Rief da nicht jemand: »Fredrik? -- -- Fredrik . . .?«

Eine Eule huschte laut vorüber.

Fredrik ging nicht zuerst in die Räucherkammer, um nach dem Speck zu

fingern. Er tastete sich durch den Flur in das Hinterstübchen und stolperte

über einen schweren Balken, den die fremden Soldaten wohl dort hingeworfen

hatten.

Fredrik erhob sich ächzend.

Blut rann über sein Gesicht, und der Totenvogel schrie stärker. Mit beiden

Händen grub er wie ein Maulwurf den Lehm vor dem Ofen auf. Das Bildchen kam

noch immer nicht.

Plötzlich fühlte er einen harten runden Gegenstand, der an einer Schnur

hing. Dieses fremde Ding machte ihn neugierig zittern. Er mußte das

Feuerzeug schlagen. Das Feuerzeug an der Sprengpatrone.

Schwer rollte der Donner über das tote Dorf und die Erde spaltete

klafterweit.

Knirschen und Krachen von Gebälk übertönte das Brausen der Hochöfen. Und

Wände und Estrich und Dach knarrten, polterten, wälzten sich in den Abgrund

hinein. Rauch und Staub jagten wie ein Wetter davon, und die Nacht

flatterte auf mit blutigen Tüchern.

Die aber, die auf dem Stein an der Umzäunung saß, sah alles mit

aufgerissenen Augen und schlug hintenüber, als die Explosion über die Erde

fuhr und das Dunkel zerfetzte.

Und unten aus dem grausen Spalt lachte und wieherte gellwahnsinnig der Tanz

zweier Stimmen, die sich verschwisterten. Lachten, posaunten, rollten

weiter und immer ferner scholl das Gelach: Huhu -- huhu -- huhu -- huhu --

hu -- huhu.

Huhu -- huhu sprang Antje aus der Betäubung auf und rannte querfeldein.

Blutrote Fragen vorauf. Sie breitete die Arme aus. Die Schatten

überschlugen sich, verwirrten sich in der gräßlichen Lache, oh das Unglück!

oh das Unglück!

Das war wie eine Beschwörung. Wie eine Erlösung.

Und es war kein hohles Echo, das tausendstimmig zurückdonnerte aus der

zerklüfteten Nacht. In dichten Scharen kam es von der Grube und von der

neuen Siedlung.

Und sie wußten alle, daß einer fort mußte von der Welt. Einer, dessen Tag

nun gekommen war, wie sie es vorausgesagt hatten mit lästerlichen, kalten,

trostlosen Worten.

Sie suchten triumphierend Antje. Ihre Blicke glühten wie in der Extase des

Rausches. Es war ein Blutrausch. Der Rausch nach dem Opfer.

Antje aber fand sich wieder in einem anderen fernen Grubendorf. Dort

verdingte sie sich auf der Erzmühle. Suchte dort den Tod und suchte ihn

vergebens.

Der schwarze Baal: Novellen · 第 11 / 30 题