Das Bild, das vorstehende Untersuchung der sogen. normalen Variationen

des Menschen liefert, ist ein recht verwickeltes. Fast alle Formen und

Bildungen des menschlichen Körpers zeigen, nach Individuen oder nach

menschlichen Gruppen gesondert, kleinere und größere Unterschiede. Es

galt zu erkennen, welche Variation im Ganzen und an sich oder wieviel

von einer solchen erblich bedingt ist und welche oder wieviel von

einer nur durch Umweltfaktoren (d. h. peristatisch) hervorgerufen

ist. Bei den allermeisten sieht man den erblich bedingten Teil, den

idiotypischen, nicht ganz rein in die Erscheinung treten, paratypische

Einflüsse ändern ihn ab. Als Rassenmerkmale, d. h. als Merkmale, die

erblich von anderen gesonderte und genealogisch zusammengehörige

Gruppen charakterisieren, eignen sich natürlich nur die idiotypischen.

Bei den anderen muß eine sorgsame Analyse den idiotypischen Bestandteil

heraussuchen. Darnach sind die für eine Rassenbeschreibung und

-einteilung wichtigsten Merkmale die Augenfarbe, Haarfarbe, dann

Hautfarbe, Mongolenfleck, Haarform, Nasenform, Augenlidfalten,

Lippenform und sonstige physiognomische Einzelheiten, gewisse geistige

Merkmale, Körpergröße, Gesichtsform, Schädelform. Von zahlreichen

anderen Merkmalen steht der rassenmäßig vererbte und der erworbene

Anteil ihrer Bildung nicht genügend fest, um sie zur Rassendiagnose

zu verwerten, so von den Körperproportionen, vielen Einzelheiten der

Schädel- und Extremitätenknochen, Muskelvariationen, Hautleisten

der Hand- und Sohlenfläche, Zahnformen und anderes mehr. ~Aber die

ersteren Merkmale genügen zum einwandfreien Nachweis, daß es in der

Tat deutliche, scharfe ererbte und daher im Wesen unveränderliche

Unterschiede zwischen den Menschen gibt, die diese in Gruppen

einteilen, Rassen genannt. Nur durch Kreuzung können diese Grenzen

verwischt werden.~ Nun gilt es also, diese Grenzen im einzelnen

klarzulegen, das ist die Aufgabe der Anthropographie.

#2. Rassenentstehung und Rassenbiologie.#

Die Entstehung der menschlichen Varietäten, der sogen. „Rassen“,

geht zurück auf die Entstehung des Menschen überhaupt. Seiner

Gesamtorganisation nach gehört der Mensch unstreitig, zusammen

mit sämtlichen Affen, zu den „Primaten“, d. h. „Herrentieren“.

Innerhalb der Primaten bilden die sogen. menschenähnlichen Affen oder

„Anthropoiden“ und der Mensch, ausgestorbene Formen und heutige als

„Hominiden“ zusammengefaßt, eine Sondergruppe. Zu Ende der sogen.

Tertiärperiode bestand eine reiche Entfaltung der Anthropoiden und

Hominiden. Funde von Fossilien anthropoider Affen lehren uns deren

tertiäre Verbreitung von China und Indien quer über Europa bis

England. Ein Hauptausstrahlungs-, vielleicht Entstehungszentrum

ist Nordostafrika, wo reiche Funde aus dem Fayum (Oberägypten) uns

wichtige Blicke auf die Umbildung der Affen überhaupt erlaubt haben.

Die tertiäre Entfaltung der menschenähnlichen Affen zeigt, daß

damals generalisierte Formen in ziemlich großer Zahl vorkamen. Diese

sind teilweise ausgestorben, teilweise zu den heutigen sogenannten

Menschenähnlichen umgebildet. Von diesen letzteren, Orang, Gorilla,

Schimpanse und Gibbon ist natürlich jeder nach seiner Seite besonders

entwickelt und an besondere Lebensverhältnisse angepaßt. In diese

ganze Entfaltung des Primatenstammes gehört auch diejenige Linie, die

zum heutigen Menschen führte. Aus dem Gesagten folgt von selbst, daß

der Mensch keinenfalls einem der heutigen Großaffen ganz besonders

nahesteht, daß vielmehr sein Stamm zusammen mit demjenigen dieser

Anthropoiden auf generalisierte wurzelnahe Formen zurückgeht, deren

Organisation in manchen Punkten von den heutigen niederen Affen besser

bewahrt wird als von den Anthropoiden. Natürlich haben auch die

niederen Affen sich nach ihrer Seite weiter entwickelt. Aus diesem

Verhältnis ergibt sich, daß wir unter den Fossilien Formen finden

müssen, die dem heutigen Menschen ähnlicher sehen als die heutigen

Anthropoiden. Die fallen dann unter die Bezeichnung Hominiden. Der

ähnlichste ist der berühmte Javafund, der sogen. _Pithecanthropus

erectus_. Schon sein geologisches Alter (spätes Diluvium) spricht

dagegen, daß er unser Ahne ist. Auf der anderen Seite hat eine sehr

exakte anatomische Bearbeitung von Schädel und Oberschenkel einwandfrei

nachgewiesen, daß er auch nicht ohne weiteres als menschliches Fossil

zu bezeichnen, auf der anderen Seite aber auch kein Anthropoide im

heutigen Sinne des Wortes ist. Wir haben hier tatsächlich das vor

uns, was die Theorie verlangt, nicht etwa eine Zwischenform zwischen

heutigen Menschen und Affen, sondern eine wurzelnahe generalisierte

Form, die weder die Merkmale heutiger Affen noch Menschen hat, sondern

solche, von denen aus sich menschliche und äffische ableiten lassen.

Es ist eine Form, die unterwegs stehen geblieben ist auf dem Wege der

Menschwerdung, ein Stück weit auch zur Affenwerdung führte.

Die Faktoren, die zur Menschwerdung führten, waren etwa folgende.

Der Ausgangspunkt war ein „primatoides“ (primatenartiges) Geschöpf,

also eine Form mit Kletterfüßen, mit halbaufrechter Körperhaltung,

angepaßt an das Leben im tropischen Urwald. In diesem würde niemals

aus einem Kletterwesen ein Geschöpf mit aufrechtem Gang geworden

sein, das konnte nur geschehen durch äußeren Zwang, d. h. durch

Schwund des Urwaldes. Das Geschöpf mußte durch säkulare Änderung

seiner Umgebung gezwungen werden, das Baumleben zu verlassen

und sich an die Ebene anzupassen. Die wichtigste Änderung der

Organisation war ganz zweifelsohne die Entstehung des Fußes. Man

hat schon und mit Recht gesagt, mit dem Fuß ist der Mensch Mensch

geworden. Die Anpassung an die Lebensweise im lockeren Parkwald

oder in der Buschsavanne hat die Form dazu gezwungen, von der

halbaufrechten Körperhaltung sich vollends aufzurichten. Zweimal

kann man im Affenstamm einen solchen Übergang vom Waldleben an das

Leben auf baumarmem Gebiet nachweisen. Einmal in der Linie, die

zum Menschen führte, das anderemal in derjenigen zum Pavian. Hier

senkte sich die Form von der halbaufrechten Stellung wieder ganz

zum Vierfüßler. Der Pavian ist typisch angepaßt an das Leben auf

Felsen, er klettert fast gar nicht auf Bäume. Jener andere Zweig

-- der Ahne des Menschen -- hat umgekehrt sich zur Zweibeinigkeit

aufgerichtet. Auf die mechanische Umänderung, die der Affenfuß

mit Ausbildung des menschlichen Gewölbefußes erworben hat, kann

hier nicht eingegangen werden. Nachdem erst der Anstoß gegeben

war, und die Aufrichtung des Körpers auf die hintere Extremität

erfolgt war, waren alle anderen Änderungen des Körpers notwendiges

Erfordernis. Es mußte sich aus statischen Gründen die menschliche

Wirbelsäule in ihren Krümmungen und ihrem scharfen Knick am Becken

(Promontorium) ausbilden, es mußte sich das Becken entfalten; jetzt

konnte der Schädel schwerer werden, weil er jetzt unter seiner

Mitte balanziert wurde, nicht mehr vorn schräg an der Wirbelsäule

hing wie beim Vierfüßler. Die veranlassende Kraft zu all dem aber

war ein aufs höchste gestiegener Kampf ums Dasein und als dessen

Folge schärfste Auslese. Solange das Geschöpf noch im Urwald

lebte, an diesen angepaßt, und von den nahrhaften tropischen

Urwaldfrüchten aufs beste ernährt, fand keine besonders scharfe

Auslese gerade dieser Form statt. Mit Änderung dieser Verhältnisse

aber um so mehr. Jetzt mußten andere, neue Eigenschaften gezüchtet

werden, sollte die Form sich anpassen. Einerseits stellten sich

beim Eintritt in die freie Ebene eine Unmenge neuer Feinde ein,

einwandernde Ebenentiere, schon angepaßt an diese Verhältnisse,

andererseits wird der andersartige Nahrungserwerb für das sich

umbildende Geschöpf ganz besonders schwer gewesen sein. Die

spärlichen Früchte der freien Steppe genügten zur Ernährung

nicht mehr. Das Geschöpf geht mehr zur Fleischnahrung über, die

allerschärfste Not setzt ein. Jede kleine Verbesserung in der

Stabilheit des Stehens, welches jetzt nicht nur in Ruhe, sondern

auch als Ausgangsstellung für Schlagen und Werfen notwendig

wird, ist nunmehr lebenswichtig. Aufs schärfste gezüchtet wird

jetzt der Verstand. Die geistigen Fähigkeiten, und als deren

Unterlage die Größe des Gehirnes, sind im Gegensatz zu anderen

Säugetierordnungen bei der gesamten Affengruppe schon recht groß.

Eine geeignete Grundlage für die Züchtung einer beträchtlichen

Gehirngröße war also vorhanden, und es dürfte kein Zufall sein, daß

bei Pithecanthropus der Oberschenkel schon aufrechte Körperstellung

verrät, während der Schädelinhalt von den höchstens 600 ccm bei

Großaffen (heutigen! bei ihren Vorfahren wohl noch weniger) auf

1000 ccm gewachsen ist. Erst bei aufrechter Körperstellung ist eine

derartige Zunahme des Hirngewichtes denkbar.

Jetzt treten die ersten Erwerbungen auf, die wir als Vorrechte des

Menschen betrachten. Die ersten Anfänge der Sprache dürften sich

nun allmählich entwickelt haben, aber es bedeutete sozusagen einen

gewaltigen Ruck nach vorwärts, als zum ersten Male die betreffende

Form dazu überging, nicht nur, wie es heute Affen tun, die wohltätige

Wirkung des Feuers zu empfinden, sondern durch „Nachlegen“ dafür

zu sorgen, daß ein einmal vorhandenes wärmendes Feuer nicht wieder

erlischt. Die Kunst der „Feuerbewahrung“ hat sich daraus entwickelt

und damit erst ist der Mensch über die übrigen Tiere herausgetreten.

Jetzt konnte er seinen Wärmehaushalt und die Ernährungsmöglichkeiten

selbst in die Hand nehmen. Die konservierende Wirkung des Feuers für

Nahrung (Tropen!) und die Möglichkeit, gewisse vegetabile Nahrung durch

Feuer überhaupt erst genießbar zu machen (gewisse giftige oder roh

unverdauliche Früchte), hat gewaltige Vorteile gebracht. Von diesem

Zeitpunkt an hat also der Urmensch seine Ernährung und inzwischen wohl

auch durch sich ausbildende Gewohnheiten, die allmählich zu Sitte und

Recht werden, sein gesamtes Leben, Fortpflanzung, Organisation des

Zusammenlebens usw. stark willkürlich beeinflußt. Von dieser Zeit

an dürfen wir ihn biologisch immer mehr auffassen als domestizierte

Tierform.

Dieser ganze Vorgang war so verwickelt, daß wir uns nicht vorstellen

können, daß er in der gleichen Weise mehrfach stattgefunden haben

sollte und zu annähernd gleichem Endprodukt geführt hätte. Er

war wohl nur ~einmal~ vorhanden. Dagegen dürfen wir wohl

annehmen, daß mehrfach Uranthropoidenstämme starken Veränderungen

der Umwelt ausgesetzt gewesen sind; aber sie konnten überall diesen

Veränderungen nicht rasch genug sich anpassen und starben aus. Die

heutigen fossilen Reste, die wir von Anthropoiden kennen, sind die

Beweise, wie stark hier Umänderungen der Umwelt den anthropoiden

Stamm gelichtet haben. Nur fünf Formen Nachkommen der gemeinsamen

Anthropoiden-Hominiden-Wurzel haben alle jene geologischen

(klimatischen usw.) Änderungen überlebt, der Mensch und die heutigen

vier Großaffen, jeder an seine Umgebung besonders angepaßt, der

Mensch am stärksten abgeändert, weil auf die stärkst veränderte

Umgebung eingestellt. So dürfen wir also die Menschenentstehung als

eine einmalige und einheitliche annehmen, die auch nur an einem Ort

stattgefunden hat. Freilich darf man sich diesen „Ort“ nicht allzuklein

vorstellen. Man geht wohl nicht irre, wenn man weite Strecken, um ein

Beispiel zu nennen, etwa im Umfang wie halb Europa, sich darunter

vorstellt. Ein ganzes solches Gebiet, über das die betr. Primatenform

gleichmäßig verbreitet war, würde Jahrzehntausende lang von jenen

säkularen Veränderungen heimgesucht sein und die gesamte darauf

lebende Primatenform würde sich gleichmäßig in der geschilderten Weise

verändert haben. Aus dem Gesagten geht hervor, daß wir uns diese

Änderung gegen den Ausgang des Tertiär vorzustellen haben, das ergibt

sich geologisch und zoologisch theoretisch, die tatsächlichen Funde

bestätigen es.

Die wirksamen Faktoren dieser gesamten Entwicklung waren, wie

gesagt, die Änderung der Umwelt und die dadurch hervorgerufene

Richtungsänderung und Steigerung der Auslese. Jede leiseste Änderung,

die vorteilhaft für die Erhaltung, für den Nahrungserwerb, den

Widerstand gegen Feinde, die Sicherung der Fortpflanzung, Erhaltung

der Gesundheit usw. war, mußte das betr. Individuum gegenüber seinen

Konkurrenten bevorzugt sein lassen. Diese allerschärfste Auslese formte

die generalisierte Primatenform zum Urmenschen und Menschen um. Als

wirkliche Zeugnisse der allmählichen Umformung liegen die eiszeitlichen

Menschenreste vor.

Sie zeigen Formen, wie sie heute nicht mehr vorkommen, so daß

man sie gerne als eigene Arten bezeichnet. Sie dürften z. T. die

unmittelbaren Ahnen der heutigen sein. Man kann sehr deutlich

aufeinanderfolgende Entwicklungsstufen erkennen. Geologisch der

älteste, anatomisch der primitivste ist der Mensch von Mauer bei

Heidelberg (_Homo Heidelbergensis_). Auf ihn folgt zeitlich und

anatomisch der Formenkreis des Neandertalers (_Homo primigenius_,

Funde von Neandertal, Spy, Krapina, La Chapelle, Le Moustier u. a.).

Diese Formen sind von ~allen~ heutigen sehr stark und deutlich

unterschieden; jeder Schädel ist ziffernmäßig sicher als zu dieser

Gruppe gehörig zu bestimmen. Zeitlich später folgen dann Formen, die

man als „Übergangsformen“ bezeichnet die aber auch noch der Eiszeit

angehören, die Aurignac-Rasse, die (rassenmäßig nicht im einzelnen

bestimmten) sogen. Übergangsformen von Brünn und Brüx usw., die Funde

von Oberkassel, von Predmost, dann die Cro-Magnon-Rasse.

Von diesen besteht Anschluß zu den Rassen der jüngeren Steinzeit,

also geologisch gesprochen, der Gegenwart. Alle diese Umwandlungen

sind ebenfalls durch schärfste Auslese, wohl im Zusammenhang mit dem

Wechsel der Verhältnisse, die man als „Eiszeit“ zusammenfaßt, bedingt.

Auslese hat fortgesetzt die Form erhalten und gewandelt. Ihre Wirkung

auf die Verstandestätigkeit sieht man an der Entwicklung der Kultur,

die sich an Tausenden von Funden von Stein-, Horn- und Knochengeräten

jener „älteren Steinzeit“ ablesen läßt, sie geht der körperlichen

Entwicklung völlig parallel.

So ergibt sich also, daß mit der Menschwerdung fast gleichzeitig oder

wenigstens sehr früh der Zerfall in Varietäten verbunden gewesen ist.

Man kann geradezu sagen, Artbildung ist zugleich Rassenbildung. Es

ist ganz ausgeschlossen, daß auf dem geographisch nicht ganz kleinen

Raum, wo die Umbildung erfolgte, die äußeren Faktoren immer ganz

gleich wirkten und umgekehrt die Reaktion der Individuen und Gruppen

auf die äußeren Faktoren immer ganz gleich war. So dürften sich von

Anfang an lokale leise Unterschiede ausgebildet haben. Man kann wohl

annehmen, daß die stärksten Unterschiede des heutigen Menschen, also

das, was wir heute als die tiefstgehendsten Rassenunterschiede sehen,

in seinen Anfängen bis in die allererste Zeit der Entstehung selbst

zurückgeht. So sind vielleicht die drei Hauptstämme Europäide, Negride

und Mongolide soweit zurückzuverfolgen. Aber es liegt in der Natur

der Sache, daß es sich nicht einfach um eine Zwei- oder Dreiteilung

handelt, sondern daß von Anfang an sozusagen neben diesen Hauptsprossen

Nebensprosse entstanden sind, den Hauptsprossen ähnlich, aber doch

jeweils mit geringen Sonderbildungen. So ist es verständlich, daß

etwa neben Neger gewisse melanesische Gruppen stehen, die dem Neger

in manchen Punkten sehr nahe, in einzelnen aber doch wieder ferner

stehen. Die Vergeblichkeit des Bemühens, die Rassen ganz systematisch

einzuteilen, ist dadurch erklärt. War erst die Menschheit auf der

oben skizzierten Höhe angelangt, also im Besitz einer primitiven

Kultur, vor allen Stücken im Besitz des Feuers (auf eine lange

Periode der Feuerbewahrung kommt erst die Periode der Kunst der

Feuer~erzeugung~), war also mit anderen Worten, wie oben gezeigt,

der Mensch jetzt biologisch als domestiziert aufzufassen, so traten

Erscheinungen auf, die wir heute bei den Haustieren beobachten können.

Neubildungen und Rassenunterschiede entstehen ja durch das Auftreten

von Idiovariationen und es scheint, daß im Zustand der Domestikation

Idiovariationen besonders häufig auftreten, und vor allem häufiger

durch Zuchtwahl erhalten werden. Sämtliche Merkmale, die sich beim

Menschen als Rassenunterschiede finden, kommen auch beim domestizierten

Tiere vor und umgekehrt beinahe alle Haustiermerkmale unserer Haustiere

zeichnen auch den Menschen aus. Es sei vor allen Stücken erinnert an

das Variieren der Haare nach Form, Länge und Farbe, an das Variieren

von Haut und Augenfarbe, von Körpergröße und Nasenform. Als Beispiel

sei hingewiesen auf das Entstehen der sogenannten weißen Haut und der

Blondheit. Man kann ohne weiteres nachweisen, wie das Auftreten von

schwachgefärbten Individuen bei allen dunklen Rassen gelegentlich

vorkommt. Unter natürlichen Verhältnissen konnte sich aber helle Haut

in den Tropen nicht halten und wurde ausgemerzt. Die Tropensonne

schädigt den pigmentungeschützten Körper derartig, daß das Entstehen

einer hellen und blonden Rasse nur in der kühlen Zone möglich ist.

Daß der blonde Nordeuropäer sich in der ganzen Pigmentverteilung, vor

allem in der Iris, genau verhält wie helle domestizierte Tiere, aber

ganz anders wie Polartiere, ist der deutliche Beweis dafür, daß es

sich um eine Domestikationsform handelt, die sich in dem kühlen Klima

erhalten konnte, während ähnliche Idiovarianten in den Tropen jedesmal,

wo sie entstanden bzw. noch entstehen, ausgemerzt wurden. Auch auf den

heutigen Menschen, vor allem den kulturarmen, wirken die natürlichen

Auslesevorgänge noch dauernd ein. Der Mensch mit primitivster heutiger

Kultur ist noch sehr scharf der natürlichen Auslese ausgesetzt, zumal

bezüglich seines Nahrungserwerbs, bezüglich der Fähigkeit, große

Märsche, Hitze, Durst, Hunger zu ertragen, Blutverlust auszuhalten,

mit schwer verdaulicher Nahrung auszukommen, leicht zu gebären, zu

stillen, im Besitze gesunder Glieder zu sein, scharfe und normale Sinne

und genügende geistige Fähigkeiten zu haben. Die sicher häufig sich

wiederholenden Zeiten von Dürre, von Hungersnot infolge Wildsterbens,

steigern solche Auslesevorgänge periodenweise aufs Äußerste. Da wird

also dauernd dafür gesorgt, daß die Rasse auf ihrer Höhe bleibt. Erst

Halb- und Vollkulturen schränken diese Auslese, wie im dritten Abschnitt

gezeigt werden soll, teils bewußt, vor allen Stücken aber unbewußt,

mehr oder weniger ein. Zu diesen natürlichen Auslesevorgängen, die

offenbar sehr viele der vorhandenen Rassenunterschiede herangezüchtet

haben, kommt nun noch sexuelle Auslese dazu. Diese dürfte Merkmale wie

Bartformen, Hottentottensteiß und anderes gezüchtet haben.

* * * * *

Die eben geschilderte Entstehung der Rassen wirft nun auch allerlei

Licht auf jenes Gebiet, das wir zusammenfassend als Rassenbiologie

bezeichnen können. Die sämtlichen Rassen der Erde haben sich

mannigfach und an vielen Orten mit einander gekreuzt. Das Problem der

Rassenkreuzung ist erst seit Kenntnis des Mendelschen Spaltungsgesetzes

für uns überhaupt verständlich geworden. Und man kann nachweisen, daß

sämtliche Rassenkreuzungen von diesen Gesetzen beherrscht werden. Die

Kreuzung der einzelnen Merkmale soll hier nicht noch einmal verfolgt

werden, sondern nur auf einige allgemeinere Erscheinungen hingewiesen

werden. Zunächst ist festgestellt, daß die Kreuzungen aller Rassen

untereinander und ebenso die der Bastarde untereinander fruchtbar

sind. Die Fruchtbarkeit scheint auch kaum abzunehmen, wenigstens

lassen sich die Fälle von minderer Fruchtbarkeit bei Mulatten auch

anders erklären. Besonders wichtig erscheint der Hinweis, daß die

im Lichte der Mendelschen Regeln erfolgte exakte Beobachtung von

Rassenkreuzungen uns darüber belehrt haben, daß es eine früher

allgemein angenommene „Präpotenz“ in der Vererbung einzelner Rassen

nicht gibt. Die Annahme, daß etwa sogenannte wilde Rassen, man hat

dabei auch an den Neger gedacht, gegenüber sogen. Kulturrassen bei

der Kreuzung immer durchschlagen, ist sicher unrichtig. Es handelt

sich überhaupt nicht um das Übergewicht irgend einer einzelnen Rasse,

sondern es vererbt sich beim Menschen genau wie in den Tausenden von

Tier- und Pflanzenexperimenten die einzelne Anlage dominant oder

rezessiv. Besitzt eine Rasse viele dominante Anlagen, so wird sie in

der Bastardbevölkerung eben stärker vorwiegend erscheinen, wie die

andere Stammrasse, die mehr rezessive Merkmale hat. Das erklärt es ohne

weiteres, warum bei Kreuzung von Negern und Europäern im allgemeinen

die Mischlinge dunkelhäutig und dunkelhaarig sind. Die Ansicht, daß

einzelne Rassen als solche durchschlagen, wird dann noch durch einen

psychologischen Irrtum gestützt, vor allen Stücken wenn es sich um

die Kreuzung der europäischen Rassen mit Juden handelt. In der F_{2}

und folgenden Generationen findet man sehr häufig wieder einzelne

„jüdische“ Merkmale auftreten, in Fällen wo F_{1} vielleicht gar nicht

jüdisch ausgesehen hat; man sieht aber dabei über alle jene Fälle

weg, bei denen umgekehrt nur nichtjüdische Merkmale festzustellen

sind, wo man also dann eigentlich folgerichtig von einem Durchschlagen

des nichtjüdischen Teiles sprechen müßte. Exakte Untersuchungen

von Kreuzungen mit Juden haben gezeigt, daß auch hier, wie es

ganz selbstverständlich ist, nur jedes einzelne dominante Merkmal

durchschlägt, also das schwarze Haar, die konvexe Nase, und vielleicht

noch das eine oder andere in der Physiognomie. Bei Kreuzung zwischen

breitnasigen Ostjuden und Nordeuropäern mit scharfer schmaler Nase ist

umgekehrt diese nordische Nase deutlich dominant.

Neuentstehung von Rassen kann allein durch Kreuzung niemals vorkommen.

Die Kreuzung kann nur neue Kombinationen schaffen, ohne daß allein

durch die Kreuzung die alten Merkmale verschwinden würden. Das

Verschwinden des Alten und das wirkliche Schaffen von Neuem kann

nur durch Auslese erfolgen. Es können also die neuen Kombinationen

so ausgelesen und ausgemerzt werden, daß alle Träger bestimmter

Eigenschaften verschwinden und sämtliche Träger bestimmte neue

Kombinationen aufweisen. Dann ist eine neue Rasse infolge einer

Mischung entstanden, die bewirkenden Faktoren selbst waren Auslese und

Ausmerze.

Der Fall der intensivsten Rassenmischung findet statt bei der

Mischung ganzer Völker, hier liegen die engsten Wechselbeziehungen

vor zwischen Volk und Rasse. Die Begriffe selbst haben an und für

sich nichts miteinander zu tun. Unter Volk versteht man eine Gruppe

von Menschen, die durch gemeinsame Kulturgüter geeinigt werden,

deren wichtigstes die Sprache ist, während Rassen Träger gleicher

Erbanlagen sind. Trotzdem ist der Rassenbegriff für den Begriff Volk

von einschneidendster Bedeutung. Die Träger der betr. völkischen

Kultur sind natürlich Individuen einer bestimmten Rasse oder einer

bestimmten Rassenmischung. Die Folgen einer Mischung zweier Völker, die

meistens derartig eintritt, daß das eine kriegerisch das andere besiegt

und diesem sein eigenes Volkstum aufzwingt, die aber gelegentlich

auch in einer friedlichen und allmählichen Durchsetzung besteht,

sind für die rassenmäßige Zusammensetzung aller heutigen Völker von

ganz eigenartiger und stärkster Bedeutung. Am klarsten zu übersehen

ist wohl der Fall, daß ein Volk sich als Erobererschicht über ein

anderes herüberschiebt. Es kann dabei mit jenem rassenmäßig verwandt

sein, oder aber eine gänzlich andere Zusammensetzung haben. Auch die

Sprache und das übrige Volkstum können bei den beiden nahe verwandt,

andererseits auch ganz verschiedenartig sein. Der weitere Verlauf kann

in den einzelnen Fällen sehr verschieden ausfallen. Die Kulturelemente

fechten, bildlich gesprochen, geradezu einen Daseinskampf miteinander

aus. Die Sprache des Eroberervolkes kann die der Unterworfenen

vollständig zerstören, verdrängen und sich an ihre Stelle setzen,

nicht ohne daß sie dabei selbst fremde Elemente aufnimmt, behält und

auch sonst gewisse Veränderungen erleidet. Später kann also dann an

der betreffenden Stelle eine ganz andere Sprache bestehen wie früher.

So werden heute in weiten Teilen Europas indogermanische Sprachen

gesprochen, wo früher nachweisbar andere (nicht indogermanische)

geherrscht haben. Mit den übrigen Kulturgütern, geistigen und

materiellen, geht es entsprechend. Die Träger der neuen Sprache können

dabei ihrerseits sich zunächst lange Zeit relativ reinblütig den

Unterworfenen gegenüber halten und fortpflanzen. Am reinsten dann,

wenn durch Rassestolz errichtete Schranken von Gewohnheit, Sitte und

Recht Sieger und Besiegte voneinander scheiden, wie wir das in der

schärfsten Form im alten Indien sehen, wo angeblich unüberschreitbare

Kasten die einzelnen Schichten trennten. Es ist sehr bezeichnend, daß

das indische Wort für Kaste Farbe bedeutet, durch die der Eroberer

sich vom alten besiegten Volk stolz unterschied. Aber selbst da, wo

religiös gefestigte Kastengrenzen errichtet sind, und noch vielmehr

dort, wo nur einfache Gesetze und Eheverbote, oder auch nur die Sitte

eine intensivere Mischung zwischen beiden Bestandteilen verbot, eine

wirkliche Abschließung war es niemals. Langsam oder schnell, Tropfen

um Tropfen oder stromweise, mischte sich das Blut des einen mit dem

anderen Bestandteil. Und nun setzen eigenartige Vorgänge der Auslese

ein. War der von auswärts kommende Eroberer an die neuen klimatischen

und anderen Verhältnisse gar nicht angepaßt, kam er also aus ganz

anderen Zonen, so werden schon rein natürliche Auslesevorgänge eine

sehr starke Ausmerzung derjenigen Individuen hervorbringen, die als

Erbträger der betreffenden Eigenschaften in Erscheinung treten. Dazu

kommen nun noch besondere Auslesevorgänge, die durch soziale Faktoren

bedingt sind. Bei beinahe allen Kulturvölkern, im Abendland ausnahmslos

bei allen, sehen wir eine ganz erheblich geringere Fortpflanzung der

sozial oberen Schichten. Weiter erfolgt eine Ausmerzung tüchtiger

männlicher Individuen durch Kriege, politische Verfolgungen und

dergleichen mehr. Wenn das alles Generation um Generation immer wieder

geschieht, müssen ganz unbedingt die Träger dieser Erblinien über

lang oder kurz aus dem Bestand der betr. Mischbevölkerung vollständig

und restlos ausgetilgt werden. Lange ehe man etwas von solchen

Auslesevorgängen wußte, ehe uns die eigentümlichen Vererbungsgesetze

klar waren, hat man beobachtet, daß nach Zeiten solcher Mischung

zweier Völker der eine alte bodenständige Typus fast rein wieder in

die Erscheinung tritt. Man hat von Entmischung der Rassen gesprochen,

es ist kein besonderer Vererbungsvorgang, kein unverständliches

Durchschlagen der alten bodenständigen Rasse, sondern nur eine, durch

natürliche und soziale Auslese bedingte Zerstörung der unangepaßten

Einwandererelemente. Das Endresultat ist also dann ein neues Volk mit

neuer Sprache, neuen sonstigen Kulturgütern, aber dem alten Typus, den

das alte Volk früher auch schon gehabt hat, und nur einzelne Züge, die

durch die Spaltungsregeln als Folgen der Einzelerbfaktoren immer wieder

auftreten, ganz vereinzelt hier und dort, verraten, auch auf körperlich

rassenmäßigem Gebiet, daß da einmal ein anderer fremder Einschlag

wirksam gewesen war. Auf dem kulturellen Gebiet ist ja umgekehrt jene

Episode der Mischung das Ausschlaggebende geblieben, und das Alte ist

bis auf Reste verloren gegangen.

Freilich, es muß nicht immer so sein. Es tritt auch der umgekehrte Fall

ein, daß der Eroberer, wenn er in günstige biologische Verhältnisse

kommt, seinerseits den Unterworfenen so gut wie ganz verdrängt,

und auch rassenmäßig, zufällig in Verhältnisse gekommen, an die er

angepaßt ist, glatt überdauert. Auch dabei könnte er manche geistige

Bestandteile, etwa Siedlungs- oder Kulturform vom Unterworfenen und

später ausgetilgten Volk übernehmen.

Auf das Schicksal eines Volkes, auf seine kulturelle, geistige

Leistungsfähigkeit wirkt aber nun seine rassenmäßige Zusammensetzung

unter allen Umständen neben anderem ausschlaggebend ein. Es soll

nicht verkannt werden, daß auf Aufstieg oder Niedergang eines Volkes

in der Geschichte eine Menge äußerer Faktoren, die geographische

Lage, das Verhältnis zu Nachbarn, deren Natur und Leistungen und

tausend andere Dinge mehr, die die Geschichte meistens als die

einzigen hinstellt, sicher auch von ausschlaggebender Bedeutung

sind. Aber neben diesen spielt ganz ohne Zweifel die rassenmäßige

Begabung eine gewaltige Rolle. Wie in körperlicher, so sind auch in

geistiger Beziehung die einzelnen menschlichen Rassen außerordentlich

verschieden. Den einzelnen Rassen ist Phantasie, Tatkraft, Intelligenz

usw. in außerordentlich verschiedenem Grad und in den mannigfachsten

Kombinationen zuteil geworden, erblich und unveräußerlich. Wie die

Umwelt körperliche Eigenschaften paratypisch beeinflußt, so werden ganz

sicher, wie beim einzelnen Individuum, so bei dem aus tausenden von

einzelnen Individuen mit ihren Rassenveranlagungen zusammengesetzten

Volke, Lebenslage und Schicksal die Ausgestaltung der geistigen

Erbanlagen mannigfach modifizieren. Aber die Anlagen selbst sind

gegeben und da die Völker rassenmäßig verschieden sind, sind auch die

geistigen Begabungen der Völker verschieden. Die nordamerikanischen

Indianer saßen Generation um Generation auf Kupferlagern, sie hatten

nicht die Intelligenz, die technische Bearbeitung, das Schmelzen und

Gießen von Kupfer oder gar die Herstellung von Bronze zu erfinden.

Viele der verschiedenen Völker der Südsee sind wohl gleich alt,

trotzdem haben es die einen nicht über eine primitivste Steinkultur,

nicht über das Stadium des Jägers und Sammlers hinaus gebracht,

während die anderen eine ganz anerkennenswerte Hackbaukultur

geschaffen haben. Und die Völker Vorderasiens und Europas schritten

zum Pflugbau und zu der ganzen daraus folgenden Kultur, älter wie

die benachbarten afrikanischen sind sie auch nicht, nur in ihren

geistigen Anlagen anders. Daß der Rassefaktor, also speziell die

geistigen vererbten Anlagen, auf den ganzen Ablauf der Geschichte

eines Volkes, es sei immer wieder betont, neben den anderen Faktoren,

einer der ausschlaggebenden ist, wird immer klarer erkannt. Und

gerade da tritt nun wieder die Bedeutung der Rassenmischung aufs

deutlichste hervor. In sehr vielen Fällen wird die Erobererschicht die

eigentliche Führung übernehmen; daß so oft nach einer Zeit intensiver

Rassenmischung, also wenn durch Eindringen einer Erobererschicht sich

aus einem alten Volk ein neues gebildet hat, wie etwa bei der Bildung

der indogermanischen Völker, der alten Griechen, der Latiner usw.,

ein besonderer geistiger Aufschwung, eine Entfaltung von Kunst und

Wissen, ein politischer Hochstand beobachtet wird, ist kein Zufall,

sondern ein Vorgang, der durch die Gesetze der Erblichkeit bedingt

ist, es entstehen auch auf geistigem Gebiete neue Mixovariationen.

Voraussetzung ist dabei, daß der Ankömmling und der Unterworfene in

ihren geistigen Anlagen nicht zu weit voneinander abstehen, daß sie

zusammen „passen“. Man wird zum voraus niemals sagen können, ob eine

Kreuzung in dieser Beziehung günstig oder ungünstig ausfallen wird.

Man wird es jedesmal nur ~nach~ vollzogenem Vorgang einigermaßen

beurteilen können. Für den wirtschaftlichen, künstlerischen und

politischen Aufschwung eines Volkes wird es darauf ankommen, daß

es jederzeit in genügender Menge jene Anlagen enthält, die für die

Träger der betreffenden Leistungen notwendig sind, und noch mehr,

daß es jederzeit einzelne wenige Begabungen hat, die als Führer und

Leiter auf wirtschaftlichem, künstlerischem und politischem Gebiete

dienen können, Fehlen die geistigen Führer, so wird ein Volk höchstens

noch so lange, als von außen keine Gefahr droht, dieses Fehlen ohne

augenfälligen Schaden ertragen können, in der Gefahr selber dann aber

mit Sicherheit unterliegen. So spielen also diese anthropologischen

Fragen für das Schicksal eines Volkes eine ausschlaggebende Rolle. Ein

Altern eines ~Volkes~ gibt es wohl, niemals aber das Altern einer

~Rasse~. Die menschlichen Rassen altern an sich ebensowenig und

sterben ebensowenig wie tierische und pflanzliche Rassen. Sie können

nur ausgetilgt werden, also eines unnatürlichen Todes sterben. Was der

Historiker als Degeneration, Siechtum und Altern eines Volkes, ja was

er als Untergang eines Volkes sieht, sind die Folgen verkehrter Auslese

der Rassenbestandteile des betr. Volkes. Wenn die erbmäßigen Träger

der betr. Begabung, wenn die rassenmäßigen Führer durch irgendwelche

Auslesevorgänge ausgetilgt oder ausgeschaltet sind, ist eben das

Volk nicht mehr dasselbe, was es vorher war. Wenn ein Volk durch

kriegerische oder auch durch friedliche, allmählich durch Einwanderung

erfolgende Rassenmischung in seiner rassenmäßigen Zusammensetzung ein

anderes geworden ist, wird auch seine geistige Leistung eine andere

werden müssen. Diese andere Art, vor allen Stücken ein wirtschaftliches

und politisches Sinken, wird, wie gesagt, der Geschichtsforscher

häufig als Alterserscheinung auffassen, es ist in Wirklichkeit eine

rassenmäßige Veränderung. Das griechische Volk zur Zeit des Perikles

war etwas ganz anderes als die Griechen, die vor den römischen Kaisern

zitterten und etwas ganz anderes als die Bewohner des heutigen

Griechenlands. Auf Schicksal und Natur unseres eigenen Volkes im Ablauf

der Jahrhunderte kann in diesem Zusammenhang nur eben hingewiesen

werden, und auch das Geschick, das das deutsche Volk gegenwärtig

erlebt, hat seine anthropologische Ursache.

#3. Rassenbeschreibung (Anthropographie).#

Die systematische Beschreibung der einzelnen menschlichen Rassen

bezeichnet man als Anthropographie. Sie schildert die einzelnen Gruppen

nach ihren anthropologischen Merkmalen, vergleicht sie und versucht,

sie darnach systematisch zu ordnen. Die gebräuchlichen Einteilungen

sind ziemlich veraltet und wertlos.

Selbstverständlich ist jede Einteilung, die neben körperlichen

Merkmalen etwa Dinge wie die Sprache berücksichtigt, grundsätzlich

zu verwerfen. Wie oben gezeigt wurde, können Sprache und Volkstum

auch ohne entsprechenden Wechsel der Rasse sich ändern. Ein eine

indogermanische Sprache sprechender Portugiese ist mit einem

Schweden darum, daß dieser ebenfalls eine indogermanische Sprache

spricht, rassenmäßig noch nicht verwandt. Die Neger Nordamerikas

haben jede Erinnerung an ihre Bantusprachen verloren und sprechen

englisch, rassenmäßig sind sie natürlich trotzdem Neger. Die

Benennung der Rassen hat aus diesem selben Grund Namen, die

für Völker oder auch Sprachen angewandt werden, ihrerseits zu

vermeiden. Das Konsequenteste wäre, Namen rein nach körperlichen

Merkmalen, wie sie in Zoologie und Botanik gebräuchlich sind, zu

verwenden. Aber auch gegen Namen nach geographischer Verbreitung

ist nichts einzuwenden, sie sind vielleicht für den Menschen

noch zweckmäßiger als jene. Eine Wiedergabe der einzelnen

Einteilungsversuche kann hier unterbleiben.

Die folgende anthropographische Darstellung geht im ganzen geographisch

vor, wobei bestimmte größere anthropographische Kreise unter

Berücksichtigung bestimmter Rassenzusammenhänge herausgegriffen werden

sollen. Die außereuropäischen Rassen können nur ganz skizzenhaft

geschildert werden -- die Raumknappheit verbietet mehr.

~Europa.~

Trotz der zahllosen vorgeschichtlichen und geschichtlichen ungeheuren

Völkerwanderungen, die in Europa und über Europa hinweg stattgefunden

haben, läßt sich feststellen, daß gewisse Horste einzelner Rassen an

bestimmten Stellen sich gehalten haben. Wenn man die Verteilung der

wichtigsten anthropologischen Merkmale in geographische Karten Europas

einzeichnet, kann man an der Kombination dieser Merkmale deutlich

erkennen, daß noch heute die geographische Verteilung bestimmter Rassen

nachweisbar ist. Es ist dabei selbstverständlich, daß die sogenannten

Grenzen Europas keine Rassengrenzen sind, die eine der europäischen

Rassen greift über Südosteuropa weit über nach Vorderasien und über

das Verhältnis einer zweiten von Zentraleuropa nach Asien hinein muß

nachher noch besonders gehandelt werden.

Den Norden und Nordwesten Europas, in Zentraleuropa bis gegen die

Alpen hin, insbesondere die Küstenländer der Nord- und Ostsee, nimmt

die sogen. „~nordische Rasse~“ ein. Sie sitzt als geschlossenster

Block in bestimmten Teilen Schwedens, auch in Schottland, sonst überall

in den genannten Gebieten stärker oder geringer mit anderen Rassen

gemischt; endlich geht sie als kleiner Mischungsbestandteil auch nach

Ost- und Südeuropa. In Nordamerika und anderem Überseegebiet findet sie

sich entsprechend der Herkunft der betr. eingewanderten Bevölkerung.

Die Merkmale der nordischen Rasse sind folgende: Der Körperwuchs

ist hoch, im Mittel ist 1,73 m die männliche Körpergröße, die mit

langen Gliedmaßen verbunden ist. Der Schädel ist lang und schmal, das

Hinterhaupt springt stark gewölbt vor. Das Gesicht ist ebenfalls lang

und schmal, die Nase vorspringend, schmal, mit hoher Wurzel, teils

gerade, teils mit einem kleinen Höcker an der Knorpelknochengrenze. Das

Kinn springt deutlich vor, die Wangen sind schmal und zurückliegend,

das schlichte, weiche, zu Locken geneigte Haar ist hell, blond oder

rötlich, das Auge hell, blau bis grau. Die Haut ist hell, in der Sonne

sich kaum bräunend, vielmehr empfindlich gegen Sonnenwirkung. Innerhalb

der Rasse sind einzelne Schläge von lokaler leichter Verschiedenheit

nachweisbar, auf die im einzelnen nicht eingegangen werden kann.

Die „~mediterrane~“ Rasse sitzt in den Küstenländern des

Mittelländischen Meeres. Spanien und Portugal, die kleinen und großen

mittelländischen Inseln, Süditalien bis herauf in die Höhe von Rom,

beherbergen einen festen Block davon. Bestandteile von ihr kommen auf

dem Südrand der Balkanhalbinsel und auf Kreta vor. Dann ist der ganze

Nordrand Afrikas von Ägypten bis Marokko von ihr besiedelt (aber in

starker Mischung, s. u.) und von da aus gehen Wellen landeinwärts,

an der Ostseite nilaufwärts, an der Westseite an der Küste entlang,

sicher noch die westafrikanischen Inseln umfassend, hier überall stark

vermischt. Die Rasse ist kleinwüchsig, die kleinste europäische. Der

Mann mißt im Mittel 1,61 m. Die Rasse hat schmalen, langen Schädel,

wie die nordische, aber kleiner und mit steilerer Stirn. Ein schmales,

ovales Gesicht, die Nase gerade, etwas vorstehend, aber kleiner und

etwas breiter wie die nordische; häufig ist der Stirnnasenwinkel

besonders flach (griechisches Profil). Das Haar ist tief dunkel, braun,

vom Laien als schwarz bezeichnet. Ebenso sind die Augen dunkelbraun.

Die Haut hat einen deutlich bräunlichen Ton, der sich unter

Sonnenwirkung zu gleichmäßig lichtem Braun verstärkt.

Die „~alpine~“ Rasse besiedelt im Gebiete eines breiten

Streifens von Ost nach West im Bereiche der Alpen Zentraleuropa.

Am unvermischtesten sitzt die alpine Rasse in Südwest- und

Zentralfrankreich, von der Gascogne über Auvergne in die Franche

comté, dann im eigentlichen Alpengebiet, besonders dessen Südseite,

um vom Alpenstock in einzelnen Zügen nordwärts ins Gebiet der

nordischen Rasse, südwärts in das der mediterranen, deutlich bis

Mittelitalien vorzufließen. Von Tirol und den Ostalpen geht ein Gebiet

alpiner Rasse in stärkerer Mischung nord-und nordostwärts bis über

Mitteldeutschland hinaus, das sich nach Osten nicht abgrenzen läßt

(mangels anthropologischer Daten). Ebenso ist es heute noch unmöglich,

nach Südosten eine Grenze anzugeben gegen das Gebiet der dinarischen

Rasse. Die charakteristischen Merkmale dieser alpinen Rasse sind

folgende. Die Körpergröße ist eine mittlere, ihr Durchschnitt beträgt

für den Mann 1,63-1,64 m, der Schädel ist rund, der Index am Lebenden

im Mittel 85 bis 87, die Stirn steigt gerade aufwärts, Stirn und

Scheitelhöcker sind etwas betont, das Hinterhaupt gleichmäßig gewölbt,

ohne besonders vorzuspringen. Das Gesicht ist breit, rundlich, das Kinn

spitz, die Nase derber, kürzer und breiter als bei den anderen Rassen,

leicht konkav. Haar- und Augenfarbe sind mittelbraun, die Hautfarbe

nicht so hell wie bei der nordischen Rasse, aber heller wie bei der

mediterranen, unter Sonnenwirkung sich gleichmäßig bräunend.

Endlich die „~dinarische~“ Rasse.[C] Ihr Hauptsitz sind die

Balkanländer, vielleicht am geschlossensten in Bosnien und der

Herzegowina, dann Kroatien, Slavonien, Albanien. Bis an die Südspitze

der Balkanhalbinsel ist sie verbreitet, allerdings sitzt auf Morea

auch mediterrane Rasse in starker Verbreitung. Nach Südosten läßt

sich die Rasse verfolgen über die Enge nach Kleinasien und ist hier

von der „armenoiden“ einstweilen nicht abzugrenzen (s. u.). Nach

Nordwesten strahlt sie in das alpine Gebiet, und das dinarische Element

dürfte über die österreichischen Alpenländer weit nach Süd-, ja

Mitteldeutschland reichen. Der Typus ist nicht zu verkennen. Die Haare

und Augenbrauen sind schwarzbraun, das Haar schlicht, die Bartbildung

stark. Der Kopf ist dabei kurz und hoch, nicht allzubreit, so daß

der Index im Mittel 81 bis 86 ist. Besonders charakteristisch ist

die außerordentlich flache Konturlinie des Hinterhauptes, so daß der

Kopf im Profil hinten wie abgehackt aussieht. Das Gesicht ist lang,

derb modelliert und trägt eine besonders große, stark vorspringende,

gebogene, häufig kühn geschwungene Nase. Eine größere kommt bei keiner

anderen Rasse vor. Adlernase und stark gebogene Habichtsnase sind etwa

gleichmäßig vertreten. Die Körpergröße endlich ist 1,68 m bis 1,72 m im

Durchschnitt für den Mann, also sehr erheblich.

Diese vier Rassentypen setzen in intensiver Mischung die Bevölkerung

Europas zusammen. Dazu kommen von außen noch fremde Bestandteile, die

sich bald mehr, bald weniger in die Bevölkerung einschieben. Von Osten

her vor allen Stücken die mongolide Rasse, im Südwesten arabische

Einflüsse, über ganz Europa die jüdische Bevölkerung.

Zunächst aber erhebt sich noch die Frage, nach der Entstehung des

vorhin geschilderten Rassenbildes. Man kann heute noch keinen

Anschluß finden an die ältesten Typen Europas (Neandertal usw.).

Einigermaßen aber befriedigt die Vorstellung, daß die vom Ende der

ältesten Steinzeit bekannte Cro-Magnonrasse den Ausgang bildet.

An sie dürfte sich mediterrane und nordische Rasse anschließen.

Ob sie etwa aus dem (noch nicht mit Funden belegten) Vorfahr der

mediterranen Rasse entstand -- sie ist vor allem viel großwüchsiger

als jene -- oder ob umgekehrt die heutige mediterrane Form aus ihr

durch Umänderung geworden ist, bleibe dahingestellt. (Deutlich

bestehen Beziehungen zwischen dem Cro-Magnonschädel, Schädeln aus

Teneriffa und Ägypten.)

Wir dürfen jedenfalls annehmen, daß die mediterrane Rasse ungefähr

den Bereich ihrer heutigen Verbreitung am Schluß der älteren

Steinzeit eingenommen hatte. Andererseits bestehen rassenmäßig

anatomisch von dem Cro-Magnon-Skelett Beziehungen zu den Formen,

die uns die Skelettreste der sogenannten Megalith-Bevölkerung

aufweisen, d. h. die Dolmenbauer (Riesensteine, Grabkammern) der

neolithischen Zeit der skandinavischen, dänischen usw. Küsten.

Auch die dürften sich von den Cro-Magnon-Formen ableiten lassen.

Eine gewisse Entwicklung, Änderung muß ja stattgefunden haben.

Da kann man also annehmen, daß mit dem Schwund des Eises, das

das nördlichste Europa vollkommen bedeckt hatte, den nach Norden

ausweichenden Renntierherden nach, der Mensch nach Norden gezogen

ist und daß dabei eine Gruppe, dort isoliert, sich zur nordischen

Rasse umgebildet hat. Man darf vielleicht eine recht kleine Gruppe

annehmen, die dann unter den sich stark ändernden Verhältnissen

(Klima, Jagdtiere!) in neuer scharfer Auslese und Inzucht all

die eigentümlichen Merkmale erworben hat, wie sie innerhalb der

ganzen Menschheit nur der nordischen Rasse zukommen. Da, des

Eises wegen, vorher mit Sicherheit hier keinerlei Bevölkerung

gesessen haben kann, wäre also diese nordische Rasse hier als die

ursprünglichste und am Orte entstandene aufzufassen. Relativ früh

schon kam zu ihr von Osten her eine zweite Einwanderungswelle, die

Vorfahren der heutigen Lappen. Man findet von Anfang an zu den

langen schmalen Schädeln der Megalithskelette und aller späteren

prähistorischen Perioden eine Beimischung von einzelnen wenigen

Rundschädeln, bis hin zum heutigen Tag, wo wir neben den langen

Schwedenschädeln die runden Lappenschädel beobachten können. Und

am Südrand der ursprünglichen Verbreitung der nordischen Rasse

mischte sich wohl auch schon prähistorisch der alpine Mensch zu,

dessen Schädel wir als sogenannten Borreby-Typus in Dänemark und

auch in Holland nachweisen können. Ostwärts schlossen sich wohl

schon damals die Mongoliden an. Und es erhebt sich die Frage, ob

nicht die alpine Rasse ursprünglich einfach der westliche Zweig

derselben ist. Es spricht recht viel dafür, aber es wäre wohl

unrichtig, so ausgedrückt, daß wir sagen, die Mongoliden sind

westwärts in der älteren Steinzeit etwa bis an den Atlantischen

Ozean vorgerückt, vielmehr dürften die Verhältnisse richtiger so

dargestellt sein, daß wir annehmen, gleich bei der Bildung der

heutigen Mongoliden, noch ehe sie ihre typischen Merkmale und

Sonderbildungen entwickelt hatten, hat sich eine westliche Gruppe

abgezweigt. Sie hat infolgedessen bestimmte mongolide Merkmale

(Schädelform), dagegen die Form der Augenlider und Augenspalte,

den Mongolenfleck und anderes noch nicht. Der ~nord~westliche

Zweig dagegen, die Lappen, besitzen bereits jene Merkmale, sind

also wohl erst eingewandert, nachdem die Mongoliden wirklich

rassenmäßig solche geworden waren. Jene ersten, aus der noch nicht

fertig spezialisierten mongoliden Wurzel entstandenen Alpinen,

haben also schon in der Eiszeit Europa bewohnt, sind nordwärts bis

in die jütische Halbinsel vorgedrungen, nordwestlich, wie gesagt,

bis Holland, vielleicht hinübergreifend auf England und südwärts

haben wir eine deutliche Spur davon noch in Spanien.

Endlich die ~dinarische~ Rasse ist, soweit wir wissen, erst

viel später nach Europa gekommen. In der Eiszeit ist sie nicht

nachweisbar. Es ist wohl anzunehmen, daß sie um diese Zeit nur in

Vorderasien saß. Die ersten Spuren finden wir erst in der jüngeren

Steinzeit und dann dürfte sie wohl nochmals in der Bronzezeit sich

erheblich ausgebreitet haben. In der jüngeren Steinzeit dürften

die äußersten Vorposten in den sogenannten Rundgräbern Englands

ihre Reste hinterlassen haben. So kann es uns nicht wundern, daß

wir heute noch dinarische Rassenmerkmale bis ins Herz von Europa

finden. Ebenso scheinen solche armenoid-dinarischen Elemente von

Vorderasien bzw. Südosteuropa über Kreta westlich, bis Sizilien und

südlich bis Ägypten gelangt.

Bis auf den Südrand Europas hatte in der älteren Steinzeit auch

vorübergehend die Negerbevölkerung Afrikas sich ausgedehnt, wie der

„Grimaldifund“ (bei Mentone) zeigt, sie ist aber in die spätere

Bevölkerung nicht nennenswert eingegangen.

Wenn man auf diese Weise die Quellen der Rassen festlegt, bedarf es

noch einer kurzen Betrachtung der Vorgänge zwischen jenen ersten

Anfängen und den heutigen Verhältnissen. Wenn am Ende der Eiszeit

die drei größten europäischen Rassen ungefähr in den heutigen Sitzen

lebten, können durch Nachweis zahlreicher Wanderungen auch über

die Mischungsverhältnisse der heutigen Völker doch noch eine Menge

Angaben gemacht werden. Was man in der Geschichte Völkerwanderung

nennt, ist sicher nur der letzte, und wohl nicht größte Abschnitt

gewaltiger Wanderungen, die man anthropologisch und prähistorisch immer

deutlicher erkennen kann: Vor der Germanenwanderung die Kelten- und

Slavenwanderungen, und vor diesen die prähistorischen Wanderungen,

die während der jüngeren Steinzeit Völkerverschiebungen kreuz und

quer durch ganz Europa in großem Ausmaße herbeigeführt haben. Noch

gelingt es nicht, überall die Kulturkreise mit anthropologischen Typen

in Einklang zu bringen, aber an einzelnen Stellen sind deutlich den

Völkerbewegungen entsprechende Rassenverschiebungen zu erkennen. Im

östlichen Teil Zentraleuropas, z. B. in Böhmen und Schlesien saßen

als Träger der sogen. „bandkeramischen“ Kultur der jüngeren Steinzeit

rundschädlige Menschen (Alpinus?) und man kann verfolgen, wie sich die

zeitlich später zu setzende „schnurkeramische“ Bevölkerung über sie

wegschob. Diese letztere war langschädlig und man findet in den Gräbern

die männlichen Schädel in überwiegender Anzahl langschädlig, unter den

Frauen viele rundschädlige, das typische Bild der Überschichtung einer

ansässigen Bevölkerung durch eine erobernd eingedrungene. Innerhalb

derselben jüngeren Steinzeit waren in Zentraleuropa die Pfahlbauer

alpiner Rasse, und um dieselbe Zeit finden wir eine nomadisch wandernde

Bevölkerung, deren Kulturinventar durch die sogenannten Glockenbecher

charakterisiert ist, mit den eigenartigen Schädelformen der dinarischen

Rasse. Auch hier also Wanderungen und Schübe. Und wahrscheinlich dürfte

auch die Entwicklung der späteren Bronze- und Hallstattzeit durch

solche Verschiebungen bedingt sein. Viel deutlicher werden dann in

den Skelettfunden die Verschiebungen der Kelten- und Germanenzeit, wo

typische Kelten-, Germanen- und Slavengräber die Reste der Bewohner

Europas zeigen um den Beginn unserer Zeitrechnung. Der in den sogen.

„Reihengräbern“ der Germanen der Völkerwanderungszeit, also etwa der

Franken, Sachsen, Alemannen und all der anderen gefundene Schädeltypus

ist dem reinen nordischen Rassetypus, wie er in Schweden lebt, völlig

gleich, einerlei ob er in Süddeutschland, in Frankreich oder Italien in

den betr. Germanengräbern gefunden wird.

In engstem Zusammenhang mit diesen vorgeschichtlichen

Völkerverschiebungen steht die Frage nach der Urheimat der

Indogermanen. Die gesamten Forschungen auf dem Gebiet der

Sprachforschung, auf archäologischem und anthropologischem, sprechen

einheitlich dafür, daß die Urheimat der indogermanischen Sprachen

in Nordeuropa zu suchen ist. Ob dabei nur Skandinavien, oder die

norddeutsche Tiefebene, oder das Baltikum in Betracht kommt, ist

hier einerlei. Dort aber saß, wie oben gezeigt, als ursprüngliche

Rasse von der Zeit an, da das weichende Eis menschliche Siedelung

überhaupt ermöglichte, die nordische Rasse. Sie ist die Trägerin

der urindogermanischen Sprache und Kultur und wohin indogermanische

Sprachen nachher beim Auseinandergehen in die einzelnen Stämme getragen

worden sind, da waren die Träger Individuen nordischer Rasse, oder

Mischung dieser mit einer anderen. Die letzten großen Wellen, die

von der Urheimat ausgingen, die Kelten, Germanen und Slaven, waren

rassenmäßig ursprünglich nicht verschieden. Ihr Schicksal wurde

dann aber ein sehr verschiedenes. Der keltische Strom kam, soweit

er in Europa blieb, teils ins Gebiet der mediterranen (Spanien,

Italien), teils ins Gebiet der alpinen (Zentraleuropa, Frankreich,

Süddeutschland, Schweiz, Norditalien usw.) oder ins Gebiet der

nordischen Rasse (England), z. T. endlich ins Gebiet der Dinaren

(Balkan). An den beiden erstgenannten Mischungsbezirken wurde die Rasse

durch Ausleseprozesse, wie sie oben geschildert wurden, eingedunkelt,

d. h. in Zentraleuropa mit der alpinen vermischt, in Südeuropa von der

mediterranen aufgesogen. Die Kultur aber blieb erhalten; die neuen

Träger dieser keltischen Kultur waren jetzt in Zentral- und Westeuropa

zum großen Teil dunkelhaarig und der später eintreffende Germane fand

etwa in Südfrankreich auch schon recht viele dunkelhaarige „Kelten“

vor. Und noch heute stellt sich bei uns der Laie großenteils die Kelten

dunkelhaarig vor und führt die heutigen dunkelhaarigen Elemente in

unserer Bevölkerung auf Kelten zurück, während sie in Wirklichkeit auf

die alpine Rasse der jüngeren, ja älteren Steinzeit zurückgehen. Der

östliche Strom, der slavische, wurde rassenmäßig am stärksten zersetzt.

Seine Aufgabe sollte werden, das Germanentum vor der mongolischen

Flut zu bewahren, wohl eine weltgeschichtlich unscheinbare, aber in

Wirklichkeit außerordentlich bedeutende Rolle. Wie eine lebendige Mauer

schob sich das ursprünglich große, blondhaarige Slaventum östlich vor

seinen germanischen Bruder und nahm Welle um Welle das Mongolentum

in sich auf. Und erst sozusagen filtriert, abgemildert, in Mischung,

kamen dann später mit den ostwestlichen Slavenverschiebungen die

mongolischen Rassenelemente bis ins Herz Europas, bis an und über die

Elbe hin ins Germanentum hinein. Wohl finden wir heute als Einschlag in

die nordisch-alpine Mischung des deutschen Volkes einzelne mongolische

Merkmale, aber das wäre in außerordentlich viel größerem und das Ganze

stark beeinflussendem Maße geschehen, wenn nicht der slavische Wall die

Hauptsache aufgehalten hätte. Was weite Kreise als slavischen Typus

bezeichnen, breite Gesichter, etwas betonte Backenknochen, gedrungene

Gestalten, ist in Wirklichkeit nordisch-mongolische Mischung. Die

heutigen Slaven haben samt und sonders starken mongolischen Einschlag,

die südlichen Slaven in Mischung mit der alpinen und dinarischen Rasse.

Der germanische Strom endlich blieb seiner Heimat am nächsten und

wurde am wenigsten von fremden Rassen beeinflußt. In Süddeutschland

eine starke Zumischung von alpiner Rasse, in Skandinavien mongolische

Einschläge durch die Lappen, in Nordostdeutschland die eben genannten

durch die (späteren) Slaven. In Nordwestdeutschland, Holland,

Belgien und Nordfrankreich in weiten Strecken die nordische Rasse

vorherrschend. In den beiden letzteren allmähliche Zumischung der

alpinen Rasse. Wo die germanische Welle ausbrandete, und sich von der

ursprünglichen Heimat noch weiter entfernte, ging sie unter. Es sei an

die Burgunder, Goten, Vandalen und andere erinnert. Aber noch heute

haben die südeuropäischen Länder zahlenmäßig mehr blondhaarige Menschen

als etwa Skandinavien dunkelbraunhaarige, obwohl in der Vererbung ja

die dunkle Anlage dominant ist, infolgedessen viele dunkle Südeuropäer

überdeckt die Blondanlage, aber kein blonder Nordeuropäer die

Dunkelanlage in sich birgt; ein deutliches Zeichen der auch rassenmäßig

starken Beeinflussung Südeuropas durch die Einwanderung der nordischen

Rasse. In Großbritannien mischte sich am Südrand ein sehr erheblicher

Einschlag mediterraner Rasse zur nordischen, die im übrigen dort

vorherrscht. Der Einschlag von alpiner und dinarischer Rasse dürfte

gering sein.

So sind die sämtlichen heutigen Völker Europas aus denselben Rassen

zusammengesetzt; was aber ihre Unterschiede ausmacht, ist die Zahl

der Komponenten, das gegenseitige Mengenverhältnis, und die Menge

fremder Einschläge. Von solchen wurde schon der mongolische erwähnt;

weiter sei für die spanische Bevölkerung auf den starken Einschlag

hingewiesen, den die arabische Invasion und Herrschaft hinterlassen

hat, teils orientalische Rasse (s. u.), teils von ihr mitgebrachte

negride Bestandteile. Auch die anderen historischen Einwanderungen sind

heute noch nachwirkend, die Niederlassung der mongolischen Magyaren in

Ungarn, der mongolischen Bulgaren und Türken im Balkan, die Hunnenzüge

usw. Und endlich ist darauf hinzuweisen, wie in tausenden von einzelnen

Fällen, bei der heute und in dieser Beziehung über die ganzen

vergangenen Jahrhunderte herrschenden Freizügigkeit, die Zumischung

einzelner fremdrassiger Individuen dauernd stattfand. Man muß aber auch

an die einzeln importierten Neger, Mongolen usw. denken. Dann wandern

in Zentral- und Nordeuropa einzelne Südeuropäer ein und umgekehrt; die

bedeutendste Rolle aber spielt in der Gegenwart der jüdische Einschlag,

der vorderasiatische Rassenelemente (s. u.) in erheblicher Menge

bringt. All das bedingt die oft eigenartigen Züge in einzelnen Familien

und Individuen, die durch die Gesetze der Erblichkeit verständlich

gemacht werden. Die Einfuhr von Hunderttausenden Kriegsgefangener aus

aller Herren Länder in Deutschland, die farbigen Garnisonen im jetzigen

besetzten Gebiet, vor allem aber seit sechs Jahren in Frankreich

wird sich in Zukunft deutlich zeigen! Es kann gar keinem Zweifel

unterliegen, daß auch die geistigen Verschiedenheiten der einzelnen

europäischen Völker von diesen Rassenunterschieden abhängen. Die vier

großen europäischen Rassen und die zugemischten außereuropäischen

haben selbstverständlich auch je ihre eigenartigen Erbanlagen und die

Mischung und Auslese, die in einem Volk stattfand, wird entsprechende

Wirkung gehabt haben und hat die seelische Veranlagung des betreffenden

Volkes bestimmt. Und wir dürfen uns diesen Prozeß auch heute nicht

als abgeschlossen vorstellen, vor unseren Augen findet sicher immer

noch Auslese auch bezüglich der verschiedenen Rassebestandteile eines

Volkes in verschiedener Intensität statt, wie durch all die vergangenen

Jahrhunderte, ja Jahrtausende hindurch, und so ändert sich auch heute

durch diesen immerwährenden Prozeß die Zusammensetzung jedes einzelnen

Volkes und bestimmt damit unter anderem sein Schicksal.

Endlich wäre noch ein Blick zu werfen auf die europäische Bevölkerung

der ~überseeischen Länder~, vor allem die Vereinigten Staaten

~Nordamerikas~. Dieselben Mischungsverhältnisse, die wir

in Europa sehen, sehen wir auch dort. In den einzelnen süd- und

mittelamerikanischen Staaten dabei ein sehr starker Einschlag

von Negerblut, der sich z. T. in der kulturellen Entwicklung

deutlich verfolgen läßt. Für die rassenmäßige Zusammensetzung des

~nordamerikanischen~ Volkes ist es selbstverständlich von ganz

erheblicher Bedeutung, daß früher die Hauptquelle seiner Einwanderung

erst England und dann Deutschland war, während in den letzten Dezennien

in stets steigenden Zahlen Süd- und Osteuropa ihm seine Bevölkerung

lieferten. Trotz der heute großenteils noch bestehenden sozialen

Unterschiede zwischen den Bevölkerungen dieser verschiedenen Quellen

werden sie sich künftig mischen. Dabei werden soziale (und natürliche?)

Ausleseprozesse -- verschieden starke Vermehrung vor allem -- eine

bedeutende Rolle spielen, so daß sich heute wohl keine Voraussage

machen läßt, wie diese Bevölkerung sich entwickelt; es wird nicht

einfach ein Rechenexempel sein nach der Zahl der Einwanderer! Daß auch

einwandernde „Deutsche“ oder „Italiener“ rassenmäßig je etwas sehr

Verschiedenes sein können, braucht ja kaum nochmals betont zu werden. --

Ähnliches gilt für die anderen großen europäischen Siedelungsgebiete

über See, Australien, Südafrika usw.

Nach dem Gesagten wird auch für die Zukunft der Geschichte des Landes

jener ~Rassenwechsel~ in der Einwanderung nicht ohne Bedeutung

sein.

Hier soll noch kurz auf die indischen Verhältnisse eingegangen

werden. In der ersten Hälfte des zweiten vorchristlichen

Jahrtausends saßen die „arischen“ Hindu als Hirtenvölker im

Penschab. Etwa um 1400 v. Chr. stießen sie vor, drängten die

einheimische Dravida-Bevölkerung südwärts und bildeten allmählich

mit dieser ~ein~ Volk, in das außerdem Elemente einer

primitiveren Urbevölkerung (weddaische Rasse, s. u.) aufgenommen

wurden. Sprache und Kultur der Hindu sind indogermanisch. Wuchs,

Schädelform, Nasenform und Hautfarbe verraten die nordische

Rasse, freilich ist die Haut nicht mehr „weiß“, die Mischung ist

derartig intensiv und besonders die Auslese bzw. dadurch bedingte

Ausmerzung der hellhäutigsten gegen die Tropensonne gänzlich

ungeschützten Individuen derartig wirksam gewesen, daß die rein

homozygoten Hellen ausgetilgt sind und werden. Die obersten

Kasten (die Brahmanen) zeigen die genannten Merkmale am besten.

Man hat gesagt, und mit Recht, in diesem indischen Volk stehe

die Höhe der sozialen Stellung eines Individuums in umgekehrtem

Verhältnis zur Nasenbreite! Gerade hier in Indien kann man sehen,

wie Rassenmischung und Auslese wirken, wie die Nasenformen,

Schädellänge und Körpergröße sich erhalten haben, die hellen Farben

aber ausgemerzt wurden. Von der nordischen Rasse sind hier also nur

einige wenige Merkmale erhalten geblieben -- und die gewaltigen

Kultur- und Kunstreste, die das Volk geschaffen, dessen Träger sie

war.

~Vorderasien~.

Prähistorische und anthropologische Forschungen lassen es ziemlich

sicher erscheinen, daß etwa bis zum zweiten vorchristlichen Jahrtausend

über ganz Kleinasien, Armenien und Mesopotamien eine einigermaßen

gleichmäßige Bevölkerung saß, die wir als „~armenoide~“ Rasse

bezeichnen dürfen. Sie steht der oben geschilderten „dinarischen“

außerordentlich nahe, nur geringere Körpergröße unterscheidet sie.

Beides dürften Schwesterrassen sein. Wir finden sie heute an den

angegebenen Stellen noch relativ rein da, wo sie sich vor den Stürmen

der darauffolgenden Völkerwanderung geschützt erhalten konnte. So unter

abgelegenen Bergvölkern Vorderasiens, beispielshalber den sogenannten

Allevi, Kyssilbasch, Tachtadschi u. a., dann im armenischen Hochland,

in adligen Familien, in Sekten u. dergl. Diese mächtige Bevölkerung

wurde etwa um die Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends, wo

sie in sich schon Völker und Reiche gebildet hatte, deren bedeutsamster

der Staat der Hetiter war, von zwei Seiten her rassenmäßig beeinflußt.

Von Nordwesten her rückten über die Meerenge nach Kleinasien her

einfallend, indogermanische Scharen ein, die mindestens einen starken

Einschlag nordischer Rasse mitbrachten. Die Thraker der griechischen

Autoren, die Amoriter der Bibel gehören hierher, wenn auch erst aus

späterer Zeit. Jenes waren die ersten Vorläufer. Aber viel tiefgehender

war die Beeinflussung, die von Süden her kam. In der ersten Hälfte

des zweiten Jahrtausends rückten Euphrat-Tigris aufwärts semitische

Wanderscharen vor. Die biblische Legende erzählt uns davon. Durch

diese wurden große Teile dieser aus armenoiden Rassenelementen

bestehenden Bevölkerung kulturell semitisiert, es entstanden semitische

Völker und Staaten; körperlich wurde sie zu einer Mischrasse

umgebildet. Der Ankömmling selber aber brachte als Rasse das mit, was

„~orientalische~“ Rasse genannt werden soll. Die Urheimat der

orientalischen Rasse war wohl die arabische Halbinsel zur diluvialen

Zeit, wo wir uns diese ebensowenig wie die heutige Sahara als Wüste,

sondern infolge der Niederschlagsperiode als fruchtbares Gebiet

vorstellen müssen, wohl geeignet, als Stätte für die Sonderausbildung

einer Rasse zu dienen. Die orientalische Rasse zeichnet sich aus

durch kleinen Wuchs, schmalen, langen Schädel, schmales Gesicht, mit

etwas fleischigen, dicklichen Lippen, eine schmale, vorspringende,

gleichmäßig gebogene, nicht allzugroße Nase. Man stelle sich die

Gesichter feiner südeuropäischer Juden vor, im Gegensatz zu den groben

Zügen der großnasigen Armenoiden. Die orientalische Rasse dürfte der

mediterranen sehr nahestehen, beides Zweige aus einer Wurzel. Haar

und Augenfarbe sind schwarzbraun, dagegen scheint die Haut besonders

hell geblieben oder geworden zu sein. Das war also der rassenmäßige

Typus der einwandernden ursprünglichen Semiten. Aus der Mischung der

orientalischen und armenoiden Rassen als Grundstock wurden dann die

eigentlichen semitischen Völker Assyrer, Babyloner, Hebräer und andere.

Aber genau wie in die Hauptrassen Europas fremde Einschläge nachweisbar

sind, so auch hier. Einmal der schon genannte nordische, dann aber ganz

offenbar eine, wenn auch nicht stark vertretene negroide Komponente,

die über die Nordostecke Afrikas genau so herübergegriffen haben

muß, wie über den Südrand Europas (vgl. oben Grimaldi-Rasse). Endlich

finden wir auf Bildwerken im summerischen Volk Typen mit kleinen

spitzen Nasen dargestellt, entweder ist ein alpiner Einschlag hier

noch anzunehmen (oder südwestlichste asiatische Mongoliden?) oder,

was viel wahrscheinlicher ist, ein Zweig der mediterranen Rasse, die

ja den ganzen Nordrand Afrikas, wie gleich gezeigt werden soll, fest

besiedelte.

Wenn des besonderen Interesses wegen aus diesen semitischen Völkern

das der Hebräer nochmals herausgegriffen werden soll, gilt natürlich

auch für dieses die eben angeführte Rassenmischung, es besteht aus

der armenoiden und orientalischen Rasse als Grundstock. Wenn man

heute im Judentum zwei Zweige unterscheidet, die Sephardim und die

Aschkenasim, so stellt der erstere hauptsächlich ein Vorwiegen der

orientalischen Rasse, der andere mehr der armenoiden Rasse dar. Die

Unterschiede der Juden in Europa erklären sich durch Mischung mit

den betreffenden Völkern unter denen sie wohnen. Die Südjuden haben

in Menge mediterranes Blut aufgenommen, die Ostjuden alpines und

mongolides. Was wir sehen, ist Rassenmischung. Es ist nach dem Gesagten

fast überflüssig, nochmals besonders zu betonen, daß man ebensowenig

von einer jüdischen Rasse, wie von einer germanischen Rasse sprechen

kann, daß aber selbstverständlich sowohl die Juden, wie die Germanen je

eine besondere Rassenmischung darstellen. Man kann also sehr wohl von

den Rassenmerkmalen und Rassen der Juden und der Germanen sprechen und

beide scharf und deutlich unterscheiden.

~Ägypten und Nordafrika~.

Hinsichtlich der Anthropologie Ägyptens liegen besonders

günstige Umstände vor, da ein Schädelmaterial lückenlos über

mehr als 5 Jahrtausende zur Verfügung steht. Von den ältesten

vorgeschichtlichen Funden an können wir in Ägyptens Bevölkerung

zwei Haupttypen nachweisen. Der eine ist leicht kenntlich. Es ist

eine deutliche Negerbevölkerung, die zeitenweise bis Unterägypten

heruntergeht. Sie macht auch in der Glanzzeit des ägyptischen

Reiches einen recht bedeutenden Bestandteil des ägyptischen

Volkes aus, und wie das Gräberinventar beweist, war es nicht etwa

nur eine dienende Bevölkerung, sondern auch unter den Reichsten

und Vornehmsten, in der Priesterschaft und im königlichen Hause

waren negride Individuen vertreten. Daß vorübergehend Neger- bzw.

Nubier-Fürsten den ägyptischen Königsthron innehatten, sei nur

beiläufig erwähnt. Dieses negride Rassenelement war aufs Innigste

vermischt mit dem zweiten Bestandteil des ägyptischen Volkes.

Dieses ist die mediterrane Rasse, dieselbe also, die den Südwesten

Europas bewohnt. Die mediterrane Rasse dürfte dabei die Hauptmasse

der Bevölkerung ausgemacht haben, so daß sie als der Hauptträger

der hamitischen Kultur Ägyptens anzusehen ist. Aber auch hier gab

es ziemlich zahlreiche Einschläge anderer Rassen. Eine typische

sogenannte Ramsesnase wird weder durch die mediterrane, noch durch

die negride Rasse erklärt. Dagegen melden die ägyptischen Quellen

von jahrhundertelangen Kämpfen gegen die semitischen Wüstenvölker,

die vom Osten über das Rote Meer einfielen. Auf diese Weise kam

das Blut der orientalischen Rasse in Menge ins ägyptische Volk.

Und weiter erfährt man, daß über See blonde Scharen als Angreifer

erschienen; so dürfte ab und zu auch nordischer Einschlag in

die Bevölkerung gekommen sein. Farbige Abbildungen zeigen Typen

nordischer Rasse. Endlich beweisen Skelettfunde das Vorhandensein

einer kurzschädligen Rasse, es dürfte die ~armenoide~ sein.

-- Die kleinen Statuetten, die in realistischer Darstellung

zwerghafte Menschen, weibliche Figuren mit hängenden Brüsten und

der als Steatopygie (Fettsteiß) bezeichneten Bildung heutiger

Hottentotten- und Buschmannweiber wiedergeben, zeigen, daß den

Ägyptern jene Menschen mindestens bekannt gewesen sein müssen,

machen es wahrscheinlich, daß jene afrikanischen Stämme einmal bis

hier herauf gekommen sind. Die rassenmäßige Zusammensetzung des

ägyptischen Volkes dürfte von Anfang an bis heute grundsätzlich

dieselbe geblieben sein, auch wenn zahlenmäßig das Verhältnis der

einzelnen Mischrassen auf und ab geschwankt hat, vor allem, was

die Negerkomponente anlangt. Je weiter nilaufwärts, desto stärker

herrscht die Negerrasse vor, und südwärts an Ägypten schließen

sich Bezirke an, bei denen man sagen muß, es sind Neger, die stark

mediterranisiert sind oder aber stark vernegerte Mediterranier.

Von Ägypten nach Westen sitzt heute in ganz Nordafrika als

Oberschicht die islamische Bevölkerung der Araberzüge. Aber

darunter steckt deutlich erkennbar, vor allen Stücken in Algier und

Tunis, als sogenannte Berber die mediterrane Rasse, also derselbe

Mensch, wie er Südeuropa besiedelt. Als Mischung kommt einmal die

Negerkomponente, und zweitens die durch die Araber mitgebrachte

orientalische Rasse dazu. Das Verhältnis dieser einzelnen

Bevölkerungselemente wechselt außerordentlich, bald herrscht die

eine, bald die andere Rassenkomponente vor. Diese Bevölkerung geht

über das Festland hinaus, hinüber auf die Westafrika vorgelagerten

Kanarischen Inseln, die ausgerottete Bevölkerung der Quanchen

gehört zweifelsohne hierher, bewahrte vielleicht besonders

deutlich den alten mediterranen Typ und die Sprache. Daher gewisse

Beziehungen zu den Merkmalen der Cro-Magnon-Rasse. Südwärts

vom Nordrand Afrikas gegen die Wüste zu, findet in derselben

Mischung ein immer stärkeres Vorwiegen des Negerblutes statt, ein

allmählicher Übergang zu echten Negerstämmen, die aber ihrerseits,

besonders in den vornehmen Familien, immer wieder das mediterrane

Blut erkennen lassen. Genau wie hamitisches und semitisches Sprach-

und Kulturgut bis an die Südspitze Afrikas, aufgepfropft auf die

Negerkulturen, sich erkennen lassen, genau so geht mediterranes und

orientalisches Blut in Mischung mit Negerblut bis dahin.

~Afrikanischer Kreis~.

Der afrikanische Kreis umfaßt anthropologisch Afrika mit Ausnahme

des ganzen Nordrandes, also von der Sahara an bis an die

Südspitze. Madagaskar wird eingeschlossen, die westafrikanischen

Inseln dagegen bleiben weg. Dieses Gebiet gehört der Rasse der

„~Negriden~“. Was die Völkerkunde Neger nennt, also der

ganze Kulturkreis der Negerkulturen bietet anthropologisch

ein außerordentlich vielgestaltiges Bild. Rassenmäßig ist

diese Bevölkerung, wie eben gezeigt, von außen her durch die

mediterrane und orientalische Rasse stark beeinflußt. Das was

eben eingesessene „negride“ Bevölkerung genannt wurde, besteht

seinerseits wieder aus zwei deutlich getrennten Schichten, die

sich im Laufe der Zeit übereinandergeschoben haben. Die eine, als

primitiver zu bezeichnende, stellt eine Pygmaenbevölkerung dar.

Hierher gehören stammweise zerstreut über Afrika lebende einzelne

Gruppen, einerseits die Buschmänner Südafrikas, andererseits

sogenannte Zwergstämme, im westlichen Kongo- und Kamerunwald,

zahlreiche kleine Stämme im zentralafrikanischen Urwaldgebiet

und im ostafrikanischen Seegebiet. Diese Pygmaen zeichnen sich

durch Kleinwüchsigkeit (männl. Mittel 1,40), runde Schädelform,

konvexe Oberlippe, helle Hautfarbe aus und waren einst über

den ganzen Kontinent, ja bis nach Europa verbreitet (Figürchen

mit Steatopygie), heute sind sie auf Wüste und Urwaldgebiete

zurückgedrängt.

Die obere Schicht, das was man gewöhnlich „~Neger~“ nennt, ist

von Ort zu Ort in Afrika außerordentlich verschieden, aber doch

als die verschiedenen Mischprodukte auf der Grundlage ~einer~

Rasse zu erkennen. Anthropologisch besteht keine Zweiteilung, wie

sie die Völkerkunde für die Negerkulturen, vor allen Stücken auch

auf sprachlichem Gebiet, in Bantu und Sudan vorzunehmen pflegt.

Stämme aus der Sudangruppe sind anthropologisch meist stark

„orientalisiert“ oder „mediterranisiert“, ein andermal zeigen

aber auch Bantugruppen genau dasselbe und umgekehrt findet man

gelegentlich bei Sudan- wie bei Bantugruppen den eigentlichen

anthropologischen Negertypus deutlich und rein. Dieser ist

folgendermaßen zu charakterisieren. Die Körpergröße ist eine

sehr respektable, für den Mann im Durchschnitt bei den einzelnen

Gruppen von 1,62 bis 1,82 m. Die Proportionen zeichnet besondere

Arm- und Bein-, vor allem Unterarm- und Unterschenkel-Länge aus.

Der Schädel ist lang und schmal, mit eigentümlicher Rundung von

Stirn und Hinterhaupt, flachem Scheitel und stark prognathem

Gesicht. Die Nase ist außerordentlich flach, breit, mit fast

quergestellten Nasenlöchern, die Backenknochen springen vor, das

Kinn ist deutlich ausgebildet, der Mund mit aufgekrempelten,

dicken Lippen umgrenzt. Die Hautfarbe ist ein dunkles Braun in

allerlei Schattierungen, Haar und Auge sind schwarz. Das Haar ist

spiralgedreht, die Körperbehaarung relativ gering, der Bart kommt

spät, hat aber europäische Form. Deutlich verschieden von der

europäischen, eigenartig und charakteristisch ausgeprägt, sind die

geistigen Anlagen der Negriden, die aber hier nicht geschildert

werden können.

Diese Negriden waren einstmals ebenso wie die Pygmäenschicht auch

über den Nordrand Afrikas und den Südrand Europas ausgebreitet

(Grimaldifund). Auch manches in der Kultur der zentraleuropäischen

alten Steinkulturen der Eiszeit (Solutré) spricht für nahe

Beziehungen dieser Neger zu Europa. Sie sind es gewesen, die dann

offenbar die Pygmäen verdrängt haben. Ob sie ihrerseits durch die

Mediterranen südwärts geschoben worden sind, oder wie sonst das

Verhältnis zwischen ihnen und den Europäern war, ist unbekannt.

Die nächstähnlichen Menschen sind in der Südsee anzutreffen, wo

gewisse Papua-Melanesier außerordentlich ähnliche Typen sind.

Hautfarbe, Haarform, Nasenform, Physiognomie ähneln denen der

Neger stellenweise außerordentlich, und um die Gleichheit zu

vervollständigen, gibt es auch dort neben der großwüchsigen

Varietät ebenfalls Pygmäen, die als Negrito bezeichnet werden. Das

gegenseitige Verhältnis ist auch dort noch nicht geklärt.

Endlich wäre noch ein Blick zu werfen auf die Neger außerhalb

Afrikas, vor allen Stücken in Amerika. Durch eine Mischung aus

allen möglichen Negerstämmen ist dort ein eigentümlicher Mitteltyp

entstanden, der aber im übrigen die Negermerkmale, auch die

geistigen, gut bewahrt hat. Wo diese Neger vollkommen sich selbst

überlassen worden sind, wie beispielshalber auf Jamaika, sind

einzelne Gruppen in vollkommene Unkultur (Fetischismus usw.)

zurückgesunken und zu sog. „Buschnegern“ geworden. Für Südamerika

ist es ja bekannt, daß eine außerordentlich starke Mischung

zwischen Europäern und Negern stattgefunden hat, man unterscheidet

dort die einzelnen Grade in Mulatten, Terzerones, Quarterones usw.

~Ost-, Zentral- und nordasiatischer Kreis~.

Die Masse des asiatischen Kontinentes (außer Indien), wird von der

Gruppe der „Mongoliden“ eingenommen. Zu diesen haben anthropologisch

die Eskimo nahe Beziehungen, etwas weitere die amerikanische

Urbevölkerung. Die ~Völker~kunde teilt sie ein in Mongolen im

engeren Sinne, mit einem nördlichen Zweig, Mandschu und Koreaner, und

einem südlichen Zweig, Südchinesen und Japaner, dann turk-tartarische

und endlich ural-altaische Stämme. Eine ~anthropologische~

Einteilung dieser ungeheuren Menschenmasse läßt sich bis jetzt nicht

durchführen, aber die genannten Völkergruppen sind auch durch eine

Menge anthropologischer Merkmale voneinander geschieden, so daß sicher

die Gesamtmongoliden in eine Reihe von Unterrassen zerfallen ohne daß

jene Grenze dieser etwa völlig entsprächen. Allen gemeinschaftlich

ist das mongolische Gesicht, ein flaches, mit starken Backenknochen

versehenes Antlitz, dessen Flachheit dadurch bedingt wird, daß die

Jochbeine parallel und gerade nach vorwärts gehen und dann erst fast

rechtwinklig umbiegen. Die Nasenwurzel ist niedrig, die Nase selbst

breit und flach, wenn auch lange nicht so breit wie die negride. Das

Auge hat die oben (Seite 91) beschriebene sog. Mongolenfalte. Die Haut

ist durch eigenartig gelbbraunes Pigment ausgezeichnet, dabei bei

einzelnen Gruppen mehr hellgelb, bei anderen bis tiefbraungelb. Der

Mongolenfleck (s. S. 92) ist für alle charakteristisch. Das Haar ist

straff, das Einzelhaar sehr dick, hart, im Querschnitt fast viereckig

mit abgerundeten Ecken. Die Körpergröße wechselt. Bei nordchinesischen

Gruppen werden männliche Durchschnittshöhen von 1,70 m, bei Tartaren

1,63 m, bei kleinwüchsigen Japanern 1,58 m und bei Lappen gelegentlich

1,52 m gefunden. Auch die Kopfform wechselt etwas. Sie ist im

allgemeinen mittelbreit bis breit. Bei den Japanern konnte man sehr

deutlich parallel wie bei uns Europäern einen feineren Typus der sozial

oberen Schichten und einen gröberen der unteren Schichten nachweisen.

Bei ersteren werden die Gesichter schmäler und länger, die Nase

gelegentlich klein und für japanische Verhältnisse geradezu schmal.

Die mongolide Menschheit hat eine gewaltige Expansionskraft. Vom

asiatischen Kontinent flutete sie in vorhistorischen Zeiten,

vielleicht im Zusammenhang mit der Ariereinwanderung in Indien

über die sogenannte malayische Inselwelt und vollzog dort

außerordentlich zahlreiche Mischungen aller Stufen und Grade mit

der dort ansässigen, an sich sehr verschiedenartigen Bevölkerung.

Diese Ausbreitung hat in zwei Schüben stattgefunden, ein älterer,

vielleicht auch an Zahl geringerer verschmolz viel stärker mit

der Urbevölkerung und ließ die heutigen sogenannten Binnen- oder

Urmalayen entstehen, die stellenweise keine oder nur noch sehr

wenig mongolide Züge erkennen lassen. Der zweite Schub brachte die

sogenannten Deutero- oder Küstenmalayen hervor, das was man heute

Javanen, Tenggerer usw. nennt, die großenteils die mongoliden

Merkmale noch ganz deutlich in Mischung mit denen der Urbevölkerung

erkennen lassen.

Eine andere mächtige Welle, vielleicht früher als die erste, ging

nach Westen und brachte die Mongolisierung der Slaven hervor, mit

all den Folgen, die oben geschildert wurden. Und ein jüngster

Zug geht nach Osten an die Westküste Amerikas, die heutige gelbe

Frage für Amerika! Auch die Besiedelung der japanischen Inseln

ist erst in einer sekundären Wanderung vom Festland aus erfolgt,

die alte Urbevölkerung ging teils in den Japanern auf, vor

allem die südliche, die nördliche blieb auf Sachalin und Yesso

erhalten im Völkchen der Aino. Diese zeigen keine Spur mongolider

Eigenschaften, gleichen vielmehr mit ihrer starken Bebartung, der

geraden Augenspalte eher den Europäern. Sie mögen zusammen mit dem

europäiden Stamm von der Wurzel der Menschheit entsprossen und

quer durch Asien in ihre heutigen Sitze verdrängt sein. Einzelne

indische Gruppen, z. B. Toda, mögen ähnlich entstanden sein.

In einem besonderen Verhältnis zu den Mongoliden stehen die

Eskimo, die sich von ihnen durch einige Sonderbildungen am

Schädel, vor allem große Schmalschädeligkeit unterscheiden, nach

allen anderen Merkmalen aber Mongoliden sind. Sie mögen sich sehr

früh vom Mongolidenstamm getrennt und dann in ihrer arktischen

Abgeschlossenheit gesondert entwickelt haben.

Ebenso dürfte vom Mongolidenstamme die Urbevölkerung Amerikas

ausgegangen sein und, wie linguistische und ethnographische

Forschungsergebnisse beweisen, über die Gegend der Behringstraße

nach der Eiszeit in Amerika eingewandert sein. Hier hat sie

sich über den ganzen Kontinent verbreitet, und dabei deutlich

in den einzelnen Regionen rassenmäßige Sondergruppen gebildet.

Die gelbbraune Pigmentierung, die mongoliden Proportionen, der

Mongolenfleck, sind ihr geblieben, die mongolide Augenfalte hat

sie entweder seinerzeit noch nicht gehabt, oder in der Gesamtheit

verloren. Als besonders auffällige Sonderbildung ist die

Schmalheit und Länge der Nase zu erwähnen, die für alle Indianer

charakteristisch, bei einzelnen zu ganz besonders starken Formen

der Adlernase geführt hat.

~Australisch-pazifischer Kreis~.

Nur ein ganz kurzer Blick soll zum Schlusse auf die pazifische

Inselwelt und Australien geworfen werden, nur um auf die

Gestaltungsfähigkeit der menschlichen Art und die Zahl der

Rassenbildungen hinzuweisen. Auf dem indischen Festlande, auf

Ceylon und einzelnen malayischen Inseln leben die Reste der

Rassenschicht der Wedda, eine besonders primitive Ausprägungsform,

klein -- doch nicht ganz pygmäenwüchsig, mit breitem Gesicht,

niedrigen Nasen und welligem, dem europäischen ähnlichem Haar.

Ihnen parallel, im Typus nicht unähnlich, aber doch deutlich

getrennt, durch Schädelform, ganz erhebliche Körpergröße, andere

Form des Bartes, die australische Rasse, nach der Schädelstruktur

am primitivsten geblieben unter den heutigen. Neben der

Wedda-Schicht, die schon erwähnte Negritoschicht, von jener durch

das starke Kraushaar deutlich unterschieden, parallel, die

Papua-Melanesier, und wohl selbständig die Tasmanier, ebenfalls

kraushaarig, aber den Negrito gegenüber durch Körpergröße und

andere Schädelform unterschieden.

Endlich fremd diesen gegenüberstehend, mit schlichtem Haar,

hellerer Haut, unähnlich der gesamten übrigen Bevölkerung

der Südsee, die Polynesier, in vielem, Körperproportionen,

Physiognomie, Haarform, den Europäern gleichend. All das sind wohl

Zweige, die an der Wurzel der Menschheit selbständig entsprungen

sind und sich teilweise primitiv erhalten, anderwärts eigenartig

entwickelt haben. Zahllose Mischung fand zwischen diesen

Südseestämmen statt.

Dritter Abschnitt.

Die krankhaften Erbanlagen.

Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene (1/2) Menschliche Erblichkeitslehre · 第 34 / 64 题