GERICHTSVERHANDLUNG IN WIEN

Fräulein Str., eine arme Klavierlehrerin, kannte alle Schandtaten ihres

Herrn Bruders. Aber sie schickte Geld und Geld, wenn er darum schrieb.

Und Geld und wieder Geld. Immer galt es ihr, ein wertvolles Leben noch

zu retten, das aber wertlos war. Und übrigens, wer könnte das

entscheiden?!

Der Richter sagte: »Ihr Vorgehen, Fräulein, ist strafbar, aber es macht

Ihrem Herzen alle Ehre — —.«

Das Fräulein erwiderte: »Für irgend etwas muß man sich doch abplagen.

Nur seinen armseligen Hunger stillen?!? Wenn er nicht wär’, no, so wärs

halt was anders, die Kirche oder eine Leidenschaft — — —. Für irgend

etwas muß man sich doch abplagen.«

Man verurteilte sie wegen Vorschubleistung.

Als die Blicke der beiden verurteilten Geschwister sich begegneten,

begannen einige Menschen im Auditorium zu weinen — — —.

Neues Altes · 第 112 / 126 题