über den Krieg und die Söldner urteilten. Die Prinzipien, die im Begriff
waren, der französischen Revolution die Wege zu ebnen, brachen sich
Bahn, und einige der Darsteller dieses grossen Dramas begannen auf der
Bühne zu erscheinen. Mirabeau, als Flüchtling in Holland weilend,
veröffentlichte ein Pamphlet gerichtet »An die Hessen und andere
deutsche Volksstämme, die von ihren Fürsten an England verkauft sind.«
Es ist die Mirabeau'sche Schrift ein beredter Protest gegen die Raubgier
der Fürsten und ein herrlicher Tribut, der dem Patriotismus der
Amerikaner gezollt wird. Das Genie Mirabeau's konnte weit genug in die
Zukunft sehen, um zu erkennen, dass der Nord-Amerikanische Kontinent
einst ein Asyl für die Unterdrückten aller Nationen werden würde. Der
gegen den Landgrafen von Hessen-Cassel geführte Schlag traf sein Ziel.
Letzterer versuchte nicht nur die ganze Auflage des Pamphlets
aufzukaufen, sondern veranlasste auch die Veröffentlichung einer
Antwort, die wiederum eine Entgegnung zur Folge hatte, in welchem der
zukünftige Tribun die Ansicht vertritt, dass ein Angriff auf die
Freiheit der Nationen das grösste aller Verbrechen sei. In demselben
Sinne schrieb Abbé Raynal und Andere, von denen einige zu dieser Zeit in
Europa besser bekannt waren als Mirabeau, und gegen den ein
Zeitungskrieg losbrach, der in den holländischen Zeitungen ausgefochten
wurde, die damals die einflussreichsten, weil freisten auf dem Kontinent
waren. In der Landes-Bibliothek in Cassel befindet sich ein
interessantes kleines Pamphlet, herausgegeben im Jahre 1782 in
französischer Sprache und ebenso in Deutsch. Dies Pamphlet war von
Schlieffen, dem Gesandten Landgraf Friedrichs II., geschrieben. Der
Schreiber weist auf die alte Erfahrung hin, dass die Menschen in allen
Zeitaltern sich gegenseitig umgebracht hätten, dass die Schweizer lange
Zeit gewöhnt gewesen als Söldner zu fechten, dass 10,000 Griechen unter
Xenophon dasselbe gethan hätten, und er hielte es für ungerecht, seine
Zeitgenossen für eine Sache zu tadeln, die in dem natürlichen Instinkt
der Menschheit begründet läge. Er konstatierte, dass das gegenwärtige
Vermieten von Truppen der zehnte Fall dieser Art seit Anfang des
Jahrhunderts sei. Er wies auf die Wohlthaten hin, die der Landgraf
seinem Lande hatte zu Teil werden lassen, und auf die Liebe, mit der ihn
sein Volk verehrte. Er lenkte die Aufmerksamkeit, und dies war
vielleicht sein bestes Argument, auf die Thatsache, dass der Landgraf
von Hessen und der Herzog von Braunschweig so nahe mit dem englischen
Königshaus verwandt wären, dass ihre Nachkommen eines Tages auf den
grossbritannischen Thron berufen werden könnten. Die prahlerische
Freiheit der Amerikaner wäre nur eine trügerische Sirene, denn die
Geschichte bewiese, dass republikanische Regierungsformen ebenso
tyrannisch und grausam wären wie Monarchieen.
Dahingegen war der Freiherr von Gemmingen, der Gesandte des Markgrafen
von Anspach, etwas beschämt über den Handel, den er abgeschlossen hatte.
»Es kommt mir immer sehr hart an, mit Truppen zu handeln,« schreibt er
an seinen Agenten in London, »aber der Markgraf ist entschlossen, die
Sache um jeden Preis zu Stande zu bringen, um seine und seiner Vorgänger
Schulden bezahlen zu können. Auf diese Weise wird freilich das Gute, das
aus dem Subsidien-Vertrag entspringt, die schlechte Seite des Geschäfts
überwiegen.« Später schreibt er: »Der Vertrag, den wir soeben
abgeschlossen haben, ist viel günstiger, als wir erwarten konnten, wenn
man bedenkt, dass das Anerbieten von uns aus ging und dass die
königlichen Waffen bisher einen solchen Erfolg in Amerika gehabt haben.
Die Sache wird natürlich in dem möglichst ungünstigsten Licht von Leuten
angesehen werden, die es nicht verstehen, eine Staatsangelegenheit im
Rahmen des Ganzen und nach ihren besonderen Motiven zu beurteilen. Aber
sobald diese Leute sehen, wie fremdes Geld in unser armes Land fliessen
wird, sobald sie sehen, dass dessen Schulden bezahlt werden, mit den
Mitteln, die uns jetzt zufliessen, so werden sie und die ganze Welt
entzückt sein und anerkennen, dass die Truppen, deren Pflicht es ist,
die Feinde des Landes zu bekämpfen, den schlimmsten Feind besiegt haben,
nämlich -- unsere Schulden. Selbst der niedrigste Soldat, der nach
Amerika geht, gut bezahlt und wohl versorgt, wird mit seinen
Ersparnissen zurückkehren und stolz darauf sein, für sein Vaterland und
seinen eigenen Vorteil gearbeitet zu haben ... Ich bin im Allgemeinen
ein erklärter Feind von solchem Handel mit Menschen; aber es giebt
Fälle, in denen Schlechtes sich in eine Wohlthat verwandelt, und so
verhält es sich, wenn ich mich nicht irre, in diesem Falle.«
Friedrich der Grosse drückte in einem Brief an Voltaire (vom 18. Juni
1776) seine Verachtung über die mit Menschen handelnden Fürsten aus und
fand etwas später Gelegenheit, ihnen Hindernisse in den Weg zu legen.
»Wäre der Landgraf aus meiner Schule hervorgegangen,« schrieb er, »so
würde er nicht seine Unterthanen an die Engländer verkauft haben, wie
man Vieh verkauft, um es zur Schlachtbank zu führen. Dies ist kein
schöner Zug in dem Charakter eines Fürsten, der sich rühmt, der
Lehrmeister von Regenten zu sein. Ein solches Handeln ist durch nichts
Anderes als durch schmutzigen Eigennutz hervorgerufen. Ich bedauere die
armen Hessen, die ihr Leben unglücklich und nutzlos in Amerika enden.«
Napoleon, der dreissig Jahre später den damaligen Landgrafen von
Hessen-Cassel (den »Grafen von Hanau« der Verträge) vertrieb, äusserte
sich folgendermassen: »Das Fürstenhaus von Hessen-Cassel hat viele Jahre
lang seine Unterthanen an England verkauft. Auf diese Weise haben die
Kurfürsten solche Schätze gesammelt. Diese Habsucht ist die Ursache des
Sturzes ihrer Dynastie.«
Kapitel III.
Die Verträge vor dem Parlament.
Der angreifende oder sich rechtfertigende Ton der Minister der deutschen
Despoten hatte wenig Einfluss, wenn ihre Herren sich einmal für eine
Sache entschieden hatten. Der leidenschaftliche Protest eines jungen
deutschen Poeten oder eines französischen Pamphletisten konnte
schwerlich auf die Politik einen Einfluss ausüben. Der König von
Preussen, dessen Wort in betreff des Verdingens von Soldaten für fremde
Kriegsdienste Gesetz gewesen sein mag, zog es vor, mit Verachtung zu
strafen, anstatt zu befehlen. Aber im Parlament von Gross-Britannien
wurden die Verträge zwischen dem König von England und den deutschen
Fürsten verhandelt durch verantwortliche Minister auf der einen Seite,
und auf der andern Seite durch Staatsmänner, von denen einige eines
Tages zur Macht gelangen konnten. Es ist richtig, dass die Majorität,
welche die Regierung unterstützte, so erdrückend war, dass die
Opposition keine Aussicht hatte, sie zu stürzen. Aber es lässt sich kaum
bezweifeln, dass, obwohl die grössere Stimmenzahl auf Seiten der Tories
im Parlament von 1776 war, das geistige Übergewicht auf Seiten der Whigs
sich befand.
Am 29. Februar 1776 beantragte Lord North, die Verträge zwischen Seiner
Majestät und dem Landgrafen von Hessen-Cassel, dem Herzog von
Braunschweig und dem Erbprinz von Hessen-Cassel dem »Committee of
Supply« zu überweisen. Er sagte, dass Truppen das beste und radikalste
Mittel wären, um Amerika zum verfassungsmässigen Gehorsam zu zwingen, da
man Soldaten auf diese Weise schneller und zu günstigeren Bedingungen
bekommen könnte, als durch Aushebungen in der Heimat; dass die
gemieteten Truppen weniger kosten würden, als man erwartet hätte und
schliesslich, dass die Truppenmacht, die sie im Stande sein würden, nach
Amerika zu senden, genügen würde, nach menschlicher Berechnung, das Land
zu zwingen sich zu unterwerfen, vielleicht ohne ferneres Blutvergiessen.
Lord North wurde unterstützt von Mr. Cornwall, der das hohe Haus
versicherte, dass er besser wie irgend Jemand in demselben Gelegenheit
gehabt hätte, Mittel und Wege kennen zu lernen mit den deutschen Prinzen
zu verhandeln und Truppen zu besorgen; dass seine jahrelange Stellung
(als Sekretär in dem Zahlamt während des deutschen Krieges) ihm diese
Gelegenheit gegeben hätte; und er wäre erstaunt zu hören, dass Leute,
die mit den deutschen Verhältnissen bekannt wären, die gegenwärtigen
Bedingungen ungünstig fänden. Er bestritt, dass die dem Herzog von
Braunschweig im Voraus bezahlten zwei Monate Sold nichts weiter als ein
Douceur wären, und blieb dabei, dass die Truppen unter besseren
Bedingungen wie je zuvor zu bekommen wären, besonders wenn das Geschäft
noch im Laufe des Jahres effektuiert werden könnte, woran er keinen
Grund hätte zu zweifeln.
Lord George Germaine verteidigte die Vorlage auf Grund der
Notwendigkeit. Er zählte eine Reihe von Präzedenzfällen auf, um zu
zeigen, dass in jedem Krieg oder Aufstand, England zu fremden Truppen
seine Zuflucht hätte nehmen müssen um die Schlachten zu schlagen und das
Land zu verteidigen. Lord Barrington, der im Innersten seines Herzens
das allgemeine Verhalten der Regierung nicht gebilligt und der
vergeblich den König gedrängt hatte, seine Entlassung anzunehmen, hatte
die Vorlage in ähnlichem Sinne unterstützt. Er gab zu, dass der Handel
kein günstiger sei, aber immerhin der beste, den man abschliessen
könnte.
Auf der anderen Seite verwarf Lord John Cavendish die Vorlage in allen
ihren Teilen. Britannien würde sich in den Augen von ganz Europa bloss
stellen. Er machte Einwendungen gegen jeden einzelnen Paragraphen des
Vertrags und hob hervor, dass eine Truppenmacht von 12,000 Fremden in
das Gebiet der britischen Krone befördert werden sollte ohne unter
Kontrolle weder des Parlaments noch des Königs zu stehen; denn der
Vertrag sagte ausdrücklich, »dass dieser Truppenkörper unter dem Befehl
der Generale bleiben sollte, denen er von Seiner Hoheit (dem Landgrafen)
anvertraut würde.«
Lord Irnham zweifelte an der Kompetenz der Fürsten, solche Verträge
abzuschliessen. Er hielt es für nicht vereinbar mit ihren Pflichten
gegenüber dem Reiche, sie machten sich dadurch in den Augen von ganz
Europa ehrlos und verächtlich: zur Unterstützung despotischer Gewalt
eine Pflanzschule von Soldaten zur Verfügung zu stellen, denen, die mehr
Geld, aber nicht mehr Recht und Wert hätten als die, die sie durch Geld
unterwerfen wollten. Er verglich die Fürsten mit Sancho Pansa, der
wünschte, dass wenn er ein Fürst wäre, alle seine Unterthanen Sclaven
werden würden, die er durch Verkauf zu Geld machte.
Mr. Seymour antwortete Mr. Cornwall und forderte ihn auf, einen einzigen
Fall anzuführen, in dem dieselbe Anzahl Truppen während derselben Zeit
der Nation so viel Geld gekostet hätte.
Der Hon. James Lutrell wies darauf hin, dass bereits 150,000 Deutsche in
Amerika wären und dass daher unter den angeworbenen Truppen leicht
Desertionen vorkommen könnten. Edmund Brake stellte fest, dass für 1000
Fremde ebenso viel bezahlt würde wie für 1500 Eingeborene. Sir George
Saville behauptete, dass dies der unvorteilhafteste Handel in dieser Art
sei, der je abgeschlossen sei, seitdem es üblich wäre, Truppen
anzuwerben; und Alderman Bull schloss die Debatte, indem er ausrief:
»Man lasse den Geschichtsschreiber nicht gezwungen sein zu sagen, dass
die russischen und deutschen Sklaven die Söhne Englands und der Freiheit
unterjocht haben, und dass unter der Regierung eines Fürsten aus dem
Hause Braunschweig jeglicher schmähliche Versuch gemacht wurde, den
Geist auszulöschen, den seine Vorfahren bezeugten und der sich trotz
Verrat und Verfassungsbruch auf dem Throne festzusetzen wusste.« Des
Alderman's Gesinnung war besser als seine Rhetoric, aber beides war
gleich nutzlos. Die Vorlage wurde mit 242 Stimmen gegen 88 angenommen.
Am 5. März 1776 beantragte der Duke of Richmond im Hause der Lords, man
möge Seiner Majestät dem König eine Adresse unterbreiten, um ihn zu
bitten, den Abmarsch der fremden Truppen zu inhibieren und Massregeln zu
treffen, um die Feindseligkeiten in Amerika sofort zu sistieren. Der
Protest drückte die Ansicht des Hauses aus über die Gefahr und die
Schande der Verträge durch die Gross-Britannien vor ganz Europa bekennen
müsste, dass es nicht im Stande sei, einerseits wegen Mangel an
Soldaten, andrerseits wegen Abneigung der eigenen Leute gegen diesen
Krieg, eine genügende Anzahl Leute für die erste Kampagne auf die Beine
zu bringen. Es wäre traurig zu sehen, wie durch das Abziehen der
nationalen Truppen (die ohnehin zu schwach wären für den unglücklichen
Zweck, dem sie dienen sollten) Gross-Britannien entblösst und den
Angriffen und dem Eindringen mächtiger Nachbarn und fremder Nachbarn
ausgesetzt sein würde.
Das Dokument wies sodann darauf hin, dass eine Aussöhnung mit den
Kolonien der Verwendung von Fremden vorzuziehen sei, die, wenn sie so
weit von ihrer Heimat entfernt wären und unter dem Elend des Krieges, an
dem sie kein Interesse hätten, leiden und so oft in Versuchung kommen
würden, die Abhängigkeit mit der Freiheit zu vertauschen, viel eher
meutern oder desertieren, als treu bleiben und mit Seiner Majestät
eigenen Unterthanen gemeinsam operieren würden.
Indem auf die Gefahr hingedeutet, fremde Truppen in das Reich
hineinzulassen und Klage erhoben wird, dass bereits zwei der stärksten
Festungen von ihnen besetzt seien,[1] fährt der Protest fort: »Wir haben
obendrein Grund zu befürchten, dass, wenn die Kolonien sehen, wie
Gross-Britannien Bündnisse schliesst und Truppen zu ihrer Unterwerfung
anwirbt, sie durch das gegebene Beispiel sich für berechtigt halten
werden, Anstrengungen zu machen, um ebenfalls Beistand zu erlangen; und
dass Frankreich, Spanien, Preussen oder andere Europäische Mächte denken
werden, dass sie ein ebensolches Recht haben wie Hessen, Braunschweig
und Hanau, sich in unsere inneren Angelegenheiten zu mischen.«
[1] Hannoversche Truppen waren nach Gibraltar und Port Mahon gesandt
worden.
Darauf wurde auf die Gefahr hingewiesen, dass man verpflichtet sein
würde, den Landgrafen von Hessen bei seinen Streitigkeiten in Europa zu
unterstützen, und es wurde der Meinung Ausdruck gegeben, dass
Gross-Britannien noch nie einen Vertrag eingegangen sei, der so teuer,
so ungleich, so entehrend und in seinen Folgen so gefährlich sei.
Indem der Duke of Richmond den Protest einbrachte, gab er einen kurzen
Überblick über die Verträge, die seit 1702 mit den Landgrafen von Hessen
abgeschlossen worden seien, und zeigte, dass die aufeinanderfolgenden
Landgrafen mit der Zeit ihre Forderungen gesteigert hätten, und dass,
wenn sie versuchten, günstigere Bedingungen herauszudrücken, sie niemals
unterliessen, ihre vorhergegangene Erpressung als Grundlage für den
neuen Vertrag dienen zu lassen und immer eine neue Forderung an
Gross-Britannien zu stellen. Dieser Vertrag sei »offenbar ein
gewinnsüchtiger Handel, indem man eine Anzahl Söldner in Sold nehme,
die man kaufe und verkaufe wie das Vieh, das zur Schlachtbank geführt
würde ... Legt man aber den Verträgen eine Alliance zu Grunde, was
würde die Folge sein? Dass, wenn eine dieser Mächte angegriffen oder
ohne Grund einen Angriff provozieren würde, wir sie mit allen uns zu
Gebote stehenden Mitteln unterstützen müssten. Folglich haben wir
wegen des Beistandes von wenigen Tausend Söldnern nicht nur doppelt zu
bezahlen, sondern wir gehen auch eine feierliche Verpflichtung ein,
unsere Streitkräfte zu opfern und Hülfe zu leisten, wenn der Landgraf
oder Herzog angegriffen oder ihm sein Besitztum streitig gemacht
wird.«
Der Duke of Richmond bezeichnete es ferner als eine Gefahr, einen
Truppenkörper von 12,000 fremden Söldnern zu haben unter dem Kommando
eines von dessen eigenen Generalen, bei dem die Möglichkeit nicht
ausgeschlossen sei, dass er zum Höchst-Kommandierenden befördert werden
könne; es könne eine grosse Verwirrung entstehen durch Streitigkeiten
zwischen dem fremden und eigenen kommandierenden General.
Der Earl of Suffolk antwortete für die Regierung: »Der Tenor der
Verträge,« sagte er, »ist kein anderer als er es bei früheren
Gelegenheiten gewesen ist. Der gegenwärtige, das ist wahr, ist voll von
schwülstigen hochtönenden Phrasen von einem Bündnis, und ich bin so
offenherzig, dem edlen Herzog zu bemerken, dass ich sie nur als solche
ansehe; und ich gehe soweit, zu sagen, dass die wahre Absicht der
Verträge die ist, weniger ein Bündnis zu schliessen als einen
Truppenkörper anzuwerben, den der gegenwärtige Aufstand in Amerika
notwendig erscheinen lässt.«
Indem Lord Suffolk somit die Bedingungen des Vertrages, für den er
persönlich verantwortlich war, in das richtige Licht gesetzt hatte, fuhr
er fort nachzuweisen, dass die Bedingungen vorteilhaft sein würden, wenn
man die Truppen nur ein Jahr gebrauchen würde, dass man aber unter allen
Umständen, wenn die Soldaten gebraucht würden, sich den gestellten
Bedingungen fügen müsste.
Der Earl of Carlisle war überzeugt, dass die Arbeitskräfte, die durch
die Industrie in Anspruch genommen würden, der geringe Nutzen einer
neuen Aushebung, wenigstens für die erste Kampagne und der Wunsch jedes
Vaterlandsfreundes, den unglücklichen Verhältnissen ein schnelles Ende
bereitet zu sehen, dass dies Alles die Notwendigkeit der Verwendung
fremder Truppen genügend rechtfertigen würde. Man sollte bedenken den
schwerfälligen Koloss, den das Reich bildete und die Operationen, die
selbst im Falle eines Defensivkrieges nötig sein würden, und stellte
anheim, ob es einem so unbedeutenden Stück Land, wie die Insel
Gross-Britannien möglich sei, eine Zahl aufzubringen, die genügten, um
Operationen zu führen, die derartige Anforderungen stellen würden.
Die Debatte zog sich sehr in die Länge und wurde mit grosser Erbitterung
geführt. Auf Seiten der Whigs klagte der Duke of Cumberland --
»Braunschweiger zu sehen, die einst -- was ihnen zu grosser Ehre
gereichte -- zur Verteidigung der Freiheiten der Unterthanen Verwendung
fanden, und jetzt nach einem andern Teil des grossen Reiches gesandt
werden, um sie der konstitutionellen Freiheiten zu berauben.« Der Duke
of Manchester führte aus, dass _der_ Mensch für einen Söldling gehalten
werden müsste, der für Geld um einer Sache willen kämpft, an der er
keinen Anteil hat. Der Earl of Helburne gab die Notwendigkeit der
Verwendung fremder Truppen nicht zu und wurde hierin von Lord Carnden
unterstützt, der das hohe Haus fragte, ob nicht der ganze Vertrag eine
Zusammensetzung von Schande, Niederträchtigkeit und Betrügerei wäre, wie
sie noch nie dem Parlament zugemutet worden wäre. »Ist einer unter Ihnen
my lords,« fragte er, »der nicht vollkommen einsieht, dass das Ganze ein
rein gewinnsüchtiger Handel ist, bei dem von der einen Seite Truppen
gedungen, von der andern menschliches Blut verkauft wird; und dass die
geduldigen Opfer, zum Abschlachten verkauft, die grössten Söldlinge in
des Wortes schlimmster Bedeutung sind?«
Die Tory-Lords scheinen sich weniger an der Debatte beteiligt zu haben,
wahrscheinlich, weil sie es für unnötig hielten zu sprechen, da sie in
der Majorität waren. Die Vorlage wurde mit 100 gegen 32 Stimmen
abgelehnt.
Es scheint mir, als ob die Lords nicht ganz gerecht in ihrem Urteil über
die deutschen Soldaten gewesen wären. Die meisten dieser armen Teufel
fochten nicht um Geld, sondern weil sie es nicht ändern konnten. Die
Leute, die wirklich »Söldlinge in des Wortes schlimmster Bedeutung«
waren, waren der Landgraf, der Herzog und die Fürsten; aber man konnte
von den edlen Lords kaum erwarten, dass sie dies aussprechen würden.
Was die Haltung der britischen Regierung beim Anwerben der Truppen
anbetrifft, so ist klar, dass ihr kein anderer Weg übrig blieb, wenn der
Krieg energisch durchgeführt werden sollte. Infolge des Misskredits, in
dem reguläre Soldaten bei den Engländern standen, war die britische
Armee zu Friedenszeiten nicht so stark wie die Zahl, die jetzt im
Ausland aufgebracht werden sollten. Werbungen waren mit Schwierigkeiten
verbunden, man erhielt durch sie nur rohe Rekruten. Die Konscription ist
ein Ding der Unmöglichkeit in England. Wenn man Leute haben wollte,
musste Lord North sie in Deutschland suchen.
Die Regierung und das Reich aber bezahlten einen enormen Preis für die
Hilfstruppen. Die Antwort auf den Vertrag mit dem Landgrafen war die
Unabhängigkeits-Erklärung. Die Verwendung von fremden Soldtruppen durch
die britische Regierung wirkte zum grossen Teil mit, die Amerikaner zu
dem Entschluss kommen zu lassen, ihre Lehnspflicht gegen die englische
Krone abzuschütteln und Bündnisse mit deren früheren Feinden zu suchen.
Die Gefahr, auf die in dem Protest der Lords hingewiesen worden war,
wurde zur Wirklichkeit, und Männer von englischem Blut behaupteten, dass
Frankreich ein ebensolches Recht wie Hessen hätte, sich in ihre inneren
Streitigkeiten zu mischen.
Kapitel IV.
Die Soldaten.
Die Soldaten, welche die deutschen Fürsten an England vermieteten zur
Unterdrückung der amerikanischen Revolution wurden auf verschiedene
Weise zusammengebracht. In Hessen-Cassel war das Land in Distrikte
eingeteilt gewesen, von welchen jeder eine bestimmte Anzahl Rekruten für
ein bestimmtes Regiment zu stellen hatte. Die Offiziere waren indessen
angehalten worden, soviel Fremde wie möglich der Armee zuzuführen, um
die eigenen Distrikte zu schonen, deren Einwohner immer bei der Hand
sein würden, wenn man ihrer im Notfall bedürfte. Es stand in den
Armee-Vorschriften, dass diejenigen Regiments-Kommandeure oder
Hauptleute sich am besten empfehlen würden, wenn sie versuchten, fremde
Rekruten einzureihen. Die zwangsweise Rekruten-Aushebung war verboten,
doch diese Bestimmung sollte wahrscheinlich nur auf die Eingeborenen
Anwendung finden. Jedenfalls scheint es nicht die Thätigkeit der
Werbeoffiziere vermindert zu haben, und in den kleineren Staaten hat
wahrscheinlich ein solches Gesetz überhaupt nicht existiert. In Anspach
durfte Niemand ohne Erlaubnis das Land verlassen oder heiraten. Es muss
dabei erwähnt werden, dass in diesem Fall mit Land nicht Deutschland,
sondern die Territorien des Markgrafen gemeint waren, und dass die
Fremden, die der Landgraf angeworben haben wollte, die Unterthanen der
benachbarten kleinen Fürsten waren. Werbeoffiziere waren über ganz
Deutschland hin thätig. Lüderliche Kerle, Trunkenbolde, Vagabunden und
Leute, die politische Umtriebe machten, wurden, wenn sie nicht über 60
Jahre alt, gesund und gut gewachsen waren, zwangsweise eingestellt. Mit
dem Geschenk eines grossen, robusten Mannes empfahl sich ein Fürst dem
andern in der angenehmsten Weise; in jedem Regiment waren viele
Deserteure von anderen Staaten. Zusammen mit dieser gemischten
Gesellschaft diente der ehrliche deutsche Bauernbursche. Es muss noch
erwähnt werden, dass die Regimenter, die nach Amerika geschickt wurden,
aus einem bessern Material bestanden, wie die Regimenter zu gewöhnlicher
Zeit. --