Aber ein Zauberer sein! Unsichtbar nachts, mit riesigen Rabenflügeln
über die Städte der Menschen fliegen, auf Bergen ruhen in der
Morgenröte, gefalteter Fittiche mit unterschlagenen Beinen auf Wiesen
von Thymian und Alpenrosen sitzen, ewig einatmen den heiligen Duft der
Cyklame. Dann aber sich wieder erheben, langsamen Fluges in Abgründe
und Schluchten starren, wo die fernen Schleierfälle des Gebirges
sausen! In der Gestalt des Nachtfalters, wenn der Mond scheint, durchs
offene Fenster in die Wohnstuben der Familien schwirren, um die Lampe
taumeln, wenn der kleine Kadett (es sind ja Ferien) seine Fleißarbeit
anfertigen muß, und sein Vater, der Hauptmann, den Zigarettendampf
durch die Nase stößt. Böses bringen den Bösen, Gutes bringen den Guten,
allen Kindern Gutes bringen....
Die Mittagssonne gitterte noch immer auf dem schmutzigen Spitalsboden.
Ich aber schwebte als Zauberer über meinem Bett -- und schlief ein,
schlief den ganzen Tag, schlief die ganze Nacht und noch länger.
Am nächsten Tag wurde ich, nach der ärztlichen Visite, dem
untersuchenden Auditor im Garnisonsgericht vorgeführt.
Aus seinen Fragen erkannte ich sogleich, daß er von dem Anschlag auf
das Leben des Zaren keine Ahnung hatte.
Mir selbst kam in keinem Augenblick der Gedanke:
„Hat Chaim phantasiert, ist die Zarenreise eine Erfindung gewesen?“
Während des Verhörs kristallisierten sich drei Anklagepunkte:
1. Umgang mit hochverräterischen und staatsgefährlichen aus- und
inländischen Individuen.