Die »Internationale Sammlerzeitung« veröffentlicht in ihrer eben
erschienenen Nr. 13 eine interessante Rundfrage über den Wert des
Sammelns. Die Zeitschrift bringt unter anderem Beiträge vom
Unterrichtsminister Grafen Stürgkh, Alfred Lichtwark, Alma Tadema,
Harden, Paul Heyse, Max Kalbeck, Eduard Pötzl, Felix Salten, Balduin
Groller, Ginzkey. Peter _Altenberg_ gab auf die Frage nach seiner
Sammelliebhaberei die folgende interessante Antwort: »Es ist ganz
merkwürdig, daß Sie sich gerade an mich wenden in dieser Angelegenheit.
Denn Sie können es absolut nicht wissen, daß ich, ein ganz Armer, seit
vielen Jahren ein einfach fanatischer Sammler bin, und mir, gleich den
Milliardären, eine heißgeliebte, gehegte und mit vielen Opfern zustande
gebrachte herrlichste Bildergalerie verschafft habe: 1500
Ansichtskarten, 20 Heller das Stück, in zwei herrlichen japanischen
Kästchen mit je sechs Fächern. Es sind ausschließlich _photographische_
Aufnahmen von Landschaften, Frauen, Kindern, Tieren. Ich fand vor
einigen Wochen, daß der wirklich Ausgebildete des Lebens sich seiner
Schätze _entäußern_ müsse, um das _tiefste einzige_ Glück des »Gebens«,
des »Spendens« auch noch bei seinen Lebzeiten _miterleben_ zu können an
seinen »Beschenkten«. Daher sandte ich beide japanische Kästchen mit den
seit 1897 gesammelten 1500 Ansichtskarten nach Hamburg an die junge
Dame, die allein von allen Frauen dieses Geschenk zu werten weiß.
Seitdem sammle ich desto eifriger, desto leidenschaftlicher, um nun die
Sammlung meiner Freundin zu komplettieren. — — Hier also sind gleich
zwei heilsamste Ablenkungen von dem gefährlichen Bleigewicht des eigenen
Ich: erstens das Glück des Sammelns selbst, zweitens das Glück, es _für
einen anderen_, ebenso Verständnisvollen tun zu können! »Sammeln« heißt,
sich auf etwas außerhalb der eigenen Persönlichkeit Liegendes
konzentrieren können, das aber nicht so gefahrvoll und undankbar ist wie
eine geliebte Frau — — —.«