Einleitung von ~Dr.~ Carl Müller-Rastatt 5-- 10

+Max Eyth:+ Geld und Erfahrung 11--176

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Für die Abdruckserlaubnis dieser Erzählung schulden wir der Deutschen

Verlagsanstalt in Stuttgart Dank. Die Erzählung ist dem zweiten Bande

des Max Eythschen Werkes »Hinter Pflug und Schraubstock« entnommen.

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Ein Bild Max Eyths ist hinter Seite 4 eingeheftet.

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Ein ausführliches Verzeichnis der früher erschienenen Bände der

»Hausbücherei« sowie der »Volksbücher« befindet sich am Schluß des

Bandes.

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[Illustration: M. Eyth]

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Einleitung.

+Geld und Erfahrung!+ Man kennt das Geschichtchen von den beiden

Männern, die zusammen ein Geschäft begründeten. Der eine brachte das

nötige Geld dazu mit, der andere die Erfahrung. Als aber ein paar Jahre

ins Land gegangen waren und die beiden sich wieder trennten, da hatten

sie die Rollen getauscht: der das Geld mitgebracht hatte, der hatte

jetzt die Erfahrung; aber der andere hatte das Geld.

Das Geschichtchen ist eines von denen, die ewig neu bleiben und

die sich in der Welt immer wieder abspielen. Umsonst ist der Tod,

und Erfahrung gewinnt man nicht, ohne Lehrgeld dafür zu zahlen. Es

hilft nichts, daß man darüber klagt und jammert. Man wird am besten

damit fertig, wenn man gute Miene zum bösen Spiel macht und sich mit

fröhlichem Humor in sein Schicksal findet. Das haben wenige so gut

verstanden wie +Max Eyth+. Sein ganzes Jünglings- und Mannesalter ist

ein einziges Sammeln von Erfahrungen gewesen, und er hat sie alle

redlich bezahlen müssen. Aber statt sich darüber zu grämen, hat er aus

all seinen Erlebnissen lustige und unterhaltsame Geschichten gemacht,

von denen dieses Buch eine treffliche Probe gibt.

Es gibt Schriftsteller, die sich ihre Bücher zusammenfabeln, weil sie

uns recht absonderliche Dinge erzählen wollen, ohne Rücksicht darauf,

ob sie wahr sind oder nicht. Und es gibt andere, die sich ihre Bücher

zusammenträumen, während sie irgendwo in der schlichten Alltäglichkeit

sitzen und sich heimlich hinaussehnen in Abenteuer, in fremde Länder

und zu fremden Menschen. Max Eyth hat nicht gefabelt und nicht

geträumt: er hat erlebt. Und das, was er erlebt hat, hat er mit klarem

Auge und fröhlichem Wesen beobachtet und dann niedergeschrieben, andern

zur Belehrung und zur Freude.

+Max Eyth+ ist im Jahr 1836 im Pfarrhaus des Städtchens Kirchheim

unter Teck geboren worden. Die Kunst, mit der Feder umzugehen, war ihm

von seinen Eltern überkommen, die sich beide dichterisch betätigten.

Daneben hatte er schon in seinen Kinderjahren besonderes Interesse an

praktischen Dingen, an Maschinen. Und so entschied er sich dafür, das

Stuttgarter Polytechnikum zu besuchen, um Maschinenbauer zu werden.

Das war damals, wo die Maschinen erst ganz allmählich anfingen, die

Bedeutung zu gewinnen, die sie jetzt in der Welt haben, noch ein kühnes

Unterfangen. Aber Max Eyth hat Zeit seines Lebens frischen Wagemut

besessen und darauf vertraut, daß dem Kühnen das Glück lächelt und der

Erfolg hold ist. Mit diesem Wagemut begann er sein Studium: mit diesem

Wagemut beschloß er, als es glücklich beendet war, ins Ausland zu

ziehen und sich draußen den Wind um die Nase wehen zu lassen.

Der Anfang war nicht vielversprechend. Er zog rheinabwärts und klopfte

in all den großen Fabriken an, die sich links und rechts des schönen

Stroms aufgetan hatten. Aber auf seine Frage nach einer Anstellung fand

er von Mainz bis Antwerpen nur ein Achselzucken. Und es beweist seine

Energie, daß er nicht reumütig umkehrte, sondern über See nach England

ging, um dort sein Heil zu versuchen. Auch hier wiederholte sich

zunächst, was er auf seiner Rheinfahrt erlebt hatte: Monat für Monat

wurde er abgewiesen, wo er anklopfte. Endlich aber kam der Tag, an dem

sein Ausharren belohnt wurde: sein guter Stern führte ihn mit +John

Fowler+ zusammen, einem der größten englischen Maschinenfabrikanten,

der hauptsächlich Dampfpflüge baute.

Fowler berief Eyth in seine Fabrik. Ein Schraubstock, an dem er

arbeiten sollte, und dreißig Schilling Wochenlohn: viel war es

nicht, was dem jungen Ingenieur geboten wurde. Aber er griff rasch

entschlossen zu und hatte es nicht zu bereuen. Bald fand er an

den Dampfpflügen Gefallen und Fowler an ihm. Auf der Londoner

Weltausstellung hatte er schon als Vertreter der Firma die dort

arbeitenden Dampfpflüge zu leiten. Da er sich dabei ausgezeichnet

bewährte, entsandte man ihn im Anschluß daran nach Ägypten. Halim

Pascha, der Oheim des damaligen Vizekönigs des Pyramidenlandes,

einer der größten Grundbesitzer in der ungeheuren Nilebene, wollte

seine Güter besser ausnützen, als dies bei der bis dahin üblichen,

altväterlichen Weise des Ackerbaues möglich war. Er bestellte bei

Fowler ein paar Dampfpflüge und Eyth wurde ausersehen, sie ins Nildelta

zu bringen, dort aufzustellen und aus der eingeborenen Bevölkerung die

nötige Bedienungsmannschaft heranzubilden.

Es war keine Kleinigkeit, die hier gestellte Aufgabe in einem

halb zivilisierten Lande zu lösen. Aber Eyth fand sich in die

fremdländischen Verhältnisse so glücklich hinein und stand so wacker

seinen Mann, daß Halim Pascha ihm den Antrag machte, als Oberingenieur

ganz in seine Dienste zu treten. Eyth ging darauf ein und blieb vier

Jahre in Ägypten.

Dann trat er wieder in die Dienste der Fowlerschen Fabrik, aber

nicht, um in England hinter Zeichentisch und Schraubstock zu sitzen,

sondern um das in Ägypten begonnene Wanderleben weiter fortzusetzen.

Zunächst sandte man ihn in die Vereinigten Staaten von Nordamerika,

um hier den Dampfpflug einzuführen. Es war bald nach der Beendigung

des Sezessionskrieges und der Niederwerfung der Südstaaten, als er

den Boden der Neuen Welt betrat. Wie es ihm dort erging, das hat er

in »Geld und Erfahrung« ebenso anschaulich wie humorvoll geschildert.

Der Kontrast zwischen Nord- und Südstaatlern, das übertriebene

Selbstgefühl des Nordamerikaners, sein Drang, Geld zu »machen« um

jeden Preis, kurz, das ganze, seltsam zusammengesetzte Wesen tritt

uns in der Geschichte lebenswahr entgegen. Und Eyth verhehlt dabei

nicht, wie er, der so stolz war, in Ägypten sich durchgesetzt zu haben,

dieser amerikanischen Art zunächst ziemlich hilflos gegenübersteht,

wie er erst allmählich sie begreift und festen Boden unter die Füße

bekommt. Schließlich gelang es ihm auch hier, seinem Auftrag gerecht

zu werden. Aber schon harrten seiner neue Aufgaben in der alten Welt.

In Deutschland, Österreich, Belgien hatte er zunächst tätig zu sein.

Dann ging er mit seinen Pflügen ins Innere des heiligen Rußland, das er

verließ, um Fowlers Maschinen in Rumänien einzubürgern. Von Rumänien

zog er nach Italien, und weiter übers Mittelmeer in die heißen Gefilde

Algiers. Dann beorderte man ihn in die Türkei, die er nur verließ, um

nach Westindien zu fahren. Als seine Aufgabe da erfüllt war, schickte

Fowler ihn nach Peru und von dort wieder nordwärts nach Kalifornien.

Wahrlich, ein buntes, wechselvolles Wanderleben. Und er lebte es nicht

in gemütlichem Behagen als Vergnügungsreisender: wohin er ging, folgte

ihm als treue Reisegefährtin die Arbeit.

Aber nach zwanzig Jahren solcher Tätigkeit war seine Wanderlust

befriedigt. Er gab seine Stellung bei Fowler auf und kehrte nach

Deutschland zurück. Freilich war er nicht der Mann dazu, sich hier

ruhig auf die Bärenhaut zu legen: Erstens gründete er die große

Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, deren Leitung ihm bis 1896

oblag. Und dann ging er jetzt daran, was er erlebt und erfahren

hatte, schriftstellerisch festzuhalten und andern mitzuteilen. Damit

beschäftigte er sich, bis ihn am 25. August 1906 der Tod abberief.

Eyths Erzählungen dürfen also nicht als freie Erfindungen

angesehen werden. Er hat in ihnen nur Bruchstücke seines eigenen,

abwechslungsreichen Lebens aufgefangen und dargestellt. Er hat

sich aber nicht damit begnügt, die Wirklichkeit so peinlich treu

wiederzugeben, wie etwa ein Photograph es tun würde, sondern er

hat jedes Stück in einheitlichen Fluß gebracht und geschickt

abgerundet, wie ein Maler die darzustellende Landschaft abrundet. Und

er hat seine Erlebnisse nicht rein sachlich, trocken und nüchtern

heruntererzählt, sondern er hat die Erzählung mit seinem köstlichen,

herzerquickenden Humor gewürzt. Er sieht all die kleinen Schwächen und

Absonderlichkeiten der Menschen, mit denen er zu tun hat. Aber sie

machen ihn nicht zum Griesgram und nicht zum bissigen Spötter. Er freut

sich an ihnen und möchte die Menschen gar nicht ohne sie sehen. Er

lacht über sie ein gesundes, herzhaftes Lachen und weiß uns dies Lachen

durch seine Darstellung mitzuteilen. Seine Bücher sind voll gesunder

Lebenskraft und Lebensfreude. Das macht sie dem Leser lieb und wert,

und das ist der Grund, daß sie eine so große Verbreitung gefunden haben.

+Hamburg.+

+~Dr.~ Carl Müller-Rastatt.+

Geld und Erfahrung · 第 11 / 27 题