Der Mensch ist, räumlich und zeitlich über die Erde hin verfolgt,
nicht nur überall verschieden, sondern auch nicht in zweien seiner
Individuen völlig gleich. Aber in einzelnen ~Gruppen~ sind sich
die Individuen gegenseitig ähnlicher als solchen anderer Gruppen.
Nun erhebt sich die Frage nach der Bedeutung dieser Unterschiede
der Einzelnen und der Gruppen. Spielt da etwa die Umwelt, also z.
B. Klima, Nahrung oder gar das soziale „Milieu“ eine Rolle, können
sich also jene „Merkmale“, die die Gleichheiten und Unterschiede der
Individuen und Gruppen ausmachen, durch Änderung der Außenfaktoren
ebenfalls ändern? Oder aber gibt es Merkmale, die von allen diesen,
als „peristatische“ bezeichneten Einflüssen unabhängig sind, die
Erbgut sind, übertragen mit der Erbmasse, also unveräußerlich und
unveränderlich? „Anthropobiologie“ kann man die Lehre nennen, die sich
mit all dem befaßt. Die Anthropobiologie hat also für den Menschen die
Untersuchung vorzunehmen, welche von den individuellen -- und welche
von den Gruppen -- oder wie man meistens sagt „Rassenunterschieden“ des
Menschen -- „Paravariationen“, „Mixovariationen“ oder „Idiovariationen“
sind. (S. Seite 6ff.).
Die systematische „Anthropologie“ hat bisher fast immer nur
anatomisch die Unterschiede als solche erfaßt und deskriptiv und
metrisch festgelegt. Selbstverständlich ist diese morphologische
Seite der Forschung unentbehrlich auch für die Zwecke der
Rassenhygiene. Aber gerade die Rassenhygiene muß wissen, was an
diesen äußerlich erkennbaren Merkmalen erblich ist. Die rein
morphologische Betrachtung genügt also nicht, die morphologischen
Merkmale müssen nach ihrer Entstehung, nach ihrer Bedeutung für
Individuum und Gruppe gewürdigt, also biologisch betrachtet
werden. Die Rassenhygiene braucht zu ihrer Unterlage gleichzeitig
morphologische und biologische Erkenntnisse.
#1. Die variierenden Merkmale des Menschen.#
(~Spezielle Anthropologie und Anthropobiologie~.)
Es gibt natürlich überhaupt keine Organe und Organteile am Menschen,
die nicht variieren. Neger und Europäer sind beispielsweise nicht
nur durch Hautfarbe, Haarform, Nasen-, Lippen- und Schädelform und
andere allgemein als verschieden bekannte Merkmale von einander
kenntlich, auch am Gehirn, an den Muskeln, an allen möglichen Teilen
der Eingeweide gibt es entsprechende Unterschiede. So müßte hier in
der Tat die gesamte Anthropologie zur Darstellung kommen, systematisch
jedes Organsystem des Menschen durchgesprochen werden, es gäbe
geradezu ein vollständiges anthropologisches Lehrbuch.[6] Das ist
aber nicht beabsichtigt und auch nicht nötig. Hier sollen ja nur die
Grundlagen gegeben werden zum Verständnis der aus der Kenntnis der
Vererbungsregeln zu ziehenden rassenhygienischen Schlüsse.
a) ~Schädel~.
Kein Teil des menschlichen Körpers ist anthropologisch so eindringlich
und so oft bearbeitet worden wie der Schädel. An allen seinen
Einzelbildungen wie an seiner Gesamtform und -größe sind zahlreiche
Gruppen- und Einzelmerkmale mit feinst ausgebildeten Meß- und
Zeichenmethoden festgestellt, so daß hier nur das Wichtigste angedeutet
werden kann.
Man kann der Übersicht halber und nach ihrer
stammesgeschichtlich-systematischen Bedeutung die Schädelmerkmale
in einzelne Gruppen einteilen:
Einmal gibt es eine große Anzahl kraniologischer Merkmale (genau
wie solche an allen anderen Organsystemen), qualitative und
quantitative, durch die sich Affen und Mensch deutlich und scharf
unterscheiden. Diese Merkmale sind also für die menschliche Art
spezifisch, sie müssen also in der Erbmasse des „Menschen“ fixiert
sein. Beispielshalber sei genannt: Bei Anthropoiden die geringe
Größe des Hirnschädels gegenüber dem Gesichtsschädel, die Bildung
dachartig über die Augenhöhlen vorspringender Knochenränder
(Supraorbitalleisten), das Vorstehen des Eckzahns über die
übrige Zahnreihe, die mächtige Ausbildung des Unterkiefers mit
fliehender kinnloser Vorderseite -- beim Menschen ist von all
dem das Umgekehrte vorhanden. An der Erblichkeit all derartiger
Merkmale des Menschen, am Vorhandensein besonderer, sie bedingender
Erbfaktoren und zwar in der Erbmasse der gesamten Menschheit kann
kein Zweifel sein. Gelegentlich tritt nun eine „affenähnliche“
„pithekoide“ Bildung beim Menschen in die Erscheinung. Man muß
annehmen, daß die gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Affen
ähnliche Merkmale besaßen und daß -- durch uns meistens nicht
bekannte Verhältnisse -- als sogenannter „Atavismus“ -- ein
solches Merkmal wieder erscheint, genau wie etwa ein dunkler
Rückenstreif beim Pferd. Ebenso wie gegen die Affen grenzen
auch gegen den Neandertalmenschen, also gegen den ganzen Homo
primigenius (Neandertal, Spy, La Chapelle u. a.), dann gegen den
Homo heidelbergensis (Unterkiefer von Mauer) und endlich gegen den
Pithecanthropus erectus (Java) eine Anzahl kraniologischer Merkmale
den heutigen Menschen scharf ab. Auch für diese gilt, was oben
für die anderen gesagt wurde, einschließlich der „atavistischen“
Merkmale. Als Rückschläge auf sie oder ähnliche Vorfahrenformen,
demnach als Reste der alten Erbmassen treten hie und da einzelne
neandertalähnliche Merkmale auf, nie aber die gesamte und wirkliche
eigenartige Kombination der Neandertalmerkmale. Für die Zwecke der
Rassenhygiene sind all diese Merkmale von geringerer Bedeutung als
die folgenden:
Eine große Anzahl kraniologischer Merkmale darf man als
Rassenmerkmale im engeren Sinne auffassen. Vor allem sind es
quantitative Unterschiede am ganzen Schädel oder an einzelnen
Bildungen, dann auch qualitative, die in zahlreichen Kombinationen
vorkommen und so die Rassen unterscheiden helfen. Das Einzelmerkmal
als solches kann dabei natürlich je in verschiedenen Kombinationen
mit anderen bei recht verschiedenen Rassen erscheinen. Aber es muß
für jedes Merkmal erst untersucht werden, ob es wirklich vererbt,
d. h. ein „Rassenmerkmal“ ist, sehr viele so genannte Bildungen
sind nur deshalb bei einzelnen menschlichen Gruppen etwa besonders
gehäuft zu finden, weil auf die ganze Gruppe dieselben jene
bedingenden Einwirkungen stattfinden. Solche Merkmale sind also
keine Rassenmerkmale.
#Die Rassenunterschiede#
Am auffälligsten ist die rassenmäßige Verschiedenheit der Gesamtform
des Schädels, sowohl der Gehirnschädelkapsel, wie des Gesichtsschädels.
Neben der Beschreibung benützt man zur Festlegung und Wiedergabe
der Formunterschiede die Messung. Seit ~Anders Retzius~ (1864)
wird dabei stets ein Maß in Prozenten des anderen angegeben, um
die schwere Vergleichbarkeit absoluter Werte je zweier zueinander
gehöriger Strecken -- z. B. Länge und Breite -- zu vermeiden. Jenen
Verhältniswert bezeichnet man als Index. So drückt man z. B. die
Schädelbreite in Prozenten der Länge (Stirn -- Hinterhaupt) aus
und spricht vom Längenbreitenindex. Es muß dabei betont werden,
daß die damit gewonnenen Einteilungsmöglichkeiten in Langschädel
und Breitschädel, in Lang- und Breitgesichter usw. willkürlich
sind; keinenfalls bedeutet die durch Messung festgestellte
Langschädeligkeit in einer Gruppe hier und einer anderen dort ohne
weiteres eine Zusammengehörigkeit. Die relative Länge ist z. B. bei
den langen Schädeln aus Schweden durch ganz andere Einzelheiten
der Knochenbildung bedingt, wie bei den langen Schädeln aus
Negerländern Afrikas. Es kommt auf die einzelnen Formen von Stirn,
Scheitel, Hinterhaupt usw. an. Die Bezeichnungen „Langschädel“ usw.
geben also nur einen kurzen Ausdruck für das Verhältnis zweier
Hauptdimensionen.
Im Ganzen zeichnen sich die Schädel jeder Rasse durch eine große Zahl
deutlicher und je ihr eigentümlicher Merkmale aus. So ist z. B. der
schmale, lange, niedrige Negerschädel mit deutlich betonten Stirn-
und Scheitelhöckern, mit flachen, kleinen Nasenbeinen, deutlichen
sogen. Praenasalgruben, niederer runder Nasenhöhle, rundlich gewölbter
niedriger Stirn, schnauzenartig vorgebautem Kieferskelett (sogen.
„Prognathie“), derben Jochbeinen usw. leicht zu erkennen, etwa von
dem großen, stark gewölbten, langen schmalen „nordischen“ Schädel mit
seinen dachfirstartig gegeneinandergestellten, vorspringenden, langen,
schmalen Nasenbeinen, der senkrechten Gesichtsprofilierung, dem langen
schmalen Gesicht, scharf markierten Kinn usw. Das spricht aber dann
deutlich dafür, daß wir es in all diesen Punkten mit Merkmalen zu tun
haben, die in der Erbmasse der betreffenden Rasse enthalten sind,
die also fest vererbt sind. Und doch kann einiges an ihrer äußeren
Erscheinung durch „peristatische“ Momente verändert werden.
Zunächst ist die „rassenmäßige“ d. h. erbliche Eigenform des Schädels,
z. B. sein Längenbreitenverhältnis, also ob ein Lang- oder ein
Rundschädel entsteht, schon beim Fetus im 8. und 9. Monat ausgeprägt,
wenn auch die Rassenunterschiede lange nicht so stark sind wie später.
Bei der Geburt wirken nun bekanntlich die Druckkräfte deformierend
auf den kindlichen Kopf. Es kommt zu einem Übereinanderschieben der
Knochenränder und zu Verbiegungen der Knochen: Geburtsdeformität. Bei
nicht normalem Geburtsverlauf werden die Deformierungen besonders
stark. Aber diese Einwirkungen sind nicht von Dauer, sie pflegen nach
Tagen, Wochen oder Monaten spurlos zu verschwinden. Abnorm starke
Verunstaltungen, ev. mit Knickungen oder Zerreißungen von Knochen
können wohl auch dauernd eine Mißgestalt hervorbringen, aber derartige
einzelne pathologische Formen können hier außer Betracht bleiben.
Daß die Form des nach der Geburt weiter wachsenden Kopfes nun die
der Eltern erhält, als die erblich rassenmäßig ihm zukommende,
wird nach allgemeiner Annahme durch die ererbte Wachstumstendenz
bestimmt; die einzelnen Teile müssen in ganz bestimmter Intensität,
Reihenfolge, Schnelligkeit usw. wachsen. Direkt aber wird dies
Wachstum regiert durch die Hormone (Drüsensäfte) innersekretorischer
Drüsen. Die Hypophyse (Hirnanhang) spielt da eine große Rolle, dann
die Geschlechtsdrüse. Bei kastrierten Knaben bleibt die Knorpelfuge
zwischen Keil- und Hinterhauptsbein abnorm lang offen. So wird also
durch Änderung jener Drüsenfunktion das Schädelwachstum und damit
die Schädelform beeinflußt. Ob solche Drüsenänderungen innerhalb des
normalen Lebens durch ~äußere~ Einflüsse möglich sind, wissen wir
nicht; indirekt wäre damit auch die Schädelform von außen beeinflußt.
Unter krankhaften Verhältnissen kommt beides vor. Bei einer
Erkrankung der Hypophyse haben wir (neben abnormem Längenwachstum
der Finger und Zehen, Akromegalie genannt, also Vergrößerung
der Spitzenabschnitte der Extremitäten zu eventl. doppelter
normaler Größe) ein abnorm starkes Wachstum des Unterkiefers. Er
tritt mit mächtiger Kinnbildung vor, steht über das Niveau des
Oberkiefers heraus. Man nennt die Bildung Progenie (vgl. unten
S. 185). So bestehen hier also deutlich peristatische Einflüsse
und es ist an manchen Formen dann schwer zu sagen, wie weit die
Formeigentümlichkeit durch diese bedingt ist, wie weit erblich
übertragen. Gilt dies im angeführten Beispiel für den Unterkiefer,
so bestehen entsprechende Wirkungen unter anderen Verhältnissen
auf den Gesamtschädel. Daß jenes krankhafte Knochenwachstum, das
wir bei Rhachitis sehen, zu völlig pathologischen Schädelformen --
Caput quadratum -- führen kann, ist bekannt.
Auch der heranwachsende Kopf kann durch äußere Einflüsse etwas
geformt werden. Von der sogen. künstlichen Deformierung, wie sie
Indianer- und andere Völker, zum Teil in sehr weitem Maße geübt
haben, indem sie den Kopf des Säuglings in Brettchen oder feste
Binden einschnürten, soll hier abgesehen werden. Auch fest angelegte
Haubenbänder (Helgoländerhauben usw.) können in der Richtung wirken.
Aber schon die Lagerung des Säuglings auf harte oder weiche Unterlage
kann das Wachstum des Schädels nach bestimmter Richtung beeinflussen
und damit leichte Formunterschiede hervorbringen. Köpfe von eineiigen
Zwillingen, die sonst außerordentlich gleich sind (s. S. 86), können
auf diese Weise bis zu einem Unterschied von fast 8 Indexeinheiten des
Längenbreitenindex „deformiert“ werden.
Weit interessanter als diese doch immerhin groben Eingriffe, deren
Wirkung an sich leicht zu verstehen ist, sind Beobachtungen von
Veränderung der Schädelform an Bevölkerungen, die ihre Heimat verlassen
haben und in gänzlich neue Umwelt eingewandert sind.
Bei Kindern von in Amerika eingewanderten Ostjuden ist der Schädel
schmaler geworden als er bei ihren breitschädeligen Eltern war, und
zwar je später die Geburt nach der Einwanderung erfolgte, desto mehr.
Und umgekehrt bekamen die Kinder schmalschädeliger Sizilianer in
Amerika etwas breitere Köpfe. Es soll also eine Entwicklung nach einem,
sagen wir, amerikanischen Mittel hin erfolgt sein. Es bleiben an diesen
Beobachtungen und Angaben noch eine Menge Fragen zu lösen, es fehlt
bisher jede Bestätigung von anderer Seite, sie müssen also einstweilen
vorsichtig gewertet werden. Aber auch ihre volle und allgemeine Geltung
vorausgesetzt, zeigen sie nur, daß ein ~Etwas~ an der Schädelform
-- wie etwa an der Körpergröße, s. S. 103 -- durch die Umwelt bedingt
ist, ~das Andere~ bleibt dem erblichen Einfluß vorbehalten, ist
unveräußerliches Erbgut. Die Abgrenzung beider Teile gegeneinander ist
noch nicht ganz möglich, vielleicht erklären diese Verhältnisse auch
manchen unklaren Befund in der Rassenlehre Zentraleuropas.
Endlich ist noch eine letzte Einwirkung äußerer Faktoren auf die
Schädelform zu erwähnen, wenn es auch eine indirekte ist, die durch
die Körperlänge. Mit zunehmender Körpergröße nimmt das Längenwachstum
des Schädels etwas mehr oder rascher zu als die Breitenausdehnung;
so kommt es, daß die Schädel bei Steigerung der Körpergröße etwas
länglicher werden, einen etwas kleineren Längenbreitenindex bekommen.
Man kann bei einer Zunahme der Körpergröße stets auf entsprechende der
Indexeinheiten rechnen. Nun ist, wie unten (S. 104) gezeigt werden
wird (von gewissen pathologischen Fällen abgesehen), die Größe des
Einzelindividuums zum Teil durch dessen Ernährungs- und vielleicht
andere Verhältnisse während der Wachstumsperiode bedingt. So wird also
die dadurch hervorgerufene Größenzu- oder Abnahme auch entsprechend
eine Indexab- oder Zunahme im Gefolge haben. Beim Einzelindividuum
muß man also bei der Beurteilung seines L.-B.-Index Rücksicht auf die
Körpergröße nehmen.
Ähnlich wie diese Verhältnisse den Gehirnschädel, so kann die
Lebenslage auch das Gesichtsskelett ~etwas~ beeinflussen. Die
sozial oberen und sozial unteren Bevölkerungsschichten derselben Rasse
unterscheiden sich, jene durch feinere, schmalere, diese durch gröbere,
breitere Gesichter; das ist bei uns ebenso wie in Japan. Das betrifft
nicht nur die Weichteile, sondern auch den Knochenbau. Die Unterschiede
sind allerdings sehr gering und man muß sehr vorsichtig sein, nicht
echte Rassenunterschiede zu verkennen, wenn man jene zu sehen glaubt,
denn oft sind eben in ein und derselben Bevölkerung die sozial oberen
und unteren Schichten auch rassenmäßig nicht gleich zusammengesetzt.
Schließlich muß hier noch auf eine Gruppe von Merkmalen am Schädel
hingewiesen werden, die in ihrer Gesamtheit durch Hormonwirkung,
und zwar von den Geschlechtsdrüsen aus, bestimmt sind, die
Geschlechtsmerkmale am Schädel. Experimente am Tier haben zur Genüge
erwiesen, daß diese Merkmale ganz von der „inneren Sekretion“ der
Keimdrüse abhängen; was wir über die Folgen von Kastration beim
Menschen wissen, spricht nicht dagegen. Wir dürfen aus theoretischen
Gründen jene Ergebnisse glatt auf den Menschen übertragen.
So sind also die Sonderbildungen am männlichen bzw. weiblichen Schädel
derart bedingt. Der männliche Schädel ist größer, schwerer, die
Muskelleisten deutlicher. Der Unterkiefer ist bei ihm derber, die
Zähne größer. Am weiblichen Schädel sind Stirn- und Scheitelhöcker
meist stärker als beim Manne, Glabella und Supraorbitalränder meist
geringer entwickelt und einiges mehr. Die Unterschiede sind bei allen
Rassen gleichsinnig; wie alle sekundären Geschlechtsmerkmale sind sie
individuell sehr verschieden stark ausgebildet.
Für die bisher behandelten kraniologischen Merkmale ließ sich stets
die Beeinflussung durch nicht erbliche „peristatische“ Faktoren
feststellen. Bald hat diese Parakinese sozusagen allein regiert,
bald hat sie die erbliche Bildung nur mehr oder weniger, hie und da
vielleicht nur minimal modifiziert. Aber man darf sich durch diese
zahlreichen Fälle festgestellter Umweltwirkung doch nicht verleiten
lassen, die große Macht der Erbmasse zu unterschätzen oder gar
zu übersehen. Wir kommen durch genaue Beobachtung und Überlegung
doch dazu, ~ihr~ die ~erste~ Rolle zuzuweisen. All’ die
modifizierenden Einflüsse wirken doch nur auf eine Form, die in sich
die Fähigkeit hat, sich in ganz bestimmter Richtung, zu ganz bestimmter
Größe, Gestalt oder Zahl zu entwickeln. Nur leise aufgepfropft auf
diese sozusagen ideell angestrebte Entwicklung werden die paratypischen
Abweichungen. Wir sehen bei individuenreichen Gruppen von Menschen, wo
man Tausende gleichzeitig und unter recht verschiedenen Verhältnissen
lebende Individuen untersuchen kann, daß die Schädelform dieselbe ist,
daß eine ganz bestimmte Rassenform bestehen bleibt. Selbstverständlich
nicht derart, daß nun alle meßbar aufs Haar dieselbe Form haben,
aber sie schwankt doch regelmäßig um ein typisches Mittel! Man hat
also typische Indexwerte für die einzelnen Rassen. Schon allein
die eigenartige Verteilung des Längenbreitenindex über die Erde
oder speziell in Europa stellt einen Beweis dafür dar, daß er ein
Rassenmerkmal und Ausfluß der Rasse ist. Nur so läßt sich diese
Verteilung in ihren Einzelheiten erklären (s. S. 124 Anthropographie
Europas). Diese Erblichkeit, d. h. die im Rahmen der oben angegebenen
Modifikationen zähe Haftung der Rassenform des Kopfes, zeigt sich
besonders deutlich, wo wir über lange Perioden der Geschichte oder
Vorgeschichte Völkerschicksale, Völkerwanderungen, Staatenbildung
und Staatenzerfall verfolgen können. In Ägypten konnte man diese
„Konstanz“ der Formen feststellen, in Vorderasien konnte man zeigen,
daß in „Rückzugsgebieten“, wie sie unwirtliche Gebirge, Wüsten,
Sumpfgegenden usw. darstellen, sich die alten Typen über Jahrtausende
erblich gleichbleiben, während ringsum Neueinwanderer wieder ausgemerzt
werden, so daß sich die alte Rasse „restituiert“. So muß also mit allem
Nachdruck betont werden: gerade die Erfahrung, daß gewisse Schwankungen
der Schädellänge oder -Breite oder -Höhe peristatisch bedingt, also
modifizierbar sind, hat erst recht gefestigt, daß die Form in ihrer
~Grundlage~, ~sozusagen die Form an sich~, erblich ist, fest
und unveräußerlich.
Es ist fast lächerlich, besonders zu erwähnen, daß, wenn der
Schädel eines Menschen etwa bei anderer Kinderernährung oder
anderer Lagerung des Säuglings oder anderen sonstigen Faktoren satt
eines Längenbreiten-Index von 74 tatsächlich einen solchen von
76 besitzt, er nicht andersrassig würde, weil wir ihn mesozephal
nennen, während er sonst dolichozephal geworden wäre! Aber es gibt
immer noch Leute, denen jene Bezeichnungen feste Etiketten sind,
durch die erst ein Schädel eine ganz bestimmte Rasse verliehen
erhält!
Was hier für die Schädelform gesagt wurde, gilt in gleicher Weise
für die Gesichtsform, für die Form der Augen-, der Nasenhöhle, des
Gaumens usw. (Einzelheiten über diese Dinge, soweit sie gerade das
~Gesicht~ betreffen, siehe S. 107). Auch sie alle sind in der
Hauptsache erblich bestimmt; auch hier gibt uns das Studium der Rassen,
besonders bei einigermaßen isolierten Rassen oder Stämmen wie Eskimo,
Wedda, Hottentotten usw. so typische Beispiele für rassenmäßige
Verbreitung bestimmter Formen, daß man an der Erblichkeit nicht
zweifeln kann.
Unter diesen Umständen kann es nicht verwundern, daß die
anthropologischen Maße am Kopf eineiiger Zwillinge eine
außerordentliche Gleichheit zeigen. An erwachsenen solchen, Mädchen von
23 Jahren (jüdisch) fanden sich folgende Maße:
---+---------+---------+-----------+--------
|1. Größte|3. Größte|4. Kleinste|6. Joch-
| Kopf- | Kopf- | Stirn- | bogen-
|länge [7]| breite | breite | breite
---+---------+---------+-----------+--------
I. | 191 | 150 | 107 | 130
II.| 190 | 149 | 107 | 130
---+---------+----------+--------+----------
|8. Unter-|18. Morph.|21. Höhe|13. Nasen-
| kiefer- |Gesichts- | der | breite
| winkel- | höhe | Nase |
| breite | | |
---+---------+----------+--------+----------
I. | 89 | 106 | 48 | 30
II.| 91 | 106 | 47 | 30
Der Kopf-Längenbreiten-Index der beiden beträgt 78,5 und 78,9, die
absoluten Unterschiede von Länge und Breite des Kopfes nur je 1 mm
(wiederholt und exakt bestimmt!), Stirnbreite, größte Gesichtsbreite,
Gesichtshöhe, sind auf Bruchteile von mm gleich! Das bringt nur
Vererbung fertig, so vollkommen gleich könnte auch dieselbe Umwelt
nicht auf zwei Individuen wirken. Die Unterkieferwinkelbreite
differiert am meisten, nämlich um 2 mm, und man kann sich leicht
denken, daß da äußere Faktoren am wirksamsten wären. Aber im Ganzen muß
man doch -- ich möchte sagen voll Staunen -- feststellen, wie wenig
hier offenbar Außenfaktoren am Schädel geformt haben!
Der vollgültigste Beweis für die erbliche Übertragung dieser Merkmale
wäre die Feststellung, daß bei ihr die Mendelschen Spaltungen
auftreten. Das scheint in der Tat der Fall zu sein. Ein ganz exakter
Nachweis ist außerordentlich schwer zu erbringen. Aus dem Gesagten
geht ja schon hervor, daß an allen diesen Merkmalen äußere Einflüsse
~etwas~ modifizierend einwirken können, so sind kleinere
Indexabweichungen zu erwarten, die das reine Bild der Mendelschen
Zahlen stören. Trotzdem ist der Wahrscheinlichkeitsbeweis für ihr
Zutreffen erbracht. Zunächst sieht man bei typischen nachweisbaren
Mischungen zweier verschiedener Rassen, daß die Mischbevölkerung nicht
eine Schädelform besitzt, deren Längenbreiten-Index um ~einen~
Mittelwert schwankt, sondern die Variationskurve bleibt zweigipflig,
die ~beiden~ alten Mittelwerte lassen sich noch erkennen, so bei
Indianer-Mischung im Seengebiet Nordamerikas und bei den „Bastards“
Deutsch-Südwestafrikas. Bei diesen letzteren sind die Verhältnisse sehr
genau untersucht; es ergab sich, daß sie denen völlig entsprechen,
die wir bei Mendel-Vererbung nach dem ~Nilsson-Ehle-Typus~
beobachteten (s. oben S. 43). Die Indexwerte der Kinder transgredieren
über die der Eltern, die Gesamtwerte aller Kinder über die Grenzwerte
aller Eltern. Auch an europäischem Material trifft das zu. Darnach
scheint es große Wahrscheinlichkeit zu haben, daß wir einige (nicht
nur einen) Erbfaktoren für die Kopflänge und einige für die Breite
annehmen müssen (nicht solche für die „Form“). Die größere Dimension
ist je dominant über die kleinere. Das alles erklärt auch manchen
Befund an den Schädelformen, wie wir sie etwa an der Bevölkerung
Deutschlands finden, wo all’ die Mischungen der Völkerwanderung und
seitdem bis heute nicht etwa ~eine~ mittlere Schädelform erzeugt
haben, vielmehr stets wieder die alten Formen „herausmendeln“.
Auch für die Gesichtsbreite kann man das Zutreffen der Mendelschen
Regeln sehr wahrscheinlich machen. Mischlinge verschiedener Grade
zwischen schmalgesichtigen Weißen und breitgesichtigen Indianern
zeigen keine mittlere Gesichtsbreite, sondern bald die eine, bald
die andere Elternform; Mischlinge zwischen Hottentotten und Buren
ebenso. Von einem Verschmelzen, von einer Form, die ~nur~ die
Umwelt bedingte, ist keine Rede, beide Elternformen treten dauernd
nebeneinander wieder auf. Die Stirnbreite, relativ zur Jochbogenbreite
(Index fronto-jugalis) zeigt ebenfalls deutlich ein Mendelsches
Auseinanderfallen der Werte bei den Kindern gegenüber den Eltern
(afrikanische Bastards). Wenn es auch bisher nicht gelang, den Nachweis
der Mendelschen Regel für diese Indexwerte ziffernmäßig derart zu
erbringen, wie man es für Farben, Blütenformen, Haarformen usw. tun
kann und getan hat, so spricht doch das ganze Verhalten der Indizes bei
Mischlingsbevölkerungen, das völlige Fehlen ausgeglichener Mittelwerte,
das Transgredieren der Bastardwerte über die elterlichen Grenzwerte,
das stete Wiederauftreten der Elternwerte eindeutig für ihre erbliche
Bedingtheit. So dürfen wir als gesichertes Ergebnis buchen: die
Hauptsache an der Schädel- und Gesichtsform ist erblich bedingt und ist
unveränderlich, nur ihre Ausmaße erhalten ein kleines Plus oder Minus
zu oder von dieser Hauptsache, das „parakinetisch“ ist, also bedingt
durch äußere Einflüsse (Peristase).
b) ~Skelett~ (außer Schädel).
An allen einzelnen Knochen findet man nach Rassen und Individuen
eine große Menge Unterschiede, auf die hier im einzelnen nicht
eingegangen werden kann. Die meisten haben zum mindesten eine sehr
starke parakinetische Komponente. Die Plumpheit der Knochen des
Kulturmenschen gegenüber denen des sog. Wilden dürfte hauptsächlich
durch Ernährungsverhältnisse, die Biegung von Oberschenkel und
Schienbein, die Verstärkung dieser beiden von vorn nach hinten
dürften durch die funktionelle Beanspruchung beim Hocken bedingt
sein, nicht erblich. Wahrscheinlich gilt für allerlei andere
Merkmale dasselbe, auch wenn wir die kausalen Beziehungen nicht
aufweisen können, so z. B. für die Vergrößerung der Vorderseite
der Lendenwirbelkörper beim Europäer gegenüber dem Neger oder
Australier. Dagegen sind wohl die bei den einzelnen Rassen zu
beobachtenden Unterschiede der Form und Größe des Beckens erblich
übertragen.
c) ~Muskelsystem.~
Für die zahlreichen Varianten, die gerade das Muskelsystem zeigt,
konnte man zwar Unterschiede in der Häufigkeit bei verschiedenen
Rassen nachweisen, ob derartige Varianten aber erblich sind, ist sehr
zweifelhaft.
d) ~Innere Organe.~
Genau dasselbe gilt für die meisten Unterschiede, die in der
Häufigkeit gewisser Bildungen am Verdauungs-, Atmungs-, Kreislauf-,
Harn- und Geschlechtsapparat festgestellt sind. Das verschiedene
Verhalten der Weisheitszähne, verschiedenste Höckerbildung an den
Zähnen, Zahl und Anordnung gewisser Zungenpapillen, Lungenvolum,
Darmlänge und vieles andere gehört hierher. Das Fehlen oder
Verkümmern des oberen äußeren Schneidezahns ist z. B. familienweise
gehäuft zu beobachten, so daß man da erbliche Bedingtheit annehmen
muß, für die anderen Bildungen läßt sich nichts Bestimmtes sagen.
e) ~Nervensystem und Sinnesorgane.~
Das Gehirn hat wegen der großen Verschiedenheit seiner nach
Kulturentfaltung gemessenen geistigen Leistungen stets besonderes
anthropologisches Interesse erweckt. Als anatomischer Ausdruck jener
Unterschiede ist eine starke Verschiedenheit des Gehirngewichtes
der einzelnen menschlichen Gruppen festzustellen. Auch unter
Berücksichtigung der Körpergröße (die nicht ohne Einfluß ist) findet
man das Durchschnittsgewicht bei Europäern, Chinesen, Japanern
erheblich größer als bei Negern und Australiern. Innerhalb einer Rasse
sind im Durchschnitt (trotz vieler individueller Ausnahmen) Individuen
mit hohen geistigen Leistungen mit schwererem Gehirn versehen als der
Durchschnitt ihres Volkes. -- Die Rindenwindungen und Furchen variieren
individuell derart, daß keinerlei Rassenunterschiede feststellbar
sind. (Dasselbe gilt von Affen wie z. B. Schimpansen.) Die Vererbung
einzelner Windungsformen ist zweifelhaft.
Daß die geistigen Anlagen und Fähigkeiten deutlich vererbt werden
-- wobei das Leben dann die Ausgestaltung der Anlagen vornimmt, sie
zur Entfaltung oder Verkümmerung bringend -- kann keinem Zweifel
unterliegen. Daß wir am Hirn erbliche Unterschiede, die jener Vererbung
entsprächen, nicht sehen können, ist beim heutigen Stand unserer
Kenntnisse selbstverständlich.
Von den ~Sinnesorganen~ sei folgendes erwähnt: Das Geruchsorgan
als solches ist beim Menschen bekanntlich stark zurückgebildet,
übrigens schon bei den Affen; dagegen ist die „äußere“ Nase eine
typisch-menschliche Bildung; sie ist rassenmäßig sehr verschieden
und wohl als eines der besten Rassenmerkmale aufzufassen, weil ihre
zahlreichen Variationen, soweit wir urteilen können, rein erbliche
sind. (Näheres s. Kap. Physiognomie S. 107). Am Auge findet man auch
rassenmäßige Unterschiede am nervösen Apparat. Ostasiaten haben eine
flachere Area und eine größere Ausdehnung der stäbchenfreien Zone; die
feinsten Sehzapfen und dichtgestelltesten haben Hottentotten, dann
manche Indier, dann Malayen; wenig feine die Melanesier, dann folgen
Europäer. Diese Unterschiede müssen wohl erbliche sein.
Am meisten bearbeitet ist die auffälligste Variation am Auge, die
verschiedene Irisfarbe (s. S. 98).
Am Lidapparat interessiert u. a. die „mandelförmige“ Lidspalte, d. h.
eine Spalte mit runderem medialen und spitzem lateralen Lidwinkel --
im Gegensatz zur häufigeren, allgemeinen Spindelform mit zwei gleichen
Winkeln. Sie vererbt sich; sie kommt in Vorderasien am häufigsten
vor, tritt nach Generationen immer wieder auf, z. B. in der jüdischen
Bevölkerung. Meist ist solche Mandelform mit Schiefstellung der
Lidspalte verbunden, derart, daß der äußere Augenwinkel höher steht als
der innere. So wird es z. B. vielfach bei den Hottentotten gefunden.
Und für diese Bildung ist Mendelsche Spaltung (bei den Bastards
zwischen Hottentotten und Europäern) nachgewiesen. Die Eigenschaft
„schief“ verhält sich in der Vererbung rezessiv gegen „gerade“. Der
innere Augenwinkel interessiert noch weiter.
Als Mißbildung kommt ein häutiger Zusammenhang von Ober- und
Unterlid hier vor, so daß der innere Augenwinkel durch eine bogige
Falte überbrückt wird, Epicanthus genannt. Es ist, wie gesagt,
eine Mißbildung ohne anthropologisches Interesse. Aber sie ähnelt
(und wurde verwechselt mit) einer typischen Rassenbildung, der
sog. „Mongolenfalte“, einer Varietät, die den Chinesen, Japanern,
Kalmücken (kurz den Mongoliden), dann den Eskimo, Malayen, typisch
ist.
Die sogen. Mongolenfalte ist eine lose Hautfalte am Oberlid, die
nasenwärts am längsten, nach außen sich verkürzend und über der
Augenmitte oder noch weiter außen allmählich verstreichend über den
oberen Lidrand herabfällt. Dadurch wird dieser am inneren Augenwinkel
zugedeckt, der Winkel selbst auch, samt seinem Tränenwärzchen; nach
außen wird der Lidrand allmählich frei; der äußere Winkel ist immer
frei. So entsteht scheinbar ein neuer innerer Augenwinkel (zwischen
Faltenrand und Rand des Unterlides), der etwas tiefer sitzt als der
„normale“, wodurch die Queraxe der Lidspalte schief nach aufwärts
geht -- „schiefe“ Augen der Mongolen -- die Lidspalte wird zugleich
nasenwärts besonders eng, „Schlitzaugen“. Zieht man mit dem Finger die
Haut des Oberlides nach oben, erscheint ein Auge und Lid, das dem des
Europäers völlig gleicht. -- Eine völlig entsprechende Bildung besitzt
das Auge des Hottentotten, ohne daß man an erblichen Zusammenhang
denken darf. Bei Rassenkreuzung ~scheint~ sich die Faltenbildung
dominant zu vererben, aber systematische Untersuchungen fehlen.
Am Ohr interessieren die Fälle eines Stehenbleibens auf Stadien,
die die Entwicklung sonst durchmacht, so das Fehlen des umgerollten
Hinterrandes, das Markiertsein einer Spitze an Stelle des Darwinschen
Höckers usw. Eine ganz eigenartige Form mit starker mehrfacher
Eindellung des Ohrrandes kommt (nur) bei Buschmännern vor und vererbt
sich deutlich.
f) ~Pigmentverhältnisse.~
Die Hautfarbe ist vor allem bedingt durch Farbkörnchen „Pigment“ in der
Oberhaut. Je weniger Pigment vorhanden ist, desto mehr schimmert die
Blutfarbe des reich durchbluteten Unterhautgewebes durch („Inkarnat“
des „weißen“ Europäers).[8] Die Pigmentkörner liegen bei allen Rassen
gleich, in den tiefsten Lagen der Oberhautzellen, dagegen ist die Menge
und Farbe rassenmäßig sehr verschieden.
Das erste Pigment tritt embryonal auf. Bei der Geburt ist die
Pigmentierung lange nicht beendet. Das Negerkind ist nicht etwa
schwarzbraun, wie seine Eltern, sondern besitzt erst ganz wenig
Farbe, so daß die Haut schiefergrau, schmutzig weißlichbraun ist.
Beim Neugebornen durch die starke Durchblutung der Haut dunkelrot.
Erst in den ersten paar Lebensmonaten bildet sich der der
betreffenden Rasse eigene Pigmentgehalt.
Außer diesem Pigment hat der menschliche Embryo in der Lederhaut
ganz vereinzelte Pigmentzellen, die in der Rückenhaut etwas häufiger
sind als vorn. Bei allen Mongoliden, dann Eskimo, Indianer, manchen
Südseestämmen sind diese Pigmentzellen am unteren Rückenende, oberhalb
der Gesäßspalte so gehäuft, daß ein pigmentierter pfennig- bis
taler-, ja handtellergroßer Fleck entsteht. Da das braune Pigment
tief sitzt, schimmert es nur bläulich durch. („Blauer Fleck“ oder
Mongolenfleck). Der Fleck verschwindet in den ersten Lebensjahren. Für
den Mongolenfleck sind natürlich eigene Erbanlagen anzunehmen.
Die Pigmentkörner der verschiedenen Rassen scheinen verschieden
zu sein. Manchmal dürfte nur eine größere Menge derselben eine
stärkere Farbintensität hervorrufen. Aber in anderen Fällen ist
sicher auch ein qualitativer Unterschied. Die Mongoliden haben
gelben, gelbroten Farbstoff. Die Amerikaner (Indianer, Eskimo)
stehen ihnen darin nahe oder gleich. Dabei kommen aber offenbar
häufig noch dunkle Pigmente dazu. Vielleicht hat der Neger auch
zwei Pigmente. Daß nach Kreuzung mit Negern und darauf folgender
dauernder Fortpflanzung mit Weißen noch nach mehreren Generationen
die hellen Halbmonde an der Wurzel des Daumennagels und hie und da
die Nasen-Lippenfalte der Wange noch gelb gefärbt sind, während
nirgends mehr etwas von Braunfärbung vorhanden ist, spricht
für eine Verschiedenheit des braunen und gelben Pigments. Die
rassenmäßige Verschiedenheit der Pigmente, der offenbar recht
verschiedene Chemismus ihrer Bildung dürfte die große Komplikation
der Färbung von Rassebastarden bedingen.
Nun erhebt sich die Frage, wie die ~nicht~ erblichen Faktoren
dieses Bild beeinflussen. Da ist hauptsächlich die Sonnenwirkung, am
meisten die der ultravioletten Strahlen zu nennen. Ihr Einfluß reizt
die Epidermiszellen zu starker Pigmentbildung. Aber die Fähigkeit, auf
diese Art zu reagieren, ist rassenmäßig, erblich sehr verschieden.
Bei fast allen Rassen erfolgt auf den Reiz eine rasche, gleichmäßige
Pigmentierung, in der für die betr. Rasse charakteristischen Art, die
ihrerseits das darunter liegende Gewebe, das Blutgefäßnetz, vor der es
schädigenden Strahlenwirkung schützt. Der Schutz ist natürlich relativ;
gegen die Tropensonne schützt auch die gebräunte Haut des Südeuropäers
weniger als etwa die des Negers! Bei der „nordischen“ (s. unten)
blonden weißhäutigen Rasse dagegen fehlt diese Reaktion fast ganz und
verläuft, soweit vorhanden, ganz langsam. Infolgedessen schädigen
die ungehemmten Strahlen die Haut, sie entzündet sich, es entsteht
Sonnenbrand (Erythema solare), die geschädigte Haut geht in Fetzen ab.
Erst sehr lange und häufige Bestrahlung bringt auch bei solcher Haut
eine ganz geringe Bräunung hervor. --
Dieses „erworbene“ Pigment verliert sich nun wieder -- bei allen Rassen
-- wenn der es hervorrufende Faktor, das Licht, ausgeschaltet wird.
Der sonnenverbrannte Europäer bleicht wieder im Winter, aber auch der
der Tropensonne entzogene Neger wird deutlich blasser als er in seiner
Heimat war.
Alle andern Einwirkungen sind von geringerer Bedeutung. Zu erwähnen
wäre lange dauernde Hitzewirkung (Hochöfen, Bäder, Breiumschläge),
die vorübergehende Gesichtsfärbung Schwangerer, die Färbung durch
Erkrankung der Nebenniere u. a.
Was wir also als „Farbe“ am Menschen sehen, ist 1. die ererbte
Pigmentierung und 2. der zufällige Stand der Reaktion auf Lichtwirkung
oder Bleichung. Die paratypische Färbung ändert also die idiotypische
ab. Es ist deshalb unrichtig, etwa die durch das Kleidertragen
künstlich gebleichte Haut des Europäers mit der eines nackten
„Farbigen“ zu vergleichen.
Die Vererbung der Hautfarbe ist sichergestellt, auch wenn man
noch nicht alle Einzelheiten deuten kann. Es findet deutlich ein
Aufspalten statt. Niemals gibt es bei Kreuzungen von hell und dunkel
mittlere Töne, die dann konstant bleiben. Weiße und Neger erzeugen
mitteldunkle Mulatten. Deren Nachkommen unter sich spalten aber auf.
Man darf nach neuen und exakten Untersuchungen auf Jamaika und Bermuda
vermuten, daß mindestens zwei Erbfaktoren die braune Komponente in der
Negerhaut verursachen und ein weiterer die gelbe. Deren Kombinationen
erklären schon großenteils die starken Schwankungen der Farben der
Mischlinge verschiedener Grade und der Rückkreuzungen. Dazu dürften
dann noch Erbfaktoren kommen für Hautdicke usw. Die oft gehörte
Behauptung, alle Mulatten seien intermediär braun, hält vor den
exakten Untersuchungen, die sich auf gegen 100 Stammbäume aus jenen
Inseln stützen, nicht stand. Die Vererbung ist also eine auf einer
Reihe von Faktoren beruhende Spaltung.[9] Dasselbe findet statt bei
der Kreuzung von Europäern mit Hottentottinnen. Auch hier gibt es ein
Auseinanderfallen in zahlreiche Farben. Dabei überwiegen im Ganzen die
Hellen auffällig, so daß irgend ein Hell-Faktor dominant sein dürfte.
Die eigenartige Erscheinung, daß Tamil-Malayenmischlinge oft dunkler
sind wie beide Eltern, und Portugiesen-Indianermischlinge, unter sich
fortgepflanzt, in den folgenden Generationen geradezu jet-schwarze
Farbe bekommen können, ist durch entsprechende Kreuzungsergebnisse beim
Tierzuchtversuch erklärlich (Polymerie).
Die Kreuzung hellhäutiger und dunkelhäutiger Individuen in Europa
bedarf für manche Einzelheiten noch genauerer Untersuchung;
soweit bisher Angaben vorliegen, besteht auch hier deutlich ein
Auseinanderfallen in die einzelnen Farben, auch da sind eine ganze
Anzahl Erbfaktoren anzunehmen.
Ein auf dem Ausfall bestimmter Faktoren beruhender Farbmangel ist der
Albinismus (s. S. 97).
g) ~Die Haarfarbe.~
Bei der Verschiedenheit der menschlichen Haarfarben handelt es sich
nicht nur um Pigmente, sondern auch um Strukturverhältnisse. Von
Pigmenten kommen vor: Pigmentkörner und gelöstes Pigment. Die Körner
sitzen in den Rindenzellen, auch zwischen diesen. Teils nur in wenigen
Zellen (helle Haarfarben), teils in dichten Mengen in allen Zellen
(dunkle Haarfarben). Auch die Markzellen können mit Pigmentkörnchen
beschickt sein. Diffuses, gelöstes Pigment ist sicher nachgewiesen in
rotem Schamhaar und in gelblich blonden Haaren bei Albinos; vielleicht
ist es bei allem ~roten Haar~.
Von Bedeutung für die Haarfarbe ist sein Luftgehalt und seine
Einfettung (Talgdrüsen). Dann wirken Sonne und Seewasser bleichend, so
daß man stets an diese paratypischen Einflüsse denken muß.
Im Alter findet bekanntlich Pigmentschwund statt, das Haar wird
grau, dann weiß, bedingt durch das Auftreten von Gasbläschen und
Pigmentschwund. Es ist bekannt, daß diese Erscheinung verschieden früh
einsetzt, es scheint sogar, daß ein frühes oder spätes Ergrauen je
in einzelnen Familien erblich ist, es wäre nötig, dies einmal exakt
festzustellen.
All diese Faktoren bringen in ihren mannigfaltigen Kombinationen eine
außerordentlich reiche Farbenreihe in der gesamten Menschheit hervor.
Vom hellsten gelblichweiß und zartesten silbergrau geht es in zwei
parallelen Reihen bis zu schwarz, die eine über goldblond, goldbraun,
braun zu tiefstem Schwarzbraun, die andere über silbergrau, aschgrau,
dunkelgrau (nicht Alters-Ergrauung) zu echtem Schwarz. Die erste Reihe
hat stets einen roten Ton in der Farbe.
Es hat sich gezeigt, daß die ganz überwiegende Mehrzahl aller
menschlichen Rassen dunkelschwarzbraunes und schwarzes Haar besitzt.
Helleres Braun und Blond gab es ursprünglich als Rassefarbe nur in
Europa.
Die Vererbung zeigt das Mendelsche Aufspalten. Auch ohne
Einzelzahlennachweis wären folgende Beweise zwingend. Seit weit
über 1000 Jahren mischen sich in Europa Blond- und Braunhaarige,
und es ist nicht etwa ein gleichmäßiges Mittelbraun oder Hellbraun
geworden, sondern noch heute erscheint neben Dunkelbraun leuchtendes
Hellblond. Und seit unzähligen Generationen sehen wir schwarzhaarige
und rothaarige Juden sich mischen, es ist nicht etwa ein dunkles
gleichmäßiges Rotbraun geworden. Aber auch die Statistik einzelner
Fälle hat das ergeben; die Haarfarben der Kinder einer Ehe sind nicht
etwa bei allen gleich, ein Mittel aus den beiden elterlichen Farben,
sondern sie wechseln mannigfach. Dies deutliche Alternieren in der
Vererbung, dies einwandfreie Fehlen einer intermediären Vererbung ist
ein besonders schlagender Beweis für die Konstanz der Rassenmerkmale,
für deren Erhaltung über unendliche Reihen von Generationen, für die
Möglichkeit, solche Rassenmerkmale zu züchten oder auszumerzen.
Aber auch im Einzelnen trifft, wie die Beobachtung an reichem
statistischen Material erweist, dieses Aufspalten zu. Kinder sind im
allgemeinen nicht dunkelhaariger als das dunklere ihrer Eltern. Aber
gelegentlich tritt das ein, es erklärt sich durch Faktorenkombination
(s. S. 35). (Ebenso ergibt die Kreuzung eines blonden Europäers mit
einem hellhaarigen Negeralbino einen typischen dunklen Mulatten.) Oft
sind umgekehrt die Haarfarben der Kinder heller als die des helleren
Elternteiles. Die dunkleren Farben überdecken die helleren, hell
vererbt sich gegen dunkel rezessiv.
Was hier für europäische Kinder festgestellt wurde, erwies sich auch
zutreffend für Bastarde von Europäern und Negern und Europäern und
Hottentotten.
Man muß also für die Vererbung des körnigen Pigments einige Faktoren
annehmen, wohl entsprechend unseren Erfahrungen bei Tieren (Kaninchen,
Mäuse u. a.) einen Grundfaktor für Pigmentbildung A; aa Individuen
haben albinotische weiße Haare (s. u.). Dann mehrere (Z, Y, X...)
Faktoren für braune Farbstoffbildung, deren jeder die durch die vorigen
gebildete Farbe intensiver macht. Ihnen parallel, -- vielleicht
entsprechend der „grauen“ Reihe etwa K, J, H... -- Faktoren, die für
diese Reihe Entsprechendes bedingen. In der ersten Reihe kommt nun
noch der (oder die) Rotfaktor(en) dazu. Wir dürfen ihn neben den
Braunfaktoren als besonderen Faktor annehmen, der, ohne die Intensität
der Farbe zu ändern, zu jedem jener Faktoren dazu treten kann, es ist
ein Rot verursachender Faktor R (etwa Bildung von diffusem Pigment?).
Rot ist dann dominant über Nichtrot. Die Individuen der „grauen“ Reihe
sind alle rr Individuen. Bei hellen bis mittleren Farben der „braunen“
Reihe tritt Fehlen oder Vorhandensein von Rot in graduell verschiedener
Rötung hervor, dagegen wird dunkleres Körnerpigment die Rotfarbe
überdecken.
Durch diese Erbverhältnisse dürfte die verschiedene Häufigkeit des
Vorkommens Rothaariger verursacht sein. Ob das Auftreten isolierter
kleiner Gruppen besonders gehäufter Rothaarigkeit z. B. unter den
Melanesiern Neu-Guineas als spontanes Auftreten der Rot-Erbanlage oder
als Verlust von sie vorher überdeckenden bzw. unwirksam machenden
Faktoren anzusehen ist, bleibt dahingestellt.
Auch für das Auftreten des Blond in der Verteilung über eine große
Rasse wie die „Nordische“ gilt Ähnliches. Übrigens kennen wir nur diese
einzige Rasse als wirklich blond.
Die in Baden, Dänemark, Schottland, bei den Bastards in Südwestafrika
festgestellte Erscheinung, daß die weibliche Bevölkerung dunkelhaariger
ist als die männliche, beruht wohl darauf, daß gewisse Pigmentanlagen
im Geschlechtschromosom lokalisiert sind. Da das menschliche Weib
diesbezüglich homozygotisch ist, müssen mehr weibliche Individuen diese
dominanten Farbanlagen bekommen als Männer. Daraus folgt auch, daß der
Mann öfter die Pigmentanlage von der Mutter als vom Vater erbt. Dem
entspricht eine alte Volksansicht, die allerdings einmal statistisch
erhärtet werden sollte: Dunkelhaarige Väter und blonde Mütter haben
häufiger blonde Söhne und dunkle Töchter wie umgekehrt.
Auch für die braune Augenfarbe trifft das wenigstens für gewisse Fälle
zu. Bei Schweden, Finnen, Lappen ist die Häufigkeit brauner Augen bei
Frauen gegenüber Männern so viel häufiger, daß man unbedingt wie oben
eine geschlechtsgebundene Erbanlage annehmen muß.
Eine auffällige Erscheinung der menschlichen Haarfarbe ist das
sogenannte Nachdunkeln. Auch ein flüchtiges Beobachten lehrt bei
uns, daß zahlreiche blonde Kinder später dunkles Haar bekommen.
Eine genauere Untersuchung zeigt, daß bei mehreren schwarzhaarigen
Gruppen, so z. B. bei Japanern, bei südamerikanischen Indianern,
vielleicht bei Papua (Neger sind nicht untersucht) kleine Kinder
eine Nuance heller sind als Erwachsene; das wäre für das Haar
dieselbe Erscheinung wie für die Haut, das Pigment vermehrt sich
während der Kindheit noch etwas. Aber das ist kein „Nachdunkeln“
wie man es in Zentraleuropa findet. Hier sind zahlreiche Kinder
~hell~blond, goldblond, rötlichblond, gelegentlich sogar ganz
gelbblond -- und als Erwachsene sind dieselben Individuen braun,
dunkelbraun, ja schwarzbraun. Diese bemerkenswerte Erscheinung
eines völligen ~Wechsels~ der Haarfarbe ist wohl am besten
erklärt, wenn man ihn unter die Fälle sog. Dominanzwechsels
zählt. Starkes Nachdunkeln ist also eine Folge der Bastardierung.
Unter den Ahnen der betreffenden Individuen waren mit Sicherheit
blonde und braune, da dominiert zuerst der Blondfaktor, nachher
der Braunfaktor (kurz ausgedrückt). Bei der Bastardbevölkerung in
Deutschsüdwest, den Nachkommen blonder Buren und schwarzhaariger
Hottentottinnen ist die ganze Jugend blond (dabei vielfach
kraushaariges typisches Hottentottenhaar), während die Erwachsenen
größtenteils dunkel, ja schwarz sind.
Endlich ist auf Farbmangel des Haares hinzuweisen. Bei einem partiellen
Albinismus finden sich einzelne weiße Haarbündel. Er ist öfters mit
albionitischer Fleckung der Haut verbunden. Bei farbigen Rassen kommt
die Erscheinung mindestens ebenso häufig vor, ist dort natürlich viel
auffälliger. Dieser Albinismus vererbt sich dominant. Es ist also ein
Hemmungsfaktor anzunehmen, der die Pigmentlosigkeit der einzelnen
Stellen verursacht. Es sind eine Reihe von Stammbäumen bekannt, wo
diese Erscheinung in mehreren Generationen verfolgt werden konnte.
Dem gegenüber steht totaler Albinismus. Der Körper bildet gar kein
Pigment, das Haar ist weiß, die Haut blaßweiß, die Iris pigmentlos,
rot durchleuchtend. Dieser Farbmangel ist eine Defekt-Idiovariante,
es fehlt also der Grundfaktor für Farbe A. Dieser Albinismus vererbt
sich entsprechend rezessiv. Eine Anzahl Stammbäume sind bekannt. Die
Erscheinung kommt ebenfalls bei Farbigen mindestens geradeso häufig
vor wie bei uns. Recht häufig ist auch der Albinismus unvollständig,
oder er bessert sich sozusagen etwas im erwachsenen Zustand. Das weiße
Haar ist oder wird dann fahlgelblich, die Haut ist (bei Neger-Albino)
schmutzigweiß oder gelblichweiß. Ein oder der andere Faktor ist doch
vorhanden und kommt, weil allein, zu schwach, verspätet zum Ausdruck.
Betrachten wir nun neben dem Auftreten der Idio- und Mixovariationen,
also den der Vererbung unterworfenen Erscheinungen die Wirkungen der
Peristase. Treten Paravariationen auf?
Deutliche und stärkere sicher nicht. Von der geringen Bleichung des
Haares durch Sonne und Wasser kann hier abgesehen werden; im übrigen
sehen wir nirgend einen direkt farbändernden Einfluß klimatischer
Faktoren aufs Haar, auch keinen durch Ernährung oder sonstige Faktoren
bedingten. (Von Alters- und eventl. plötzlicher [Schreck-] Bleichung
abgesehen.) Die Verteilung der Haarfarbe auf der Erde entspricht nicht
durchgehend klimatischen Zonen. Insofern stellt also die Haarfarbe ein
ausgesprochenes Rassenmerkmal dar.
h) ~Augenfarbe.~
Die Iris der Säugetiere verdankt ihre Färbung einer doppelten
Pigmentierung. Die hinterste Irisschicht hat eine doppelte Lage
intensiv gefärbter Epithelzellen (Netzhautepithel), die allein schon
genügt, die Iris lichtdicht zu machen gegen das Augeninnere. Vor jener
liegen dann im Irisgewebe eine Menge großer und kleiner verzweigter
Pigmentzellen, oft diese ganz erfüllend. Von diesem, allen Säugetieren
zukommenden Bau gibt es nur eine Ausnahme: Bei einigen hellen Rassen
der verschiedensten Haustiere verliert die Iris im vorderen Gewebe
ihre Pigmentzellen teilweise oder ganz; dadurch erscheint die Iris
hellgelbbraun oder grau oder grün oder blau. (Letzteres bei völligem
Schwund der Pigmentzellen; das stets bestehen bleibende pigmentierte
Irisepithel schimmert dann durch die halbdurchsichtigen vorderen
Irisschichten durch, was die Blaufärbung verursacht.) Beim Menschen ist
im allgemeinen die Färbung wie bei den Säugetieren, nur rassenmäßig
kann auch hier wie bei jenen einzelnen Haustierrassen das Pigment in
der vorderen Irisschicht verloren gehen. So gibt es genau entsprechend
hellblaue, graue, grüne, blaue menschliche Augen. Derselbe Verlust
kommt ~individuell~ vor, bei partiellem Albinismus, man kennt
zahlreiche solche Fälle, z. B. bei Negern, die dann blauäugig sind
bei heller Haut und gelblich weißem Haar. Bei völligen Albinos kann
dann der Pigmentschwund eine Stufe weiter gehen, auch das hintere
Irisepithel ergreifen; dann ist die Iris lichtdurchlässig und erscheint
infolge der durchschimmernden Blutfarbe rot.
Es ist ohne weiteres anzunehmen, daß das anatomische Fehlen des
vorderen Irispigmentes auf einer Defektvariation beruht. Darnach
ist die Vererbung der hellen Augenfarben als rezessive mendelnde
Eigenschaft zu erachten. Die Beobachtung bestätigt das und zeigt, daß
der Verlust (mindestens) eines Erbfaktors hellbraune oder graue Augen,
der eines weiteren aus diesen blaue macht. Eltern mit ~rein~
blauen Augen haben ausnahmslos blauäugige Kinder. Durch die braune
Augenfarbe -- heterozygotisch -- können graue, grüne, blaue überdeckt
sein und die Kinder von Eltern mit jenem Augentypus können daher all’
diese Farben zeigen. Elternpaare mit dunkelbraunen Augen haben entweder
nur ebensolche Kinder (so z. B. bei allen farbigen Rassen), sie sind
homozygot -- oder aber es sind einzelne Kinder helläugig, mindestens
ein Elter war also heterozygot.
Daß die Augenfarbe -- (ob auch bei farbigen Rassen?) -- hie und
da erst einige Monate nach der Geburt zur völligen Entwicklung
kommt, die Augen auch später etwas dunkler werden können, hängt
wohl mit dem gesamten Prozeß der Pigmentbildung zusammen. Ebenso
gehört hierher die Tatsache, daß im hohen Alter die Augen wieder
heller werden, bei braunen Augen tritt wohl eine leichte Entfärbung
ein, bei blauen wird das Irisgewebe dichter, dadurch schimmert
die Farbschicht weniger durch, das dichte Bindegewebe sieht blaß,
wässrigweißlich aus.
Das sog. Augweiß ist nur bei uns Europäern weiß, bei allen
farbigen Rassen schmutziggrau, gelblich mit lichtbraungelber
Marmorierung. Die tieferen Zellagen des Bindehautepithels sind hier
stets pigmentiert (wie bei allen Säugetieren mit Ausnahme der ganz
hellen Haustierrassen).
Irgendwelche Einflüsse äußerer Faktoren auf die Augenfärbung scheinen
ausgeschlossen, so daß auch diese als gutes Rassenmerkmal dienen kann.
--
Zum Schluß muß noch die sogen. „Komplexion“ erwähnt werden. Man
versteht darunter die gleichsinnige Färbung von Haut, Haar und Iris.
Bei der großen Mehrzahl auch rassengemischter Individuen ist der
relative Grad der Pigmentierung an den drei Stellen übereinstimmend. Da
dürften also wohl je dieselben Erbfaktoren gleichzeitig an allen diesen
Stellen die Pigmentation bedingen. Daß es aber auch Faktoren gibt, die
die drei Stellen je einzeln diesbezüglich beeinflussen, zeigen die
Fälle disharmonischer Färbung, wie man sie nicht selten beobachtet.
Es ist noch wenig darauf aufmerksam gemacht worden, daß hier
bei uns an schwarzhaarigen (und schwarzäugigen) Juden des
sephardimschen Typus eine besonders weiße, pigmentarme Haut fast
als Regel zu beobachten ist (ob auch in Südeuropa und Nordafrika?).
Ähnlich zeigt die Differenz der Farbe von Kopf- und Körperhaar
(Scham- und Barthaar, die diesbezüglich zusammengehen), daß auch
da Einzelfaktoren für die Pigmentierung neben den gemeinsamen
anzunehmen sind. Bei uns beobachtet man bei braunem Kopfhaar bei
Männern sehr oft helleres oder gegen das Rote gehendes Körperhaar,
fast nie umgekehrt. Und bei blondem Kopfhaar ist auch das
Körperhaar blond, eventl. rot. Dagegen ist bei blonden Frauen sehr
häufig das Schamhaar dunkler.
i) ~Die Haarform~.
Während fast alle freilebenden Säugetiere glattes schlichtes Haar oder
wenn mehr wolliges, wenigstens innerhalb der betreffenden Spezies,
gleichmäßiges Haarkleid zeigen, zeigt der Mensch nach Rassen eine sehr
starke Verschiedenheit seiner Haarformen. Einzig bei den Haustieren und
zwar bei der Mehrzahl derer Arten finden wir die gleichen Verhältnisse
(Wollhaarigkeit, Angorahaarigkeit).
Man darf wohl von einer Haarform ausgehen, bei der die Haare weich
und glatt herabhängen; sie legen sich der Körperoberfläche an,
fließen also in weichem Fall vom Kopf herunter. Diese Form nennt
man „schlichtes“ Haar. Es ist für Europäer, Australier, die sog.
weddaische Schicht (Wedda auf Ceylon, Senoi auf Malakka usw.), Aino
u. a. typisch. Von jener Haarform aus kann die Dicke und Härte
zunehmen, das Haar wird „straff“, so bei Mongoliden, Indianern,
Eskimo. Andererseits kann sich die leichte Biegung verstärken
zu mehrfacher welliger Krümmung, die „wellige“ Haarform (weit-
und engwellig). Endlich kann spiralige Drehung Lockenbildung
hervorbringen, bei engerer solcher Spiraldrehung das typisch
„krause“ Haar, bei dem die einzelnen Haarspiralen zu einem dichten
Matratzenpolster zusammenhängen können (viele Neger, Melanesier).
Schließlich können die Spiralen sehr eng gewickelt, das Haar dabei
kurz und die Spiralen benachbarter Haare je zu kleinen Klümpchen
zusammengeflochten sein, man spricht dann von „fil-fil“ oder
Pfefferkornhaar, wie es die Buschmänner haben.
Sowohl bei der Kreuzung schlicht- und kraushaariger Europäer unter
sich, wie bei der zwischen Europäern und Hottentotten und Europäern
und Negern zeigte sich, daß Schlichthaarigkeit beider Eltern nur
schlichthaarige Kinder zur Folge hat. Man darf das schlichthaarige
als Unterlage annehmen, zu dem erst der Faktor „Biegung verursachend“
C dazukommt, der vorher fehlte, schlichte Haare sind also cc. Locker
wellighaarige, lockenhaarige Eltern, ebensolche mit engkrausen haben
Kinder mit all diesen Haarformen. Lockerwellige und lockige sind
Heterozygoten (C c). Wahrscheinlich darf man nun annehmen, daß die
eigentliche Spiraldrehung durch einen zweiten Faktor bedingt ist; jener
erste macht nur eine Biegung (Wellung), der zweite (S) macht daraus
oder darauf die Spiraldrehung; engstes Kraushaar wäre dann CC SS-Haar,
schlichtes dagegen cc ss.
Nach einer Untersuchung an Chinesen-Philippinen-Mischlingen scheint
das straffe Haar in solcher Mischung dominant zu sein, also anders als
das schlichte Europäerhaar. Da wäre also ein „straffmachender“ Faktor
anzunehmen, der dem Schlichthaar (und Kraushaar) fehlt.[10]
Die ~Behaarung~ als solche, d. h. Verbreitung und Menge der
Haare auf dem Gesamtkörper ist rassenmäßig recht verschieden. Die
Kopfhaargrenzen sind im allgemeinen gleich. Starke Körperbehaarung,
wie sie bei uns nichts Auffallendes ist, haben außer dem Nordeuropäer
und Mediterraneer gewisse vorderasiatische Gruppen, dann Aino
und Australier. Alle andern Rassen sind dagegen haarärmer; die
amerikanischen Indianer und Eskimo sind die haarärmsten.
Die geographische Verteilung dieser Erscheinungen spricht gegen
das Vorhandensein äußerer Wirkungen, es müssen Merkmale sein, die
in der Erbmasse der betreffenden Rassen begründet sind. Dasselbe
gilt von Reichtum und Form des Bartes. Bei Japanern tritt der
Bart später auf als bei uns Europäern; bei ihnen, Negern und
Melanesiern, aber in derselben Form wie bei uns. Dagegen bedeckt
der Bart des Wedda nur die Unterseite des Kinnes und dessen Spitze,
hat Ziegenbartform, Wange und Lippen bleiben ganz oder annähernd
frei. Auch hier haben wir offenbar einzelne, von bestimmten
Erbfaktoren abhängige Merkmale vor uns. Dasselbe gilt von der
individuellen Bildung des Verwachsenseins der Augbrauen über der
Nase, was z. B. unter Vorderasiaten und auf Kreta gehäuft vorkommt.
k) ~Haut.~
An der Oberfläche der Haut haben wir an vielen Stellen Falten und
Runzelbildungen, an einzelnen auch Leisten und Rinnen. Die Falten und
Runzeln sind Beuge- und Knickfalten der Haut, da wo diese durch die
Muskelwirkung regelmäßig geknickt oder gefaltet wird. Die Beugefalten
auf der Handfläche, an den Fingerbeugen, die sogen. M-Figur entstehen
schon vor der Geburt durch Bewegungen des Embryos. Die starken
individuellen Verschiedenheiten sind bedingt durch zahllose kleine
Verschiedenheiten in der Anordnung der Muskeln, Lage der Gelenke,
Anordnung der kleinen Fettpolster unter der Haut u. dergl. mehr.
Genau dasselbe gilt von den Falten im Gesicht. Sie sind nicht erblich
bedingt. Diesen Faltenbildungen stehen als etwas ganz anderes die Haut-
und Tastleisten gegenüber (Papillarleisten), die auf der Hand- und
Fußfläche eigenartige feine Muster bilden, bestehend aus bogenförmig
verlaufenden feinen Leisten, zwischen denen ebenso feine Rinnen
gehen. Die Leisten bilden an den Fingerbeeren komplizierte Figuren,
Bogenmuster oder Spiralen oder Doppelspiralen usw., von denen aus Züge
etwa paralleler Leisten ausgehen. Am Fuß sind sie grundsätzlich denen
der Hand gleich, aber im einzelnen stark rückgebildet.
Diese Tastfiguren entsprechen den Tast- oder Sohlenballen der
Affen und anderer Säuger, sie legen sich beim Kind als richtige
Ballen an. Zwischen je zwei der Mittelhandballen laufen die Linien
derart durch, daß die Grenzlinien einen sog. „Triradius“ bilden.
Zwei von dessen Strahlen umfassen die Fingerwurzel, der dritte
läuft in die Handfläche hinein und endigt dort in irgend einem der
Felder, die von andern Triradien abgegrenzt werden. Die Felder und
Triradiusstrahlen werden in bestimmter Reihenfolge mit (Buchstaben
und) Ziffern benannt. Die Verlaufsrichtungen und Längen der
Hauptstrahlen der Triradien ist außerordentlich verschieden, jene
Benennung erlaubt, diese zahllosen Varianten in bestimmter Weise
einzuteilen und mit kurzen Zahlenformeln zu benennen. (Näheres ist
in der Orig.-Lit. nachzusehen, -- diese Daktyloskopie ist für die
Kriminalistik heute ein unentbehrliches Hilfsmittel geworden.)
Die Anordnung der Leisten ist individuell so verschieden, daß unter
Millionen keine zwei gleichen gefunden werden.[11] Die Häufigkeit
bestimmter Muster -- Spiralen, Bogen usw. -- scheint nach Rassen
verschieden, aber eine systematische Regelmäßigkeit fehlt dabei.
Die jeweilige Anordnung muß durch bestimmte Erbeinheiten beherrscht
sein, aber die Verhältnisse müssen sehr kompliziert sein. Eineiige
Zwillinge haben meist völlig identische, oft aber spiegelbildlich
gleiche Anordnung der Leisten, ab und zu aber auch verschiedene,
wie auch derselbe Mensch rechts und links oft verschiedene hat. Daß
vom ersten embryonalen Auftreten an die Zahl der Leisten und deren
Anordnung sich nicht mehr ändern, sei noch besonders erwähnt.
Die Dicke der Haut ist bei uns individuell außerordentlich verschieden,
rassenmäßig ist nur bekannt, daß die Haut nordafrikanischer
Wüstenbewohner besonders dünn und fettarm ist. Hottentotten und
Buschmänner zeigen eine größere Neigung der Haut zur Runzelung.
Die Schweißdrüsen zeigen bei den Mongolen keine so starke Anhäufung in
der Achselhöhle wie bei uns.
l) ~Körpergröße~.
Eine Vergleichung der Menschen bezügl. ihrer Körpergröße ergibt nicht
nur sehr große individuelle Unterschiede, sondern läßt erkennen, daß
jeweils einzelne Gruppen recht verschiedene durchschnittliche Größe
haben. Genauere Untersuchung zeigt recht verwickelte Verhältnisse,
indem idiotypische und paratypische Erscheinungen sich verbinden. Das
Wachstum verläuft bei allen Menschen normalerweise annähernd gleich;
auch die Geschlechtsunterschiede der Wachstumskurve, das Überholtwerden
der Knaben durch die Mädchen vor der Geschlechtsreife und das spätere
umgekehrte Wiedereinholen und endgültige Überholen ist bei allen Rassen
gleich. Kleiner bleibende Rassen hören im allgemeinen mit dem Wachsen
einige Jahre früher auf als groß gewachsene, daneben sind sie aber von
Geburt an etwas kleiner als jene.
Innerhalb einer Rasse pflegen Große oft schon von vornherein groß zu
sein, also schon als kleine Kinder jeweils ihren Altersgenossen voraus
zu sein, in anderen Fällen wachsen sie erst später, zur Pubertätszeit,
über jene plötzlich heraus. Schon das zeigt, wie verwickelt diese
Verhältnisse sind.
Das Wachstum ist von innerer Sekretion abhängig. Die Thymusdrüse
(?), die Hypophyse und die Keimdrüsen beeinflussen das Wachstum.
Arbeitet eine der Drüsen falsch, so gibt es individuelles Riesen- oder
Zwergwachstum. Ob es erbliche derartige Drüsenanomalien gibt, ist nicht
bekannt, aber nicht unwahrscheinlich.
Außer der inneren Sekretion wirkt nun auf das Wachstum sehr erheblich
die Ernährung ein. Was das Experiment am Tier zeigte, daß man Hunde
oder Schweine ~eines~ Wurfes durch sehr verschiedene Fütterung zu
dauernd sehr ungleichen Geschwistern heranziehen kann (s. S. 13), gilt
auch für den Menschen. Die Körpergröße, der Brustumfang, der Kopfumfang
von Kindern der armen Bevölkerung ist im Durchschnitt deutlich geringer
als der gleichaltrigen Jugend der wohlhabenden Kreise.[12] Diese
Faktoren haben wohl auch die deutlich feststellbare Größenzunahme
der europäischen Bevölkerung in den letzten 100 Jahren bedingt. In
Skandinavien ist die Durchschnittsgröße der Rekruten in den letzten
20-30 Jahren um 1-1/2-2 cm gewachsen, in Baden in 40 Jahren um 1,2 cm.
Diesen parakinetischen Einflüssen stehen aber die idiogenen gegenüber.
Man sieht deutlich, wie sich die Körpergröße familienweise vererbt,
man hat das schon vor langer Zeit auch in Laienkreisen beobachtet und
festgestellt. Es ist bekannt, daß z. B. König Friedrich I. von Preußen
seinen langen Grenadieren die Heiratserlaubnis nur gab, wenn die
betreffende Braut dem Bräutigam an Größe glich, er wollte stattlichen
Nachwuchs „züchten“. Neuere Untersuchungen bei Rassenkreuzungen haben
mehr wie wahrscheinlich machen können, daß man für die Vererbung
der „Größe“ dominant vererbende mendelnde Faktoren annehmen muß; es
dürfte sich um polymere Vererbung handeln. Bei diesen Rassekreuzungen
trat eine eigentümliche Erscheinung auf, die auch bei Tier- und
Pflanzenbastardierungen zu beobachten ist, und hier als „Luxurieren“
der Bastarde bezeichnet wird. Der Bastard wird größer und stärker als
beide Elternrassen.
Beim Menschen sind die Mischlinge von großgewachsenen
nordamerikanischen Indianern und Europäern Nordamerikas größer als
beide Elternrassen, wobei sie unter denselben Verhältnissen leben
wie jene. Mischlinge von Buren und Hottentotten sind ebenfalls im
Durchschnitt etwas größer als die Stammeltern.
Die Entstehung der sog. Pygmaeen, also „Zwergrassen“, ist
besonders oft erörtert worden; daß es sich um Kümmerformen infolge
ungünstiger Ernährungsverhältnisse handelt, ist ausgeschlossen,
es sind Idiovariationen, bei deren Entstehung bzw. Erhaltung
selbstverständlich Auslese ihre Rolle gespielt hat. Bei allen
„Rassengrößen“ sieht man deutlich, wie trotz aller oben angeführten
Einwirkungen auf die Körpergröße des Einzelnen, doch offenkundig
die der Rasse zukommende erbliche Wuchsform bestehen bleibt, auch
wenn sie im Einzelfall unter den paratypischen Modifikationen nicht
meßbar und als solche erkennbar ist.
m) ~Körperproportion und äußere Körperform~.
Die Körperproportionen, d. h. das Längen- bzw. Größenverhältnis der
einzelnen Körperabschnitte zu einander und zum Ganzen sind so stark von
äußeren Wirkungen abhängig, daß etwaige erbliche Rassenunterschiede
von jenen zum größten Teil überdeckt werden. Ob z. B. die relative
Langbeinigkeit der Neger und ähnliche Merkmale anderer Rassen erblich
bedingt sind, ist fraglich. Unabhängig von den Rassenunterschieden
zeigt die Frau bei allen Rassen relativ kürzere Beine und längeren
Rumpf.
Als paratypisch erweist sich eine Längenzunahme der Arme bei den
Berufen, die diese intensiv benützen (Schmiede usw.), während z. B.
Studenten, Beamte usw. relativ längere Beine, Seeleute relativ lange
Arme und Beine haben. Der Gebrauch der Extremitäten macht da also
ein Längenwachstum. Freilich, wie weit da soziale Auslese mitwirkt,
steht dahin, das Rassegemisch der europäischen Bevölkerung machte sie
besonders wirksam.
Hier darf auch die Rechtshändigkeit des Menschen erwähnt werden.
Sie kommt nämlich in der Tat bei „der“ Menschheit als Regel vor.
Aber gerade hier sieht man, wie schwer es ist, erbliche Grundlagen
und parakinetische Einflüsse zu trennen. Wir kennen die Entstehung
der Rechts- oder Linkshändigkeit nicht. Bei vielen Individuen ist
jedenfalls eine Bevorzugung ~einer~ Hand in einer anatomischen
Grundlage gegeben, die sie mit auf die Welt bringen, das sieht man
einwandfrei bei denen, die trotz aller Erziehung und allem Zwang
zur Rechtshändigkeit Linkser bleiben.
Die der „angeborenen“ Rechts- bzw. Linkshändigkeit zugrunde
liegende „Links- bzw. Rechtshirnigkeit“ beruht entweder auf
unmittelbar wirkenden Erbanlagen oder aber auf Verhältnissen der
Lage, Krümmung, Gefäßverzweigung usw. des Embryo.
Eine statistisch einwandfreie Erfassung der Vererbung von
Linkshändigkeit fehlt noch.
Lange nicht so stark ausgeprägt und herrschend wie Rechtshändigkeit
ist Linksbeinigkeit, großenteils wohl nur, weil die Funktionen
des einzelnen Beines viel weniger differenziert sind, und wo sie
es sind (Abspringen usw.), vielfach Erziehung eine Gewohnheit
festgelegt hat. --
Der ganze Körper ist leicht asymetrisch; die Mehrzahl der Menschen
haben eine Biegung der Wirbelsäule mit Konvexität nach links
im Brustteil und im entgegengesetzten Sinn im Lendenteil; eine
Minderzahl umgekehrt. Auch hier dürften embryonale Lagerungs- und
Wachstumsverhältnisse die Ursachen enthalten.
* * * * *
Die allgemeine Form des Körpers, ob schlank oder gedrungen, fett oder
mager, ist zum Teil paratypisch bedingt -- Ernährungsverhältnisse,
besonders in der Wachstumsperiode, z. T. aber deutlich idiotypisch, der
Stoffwechsel, die Reaktion auf bestimmte Nahrungsmengen und -qualitäten
sind deutlich erblich verschieden.
Rassenmäßig, also auf Grund von erblichen Anlagen, neigen z. B. unter
gleichen Ernährungsverhältnissen einzelne Individuen, aber auch
Gruppen, z. B. die nordafrikanischen Jüdinnen, besonders stark zu
Fettablagerung.
Daß die normale Fettablagerung am Körper in regionärer und
quantitativer Hinsicht bei Mann und Weib verschieden ist, hat wohl
(erbliche) innersekretorische Ursachen.
Eine ganz eigenartige Fettablagerung findet sich bei Hottentotten-
und Buschmannweibern über dem Gesäß, so daß dieses höckerartig nach
hinten vorspringt, was man „Steatopygie“ nennt. Die Bildung entspricht
anatomisch dem Fettbuckel mancher Rinderarten, dem Fettsteiß und
Fettschwanz mancher Schafrassen. Die Steatopygie tritt regelmäßig und
typisch auf, das Fett beschränkt sich auf Gesäß und Oberschenkel, der
übrige Körper kann dabei geradezu mager sein. Es ist ein eigenartiges
Rassemerkmal, das fest vererbt ist, auf das weibliche Geschlecht
beschränkt. An Hottentotten-Europäer-Bastarden ist bisher nicht echte
Steatopygie, sondern nur starke Neigung zu Fettansatz an Hüfte,
Oberschenkel und Gesäß festgestellt.
Von sonstigen Einzelheiten der äußeren Körperform sei die
Verschiedenheit der weiblichen Brust erwähnt. Die Brust der
Negerin pflegt bei älteren Frauen in Form eines schlappen Beutels
herunterzuhängen, teils wohl rassenmäßige (erbliche) Sonderbildung,
teils die Folge dauernden Stillens. (Negerinnen reichen noch 5-6
jährigen Kindern gelegentlich die Brust, die zur Ernährung der jüngeren
Geschwister in Funktion ist.)
Bei der Buschmannfrau sitzen die Brüste ganz hoch und achselwärts. Auch
bei uns dürfte Sitz und z. T. Größe erblich bedingt sein.
n) ~Physiognomie~.
Das was man zusammenfassend Physiognomie nennt, ist rassenmäßig
außerordentlich variierend. Einzelnes daraus kann man nach der
Vererbungsseite deutlich erfassen. Die Nase variiert an Größe und
Form all ihrer einzelnen Teile. Die Gesamtnasenform wird bezüglich
ihrer Höhe, d. h. der Entfernung von der Stirnnasennaht bis zum
Lippennasenwinkel und ihrer Breite von einem Flügel zum anderen
gemessen. Man spricht dann vom Nasenindex und unterscheidet schmale,
mittelbreite und breite Formen. Bei den schmalen Formen stehen die
Nasenlöcher als schmale Schlitze von vorn nach hinten, bei den
breitesten umgekehrt, geradezu von rechts nach links. Der Nasenrücken
kann gerade, konkav oder konvex sein. In letzterem Fall entweder in
gleichmäßiger Biegung oder mit einem scharfen Knick in der Mitte, was
man als Adlernase bezeichnet, oder es ist endlich nur das unterste
Stück mit der Nasenspitze scharf nach abwärts gebogen, Habichtsnase.
Die Untersuchung von Rassenkreuzungen hat ergeben, daß für die Nase
mindestens vier selbständig sich vererbende Erbfaktoren anzunehmen
sind. Der Nasenrücken und die Form der Nasenflügel, Nasenwurzel und
Nasenspitze, können je getrennt vererbt werden. Die stark erhobene
konvexe Nase vererbt sich dominant über die breitere, niedere. Das
gilt sowohl für die Kreuzung zwischen Europäern und Hottentotten, wie
für die zwischen Europäer und Juden. Paratypisch wird die Nasenform
im Ganzen nicht beeinflußt, so daß die Beobachtung der Nasenform zur
Rassendiagnose besonders wichtig ist. In der Vererbung gehen bestimmte
Nasen- und Gesichtsformen, ebenso die auf genannten Erbfaktoren
beruhenden Einzelteile der Nase auffällig oft zusammen.
Werden diese gemeinsamen Horste in der Kreuzung gesprengt, so
erscheinen Nasenformen, die uns auf den ersten Blick als disharmonisch
vorkommen. Dasselbe gilt für die gesamte Physiognomie. Die Tatsache,
daß die einzelnen eine Physiognomie zusammensetzenden Einzelmerkmale
je getrennt vererbt werden, bedingt die rassenmäßige Harmonie oder
eine uns als unschön vorkommende Disharmonie des Antlitzes. Dabei
ist deutlich zu bemerken, daß wir häufig im gewöhnlichen Leben einen
einzelnen Zug in einem Gesicht als fremd empfinden, die Beobachtung der
Eltern oder Großeltern des betr. Individuums belehrt uns, daß da in
das rassenmäßig gleichgebildete Gesicht des einen Elternteiles irgend
ein einzelner Zug des anderen Elternteils herein vererbt ist, z. B. in
ein langes schmales Männergesicht ein kleines Stumpfnäschen von seiner
Mutterseite her, oder in ein kleineres rundes Mädchengesicht eine viel
zu große und darum unschön wirkende Nase, die sie vom Vater geerbt hat.
Hier liegt noch ein weites Feld der Möglichkeit exakter Mendelscher
Erbuntersuchungen brach.
Von dem gesamten Gesicht sei noch auf die Lippen hingewiesen. Hier ist
eine eigenartige Verdickung der Unterlippe mit wulstiger Vorwölbung
der ganzen Kinngegend (Progenie) eine bekannte Erscheinung, die sich
dominant zu vererben scheint. Sie wurde im Mannesstamm der Habsburger
oft beobachtet und viel untersucht. Eine starke Aufwulstung der Lippe,
so daß das Lippenrot von Ober- und Unterlippe besonders breit ist,
ist dem Neger erbeigen. Für afrikanische Pygmaeen dagegen, dann für
manche Malayengruppen sind nur dicke, nicht aber gewulstete Lippen
rasseneigentümlich. Die individuellen Lippenformen (Schmalheit,
Kürze der Oberlippe usw.) bei uns vererben sich deutlich. Abgesehen
von groben künstlichen Einwirkungen auf Nasenflügel und -septum
(Durchbohrungen), auf Ober- und Unterlippen, Ohrläppchen usw. kennen
wir keine Umweltwirkungen auf die einzelnen Gesichtsteile, von solchen
auf das Gesamtgesicht war oben die Rede. (S. 84.)
~Schluß.~