Ich wollte einmal einen halben Tag lang das Leben eines Reichen erleben.
Ich ließ mich von einer reizenden Frau und ihrem Gatten in ihrem
Mercédès vom Hause aus abholen. Ich fuhr zu meinem Raseur,
Teinfaltstraße, mich verjüngen zu lassen, besonders mit der
Menthol-Franzbranntwein-Spritze auf den Kopf. Ein Ersatz für jedes kalte
Bad! Dann fuhren wir nach Baden. Dort badeten wir in den
Kurhauswannenbädern, vierundzwanzig Grad Celsius. Dann ließen wir uns
kühle Hotelzimmer aufsperren und schliefen eine halbe Stunde lang. Dann
aßen wir Solospargel, Hirn en fricassé. Dann fuhren wir weiter, nach
Heiligenkreuz. In kühler Halle tranken wir duftenden Tee mit Zitrone.
Abends zurück, in eiliger Fahrt.
Die Wiesen dufteten, und die Wälder standen schwarz und
unbeweglich-melancholisch unter dem Abendhimmel, der leise leuchtete.
In Wien verabschiedete ich mich.
Im Café Ritz fand ich jene junge Dame, die schon lange meine Augen
beglückte. Braunes Haar, blauer Strohhut, Stumpfnase. Ich wollte den Tag
feierlich beschließen. Ich sandte ihr drei wunderbare ganz dunkle Rosen
und einen Eierpunsch, dieses Lieblingsgetränk der meisten solchen Damen.
Sie nahm es huldvollst an, ausnahmsweise.
Sie kam an meinen Tisch und sagte:
»Macht es Ihnen wirklich eine so große Freude, mir Aufmerksamkeiten zu
erweisen?!?«
»Ja, gewiß, sonst täte ich es ja nicht!«
»Also, dann brauche ich ja nicht dankbar dafür zu sein — — —!?«
»Nein, keineswegs. Sondern ich Ihnen!«
Das war der Tag des Reichtums — — —.