Mit schwesterlicher Unbefangenheit umarmte sie ihren _Professor der
Alterthumskunde_, und half ihn, wie im Triumpf, sie auf der einen, _Imada_
auf der andern Seite, einführen in die Burg des _Grafen von Gabonne_.
»Wo ist Ihr Bräutigam?« flüsterte _Duur_ unterwegs _Imada'n_ ins Ohr.
»Noch ist er nicht hier,« antwortete sie: »er kennt Sie sehr gut und liebet
Sie herzlich. Aber hüten Sie sich doch etwas vor ihm, denn er soll sehr
_eifersüchtig_ seyn. Bis dahin wollen wir beide unter uns allen Zwang
vergessen.«
Drittes Kapitel.
Die Flucht.
Sie traten ins Schloß des Grafen von _Gabonne_. Leben und Freude theilte
sich allen Versammelten mit; nur _Florentin_ war allein der einzige,
welcher bei allem Vergnügen düster und mißmüthig blieb. Vergebens waren
alle Aufmunterungen; er konnte nicht froher werden.
An seinen sehr erklärlichen Trübsinn schloß sich eine neue Art des
Mißvergnügens, welche aus der unangenehmen Bemerkung entstand, daß man sich
im Grunde auch nicht zu viel Mühe zu geben schien, seine Aufheiterung zu
bewerkstelligen, sondern sich sogar unter einander, lachend und flüsternd,
wie heimlich, verband, ohne ihn in diesen Kreis einzuschliessen.
»Der Leidende ist der einzige Ueberflüssige in der Gesellschaft der
Fröhlichen!« dachte er bei sich und der Plan war entworfen, der Entschluß
gefaßt, mit einbrechender Nacht wieder davon zu reisen, bis die
Hochzeitsfeierlichkeiten vorüber wären, und dann zurückzukommen, um den
Heimweg nach _Idalla's_ Insel anzutreten.
Er ging hinaus; der Fuhrmann ward in aller Stille bestellt; er kam zurück
und stellte sich froher.
Der Abend schlich allmählig vorüber. Um den künftigen Morgen desto besser
zu geniessen, beschloß man ein frühes Zubettegehn.
»Gute Nacht!« sprach beim Abschiede der freundliche _Graf von Gabonne_ zu
seiner Nichte: »morgen hast Du einen andern Freund, einen andern Beschützer
an Deinem Gemahl. -- Heut hab' ich die Rolle zum leztenmal gespielt, und
ich bins sehr zufrieden. Wahrhaftig, nichts ist gefährlicher, als ein
Mädchen zu hüten; ich hätte bei meiner Ritterschaft leicht einmal das Leben
eingebüßt.«
»Das Leben?« fragte Holder.
»Es war kein Scherz.« antwortete der Graf: »aber eben der fatalen
Begebenheit hat _Imada_ ihre erste Bekanntschaft mit unserm _Florentin_ zu
danken. -- Im lezten Kriege hatte Imada das Unglück, von den Feinden in
ihrem verwaisten, väterlichen Schlosse überfallen und gefangen zu werden.
Es geschah dies nicht ohne Absicht. Der feindliche General war ein alter
Liebhaber meiner Nichte. Weil der Himmel aber keine Sünde unbestraft läßt,
so fügte ers, daß der General bei einer Rekognoscirung grade in meine Hände
fiel. Ich ward zwar dabei verwundet, allein er mußte sich nun mit seiner
Geliebten ranzioniren; aber ehe er den Vertrag unterschrieb, ward _Imada_
als Deserteur, in männlicher Kleidung, zu uns ins Lager gebracht. Niemand
war froher, als ich; sobald ichs durfte, rüstete ich einige Luftgondeln
aus, um meine Beute in eine entfernte Gegend zur Sicherheit zu bringen.
Unterwegs erhielten wir die Nachricht vom Friedensschluß, vom Zurückzug der
Armeen, und wir begaben uns also hieher nach Mont-Rousseau, wo wir denn vor
weitern Anfechtungen geschüzt waren. Auf der Reise nach Mont-Rousseau fand
_Imada_ unsern _Florentin_, wie einen Arkadier im Holze.«
Man scherzte noch vielerlei über das gefährliche Abentheuer; besonders gab
_Imadas_ Heroismus, in Mannskleidern aus dem feindlichen Lager zu
entwischen, zum Lachen manchen Stoff. Nur _Florentin_ nahm keinen Theil
daran, indem er selbst schon mit dem Plan _seiner_ Flucht zu sehr
beschäftigt war.
Die Freunde schieden aus einander; jeder erhielt sein Zimmer; _Florentin_
schrieb einige Zeilen, worin er seinen Schritt rechtfertigte, und als er
alles im tiefen Schlafe wähnte, machte er sich auf, und entkam glücklich
aus dem Schlosse.
Es war eine schöne Mondscheinnacht. Er hatte den Fuhrmann befohlen seiner
am Ende der Allee zu erwarten. Wie erschrak aber unser Flüchtling, als er
Pferd' und Wagen nicht weit vom Schlosse stehend fand! Wie leicht konnt' er
hier entdeckt werden!
Um keine Zeit zu verlieren, eilte er sogleich zum Wagen und warf sich
hinein.
»Um Gotteswillen, wer ist hier?« rief er bestürzt, als er eine weibliche
Figur neben sich erblickte, die er in Angst und Eil nicht gesehn hatte.
»Eine Reisegefährtin!« lispelte ihm eine süße Stimme zur Antwort.
_Duur_ war ausser sich. _Imada_ selbst sas neben ihn. Seine Flucht war
verrathen durch die Unvorsichtigkeit des Fuhrmanns.
In größerer Verwirrung und Bestürzung hatte _Florentin_ sich nie befunden.
Er konnte kaum ein Wort zu seiner Entschuldigung hervorstammeln. Er
fürchtete die bittersten Vorwürfe, aber -- _Imada_ lächelte.
»So haben wir nicht gewettet!« sagte sie in einem scherzenden Tone. »Nicht
so, die Geschichte von meiner Desertion hat sie verführt?«
»Imada!«
»Nein, so entrinnen Sie nicht. Hier stehn Weiber auf der Wacht, und mich
hüteten nur Männer damals, die ihr Geschäft handwerksmäßig betrieben.
Weiber, wissen Sie ja wohl, sind in solchen Fällen wegen ihrer Schlauheit
berühmt.«
»Sie sind grausam mit Ihrem Spotte.«
»Wollen Sie sich ergeben?«
»Ihnen? o wie gern!«
»Auf Gnad' und Ungnade?«
»Ich muß.«
»Und zugleich gestehn, warum Sie uns so ohne Abschied entrinnen wollten?«
»Um glücklicher zu sein, wenn ich mich und meinem Kummer selbst überlassen
war. Ich wollte die Gesellschaft der Fröhlichen nicht stören.«
»Welcher Kummer quält Sie?«
»O Imada, können Sie noch fragen?«
»Allerdings. Hab' ich Ihnen von Ihrem Aufenthalte bei uns nicht alles Lieb'
und Gute verheissen?«
»Aber nur das nicht verheissen, was mich in der Welt allein glücklich
machen, und mit meinem unglücklichen Leben allein aussöhnen könnte.«
»Lieben Sie mich wirklich?«
»Imada -- zweifeln Sie wirklich?«
»So kommen Sie, ohne daß uns eine Seele bemerkt, sogleich wieder ins Schloß
zurück.«
»Lassen Sie mich fliehn. Ich fürchte den morgenden Tag. Ich kann diesen
schrecklichen Tag unmöglich in Ihrer Gesellschaft überleben. Lassen Sie
mich fliehn.«
»Sie wollen also davon, und wissen doch, wie unaussprechlich theuer Sie mir
sind? -- Nun, so muß ich Gebrauch von meiner Gewalt machen. -- He, herbei!
der Deserteur ist gefangen!«
Kaum hatte sie diese Worte gerufen, als lachend die ganze Schaar, welche
_Florentin_ längst im tiefsten Schlummer glaubte, aus dem Schloßthore
hervoreilte, _Josselin_, _Gabonne_, _Holder_, _Gobby_, _Silberot_ und die
Damen.
_Florentin_, umringt von der scherzenden Menge, welche ihn mit freundlichen
Vorwürfen bestürmte, mußte sich gern oder ungern zum Kriegsgefangnen
ergeben.
»Es schlafen nicht alle, welche die Augen verschliessen!« rief lachend der
alte _Gabonne_: »Glauben Sie nicht, daß ich in meinem eignen Hause ein
sorgloser Commendant sey. Ihre Flucht war mit verrathen, als Sie den ersten
Schritt zur selbigen gethan hatten -- morgen soll Kriegsrecht über Sie
gehalten werden. Jezt sind Sie unser Gefangner.«
_Florentin_, immer verlegner, mißmühiger, doch zu discret, um den
gutmüthigen Scherz zu verderben durch seinen Ernst, stotterte nur
Entschuldigungen.
»Seyn Sie ruhig, lieber Deserteur!« sagte der Graf: »Ich muß Ihnen
offenherzig bekennen, daß Sie mir durch ihre Desertion noch liebenswürdiger
geworden sind, und dies wird Ihre Strafe morgen sehr lindern. -- Verlassen
Sie sich darauf. Inzwischen, damit Sie mir nicht den Versuch zur Flucht in
dieser Nacht wiederholen, so sollen Sie eine Wache von eitel Frauenzimmern
empfangen. -- Rechts und links neben Ihrem Zimmer liegen die Schlafzimmer
von unsern Damen. Wollen Sie also entfliehn, so müssen Sie erst vor den
Betten Ihrer Wächterinnen vorüber. Und wehe Ihnen dann!«
Man brachte ihn wie im Triumpf zurück ins Schloß. _Holder_ sah seinem
niedergeschlagnen Freund lächelnd ins Gesicht, sprach zwar kein Wort, aber
blinkte ihm mit den Augen Muth zu.
Die Greise übergaben den versammelten Damen, zu welchen sich auch mehrere
Fremde gesellt hatten, den Gefangnen feierlich in Verwahrung. -- Diese
führten ihn nun, als Siegerinnen, die Treppen hinauf, in sein schönes
Gefängniß, vor welchem sie selber die Wacht halten sollten.
Jede empfahl sich ihm mit einem Kuß der Versöhnung -- _Imada_ war die
lezte.
»Ich habe sie nicht verdient, diese Liebe diese peinigende Freundlichkeit!«
rief er: »ich kann sie auch nicht erwiedern. -- O Imada, wie wäre der
Schluß im Roman meines Lebens so schön gewesen, wenn Ihre Liebe mich
schadlos gehalten hätte für die unzähligen Leiden, die ich trug.«
»Lieb ich Dich nicht, Flüchtling?« flüsterte sie, und es schauerte ihm warm
durch sein ganzes Wesen bei dem vertraulichen Du.
»Aber morgen?«
»Morgen?«
»Verlier ich dies Herz, diese Hand und das vertrauliche Du. Doch ich wills
erwarten. Sehn will ich den Mann wenigstens, welchen _Imada_ zum irrdischen
Gott macht.«
»Hättest ihn beinah nicht gesehn. Er ist zwar schon gekommen -- -- --«
»Schon hier?«
»Freilich. Allein, da er ankam, ließ er sogleich wieder umwenden, als er
von Deiner Anwesenheit hörte. Er ist wirklich eifersüchtig; ich hätt' es,
seinem Alter nach, nicht von ihm geglaubt. Mühsam gelang es mir, ihn fest
zu halten.«
»Ach hättest Du -- -- --«
»Ihn _laufen_ lassen. Nicht so? Nein, Wort muß man halten. Sieh, ich will
mich theilen. Meine Person gehört _ihm_ ein für allemal an; _Dir_ aber
meine Liebe, mein Herz?«
»Wolltest Du das? Könntest Du das? Nein, Imada, ich wills, ich kanns nicht.
Gieb Dich ihm ganz hin. Erinnre Dich, was Du sprachest, als wir unverhofft
uns im Garten bei der Todtenfeier fanden vor einigen Wochen.«
»O Florentin, wir Weiber schwatzen manches, von dem unser Herz keine Sylbe
soufflirt hat. Worte sind nicht immer der Wiederschall unsrer Empfindungen
und Wünsche. -- Dabei bleibts. Morgen siehst Du meinen künftigen Gemahl,
und er soll seinen beglückten Nebenbuhler sehn. Ich hoffe, Ihr werdet Beide
in freundlicher Eintracht mit einander leben. Damit er aber nicht Ursach
hat, vor der Zeit eifersüchtig zu werden ohne Noth, so sag ich izt:
Florentin, gute Nacht! Denn wenn er erführe, daß seine Braut um Mitternacht
mit Dir allein in einem Zimmer kosete: so möchte ihm dies doch nicht die
besten Gedanken erregen.«
Bei diesen Worten schmiegte sie sich freundlich an ihn. _Florentin_ nahm
Abschied in einem langen süßen Kuße -- _Imada_ entwischte, und mit
unruhigem Herzen schlummerte, träumte und wachte alles dem kommenden Morgen
entgegen.
Viertes Kapitel.
Der Bräutigam erscheint.
Die Natur feierte einen Festtag; duftiger, erquickender strahlte das
mannigfache Grün herab von Bäumen, Gebüschen und Hügeln; schöner sangen die
kleinen Sänger in den düstern Hecken und unter des Frühhimmels azurnem
Gewölbe; majestätischer erschien der Sonne Aufgang am flammenden Horizont,
in jeder Sekunde mit verwandeltem Farbenspiele an dem schwebenden Gewölk.
--
_Florentin_ verließ das Bett; er eilte dem Fenster zu, um sich zu laben an
dem erquickenden Anblick der aufwachenden Landschaft. Der emporsteigende
Duft von Blumen und Kräutern, die im Morgenschimmer verklärten Gestatten
einer anmutigen Gegend, alles machte einen wundersamen, wohlthätigen
Eindruck auf sein Herz.
Er fühlte sein ganzes Wesen leichter, ruhiger sein Herz und abgeschieden
von aller Leidenschaft. Er sah die Bilder der gestrigen Nacht, des
gestrigen Tages, der ganzen stürmischen Vergangenheit, wie einen
zurückgelegten Traum in nebelhafter Ferne noch schweben vor seinem Geist.
Ihm wars so wohl in dieser Verwandlung; sein lebendigster Wunsch wars izt,
daß diese liebliche Wiedergeburt nicht das vergängliche Spiel einer
angenehmen Morgenlaune seyn möchte. -- Er war so zufrieden mit sich, er
hätte -- beten mögen.
Was hätt' er darum geben mögen, wenn er diese feierliche Stille in seiner
Natur mehr einem philosophischen Siege seines Geistes über die rebellische
Sinnlichkeit, als der einstweiligen Disposition seines Körpers zu danken
gehabt hätte!
Bald darauf wards neben ihm in den Zimmern lebendiger. Er hörte das
Flüstern und verstohlne Gelächter der Damen. Es dauerte nicht lange, so
öffneten sich von beiden Seiten die Thüren.
Umringt von blühenden Jungfrauen erschien _Imada_, in einem einfachen
Morgenkleide, einen lebendigen Blumenkranz durch das freischwebende Haar
geschlungen.
Sie war nicht mehr _Imada_, sie war eine Göttin in allen ihren Bewegungen.
Mit Seligkeit und Liebe umkleidet schienen die übrigen Mädchen und Weiber
nur Reize von ihrer Nähe zu erborgen -- eine Sonne unter leuchtenden
Gestirnen, wandelte sie.
_Florentin_ bebte ihr näher. Der süßeste Morgengruß ward gegeben und
genommen. _Florentin_ war entzückt, aber er ahndte es, wie bald dies
Entzücken Verzweiflung werden würde.
»Im Namen meines Oheims und der übrigen lieben Gesellschaft befehle ich
Ihnen, als meinem Gefangnen, mir zu folgen, um für Ihre gestrige Flucht
Red' und Antwort zu geben, und Urthel und Recht zu empfahen, als es billig
ist!« sagte _Imada_ lächelnd.
_Florentin_ wollte der Holdseligen eine Antwort geben, aber _Imada_ winkte;
_Idalla_ und _Rosalia_ ketteten sich an seine Arme und führten ihn, als
einen Staatsverbrecher, mit muthwilligem Ernste davon.
Sie führten ihn hinab zum Verhör; eine hohe Thür sprang vor ihnen auf;
_Florentin_ stand in einem großen Säulensaal, voll königlicher Pracht. In
der Ferne ein Altar, mit brennenden Kerzen; von beiden Seiten eine
zahlreiche Versammlung.
Freundlich begrüßte sich unter einander die Menge, aber bald trat die
vorige, feierliche Stille wieder ein.
Der _Graf von Gabonne_ trat lächelnd in die Mitte der Versammlung, kündigte
nochmals die Vermählung _Rosaliens_ und _Imada's_ an, sprach darauf von
_Florentins_ frevelhaften Beginnen, in der Nacht zu entfliehn, und kündigte
ihm im Namen der Gesellschaft, im Fall er Besserung geloben wolle,
Erlassung der schweren, wohlverdienten Strafe an.
»Aber,« fuhr der liebe Greis in seinem feierlichen Sermon fort: »aber da
wir, die wir hier um Dich, Flüchtling, versammelt stehn, wir _Gabonne_,
_Gobby_ und _Silberot_, _Josselin_ und _Rosalia_, _Holder_ und _Idalla_
beschlossen haben, in dem romantischen Reviere Mont-Rousseaus fernerhin zu
wohnen, gemeinsam uns einträchtig, bis der Tod das Band unsrer Gesellschaft
auflösen wird, -- da wir befürchten müssen, daß Du Deine Versuche zur
Flucht erneuern möchtest; so diktiren wir Dir hiemit _eine ewige
Gefangenschaft_!«
»Um selbst sichrer zu seyn, vertrauen wir Dich ganz besonders der
Wachsamkeit unsrer _Imada_ an, und binde ich Dich durch dieses Wort auf
ewig an sie!«
_Florentin_ horchte, und traute seinen Sinnen nicht. Er war am Ziele, mit
welchem man ihn überraschte, da er sich am fernsten von ihm glaubte. Er
hörte nichts, er fühlte nichts mehr. Sprachlos sank er in _Gabonnens_ und
_Imadas_ Arm; träumend stand er mit _Imada_, an _Josselins_ und _Rosaliens_
Seite vor dem Altar, und empfing er den Segen des Greises _Gabonne_.
»So, Vinzenz!« rief _Gobby_ lächelnd: »lohnen Dich die schwarzen Brüder!«
Betäubt, entnervt vom gewaltsamen Gefühl seines unaussprechlichen Glücks
sank er in _Holders_ offnen Arm. _Imada_ küßte ihn als Weib, und _Josselin_
rief: »Segen über diesen Augenblick! so wollen wir gründen die Colonie der
Glücklichen!«
Fünftes Kapitel.
Epilog an die Leser.
Der Vorhang fällt; das Schauspiel ist geschlossen! -- Man legt das Buch
zurück; man rümpft die Nase, spizt den Mund, und sinnt auf ein Bonmot. Der
Kritiker schnizt seine Feder, um das Märchen, welches ich auf gutes Glück
erzählte, nach Gebühr zu würdigen und zu verdammen. -- Ich sehe
allenthalben krause Stirnen, keiner will mir einen stillen Dank
entgegenlächeln.
Wohlan, es sey; ich habe nichts dagegen. Vergessenheit sey meines Buches
Loos. -- Auch Tadeln macht Vergnügen, denn es giebt dem Gefühl unsers
Besserseyns zweifaches Leben.
Wer aber in den Labyrinthen meiner Träumerein ein frohes Stündchen schlagen
hörte; wem ich durch mein Geschwätz nach ernstern Geschäften den Augenblick
der Ruh versüßte; wer bei den Abentheuern meiner Helden sein eignes Leid
auf einge Zeit vergaß; wem hie und da ein frommer Wink, ein Wort aufs Herz,
wie Funken auf den Zunder fiel, -- der zürne wenigstens mir nicht, daß ich
nichts bessers gab.
Ich hätte freilich manches -- manches Gemälde noch aus dem drei
undzwanzigsten Jahrhundert liefern können: das Feld war groß, der Beute
viel; allein ein andrer mag den Faden nehmen und die Erzählung weiter
spinnen, ich schweige still und höre selber zu.