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Knut Hamsun / Segen der Erde
¯Knut Hamsun¯
Segen
der
Erde
¯Roman¯
[Illustration]
¯Deutsche Buch-Gemeinschaft¯
~G. m. b. H.~
Berlin
Berechtigte Übersetzung von
_Pauline Klaiber-Gottschau_
Revidiert von
_J. Sandmeier_
Copyright 1918 by Albert Langen, Munich
Printed in Germany
Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung,
Dramatisierung, Verfilmung und Radiosendung, vorbehalten
_Knut Hamsun_ _Albert Langen_
Erster Teil
1
Der lange, lange Pfad über das Moor in den Wald hinein -- wer hat ihn
ausgetreten? Der Mann, der Mensch, der erste, der hier war. Für ihn war
noch kein Pfad vorhanden. Später folgte dann das eine oder andere Tier
der schwachen Spur über Sümpfe und Moore und machte sie deutlicher, und
wieder später schnupperte allmählich der oder jener Lappe den Pfad auf
und benützte ihn, wenn er von Berg zu Berg wanderte, um nach seinen
Renntieren zu sehen. So entstand der Weg durch die weite Allmende, die
niemand gehörte, durch das herrenlose Land.
Der Mann kommt in nördlicher Richtung gegangen. Er trägt einen Sack,
den Sack, der Mundvorrat und einiges Handwerkszeug enthält. Der Mann
ist stark und derb, er hat einen rostigen Bart und kleine Narben im
Gesicht und an den Händen -- diese Wundenzeichen, hat er sie sich bei
der Arbeit oder im Kampf geholt? Er kommt vielleicht aus dem Gefängnis
und will sich verbergen, vielleicht ist er ein Philosoph und sucht
Frieden, jedenfalls aber kommt er dahergewandert, ein Mensch mitten
in dieser ungeheuren Einsamkeit. Er geht und geht, still ist es
ringsum, kein Vogel, kein Tier ist zu hören, bisweilen redet er ein
paar Worte mit sich selbst. Ach ja, Herrgott im Himmel! sagt er. Wenn
er auf seiner Wanderung an Moore und wirtliche Stellen oder offene
freie Plätze im Walde kommt, legt er seinen Sack ab, geht umher und
untersucht die Bodenverhältnisse; nach einer Weile kehrt er zurück,
nimmt seinen Sack wieder auf den Rücken und wandert weiter. Dies währt
den ganzen Tag, er sieht an der Sonne, welche Zeit es ist, es wird
Nacht, und er wirft sich ins Heidekraut und schläft auf seinem Arm.
Nach einigen Stunden geht er wieder weiter. Ach ja, Herrgott im Himmel!
geht wieder geradeaus nach Norden, sieht an der Sonne die Tageszeit,
hält Mittagsrast mit einem Stück Hartbrot und Ziegenkäse, trinkt
Wasser aus einem Bach dazu und setzt seinen Weg fort. Auch diesen
ganzen Tag wandert er ununterbrochen weiter, denn er muß sehr viele
wirtliche Plätze im Walde untersuchen. Was sucht er? Land, Erde? Er ist
vielleicht ein Auswanderer aus den Dörfern, denn er schaut sich scharf
und spähend um, manchmal ersteigt er auch einen Hügel und späht von da
umher. Jetzt ist die Sonne wieder am Untergehen.
Er befindet sich jetzt auf der Westseite eines langgestreckten Tales
mit gemischtem Wald, hier ist auch Laubwald, und Weideflächen mischen
sich darein, stundenlang geht es so fort; es dämmert, aber der Mann
hört das leise Rauschen eines Flusses, und dieses leichte Rauschen ist
wie etwas Lebendiges und muntert ihn auf. Als er die Höhe erreicht,
sieht er das Tal im Halbdunkel vor sich liegen und weit draußen nach
Süden den Himmel darüber. Nun legt er sich schlafen.
Am Morgen sieht er eine Landschaft mit Wald und Weideland vor sich
ausgebreitet. Er steigt hinunter: da ist ein grüner Berghang, weit
unten erblickt er ein Stück des Flusses und einen Hasen, der in
einem Sprung darüber hinwegsetzt. Der Mann nickt, als sei es ihm
gerade recht, daß der Fluß nicht breiter ist als ein Hasensprung. Ein
brütendes Schneehuhn flattert plötzlich zu seinen Füßen auf und zischt
ihn wild an, und wieder nickt der Mann: hier sind Tiere und Vögel, das
ist abermals gerade recht! Seine Füße waten durch Blaubeerenbüsche
und Preiselbeerkraut, durch siebengezackte Waldsterne und niedere
Farnkräuter; wenn er da und dort anhält und mit einem Eisen in der
Erde gräbt, findet er hier Walderde und dort mit Laub und verrotteten
Zweigen seit Tausenden von Jahren gedüngten Moorboden. Der Mann nickt,
hier will er sich niederlassen, ja, hier sich niederlassen, das will
er. Noch zwei weitere Tage streift er in der Gegend umher, kehrt aber
am Abend immer wieder zu dieser Halde zurück. Des Nachts schläft er
auf seinem Lager aus Tannenzweigen, er ist ganz daheim hier, er hat ja
schon ein Lager unter einem Felsvorsprung.
Das schlimmste war gewesen, den Ort zu finden, einen Ort, der niemand
gehörte, der sein war; jetzt kamen die Tage der Arbeit. Er fing sofort
an, in den etwas weiter entfernten Wäldern Rinde von den Birken zu
schälen, jetzt, während der Saft noch in den Bäumen war. Dann legte
er die Rinden fest zusammen, beschwerte sie mit Steinen und ließ sie
trocknen. Wenn er eine große Last beisammen hatte, trug er sie die
vielen Meilen zurück ins Dorf und verkaufte sie als Baumaterial. Und
auf seine Halde dort droben brachte er neue Säcke mit Lebensmitteln und
Werkzeug heim: Mehl, Speck, einen Kochtopf, einen Spaten; unverdrossen
wanderte er den Pfad hin und her und schleppte sich ab. Ein geborener
Lastträger, ein Prahm, der durch die Wälder ging, oh, es war, als liebe
er diesen seinen Beruf, viel zu geben und viel zu tragen, als dünke
ihn, ohne Last auf dem Rücken zu gehen, ein faules Dasein, das für ihn
nicht passe.
Eines Tages kam er dahergewandert mit seiner schweren Last auf dem
Rücken und außerdem mit zwei Ziegen und einem jungen Bock an der Leine.
Er war so beglückt über die Ziegen, gerade als seien es Kühe, und er
war gut gegen sie. Der erste fremde Mensch kam vorüber, ein wandernder
Lappe. Dieser sah die Ziegen und erriet, daß er auf einen Mann traf,
der sich da niedergelassen hatte, und sagte:
Willst du hier dauernd wohnen? -- Ja, antwortete der Mann. -- Wie heißt
du? -- Isak. Weißt du keine Magd für mich? -- Nein, aber ich will
darüber reden, dort, wo ich vorüberkomme. -- Ja, tu das! Sage, daß ich
Haustiere habe, aber niemand, der sie besorgt.
Isak also, ja, auch das wollte der Lappe ausrichten. Der Mann auf der
Halde war kein Flüchtling, er sagte seinen Namen. Er ein Flüchtling?
Dann hätte man ihn aufgespürt. Er war nur ein unverdrossener Arbeiter,
er sammelte Winterfutter für seine Ziegen, fing an Boden urbar zu
machen, einen Acker zu roden, Steine wegzuschaffen, Steinwälle
aufzurichten. Im Herbst hatte er eine Wohnung fertig, eine Erdhütte,
eine Gamme, die war dicht und warm, sie krachte nicht in den Fugen beim
Sturm, und sie konnte nicht abbrennen. Er konnte in diese Heimstätte
hineingehen, die Türe hinter sich zumachen und da drinnen bleiben,
oder er konnte vor der Türöffnung stehen und sich als den Herrn seines
Hauses zeigen, wenn jemand vorbeikäme. Die Gamme war in zwei Teile
geteilt, in dem einen wohnte er selbst, im andern seine Tiere. Ganz
innen unter dem Felsen hatte er seinen Heuboden errichtet. Alles war da.
Wieder kommen ein paar Lappen vorüber, Vater und Sohn. Sie bleiben
stehen, stützen sich mit beiden Händen auf ihre langen Stöcke,
betrachten die Hütte und das urbar gemachte Land und hören die
Ziegenglocken oben am Hang.
Ja, guten Tag, sagen sie, hier sind ja große Leute hergekommen. Die
Lappen schmeicheln immer.
Ihr wißt wohl keine Magd für mich? versetzt Isak, denn er hat nur das
eine im Kopf.
Eine Magd zur Hilfe? Nein. Aber wir wollen es weitersagen. -- Ja, wenn
ihr so gut sein wollt. Und daß ich ein Haus und Ackerland und Vieh
habe, aber keine Magd zur Hilfe, das sollt ihr sagen.
Ach, sooft er mit seinen Birkenrinden drunten im Dorfe war, hatte
er nach dieser Magd zur Hilfe ausgeschaut, aber keine gefunden. Sie
hatten ihn betrachtet, eine Witwe, ein paar ältere Mädchen, es aber
nicht gewagt, ihm Hilfe zu versprechen; woher das kommen mochte, das
begriff Isak nicht. Begriff er es wirklich nicht? Wer wollte bei einem
Manne dienen, draußen im Ödland, meilenweit von den Menschen, ja eine
Tagereise von der nächsten menschlichen Behausung entfernt! Und der
Mann selbst war nicht die Spur lieb und hübsch, im Gegenteil, wenn er
sprach, war er kein Tenor mit gen Himmel gerichteten Augen, sondern
hatte eine etwas tierische und grobe Stimme.
Dann mußte er eben allein bleiben.
Im Winter machte er große Holztröge, verkaufte diese im Dorfe und kam
mit Säcken voll Lebensmitteln und Werkzeug durch den Schnee zurück. Das
waren harte Tage, ja er hatte eine schwere Last. Er hatte ja Haustiere,
und die konnte er nicht längere Zeit verlassen. Wie hielt er es da?
Die Not macht erfinderisch, sein Gehirn war stark und unverbraucht,
und er übte es immer mehr. Das erste, was er tat, wenn er fortging,
war, die Ziegen loszulassen, so daß sie an den Zweigen im Walde ihren
Hunger stillen konnten. Aber er wußte auch noch einen anderen Ausweg.
Er hängte am Fluß ein großes Holzgefäß auf und ließ ein kleines Rinnsal
hineinlaufen; es dauerte vierzehn Stunden, bis dies Gefäß voll war.
Wenn das Gefäß bis zum Überlaufen voll war, dann hatte es gerade das
rechte Gewicht, daß es heruntersank, aber indem es sank, zog es an
einer Leine, die mit dem Heuboden in Verbindung stand, eine Luke
öffnete sich, drei abgemessene Geißenmahlzeiten fielen herunter, und
die Tiere hatten ihre Nahrung.
Auf diese Weise machte er es.
Eine geistreiche Erfindung, ja vielleicht eine Eingebung von Gott,
dem Manne war geholfen. Es ging gut bis in den Spätherbst, dann kam
Schnee, dann Regen, dann wieder Schnee, dauernd Schnee; da wirkte die
Einrichtung mit der Heuversorgung verkehrt, das Gefäß füllte sich mit
Regenwasser und öffnete die Luke vor der Zeit. Der Mann deckte das
Gefäß zu, dann ging es wieder eine Weile gut, aber als der Winter
einsetzte, fror das Rinnsal ein, und die Einrichtung versagte gänzlich.
Da mußten die Ziegen und auch der Mann selbst entbehren lernen.
Das waren harte Tage, der Mann mußte Hilfe haben, hatte jedoch keine.
Er wurde aber deshalb doch nicht ratlos. Er schaffte an seinem
Heim weiter, machte ein Fenster in die Hütte, ein Fenster mit zwei
Glasscheiben. Das war ein merkwürdiger und heller Tag in seinem Leben,
als er nicht auf dem Herd Feuer anzünden mußte, um sehen zu können,
nun konnte er drinnen sitzenbleiben und bei Tageslicht Tröge aus Holz
anfertigen. Es wurde besser für ihn und lichter. Ach ja, Herrgott im
Himmel! Er las nie in einem Buche, seine Gedanken beschäftigten sich
aber oft mit Gott, er konnte nicht anders, Vertrauen und Ehrfurcht
wohnten in seiner Seele. Der Sternenhimmel, das Rauschen des Waldes,
die Einsamkeit, die Schneemassen, die Gewalten auf der Erde und über
der Erde stimmten ihn oftmals am Tage nachdenklich und andächtig; er
fühlte sich sündig und war gottesfürchtig, des Sonntags wusch er sich
zur Ehre des Feiertages, arbeitete aber sonst wie alle Tage.
Der Frühling kam heran, er bebaute seinen kleinen Acker und steckte
Kartoffeln. Er hatte jetzt einen größeren Viehbestand, jede Ziege
hatte Zwillinge gebracht, es waren jetzt sieben Geißen, groß und klein
zusammengerechnet. Mit der Zukunft vor Augen erweiterte er seinen Stall
und setzte auch da ein paar Fensterscheiben ein. Es wurde heller und
tagte in jeder Weise.
Eines Tages kam die Hilfe. Droben auf der Halde wanderte sie lange hin
und her, ehe sie sich hervorwagte. Es wurde Abend, bis sie herankam,
aber dann kam sie -- ein großes, braunäugiges Mädchen; sie war so üppig
und derb, mit festen guten Händen, mit Lappenschuhen an den Füßen,
obgleich sie keine Lappin war, und mit einem Kalbfellsack auf dem
Rücken. Sie war wohl schon etwas bei Jahren, höflich gesprochen, nahe
an den Dreißigern.
Warum sollte sie sich denn fürchten? Sie grüßte, fügte jedoch rasch
hinzu: Ich muß nur über die Berge, darum bin ich diesen Weg gegangen.
-- So, sagte der Mann. Er verstand sie nicht ganz, sie redete
undeutlich und wendete überdies das Gesicht weg. -- Ja, sagte sie. Und
es ist ein sehr weiter Weg. -- Ja, antwortete er. Willst du über das
Gebirge? -- Ja. -- Was willst du dort? -- Ich habe meine Leute dort. --
So, hast du deine Leute dort? Wie heißt du? -- Inger, und wie heißt du?
-- Isak. -- So, Isak. Wohnst du hier? -- Ja, ich wohne hier und habe es
so, wie du hier siehst. -- Das ist wohl nicht übel, sagte sie lobend.
Isak war im Denken ein ganzer Mann geworden, und nun kam ihm der
Gedanke, daß sie wohl im Auftrag von jemand gekommen sei und nicht
weiter wolle. Sie hatte vielleicht gehört, daß ihm weibliche Hilfe
fehle.
Komm herein und ruh dich aus! sagte er.
Sie traten in die Hütte, aßen von ihrem Mundvorrat und tranken von
seiner Geißenmilch; dann kochten sie Kaffee, den sie in einer Blase bei
sich hatte. Sie hatten es sehr behaglich beim Kaffee, ehe sie schlafen
gingen. Nachts lag er da und war gierig nach ihr und bekam sie.
Am Morgen ging sie nicht wieder weg und den Tag über auch nicht; sie
machte sich nützlich, melkte die Ziegen und scheuerte die Holzgefäße
mit feinem Sand und machte sie sauber. Sie ging nie wieder fort. Inger
hieß sie, Isak hieß er.
Nun begann ein anderes Leben für den einsamen Mann. Das einzige war,
daß seine Frau undeutlich redete und wegen einer Hasenscharte immer das
Gesicht wegwendete, aber das war nichts, um sich darüber zu beklagen.
Ohne diesen verunstalteten Mund wäre sie wohl nie zu ihm gekommen, die
Hasenscharte war sein Glück. Und er selbst, war er ohne Fehl? Isak mit
dem rostigen Vollbart und dem zu untersetzten Körper, er war wie ein
greulicher Mühlgeist, ja wie durch eine verzerrende Fensterscheibe
gesehen. Und wer sonst ging mit einem solchen Ausdruck im Gesicht
umher? Es war, als könne er jeden Augenblick eine Art von Barrabas
loslassen. Es bedeutete schon viel, daß Inger nicht davonlief.
Sie lief nicht davon. Wenn er fort war und wieder heimkam, war Inger
bei der Hütte, die beiden waren eins, die Hütte und sie.
Er hatte nun einen Menschen mehr zu versorgen, aber es lohnte sich, er
konnte länger fort sein, er konnte sich rühren. Da war der Fluß, ein
freundlicher Fluß, der neben seinem freundlichen Aussehen auch tief und
raschen Laufes war; es war durchaus kein geringer Fluß, er mußte aus
einem großen See droben im Gebirge kommen. Nun verschaffte Isak sich
Fischgeräte und suchte diesen See auf; wenn er dann am Abend heimkam,
brachte er eine ordentliche Anzahl Forellen und Alpensalme mit. Inger
empfing ihn mit großer Verwunderung, sie war ganz überwältigt, schlug
die Hände zusammen und rief: Um alles in der Welt! Sie merkte wohl,
wie erfreut und stolz er über ihr Lob war, und da sagte sie noch mehr
freundliche Worte: daß sie so etwas noch nie gesehen habe und gar nicht
verstehe, wie er das zuwege bringen konnte.
Auch auf andere Weise war Inger ein Segen für ihn. Obgleich sie nicht
gerade ein schönes Gesicht und Verstand im Kopfe hatte, so hatte sie
doch bei einem ihrer Leute zwei Schafe mit ihren Lämmern stehen,
und die holte sie. Das war das Notwendigste, was jetzt in die Gamme
gebracht werden konnte, Schafe mit Wolle und Lämmern, vier lebende
Tiere, der Viehstand vermehrte sich im großen Stil, wunderbar war
es, wie er zunahm. Inger holte außerdem noch ihre Kleider und andere
Sachen, die ihr gehörten, einen Spiegel, eine Schnur mit einigen
hübschen Glasperlen daran, Kardätschen und ein Spinnrad. Sieh, wenn
sie so weiter machte, war bald alles voll vom Boden bis zur Decke, und
die Gamme hatte nicht Raum für alles! Isak war natürlich sehr bewegt
beim Anblick dieser irdischen Reichtümer; aber da er von Natur wortkarg
war, fiel es ihm schwer, sich darüber auszusprechen, er ging hinaus
vors Haus, sah nach dem Wetter und kam wieder herein. Ja, gewiß hatte
er großes Glück gehabt, und er fühlte immer mehr einen heißen Drang in
sich aufsteigen, Zuneigung oder Liebe, oder was es nun genannt werden
konnte.
Du brauchst nicht so viel mitzubringen, sagte er. -- Ich habe sogar
anderswo noch mehr. Und dann habe ich den Oheim Sivert, den Bruder
meiner Mutter, hast du von ihm gehört? -- Nein. -- Das ist ein reicher
Mann, er ist Bezirkskassierer der Gemeinde.
Die Liebe macht den Klugen dumm; Isak wollte sich auf seine Weise
angenehm zeigen, und da tat er zuviel.
Was ich sagen wollte, begann er; du sollst die Kartoffeln nicht hacken.
Ich werde sie hacken, wenn ich heute abend heimkomme.
Damit nahm er die Axt und ging in den Wald. Sie hörte ihn im Walde
Bäume fällen, es war nicht weit weg, und sie hörte am Krachen, daß er
große Stämme fällte. Nachdem sie eine Weile zugehört hatte, ging sie
hinaus und hackte die Kartoffeln. Die Liebe macht den Dummen klug.
Am Abend kam er mit einem großen Balken an, den er an einem Seil hinter
sich herschleppte. Ach, der grobe, treuherzige Isak, er machte so viel
Lärm mit dem Balken, als er nur konnte, räusperte sich und hustete,
damit sie herauskommen und sich nicht wenig über ihn verwundern sollte.
Ganz richtig, als er daherkam, rief sie auch: Ich glaube, du bist
verrückt! Du bist doch wohl ein Mensch! sagte sie. Der Mann erwiderte
nichts. Das fiel ihm nicht ein. Im Vergleich zu einem Baumstamm etwas
mehr als ein Mensch zu sein, das war nicht der Rede wert. -- Und wozu
willst du denn den Stamm? fragte sie. -- Ach, das weiß ich selbst noch
nicht, antwortete er wichtig tuend.
Aber jetzt sah er, daß sie die Kartoffeln schon gehackt hatte, und
dadurch zeigte sie sich fast ebenso tüchtig wie er. Das war jedoch
nicht nach seinem Sinn, da machte er das Seil von dem Baumstamm los
und ging damit fort. Gehst du wieder? fragte sie. -- Ja, antwortete er
beleidigt.
Er kam mit einem zweiten Baumstamm daher, schnaufte nicht, lärmte
nicht, sondern zog ihn nur wie ein Ochse bis zur Gamme heran und ließ
ihn da liegen.
Im Laufe des Sommers schleppte er noch viele Baumstämme vor die Gamme.
2
Eines Tages legte Inger wieder Mundvorrat in ihren Kalbfellsack und
sagte: Jetzt mach ich wieder einen kurzen Besuch bei meinen Leuten. --
So, sagte Isak. -- Ja, ich muß nur einiges mit ihnen besprechen.
Isak ging nicht zugleich mit ihr hinaus, sondern zögerte noch lange
in der Gamme. Als er endlich auf die Schwelle trat und gar nicht
neugierig tat, aber voll banger Ahnungen war, verschwand Inger gerade
am Waldesrand. Hm. Kommst du wieder? konnte er nicht unterlassen, ihr
nachzurufen. -- Nicht wiederkommen! erwiderte sie. Ich glaube, du
spottest. -- So.
Dann war er wieder allein. Ach ja, Herrgott im Himmel! Mit seinen
Arbeitskräften und seiner Arbeitslust konnte er nicht nur in der Gamme
aus und ein gehen und sich nur selbst im Wege sein, da fing er an zu
arbeiten; er zweigte seine Baumstämme ab und hieb sie auf zwei Seiten
flach. Bis zum Abend schaffte er daran, dann melkte er die Ziegen und
legte sich schlafen.
Öde und stille war's in der Gamme, dumpfes Schweigen schlug ihm
entgegen vom Lehmboden und von den Torfwänden. Aber das Spinnrad und
die Kardätschen waren an ihrem Platz, und die Perlen an ihrem Faden
lagen wohlverwahrt in einem Beutel unter dem Dach. Inger hatte nichts
mitgenommen. Isak war jedoch so unendlich dumm, daß er sich in der
hellen Sommernacht vor der Dunkelheit fürchtete und bald dies, bald das
an den Fensterscheiben vorbeischleichen sah. Als es nach der Helligkeit
draußen ungefähr zwei Uhr sein mochte, stand er lieber wieder auf und
aß sein Frühstück. Er kochte eine ungeheure Schüssel Grütze, gleich für
den ganzen Tag, damit er nicht noch mehr Zeit aufs Kochen verwenden
müßte. Bis zum Abend brach er zur Erweiterung des Kartoffelackers
Neuland um.
Drei Tage lang behaute er abwechslungsweise Baumstämme und brach Land
um, am nächsten Tag kam dann wohl Inger. Es wäre nicht zuviel, wenn
er bei ihrer Ankunft Fische für sie bereit hätte, dachte er; aber er
wollte sich nicht auf den Weg machen und ihr geradeswegs übers Gebirge
entgegengehen, deshalb machte er einen Umweg nach dem Fischplatz. Dabei
kam er in unbekannte Gegenden des Gebirges; da waren nun graue Felsen
und braunes Geröll, ganz schwere Steine, die aus Blei oder Kupfer sein
konnten. Vieles konnte in diesen Steinen enthalten sein, vielleicht
Silber und Gold; er verstand sich jedoch nicht darauf, und so konnte
es ihm einerlei sein. Er kam an das Fischwasser; die Fische bissen
bei dem schnakenvollen Wetter in dieser Nacht gut an, es gab wieder
eine schwere Menge Salme und Forellen, und Inger würde aufschauen. Als
er bei Tagesanbruch auf demselben Umweg, auf dem er hergekommen war,
wieder zurückging, nahm er ein paar Stücke von dem Geröll mit, sie
waren braun mit dunkelblauen Flecken darin und gewaltig schwer.
Inger war nicht gekommen und kam auch nicht. Nun war es schon der
vierte Tag. Er melkte die Ziegen wie damals, wo er noch allein mit
ihnen gewesen war und niemand anderen zu dieser Arbeit hatte, dann
ging er zur Geröllhalde und trug große Haufen zu einer Mauer passender
Steine auf den Hofplatz. Er hatte wahrlich vielerlei Arbeit.
Am fünften Abend ging er mit leisem Mißtrauen im Herzen zu Bett, im
übrigen waren ja aber das Spinnrad und die Kardätschen noch da und
auch die Perlen. Dieselbe Öde in der Hütte und nirgends ein Laut! Das
wurden lange Stunden, und als er endlich eine Art Schritt draußen
vernahm, dachte er, das sei nur etwas, was er sich einbilde. Ach ja,
Herrgott im Himmel! sagte er in seiner Verlassenheit, und solche Worte
sprach Isak nicht, wenn er sie nicht wirklich meinte. Jetzt hörte
er die Schritte aufs neue, und kurz nachher sah er etwas am Fenster
vorbeigleiten, was es nun auch sein mochte, aber etwas mit Hörnern
war es, leibhaftig. Er sprang auf und zum Hause hinaus, und da sah er
etwas! Gott oder Teufel! murmelte er, und so etwas sagte Isak nicht,
ohne daß er sich dazu gezwungen fühlte. Er sah eine Kuh, Inger und eine
Kuh, die im Stalle verschwanden.
Wenn er nun nicht Inger im Stall noch leise mit der Kuh hätte reden
hören, hätte er wahrlich seinen Augen nicht getraut, aber er hörte
sie, und im selben Augenblick stieg ihm eine böse Ahnung auf: Himmel!
Natürlich war sie eine ausgezeichnete, verteufelte Frau, aber zu viel
war zu viel. Spinnrad und Kardätsche, das mochte hingehen, die Perlen
waren bedenklich vornehm, aber auch die mochten hingehen. Aber eine
Kuh, vielleicht auf einem Weg oder auf der Weide eines Bauern gefunden,
die von dem Besitzer vermißt wurde und nach der man forschen würde!
Jetzt trat Inger wieder aus dem Stall und sagte stolz lächelnd: Ich
habe nur meine Kuh mitgebracht! -- So, erwiderte er. -- Es dauerte so
lange, weil ich nicht rascher mit ihr übers Gebirge konnte; sie ist
trächtig. -- Hast du eine Kuh mitgebracht? sagte er. -- Ja, antwortete
sie, und war vom Reichtum dieser Erde bis zum Zerspringen erfüllt. Oder
meinst du, ich lüge dich an? sagte sie. Isak fürchtete das Schlimmste,
hielt sich aber im Zaum und sagte nur: Komm jetzt herein und iß etwas.
Hast du die Kuh gesehen? Ist sie nicht schön? -- Prächtig. Woher
hast du sie? fragte er so gleichgültig, als er konnte. -- Sie heißt
Goldhorn. Was willst du mit der Mauer, die du da aufgeführt hast? Du
schindest dich noch zu Tode, ja, das tust du. Ach, komm und sieh dir
die Kuh an!
Sie gingen hinaus, Isak war in Unterkleidern, aber das tat nichts. Sie
betrachteten die Kuh unendlich genau und von allen Seiten, den Kopf,
das Euter, das Kreuz, die Lenden; rot und weiß, gut gebaut.
Isak sagte vorsichtig: Für wie alt hältst du sie? -- Halten? entgegnete
Inger. Sie ist ganz genau, aufs Tüpfelchen genau, im vierten Sommer.
Ich habe sie selbst aufgezogen, und alle sagten damals, es sei das
netteste Kalb, das sie von ihrer Kindheit an gesehen hätten. Was meinst
du, haben wir Futter für sie?
Isak fing an, das zu glauben, was er gerne glauben wollte, und
erklärte: Was das Futter betrifft, so werden wir genug für sie haben.
Dann gingen sie hinein und aßen und tranken und legten sich zur Ruhe.
Aber sie redeten noch lange von der Kuh, von dem großen Ereignis. Ja,
aber ist es nicht eine schöne Kuh? Jetzt bekommt sie das zweite Kalb.
Sie heißt Goldhorn. Schläfst du, Isak? -- Nein. -- Und denk dir, sie
hat mich sofort wiedererkannt und ist mir gestern wie ein Lamm gefolgt.
Wir haben heute nacht eine Weile auf dem Gebirge ausgeruht. -- So? --
Wir müssen sie aber den ganzen Sommer auf der Weide anbinden, sonst
reißt sie aus, denn Kuh ist Kuh. -- Wo ist sie vorher gewesen? fragte
Isak schließlich. -- Bei meinen Leuten, die haben sie versorgt. Sie
wollten sie nicht hergeben, und die Kinder weinten, als ich sie mitnahm.
War es möglich, daß Inger so herrlich lügen konnte? Sie sprach
natürlich die Wahrheit, und die Kuh gehörte ihr. Nun wurde es großartig
und behaglich auf dem Hofe, bald gab es nichts mehr, was noch fehlte!
O diese Inger, er liebte sie, und sie liebte ihn wieder, sie waren
genügsam, sie lebten im Zeitalter des Holzlöffels und hatten es
gut. Wir wollen schlafen! dachten sie. Und dann schliefen sie. Bei
Morgengrauen erwachten sie zum nächsten Tag; es gab wohl allerlei, mit
dem man sich abplagen mußte, jawohl, Kampf und Freude, wie das Leben
eben ist.
Da waren nun zum Beispiel diese Balken. Sollte er versuchen, sie
aufzulegen? Isak hatte sich wohl umgesehen, als er im Dorfe war, und
sich die Bauart ausgedacht, er konnte eine Eckfuge aushauen. Und mußte
er es nicht durchaus tun? Jetzt waren Schafe auf den Hof gekommen, eine
Kuh war gekommen, der Ziegen waren es viele geworden und würden immer
mehr werden, der Viehstand sprengte den einen Raum der Gamme, er mußte
einen Ausweg finden. Am besten war es, er fing gleich an, solange die
Kartoffeln blühten und die Heuernte noch nicht begonnen hatte; Inger
mußte da und dort mit Hand anlegen.
In der Nacht erwacht Isak und steht auf. Inger schläft, fest und tief
schläft sie nach ihrer Wanderung. Er geht wieder in den Stall. Jetzt
redet er die Kuh ja nicht so an, daß es in widerliche Schmeicheleien
übergeht, aber er tätschelt sie freundlich und untersucht sie aufs neue
nach allen Richtungen, ob sie nicht irgendein Merkmal, ein Zeichen von
einem fremden Eigentümer habe. Aber er findet kein Zeichen und geht
erleichtert fort.
Da liegt das Bauholz. Er fängt an, es auseinander zu rollen, es in
einem Viereck auf die Mauer zu heben, ein großes Viereck für die Stube
und ein kleines Viereck für die Kammer. Es war sehr unterhaltend und
nahm ihn so in Anspruch, daß er darüber die Zeit vergaß. Jetzt rauchte
es aus dem Dachloch der Gamme, Inger trat heraus und meldete, das
Frühstück sei fertig. Und was hast du denn hier vor? fragte sie. --
Bist du aufgestanden? erwiderte Isak.
Seht, dieser Isak, er tat sehr geheimnisvoll, aber es gefiel ihm gut,
daß sie fragte und neugierig war und ein Wesen aus seinem Vorhaben
machte. Als er gegessen hatte, blieb er noch ziemlich lange in der
Gamme sitzen, ehe er wieder hinausging. Worauf wartete er?
Nein, ich bleibe hier sitzen! sagte er schließlich und stand auf. Und
ich habe doch so viel zu tun! sagte er. -- Baust du ein Haus? fragte
sie. Kannst du nicht antworten? -- Er antwortete aus Gnade, ja, er
fühlte sich außerordentlich groß, weil er ein Haus baute und dem Ganzen
vorstand, deshalb antwortete er: Du siehst doch wohl, daß ich baue. --
So? Ja, ja. -- Kann ich denn anders? sagte er. Du kommst wahrhaftig mit
einer ganzen Kuh daher, und da muß ich doch einen Stall für sie haben.
Arme Inger, sie war nicht so unmenschlich klug wie er, wie Isak, der
Herr der Schöpfung. Und es war, ehe sie ihn kennenlernte, ehe sie seine
Art zu sprechen verstand. Inger sagte: Aber du wirst doch nicht am
Ende einen Stall bauen? -- So, sagte er. -- Du führst mich wohl an,
denn es wäre ja viel besser, du bautest ein Haus. -- So, meinst du
das? erwiderte er und sah sie mit verstellt ausdrucksloser Miene an,
ja, als ob ihm bei ihrer Frage erst ein Licht aufginge. -- Ja, dann
können die Tiere die Gamme bekommen. -- Er überlegte und sagte dann:
Ich glaube wirklich, so wird es am besten sein! -- Da siehst du, sagte
die siegende Inger, ich bin auch nicht so ganz auf den Kopf gefallen.
-- Nein. Und was meinst du zu einer Kammer neben der Stube? -- Eine
Kammer? Dann wäre es bei uns wie bei anderen Leuten. Ja, wenn uns das
widerfahren würde.
Und es widerfuhr ihnen. Isak baute und hieb Eckfugen aus; er legte die
Balken im Viereck, und zugleich mauerte er eine Feuerstelle aus dazu
passenden Steinen; aber diese letzte Arbeit gelang ihm am wenigsten,
und er war zuzeiten recht unzufrieden mit sich. Als die Heuernte
begann, muß er von seinem Bauwerk heruntersteigen, um weitum in den
Halden das Gras zu mähen; danach trug er das Heu in ungeheuren Lasten
nach Hause.
An einem Regentag sagte Isak, er müsse hinunter ins Dorf.
Was willst du dort? fragte Inger. -- Ich weiß es selbst nicht genau,
antwortete er.
Er ging, war zwei volle Tage abwesend und brachte dann einen Kochherd
angeschleppt -- der Prahm kam durch den Wald dahergesegelt mit einem
Kochherd auf dem Rücken.
Du bist nicht wie ein Mensch gegen dich selbst, sagte Inger. Nun riß
Isak die Feuerstelle, die sich in dem neuen Haus so schlecht ausnahm,
wieder ein und stellte den Herd an ihren Platz. Nicht alle Leute haben
einen Kochherd, sagte Inger, und nun haben wir einen! sagte sie.
Die Heuernte ging ihren Gang, Isak brachte Heu in Massen heim, denn
Waldgras ist leider nicht dasselbe wie Wiesengras, sondern viel
geringer. Nun konnte er bloß an Regentagen an seinem Haus bauen, da
ging es langsam vorwärts, und im August, als Isak alles Heu unter dem
Felsenhang wohlgeborgen hatte, war das neue Haus erst halb gebaut.
Im September sagte Isak zu Inger: So geht es nicht, ich glaube, du mußt
hinunter ins Dorf gehen und mir einen Mann zur Hilfe holen. Inger aber
war in der letzten Zeit etwas schweratmig geworden und konnte nicht
mehr so schnell laufen, doch machte sie sich selbstverständlich fertig,
seinen Auftrag auszurichten.
Aber indessen hatte der Mann es sich anders überlegt, er wurde wieder
hoffärtig und wollte alles allein machen. Es ist nicht der Mühe wert,
die Leute darum anzugehen, sagte er, ich bringe es schon allein fertig.
-- Nein, du kannst es nicht schaffen, versetzte Inger. -- Doch, hilf
mir nur mit den Balken.
Als der Oktober herangekommen war, sagte Inger: Ich kann nicht mehr!
Das war nun sehr schlimm. Die Dachbalken sollten und mußten aufgesetzt
werden, damit das Haus gedeckt wurde, ehe die Herbstregen einsetzten,
es war höchste Zeit. Was hatte Inger nur? Sie wurde doch nicht krank?
Wohl bereitete sie ab und zu noch Ziegenkäse, sonst aber leistete sie
nichts mehr, als die Kuh Goldhorn auf der Weide viele Male am Tage
an einen andern Platz anzubinden. -- Bring einen großen Korb oder
eine Kiste oder so etwas mit, wenn du wieder ins Dorf gehst, hatte
Inger gesagt. -- Was willst du damit? fragte Isak. -- Ich brauche es,
antwortete sie nur.
Isak zog die Dachbalken an Seilen hinauf, und Inger schob mit einer
Hand nach; es war, als helfe es schon, wenn sie nur dabei war.
Allmählich ging es doch vorwärts; es war ja kein sehr hohes Dach, aber
die Balken waren abenteuerlich groß und dick für das kleine Haus.
Das gute Herbstwetter hielt sich einigermaßen, Inger hackte alle
Kartoffeln allein heraus, und Isak bekam das Haus unter Dach, ehe der
Regen endgültig einsetzte. Die Ziegen waren jetzt schon nachts bei den
Menschen in der Hütte drinnen, auch das ging, alles ging. Die Menschen
klagten nicht darüber. Isak machte sich wieder zu einem seiner Gänge
ins Dorf fertig. Du solltest für mich einen großen Korb oder eine Kiste
mitbringen, sagte Inger wieder, und es klang wie ein demütiger Wunsch.
-- Ich habe mir einige Fenster mit Glasscheiben bestellt, die ich
holen muß, erwiderte Isak. Und ich habe auch zwei angestrichene Türen
bestellt, fügte er überlegen hinzu. -- Nun ja, dann muß der Korb eben
warten. -- Was willst du mit dem? -- Was ich damit will? Ja, hast du
denn keine Augen im Kopf?
In tiefe Gedanken versunken, ging Isak seines Wegs dahin, und als er
nach zwei Tagen zurückkam, brachte er nicht allein ein Fenster, eine
Tür zur Wohnstube und eine Tür zur Schlafkammer mit, sondern über die
Brust herunter hing ihm auch die Kiste für Inger, und in der Kiste
waren verschiedene Eßwaren.
Inger sagte: Wenn du dich nur nicht eines Tages noch zu Tode
abschleppst! -- Hoho, zu Tode! Isak war so unendlich weit davon
entfernt, sich zu Tode zu schleppen, daß er aus seiner Tasche eine
Arzneiflasche mit Naphtha zog und sie Inger mit der Ermahnung übergab,
recht tüchtig davon zu trinken, damit sie wieder gesund werde. Und
da waren nun die Fenster und die angestrichenen Türen, mit denen er
großtun konnte, und er machte sich auch gleich daran, sie einzusetzen.
Ach, diese kleinen Türen, und gebraucht waren sie auch schon, aber
gemalt waren sie hübsch mit weißen und roten Farben, die schmückten die
Stuben wie Bilder an den Wänden.
Jetzt zogen sie in das neue Haus ein, und der Viehbestand wurde in der
ganzen Gamme verteilt. Zu der Kuh wurde ein Mutterschaf mit seinen
Lämmern hineingestellt, damit sie es nicht gar so einsam hätte.
Die Leute auf dem Ödland hatten es nun weit gebracht, wunderbar weit!
3
Solange das Erdreich noch weich war, brach Isak Steine und Wurzelstöcke
heraus und richtete sein Land fürs nächste Jahr, und als dann der Boden
gefror, ging er in den Wald und fällte große Mengen Klafterholz.
Was willst du mit all dem Holz? konnte Inger fragen. -- Das weiß ich
nicht so genau, antwortete Isak; aber er wußte es recht wohl. Der alte
düstere Urwald stand noch zu dicht ans Haus heran und versperrte jede
Erweiterung des Wiesenlandes, außerdem wollte er das Klafterholz
während des Winters auf irgendeine Weise ins Dorf hinunterschaffen und
es an Leute verkaufen, die kein Brennholz hatten. Isak war überzeugt,
daß das ein sehr guter Gedanke sei, deshalb fällte er fleißig Bäume und
hieb sie zu Klafterholz zurecht. Inger kam oft heraus und sah ihm zu;
er tat zwar, als sei ihm das gleichgültig und als sei das gar nicht
notwendig von ihr, aber sie fühlte doch, daß sie ihm dadurch wohltat.
Manchmal fielen dabei merkwürdige Worte zwischen ihnen. Hast du nichts
anderes zu tun, als hier herauszulaufen und dich zu Tode zu frieren?
sagte Isak. -- Ich friere nicht, antwortete Inger, aber du wirst dich
noch krank schaffen. -- Jetzt ziehst du gleich meine Jacke an, die dort
drüben liegt. -- Das fiele mir gerade noch ein, ich kann doch nicht
hierbleiben, wenn Goldhorn eben am Kalben ist. -- Ach so, Goldhorn ist
am Kalben? -- Hast du das nicht gewußt? Und was meinst du, sollen wir
das Kalb aufziehen? -- Das machst du, wie du willst, ich weiß es nicht.
-- Aber wir können doch das Kalb nicht aufessen, so viel ist gewiß.
Denn dann hätten wir immer wieder nur eine einzige Kuh. -- Und ich bin
auch fest überzeugt, du möchtest gar nicht, daß wir das Kalb aufäßen,
sagte Isak.
Diese einsamen Menschen, so ungeschlacht und zu sehr ihren Trieben
ergeben, aber voller Güte gegeneinander, gegen das Vieh und gegen die
Erde!
Dann brachte Goldhorn ein Kalb zur Welt. Das war ein bedeutungsvoller
Tag im Ödland, eine überaus große Freude und ein großes Glück. Goldhorn
bekam guten Mehltrank, und Isak sagte: Spar nicht am Mehl! obgleich
er es auf seinem Rücken heraufgetragen hatte. Da lag nun ein hübsches
Kalb, eine Schönheit von einem Kalb, rosig war es auch, sonderbar
verwirrt nach dem Wunder, das es durchgemacht hatte. In ein paar Jahren
würde es selbst Mutter sein. Dieses Kalb wird eine prachtvolle Kuh
werden, sagte Inger, und ich weiß gar nicht, wie es heißen soll, sagte
sie. Inger war etwas kindisch und hatte für so etwas nur eine schlechte
Erfindungsgabe. -- Heißen? sagte Isak. Du kannst keinen passenderen
Namen finden als Silberhorn.
Nun fiel der erste Schnee, und sobald der Schnee fest und tragfähig
war, zog Isak hinunter ins Dorf. Er tat geheimnisvoll wie immer und
wollte Inger nicht sagen, was er im Sinn hatte. Und er kehrte zurück,
zur größten Überraschung -- mit Pferd und Schlitten. Ich glaube, du
treibst deinen Scherz, sagte Inger, und du hast doch wohl das Pferd
nicht genommen? -- Ich, das Pferd genommen! -- Gefunden, meine ich!
Ach, wenn Isak jetzt hätte sagen können: mein Pferd, unser Pferd! Aber
er hatte es nur für einige Zeit leihweise bekommen, er wollte sein
Klafterholz mit ihm hinunterführen.
Isak fuhr Klafterholz ins Dorf und brachte dafür allerlei Eßwaren und
Mehl und Heringe mit herauf. Und einmal kam er mit einem jungen Stier
auf dem Schlitten, er hatte ihn unglaublich billig bekommen, weil im
Dorf bereits Futtermangel herrschte. Mager und zottig war der Stier,
und er konnte nicht so recht brüllen, aber er war keine Mißgeburt und
würde sich bei guter Pflege bald herausmachen, er war eben zweijährig.
Inger sagte: Du bringst doch alles mit.
Ja, Isak brachte alles; er brachte Planken und Bretter, die er für
Klafterholz eingetauscht hatte, er brachte einen Schleifstein, ein
Waffeleisen, Handwerkszeug, alles für Klafterholz eingetauscht. Inger
schwoll vor Reichtum, und sie sagte jedesmal: Bringst du noch mehr?
Jetzt haben wir einen Stier und alles, was wir uns nur denken können!
-- Und eines Tages antwortete Isak: Nein, jetzt bringe ich übrigens
nichts mehr.
Sie hatten jetzt genug für lange Zeit und waren wohlgeborgene Leute.
Was würde sich Isak nun im Frühjahr vornehmen? An die hundertmal hatte
er es sich ausgedacht, wenn er hinter seiner Holzfuhre hergeschritten
war: er wollte auf der Halde weiter umroden, wollte den Boden urbar
machen, Klafterholz zurechtmachen, es im Sommer trocknen lassen und
im nächsten Winter noch einmal so viel hinunterfahren. Die Rechnung
stimmte, es war kein Fehler darin. Und an die hundertmal hatte Isak
auch an etwas anderes gedacht, nämlich an die Kuh Goldhorn. Woher kam
sie, wem gehörte sie? So eine Frau wie Inger gab es nicht mehr, oh, sie
war ein tolles Mädchen, und sie wollte alles, was er von ihr wollte
und war zufrieden damit. Aber eines schönen Tages konnte jemand kommen
und Goldhorn zurückverlangen und sie an einem Strick davonführen. Und
viel Schlimmeres konnte daraus erwachsen. Du hast doch wohl das Pferd
nicht genommen oder es gefunden? hatte Inger gesagt. Das war ihr erster
Gedanke gewesen; man konnte ihr wohl nicht so recht glauben, und was
sollte er tun? Daran hatte er gedacht. Hatte er nicht auch einen Stier
für Goldhorn, vielleicht für eine gestohlene Kuh erstanden?
Und nun mußte das Pferd zurückgegeben werden. Das war schade, denn
das Pferd war klein und rund und sehr zutraulich geworden. O ja, aber
du hast schon sehr Großes damit geleistet, sagte Inger tröstend. --
Aber im Frühjahr sollte ich eben das Pferd haben, da würde ich es so
notwendig brauchen! versetzte Isak.
Im Morgendämmern fuhr er mit seiner letzten Holzladung langsam von
zu Hause fort und blieb zwei volle Tage weg. Als er wieder zu Fuß
heimwärts wanderte, hörte er vor dem Hause einen sonderbaren Ton. Was
konnte das sein? Er blieb lauschend stehen. Kindergeschrei -- ach ja,
Herrgott im Himmel, es war nicht anders, aber es war schrecklich und
sonderbar, und Inger hatte nichts gesagt.
Er trat ein und sah zuerst die Kiste, die vielbesprochene Kiste, die er
auf seiner Brust heraufgetragen hatte! Sie hing nun an zwei Stricken
vom Dachfirst herunter und war eine Wiege und eine Schaukel für das
Kind. Inger ging halb angekleidet umher, ja, sie hatte wahrhaftig auch
die Kuh und die Ziegen gemolken!
Als das Kind schwieg, fragte Isak: Hast du das alles schon getan?
-- Ja, jetzt ist es getan. -- So. -- Es kam an dem Tag, an dem du
wegfuhrst, am Abend. -- So. -- Ich mußte mich nur noch recken, um die
Kiste aufzuhängen, dann war alles vorbereitet; aber das konnte ich
nicht ertragen, es wurde mir übel danach. -- Warum hast du mir nichts
davon gesagt? -- Konnte ich denn die Zeit so genau wissen? Es ist ein
Junge. -- Ach so, es ist ein Junge. -- Und wenn ich jetzt nur wüßte,
wie er heißen soll! sagte Inger.
Isak durfte das kleine rote Gesicht sehen; es war wohlgeformt und
hatte keine Hasenscharte, und es hatte dichtes Haar auf dem Kopf. Ein
hübscher kleiner Kerl war er, seinem Stand und seiner Stellung nach,
wie er da in seiner Kiste lag. Isak war es ganz seltsam zumute, und er
fühlte sich ordentlich schwach; der Mühlengeist stand vor dem Wunder;
es war einmal in einem heiligen Nebel entstanden, es zeigte sich im
Leben mit einem kleinen Gesicht wie ein Sinnbild. Tage und Jahre würden
das Wunder zu einem Menschen machen.
Komm und iß etwas, sagte Inger ...
Isak fällt Bäume und schichtet Klafterholz. Er ist jetzt
weitergekommen, als er war. Er hat eine Säge. Er sägt Brennholz, und
die Klafterbeugen werden gewaltig groß, er macht eine Straße aus ihnen,
ein ganzes Dorf. Inger ist jetzt mehr ans Haus gebunden und kann den
Mann nicht bei seiner Arbeit besuchen, aber dafür macht Isak kleine
Abstecher zu ihr. Putzig mit so einem winzigen Kerl in einer Kiste! Es
konnte Isak nicht einfallen, sich um ihn zu kümmern, und außerdem war
es ja nur ein kleiner Wurm, mochte er da liegenbleiben! Aber man war
doch ein Mensch und konnte das Geschrei nicht teilnahmslos mit anhören,
so ein kleines Geschrei.
Nein, faß ihn nicht an! sagte Inger. Denn du hast gewiß Harz an den
Händen, sagte sie. -- Ich, Harz an den Händen? Du bist wohl verrückt!
erwiderte Isak. Seit das Haus fertig geworden ist, habe ich kein Harz
mehr an den Händen gehabt. Gib den Jungen her, dann will ich ihn in
Schlaf wiegen! -- Nein, jetzt ist er gleich still ...
Im Mai kommt eine fremde Frauensperson übers Gebirge zu der einsamen
Ansiedlung; sie ist eine Verwandte von Inger und wird gut aufgenommen.
Sie sagt: Ich wollte nur sehen, wie es Goldhorn geht, seit sie von uns
fortgekommen ist! -- Die Leute fragen nicht viel nach dir, nach so
einem kleinen Kerl, flüstert Inger betrübt dem Kinde zu. -- Ach, er --
nun das seh ich ja, wie es ihm geht. Es ist ein prächtiger Junge, das
seh ich! Und wenn mir jemand das vor einem Jahr gesagt hätte, daß ich
dich hier wiederfinden würde, Inger, mit Mann und Kind und Haus und
allem übrigen! -- Von mir sollst du nicht reden, das ist nicht der Mühe
wert. Aber da ist nun er, der mich so genommen hat, wie ich war! --
Seid ihr getraut? So, ihr seid noch nicht getraut? -- Aber wir werden
jetzt sehen, wenn der Kleine getauft wird, sagt Inger. Wir haben uns
schon trauen lassen wollen, aber es hat sich nicht einrichten lassen.
Was sagst du dazu, Isak? -- Ja, trauen lassen -- versteht sich. --
Kannst du nicht nach der Heuernte hierherkommen, Oline, und das Vieh
versorgen, während wir die Reise machen? fragte Inger. -- O doch, das
versprach der Besuch. -- Wir werden dich dafür schadlos halten. --
Ja, das wisse sie wohl ... Und nun wollt ihr noch weiter bauen, sehe
ich. Was baut ihr denn? Habt ihr noch nicht genug? -- Inger schüttelt
den Kopf und sagt: Ja, frag du ihn, ich bekomme es nicht zu wissen.
-- Was ich baue? sagt Isak, es ist nicht der Rede wert. Einen kleinen
Schuppen, für den Fall, daß ich einen brauche. Aber du hast ja nach
Goldhorn gefragt, willst du sie sehen? fragt er den Gast.
Sie gehen in den Stall, Kuh und Kalb werden gezeigt. Der Stier ist
ein prächtiges Stück Vieh, der Gast nickt wohlgefällig über das Vieh
und den Stall, sagt, sie seien von bester Art, und die ausgesuchte
Reinlichkeit, die sei großartig. Ich stehe bei Inger für alles ein, was
gute und erfahrene Behandlung der Tiere betrifft, sagte die Verwandte.
Isak fragt: So, also die Kuh Goldhorn ist vorher bei dir gewesen? --
Ja, von ihrer Geburt an! Ja, nicht gerade bei mir, sondern bei meinem
Sohn; aber das ist dasselbe. Wir haben sogar noch ihre Mutter in unserm
Stall!
Isak hatte seit langer Zeit keine angenehmere Botschaft gehört, und
ein Stein fiel ihm vom Herzen, jetzt war Goldhorn mit Recht seine und
Ingers Kuh. Um die Wahrheit zu sagen, so hatte er sich halb und halb
den traurigen Ausweg aus seiner Ungewißheit ausgedacht gehabt, Goldhorn
im Herbst zu schlachten, die Haare von der Haut zu schaben, die Hörner
in der Erde zu vergraben und so jegliche Spur von der Kuh Goldhorn
zu vertilgen. Jetzt war dies unnötig. Er wurde so stolz auf Inger,
daß er sagte: Reinlich? Ja, so wie sie gibt es keine mehr. Es muß mir
wahrhaftig vorher bestimmt gewesen sein, daß ich eine vermögliche
Frau bekommen sollte! -- Das war nicht anders zu erwarten! sagt die
Verwandte.
Diese Frau von jenseits des Gebirges, eine freundliche Person mit
wohlgesetzter Rede, ein verständiges Menschenkind namens Oline, sie
blieb nur ein paar Tage da und schlief in der Kammer nebenan. Als sie
wieder fortging, bekam sie etwas Wolle von Ingers Schafen, die sie
jedoch, einerlei aus welchem Grunde, vor Isak verbarg.
Das Kind, Isak und die Frau -- die Welt wurde dann wieder dieselbe,
tägliche Arbeit, viele kleine und große Freuden, Goldhorn gab reichlich
Milch, die Ziegen hatten junge Zicklein und gaben auch reichlich Milch,
Inger verfertigte eine Reihe weißer und roter Käse und stellte sie zum
Reifen auf. Ihr Plan war, so viele Käslaibe herzustellen, daß sie sich
einen Webstuhl dafür kaufen konnte -- o diese Inger, sie konnte weben!
Und Isak baute einen Schuppen, auch er hatte wohl einen Plan.
Er errichtete den neuen Anbau an die Gamme mit einer doppelten
Bretterwand, machte eine Tür hinein und ein nettes kleines Fenster
mit vier Scheiben; dann legte er vorläufig ein Notdach darauf und
wartete mit der Birkenrinde, bis der Boden auftauen würde und er
Wasen ausstechen könnte. Nur das Notwendigste wurde gemacht, kein
Bretterboden, keine gehobelten Wände, aber Isak zimmerte einen Stand
wie für ein Pferd und machte eine Krippe.
Es war schon Ende Mai, als die Sonne die Hügel aufgetaut hatte und
Isak seinen Schuppen mit Wasen decken konnte; nun war das neue
Gebäude fertig. Dann eines Morgens aß er eine Mahlzeit, die einen Tag
ausreichen konnte, nahm außerdem noch Mundvorrat mit, legte Hacke und
Spaten über die Schulter und ging ins Dorf.
Kannst du vier Ellen Zitz mitbringen? rief ihm Inger nach. -- Was
willst du damit? versetzte Isak.
Es sah aus, als wollte er für immer fortbleiben. Inger sah jeden Tag
nach dem Wetter, nach der Windrichtung, als erwarte sie ein Schiff,
ging in der Nacht hinaus und lauschte, sie dachte daran, das Kind auf
den Arm zu nehmen und ihm nachzulaufen. Endlich kehrte er zurück mit
Pferd und Wagen. Ptro! sagte Isak laut vor der Tür, und obgleich das
Pferd ruhig und fromm dastand und wiedererkennend nach der Hütte
wieherte, rief Isak ins Haus hinein: Kannst du herauskommen und das
Pferd ein wenig halten?
Inger kam heraus. Was ist das? rief sie. Sag, hast du es wirklich
wieder entlehnen können? Wo bist du denn die ganze Zeit gewesen? Heut
ist der siebente Tag. -- Wo sollte ich gewesen sein? Ich mußte an
vielen Stellen erst den Weg bahnen, um mit meinem Wagen durchzukommen.
Halt das Pferd ein wenig, hab ich gesagt! -- Mit deinem Wagen? Du hast
doch, soviel ich weiß, den Wagen nicht gekauft?
Isak blieb stumm, ganz geschwollen vor Stummheit. Er fängt an, den
Karren abzuladen; Pflug und Egge, die er sich angeschafft hat, Nägel,
Eßwaren, einen Spaten, einen Sack voll Saatkorn. Wie geht es dem Kinde?
fragt er.
Das Kind leidet keine Not. Hast du den Karren gekauft? frage ich.
Und ich quäle und quäle mich um einen Webstuhl ab, sagt sie richtig
scherzhaft, so froh war sie, daß er wieder daheim war.
Isak schwieg wieder eine lange Weile und war mit sich selbst
beschäftigt. Er überlegte und schaute sich um, wo er alle die Waren und
die Geräte unterbringen sollte. Es schien gar nicht so leicht, auf dem
Hofe Platz für alles zu finden. Aber als Inger es aufgab, noch weiter
zu fragen und statt dessen mit dem Pferde plauderte, brach Isak das
Schweigen und sagte: Hast du schon einen Hof ohne Pferd und Wagen und
Pflug und Egge und alles, was noch dazu gehört, gesehen? Und da du es
wissen willst, ja, ich habe das Pferd und den Karren und alles, was
darauf ist, gekauft. -- Danach konnte Inger nur den Kopf schütteln und
sagen: Um alles in der Welt!
Und nun war Isak nicht klein und verzagt, es war, als habe er wie ein
großer Herr für Goldhorn bezahlt: Bitte -- in runder Summe meinerseits
ein Pferd! Er war so muskelstark, daß er den Pflug noch einmal
aufnahm, ihn mit einer Hand an die Hauswand trug und da aufstellte. So
ein Herrscher war er! Und dann trug er die Egge, den Spaten, eine neue
Heugabel, die er gekauft hatte, alle die teuren landwirtschaftlichen
Geräte, die Kleinode, in den Neubau. Großartig, oh, volle Ausrüstung,
jetzt fehlte nichts mehr!
Hm. Und es wird wohl auch zu einem Webstuhl reichen, sagte er,
vorausgesetzt, daß ich gesund bleibe. Da ist der Zitz, sie hatten
nichts anderes als diesen blauen Kattun.