Andresen und Sivert gingen wieder hinaus und warteten auf ihn. Sie

hörten den herrlichsten Wortwechsel aus dem Kaufladen herausdringen und

ab und zu auch Fredriks Gelächter. Dann machte Aronsen seine Ladentür

auf und wies den Gast hinaus. Oh, aber Fredrik kam nicht, nein, er ließ

sich Zeit und redete in einem fort; das letzte, was sie hörten, war,

daß er den Versuch machte, die Schaukelpferde an Aronsen zu verhandeln.

Dann zog die Karawane heimwärts, drei junge Männer voll Jugendlust

und Gesundheit. Sie sangen, während sie dahinschritten, schliefen

eine Weile im Gebirge und wanderten dann weiter. Als sie am Montag

in Sellanraa ankamen, hatte Isak mit dem Säen begonnen. Es war das

richtige Wetter dazu: feuchte Luft, dann und wann drang die Sonne

durch, und ein ungeheurer Regenbogen spannte sich über den Himmel hin.

Die Karawane löste sich auf: Leb wohl, leb wohl! ...

Dort schreitet Isak übers Feld und sät, er ist ein Mühlengeist von

Gestalt, ein Klotz. Er trägt hausgewebte Kleider, die Wolle stammt von

seinen eigenen Schafen, die Stiefel stammen von seinen eigenen Kälbern

und Kühen. Er geht nach frommer Sitte barhaupt, während er sät; auf dem

Wirbel ist er kahl, sonst aber überaus haarig, ein ganzer Kranz von

Haar und Bart steht um seinen Kopf. Das ist Isak der Markgraf.

Er wußte selten das genaue Datum, wozu hätte er es wissen sollen? Er

hatte keine Papiere einzulösen. Die Kreuze im Kalender zeigten an,

wann jede Kuh kalben sollte. Aber er wußte, daß bis zum Sankt-Olafstag

im Herbst alles Heu hereingebracht sein mußte, und er wußte, wann im

Frühjahr der Viehmarkt war und daß drei Wochen danach der Bär aus

seiner Höhle ging. Da mußte die Saat in der Erde sein. Das Notwendige

wußte er.

Er ist Ödlandbauer bis in die Knochen und Landwirt vom Scheitel bis

zur Sohle. Ein Wiedererstandener aus der Vorzeit, der in die Zukunft

hinausdeutet, ein Mann aus der Zeit des Ackerbaus, ein Landnamsmann,

neunhundert Jahre alt und doch auch wieder der Mann des Tages.

Nein, er hatte nichts mehr übrig von dem Geld für den Kupferberg, das

war in alle Winde verflogen. Und wer hatte jetzt noch etwas davon, da

der Berg wieder verlassen war? Aber die Allmende liegt da und trägt

zehn Neusiedlungen und wartet auf weitere Hunderte.

Wächst und gedeiht hier nichts? Hier wächst und gedeiht alles, Menschen

und Tiere und die Früchte des Feldes. Isak sät. Die Abendsonne

bescheint das Korn, er streut es im Bogen aus seiner Hand, und wie ein

Goldregen sinkt es auf die Erde. Da kommt Sivert und eggt, nachher

walzt er, dann eggt er wieder. Der Wald und die Berge stehen da und

schauen zu, alles ist Macht und Hoheit, hier ist ein Zusammenhang und

ein Ziel.

Klingeling! sagen die Kuhglocken auf den Halden, sie kommen näher

und näher, das Vieh zieht seinem Stalle zu. Es sind fünfzehn Kühe

und fünfundvierzig Stück Kleinvieh, im ganzen sechzig Stück Vieh. Da

gehen die Frauen mit ihren Melkkübeln dem Sommerstall zu, sie tragen

sie am Joch über den Schultern, es ist Leopoldine, Jensine und die

kleine Rebekka. Alle drei gehen barfuß. Die Markgräfin, Inger selbst,

ist nicht mit dabei, sie ist im Haus, sie kocht das Abendessen; hoch

und stattlich schreitet sie durch ihr Haus, eine Vestalin, die das

Feuer in einem Kochherd unterhält. Nun, Inger ist auf das weite Meer

hinausgesegelt, sie ist in der Stadt gewesen, jetzt ist sie wieder

daheim. Die Welt ist weit, es wimmelt auf ihr von Punkten, Inger hat

mitgewimmelt. Sie war beinahe ein Nichts unter den Menschen, nur ein

einzelner unter ihnen.

Und nun wird es Abend.

[Illustration]

Dieses Werk ist eine Veröffentlichung der

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Wien Berlin SW 68 New York

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Druck von

A. Seydel & Cie. Aktiengesellschaft,

Berlin ~SW~ 61

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| Anmerkungen zur Transkription |

| |

| Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen |

| gebräuchlich waren, wie: |

| |

| anderen -- andern |

| daheimbleiben -- daheim bleiben |

| Felsenspalte -- Felsspalte |

| Kindesleiche -- Kindsleiche |

| Lensmannes -- Lensmanns |

| Mühlengeist -- Mühlgeist |

| sollest -- sollst |

| unserem -- unserm |

| |

| Interpunktion wurde ohne Erwähnung korrigiert. |

| Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen: |

| |

| S. 29 »halbangekleidet« in »halb angekleidet« geändert. |

| S. 48 »wie wie du selbst« in »wie du selbst« geändert. |

| S. 152 »Aband« in »Abend« geändert. |

| S. 168 »Gebirgsee« in »Gebirgssee« geändert. |

| S. 170 »bei sei« in »bei sich« geändert. |

| S. 197 »Handwerkzeug« in »Handwerkszeug« geändert. |

| S. 205 »Gofolgschaft« in »Gefolgschaft« geändert. |

| S. 236 »mit mit Eleseus« in »mit Eleseus« geändert. |

| S. 281 »bemerkstelligen« in »bewerkstelligen« geändert. |

| S. 338 »Inge« in »Inger« geändert. |

| S. 339 »Tausendsasa« in »Tausendsassa« geändert. |

| S. 366 »Jetzt aben« in »Jetzt aber« geändert. |

| S. 407 »Tröpfen Kaffee« in »Tröpfchen Kaffee« geändert. |

| S. 418 »keinen Öre« in »keine Öre« geändert. |

| S. 439 »Aronson« in »Aronsen« geändert. |

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Segen der Erde: Roman · 第 32 / 32 段