II

Über den toten Lehmweg zog schon ein langer schwarzer Zug von Fronleuten

der Grube zu. Man ging wie über einen Feuerwerkplatz. Die kleinen Häuser an

der Straße warfen große, braunblaue Vierecke auf den geölten Weg. Das

Geräusch der Seiltürme flog gewitternd über die krausen Netze des Rauches.

Rußschwärme jagten wirbelnd durcheinander. Töne von menschlichen Stimmen:

Ein Zusammengeworfenes, dumpfes, melodisches Summen wie von Insekten,

zerrissen in der Orgie der materiellen Brandung. Klangen nur in Pausen nach

wie gedunsene Halle eines Echos, waren Endungen eines Spieles, das Seele

verlor.

Im Schein der wattigen Lampenhelle, die kaum die Giebel berührte, wanderten

alle Menschen krumm, wie vergreist. Sie schienen nichts mehr wissen zu

wollen und träumten ihre Wege hinab. Erde zitterte ihren Hälsen zu und

mühte sich, die eckigen, durchgearbeiteten Schädel zu halten. In den Köpfen

waren allein nur Kerne noch wach. Alles, was diese Kerne umhüllte, war ein

trunkener Mechanismus. Eine Welle regelte ihn. Ein Magnetismus, der von

einer außerordentlich organisierten Zentrale herkam: zu regieren und zu

profanieren.

Und eins dieser Tore gähnte gefräßig und sog die Menschen, die waren,

mühelos hinein.

Lange Arme ruderten. Gesichter sprangen weiß vor. Knochige Hände griffen

Zahlen an. Gewirr von Lampen flog auf. Signalglocken überschrien den

Steiger, der vielerlei Namen gleichgültig aufrief. Und die Namen bejahten

halbgemurmelt die Aufrufe.

Dann und wann schnellte eine Hand empor: wie, wenn Kinder Schulweisheiten

auskramen. Eine Hand, die kühle Gefühle spürte. Wäre ein Wille darüber

gelegen, hätte sie zugestoßen. Spitz und blank. Und wäre warm geworden in

Röte.

Die Menschen aber wanderten in die Kaue. Das war ein kalkweißer Saal zur

ebenen Erde. Lange Steintröge mit fließendem Wasser flankierten die Wände.

Von der Decke baumelte in gedrehten Wirbeln das verschwärzte Blau der

Arbeitsanzüge.

Man zog sich um. Die Luft stank von Schweiß und verschwitzter

Unterkleidung. Dann standen Akte: blank wie Bronzen von Meunier.

Tatzenbreite Klauen klatschten zum Spaß auf muskulöse Schultern.

Krampfadern standen geschwollen auf Fleischklumpen der Oberarme und

Unterschenkel. Geschlechtliches lag dumpfverkrochen in den Höhlen. Nur das

gewohnte Werfen mit Zoten, das gering und automatenhaft war, täuschte

Springlebendigkeit vor.

Die Glocke ratterte wieder. Und ein Blöken schwoll wie Gedränge von Schafen

im engen Stall. Hitzige Geräusche aus den Kehlen hatten aber kein Medium zu

durchdringen.

Juppchen stand mit hochroten Wangen und klopfenden Herzens da. Etwas in

ihm, das lange geschwiegen hatte, jubelte auf.

Der schwarze Baal: Novellen · 第 13 / 30 题