacques Rousseau gesteht, als er in seinen Bekenntnissen auf

die Geschichte von dem Bande kommt, das er stahl und ein armes

unschuldiges Mädchen für den Diebstahl züchtigen sah, den er begangen,

ohne die Wahrheit zu gestehen, wie schwer es ihm werde über diese

Untiefe seines Gemüts hinwegzukommen -- Ich befinde mich eben jetzt in

gleichem Fall mit jenem verehrten Selbstbiographen. -- Habe ich auch

kein Verbrechen zu gestehen, so darf ich doch, will ich wahrhaft

bleiben, die große Torheit nicht verschweigen, die ich an demselben

Abend beging und die lange Zeit hindurch mich verstörte, ja meinen

Verstand in Gefahr setzte. -- Ist es aber nicht ebenso schwer, ja oft

noch schwerer eine Torheit zu gestehen als ein Verbrechen? --

-- Nicht lange dauerte es, so überfiel mich solch eine Unbehaglichkeit,

solch ein Unmut, daß ich mich weit fort wünschte unter den Ofen des

Meisters. Es war die gräßlichste Langeweile, die mich zu Boden drückte

und die endlich mich alle Rücksichten vergessen ließ. Ganz still schlich

ich mich in eine entfernte Ecke um dem Schlummer nachzugeben, zu dem

mich das Gespräch rund umher einlud. Dasselbe Gespräch nämlich, das ich

erst in meinem Unmut vielleicht gar irrtümlich für das geistloseste

fadeste Geschwätz gehalten, kam mir nun vor, wie das eintönige Geklapper

einer Mühle, bei dem man sehr leicht in ein ganz angenehmes

gedankenloses Hinbrüten gerät, dem dann der wirkliche Schlaf bald folgt.

-- Eben in diesem gedankenlosen Hinbrüten, in diesem sanften Delirieren

war es mir, als funkle plötzlich ein helles Licht vor den geschlossenen

Augen. Ich blickte auf und dicht vor mir stand ein anmutiges

schneeweißes Windspielfräulein, Badine's schöne Nichte, Minona geheißen,

wie ich später erfuhr.

Mein Herr, sprach Minona mit jenem süßlispelnden Ton, der nur zu sehr

widerklingt in des feurigen Jünglings erregbarer Brust, mein Herr, Sie

sitzen hier so einsam, Sie scheinen sich zu ennuyieren? -- Das tut mir

leid! -- Aber freilich, ein großer, tiefer Dichter wie Sie, mein Herr!

muß, in höhern Sphären schwebend, das Treiben des gewöhnlichen sozialen

Lebens schal und oberflächlich finden.

Ich erhob mich etwas bestürzt, und es tat mir weh, daß mein Naturell,

stärker als alle Theorien des gebildeten Anstandes, mich zwang wider

meinen Willen den Rücken hoch zu erheben, einen sogenannten Katzenbuckel

zu machen, worüber Minona zu lächeln schien.

Gleich mich zur bessern Sitte erholend faßte ich aber Minona's Pfote,

drückte sie leise an meine Lippen und sprach von begeisterten

Augenblicken, denen der Dichter oft erliege. Minona hörte mich an mit

solchen entschiedenen Zeichen der innigsten Teilnahme, mit solcher

Andacht, daß ich mich selbst immer höher steigerte zur ungemeinen Poesie

und zuletzt mich selbst nicht recht verstand. -- Minona mochte mich

ebensowenig verstehen, aber sie geriet ins höchste Entzücken und

versicherte, wie oft es schon ihr inniger Wunsch gewesen, den genialen

Murr kennen zu lernen, und daß einer der glücklichsten herrlichsten

Momente ihres Lebens der gegenwärtige sei. -- Was soll ich sagen! Bald

fand sich's, daß Minona meine Werke, meine sublimsten Gedichte gelesen

-- nein! nicht nur gelesen sondern in der höchsten Bedeutung aufgefaßt

hatte! Mehreres davon wußte sie auswendig und sagte es her mit einer

Begeisterung, mit einer Anmut, die mich in einen ganzen Himmel voll

Poesie versetzte, vorzüglich, da es =meine= Verse waren die die Holdeste

ihres Geschlechts mir anzuhören gab.

Mein bestes, holdestes Fräulein, rief ich, ganz hingerissen, Sie haben

dies Gemüt verstanden! Sie haben meine Verse auswendig gelernt; o all

ihr Himmel! gibt es eine höhere Seligkeit für den aufwärts strebenden

Dichter?

Murr, lispelte Minona, genialer Kater, können Sie glauben, daß ein

fühlendes Herz, ein poetisch gemütliches Gemüt Ihnen entfremdet bleiben

kann? -- Minona seufzte nach diesen Worten aus tiefer Brust und dieser

Seufzer gab mir den Rest. -- Was anders? -- Ich verliebte mich in das

schönste Windspielfräulein dermaßen, daß ich ganz toll und verblendet

nicht bemerkte, wie sie mitten in der Begeisterung plötzlich abbrach, um

mit einem kleinen Zierbengel von Mops gänzlich fades Zeug zu schwatzen,

wie sie mir den ganzen Abend auswich, wie sie mich auf eine Art

behandelte, die mich hätte deutlich erkennen lassen sollen, wie sie mit

jenem Lobe, mit jenem Enthusiasmus niemand anders gemeint, als sich

selbst. -- Genug ich war und blieb ein verblendeter Tor, lief der

schönen Minona nach wie und wo ich nur konnte, besang sie in den

schönsten Versen, machte sie zur Heldin mancher anmutig verrückten

Geschichte, drängte mich in Gesellschaften ein, wo ich nicht hingehörte,

und erntete dafür so manchen bittern Verdruß, so manche Verhöhnung, so

manches kränkende Ungemach.

Oft in kühlen Stunden trat mir selbst die Albernheit meines Beginnens

vor Augen; dann kam mir aber wieder närrischerweise der Tasso und

mancher neuere Dichter von ritterlicher Gesinnung ein, dem es an einer

hohen Herrin liegt, der seine Lieder gelten und die er aus der Ferne

anbetet, wie der Manchaner seine Dulcinea, und da wollt ich denn wieder

nicht schlechter und unpoetischer sein als dieser und schwur dem

Gaukelbilde meiner Liebesträume, dem anmutigen weißen Windspielfräulein

unverbrüchliche Treue und Ritterdienst bis in den Tod. Einmal von diesem

seltsamen Wahnsinn erfaßt, fiel ich aus einer Torheit in die andere, und

selbst mein Freund Ponto fand für nötig, sich, nachdem er mich ernstlich

vor den heillosen Mystifikationen gewarnt, in die man mich überall zu

verstricken suchte, von mir zurückzuziehen. Wer weiß was noch aus mir

geworden wäre, wenn nicht ein guter Stern über mir gewaltet! -- Dieser

gute Stern ließ es nämlich geschehen, daß ich einst am späten Abend zur

schönen Badine hinschlich, nur um die geliebte Minona zu sehen. Ich fand

indessen alle Türen verschlossen und alles Warten, alles Hoffen, bei

irgend einer Gelegenheit hineinzuschlüpfen, blieb ganz vergebens. Das

Herz voll Liebe und Sehnsucht, wollte ich der Holden wenigstens meine

Nähe kundtun und begann unter dem Fenster eine der zärtlichsten

spanischen Weisen, die jemals empfunden und gedichtet worden sind. Es

muß gar lamentabel anzuhören gewesen sein!

Ich hörte Badine bellen, auch Minonas süße Stimme knurrte etwas

dazwischen. Ehe ich aber mir's versah, wurde das Fenster rasch geöffnet,

und ein ganzer Eimer eiskaltes Wasser über mich ausgeleert. Man kann

denken mit welcher Schnelle ich abfuhr in meine Heimat. Die volle Glut

im Innern und Eiswasser auf dem Pelz harmoniert aber so schlecht

miteinander, daß unmöglich jemals Gutes, und wenigstens ein Fieber

daraus entstehen kann. So ging es mir. Im Hause meines Meisters

angekommen schüttelte mich der Fieberfrost tüchtig. Der Meister mochte

aus der Blässe meines Antlitzes, aus dem erloschenen Feuer meiner Augen,

aus der brennenden Glut der Stirne, an meinem unregelmäßigen Puls, meine

Krankheit ahnen. Er gab mir warme Milch, die ich, da mir die Zunge am

Gaumen klebte vor Durst, eifrig verzehrte, dann wickelte ich mich ein in

die Decke meines Lagers und gab ganz der Krankheit nach, die mich

erfaßt. Erst verfiel ich in allerlei Fieberphantasien von vornehmer

Kultur, Windspielen usw., nachher wurde mein Schlaf ruhiger und endlich

so tief, daß ich ohne Übertreibung glauben muß, ich habe drei Tage und

drei Nächte hintereinander fort geschlafen.

Als ich endlich erwachte, fühlte ich mich frei und leicht, ich war von

meinem Fieber und -- wie wundervoll! auch von meiner törichten Liebe

ganz genesen! Ganz klar wurde mir die Narrheit, zu der mich der Pudel

Ponto verleitet, ich sah ein, wie albern es war, mich als einen gebornen

Kater unter Hunde zu mischen, die mich verhöhnten, weil sie nicht meinen

Geist zu erkennen vermochten, und die sich bei der Bedeutungslosigkeit

ihres Wesens an die Form halten mußten, mir also nichts darbieten

konnten, als eine Schale ohne Kern. -- Die Liebe zur Kunst und

Wissenschaft erwachte in mir mit neuer Stärke, und meines Meisters

Häuslichkeit zog mich mehr an als jemals. Die reiferen Monate des Mannes

kamen, und weder Katzbursch noch kultivierter Elegant, fühlte ich

lebhaft, daß man beides nicht sein dürfe, um sich gerade so zu

gestalten, wie es die tieferen und bessern Ansprüche des Lebens

erfordern.

Mein Meister mußte verreisen, und fand es für gut, mich auf die Zeit

seinem Freunde, Kapellmeister Johannes Kreisler in die Kost zu geben. Da

mit dieser Veränderung meines Aufenthalts eine neue Periode meines

Lebens anfängt, so schließe ich die jetzige, aus der du, o

Katerjüngling! so manche gute Lehre für deine Zukunft entnommen haben

wirst. --

=(Mak. Bl.)= -- -- als schlügen entfernte dumpfe Töne an sein Ohr, und er

höre die Mönche durch die Gänge schreiten. Als Kreisler sich völlig aus

dem Schlaf emporraffte, gewahrte er denn aus seinem Fenster, daß die

Kirche erleuchtet, und vernahm den murmelnden Gesang des Chors. Die

Mitternachtshora war vorüber, es mußte daher irgend etwas Ungewöhnliches

sich ereignet haben, und Kreisler durfte mit Recht vermuten, daß

vielleicht ein schneller unvermuteter Tod einen der alten Mönche

dahingerafft, den man jetzt der Klostersitte gemäß in die Kirche

getragen. Rasch warf der Kapellmeister sich in die Kleider und begab

sich nach der Kirche. --

Auf dem Gange begegnete er dem Pater Hilarius, der laut gähnend und ganz

schlaftrunken hin und her wankte, keines festen Schrittes mächtig und

die angezündete Kerze, statt aufrecht, abwärts zu Boden hielt, daß das

Wachs prasselnd herabtropfte und jeden Augenblick drohte das Licht zu

verlöschen. »Hochehrwürdiger Herr Abt,« stammelte Hilarius, als Kreisler

ihn anrief, »das ist gegen alle bisherige Ordnung. Exequien in der

Nacht! -- zu dieser Stunde -- Und bloß weil der Bruder Cyprianus darauf

besteht! -- _Domine -- libera nos de hoc monacho!_« --

Es gelang endlich dem Kapellmeister den halbträumenden Hilarius zu

überzeugen, daß er nicht der Abt sondern Kreisler sei, und nun erfuhr er

von ihm mit Mühe, daß man in der Nacht, von woher wisse er nicht, den

Leichnam eines Fremden nach dem Kloster gebracht, den Bruder Cyprianus

allein zu kennen scheine, und der kein gemeiner Mann gewesen sein müßte,

da sich der Abt auf Cyprianus dringendes Gesuch dazu verstanden, die

Exequien auf der Stelle zu halten, damit morgen nach der ersten Hora die

Exportation erfolgen könne.

Kreisler folgte dem Pater in die Kirche, die nur sparsam beleuchtet

einen seltsamen schauerlichen Anblick gewährte.

Man hatte nur die Kerzen des großen metallenen Kronleuchters, der vor

dem Hochaltar von der hohen Decke herabhing, angezündet, so daß der

flackernde Schein kaum das Schiff der Kirche vollkommen erhellte, in die

Seitengänge aber nur geheimnisvolle Streiflichter warf, in denen die

Statuen der Heiligen zum gespenstischen Leben erwacht, sich zu bewegen

und daher zu schreiten schienen. Unter dem Kronleuchter in der hellsten

Beleuchtung stand der offne Sarg, in dem der Leichnam lag, und die

Mönche, die ihn umringten, schienen bleich und regungslos selbst Tote,

in der Geisterstunde den Gräbern entstiegen. Mit dumpfer heiserer Stimme

sangen sie die eintönigen Strophen des Requiems und wenn sie dazwischen

schwiegen, vernahm man nur von außen her das ahnungsvolle Rauschen des

Nachtwindes und die hohen Fenster der Kirche knisterten seltsam, als

klopften die Geister der Verstorbenen an das Haus, in dem sie die fromme

Totenklage vernahmen. Kreisler nahte sich bis an die Reihe der Mönche

und erkannte in dem Toten den Adjutanten des Prinzen Hektor. --

Da regten sich die finstern Geister, die so oft Macht hatten über ihn,

und griffen schonungslos mit scharfen Krallen in seine wunde Brust. --

Neckender Spuk, sprach er zu sich selbst, treibst du mich her, damit

jener erstarrte Jüngling bluten soll, weil man sagt, daß der Leichnam

blute, wenn der Mörder sich nahe? -- Hoho! weiß ich denn nicht, daß er

all' sein Blut wegbluten mußte, in den schlimmen Tagen, als er seine

Sünden abbüßte auf dem Siechbette? -- Er hat keinen bösen Tropfen mehr

übrig, mit dem er seinen Mörder vergiften könnte, käme er ihm auch in

die Nähe, den Johannes Kreisler aber am wenigsten, denn der hat mit der

Natter nichts zu schaffen, die er zu Boden trat, als sie schon die

spitze Zunge ausgestreckt zur Todeswunde! -- Schlage die Augen auf,

Toter, damit ich dir fest ins Antlitz blicke, damit du gewährst, daß die

Sünde keinen Teil hat an mir! -- aber du vermagst es nicht! -- Wer hieß

dich das Leben einsetzen gegen das Leben? Warum spieltest du

trügerisches Spiel mit dem Morde und du warst nicht gefaßt, es zu

verlieren? -- Aber deine Züge sind sanft und gut, du stiller blasser

Jüngling, der Todesschmerz hat jede Spur verruchter Sünde weggelöscht

von deinem schönen Antlitz, und ich könnte sagen, der Himmel hätte dir

sein Gnadentor geöffnet, weil die Liebe in deiner Brust gewesen, wenn

sich das jetzt ziemte. -- Doch wie! -- wenn ich mich in dir geirrt?

-- Wenn nicht du, kein böser Dämon, nein wenn mein guter Stern deinen Arm

gegen mich erhoben, um mich dem entsetzlichen Verhängnis zu entreißen,

das im schwarzen Hintergrunde auf mich lauert? -- Nun magst du die Augen

aufschlagen, blasser Jüngling, nun magst du mit einem Blick der

Versöhnung alles, alles entdecken, und sollt ich untergehen in Wehmut um

dich oder aus entsetzlicher furchtbarer Angst, daß der schwarze Schatten

der hinter mir schleicht, mich nun gleich erfassen wird. Ja! schaue mich

an, -- doch! nein nein, du könntest mich anblicken wie Leonhart

Etlinger, ich könnte glauben, du seist er selbst und da müßtest du mit

mir hinab in die Tiefe, aus der ich oft seine hohle Geisterstimme

vernehme. -- Doch wie, du lächelst? -- deine Wangen, deine Lippen färben

sich? Trifft dich nicht die Waffe des Todes? -- Nein, nicht noch einmal

will ich mit dir ringen, aber --

Kreisler, der während dieses Selbstgesprächs unbewußt auf einem Knie

gelegen, beide Ellbogen auf das andere gestützt, und die Hände unter das

Kinn gestemmt hatte, fuhr hastig auf, und würde gewiß Seltsames, Wildes

begonnen haben; doch in demselben Augenblick schwiegen die Mönche und

die Knaben auf dem Chor intonierten mit sanfter Begleitung der Orgel das

_Salve Regina._ Der Sarg wurde verschlossen und die Mönche schritten

feierlich von dannen. -- Da ließen die finstern Geister ab von dem armen

Johannes, und ganz aufgelöst in Wehmut und Schmerz folgte er mit

gebeugtem Haupt den Mönchen. Eben wollte er hinausschreiten zur Türe,

als sich in einem finstern Winkel eine Gestalt erhob und hastig auf ihn

losschritt.

Die Mönche standen still, und der volle Schein ihrer Lichter fiel auf

einen großen stämmigen Burschen, der etwa achtzehn bis zwanzig Jahre alt

sein mochte. Sein Antlitz nichts weniger als häßlich zu nennen, trug den

Ausdruck des wildesten Trotzes; die schwarzen Haare hingen ihm struppig

um den Kopf, das zerrissene Wams von buntgestreifter Leinwand bedeckte

kaum seine Blöße, und eben solche Schifferhosen gingen nur bis an die

bloßen Waden, so daß der herkulische Bau seines Körpers völlig sichtbar.

Du Verdammter, wer hieß dich meinen Bruder ermorden? So schrie der

Bursche wild auf, daß es in der Kirche widerhallte, sprang wie ein Tiger

auf Kreisler los und packte ihn mit einem mörderischen Handgriff bei der

Kehle.

Doch ehe Kreisler, ganz entsetzt über den unerwarteten Angriff, an

Gegenwehr denken konnte, stand schon Pater Cyprianus bei ihm und sprach

mit starker, gebietender Stimme: Giuseppo, verruchter sündhafter Mensch!

was machst Du hier? Wo hast du die Altmutter gelassen? -- Packe Dich

augenblicklich fort! -- Hochehrwürdiger Herr Abt, laßt die

Klosterknechte herbeirufen, sie sollen den mörderischen Buben zum

Kloster hinauswerfen.

Der Bursche hatte, sowie Cyprianus vor im stand, sogleich von Kreisler

abgelassen. Nun nun, rief er mürrisch, macht nur nicht gleich ein solch

tolles Wesen davon, wenn man sein Recht behaupten will, Herr Heiliger!

-- Ich gehe ja schon von selbst, Ihr dürft keine Klosterknechte auf mich

loshetzen. -- Damit sprang der Bursche schnell davon durch eine Pforte,

die man zu verschließen vergessen und durch die er wahrscheinlich sich

in die Kirche geschlichen hatte. Die Klosterknechte kamen, man fand aber

keinen Anlaß den Verwegenen in tiefer Nacht weiter zu verfolgen.

Es lag in Kreislers Natur, daß gerade die Spannung des

Außerordentlichen, des Geheimnisvollen wohltätig auf sein Gemüt wirkte

sobald er den Sturm des Augenblicks, der ihn zu vernichten drohte,

siegreich bekämpft.

So geschah es, daß dem Abt die Ruhe wunderbar und befremdlich vorkommen

mußte, mit der Kreisler andern Tages vor ihm stand und von dem

erschütternden Eindruck sprach, den unter solchen seltsamen Umständen

der Anblick des Leichnams dessen auf ihn gemacht, der ihn ermorden

wollen, und den er in gerechter Notwehr erschlagen.

Weder die Kirche noch das weltliche Gesetz kann Euch, lieber Johannes,

sprach der Abt, irgendeine strafbare Schuld an dem Tode jenes sündhaften

Menschen beimessen. Doch werdet Ihr aber lange nicht die Vorwürfe einer

innern Stimme verwinden können, die Euch sagt, es sei besser gewesen

selbst zu fallen, als den Gegner zu töten, und dies beweiset, daß der

ewigen Macht das Opfer des eignen Lebens wohlgefälliger ist, als seine

Erhaltung, kann dies nur durch eine rasche blutige Tat geschehen. -- Doch

laßt uns zur Zeit davon abbrechen, da ich anderes näher Liegendes mit

Euch zu reden. --

Welcher sterbliche Mensch ermißt, wie der kommende Augenblick die

Gestaltung der Dinge ändern kann. -- Nicht lange ist es her, als ich

fest überzeugt war, daß dem Heil Eurer Seele nichts zuträglicher sein

könne, als der Welt zu entsagen und in unsern Orden zu treten. -- Ich bin

jetzt anderer Meinung und würde Euch raten, so lieb und wert Ihr mir

auch geworden, die Abtei recht bald zu verlassen. -- Werdet nicht irre an

mir, lieber Johannes! Fragt mich nicht, warum ich meiner Gesinnung

entgegen dem Willen eines andern, der alles umzustoßen droht, was ich

mit Mühe geschaffen, mich unterwerfe. -- Tief müßtet Ihr in die

Geheimnisse der Kirche eingeweiht sein, um mich zu verstehen, wollt' ich

auch mit Euch über die Motive meiner Handlungsweise reden. -- Doch

freier kann ich wohl mit Euch sprechen als mit jedem andern. Vernehmt

also, daß in kurzer Zeit der Aufenthalt in der Abtei Euch nicht mehr die

wohltätige Ruhe gewähren, wie bisher, ja daß Euer innerstes Streben

einen tödlichen Stoß erhalten und das Kloster Euch ein öder trostloser

Kerker dünken wird. Die ganze Klosterordnung ändert sich, die mit

frommer Sitte vereinbarte Freiheit hört auf und der finstere Geist

fanatischer Möncherei herrscht bald mit unerbittlicher Strenge in diesen

Mauern. -- O mein Johannes, Eure herrlichen Gesänge werden nicht mehr

unsern Geist erheben zur höchsten Andacht, der Chor wird abgeschafft und

bald hört man nichts als die eintönigen Responsorien von den ältesten

Brüdern mühsam gelallt mit heiserer unreiner Stimme. --

Und alles dieses geschieht auf Anlaß des fremden Mönchs Cyprianus?

fragte Kreisler.

Es ist dem so, lieber Johannes, erwiderte der Abt beinahe wehmütig,

indem er die Augen niederschlug, und daß es nicht anders sein kann,

daran bin ich nicht schuld. -- Doch alles, setzte der Abt nach kurzem

Stillschweigen mit erhöhter feierlicher Stimme hinzu, wodurch der feste

Bau, der Glanz der Kirche befördert werden kann, muß geschehen und kein

Opfer ist zu groß! --

Wer ist denn der hohe mächtige Heilige, sprach Kreisler unmutig, der

über Euch gebietet, der im Stande war, durch das bloße Wort mir jenen

mörderischen Burschen vom Leibe zu schaffen? --

Ihr seid, lieber Johannes, erwiderte der Abt, in ein Geheimnis

verflochten ohne es zur Zeit ganz zu kennen. Doch bald erfahrt Ihr mehr,

vielleicht mehr als ich selbst davon weiß, und zwar durch den Meister

Abraham. -- Cyprianus, den wir noch jetzt unsern Bruder nennen, ist

einer der Erkornen. Er wurde gewürdigt, mit den ewigen Mächten des

Himmels in unmittelbare Berührung zu treten, und wir müssen schon jetzt

in ihm den Heiligen verehren. -- Was jenen verwogenen Burschen betrifft,

der sich während der Exequien in die Kirche geschlichen hatte und Euch

mörderisch anpackte, so ist er ein verlaufener halb wahnsinniger

Zigeunerbube, den unser Vogt schon einigemal hat derb auspeitschen

lassen, weil er den Leuten im Dorfe die fetten Hühner aus den Ställen

gestohlen. Um den zu vertreiben, bedurfte es eben nicht eines besondern

Mirakels. -- Indem der Abt die letzten Worte sprach, zuckte ein leises

ironisches Lächeln in den Mundwinkeln, und verschwand ebenso schnell.

Kreislern erfüllte der tiefste bitterste Unmut; er sah ein, daß der Abt

bei allen Vorzügen seines Geistes, seines Verstandes, lügnerische

Gaukelei trieb, und daß alle Gründe, die er damals anführte, um ihn zum

Eintritt ins Kloster zu bewegen, ebenso nur einer versteckten Absicht

zum Vorwand dienen sollten, als diejenigen, die er nun für das Gegenteil

aufstellte. -- Kreisler beschloß, die Abtei zu verlassen, und sich aller

bedrohlichen Geheimnisse, die ihn bei längerem Bleiben noch verstricken

konnten in ein Gewebe, dem nicht mehr zu entrinnen, völlig zu

entschlagen. Als er aber nun gedachte, wie er ja gleich zurückkehren

könne nach Sieghartshof zum Meister Abraham, wie er =sie= ja wiedersehen,

wieder hören könne, sie, seinen einzigen Gedanken, da fühlte er in der

Brust jene süße Beklemmung, in der sich die glühendste Liebessehnsucht

kundtut. --

Ganz vertieft wandelte Kreisler den Hauptgang des Parks hinab, als ihn

der Pater Hilarius ereilte, und sogleich begann: Ihr wart beim Abt,

Kreisler, er sagt Euch alles! -- Nun hatte ich recht? -- Wir sind alle

verloren! -- Dieser geistliche Komödiant -- es ist heraus, das Wort, wir

sind unter uns! -- Als er -- Ihr wißt, wen ich meine -- in der Kutte

nach Rom kam, ließ ihn die päpstliche Heiligkeit sogleich zur Audienz.

Er fiel nieder auf die Knie und küßte den Pantoffel. Ohne einen Wink,

aufzustehen, ließ ihn aber die päpstliche Heiligkeit eine ganze Stunde

lang liegen. »Das sei deine erste kirchliche Strafe«, fuhr die

Heiligkeit ihn an, als er sich endlich erheben durfte, und hielt nun

eine lange Predigt über die sündlichen Irrtümer, in die Cyprianus

verfallen. -- Nachher erhielt er langen Unterricht in gewissen geheimen

Gemächern und zog dann aus! -- Es hat lange keinen Heiligen gegeben!

-- Das Mirakel -- nun Ihr habt das Bild gesehen, Kreisler -- das Mirakel,

sage ich, hat erst in Rom seine wahre Gestalt erhalten. -- Ich bin

nichts als ein ehrlicher Benediktiner Mönch, ein tüchtiger _praefectus

chori,_ wie Ihr mir einräumen werdet, und trinke der allein selig

machenden Kirche zu Ehren gern ein Gläschen Nierensteiner oder

Bocksbeutel, aber! -- Mein Trost ist, daß er nicht lange hier bleiben

wird. -- Herumziehen muß er. _Monachus in claustro non valet ova duo: sed

quando est extra bene valet triginta._ -- Er wird denn auch wohl Wunder

tun. -- Seht, Kreisler, seht, da kommt er den Gang herauf. -- Er hat uns

erblickt und weiß wie er sich gebärden muß. --

Kreisler erblickte den Mönch Cyprianus, der langsam feierlichen

Schrittes, den stieren Blick zum Himmel gerichtet, die Hände gefaltet

wie in einer frommen Extase begriffen, den Laubgang herauf kam.

Hilarius entfernte sich schnell, Kreisler blieb aber verloren in den

Anblick des Mönchs, der in seinem Antlitz, in seinem Wesen etwas

Seltsames, Fremdartiges trug, das ihn unter allen übrigen Menschen

auszuzeichnen schien. Ein großes ungewöhnliches Verhängnis läßt lesbare

Spuren zurück, und so mocht' es auch sein, daß ein wunderbares Geschick

des Mönchs äußere Erscheinung gestaltet hatte, wie sie sich nun eben

zeigte.

Der Mönch wollte vorüberschreiten, ohne in seiner Verzückung Kreislern

zu bemerken, der fühlte sich aber aufgelegt, dem strengen Abgesandten

des Oberhaupts der Kirche, dem feindlichen Verfolger der herrlichsten

Kunst in den Weg zu treten.

Er tat es mit den Worten: Erlaubt, ehrwürdiger Herr, daß ich Euch meinen

Dank abstatte. Ihr befreitet mich durch Euer kräftiges Wort zur rechten

Zeit aus den Händen des groben Lümmels von Zigeunerbuben; er hätte mich

erwürgt, wie ein gestohlnes Huhn! --

Der Mönch schien aus einem Traume zu erwachen, er fuhr mit der Hand über

die Stirne und blickte Kreislern lange starr an, als müsse er sich auf

ihn besinnen. Dann verzog sich aber sein Antlitz zum furchtbaren

durchbohrenden Ernst, und Flammen des Zorns in den Augen, rief er mit

starker Stimme: Verwegener frevelhafter Mensch, Ihr hättet verdient, daß

ich Euch hinfahren ließ in Euern Sünden! Seid Ihr nicht der, der den

heiligen Kultus der Kirche, die vornehmste Stütze der Religion

profaniert durch weltlichen Klingklang? Seid Ihr es nicht, der hier

durch eitle Kunststücke die frömmsten Gemüter betörte, daß sie sich

abwandten von dem Heiligen und weltlicher Lust frönten in üppigen

Liedern? Kreisler fühlte sich durch diese wahnsinnigen Vorwürfe ebenso

verletzt, als erhoben durch den albernen Hochmut des fanatischen Mönchs,

der mit solchen leichten Waffen zu bekämpfen.

Ist es sündhaft, sprach Kreisler sehr ruhig und dem Mönch fest ins Auge

blickend, die ewige Macht zu preisen in der Sprache, die sie uns selbst

gab, damit das Himmelsgeschenk die Begeisterung der brünstigsten

Andacht, ja die Erkenntnis des Jenseits in unserer Brust erwecke, ist es

sündhaft sich auf den Seraphsfittichen des Gesanges hinwegzuschwingen

über alles Irdische, und in frommer Sehnsucht und Liebe hinaufzustreben

nach dem Höchsten, so habt Ihr recht, ehrwürdiger Herr, so bin ich ein

arger Sünder. Erlaubt aber, daß ich der entgegengesetzten Meinung bin,

und fest glaube, daß dem Kultus der Kirche die wahrhafte Glorie der

heiligsten Begeisterung fehlen würde, wenn der Gesang schweigen sollte.

So flehet zur heiligen Jungfrau, erwiderte der Mönch streng und kalt,

daß sie die Decke von Euern Augen nehmen und Euch den verdammlichen

Irrtum erkennen lassen möge.

Ein Komponist wurde von jemanden gefragt, sprach Kreisler sanft

lächelnd, wie er es denn anfange, daß seine geistlichen Kompositionen

durchaus andächtige Begeisterung atmeten. Wenn es, erwiderte darauf der

fromme kindliche Meister, mit dem Komponieren nicht so recht fort will,

so bete ich im Zimmer auf und ab gehend einige Ave und dann kommen mir

die Ideen wieder. Derselbe Meister sagte von einem andern großen

geistlichen Werk: Erst als ich zur Hälfte in meiner Komposition

vorgerückt war, merkte ich, daß sie geraten wäre; ich war auch nie so

fromm als während der Zeit, da ich daran arbeitete; täglich fiel ich auf

meine Knie nieder, und bat Gott, daß er mir Kraft zur glücklichen

Ausführung dieses Werkes verleihen möge. -- Mich will bedünken,

ehrwürdiger Herr, als wenn weder dieser Meister noch der alte Palästrina

sich um Sündhaftes bemüht, und daß nur ein in aszetischer Verstocktheit

erkaltetes Herz nicht zu der höchsten Frömmigkeit des Gesanges entflammt

werden kann.

Menschlein, wer bist Du denn, fuhr der Mönch zornig auf, daß ich mit

Dir, der Du Dich hinwerfen müßtest in den Staub, rechten soll? -- Fort

aus der Abtei, damit Du nicht länger das Heilige verstörst! --

Tief empört über des Mönchs gebieterischen Ton, rief Kreisler heftig:

Und wer bist Du denn, wahnsinniger Mönch, daß Du Dich erheben willst

über alles was menschlich? -- Bist Du frei geboren von der Sünde? -- Hast

Du nie über Gedanken der Hölle gebrütet? Bist Du nie ausgewichen auf dem

schlüpfrigen Pfad, den Du wandeltest? Und wenn die heilige Jungfrau Dich

wirklich gnadenvoll dem Tode entriß, den Du vielleicht irgendeiner

grauenvollen Tat verdanktest, so geschah es, daß Du in Demut Deine Sünde

erkennen und sie büßen, nicht aber mit freveliger Prahlerei Dich der

Gnade des Himmels, ja der heiligen Krone rühmen solltest, die Du niemals

erwerben wirst.

Der Mönch stierte Kreislern an mit Tod und Verderben sprühenden Blicken,

indem er unverständliche Worte lallte.

Und stolzer Mönch, fuhr Kreisler fort mit steigendem Affekt, als Du noch

diesen Rock trugst -- --

Damit hielt Kreisler das Bild, das er vom Meister Abraham erhalten, dem

Mönch vor Augen; doch sowie dieser es erblickte, schlug er sich wie in

wilder Verzweiflung mit beiden Fäusten vor die Stirn, und stieß einen

herzzermalmenden Schmerzenslaut aus, als träfe ihn ein Todesstreich.

Fort mit =Dir= aus der Abtei, Du verbrecherischer Mönch! -- rief nun

Kreisler. -- Hoho mein Heiliger, wenn Du vielleicht auf den Hühnerdieb

stößest, mit dem Du in Gemeinschaft, so sage ihm, Du könntest und

wolltest ein andermal mich nicht wieder schützen, doch solle er sich in

acht nehmen, und von meiner Kehle wegbleiben, sonst würde ich ihn

spießen wie eine Lerche oder wie seinen Bruder, denn aufs Spießen

-- Kreisler entsetzte sich in diesem Augenblick vor sich selber; der

Mönch stand vor ihm starr, regungslos, noch immer beide Fäuste vor die

Stirn gedrückt, keines Wortes, keines Lautes mächtig, es war Kreislern,

als rausche es im nahen Gebüsch, als werde gleich der wilde Giuseppo auf

ihn losstürzen. Er rannte von dannen, die Mönche sangen eben im Chor die

Abendhora, und Kreisler begab sich in die Kirche, weil er hoffte, dort

sein tief aufgeregtes, tief verletztes Gemüt zu beruhigen.

Die Hora war geendet, die Mönche verließen den Chor, die Lichter

verlöschten. Kreislers Sinn hatte sich zu den alten frommen Meistern

gewendet, deren er in dem Streit mit dem Mönch Cyprianus gedacht.

-- Musik -- fromme Musik war aufgegangen in ihm, Julia hatte gesungen und

nicht mehr brauste der Sturm in seinem Innern. Er wollte fort durch eine

Seitenkapelle, deren Türe in den langen Gang ging, welcher zu einer

Treppe und hinauf in sein Zimmer führte.

Als Kreisler in die Kapelle trat, erhob sich ein Mönch mühsam vom Boden,

auf dem er ausgestreckt vor dem wundertätigen Marienbilde gelegen hatte,

das dort aufgestellt war. In dem Schein der ewigen Lampe erkannte

Kreisler den Mönch Cyprianus, aber matt und elend schien er eben aus

einer Ohnmacht zu sich selbst gekommen. Kreisler leistete ihm hülfreiche

Hand, da sprach der Mönch mit leiser wimmernder Stimme: »Ich erkenne

Euch -- Ihr seid Kreisler! Habt Barmherzigkeit, verlaßt mich nicht,

helft mir zu jenen Stufen, ich will mich dort niederlassen, aber setzt

Euch zu mir, dicht zu mir, denn nur die Gebenedeite darf uns hören.

-- Übt Mitleiden, Gnade, fuhr nun der Mönch fort, als beide auf den

Stufen des Altars saßen, vertraut mir, ob Ihr nicht das verhängnisvolle

Bildnis von dem alten Severino erhieltet, ob Ihr um alles, um das ganze

furchtbare Geheimnis wisset?

Frei und offen versicherte Kreisler, daß er das Bildnis vom Meister

Abraham Liscov erhalten und erzählte ohne Scheu alles, was sich in

Sieghartshof begeben, und wie er nur aus mancherlei Kombinationen auf

irgendeine Greueltat schließe, deren lebhafte Erinnerung sowie die

Furcht des Verrats das Bildnis wecke. Der Mönch, der bei einigen

Momenten in Kreislers Erzählung tief erschüttert geschienen, schwieg

jetzt einige Augenblicke. Dann begann er ermutigt mit festerer Stimme:

Ihr wißt zu viel, Kreisler, um nicht alles erfahren zu müssen. Vernehmt,

Kreisler, jener Prinz Hektor, der Euch auf den Tod verfolgte, es ist

mein jüngerer Bruder. Wir sind Söhne eines fürstlichen Vaters, dessen

Thron ich geerbt haben würde, hätte ihn nicht der Sturm der Zeit

umgeworfen. Wir nahmen, da eben der Krieg ausgebrochen, beide Dienste,

und der Dienst war es, der zuerst mich und dann auch meinen Bruder nach

Neapel brachte. -- Ich hatte mich damals aller bösen Lust der Welt

hingegeben, und vorzüglich die wilde Leidenschaft zu den Weibern riß

mich ganz und gar hin. Eine Tänzerin, ebenso schön als verrucht, war

meine Geliebte, und überdem lief ich den liederlichen Dirnen nach, wo

ich sie fand.

So geschah es, daß ich eines Tages, als es schon zu dunkeln begann,

auf dem Molo ein paar Geschöpfe dieser Art verfolgte. Beinahe hatte ich

sie erreicht, als dicht neben mir eine Stimme gellend rief: Was das

Prinzchen doch für ein allerliebster Taugenichts ist! -- Da läuft er

gemeinen Dirnen nach und könnte in den Armen der schönsten Prinzessin

liegen! -- Mein Blick fiel auf ein altes abgelumptes Zigeunerweib, die

ich vor wenigen Tagen in der Straße Toledo von den Sbirren wegführen

gesehen, weil sie einen Wasserverkäufer, so kräftig er schien, im Zank

mit ihrer Krücke zu Boden geschlagen. -- Was willst du von mir alte Hexe?

So rief ich das Weib an, die mich aber in dem Augenblick mit einem Strom

der abscheulichsten niedrigsten Schimpfreden überschüttete, so daß das

müßige Volk bald sich um uns versammelte und über meine Verlegenheit

ausbrach in ein tolles Gelächter. -- Ich wollte fort, da hielt mich aber

das Weib beim Kleide fest, ohne vom Boden aufzustehen, und sprach,

plötzlich mit den Schimpfreden einhaltend leise, indem sich ihr

abscheuliches Antlitz zum grinsenden Lächeln verzog: Ei, mein süßes

Prinzlein, willst du denn nicht bei mir bleiben? Willst du nichts hören

von dem schönsten Engelskinde, das in dich vernarrt ist? -- Damit erhob

sich das Weib mühsam, indem sie sich an meinen Armen festklammerte, und

zischelte mir von einem jungen Mädchen in die Ohren, das schön und

anmutig wie der Tag und noch unschuldig sei. -- Ich hielt das Weib für

eine gemeine Kupplerin und wollte mich, da gerade mein Sinn nicht dahin

stand, ein neues Abenteuer anzuknüpfen, mit ein paar Dukaten von ihr

losmachen. Sie nahm aber das Geld nicht, und rief, als ich mich

entfernte, mir laut lachend nach: Geht nur, geht, mein feiner Herr, Ihr

werdet mich bald aufsuchen mit großem Kummer und Weh im Herzen! -- Einige

Zeit war vergangen, ich hatte nicht mehr an das Zigeunerweib gedacht,

als eines Tages auf dem Spaziergange Villa Reale genannt, eine Dame vor

mir herging, die mir in ihrem Wesen so wunderbar anmutig schien, wie ich

noch keine gesehen. Ich eilte ihr voraus, und als ich ihr Antlitz

erblickte, war es mir, als öffne sich der leuchtende Himmel aller

Schönheit. -- So dachte ich nämlich damals als ein sündiger Mensch, und

daß ich den frevelhaften Gedanken wiederhole, mag Euch statt aller

Beschreibung des Liebreizes mit dem die ewige Macht die holde Angela

geschmückt hatte um so mehr dienen, als es mir jetzt nicht geziemen und

auch wohl nicht gelingen würde viel zu reden über irdische Schönheit.

Zur Seite der Dame ging oder hinkte vielmehr an einem Stabe eine sehr

alte, ehrbar gekleidete Frau, die nur durch ihre ganz ungewöhnliche

Größe und seltsame Unbehülflichkeit auffiel. Trotz des völlig

veränderten Anzuges, trotz der tiefen Haube, die einen Teil des

Antlitzes verhüllte, erkannte ich in der alten Frau doch augenblicklich

das Zigeunerweib vom Molo. Das fratzenhafte Lächeln der Alten, ihr

leises Kopfnicken bewies mir, daß ich mich nicht irre. -- Ich konnte den

Blick nicht abwenden von dem anmutigen Wunder; die Holde schlug die

Augen nieder; der Fächer entfiel ihrer Hand. Schnell hob ich ihn auf;

indem sie ihn nahm berührte ich ihre Finger; sie zitterten, da loderte

das Feuer meiner verdammlichen Leidenschaft in mir auf, und ich ahnte

nicht, daß die erste Minute der schrecklichen Prüfung gekommen, die mir

der Himmel auferlegt. Ganz betäubt, ganz im Sinn verwirrt stand ich da

und bemerkte kaum, daß die Dame mit ihrer alten Begleiterin in eine

Kutsche stieg, die am Ende der Allee gehalten hatte. Erst als der Wagen

fortrollte, kam ich zur Besinnung, und stürzte nach wie ein Rasender.

Ich kam noch zu rechter Zeit, um zu sehen, daß der Wagen vor einem Hause

in der engen kurzen Straße hielt, die nach dem großen Platz Largo delle

Piane führt. Beide, die Dame und ihre Begleiterin stiegen aus, und da

der Wagen sogleich fortfuhr als sie in das Haus getreten, konnte ich mit

Recht vermuten, daß dort ihre Wohnung. Auf dem Platz Largo delle Piane

wohnte mein Bankier, Signore Alessandro Sperzi, und selbst weiß ich

nicht, wie ich auf den Einfall geriet, diesen Mann jetzt gerade

heimzusuchen. Er glaubte, ich käme Geschäfte halber, und begann sehr

weitläuftig über mein Verhältnis zu reden. Mein ganzer Kopf war aber

erfüllt von der Dame, ich dachte, ich hörte nichts anders und so kam es,

daß ich dem Signor Sperzi statt aller Antwort das anmutige Abenteuer des

Augenblicks erzählte. Signor Sperzi wußte mir mehr von meiner Schönen zu

sagen, als ich hatte ahnen können. Er war es, der jedes halbe Jahr von

einem Handelshause in Augsburg eine ansehnliche Rimesse für eben jene

Dame erhielt. Sie wurde Angela Benzoni genannt, die Alte aber mit dem

Namen Frau Magdala Sigrun bezeichnet. Signor Sperzi mußte dagegen dem

Augsburger Handelshause über das ganze Leben des Mädchens die genaueste

Nachricht geben, so daß er, da es ihm auch früher obgelegen, ihre ganze

Erziehung sowie jetzt ihren Haushalt zu leiten, in gewisser Art als ihr

Vormund anzusehen. Der Bankier hielt das Mädchen für die Frucht eines

verbotenen Verhältnisses unter Personen des vornehmsten Standes. -- Ich

bezeigte dem Signor Sperzi meine Verwunderung darüber, daß man ein

solches Kleinod einem so zweideutigen Weibe anvertraue, als die Alte

sei, die sich in schmutzigen zerlumpten Zigeunerkleidern auf den Straßen

herumtreibe und vielleicht gar die Kupplerin spielen wollte. Der Bankier

versicherte dagegen, daß es keine treuere sorgsamere Pflegerin gebe, als

die Alte, die mit dem Mädchen hergekommen, als es erst zwei Jahre alt

gewesen. Daß die Alte sich zuweilen als Zigeunerin vermumme, sei eine

wunderliche Grille, die man ihr wohl in diesem Lande der Maskenfreiheit

nachsehen könne. -- Ich darf, ich muß kurz sein. Die Alte suchte mich

bald auf in ihrem Zigeunerhabit und führte mich selbst zu Angela, die

mir in holder jungfräulicher Scham hocherrötend ihre Liebe gestand. Noch

immer hatte ich in meinem verirrten Wesen geglaubt, die Alte sei eine

ruchlose Nährerin der Sünde, aber bald wurde ich des Gegenteils

überführt. Angela war keusch und rein wie Schnee, und da wo ich sündhaft

zu schwelgen gedachte, lernte ich an eine Tugend glauben, die ich

freilich jetzt für ein höllisches Blendwerk des Teufels erkennen muß. In

eben dem Grade als meine Leidenschaft höher und höher stieg, neigte ich

mich auch mehr und mehr der Alten hin, die mir unaufhörlich in die Ohren

raunte, daß ich mich mit Angela vermählen solle. Müßte dies auch zur

Zeit heimlich geschehen so komme doch wohl der Tag, an dem ich

öffentlich der Gemahlin das fürstliche Diadem auf die Stirn drücken

werde. -- Angelas Geburt sei der meinigen gleich.

-- Wir wurden in einer Kapelle der Kirche San Filippo getraut. -- Ich

glaubte den Himmel gefunden zu haben, ich entzog mich allen

Verbindungen, ich gab den Dienst auf, man sah mich nicht mehr in jenen

Kreisen, in denen ich sonst frevelnd allen Lüsten gefrönt. -- Eben diese

veränderte Lebensweise verriet mich. Jene Tänzerin, von der ich mich

losgesagt, forschte aus, wohin ich mich jeden Abend begab, und ahnend,

daß daraus sich vielleicht der Keim ihrer Rache entwickeln könne,

entdeckte sie meinem Bruder das Geheimnis meiner Liebe. -- Mein Bruder

schlich mir nach, überraschte mich in Angela's Armen. -- Mit einer

scherzhaften Wendung entschuldigte Hektor seine Zudringlichkeit und

machte mir Vorwürfe daß ich gar zu selbstsüchtig, ihm nicht einmal das

Vertrauen eines aufrichtigen Freundes geschenkt; doch ich merkte nur zu

deutlich, wie betroffen er war über Angela's hohe Schönheit. Der Funke

war gefallen, die Flamme der wütendsten Leidenschaft angefacht in seinem

Innern. -- Er kam oft, wiewohl nur in den Stunden, wenn er mich zu

finden wußte. -- Ich glaubte zu bemerken, daß Hektors wahnsinnige Liebe

erwidert wurde, und alle Furien der Eifersucht zerfleischten meine

Brust. -- Da war ich dem Graus der Hölle verfallen! -- Einst, als ich

eintrat in Angelas Gemach, glaubte ich Hektors Stimme im Nebenzimmer zu

vernehmen. -- Den Tod im Herzen blieb ich eingewurzelt stehen. Doch

plötzlich stürzte Hektor aus dem Nebengemach hinein mit glutrotem

Antlitz und wildrollenden Augen wie ein Rasender. Verdammter, du sollst

mir fernerhin nicht in den Weg treten! so rief er schäumend vor Wut und

stieß mir den Dolch, den er schnell hervorgezogen, in die Brust bis an

das Heft. -- Der herbeigerufene Chirurgus fand, daß der Stoß durch das

Herz gegangen. -- Die Hochgebenedeite hat mich gewürdigt, mir das Leben

wieder zu schenken durch ein Mirakel. --

Die letzten Worte sprach der Mönch mit leiser zitternder Stimme, und

schien dann in trübes Sinnen verloren.

Und was wurde aus Angela? fragte Kreisler.

Als der Mörder die Früchte seiner Greueltat genießen wollte, erwiderte

der Mönch mit hohler, geisterartiger Stimme, da erfaßte die Geliebte der

Todeskrampf und sie verschied in seinen Armen. -- Gift. --

Dies Wort gesprochen, fiel der Mönch nieder aufs Gesicht und röchelte

wie ein Sterbender. -- Kreisler setzte durch die Glocke, die er anzog,

das Kloster in Bewegung. Man eilte herbei und schaffte den ohnmächtigen

Cyprianus in den Krankensaal.

Kreisler fand am andern Morgen den Abt in ganz besonders heitrer Laune.

-- Ha ha, mein Johannes, rief er ihm entgegen, Ihr wollt an kein Mirakel

der neuesten Zeit glauben, und Ihr habt gestern in der Kirche selbst das

wunderbarste Mirakel bewirkt, das es nur geben mag. -- Sagt, was habt

Ihr mit unserm stolzen Heiligen gemacht, der daliegt wie ein reuiger

zerknirschter Sünder und uns alle in kindischer Todesangst höchlich um

Verzeihung gebeten hat, daß er sich über uns erheben wollen! -- Habt Ihr

ihn, der von Euch nun Beichte verlangte, vielleicht selbst beichten

lassen? --

Kreisler fand gar keine Ursache, auch nur das mindeste von dem zu

verschweigen, was sich mit ihm und dem Mönch Cyprianus begeben. Er

erzählte daher umständlich alles, von der freimütigen Strafpredigt an,

die er dem einbildischen Mönch gehalten, als er die heilige Tonkunst

herabgewürdigt, bis auf den schrecklichen Zustand, in den er verfallen,

als er das Wort: Gift! ausgesprochen. Dann erklärte Kreisler, daß er

eigentlich doch noch immer nicht wisse, warum das Bild, habe sich auch

Prinz Hektor davor entsetzt, gleiche Wirkung auf den Mönch Cyprianus

hervorgebracht. Ebenso sei er darüber noch ganz im Dunkeln geblieben,

auf welche Weise Meister Abraham in jene grauenvolle Begebenheiten

verflochten.

In der Tat, mein lieber Sohn Johannes, sprach der Abt anmutig lächelnd,

wir stehen jetzt ganz anders gegenüber, als noch vor wenigen Stunden.

Ein standhaftes Gemüt, ein fester Sinn, vorzüglich aber wohl ein tiefes

richtiges Gefühl, das wie eine wunderbar wahrsagende Erkenntnis in

unserer Brust verborgen, richtet vereint mehr aus, als der schärfste

Verstand, der geübteste alles scheidende Blick. Du hast es bewiesen,

mein Johannes, indem Du die Waffe, die man Dir in die Hand gab, ohne

Dich ganz über ihre Wirkung zu belehren, so geschickt in dem richtigen

Moment zu gebrauchen wußtest, daß Du auf der Stelle den Feind zu Boden

schlugst, den vielleicht der durchdachteste Plan nicht so leicht aus dem

Felde getrieben haben würde. Ohne es zu wissen, hast Du mir, dem

Kloster, vielleicht auch der Kirche überhaupt, einen Dienst erwiesen,

dessen ersprießliche Folgen nicht zu übersehen sind. Ich will, ich darf

jetzt gegen Dich ganz aufrichtig sein, ich wende mich ab von denen, die

mir Falsches vorspiegeln wollten zu Deinem Nachteil, Du kannst auf mich

rechnen, Johannes! -- Daß der schönste Wunsch, der in Deiner Brust ruht,

erfüllt werde, dafür laß mich sorgen! Deine Cäcilia, Du weißt, welches

holde Wesen ich meine -- doch still jetzt davon! -- Das was Du noch von

jener entsetzlichen Begebenheit in Neapel zu wissen verlangst, ist mit

wenigen Worten gesagt. -- Fürs erste hat es unserm würdigen Bruder

Cyprianus beliebt, in seiner Erzählung einen kleinen Umstand zu

übergehen. -- Angela starb an dem Gift, das er ihr beigebracht in dem

höllischen Wahnsinn der Eifersucht. -- Meister Abraham befand sich

damals in Neapel unter dem Namen Severino. Er glaubte Spuren seiner

verlornen Chiara zu finden, und fand sie wirklich, da ihm jene alte

Zigeunerin in den Weg kam, Magdala Sigrun geheißen, die Du schon kennst.

An den Meister wandte sich die Alte, als das Schrecklichste geschehen,

und ihm vertraute sie, ehe sie Neapel verließ jenes Bildnis, dessen

Geheimnisse Du noch nicht kennst. Drücke den stählernen Knopf an dem

Rande, dann springt Antonio's Bildnis, das nur an einer Kapsel zum

Deckel dient auf, und Du erblickst nicht allein Angela's Bildnis,

sondern Dir fallen auch noch ein paar Blättchen in die Hände, die von

der äußersten Wichtigkeit sind, da sie Dir den Beweis des doppelten

Mordes liefern. -- Du siehst nun, warum Dein Talisman so kraftvoll

wirkt. -- Meister Abraham soll noch mit dem Bruderpaar in mancherlei

Berührung gekommen sein, doch davon wird er Dir selbst noch besser

erzählen können als ich. -- Laß uns jetzt hören, Johannes, wie es mit

dem kranken Bruder Cyprianus steht. --

Und das Mirakel? So fragte Kreisler, indem er den Blick auf die Stelle

der Wand über dem kleinen Altar warf, wo er selbst mit dem Abt das Bild,

dessen sich der geneigte Leser wohl noch erinnert, befestigt hatte.

Nicht wenig verwunderte er sich aber, als er statt dieses Bildes wieder

Leonardo da Vinci's heilige Familie erblickte, die ihren alten Platz

eingenommen. -- Und das Mirakel? -- fragte Kreisler zum zweiten Mal. Ihr

meint das schöne Bild, erwiderte der Abt mit seltsamem Blick, welches

sonst hier aufgehängt war? -- Ich habe es unterdessen in dem Krankensaal

aufstellen lassen. Vielleicht stärkt der Anblick unsern armen Bruder

Cyprianus, vielleicht hilft ihm die Hochgebenedeite zum zweiten Mal. --

Kreisler fand auf seinem Zimmer ein Schreiben des Meisters Abraham, des

Inhalts:

Mein Johannes!

Auf! auf! -- verlaßt die Abtei, eilt her so schnell Ihr könnt! -- Der

Teufel hat hier zu seiner Lust eine ganz besondere Hetzjagd angestellt!

-- Mündlich mehr, das Schreiben wird mir blutsauer, denn es steckt mir

alles im Halse und droht mich zu ersticken. Von mir, von dem

Hoffnungsstern, der mir aufgegangen, nicht ein Wort! Nur so viel in

aller Eil. -- Die Rätin Benzon findet Ihr nicht mehr, wohl aber die

Reichsgräfin von Eschenau. Das Diplom aus Wien ist angekommen und die

künftige Heirat Julias mit dem würdigen Prinzen Ignaz so gut wie

erklärt. Fürst Irenäus beschäftigt sich mit der Idee des neuen Throns,

auf dem er sitzen wird als regierender Herr. Die Benzon, oder vielmehr

die Gräfin von Eschenau hat ihm das versprochen. Prinz Hektor hat

indessen Versteckens gespielt, bis er nun wirklich fort mußte zur Armee.

-- Bald kehrt er wieder und dann soll eine Doppelhochzeit gefeiert

werden. -- Es wird lustig sein. Die Trompeter spülen sich schon die

Gurgeln aus, die Fiedler schmieren die Bogen, die Lichtzieher in

Sieghartsweiler gießen die Fackeln -- aber? -- Nächstens ist der

Namenstag der Fürstin, da unternehm ich Großes aber Ihr müßt hier sein.

Kommt nur lieber gleich auf der Stelle, wenn Ihr dies gelesen habt!

Lauft was Ihr könnt! Bald seh' ich Euch. -- Apropos! Nehmt Euch vor den

Pfaffen in acht, aber den Abt lieb' ich sehr. -- Adieu!

So kurz und so inhaltsreich war dies Brieflein des alten Meisters,

daß --

Nachschrift des Herausgebers.

Am Schluß des zweiten Bandes ist der Herausgeber genötigt, dem geneigten

Leser eine sehr betrübte Nachricht mitzuteilen. -- Den klugen,

wohlunterrichteten philosophischen, dichterischen Kater Murr hat der

bittre Tod dahingerafft mitten in seiner schönen Laufbahn. Er schied in

der Nacht vom neunundzwanzigsten bis zum dreißigsten November nach

kurzen aber schweren Leiden mit der Ruhe und Fassung eines Weisen dahin.

-- So gibt es wieder einen Beweis, daß es mit den frühreifen Genies

immer nicht recht fort will; entweder sie steigen in einem Antiklimax

hinab zur charakter- und geistlosen Gleichgültigkeit und verlieren sich

in der Masse, oder sie bringen es in Jahren nicht hoch. -- Armer Murr!

der Tod deines Freundes Muzius war der Vorbote deines eignen, und soll't

ich dir den Trauersermon halten, er würde mir ganz anders aus dem Herzen

kommen als dem teilnahmelosen Hinzmann; denn ich habe dich lieb gehabt

und lieber als manchen -- Nun! -- schlafe wohl -- Friede deiner Asche!

--

Schlimm ist es, daß der Verblichene seine Lebens-Ansichten nicht geendet

hat, die also Fragment bleiben müssen. Dagegen haben sich in den

nachgelassenen Papieren des verewigten Katers noch so manche Reflexionen

und Bemerkungen gefunden, die er in der Zeit aufgeschrieben zu haben

scheint, als er sich bei dem Kapellmeister Kreisler befand. Ferner war

aber auch noch ein guter Teil des von dem Kater zerrissenen Buches

vorhanden, welches Kreislers Biographie enthält.

Der Herausgeber findet es daher der Sache nicht unangemessen, wenn er in

einem dritten Bande, der zur Ostermesse erscheinen soll, dies von

Kreislers Biographie noch Vorgefundene den geneigten Lesern mitteilt und

nur hin und wieder an schicklichen Stellen das einschiebt, was von jenen

Bemerkungen und Reflexionen des Katers der weitern Mitteilung wert

erscheint.

* * * * *

Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei

jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile

steht.

Du faselst, sprach Kreisler, Meister Abraham! du weißt, daß ich Katzen

Du faselst, sprach Kreisler, Meister Abraham! Du weißt, daß ich Katzen

Landstädchens Sieghartsweiler abgestiegen ist, hat sogleich von dem

Landstädtchens Sieghartsweiler abgestiegen ist, hat sogleich von dem

meine rechte Pfote zuzureißen und zu aptieren, als mir plötzlich in

meine rechte Pfote zuzureißen und zu adaptieren, als mir plötzlich in

Halse, der uns mit seinen Satansstkünen alle ins Verderben stürzt. Der

Halse, der uns mit seinen Satanskünsten alle ins Verderben stürzt. Der

dem Naschen? -- Ja, mein Herr, ich habe genascht, ier die trefflichsten

dem Naschen? -- Ja, mein Herr, ich habe genascht, hier die trefflichsten

-- O Gott, könnt' ich nur was weniges hexen, könnt ich nur _subito_

-- O Gott, könnt' ich nur was weniges hexen, könnt' ich nur _subito_

Augenblick, da ich, gepeischt von meinem Dämon, fortrennen wollte, mich

Augenblick, da ich, gepeitscht von meinem Dämon, fortrennen wollte, mich

ungemein wohl tun werde, lief er voller Enthusiamus von dannen.

ungemein wohl tun werde, lief er voller Enthusiasmus von dannen.

Rücksicht auf Ihre Individualität, die ja niemanden anders als eben den

Rücksicht auf ihre Individualität, die ja niemanden anders als eben den

genug begab es sich aber, daß Herr Liskov ganz genau so aussah, wie der

genug begab es sich aber, daß Herr Liscov ganz genau so aussah, wie der

sehen. Liskovs seltsames Instrument hatte einen Ton, dessen Stärke und

sehen. Liscovs seltsames Instrument hatte einen Ton, dessen Stärke und

»Ich seh es wohl ein, (so begann ich die Unterredung) daß du, geliebter

»Ich seh' es wohl ein, (so begann ich die Unterredung) daß du, geliebter

sprechen, zu antworten, daß Gespräch fortzuführen, daß man zuweilen

sprechen, zu antworten, das Gespräch fortzuführen, daß man zuweilen

leidenschaftliche Rezitativ der Klytämnestra aus Gluck's Iphigenia in

leidenschaftliche Rezitativ der Klytämnestra aus Glucks Iphigenia in

pragmatischer Authentizität, mag ich garnicht denken, sondern Sie, mein

pragmatischer Authentizität, mag ich gar nicht denken, sondern Sie, mein

O, sprach Lothario mit unterdrückter Wut, ich seh es kommen, daß

O, sprach Lothario mit unterdrückter Wut, ich seh' es kommen, daß

Halt, sprach der Ernste, mein Liebster, ereifern sie sich nicht.

Halt, sprach der Ernste, mein Liebster, ereifern Sie sich nicht.

Aufenthalt weit und breit, als unser Sieghartshof! sprach Hedwiga

Aufenthalt weit und breit, als unser Sieghartshof?« sprach Hedwiga

die am späten Abend sich blos mit Champagner, als einem dienlichen Gas,

die am späten Abend sich bloß mit Champagner, als einem dienlichen Gas,

salue Monsieur de Krösel_ sprach der Fürst, als er Kreisler erblickte.

salue Monsieur de Krösel«_ sprach der Fürst, als er Kreisler erblickte.

fahren pflegte, hielt, der Jäger öffnete den Schlag und fragte obs

fahren pflegte, hielt, der Jäger öffnete den Schlag und fragte ob's

zusammengezogenen Augenbraunen mich anstarrte, war furchtbar, alle

zusammengezogenen Augenbrauen mich anstarrte, war furchtbar, alle

mich durch, und erkannte Severino, den man eben aufhub und ins nächste

mich durch, und erkannte Severino, den man eben aufhob und ins nächste

nur rücksichts unseres psychischen Organism bemerken, daß sich auch

nur rücksichts unseres psychischen Organismus bemerken, daß sich auch

Ich wollte sie voll Inbrunst umpfoten, da sprangen aber mit teuflichem

Ich wollte sie voll Inbrunst umpfoten, da sprangen aber mit teuflischem

überall hervor! Und dabei zerschnitt der herbe Liebesschmerz Mein nur zu

überall hervor! Und dabei zerschnitt der herbe Liebesschmerz mein nur zu

schlich ich still und wild, gespannt mein Feuerrohr --

schlich ich still und wild, gespannt mein Feuerrohr --«

des Sieges Preis. -- Armer! mit verhüllten Augen Floh die scheue Katz

des Sieges Preis. -- Armer! mit verhüllten Augen floh die scheue Katz

erwiderte die Kleine süß lispelnd in holder Verschämheit, und setzte

erwiderte die Kleine süß lispelnd in holder Verschämtheit, und setzte

Prinzessin umarmte sie auf's Neue und rief: »Meine liebe, liebe Julia,

Prinzessin umarmte sie auf's Neue und rief: »Meine liebe, liebe Julia«,

erschrocken entgegen. Ach Mutter«, sprach Julie ganz trostlos, ach

erschrocken entgegen. »Ach Mutter«, sprach Julie ganz trostlos, »ach

wenns dir gefällig! -- Das war mir recht. -- Wir stimmten nun gleich

wenn's dir gefällig! -- Das war mir recht. -- Wir stimmten nun gleich

so kann das geschehen. -- Ich kannte den jungen, schwarz gekleideten

so kann das geschehen.« -- Ich kannte den jungen, schwarz gekleideten

die süße Gattin, treu und hold sonst, sie konnte, hölli'schen Trugs voll,

die süße Gattin, treu und hold sonst, sie konnte, höllischen Trugs voll,

Seele, diese Ruhe scheint mir bedrohlicher, als der wütendste Sturm, Es

Seele, diese Ruhe scheint mir bedrohlicher, als der wütendste Sturm. Es

bestialischer Verräter, auf meinen Nebenbuhler grimmig los. Der aber,

bestialischer Verräter«, auf meinen Nebenbuhler grimmig los. Der aber,

Nun faßte der Prinz Julia's Arm, und beide schritten dem Fischerhäuschen

Nun faßte der Prinz Julias Arm, und beide schritten dem Fischerhäuschen

singen!« »Mit tausend Freuden, rief Julia und hing sich an Kreisler's

singen!« »Mit tausend Freuden, rief Julia und hing sich an Kreislers

»da Sie mir, Gnädigster! auch nicht ein Wörtlein des Lobes zuwenden

»Da Sie mir, Gnädigster! auch nicht ein Wörtlein des Lobes zuwenden

mit erhobenen Armen und gefaltenen Händen. Ihr vorher trauriges,

mit erhobenen Armen und gefalteten Händen. Ihr vorher trauriges,

sprachen aber der gnädige Herr ganz zornig: Esel warum sagt er das

sprachen aber der gnädige Herr ganz zornig: Esel, warum sagt er das

geheimnisvolles Gesicht.

geheimnisvolles Gesicht.«

»Ein schöner Abend sprach die Rätin, ohne sich umzuwenden. Gewiß,

»Ein schöner Abend«, sprach die Rätin, ohne sich umzuwenden. Gewiß,

sonst den Meister anredete, aufgebend, mein lieber Meister es mir nicht

sonst den Meister anredete, aufgebend, mein lieber Meister, es mir nicht

das alles sagen sollen, was ich nun erfahren habe auf andere Weise und

das alles sagen sollen, was ich nun erfahren habe auf andere Weise, und

begibt, entschuldigen. Erfahren Sie es Meister: ich habe Sie belauscht,

begibt, entschuldigen. Erfahren Sie es, Meister: ich habe Sie belauscht,

Den Meister Abraham erfaßte bei diesen Worten der Benzon ein seltsames

Den Meister Abraham erfaßte bei diesen Worten der Benzon ein seltsames,

hinter Geheimnisse zu kommen, die sie zwar ahnen mochte aber nicht der

hinter Geheimnisse zu kommen, die sie zwar ahnen mochte, aber nicht der

O rief der Meister, o meine Gnädige, es war der rege Geist der

O! rief der Meister, o meine Gnädige, es war der rege Geist der

zu hören, hier wo ein ganz anderer Verdacht sich zu regen schien, ehe

zu hören, hier, wo ein ganz anderer Verdacht sich zu regen schien, ehe

was hat er euch Böses getan, daß Ihr im keine Freistatt, kein Plätzchen

was hat er euch Böses getan, daß Ihr ihm keine Freistatt, kein Plätzchen

die Verzweiflung war, die -- ein Vulkan, -- alle flammende Gluten aus

die Verzweiflung war, die -- ein Vulkan, -- alle flammenden Gluten aus

Der Meister trat in's Zimmer. Ich sprang wie gewöhnlich ihm entgegen,

Der Meister trat ins Zimmer. Ich sprang wie gewöhnlich ihm entgegen,

Ich kehrte in's Zimmer zu meinem Meister zurück und legte mich unter den

Ich kehrte ins Zimmer zu meinem Meister zurück und legte mich unter den

erwiderte er, indem er die Türe öffnete, Recht gerne Murr. Aus dem

erwiderte er, indem er die Türe öffnete, Recht gerne, Murr. Aus dem

-- Endlich nachdem ich bis Mitternacht gewartet, stellte sich Freund

-- Endlich, nachdem ich bis Mitternacht gewartet, stellte sich Freund

»Mein herzlieber Meister!

»Mein herzlieber Meister!«

lachend und kichernd: Ja ja -- Prinzessin Schwester, ganz tot, gerade

lachend und kichernd: Ja, ja -- Prinzessin Schwester, ganz tot, gerade

durch das Herz geschossen. -- »Ja sprach die Prinzessin weiter, indem

durch das Herz geschossen. -- »Ja, sprach die Prinzessin weiter, indem

erkräftigt, ich fühl es. --

erkräftigt, ich fühl' es. --

die Ausforderung erhielt, die auf den Kratz lautete. Ich dachte daran

die Ausforderung erhielt, die auf den Kratz lautete. Ich dachte daran,

und Rache getrieben, ich ihn angriff und wünschte wenigstens die

und Rache getrieben, ich ihn angriff, und wünschte wenigstens die

unter gewissen Umständen sehr geneigt ist zu prügeln und geprügelt zu

unter gewissen Umständen sehr geneigt ist, zu prügeln und geprügelt zu

Redner bei und ich ließ daher dem Bunten durch Muzius sagen: ich nehme

Redner bei, und ich ließ daher dem Bunten durch Muzius sagen: ich nehme

wendend, da Sie mein Bester, durch die bedeutende Wunde an der Pfote

wendend, da Sie, mein Bester, durch die bedeutende Wunde an der Pfote

Die Wunden hatten mir einen starken Blutverlust verursacht und mir

Die Wunden hatten mir einen starken Blutverlust verursacht, und mir

nur ruhig und wenn es Zeit ist, daß du die Wunde an der Pfote heil

nur ruhig, und wenn es Zeit ist, daß du die Wunde an der Pfote heil

jede blau oder braunäugigte Hofrats Tochter, und alle Süßigkeit des

jede blau- oder braunäugigte Hofrats Tochter, und alle Süßigkeit des

aus purer Schonung gegen den Meister Araham, daß der mysteriösen Chiara

aus purer Schonung gegen den Meister Abraham, daß der mysteriösen Chiara

Sagt selbst, hocherwürdiger Herr! könnt Ihr Euch eine heilige

Sagt selbst, hochehrwürdiger Herr! könnt Ihr Euch eine heilige

langen Rock hineinvexieren? -- Tuts nicht, Kreisler! -- Mir ist wohl in

langen Rock hineinvexieren? -- Tut's nicht, Kreisler! -- Mir ist wohl in

Ich flieh und Muzius sei gerächt.

Ich flieh' und Muzius sei gerächt.

Denk deiner Weisheit, deiner Taten,

Denk' deiner Weisheit, deiner Taten,

Denk Kater ganz wie du zu sein.

Denk' Kater ganz wie du zu sein.

mit mehreren Witzwörtern und Impromptu's, die ich in müßigen Stunden

mit mehreren Witzwörtern und Impromptus, die ich in müßigen Stunden

rügte: erwiderte: Ist es möglich, daß das Laster Einheit haben kann?

rügte, erwiderte: Ist es möglich, daß das Laster Einheit haben kann?

bis oben heraufgebracht, meine Fackel aus und stellte mich ins Dunkel.

bis oben hinaufgebracht, meine Fackel aus und stellte mich ins Dunkel.

unbekannte Bewohner des Pavillons ist schon Ihr Gefangener

unbekannte Bewohner des Pavillons ist schon Ihr Gefangener.

Ein genialer Kopf wie der meinige hat bei jedem Anlaß, bei jede

Ein genialer Kopf wie der meinige hat bei jedem Anlaß, bei jeder

Abraham Liscow erhalten und erzählte ohne Scheu alles, was sich in

Abraham Liscov erhalten und erzählte ohne Scheu alles, was sich in

Am Schluß des zweiten Bandes ist der Herausgeber genötigt dem geneigten

Am Schluß des zweiten Bandes ist der Herausgeber genötigt, dem geneigten

Lebensansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler in zufälligen Makulaturblättern · 第 27 / 27 题