Epilog

Ich habe meine Kindheit und Jugend in einer Welt verbracht, wo, wie ich

glaube, kein Mensch auch nur eine Ahnung vom ~rechten Erlebnis~ in

sich trug. In einer Welt von aktiven und passiven Narren habe ich die

unwiederbringlichsten Tage meiner Laufbahn verloren.

Unter falschen Gewichten stöhnend schuf die Seele falsche Gegengewichte.

Wenn ich an alles und an alle zurückdenke, erscheint vor meinem Auge

ein Zug grabentlaufener Gestalten, die so phosphoreszieren, daß es mir

unmöglich scheint, sie zu beschreiben. Und ich? Ich selbst bin mitten

darunter.

Ich habe sie, mich, uns alle geschildert, aber wir waren, heute weiß

ich es, alle so wenig ~wirklich~, so wenig ~wahr~, daß notwendig die

Beschreibung voll unwahrscheinlicher Dinge sein mußte.

Weg damit!

Denn ich sehne mich, von mir selbst zu sprechen!

Da wäre viel, sehr viel zu sagen! So zum Beispiel, wie ich meine letzte

Gefahr überwand, mein schwerstes Opfer brachte! Welche Gefahr wird

man fragen. Wenn mich auch nur wenige verstehen werden, habe ich zu

antworten:

Die Musik!

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Ich habe eins erkannt:

Alles ist ~sinnlos~, was der Welt nicht neues Blut, neues Leben,

neue Wirklichkeit zuführt. Einzig um die neue Wirklichkeit geht es.

Alles andere gehört dem Teufel an. Vor allem aber die Träume, diese

entsetzlichen Vampire, denen sich alle Schwächlinge und Memmen

hingeben, alle, die niemals aus dem Winkel der Kindheit kriechen

wollen. Und das wollen viele nicht, viele tausend Männer, ja Millionen

bleiben lieber in den dunklen Dunstecken ihrer Kinderzeit verkrochen.

Mir scheint, ihr da drüben, daß eure Welt der Uniformen, Höfe, Orden,

Kirchen, Flitterrepubliken, Industrien, Handelsbeflissenheiten,

Moden, Kunstausstellungen, Zeitungen und Meinungen, mir scheint,

daß diese Welt nichts anderes vorstellt, als einen großen modrigen,

verspinnwebten, dekorierten Winkel, in dem sich, mit Wahn und Träumen

Unzucht treibend, die große Kind-Angst der Menschheit verkriecht.

Rette sich wer kann!

Was aber führt der Welt Wirklichkeit zu? Wer kann das sagen?

Der Gedanke, der zuerst das Feuer herabgebracht hat ebenso, wie der

rauhe Lustschrei eines Wandernden in der Morgenröte! Der Blick, der zum

erstenmal den Sternenknäuel entwirrt hat, die Hand, die zum Urschiff

die Balken zusammenband ebenso, wie das langsame Auge einer säugenden

Mutter, der göttliche Schritt eines schönen Weibes und jegliche

Herzenstapferkeit.

Wer kann sagen, was ~Produktivität~ ist?

Aber was sie auch sein mag, sie ist nur das, was aus gerader

unmittelbarer Seele kommt.

Drum hütet euch vor den Träumen der Krummen, Zertretenen, Verdrehten,

Witzigen, Rachsüchtigen, wenn sie diese Träume als Schöpfertaten

feilbieten!

Seitdem ich Wirklichkeit erlebt habe, sehne ich mich nach einem

~Sohn~.

Doch nein!

Jetzt darf ich es ja verraten.

Ich habe das erstemal an ~meinen~ Sohn gedacht, ~meinen~ Sohn

in einer deutlichen Vision gesehen, als ich meinen Vater mit erhobener

Waffe im Kreis um den Billardtisch jagte.

Und das war die Tiefe des Mysteriums jener Nacht!

Wir haben die Erde verlassen. Sie hat sich gerächt, indem sie uns alle

Wirklichkeit nahm, tausend Wahne dafür und schlechte Träume gab.

Ich aber will mein Geschlecht wieder der Erde verschwistern, einer

endlosen ungebundenen Erde, damit sie uns entsühne von allen Morden,

Eitelkeiten, Sadismen, Verwesungen des dichten Zusammenwohnens.

Vor einigen Monaten habe ich geheiratet. Es geht uns leidlich gut und

noch besser.

Aber -- daß ich es nicht vergesse, in den nächsten Tagen hoffe ich

handelseinig zu werden.

Ich denke dabei an die kleine Farm im Westen, die ich kaufen will.

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Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig: Eine Novelle · 第 34 / 35 题