Der Mann spuckte bedächtig aus.
In mir dämmerte es.
Eine Ahnung!
Der Verkäufer fragte:
„Haben Sie denn die Zeitung nicht gelesen? Die Morgenpost von heute?“
„Nein!“
„So was!“
Der Mann sah mich mit ehrlicher Verachtung an. Das ist ein schlechter
Bürger, der keine Zeitungen buchstabiert.
Plötzlich entschloß er sich.
„Warten Sie!“
Er ging in die Bude, -- kam wieder.
„So, da ist die Morgenpost. Dieser Artikel da -- nein, der nicht --
hier dieser, rechts unten. Wie? Sie können das Blatt behalten. Ist
schon recht. Ich brauche es nicht mehr. Was? Wo die Bude ist? Ein paar
Schritte von hier, Herr! Dort, sehen Sie, wo die Leute stehen! Gleich
rechter Hand vom Ausgang!“
„Danke!“
Ich nahm die Zeitung und las im Weitergehen.
Ich setze das wörtliche Zitat des Artikels, den ich aufbewahrt habe,
hierher.
~Vater und Sohn~
~Die Bluttat eines verbrecherischen Sohnes~
Die Zeiten werden immer düsterer, Katastrophen lauern. Schwere
Gewitterwolken türmen sich am politischen Horizont. Das in
~Serajewo~ vergossene Fürstenblut unsühnbar ruft es nach Rache.
Europa, die ganze gesittete Welt, steht zum Sprunge bereit in
unheimlicher Spannung da.
Und die Schatten, unter deren Wucht die Menschheit erschauert, werfen
sich auch über das Schicksal des Einzelnen, das Schicksal der Familien.
Die Verbrechen häufen sich; alle menschlichen Beziehungen sind durch
den Wurm des gewinnsüchtig egoistischen Zynismus angefressen. Die Bande
der Familie sehen wir gelockert, Bruder erhebt die Hand gegen Bruder
-- und, wer vermöchte es ohne Entsetzen auszudenken, der geliebte,
der gehegte Sohn spaltet kaltblütig mit einem Beil des gütigen Vaters
Schädel.
Ja, wir sehen es ringsum und haben niemals in unserem Kampf gegen
Schundliteratur, unmäßigen Kinobesuch usw. unterlassen, den Finger
auf diese schwärende Wunde zu legen: Eine lasterhafte Jugend ist
herangewachsen, die alle Gesetze, alles, was der Väter Mühsal
geschaffen und erworben hat, mit Füßen tritt.
Libertinage, Arbeitsscheu, Vergnügungssucht, Snobismus, Kaltherzigkeit,
das scheinen die Haupteigenschaften dieser Jugend zu sein; man braucht
ja nur einen Blick auf die Erzeugnisse der Kunst und Literatur zu
werfen, wie sie von diesen jungen Leuten kreiert werden.
„+Épater le bourgeois+,“ das ist heute noch mehr Trumpf als sonst
und wird keineswegs mit jenem gutmütigen Humor getrieben, dessen wir
Älteren noch gern gedenken, wenn wir die Werke der Naturalisten von
damals betrachten, die ja auch nicht gerade sanfte Lämmer waren,
und mit ihren Allotrien, Anulkungen, Satiren, den Spießbürger recht
empfindlich gezaust haben. Dennoch zeichnete diese heute nicht mehr
junge Generation warmes soziales Mitempfinden, aufbauender Sinn,
Verständnis für Vaterland und Ordnung und bei allem Pessimismus
herzhafter Lebenshumor aus!
Hingegen die Jüngsten?
Ihre Produktivität ist der Haß gegen alles Bestehende, fast möchte man
sagen: ~Haß an sich!~
Wir können nicht umhin, angesichts der neuesten Erzeugnisse der
deutschen Literatur mit Altmeister Goethe auszurufen:
„+Doch dies ist einer von den Neusten,
Er wird sich grenzenlos erdreusten.+“
Ja, dieses Geschlecht hat wohl die Zerstörungswut eines Karl Moor, aber
nicht die hohe, heldische Einsicht, die ihm unser Dichterheros in den
Mund legt, daß nämlich zwei Kerle wie er imstande wären, den ganzen
sittlichen Bau der Welt zu zertrümmern.
In Anbetracht dieser jungen, zügellosen Menschen wandelt oft auch den
liberalen Mann die Sehnsucht an, ein eiserner Besen möchte all das
Faule und Morsche unerbittlich hinwegfegen.
Ja, eine Generation von Kinoläufern, Kaffeehaushockern, Barhelden
drängt nach vorwärts; ihr Ideal ist der Hochstapler großen Stils, der
sexuelle Psychopath, mit einem Wort, der Verbrecher.
Dieses Ideal, wie jedes, fordert seine Opfer.
In den höheren Klassen der Gesellschaft verfallen die Söhne dem
Spiel, dem Nichtstun, der Verschwendung, den sinnlichen Lastern und
schließlich den venerischen Krankheiten. In den Niederungen aber ist
der Sprung zum Mörder ein Katzensprung.
Und in der Tat!
Einer dieser hoffnungsvollen Jünglinge, die Phantasie von
Detektivromanen zerfetzt, geht hin und mordet seinen Vater.
Wer kennt nicht weit und breit den alten Kalender? Er war das, was man
eine stadtbekannte Figur nennt.
Seine Bude auf der Hetzinsel ist bei alt und jung beliebt. Wer von
unseren Mitbürgern hat nicht schon einmal mit den festen Bällen einer
der grotesken Figuren den Hut vom Kopf zu schleudern versucht? Diesen
Charakterpuppen, denen ein gewisser künstlerischer Wert keineswegs
abgesprochen werden kann, galt die Liebe Julius Kalenders. Er war fast
ein Puppenspieler im alten Sinne und demjenigen, der Verständnis für
markig deutsche Art hat, wird die kostbare Erzählung Theodor Storms von
Pole Poppenspäler einfallen.
~Julius Kalender~ war ein jovialer Mann von nahezu sechzig Jahren,
trug immer eine Soldatenmütze, die den früheren Wachtmeister erkennen
ließ, und war, wenn er behaglich vor seiner Bude stand, für seine
lustigen Scherze, seine schlagfertigen Bemerkungen berühmt, denen auch
die politische Würze nicht fehlte.
Den reinen Gegensatz zu diesem prächtigen Mann stellt der eigene Sohn
dar: ~August~ Kalender. War jener heiter, so ist dieser meist
mürrisch und verdrossen, besaß der Vater Gutmütigkeit, eine polternd
rechtliche Lebensart, der Sohn ist tückisch, verschlagen und weiß nicht
im geringsten Gut und Böse zu unterscheiden. War Julius darauf bedacht,
nicht nur sein Auskommen zu finden, sondern auch etwas in den Strumpf
zu tun, um dereinst seinem Einzigen eine Erbschaft hinterlassen zu
können, August vereitelte diese Absicht so gut er konnte, indem er
immer wieder die schwer erworbenen Groschen dem Vater herauslockte, der
in selten gutartiger Weise jedesmal für die Schulden des Sohnes aufkam.
Der einzige Vorwurf, den wir diesem armen Vater machen könnten, wäre:
„Warum hast du deinen Jungen nichts Ordentliches lernen lassen? Ist
eine Umgebung von Jahrmarktsbuden, Kasperltheatern, Panoptiken,
Gauklerunternehmungen der richtige Ort für einen heranwachsenden
Buben?“ Aber diesen Vorwurf hätte der lustige Julius gewiß nicht
verstanden, dazu war er selbst zuviel Zigeuner, trotz seiner
Seßhaftigkeit und des Bürgerrechts zuviel Kind des grünen Wagens.
Augusts Kindheit und Jugend muß gewiß so glücklich und frei gewesen
sein, wie sie sich der phantastischste Neid eines „Stadtkindes“ gar
nicht vorstellen kann.
Volks- und Bürgerschule machten ihm kein Kopfzerbrechen, denn sein
Vater war leider nicht der Mann, über ein schlechtes Zeugnis oder über
eine minder entsprechende Sittennote zu murren. Wenn andere Knaben
ganze Nachmittage lang und manche Nachtstunde dazu über ihre Aufgaben
gebeugt saßen, August durfte dem Vater in der Bude, wo’s immer lustig
zuging, mithelfen, genoß das Glück, ein Kind der Hetzinsel zu sein,
durfte ein Dasein führen, das für andere Jungen die höchste Romantik
einschloß.
Es ist erwiesen, die unglückselige Mutter hat es selbst beteuert,
daß der Alte seinem Sohn niemals Vorwürfe machte, sondern, wenn auch
seufzend, alles hergab, was August von ihm verlangte. So liebte er
diesen Sohn, der kein Kind mehr war, sondern ein erwachsener Mann von
fünfundzwanzig Jahren.
Aber nicht nur die Mutter, auch andere haben sich gefunden, die für die
~abgöttische~ Liebe des Vaters zu seinem Sohn Zeugnis legen.
Und dennoch! Vor vierundzwanzig Stunden, um fünf Uhr morgens, lockt
August, der Sohn, Vater Julius Kalender unter irgend einem Vorwand
aus der Bude, verwickelt ihn in ein Gespräch und ~erschlägt~ ihn
angesichts der grotesken Puppen mit dem Beil!!
Der Grund? Er ist vorläufig ein Rätsel, und es steht dahin, ob die
menschliche Justiz fähig sein wird, dieses Rätsel zu lösen.
Denn so oft auch der Sohn im Laufe der Jahre den Vater beraubt und
bestohlen hatte, diesmal nahm er ~nichts~, ~unberührt blieb die
wohlgefüllte Brieftasche~ des Budenbesitzers.
Es ist ganz gewiß, ein auch nur ~beabsichtigter~ Raubmord liegt
nicht vor.
August K. ist ein so abgefeimter Schurke, daß er nach vollbrachter Tat
sicherlich nicht aus Gram und Reue davon abgestanden wäre, das Geld des
Vaters in den wenigen Stunden, die ihm blieben zu verjuxen.
Zur Zeit des Mordes war kein Mensch im ganzen Vergnügungspark wach.
Der Mörder schleppte kaltblütig sein Opfer zu einem nahen, längst
verlassenen Bauplatz, wo viele Lagen von morschen Brettern und altem
Baumaterial aufgeschichtet sind. Der Sohn warf den ermordeten Vater
nach guter Berechnung in eine alte Kalkgrube, häufte Reisig, einen
Sack, Fetzen über ihn, trug einen Stapel langer Bretter herbei und
legte sie breit und hoch über die Kalkgrube, daß es den Anschein hatte,
sie wären hier seit je so gelegen.
Diese Arbeit spricht von der Riesenkraft und von der robusten
Verbrechernatur dieses Unmenschen. Es ist der reine Zufall, daß ein
Lumpensammler nach zehn Stunden Blutspuren auf den Brettern entdeckte
und die Polizei aufmerksam machte.
August hat damit gerechnet, daß das Verbrechen verborgen bleiben
würde, das zeigt seine ganze Handlungsweise. Und doch! Die unberührte
Brieftasche steckte in der Brusttasche des Toten.
Ein Raubmord?
Nein!
Ein Affektmord?
Nein! Die Mutter schwört, es hätte zwischen Vater und Sohn keinen
Streit gegeben, der Vater wäre so wie so immer nachgiebig gewesen, ja,
er habe vor August immer eine ~gewisse~ Angst gehabt.
Und was sagt der Mörder selbst aus?
Nichts! Er schweigt! Er zuckt die Achseln.
Wir stehen hier vor der Sphinx der menschlichen Psyche, vor dem
unergründlichen Geheimnis
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Ich konnte nicht weiter lesen. Mit vielen Spalten füllte dieser Artikel
die Seiten der Zeitung. Mir schwamm es vor den Augen.
Hier -- ich stand vor einem Ausgang des Vergnügungsparks. Ah! Rechter
Hand ein Häuflein Menschen in heftigem Gespräch! Ich ging auf die Bude
zu und -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
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Ich glaube, es ist bei allen Menschen so! Bei mir wenigstens setzen
sich alle Erkenntnisse, Intuitionen, Einfälle, Aufhellungen, kurz
alle geistigen Erlebnisse sofort in Körperzustände der heftigsten Art
um. Witz, Kalauer, Lustigmachen zieht mir wie jede andere häßliche
Empfindung das Innere abwärts vom Zwerchfell wie durch scharfe Säure
zusammen, Religion, Musik, Erkenntnis, alles Gute durchschüttert Herz
und Lungenpartie, erzeugt Weinkrämpfe...
Aber es ist noch etwas da.
Die Ärzte behaupten, der menschliche Körper schließe zwei Nervensysteme
ein, das vagische und das sympathetische, ich aber behaupte, mögen
mich die Mediziner auch auslachen, es gibt noch ein ~drittes
Nervensystem~ in uns (ich wenigstens erlebe seinen Bestand
täglich), ja, ein drittes unerforschtes Nervensystem, das ich in aller
Bescheidenheit den +nervus magicus+ nennen will.
Wir alle haben in unserer Jugend mit Vorliebe Geistergeschichten
verschlungen, und wenn sich in der Erzählung das Gespenst oder
irgend eine grausige Erscheinung zeigte, und es vom Helden hieß, daß
„kalte Schauer ihm über den Rücken liefen“, haben wir diese Schauer
mitempfunden.
„Kalte Schauer“, das ist eine gar nicht so schlechte Bezeichnung für
das Vibrieren des dritten Nervensystems. Allerdings „Rücken“ ist
ungenau. Die Klaviatur, auf denen diese Schauer spielen, der +nervus
magicus+, liegt außerhalb unserer materiellen Natur und hat in jener
unerforscht feinen Substanz seinen Ort, die uns umgibt, von uns und zu
uns zurückstrahlt, in jener Substanz, die einige den Perisprit, andere
Aura, Od nennen, und die tatsächlich ihre höchste Dichtigkeit im Rücken
unserer Person besitzt.
Schwingt dieses dritte Nervensystem, von der Hand der abgründigen
Mächte angerührt, so erwachen Erkenntnisse, Zustände, Kräfte in uns,
die, treten sie ins Dunkel zurück, keine Spuren hinterlassen, der
Sprache sich entziehen und des Gedächtnisses spotten.
Man wird mich verstehen.
Ich stand vor der Bude des ~Ermordeten~! Vor jener Bude, wo auch
ich vor vielen, vielen Jahren das Blut ~meines~ Vaters vergossen
hatte.
Damals, ehe ich in das schwere Nervenfieber verfiel, das meine
Knabenjahre so sehr zerrüttete, damals hatte sich ein gelbes,
hohläugiges Bubengesicht über mich gebeugt.
Wie aufmerksam, wie seltsam interessiert war dieses starrende Gesicht
gewesen, jenes letzte Bild, ehe mich der krankhafte Schlaf anfiel!
-- Und dieser Gleichaltrige!? Er schweigt vor dem Richter. Er weiß
den Grund nicht. Aber, hat er nicht das vollbracht, was er an jenem
fernen Tage von mir sehen mußte?! -- Ach, -- mir war vielleicht nur aus
angstzitternder Hand zu früh der Ball gefahren. Aber dennoch! Ich hatte
dem Knaben gelehrt, daß es andere Ziele gibt als die Hüte ohnmächtiger
Puppen.
Und Julius Kalender?
Deutlich stand er vor mir. Freundlich flatterte der rötlich ärarische
Backenbart +à la+ Franz Josef. Die dicke Uhrkette zeigte den Mann,
der das Leben von der bekömmlichen Seite nahm.
Das war kein Kanzleifuchs, kein Kaserntyrann, das war ein behaglicher
Stammtischgast, einer, der mit den Augen zwinkert, beim dritten Bier
schon der auflauschenden Runde seine Zötchen und Anekdötchen zum besten
gibt. Und doch, dieser gute, offensichtlich gutartige Mensch, weil er
Vater war, hat er daran glauben müssen.
Die Menschen vor der Bude (man konnte gar nicht hineinsehen) standen
vor Klugheit und Gespanntheit alle wie auf einem Bein.
Sie sprachen über den Mord, erregt, glücklich, daß endlich einmal was
vorgefallen war, daß es etwas gab, was wie ein heißer Grog auf Neugier
und Selbstbewußtsein wirkt.
Sie schrien und stießen Verwünschungen gegen August, den Mörder des
Vaters Julius, aus.
Hinter dem Ladentisch, wo sich noch immer in großen Körben und
Schalen die Pyramiden der Bälle bauten, stand eine ältere Frau mit
Umhängekragen, Kapotthütchen und schwarzen, gestrickten Halbhandschuhen.
In unverkennbar sächsischem Dialekt forderte sie die schwätzenden
Menschen auf:
„Nur immer ’ran die Herren! Einmal das Glück versuchen. Zehn Würfe fünf
Sechser.“
Aber was war das? Neben ihr tauchte plötzlich ein Bub auf, ein gelblich
schwacher Junge, mit ungeheuer tiefliegenden, umschatteten Augen, der
noch nicht dreizehn Jahre alt sein mochte.
August Kalender? Ich? Wer?
Der Knabe verschwand nach hinten.
Auch er wird lernen. Er, der immer Wiedergeborene, der ewig
Dreizehnjährige.
In diesem Augenblick, als hätten sie sich so lange verborgen gehalten,
um meinen Gedanken nicht zu stören, -- erblickte ich, -- erfaßte mich
der Irrsinnsrhythmus der Charakterpuppen.
O fürchterlicher Akkord auf dem +nervus magicus+!
Auf- und niederschwebend, grinsend, grüßend waren sie alle da:
Der Mandarin, der Neger, die Teerjacke, der Henker, der
Phantasieoffizier, höhnisch fuhren sie aus den Schulbänken ihres
mystischen Nachsitzens auf, versteckten sich wieder wie Leute, die
sich nicht greifen, verhaften lassen, gar nicht daran denken, ihre
Beute herzugeben, ihrer Unverletzlichkeit so gewiß sind, daß sie durch
freches Auf und Nieder der Häscher noch spotten.
Auf ihrer Drehscheibe aber wandelten schlotternd in zunderndem
Bratenrock und Trauerzylinder die Opiumraucher elegisch an der
imaginären Türe vorbei.
Wer seid ihr? Wer seid ihr alle in eurer ungerührten Bewegung? Seid
ihr unsere Neben-, Vor- und Nachmenschen, die Milliarden Unbekannten,
die uns auf der Straße und in den Sälen des Lebens begegnen? Seid ihr
die zerbrochenen Toten, die nach unbegreiflichem Gesetz den einmaligen
Gedanken ihrer Form weiter durch unsere Reihen bis in alle Ewigkeit
tragen müssen? Seid ihr die noch Ungeborenen all, Schatten, die eine
künftige Existenz in die Gegenwart vorauswirft?
Seid ihr die Mächte und Gewalten der Tiefe und Höhe, die Unsumme
gestaltloser Wesen, wesenloser Gestalten, doch wirkender Schicksale,
die sich zwischen die beiden einzig realen Pole der Welt drängen,
zwischen das Ich und das Du?
Seid ihr die Erzeuger der Bewegungen von Ursprung an, die Zeuger,
Zeiger und Zeugen aller Morde, Kriege, Aufopferungen, Heldentaten,
Werke, Verbrechen, Liebschaften, Spaziergänge, Feste, Hochzeiten,
Vergnügungsfahrten, Sterbensseufzer, Erdbeben und Gartenwindchen, die
großen Ruhe- und Unruhestifter, die geheimnisvollen Spindeln, von denen
die unsichtbaren Fäden sich abspulen, die alles Lebendige untereinander
verbinden? Wer seid ihr, wer seid ihr?
-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
Nichts unterbrach den Rhythmus jener Mächte. Nur die alte Sächsin
forderte mich auf, mein Glück zu versuchen.
Ich aber verließ die Hetzinsel und reiste noch am selben Abend weiter.
Von Hamburg schrieb ich folgenden Brief, -- und das waren gleichsam
meine letzten Worte an die alte Welt: