Fräulein H. M., immer und ewig werden die Dichter an dem fast
absichtlichen »Unverständnis« geliebter, vergötterter Frauen zugrunde
geh’n — — —. Du allein brachtest mir die volle _Sicherheit_, daß mein
sonst so oft _mißverstandenes_ Dasein von dir _erkannt_ wurde, in
Weisheit und in Milde, wie von Gott selbst — — —! Heißt man das Liebe?!
Gleichviel. Es ist die »Erlösung«, die eben keine andere bringen kann!
An Frau D. M., in unzerstörbarer Freundschaft.
Freundschaft, du immer und ewig _mißbrauchtes, geschändetes Wort_! Du
bist »Erkenntniskraft des Gehirnes«, _gemildert_ durch »des Herzens
Wohlwollen«!
An Maria Maraviglia, spanische Tänzerin.
Leben, flüchtigstes, zerrinnendstes, kann ich dich nicht festhalten?!
Ja! Durch Erinnerung, Melancholie und Ergebung ins Schicksal — — —.
Frau M. B. in Aachen.
Aus Fernen kam ein begeisterter Gruß — — —. Wie selig war
ich — — — zwischen Aachen und Wien ist genügend Raum für die
Enttäuschungslosigkeit zusammengehöriger Seelen geschaffen — — —!
An die Gemahlin des Herrn J. S.
Wie eine Aristokratin sehen Sie aus des 18. Jahrhunderts — — —. Augen
voll ernster Ruhe und Noblesse, und dennoch wieder Augen der Sphinx und
der Rheinnixen! Die Nase wie von urältesten Adelsgeschlechtern
herstammend, sanft gebogen und dennoch stumpf abbrechend. Adlernase und
Stumpfnase zugleich! So aus einer Zeit von vergangener Würde und Größe.
Man sitzt neben Ihnen, betrachtet Sie, spricht ehrfurchtsvoll, wie mit
_keiner anderen_. Man ist unter einem unerklärlichen Banne. Wie wenn man
vorgestellt würde der »Kaiserin Marie Antoinette«. Man möchte zu Ihnen
sagen: »Votre Altesse Royale — — —«. Aber man muß über die kleinen
Ereignisse des Tages sprechen — — —. Und dabei blickst du wie eine
traurige Fürstin — — —!
Für P. H., die »Romantikerin«.
Sie erwünschen es sich, daß ich Ihnen von meiner einsamen Landpartie im
Vorfrühling Blätter ins Haus sende, in die enge Gasse der Vorstadt?!
Nun, ich befestigte alles einzeln vorsichtig an silbernen Drähten,
zarte, gelbgrüne Blättchen. Wie gleicht Ihr Herz doch der
Vorfrühlingslandschaft — — —! Man bedauert direkt, daß es bald zu
greifbarer Blüte und Frucht ausreifen werde im Sonnenbrande des Lebens!
_Für Gertrude Barrison, Tänzerin._
Kalt und hart scheinbar sind Sie im Leben, das alle zu leben, alle zu
erleiden, alle zu ertragen haben! Aber _hinter_ diesem »gewaltsamen
Sein« schlummert den ewigen Schlaf, besiegt und längst abgestorben, die
»vergrämte Idealistin«! _Geschreckt_ von der _Heimtücke des Daseins_,
traut sie sich nie mehr zum Vorschein — — —. Und nur des Dichters Auge
blickt noch in Welten, über die der Sargschleier, alles verbergend,
liegt — — —.
_An Miß Bessie._
Ich hatte dich irrsinnig lieb und vergeblich — — — man hat immer nur
_irrsinnig_ lieb, wenn es _vergeblich_ ist!
An Frau E. R.
Eine Welt von zärtlichster Zärtlichkeit mußte in mir ersterben, auf dein
Geheiß! Auf deinen strengen unerbittlichen Wunsch! In späteren Tagen
warst du sanftmütig und gütig zu mir; in späteren Tagen! Aber den »süßen
Wahnsinn« hast du mir gemordet, wolltest durchaus meiner Seele endlose
Welten auf ein _erfaßbares Maß_ zurückführen; vergeblich! _Stört_ euch
»unser Wahnsinn«, so enttäuscht euch schließlich noch mehr die »normale
Liebe« der anderen! Sind wir auch »übertrieben« in unserer Verehrung,
sind die _anderen allzu nüchtern_ in ihrer gesunden Gerechtigkeit!
_An Else Wiesenthal._
Immer und überall im Leben vermißt man »Hoheit und Würde« und »edle
Kindlichkeiten« zugleich! Aber in _Ihrem Tanzen_ findet man es. Deshalb
ist man so beglückt und erlöst und erleichtert. Was man an seiner
geliebtesten Geliebten schmerzlich-melancholisch vermißt, findet man,
erstaunt, gerührt, bei Ihnen! Unerbittlich und starr wird immer
naturgemäß sogleich die Seele des Mannes, falls ein _wertvolleres_ Bild
vor seine Seele tritt! Ehebruch, Treuebruch, was seid ihr für
nichtssagende Namen! Das »_Zulänglichere_« löscht einfach stets das
»_Unzulängliche_« aus! Soll man weiter verehren, was der Verehrung nicht
mehr wert ist?! Gehet von hinnen, Schwerfällige, wenn die »_idealere
Tänzerin_« naht! Die »_Gleitende_« besiegt die »_Schleichende_«!