Sie war sehr, sehr krank. — Der Arzt verordnete einen halben Liter heiße
Zitronenlimonade, ein wollenes Tuch um den Kopf und stundenlang
schwitzen.
Sie war aber arm, und die Quartiersfrau, bei der sie wohnte, konnte ihr
nur eine dünne Bettdecke geben. Da sandte ihr der Dichter seine grünrote
Flanelldecke, die er selbst benötigte, und sein Freund, der Baron,
sandte eine Pelzdecke aus selbstgeschossenen Wildkatzenfellen, die er
gar nicht gebrauchte.
Als nun der Dichter sie besuchte, fand er die Pelzdecke direkt auf ihrem
heißen, glühenden Leibe liegen, die Flanelldecke dagegen zuoberst. Er
sagte es ihr sogleich ziemlich brutal, daß er dieses für einen
»Treubruch« halte, wenn auch in den ersten Anfangsstadien.
Sie erwiderte: »Ich wollte deine Decke streicheln können, immer und
immer mit meinen zärtlichen Fingern. Deshalb gab ich sie zuoberst.« »Du
Falsche! — — —« sagte der Dichter und ging zürnend weg.
Später kam der Arzt und sagte: »Ich würde Ihnen vorschlagen, Fräulein,
die schwere Pelzdecke zuunterst zu legen, und die leichtere Flanelldecke
oben darauf; es ist zweckmäßiger!«
»Nein,« sagte sie, »das tue ich nicht.« Als sie endlich gesund war,
sagte der Arzt von ihr: »Die Hysterie solcher Patientinnen erschwert den
Heilungsprozeß ganz besonders. Selbst in nichtigen Kleinigkeiten müssen
sie ihren lächerlichen eigensinnigen Willen durchsetzen. —«