NOTIZ

Die Polizei hat die Vorführung einer Reihe von Filmen in den

Kinematographentheatern, diesen modernsten, theoretisch wenigstens

_einzig möglichen_ Bildungsstätten für das Volk, verboten, weil sie

Tiermißhandlungen (Ausreißen der Straußenfedern auf Farmen, Stopfen,

Mästen der Gänse in Pistyan usw. usw.) _selbstverständlich_ in derselben

schamlos krassen Art zur Darstellung gebracht haben, in der sie aber

_tatsächlich_ ausgeübt werden. Die _Entrüstungsrufe_ des Publikums

sollen zu dieser polizeilichen Verordnung den Anstoß gegeben haben. Die

Menschen sollen es also _nicht_ erfahren, welche _Schändlichkeiten_ aus

Erwerbszwecken begangen werden. Das erinnert allzu sehr an die alte

Anekdote, in der ein Millionär seinen Kammerdienern befahl: »Werft’s mir

diesen alten unglücklichen Hausierer hinaus, er zerbrecht mir das Herz!«

Nur ein _unerbittlicher Einblick_ in das Unglück, das so viele Wesen

schuldlos trifft, kann die stumpfen, trägen Herzen der Menschen

_aufrütteln_, zu Verbesserungen und wahrhaftiger Menschlichkeit! Ich

füge ein Erlebnis hinzu, das zwar nicht daher paßt, aber immerhin einen

Einblick gewährt in die in Vertiertheiten schlummernde Seele der

heutigen Menschen. Einer meiner Bekannten, ein fanatisches Mitglied des

Tierschutzvereines, stellte einmal einen brutalen Kutscher zur Rede, und

als dies nur nachteilige Folgen für die armen Pferde hatte, machte er

die Anzeige gegen den Kutscher. Vor der Verhandlung sagte der edle

Rechtsanwalt Dr. Kr. meines Bekannten zu ihm: »Sagen Sie nicht allzu

schroff ungünstig gegen den Kutscher aus, und verlangen Sie besonders

nicht seine Bestrafung, weil er drohend gegen Sie den Peitschenstiel

erhob. Es geht nur _an den armen Pferden aus_! ›Wart’s, Ludern, dös

sollt’s mir büßen‹ — — —!«

In Deutschland ist das _künstliche_ Stopfen, Mästen von Geflügel

strengstens _bei hoher Strafe_ verboten. »Friß, so lang’ du fressen

kannst und magst!« ist ein humaneres Prinzip als: »Friß, ob du magst

oder nicht — — —!«

Ein bisserl Anständigkeit, meine Herrschaften, man verlangt ja eh nicht

viel! Die Gansleber wird auch schmackhaft nach sechs Monaten, laßt’s

doch dem armen Vieh Zeit, seine Leber dem niederträchtigen,

wollüstig-feigen Gaumen der Menschen zuliebe maßlos zu vergrößern! Man

muß ja nicht mit den verbrecherischen Fingern und Federkielen

nachhelfen; Tiere wie Menschen _fressen sich ja eh zu Tode_, wenn man

sie nur laßt!

Neues Altes · 第 108 / 126 题