Ich hab empfangen das Sakrament.
Gesegnet sei, der mich das hieß tun
Und also guten Rat mir sprach.
Nun seid bedankt, daß ihr auf mich,
Geharret habet sorglich
Mit andächtigem Beten.
Und nun laß uns die Reis antreten.
Leg jeder die Hand an diesen Stab
Und folge mir zu meinem Grab.
WERKE:
Ich heb vom Stab nit meine Händ,
Zuvor die Reis kam an ihr End.
GLAUBE:
Ich steh bei dir, so wie ich eh
Stand hielt bei Judas Makkabee!
(_Sie gehen hinauf._)
DER TOD
(_ist hervorgetreten und geht hinter ihnen einher._)
(_Sie stehen beim Grab._)
JEDERMANN
(_schließt die Augen_):
Nun muß ich ins Grab, das ist schwarz wie die Nacht,
Erbarm dich meiner in deiner Allmacht.
GLAUBE:
Ich steh dir nah und seh dich an.
WERKE:
Und ich geh mit, mein Jedermann.
JEDERMANN:
O Herr und Heiland steh mir bei
Zu Gott ich um Erbarmen schrei.
WERKE
(_hilft ihm ins Grab, steigt dann zu ihm hinein_):
Herr laß das Ende sanft uns sein,
Wir gehen in deine Freuden ein.
JEDERMANN
(_im Grab, nur Haupt und Schultern sind noch sichtbar_):
Wie du mich hast zurückgekauft,
So wahre jetzt der Seele mein,
Daß sie nit mög verloren sein
Und daß sie am jüngsten Tag auffahr
Zu dir mit der geretteten Schar.
(_Er sinkt._)
GLAUBE:
Nun hat er vollendet das Menschenlos,
Tritt vor den Richter nackt und bloß
Und seine Werke allein,
Die werden ihm Beistand und Fürsprech sein.
Heil ihm, mich dünkt es ist an dem,
Daß ich der Engel Stimmen vernehm,
Wie sie in ihren himmlischen Reihen
Die arme Seele lassen ein.
ENGEL (_singen._)
Ende.
Dieser Erneuerung des alten Spieles liegt für den Aufbau vornehmlich
der anonyme englische Text des fünfzehnten Jahrhunderts zugrunde.
(Everyman, a morality play, gedruckt zu London um 1490.) Aus des Hans
Sachs »Comedi vom sterbend reichen Menschen« wurde manches einzelne
herübergenommen, zumeist in den Anfangsszenen. In der Szene der Mutter
ist ein gereimtes Gebet eingewoben, das von Albrecht Dürer stammt. Das
Tanzlied und die übrigen Lieder sind einer neueren Sammlung der
Minnesänger des dreizehnten Jahrhunderts entnommen.
Begonnen April 1903 -- beendet September 1911.
WERKE von HUGO VON HOFMANNSTHAL:
GESTERN. Dramatische Studie. 3. Auflage.
DIE FRAU IM FENSTER. Ein Akt. 5. Auflage.
DIE HOCHZEIT DER SOBEÏDE. Dramatisches Gedicht. 6. Auflage.
DER ABENTEURER UND DIE SÄNGERIN. Dramatisches Gedicht. 6. Auflage.
ELEKTRA. Tragödie. 12. Auflage.
DAS GERETTETE VENEDIG. Trauerspiel. 3. Aufl.
ÖDIPUS UND DIE SPHINX. Tragödie. 6. Auflage.
KÖNIG ÖDIPUS. Tragödie von Sophokles. 30. Aufl.
CRISTINAS HEIMREISE. Komödie. Neue Ausgabe. 2. Auflage.
DER ROSENKAVALIER. Komödie für Musik. 4. Aufl.
SZENEN. 1. Auflage.
DIE PROSAISCHEN SCHRIFTEN. Vier Bände.
Druck von W. Drugulin in Leipzig.
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