Was ist ein Nachtcafé?! Etwas Unverlogenes. Die Mädchen wollen leben und
nicht Frondienste leisten, nicht Schaffel reiben und Nachttöpfe fremder
Menschen reinigen, solange sie noch entzückende Leiber haben. Sie wollen
sich andererseits betrinken, um zu vergessen, daß das alles nicht so
weiter geht, in infinitum. Sie stehen vor stündlichen Gefahren, müssen
sich berauschen an irgend etwas, um sich Mut zu machen für die Schlacht
des Lebens! Niemand behandelt sie nach ihres jungen Herzens Wunsche!
Infolgedessen rächen sie sich, wie sie es können, bald so, bald anders!
Heimtückische, feige Marodeure sind nur die Männer! Eine, der ich in
Briefen meine tiefste Sympathie, mein gerechtestes Verständnis bewiesen
hatte, sagte dennoch: »Du mußt mir die zwanzig Kronen im vorhinein
bezahlen — —! Wir haben es leider gelernt, selbst romantisch veranlagten
Dichtern nicht mehr zu trauen — — —!«
Die Damenkapelle ist eine Oase. Sie sind verheiratet, Bräute, oder sonst
treu irgend jemandem. Sie haben ein konsolidierteres Schicksal. Sie
haben irgend etwas gelernt, wodurch man sich weiterbringt. Sie haben
sich der Lebensordnung eingefügt. Ob sie glücklicher sind, nicht andern
Enttäuschungen, Gefahren ausgeliefert?!? Zwei Welten, hart aneinander,
einander gleich in ihren schweren Kämpfen. Keine Damenkapelle ohne diese
Hetären, keine Hetären ohne diese Damenkapelle! Nur die Männer sind das
perfide Element. Sie möchten alle zusammen unglücklich machen, ihre ewig
hungrigen Eitelkeiten mästen mit den unglückseligen Blicken verliebter
Frauen! Damenkapelle oder Hetäre gilt ihnen gleich, ihre innere rohe
Leere mit einem liebevollen dummen Frauenherzen auszufüllen — — —!
Nachtcafé, du kleine miserable Welt, du Abbild der großen, noch viel
miserableren!